Weil man ja irgendwie doch an seinem Führerschein hängt,
gelegentlich aber auch auf einen guten Tropfen nicht verzichten möchte, sucht man
natürlich nach Auswegen. Öffentliche Verkehrsmittel? Sind nachts um drei nicht unbedingt
der Superservice. Und außerdem sind die meisten Mitfahrer betrunken. Taxifahren? Würde
man ja gerne, aber immer ausgerechnet dann, wenn man mal eins braucht, sind sie alle
besetzt.
Manch einer ist da - vor allem wenn man nicht weit von daheim
weg feiert - schon auf die Idee gekommen, doch einfach mit dem Fahrrad nach Hause zu
fahren, was ja auf den ersten Blick einige Vorteile hat. Verschmutzt die Umwelt nicht. Das
Bett dreht sich beim Einschlafen nicht im Kreis, weil einen der Fahrtwind wieder nüchtern
gemacht hat. Und den Führerschein können Sie einem auch nicht wegnehmen.
Letzteres ist leider ein weitverbreiteter Irrtum. Denn das
Alkoholverbot im Straßenverkehr gilt nicht nur für Autos sondern für Fahrzeuge aller
Art, also auch für Fahrräder. Der Führerschein kann also nicht nur Trunkenheit am
Steuer, sondern auch bei Trunkenheit am Fahrradlenker weg sein. Immerhin gelten aber für
Radfahrer etwas großzügigere Promillewerte. Als Autofahrer ist man ja ab 1.1 Promille
absolut fahruntüchtig und ist, unabhängig davon, ob man einen Unfall baut oder nicht,
seinen Schein los. Auf dem Fahrrad gilt das erst ab 1,6 Promille. Und die Grenzen von 0,5
und 0,8 Promille gelten überhaupt nur für Autofahrer und nicht für Radler.
Aber ein großer Vorteil ist das bei genauer Überlegung leider auch nicht. Denn sobald
man unter Alkohol einen Unfall baut, reichen auch auf dem Fahrrad genauso wie am Steuer
eines Autos schon 0,3 Promille aus, und der Schein ist weg. Nun sagen sich viele: Naja -
wird schon nix passieren, aber seien wir mal ehrlich. Mit mit drei halben Bier Fahrrad
fahren - das sind zwar nur etwa 0,8 bis 1 Promille, aber wer's nicht gewohnt ist, der
braucht die ganze Fahrbahnbreite, um nach Hause zu kommen, und dann ist ein Unfall
geradezu vorprogrammiert.
Und obwohl ein Fahrrad viel langsamer ist als ein Auto und viel weniger Wucht hat, kann
ein Fahrradunfall doch heftige Folgen haben. Wenn z.B. ein entgegenkommender Tanklastzug
einem betrunkenem Radler ausweichen muss und in ein vollbesetztes Straßencafé
hineinrast, umkippt, In Brand gerät...
Es hilft also alles nichts. Wir müssen mal wieder unseren
Partner bitten, nüchtern zu bleiben. Oder eben doch die U-Bahn oder das Taxi nehmen.