Fahrradschutzbrief

Pannenhilfe kann sich auch fürs Fahrrad lohnen

Daniel Pöhler Stand: 07. April 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Fahrradschutzbrief lohnt sich vor allem für Radreisende und E-Bike-Pendler aus dem Umland. Wer lediglich in seinem Heimatort radelt, braucht den Schutzbrief nicht unbedingt.
  • Für Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ist einfache Pannen- und Unfallhilfe in Deutschland im Mitgliedsbeitrag enthalten.
  • Erweiterter Schutz durch die sogenannte Pannenhilfe Plus kostet für ADFC-Mitglieder einen Aufpreis von 11,90 Euro im Jahr.
  • Günstiger ist der Fahrradschutzbrief des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) für 9 Euro im Jahr. Eine Mitgliedschaft im VCD ist dafür nicht erforderlich. [Update Juli 2018: Eine VCD-Mitgliedschaft ist jetzt Voraussetzung für den Schutzbrief. Wir werden diesen Ratgeber demnächst aktualisieren.]
  • Gegen Diebstahl können sich Besitzer hochwertiger Räder mit einer Fahrrad-Versicherung absichern.

Wenn in tiefster Provinz die Sattelstrebe bricht oder der Motor des E-Bikes streikt, dann wünscht sich so mancher Radler eine Pannenhilfe wie beim ADAC. Und tatsächlich bietet das Pendant für Radfahrer, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), seinen Mitgliedern seit 2016 rund um die Uhr Hilfe im Pannenfall. Wer erweiterten Schutz wünscht, muss dafür zusätzlich zum normalen Jahresbeitrag weitere 11,90 Euro zahlen.

Der ADFC bietet nicht den ersten oder einzigen Fahrradschutzbrief an. Wir vergleichen die Pannenhilfe des Fahrradclubs mit den Schutzbriefen des Versicherungsmaklers Pergande & Pöthe, der Roland-Versicherung und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Diese Angebote tauchen in Suchmaschinen weit oben auf, sodass viele Verbraucher darauf stoßen.

Wer einen Fahrradschutzbrief braucht

Insbesondere für Radfahrer, die mit dem Velo auch verreisen, lohnt sich ein Schutzbrief. Denn wer auf einem idyllischen Radweg weit weg von der nächsten Stadt liegen bleibt oder einen Unfall hat, verliert sonst viel Zeit, Geld und Nerven. Aber auch für Berufspendler, die mit einem Elektrofahrrad unterwegs sind, kann sich der Schutz lohnen. Denn E-Bikes (Fachbegriff: Pedelecs) sind deutlich schwerer und komplexer aufgebaut als Fahrräder ohne Motor. Das macht es schwieriger, eine Panne selbst zu beheben oder das Rad zu transportieren.

Kosten für Schutzbriefe schwanken

Einfache Pannenhilfe in Deutschland ist in der ADFC-Mitgliedschaft für 56 Euro im Jahr enthalten. Die 24-Stunden-Hotline (0221 82 77 94 22, Mitgliedsnummer bereithalten) nennt laut ADFC-Website Werkstattadressen, organisiert Pannenhilfe oder einen Abschleppdienst. Ausgenommen von diesem Service ist ein platter Reifen, der einfach aufgepumpt werden kann. Wer bereits ADFC-Mitglied ist und keine Radreisen im Ausland unternimmt, für den reicht dieser Schutz wahrscheinlich aus.

Für die „ADFC-Pannenhilfe-Plus“ zahlen Mitglieder 11,90 Euro zusätzlich im Jahr. Wer noch kein Mitglied ist, für den summieren sich die Kosten also auf jährlich 67,90 Euro. Weniger zahlen junge Mitglieder bis 26 Jahre. Günstiger wird es auch durch eine Familien- oder Haushaltsmitgliedschaft, bei der sich mehrere Leute die Kosten teilen.

Der Fahrradschutzbrief von Pergande & Pöthe kostet jährlich 14,36 Euro. Wer kein Mitglied im ADFC ist, zahlt dafür im Vergleich zum Angebot des Fahrradclubs rund 44 Euro weniger im Jahr.

Die Roland-Versicherung verlangt für ihren Schutzbrief 19,90 Euro im Jahr. Familien zahlen 29,90 Euro.

Ein weiterer Club ermöglicht Pannenhilfe fürs Rad: der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Der Fahrradschutzbrief vom VCD gilt für die ganze Familie und kostet 9 Euro im Jahr. Das Angebot können auch Nichtmitglieder abschließen. Somit ist der VCD-Schutzbrief der mit Abstand günstigste in unserem Vergleich.

Unterschiedliche Leistungen

ADFC, VCD und Roland-Versicherung schicken, falls nötig, Pannenhelfer an den Schadensort. Wenn sie die Panne nicht beheben können, transportiert ein Abschleppdienst das Fahrrad zur Werkstatt. In dieser Kerndisziplin haben Versicherte bei Pergande & Pöthe das Nachsehen: Soforthilfe am Pannenort gibt es für sie nicht. Lediglich ein Taxi und die Transportkosten zur Werkstatt bekommen sie bezahlt. Auch die weiteren Leistungen unterscheiden sich.

Fahrradschutzbriefe im Leistungsvergleich

 

ADFCADFCPergande &
Pöthe
Roland-
Versicherung
VCD
ProduktnamePannenhilfePannenhilfe
Plus
Fahrrad-Schutzbrief-VersicherungFahrrad-
Schutzbrief
Plus-Schutzbrief
Preis / Jahrkostenlos
für
Mitglieder
11,90 € für Singles / 19,90 € für Familien (nur für Mitglieder)14,36 €19,90 € für
Singles,
29,90 € für
Familien
9 € (Singles/
Familien)
24-Stunden-Hotline
Pannen- und Unfallhilfe vor Ort✔ (sofern 
verfügbar)
✔ (sofern 
verfügbar)
✔ (sofern
verfügbar)
✔ (bis 100€)
Abtransport
zur Werkstatt
✔ (bis 130 €)✔ (bis 150 €)
Bergung✔ (bis 2.000 €)✔ (bis 2.000 €)
Weiter- oder Rückfahrt✔ (bis 500 €, auch nach Diebstahl)nur Rückfahrt
aus dem
Ausland
bis 130 €
✔ (bis 500 €,
auch nach
Diebstahl)
Mietfahrrad50 €/Tag,
max. 14 Tage
15 €/Tag,
max. 7 Tage
50 €/Tag,
max. 7 Tage
bis 50 €
Übernachtung100 €/Nacht, max. 5 Nächte80 €/Nacht,
max. 5 Nächte
(auch nach
Diebstahl)
bis 100 €/
Nacht, max. 3 Nächte
Kranken-
Rücktransport
falls medizinisch notwendigfalls
medizinisch notwendig
min. Entfernung Schadenort-
Wohnort
keine> 10 km für erweiterte Leistungen
(gilt nicht für Pannenhilfe)
>= 5 km> 10 km für
erweiterte
Leistungen
(gilt nicht für Pannenhilfe)
> 50 km für erweiterte Leistungen
(gilt nicht für Pannenhilfe)
gültig inDeutschlandEuropa, Mittelmeer-Anrainer-staaten

Europa, Mittelmeer-Anrainer-

staaten

Europa,
Mittelmeer-
Anrainerstaaten, Kanarische
Inseln, Madeira, Azoren
Europa, Mittelmeer-Anrainer-
staaten,
Azoren
Kostenerstattung
für Ersatzteile
nur Versand-
und Zollkosten
ins Ausland
bis 130 €
bis 100 € (inkl. Pannenhilfe)
Reise mit
öffentlichen Verkehrsmitteln versichert
✔ (Reiserücktritt/-abbruch-Versicherung enthalten)
Höchsterstattungkeine prinzipielle Begrenzungkeine
prinzipielle Begrenzung
260 € pro Fallkeine prinzipielle Begrenzungkeine
prinzipielle Begrenzung

Quelle: Versicherungsbedingungen (Stand: 27. Juli 2016)

Die Leistungen des Schutzbriefs von Pergande & Pöthe bleiben hinter denen des ADFC und VCD zurück, daher können wir das Angebot nicht empfehlen.

Pannenhilfe für ADFC-Mitglieder

Der Plus-Schutzbrief des ADFC bietet solide Leistungen für Mitglieder. Der ADFC stellt eine 24-Stunden-Hotline bereit, die auch fahrradfreundliche Hotels, Werkstätten und Routen nennt. Falls nötig übernimmt der Fahrradclub die Kosten für ein Mietrad für bis zu 50 Euro am Tag für bis zu zwei Wochen. Die anderen Schutzbriefe sind bei deutlich niedrigeren Gebühren gedeckelt. Für derzeitige Nicht-Mitglieder lohnt sich die Pannenhilfe Plus aber nicht, da die Gesamtkosten inklusive Mitgliedschaft zu hoch wären.

Günstiger Schutzbrief vom VCD

Für Radler, die kein Mitglied des ADFC sind, ist das Angebot des VCD für 9 Euro im Jahr besonders interessant. Eine Mitgliedschaft in dem ökologischen Verkehrsclub ist dafür nicht erforderlich. [Update Juli 2018: Eine VCD-Mitgliedschaft ist jetzt Voraussetzung für den Schutzbrief. Wir werden diesen Ratgeber demnächst aktualisieren.] Der VCD-Schutzbrief bietet solide Leistungen und gilt sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln. Als einziger Schutzbrief enthält das VCD-Angebot eine einfache Reiserücktritt-/Reiseabbruch-Versicherung.

Ein Nachteil ist, dass der Transport zur nächsten Fahrradwerkstatt bei 150 Euro gedeckelt ist, während es beim ADFC-Plus-Schutzbrief keine solche Obergrenze gibt. Außerdem gibt es erweiterte Leistungen wie die Organisation der Weiter- oder Rückfahrt, ein Leihfahrrad oder Übernachtungen nur, wenn der Schaden mindestens 50 Kilometer vom Wohnort passiert. Beim ADFC-Schutzbrief liegt die Grenze bei lediglich 10 Kilometern.

Fahrradschutzbrief vom Autoklub

Sogar ein Klub für Autofahrer – der Automobil-Club Verkehr (ACV) – ist der Ansicht, dass „das Fahrrad längst ein unverzichtbares Alltagsverkehrsmittel geworden ist und wegen des E-Bike-Booms weiter an Bedeutung gewinnen wird“. ACV-Mitglieder können rund um die Uhr Pannenhelfer anfordern, die kleinere Defekte an Ort und Stelle reparieren. Lässt sich das Fahrrad nicht sofort wieder fahrbereit machen, bringt der Autoklub das Rad in die nächste Fahrradwerkstatt oder kümmert sich um den Transport zum Ziel- oder Wohnort. Der ACV übernimmt die Kosten für die Weiterfahrt und sogar für eine Übernachtung oder ein Leihfahrrad – allerdings nur bis 50 Euro.

Die Standard-Mitgliedschaft im ACV kostet knapp 60 Euro im Jahr und gilt für die ganze Familie. Singles zahlen 48 Euro jährlich. Wenn Sie es gezielt auf die Pannenhilfe fürs Fahrrad abgesehen haben, ist das zu teuer. Wer aber bereits aus anderen Gründen ACV-Mitglied ist, darf sich über die Zusatzleistung „ACV Mobilitätsschutz Fahrrad“ freuen, die noch längst nicht üblich ist bei den Automobilklubs in Deutschland.

Beachten Sie, dass es neben den harten Fakten auch auf Service, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit des Anbieters ankommt. Diese Aspekte haben wir nicht überprüft.

Autor
Daniel Pöhler

Stand: 07. April 2017


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