Freiwillig gesetzlich krankenversichert

Wer in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben kann

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 07. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Beamter, Freiberufler oder Gutverdiener haben Sie die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Entscheiden Sie sich für eine gesetzliche Kasse, werden Sie dort freiwillig versichert.

  • Wie viel Sie für die Krankenversicherung zahlen müssen, hängt von Ihrem Einkommen ab. Es gibt aber auch einen Mindest- sowie einen Höchstbeitrag.

  • Sind Sie nicht angestellt, zahlen Sie als freiwillig Versicherter Beiträge auf Ihre gesamten Einkünfte. Dazu zählen auch Einnahmen aus Geldanlagen oder Vermietung.

So gehen Sie vor
  • Waren Sie vorher pflicht- oder familienversichert, brauchen Sie nichts unternehmen, um in der GKV zu bleiben. Sie sind dann automatisch freiwillig versichert.

  • Wollen Sie stattdessen in die private Krankenversicherung wechseln, müssen Sie innerhalb von zwei Wochen Ihren Austritt aus der gesetzlichen Krankenversicherung erklären.

  • Selbstständige können zwischen einem allgemeinen und einem ermäßigten Beitragssatz wählen, je nachdem, ob sie Anspruch auf Krankengeld haben möchten oder nicht.

  • Als Krankenkassen mit guten Zusatzleistungen empfehlen wir IKK Classic und HEK.

Falls Sie selbstständig sind oder ein gutverdienender Arbeitnehmer, müssen Sie nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung sein – Sie dürfen es aber. Für viele ist der freiwillige Verbleib in einer gesetzlichen Krankenkasse der beste Weg, denn nicht jeder kann sich die private Krankenversicherung auf Dauer leisten.

Für wen kommt die freiwillige Krankenversicherung infrage?

Zunächst einmal gilt: Niemand muss die gesetzliche Krankenversicherung verlassen, der nicht möchte. Es gibt keinen Zwang, sich privat zu versichern, wenn die Versicherungspflicht endet. Gemäß dem Fünften Sozialgesetzbuch (§ 9 SGB V) können sich viele Menschen freiwillig gesetzlich versichern, sofern sie bereits zuvor bei einer gesetzlichen Krankenkasse waren. Dazu zählen:

  • Arbeitnehmer, deren Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) übersteigt. Diese Grenze liegt 2020 bei 62.550 Euro;
  • Menschen, deren kostenfreie Familienversicherung erlischt;
  • ehemalige Kassenpatienten, die in den fünf Jahren vor dem Ausscheiden 24 Monate gesetzlich versichert waren oder unmittelbar vor dem Ende der Versicherungspflicht mindestens 12 Monate ununterbrochen gesetzlich versichert waren;
  • Kinder, die nicht familienversichert sind, weil das Elternteil mit dem größeren Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt und daher privat versichert ist;
  • hauptberuflich Selbstständige;
  • Beamte;
  • Studenten, die die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Studenten nicht mehr erfüllen;
  • Schwerbehinderte, wenn sie selbst, ein Elternteil oder ihr Ehegatte in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre gesetzlich versichert waren (die Krankenkassen können in ihrer Satzung eine Altersgrenze für den Beitritt in diesem Fall festlegen);
  • Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft durch Beschäftigung im Ausland endete, falls sie innerhalb von zwei Monaten nach Rückkehr ins Inland wieder eine Beschäftigung aufnehmen;
  • Rentner, die die Kriterien für eine Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen.

Wann beginnt und wann endet die freiwillige Versicherung?

Sobald eine Versicherungspflicht endet und sich keine neue gleich anschließt, werden Sie automatisch freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es greift die sogenannte obligatorische Anschlussversicherung (§ 188 Abs. 4 SGB V). In welchen Fällen Sie pflichtversichert sind, also gar keine Wahl haben, ob Sie sich gesetzlich oder privat versichern wollen, erklären wir in unserem Ratgeber zur Krankenversicherungspflicht.

Die freiwillige Mitgliedschaft beginnt mit dem Ende der Versicherungspflicht oder der Familienversicherung. Sie müssen dafür nichts tun und in der Regel auch nicht nachweisen, wie lange Sie bereits in der GKV sind.

Sind Sie angestellt, erlischt die Versicherungspflicht beispielsweise zum Jahreswechsel, sofern Ihr Gehalt die Jahresarbeitsentgeltgrenze sowohl im laufenden Jahr überschreitet als auch die neue Grenze im kommenden Jahr.

Anders sieht es für Sie als Arbeitnehmer aus, wenn Sie Ihren Arbeitgeber wechseln und dadurch über die Jahresarbeitsentgeltgrenze springen. In diesem Fall endet die Versicherungspflicht mit dem ersten Tag der neuen Beschäftigung.

In beiden Fällen bleiben Sie nach Überspringen der Jahresarbeitsentgeltgrenze automatisch erstmal bei Ihrer Krankenkasse versichert. Wollen Sie sich nicht freiwillig versichern, müssen Sie in solchen Fällen innerhalb von zwei Wochen Ihren Austritt erklären und eine private Krankenversicherung nachweisen. Der Versicherungsschutz muss dabei lückenlos bestehen bleiben.

Wann die freiwillige Krankenversicherung endet

Die freiwillige Mitgliedschaft in der Krankenversicherung endet

  • mit Beginn einer Pflichtmitgliedschaft,
  • wenn die Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt sind oder
  • bei fristgerechter Kündigung.

Für freiwillig Krankenversicherte gelten dieselben Kündigungsfristen wie für Pflichtversicherte. Sie können in den meisten Fällen erst nach 18 Monaten Mitgliedschaft die Krankenkasse wechseln.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic und HEK

Zum Ratgeber

Wie hoch ist der Beitrag in der freiwilligen Krankenversicherung?

Wie viel Sie für die freiwillige Krankenversicherung zahlen, hängt davon ab, ob Sie angestellt oder selbstständig tätig sind. Grundsätzlich liegt der Beitrag bei 14,6 Prozent zuzüglich Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Obendrauf kommt noch der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Beiträge zahlen Sie jedoch nur bis zu einem bestimmten Einkommen (Beitragsbemessungsgrenze). 2020 liegt die Grenze bei 4.687,50 Euro brutto im Monat. Verdienen Sie mehr, zahlen Sie auf das zusätzliche Einkommen keine Sozialversicherungsbeiträge.

Wie viel freiwillig Versicherte höchstens zahlen müssen

Für freiwillig versicherte Arbeitnehmer liegt der Höchstbeitrag für die Krankenversicherung bei rund 684 Euro pro Monat. Obendrauf kommt noch der Zusatzbeitrag. Die Hälfte der Krankenkassenbeiträge von Angestellten übernimmt der Arbeitgeber.

Im Unterschied zu Arbeitnehmern bildet bei Selbstständigen, Freiberuflern und anderen Menschen, die nicht sozialversicherungspflichtig angestellt sind, nicht nur das Arbeitseinkommen die Grundlage für die Beitragsberechnung. Es zählen darüber hinaus auch andere Einkünfte, etwa Einnahmen aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung – maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Darauf wird entweder der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent fällig oder ein verminderter Beitragssatz in Höhe von 14 Prozent. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Wählen Sie den verminderten Satz von 14 Prozent, verzichten Sie darauf, Krankengeld zu erhalten, falls Sie länger krank sind. Das ist in der Regel nicht ratsam. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Krankengeld für Selbstständige.

Der Höchstbeitrag beläuft sich für Selbstständige und alle anderen, die freiwillig krankenversichert sind, auf rund 684 Euro pro Monat plus Zusatzbeitrag. Allerdings müssen Selbstständige ihren Beitrag allein stemmen.

Wie viel freiwillig Versicherte mindestens zahlen müssen

Grundsätzlich gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wer wenig Einkommen hat, zahlt auch weniger. Dabei gibt es allerdings eine Untergrenze. Ist Ihr tatsächliches Einkommen niedriger als dieser Grenzwert, wird ein fiktives Mindesteinkommen angesetzt, um Ihren Krankenkassenbeitrag zu berechnen.

Das Mindesteinkommen ist meist bei denjenigen maßgeblich, die wenig oder gar nichts verdienen. Das ist beispielsweise bei Studenten der Fall, die die Voraussetzungen für eine studentische Krankenversicherung nicht mehr erfüllen.  

Für 2020 beträgt die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig Versicherte rund 1.062 Euro. Ist Ihr tatsächliches Einkommen geringer, stuft Sie die Krankenkasse so ein, als würden Sie 1.062 Euro pro Monat verdienen. Das ergibt bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent mit Krankengeldanspruch einen Monatsbeitrag von rund 155 Euro plus dem Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse.

Für Selbstständige gilt seit 2019 derselbe Mindestbeitrag wie für die übrigen freiwillig Versicherten. Davor mussten Selbstständige mit geringem Einkommen deutlich höhere  Beiträge zahlen.

Falls Ihr Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner privat versichert ist, kann Ihre Krankenkasse auch das Einkommen des Partners für die Berechnung Ihrer Krankenversicherungsbeiträge heranziehen. Das tut die Kasse, wenn Ihre monatlichen Einnahmen die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze unterschreiten; 2020 ist das bei rund 2.344 Euro brutto der Fall. Die Kasse ermittelt dann das Familieneinkommen: Sie zieht vom Einkommen des Partners oder der Partnerin gegebenenfalls Freibeträge für gemeinsame Kinder ab und rechnet es dann mit Ihrem Einkommen zusammen. Beiträge zahlen Sie auf die Hälfte des so ermittelten Familieneinkommens, höchstens jedoch auf 2.343,75 Euro.

Was müssen Selbstständige beachten?

Wie viel Sie als freiwillig Versicherter für Ihre Krankenversicherung zahlen müssen, orientiert sich an der Höhe Ihrer Einnahmen. Da Selbstständige in der Regel kein fixes Gehalt beziehen, muss die Krankenkasse das zu erwartende Einkommen schätzen. Seit Januar 2018 gilt durch die Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes eine neue Art der Beitragsberechnung für freiwillig versicherte Selbstständige.

Seitdem setzt die Krankenkasse die Höhe des Beitrags auf Grundlage des jüngsten Einkommensteuerbescheids für ein Jahr vorläufig fest. Sie können auch selbst eine Schätzung Ihres voraussichtlichen Einkommens im aktuellen Jahr abgeben. Sobald der Steuerbescheid für das entsprechende Jahr dann vorliegt, wird der Beitrag nachträglich korrigiert. Haben Sie mehr verdient als angenommen, müssen Sie Beiträge nachzahlen. Haben Sie weniger verdient, bekommen Sie von der Kasse Geld zurück. Bis 2017 wurde kein Beitrag nachgefordert, zu viel gezahlte Beiträge aber auch nicht erstattet.

Sie können freiwillig den Höchstbeitrag zahlen, wenn Sie lieber etwas erstattet bekommen möchten als deftig nachzuzahlen. Bricht hingegen im Laufe des Jahres der Umsatz merklich ein, können Sie bei der Krankenkasse auch während des laufenden Jahres beantragen, dass diese die Beitragshöhe ändert. Mit einem Vorauszahlungsbescheid oder einem Nachweis der Finanzverwaltung lässt sich das niedrigere Einkommen nachweisen.

Können sich auch Rentner freiwillig versichern?

Wenn Sie in der zweiten Hälfte Ihres Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert waren, dürfen Sie in die Krankenversicherung der Rentner. Das spart erheblich Beiträge.

Wenn Sie die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht erfüllen, haben Sie dennoch die Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern. Vorausgesetzt, Sie waren ausreichend lange bei einer gesetzlichen Kasse versichert. Entscheidend ist, dass Sie 12 Monate unmittelbar vor Rentenbeginn gesetzlich versichert waren oder 24 Monate ohne Unterbrechung in den fünf Jahren vor Antragstellung.

Seit 1. August 2017 gelten neue Regelungen zur Vorversicherungszeit, die vielen Rentnern den Wechsel in die günstigere Krankenversicherung der Rentner ermöglichen. So werden für jedes Kind des Versicherten pauschal drei Jahre angerechnet. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Krankenversicherung der Rentner.

Anders als pflichtversicherte Rentner müssen Sie als freiwillig Versicherter auf alle Einnahmen Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Dabei wird zwischen verschiedenen Einkunftsarten unterschieden:

  • gesetzliche Rente - Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge - Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen - aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen - Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Für Einkünfte aus der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den Arbeitgeberanteil und der Rentner den Arbeitnehmeranteil von jeweils 7,3 Prozent. Auch der Zusatzbeitrag wird seit 2019 hälftig zwischen Rentenversicherung und Rentner geteilt.

Für Versorgungsbezüge aus Betriebsrenten, Versorgungswerken und Pensionskassen zahlen Sie als Rentner den Beitragssatz von 14,6 Prozent allein. Das Gleiche gilt für Einkommen aus einer selbstständigen Nebentätigkeit.

Freiwillig versicherte Rentner müssen dazu noch den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent abführen auf Einnahmen aus Miete, Pacht und Kapitalvermögen sowie auf private Lebens- und Rentenversicherungen.

GKV-Beiträge als Rentner

 in der KVdR pflichtversichertfreiwillig gesetzlich versichert
 beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1beitrags-
pflichtig
Beitragssatz1
gesetzliche Renteja7,3 %ja7,3 %
Versorgungsbezügeja14,6 %ja14,6 %
Erwerbseinkommenja14,6 %ja14 % oder 14,6 %²
Mieteinnahmennein-ja14 %
Zinsen, Dividenden u.ä.nein-ja14 %
private Rentennein-ja14 %

1 Zusätzlich zum Beitragssatz muss der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse bezahlt werden.
2 Abhängig von Art und Umfang der Tätigkeit
Quelle: GKV-Beitragssätze von 2020 (Stand: Februar 2020)

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 07. Februar 2020


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