Computer, Software, Büromöbel

Geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben und Steuern sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) ist beweglich, abnutzbar und selbstständig nutzbar. Es muss für die Arbeit eines Steuerpflichtigen notwendig sein.
  • Typische GWG sind zum Beispiel Büromöbel und -materialien oder Software.
  • Kostet ein GWG nicht mehr als 410 Euro ohne oder 487,90 Euro mit Umsatzsteuer, können Sie es als Werbungskosten geltend machen und auf einen Schlag direkt von Ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen – egal, ob Sie Arbeitnehmer oder Selbstständiger sind.
  • Teurere Wirtschaftsgüter müssen über ihre Nutzungszeit abgeschrieben werden.
  • Benötigen Sie GWG, um Einkünfte aus Kapitalvermögen zu erzielen, muss der Gesamtwert den Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Alleinstehende bzw. 1.602 Euro für Verheiratete übersteigen, damit Sie sie in Ihrer Einkommensteuererklärung ansetzen können.
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Als Arbeitnehmer können Sie geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) nutzen, um Ihr zu versteuerndes Einkommen und damit Ihre Steuerlast zu senken. Ein GWG ist ein Wirtschaftsgut, das beweglich, abnutzbar sowie selbstständig nutzbar ist und dessen Anschaffungs- oder Herstellungskosten einen bestimmten Wert nicht übersteigen. Die rechtlichen Grundlagen finden sich in § 6 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG). Bei Unternehmen gehören GWG zum Anlagevermögen.  

Während Wirtschaftsgüter normalerweise nur über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden können, gelten für GWG eigene steuerliche Regeln. Wie diese Regeln im Einzelnen aussehen, hängt davon ab, wann Sie das GWG gekauft haben.

Was Arbeitnehmer absetzen können

Als Arbeitnehmer können Sie solche GWG als Werbungskosten von der Steuer absetzen, die Sie für Ihre Arbeit benötigen. Allerdings muss ein GWG in jedem Fall selbstständig nutzbar sein, um anerkannt zu werden. Damit scheiden beispielsweise das Modem oder der Monitor, den Sie zusammen mit einem Computer angeschafft haben, als nicht eigenständig aus – denn sie können nicht allein verwendet werden. Typische GWG sind Kleinmöbel, Schreibtischstühle, Diktiergeräte oder beruflich genutzte Software.

Nicht ganz so einfach ist die Geltendmachung von geringwertigen Wirtschaftsgütern bei Einkünften aus Kapitalvermögen. Denn mit der Einführung von Abgeltungssteuer und Sparerpauschbetrag wurde der Abzug tatsächlicher Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschlossen. Die entsprechenden Zeilen in der Anlage KAP wurden gestrichen.

Tipp

Hierhin in der Steuererklärung

Anschaffungen, die Sie nahezu ausschließlich beruflich nutzen, können Sie bis zu einem Preis von 410 Euro ohne Mehrwertsteuer – also bis zu einem Gesamtpreis von 487,90 Euro – direkt von Ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen. Dazu rechnen Sie die einzelnen Posten zusammen und tragen die Summe in den Zeilen 41/42 in der Anlage N zu Ihrer Steuererklärung für 2014 ein. Die Kaufbelege müssen Sie zusammen mit der Einkommensteuererklärung einreichen.  

So können Sie auch vorgehen, wenn Sie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen. In diesem Fall machen Sie Ihre GWG-Abschreibung in Zeile 35 der Anlage V geltend.

Sollten Ihre tatsächlichen, zu den GWG gehörenden Werbungskosten den Sparerpauschbetrag von 801 Euro bei Ledigen bzw. 1.602 bei Verheirateten übersteigen, können Sie die Werbungskosten in einer gesonderten Aufstellung erfassen. Diese können Sie als Einzelanlage der Einkommensteuererklärung beifügen und den Abzug der tatsächlichen Werbungskosten beantragen.

Anders als für Selbstständige oder Firmeninhaber spielt es bei diesen Einkunftsarten keine Rolle, wann Sie das entsprechende Geringwertige Wirtschaftsgut angeschafft haben.

Wenn Sie selbstständig oder Firmeninhaber sind

Achtung

Sammelposten

Haben Sie in einem Jahr einen Sammelposten gebildet, müssen Sie alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150,01 bis 410 Euro darin aufnehmen. Es ist nicht zulässig, manche Wirtschaftsgüter bis 410 Euro sofort abzuschreiben und andere in den Pool einzustellen.

Beziehen Sie Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit oder aus einem Gewerbebetrieb, haben Sie ein Wahlrecht bei der Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern. Güter bis zu einem Wert von netto 410 Euro können Sie sofort abschreiben, also im Jahr der Herstellung oder Anschaffung. Übersteigt der Wert von GWG die Grenze von netto 150 Euro, müssen Sie diese unabhängig von der tatsächlichen Abschreibung zu Dokumentationszwecken in einem gesonderten Verzeichnis erfassen, das das Finanzamt prüfen kann. Sind die Angaben ohne Weiteres aus Ihrer Buchführung ersichtlich, zum Beispiel auf einem Kontoblatt, können Sie auf das Verzeichnis verzichten.  

Sie können statt der sofortigen Abschreibung aber auch die sogenannte Poolabschreibung wählen. Dabei fassen Sie GWG mit einem Nettowert zwischen 150,01 Euro und 1.000 Euro zusammen. Diesen Pool schreiben Sie über fünf Jahre ab, also 20 Prozent im Jahr. Die betriebsübliche Nutzungsdauer spielt ebenso wenig eine Rolle wie die zwischenzeitliche Veräußerung oder Wertminderung einzelner Wirtschaftsgüter. Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten erhöhen den Wert des Pools ab dem Jahr der Zuschreibung.

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Regeln für Anschaffungen in den Jahren 2008 und 2009

Als Selbstständiger oder Gewerbetreibender müssen Sie Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten maximal 150 Euro betragen, sofort abschreiben, wenn Sie diese zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 31. Dezember 2009 erworben haben. Für Güter mit einem Wert zwischen netto 150,01 und 1.000 Euro können Sie einen Sammelposten bilden, den Sie über fünf Jahre abschreiben. Scheidet in dieser Zeit ein Wirtschaftsgut aus dem Sammelposten aus, darf dieser nicht vermindert werden.

Regelung für Anschaffungen vor 2008

Sofern die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines vor dem 31. Dezember 2007 erworbenen Wirtschaftsguts nicht über netto 410 Euro liegen, können Sie es im Jahr seiner Herstellung oder Anschaffung vollständig abschreiben.

Community

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Andrea Wekenborg

ehemalige Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Andrea Wekenborg verfasste für Finanztip Artikel im Ressort Recht & Steuern. Ihre Begeisterung für Verbraucherthemen entdeckte sie in der Ombudsredaktion der Berliner Zeitung. Später schrieb sie fünf Jahre für einen Online-Finanzvergleich über Versicherungen, Konten und Steuern. Zudem war sie bereits beim Verbraucherzentrale Bundesverband tätig.

Ludwig Heinz

freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz schreibt als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.