Kinderbetreuungskosten

So machst Du Betreuungskosten für Kinder geltend

Udo Reuß 09. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Kinderbetreuungskosten kannst Du als Sonderausgaben geltend machen – allerdings nur zu zwei Dritteln und bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 Euro im Jahr je Kind.
  • Dein Kind darf das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Altersgrenze gilt nicht, wenn es sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst versorgen kann. 
  • Aufwendungen für Verpflegung, Sport, Freizeit und Nachhilfe sind nicht abzugsfähig.
So gehst Du vor
  • Lass Dir vom Babysitter, Kindergarten oder Hort eine Rechnung für die Kinderbetreuung ausstellen und bezahle diese per Überweisung.
  • Falls beispielsweise die Großeltern das Enkelkind unentgeltlich betreuen, kannst Du die entstandenen Fahrtkosten in Rechnung stellen.
  • Die Betreuungskosten trägst Du in der Anlage Kind Deiner Steuererklärung ein. 

Die Betreuung von Kindern kann ganz schön ins Geld gehen. Wenn Du bestimmte Voraussetzungen erfüllen, kannst Du die Ausgaben für den Babysitter, Kindergarten und andere Dienstleister teilweise von der Steuer absetzen. 

Wann kannst Du Kinderbetreuungskosten absetzen?

Zwei Drittel der Kosten, die für die Betreuung Deiner Kinder anfallen, kannst Du als Sonderausgaben geltend machen und von der Steuer absetzen. Dabei kannst Du für jedes Kind Kosten bis zu 6.000 Euro ansetzen. Folglich kannst Du bis zu 4.000 Euro pro Jahr abziehen. 

Die Voraussetzungen dafür sind  gesetzlich geregelt (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 Einkommensteuergesetz):

  1. Es muss sich um Dein eigenes Kind oder Pflegekind handeln. Für Stief- oder Enkelkinder ist kein Abzug möglich. 
  2. Das Kind muss zu Deinem Haushalt gehören. Das ist gegeben, wenn es in Deinem Haushalt dauerhaft lebt und von Dir versorgt wird. Bist Du getrennt oder geschieden, ist entscheidend, wo das Kind gemeldet ist. 
  3. Das Kind darf sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. 

Die Altersgrenze spielt keine Rolle, wenn Dein Kind körperlich, geistig oder seelisch behindert ist und nicht selbst für sich sorgen kann. Das gilt jedoch nur, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahrs eingetreten ist.

Liegen alle Voraussetzungen vor, kannst Du die Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben absetzen. Deine Kinderbetreuungskosten trägst Du in voller Höhe in der Anlage Kind Deiner Steuererklärung ein. Für jedes Kind musst Du eine eigene Anlage ausfüllen und die jeweiligen Betreuungskosten zuordnen

Wenn Du laufende Betreuungskosten hast und nicht auf eine Erstattung nach einer Steuererklärung warten willst, dann kannst Du beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Dann behält Dein Arbeitgeber bei der Gehaltsabrechnung weniger Lohnsteuer ein und Du hast ein höheres monatliches Nettogehalt.

Wann der Abzug ausgeschlossen ist 

Ein Abzug von Kinderbetreuungskosten ist bei haushaltsinternen Lösungen in der Regel nicht möglich. So zum Beispiel, wenn die kinderbetreuende Oma oder der Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft mit Dir und Deinem Kind zusammenwohnt. Ausgeschlossen ist der Abzug auch, wenn die Betreuungsperson zwar woanders wohnt, aber für das betreute Kind einen Anspruch auf Kindergeld oder auf einen Kinderfreibetrag hat.   

Ab dem 14. Geburtstag des Kindes darfst Du die Kinderbetreuungskosten nicht mehr als Sonderausgaben absetzen. Daher musst Du im Jahr, in dem Dein Kind 14 Jahre alt geworden ist, Deine Aufwendungen taggenau aufteilen.

Tipp: Fallen Betreuungsaufwendungen für Dein Kind ab 14 Jahren in Deinem Haushalt an, dann ist hierfür eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen möglich.

Welche Betreuungskosten kannst Du absetzen?

Diese Aufwendungen für Kinderbetreuung kannst Du in Deiner Steuererklärung angeben:

  • die Unterbringung von Kindern in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten, Kinderheimen und Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern, in Ganztagspflegestellen und in Internaten;
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen oder Kinderschwestern;
  • die Beschäftigung von Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen (zum Beispiel Babysitter oder Au-pair) und
  • die Beaufsichtigung von Kindern bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben.

Nicht berücksichtigt werden Aufwendungen für:

  • Klassenfahrten oder Ferienlager;
  • die Vermittlung besonderer Fähigkeiten, zum Beispiel Musikunterricht;
  • sportliche und andere Freizeitbetätigungen;
  • die Verpflegung des Kindes und
  • Unterricht (zum Beispiel Nachhilfe) oder Schulgeld.

Bei diesen Aktivitäten handelt es sich aus Sicht des Finanzamts nicht um Kinderbetreuung. 

Tipp: Unterrichtskosten können in einer anderen Kategorie absetzbar sein. Zahlst Du Schulgeld für eine Privatschule oder Schule in freier Trägerschaft , dann zählt dies zwar nicht zu den Kinderbetreuungskosten. Dennoch kannst Du 30 Prozent des Schulgelds als Sonderausgaben absetzen. Trage Deine Kosten in der Anlage Kind ein. 

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Welche Nachweise benötigst Du?

Damit Du die Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen kannst, musst Du auf Deinen Namen ausgestellte Rechnungen oder Gebührenbescheide vorlegen können. Außerdem musst Du die Rechnungssumme auf das Konto des Betreuers überwiesen haben. Barzahlungen und Barschecks erkennt das Finanzamt nicht an.

Die Belege musst Du dem Finanzamt jedoch erst nach Aufforderung vorlegen. Der Steuererklärung musst Du keine Nachweise beifügen.

Bist Du selbst der Arbeitgeber der Betreuungsperson Deiner Kinder, zum Beispiel einer Haushaltshilfe im Rahmen eines Minijobs oder eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses, musst Du auf Nachfrage des Finanzamts den Arbeitsvertrag vorlegen.

Aufteilung der Kosten bei gemischten Leistungen

Bei gemischten Leistungen benötigst Du grundsätzlich einen Beleg, der die Kosten für die Betreuung der Kinder separat ausweist. Denn nur diese sind absetzbar. Aufwendungen für Essen kannst Du hingegen nicht geltend machen.

Unterstützt Dich ein Au-pair sowohl im Haushalt als auch bei der Kinderbetreuung, dann musst Du Deine Aufwendungen aufteilen. Falls der Arbeitsvertrag keinen bestimmten Zeitanteil vorgibt, kannst Du pauschal die eine Hälfte den Kinderbetreuungskosten zuordnen und die andere den haushaltsnahen Dienstleistungen

Das Taschengeld für das Au-pair solltest Du auf jeden Fall auf dessen Konto überweisen. Denn selbst wenn das Au-pair überhaupt kein Konto hat, dürfen Finanzämter aufgrund der ausdrücklichen Gesetzesformulierung keine Barzahlung akzeptieren (Finanzgericht Köln, Urteil vom 10. Januar 2014, Az. 15 K 2882/13). 

Wenn das Kind einen Kindergarten oder Hort besucht, reicht ein Bescheid der Einrichtung, in dem die Kosten für die Betreuung festgehalten sind, und ein Überweisungsbeleg.

Vertrag mit nahen Angehörigen

Wenn Deine (Schwieger-)Mutter oder andere nahe Angehörige auf Dein Kind aufpassen und die Betreuung entgeltlich erfolgt, dann kannst Du diese Kosten von der Steuer absetzen. Dafür müssen allerdings eindeutige Vereinbarungen getroffen worden sein, die Du auch tatsächlich umsetzt. 

Tipp: Wenn die Oma (oder ein anderer Verwandter) unentgeltlich auf den Nachwuchs aufpasst, ist eine Erstattung der Fahrtkosten möglich. Dies solltest Du schriftlich vereinbaren. Regele zum Beispiel in einem Vertrag, dass die Großmutter Dein Kind regelmäßig betreut und für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent als Aufwandsentschädigung bekommt. Die Oma stellt hierfür eine Rechnung, die Du per Überweisung begleichst. Dann kannst Du die erstatteten Fahrtkosten als Kinderbetreuungskosten absetzen (Finanzgericht Baden-Württemberg vom 9. Mai 2012, Az. 4 K 3278/11). Übrigens: Einen bloßen Fahrtkostenersatz muss die Großmutter nicht versteuern.

Steuerfreie Erstattungen musst Du angeben   

Ein Arbeitgeber kann seinem Mitarbeiter einen steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss zur Betreuung von Kindern gewähren. 

Steuerfreie Erstattungen musst Du in der Anlage Kind angeben. Sie mindern die abzugsfähigen Kinderbetreuungskosten.  

Autor
Udo Reuß

09. April 2020


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