Euro-Schwäche

Kein Grund zur Panik für Verbraucher

Das Wichtigste in Kürze

  • Verbraucher und Anleger sollten sich nicht von düsteren Prognosen über einen Verfall des Euro verunsichern lassen.
  • Wechselkurse lassen sich nicht mit Sicherheit vorhersagen.
  • Trotz Euro-Schwäche zahlen Verbraucher derzeit vergleichsweise wenig für Benzin – wegen des gesunkenen Ölpreises.
  • Wer in international anlegende Aktienfonds investiert, kann sich etwas gegen das Risiko von Kaufkraftverlusten bei fallendem Euro absichern.
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Anfang 2008 hatten europäische Urlauber noch gut lachen. In Scharen strömten sie in die USA, um günstig ihre Ferien zu verbringen und billig einzukaufen. Der Euro hatte damals gegenüber dem US-Dollar seinen historischen Höchstkurs erreicht: Rund 1,57 US-Dollar bekam man für einen Euro. Der niedrige Wechselkurs bescherte den Europäern Urlaub in Übersee zum Schnäppchenpreis.

Jetzt schlägt das Pendel zurück. Nach dem Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa haben die Wechselkursschwankungen zum US-Dollar zugenommen. Dabei gab der Euro tendenziell immer weiter nach.

Seit Mai 2014 hat sich der Druck auf die europäische Gemeinschaftswährung wieder verstärkt. Nach dem Beginn des Anleihen-Aufkaufprogramms der Europäischen Zentralbank Anfang März notierte der Euro bei rund 1,06 US-Dollar pro Euro. Gegenüber dem US-Dollar hat der Euro damit fast 24 Prozent verloren.

Düstere Prognosen sind lediglich Meinungen

Manche Bank-Volkswirte prognostizieren einen fortgesetzten Sinkflug des Euro. Die extremste Vorhersage stammt von der Deutschen Bank, einem der größten Währungshändler weltweit, entsprechend hoch war die Beachtung in den Medien. Das Geldinstitut erwartet, dass der Euro bis 2017 auf 0,85 US-Dollar pro Euro fällt. Aus der Sicht von Verbrauchern ist das eine düstere Prognose. Dennoch besteht kein Grund zur Aufregung. Denn eine sichere Vorhersage von Wechselkursen ist grundsätzlich nicht möglich. Meistens gehen die Prognosen daneben.

Das liegt unter anderem daran, dass die Rechnung zu viele Unbekannte hat, die die Wechselkurse beeinflussen: beispielsweise die Geldpolitik, das Zinsniveau, Wirtschaftswachstum und Inflation – alles Größen, die sich nicht mit Sicherheit vorhersagen lassen. Wechselkursprognosen sind deswegen – wie alle anderen Wirtschafts- und Finanzprognosen auch – letztlich Meinungsäußerungen. Ob sie sich bewahrheiten, steht in den Sternen.

Wegen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gibt der Euro allerdings seit Monaten nach. Wie lange zuvor angekündigt hat die EZB im März 2015 begonnen, in großem Stil Anleihen von Euro-Staaten aufzukaufen. Das treibt die Preise für diese Papiere tendenziell nach oben und drückt deren Verzinsung weiter nach unten. Festverzinsliche Anlagen im Euro-Raum werden dadurch unattraktiver. Investoren ziehen Geld ab und suchen sich lukrativere Währungsräume, etwa die USA. Dort wird derzeit über eine Anhebung der Zentralbankzinsen spekuliert. Werden große Geldsummen aus dem Euro-Raum in den US-Dollar umgeschichtet, sinkt in der Folge der Euro gegenüber dem US-Dollar.

Fallender Ölpreis kompensiert Euro-Schwäche

Doch welche Folgen hat ein fallender Euro-US-Dollar-Wechselkurs für die Verbraucher? Klar, Urlaub in den USA und in Ländern, deren Währung sich am US-Dollar orientiert, wird vor Ort teurer. Doch solange Sie in einem Euro-Land Ihre Ferien verbringen, kann Ihnen der Außenwert des Euro ziemlich egal sein.

Anders sieht es an der Tankstelle aus. Autofahrer bekommen Wechselkurseinbrüche normalerweise mit als Erste zu spüren. Denn Rohöl, der Grundstoff für Benzin, wird in US-Dollar gehandelt. Verliert der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert, wird Öl für uns teurer. Weil die Kosten für Öl aber nur einen kleinen Anteil am Benzinpreis ausmachen, schlagen sich Preisänderungen für den Rohstoff nur in einem geringeren Umfang an der Zapfsäule nieder. Von den jüngsten Wechselkursbewegungen kam in den vergangenen Monaten sogar nichts an den Tankstellen an. Im Gegenteil: Laut ADAC betrug der Preis für einen Liter Super E10 im Juni 2014 im Schnitt 155,8 Euro-Cent. Im Februar 2015 kostete der Kraftstoff 132,2 Euro-Cent, er war also gut 23 Cent billiger.

Der Grund für die sinkenden Preise trotz Euro-Schwäche ist der Ölpreis: Die Notierungen für ein Barrel (= 159 Liter) der Nordseesorte Brent fielen seit Mitte Juni um rund 50 Prozent. Die amerikanische Sorte WTI gab im gleichen Zeitraum um gut 52 Prozent nach (Stand: 11. März 2015). Dies wirkte stärker auf den Benzinpreis als der Kaufkraftverlust des Euro.

Autofahrer können noch mehr sparen – unabhängig von Ölpreis- und Wechselkursentwicklung. Laut einer Untersuchung des ADAC schwanken die Benzinpreise an Tankstellen innerhalb von 24 Stunden im Schnitt um mehr als 8 Cent. Dabei machten die Marktbeobachter des Automobilclubs ein stabiles Muster bei der Preisentwicklung aus. So ist der Kraftstoff zwischen 18 und 20 Uhr im Schnitt am günstigsten. In der Nacht ziehen die Preise üblicherweise kräftig an und geben dann im Tagesverlauf bis zum frühen Abend immer weiter nach. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) des Bundeskartellamts kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Wenn Sie zur günstigsten Zeit tanken, können Sie bei einer Tankfüllung von 40 Litern Benzin gut 3 Euro sparen.

Anleger müssen nicht auf den Euro-Kursverfall reagieren

Anders als beim Benzinpreis machen sich Wechselkursänderungen bei vielen Geldanlage-Produkten deutlicher bemerkbar – in manchen Wertpapieren und Fonds sogar eins zu eins. Müssen Anleger nun auf die Euro-Schwäche reagieren? Die Antwort lautet, sie müssen nicht. Zumindest dann nicht, wenn sie vernünftig angelegt haben. Renten- und Aktienfonds, die ausschließlich im Euroraum anlegen, sind ohnehin nicht von Währungsschwankungen betroffen. Das gilt auch für einzelne Wertpapiere wie Anleihen oder Aktien, die in Euro herausgegeben wurden.

International investierende Aktienfonds sind dagegen Wechselkursänderungen ausgesetzt. Sie kaufen Anteile an Unternehmen rund um den Globus. An den lokalen Börsen werden die Aktien jeweils in den lokalen Währungen gehandelt. Legt ein Fonds beispielsweise in den USA, Großbritannien und Japan an, bestehen aus der Sicht eines deutschen Anlegers Währungsrisiken gegenüber Dollar, Pfund und Yen. Wechselkursschwankungen führen dann zu Verlusten, wenn der Euro steigt, und zu Gewinnen, wenn der Euro fällt.

Globale Aktienfonds profitieren derzeit von Wechselkursgewinnen

Anleger sind an solchen Wechselkursänderungen beteiligt, wenn sie der Empfehlung von Finanztip gefolgt sind und als Fundament für ihre Aktienanlage einen Indexfonds auf den Weltaktienindex MSCI World gewählt haben. Der MSCI World fasst wie die Indexfonds, die ihn kopieren, die Börsenentwicklung von mehr als 1.600 Unternehmen in 23 Ländern zusammen. Nur knapp 12 Prozent der Konzerne sind aus der Eurozone. Der Rest verteilt sich auf andere Währungsräume. Mehr als 55 Prozent entfallen auf den US-Dollar, rund 8 Prozent jeweils auf das Pfund und den Yen. In geringeren Dosen sind der kanadische Dollar, der Schweizer Franken, der australische Dollar und die schwedische Krone vertreten.

Bis auf die Krone hat der Euro gegenüber allen diesen Währungen seit April 2014 deutlich an Wert verloren. Anleger, die Anteile an einem MSCI-World-Indexfonds gekauft haben, machten also in den vergangenen Monaten Währungsgewinne. Das ist kurzfristig ein willkommenes Zubrot, das man allerdings nicht überbewerten sollte. Denn Aktienkurse schwanken weit stärker als Wechselkurse.

Aktienfonds sind eine langfristige Anlage, die man zehn Jahre und länger behalten sollte. Das Verlustrisiko wird mit zunehmender Zeit immer kleiner. Über so lange Zeiträume sind Währungsgewinne oder -verluste zum Teil gering. Der Euro beispielsweise notierte Anfang März 2015 knapp 12 US-Cent unter seinem Einführungskurs von 1,1789 US-Dollar pro Euro. Das entspricht einer Kursänderung von etwa 10 Prozent über einen Zeitraum von 15 Jahren. Die Schwankungen während dieser Periode waren allerdings gewaltig: Sie reichte von 0,85 bis 1,57 US-Dollar.

Insgesamt sinkt das Anlagerisiko aber, wenn man sein Geld über einen internationalen Aktienfonds auf verschiedene Währungsräume verteilt. Dabei sind natürlich auch Wechselkursverluste möglich. Aber gerade vor dem Hintergrund der Euro-Krise, von der niemand vorhersehen kann, wie sie sich weiter entwickelt, ist es vernünftig, international in Aktien zu anzulegen.

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Wechselkursgewinne können steigende Inflation kompensieren

Eine solche breit gestreute Anlage kann auch die Folgen eines weiteren Euro-Verfalls im Inland mildern. Denn sinkt der Kurs des Euro weiter gegenüber den Währungen der Nicht-Euro-Länder, aus denen Deutschland am meisten importiert, dann werden deren Waren hierzulande teurer – die Inflation wächst.

Ziehen die Konsumentenpreise wegen eines immer schwächeren Euros wieder an, während die Zinsen weiterhin auf Rekordtiefständen verharren, haben vor allem Sparer, die ihr Geld bei Banken horten, das Nachsehen: Die Kaufkraft ihres Vermögens sinkt. Wer dagegen auch in internationale Aktienfonds anlegt, erzielt bei einer solchen Entwicklung Wechselkursgewinne – quasi als Ausgleich für die steigenden Lebenshaltungskosten. Ob allerdings gleichzeitig die Aktienkurse stabil bleiben, steht auf einem anderen Blatt.

Langfristig haben weltweit anlegende Aktienfonds in der Vergangenheit aber eine relativ hohe Rendite erzielt – auch nach Abzug der Teuerungsrate. Mehr als 5 Prozent waren im Durchschnitt drin, zeigen verschiedene Untersuchungen. Unterm Strich sind Sie demnach mit einer Anlage in Indexfonds, auch kurz ETF genannt, auf den MSCI World gut aufgestellt. Wie Sie das am besten machen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Aktien-ETF.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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