Kinderbetreuungskosten

So machen Sie Betreuungskosten für Kinder geltend

Udo Reuß Stand: 23. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Kinderbetreuungskosten können Sie als Sonderausgaben geltend machen – allerdings nur zu zwei Dritteln und bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 Euro im Jahr je Kind.
  • Ihr Kind darf das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Altersgrenze gilt nicht, wenn es sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst versorgen kann. 
  • Aufwendungen für Verpflegung, Sport, Freizeit und Nachhilfe sind nicht abzugsfähig.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie sich vom Babysitter, Kindergarten oder Hort eine Rechnung für die Kinderbetreuung ausstellen und bezahlen diese per Überweisung.
  • Falls beispielsweise die Großeltern das Enkelkind unentgeltlich betreuen, können sie die entstandenen Fahrtkosten in Rechnung stellen.
  • Die Betreuungskosten tragen Sie in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung ein. 

Die Betreuung von Kindern kann ganz schön ins Geld gehen. Wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, können Sie die Ausgaben für den Babysitter, Kindergarten und andere Dienstleister teilweise von der Steuer absetzen. 

Wann können Sie Kinderbetreuungskosten absetzen?

Zwei Drittel der Kosten, die für die Betreuung Ihrer Kinder anfallen, können Sie als Sonderausgaben geltend machen und von der Steuer absetzen. Dabei können Sie für jedes Kind Kosten bis zu 6.000 Euro ansetzen. Folglich können Sie bis zu 4.000 Euro pro Jahr abziehen. 

Die Voraussetzungen dafür sind  gesetzlich geregelt (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 Einkommensteuergesetz):

  1. Es muss sich um Ihr eigenes Kind oder Pflegekind handeln. Für Stief- oder Enkelkinder ist kein Abzug möglich. 
  2. Das Kind muss zu Ihrem Haushalt gehören. Das ist gegeben, wenn es in Ihrem Haushalt dauerhaft lebt und von Ihnen versorgt wird. Sind Sie getrennt oder geschieden, ist entscheidend, wo das Kind gemeldet ist. 
  3. Das Kind darf sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. 

Die Altersgrenze spielt keine Rolle, wenn Ihr Kind körperlich, geistig oder seelisch behindert ist und nicht selbst für sich sorgen kann. Das gilt jedoch nur, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahrs eingetreten ist.

Liegen alle Voraussetzungen vor, können Sie die Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben absetzen. Ihre Kinderbetreuungskosten tragen Sie in voller Höhe ab Zeile 67 in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung ein. Für jedes Kind müssen Sie eine eigene Anlage ausfüllen und die jeweiligen Betreuungskosten zuordnen

Wenn Sie laufende Betreuungskosten haben und nicht auf eine Erstattung nach einer Steuererklärung warten wollen, dann können Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Dann behält Ihr Arbeitgeber bei der Gehaltsabrechnung weniger Lohnsteuer ein und Sie haben ein höheres monatliches Nettogehalt.

Wann der Abzug ausgeschlossen ist 

Ein Abzug von Kinderbetreuungskosten ist bei haushaltsinternen Lösungen in der Regel nicht möglich. So zum Beispiel, wenn die kinderbetreuende Oma oder der Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft mit Ihnen und Ihrem Kind zusammenwohnt. Ausgeschlossen ist der Abzug auch, wenn die Betreuungsperson zwar woanders wohnt, aber für das betreute Kind einen Anspruch auf Kindergeld oder auf einen Kinderfreibetrag hat.   

Ab dem 14. Geburtstag des Kindes dürfen Sie die Kinderbetreuungskosten nicht mehr als Sonderausgaben absetzen. Daher müssen Sie im Jahr, in dem Ihr Kind 14 Jahre alt geworden ist, Ihre Aufwendungen taggenau aufteilen.

Tipp: Fallen Betreuungsaufwendungen für Ihr Kind ab 14 Jahren in Ihrem Haushalt an, dann ist hierfür eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen möglich.

Welche Betreuungskosten können Sie absetzen?

Diese Aufwendungen für Kinderbetreuung können Sie in Ihrer Steuererklärung angeben:

  • die Unterbringung von Kindern in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten, Kinderheimen und Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern, in Ganztagspflegestellen und in Internaten;
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen oder Kinderschwestern;
  • die Beschäftigung von Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen (zum Beispiel Babysitter oder Au-pair) und
  • die Beaufsichtigung von Kindern bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben.

Nicht berücksichtigt werden Aufwendungen für:

  • Klassenfahrten oder Ferienlager;
  • die Vermittlung besonderer Fähigkeiten, zum Beispiel Musikunterricht;
  • sportliche und andere Freizeitbetätigungen;
  • die Verpflegung des Kindes und
  • Unterricht (zum Beispiel Nachhilfe) oder Schulgeld.

Bei diesen Aktivitäten handelt es sich aus Sicht des Finanzamts nicht um Kinderbetreuung. 

Tipp: Unterrichtskosten können in einer anderen Kategorie absetzbar sein. Zahlen Sie Schulgeld für eine Privatschule oder Schule in freier Trägerschaft , dann zählt dies zwar nicht zu den Kinderbetreuungskosten. Dennoch können Sie 30 Prozent des Schulgelds als Sonderausgaben absetzen. Tragen Sie Ihre Kosten in den Zeilen 61 bis 63 der Anlage Kind ein. 

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Welche Nachweise benötigen Sie?

Damit Sie die Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen können, müssen Sie auf Ihren Namen ausgestellte Rechnungen oder Gebührenbescheide vorlegen können. Außerdem müssen Sie die Rechnungssumme auf das Konto des Betreuers überwiesen haben. Barzahlungen und Barschecks erkennt das Finanzamt nicht an.

Die Belege müssen Sie dem Finanzamt jedoch erst nach Aufforderung vorlegen. Der Steuererklärung müssen Sie keine Nachweise beifügen.

Sind Sie selbst der Arbeitgeber der Betreuungsperson Ihrer Kinder, zum Beispiel einer Haushaltshilfe im Rahmen eines Minijobs oder eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses, müssen Sie auf Nachfrage des Finanzamts den Arbeitsvertrag vorlegen.

Aufteilung der Kosten bei gemischten Leistungen

Bei gemischten Leistungen benötigen Sie grundsätzlich einen Beleg, der die Kosten für die Betreuung der Kinder separat ausweist. Denn nur diese sind absetzbar. Aufwendungen für Essen können Sie hingegen nicht geltend machen.

Unterstützt Sie ein Au-pair sowohl im Haushalt als auch bei der Kinderbetreuung, dann müssen Sie Ihre Aufwendungen aufteilen. Falls der Arbeitsvertrag keinen bestimmten Zeitanteil vorgibt, können Sie pauschal die eine Hälfte den Kinderbetreuungskosten zuordnen und die andere den haushaltsnahen Dienstleistungen

Das Taschengeld für das Au-pair sollten Sie auf jeden Fall auf dessen Konto überweisen. Denn selbst wenn das Au-pair überhaupt kein Konto hat, dürfen Finanzämter aufgrund der ausdrücklichen Gesetzesformulierung keine Barzahlung akzeptieren (Finanzgericht Köln, Urteil vom 10. Januar 2014, Az. 15 K 2882/13). 

Wenn das Kind einen Kindergarten oder Hort besucht, reicht ein Bescheid der Einrichtung, in dem die Kosten für die Betreuung festgehalten sind, und ein Überweisungsbeleg.

Vertrag mit nahen Angehörigen

Wenn Ihre (Schwieger-)Mutter oder andere nahe Angehörige auf Ihr Kind aufpassen und die Betreuung entgeltlich erfolgt, dann können Sie diese Kosten von der Steuer absetzen. Dafür müssen allerdings eindeutige Vereinbarungen getroffen worden sein, die Sie auch tatsächlich umsetzen. 

Tipp: Wenn die Oma (oder ein anderer Verwandter) unentgeltlich auf den Nachwuchs aufpasst, ist eine Erstattung der Fahrtkosten möglich. Dies sollten Sie schriftlich vereinbaren. Regeln Sie zum Beispiel in einem Vertrag, dass die Großmutter Ihr Kind regelmäßig betreut und für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent als Aufwandsentschädigung bekommt. Die Oma stellt hierfür eine Rechnung, die Sie per Überweisung begleichen. Dann können Sie die erstatteten Fahrtkosten als Kinderbetreuungskosten absetzen (Finanzgericht Baden-Württemberg vom 9. Mai 2012, Az. 4 K 3278/11). Übrigens: Einen bloßen Fahrtkostenersatz muss die Großmutter nicht versteuern.

Steuerfreie Erstattungen müssen Sie angeben   

Ein Arbeitgeber kann seinem Mitarbeiter einen steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss zur Betreuung von Kindern gewähren. 

Steuerfreie Erstattungen müssen Sie in der Anlage Kind angeben. Sie mindern die abzugsfähigen Kinderbetreuungskosten.  

Autor
Udo Reuß

Stand: 23. August 2019


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