Kurzzeitpflege

Das zahlt die Pfle­ge­ver­si­che­rung für vorübergehende Betreuung im Pflegeheim

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
23. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du eine Auszeit von der Pflege eines Angehörigen brauchst, gibt es die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen vorrübergehend in einer stationären Pflegeeinrichtung unterzubringen.
  • Für eine solche Kurzzeitpflege zahlt die gesetzliche Pfle­ge­ver­si­che­rung Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 maximal 1.612 Euro pro Jahr. Ab 2022 steigt der Betrag auf 1.774 Euro im Jahr.
  • Meist bleibt aber ein Eigenanteil bei den Kosten für Verpflegung und Unterkunft im Pflegeheim. Einen Teil davon können sich Pflegebedürftige über den Entlastungsbetrag erstatten lassen. 
So gehst Du vor
  • Beantrage Kurzzeitpflege vorab bei der Pflegekasse. Das Antragsformular findest Du meist auf der Website der Kran­ken­kas­se des Pflegebedürftigen. Unterschreiben muss der Pflegebedürftige.
  • Frag bei der Pflegekasse auch nach geeigneten Kurzzeitpflege-Einrichtungen und deren Preisen. Pflegeberatungsstellen helfen Dir ebenfalls kostenlos bei der Suche nach einem freien Platz in Deiner Region.

Wenn die Pflege zuhause vorübergehend nicht möglich ist oder es nach einem Krankenhausaufenthalt ein wenig dauert, eine angemessene Betreuung zu organisieren, dann hilft die Kurzzeitpflege. Du kannst einen pflegebedürftigen Angehörigen damit übergangsweise in einer stationären Pflegeeinrichtung unterbringen. Doch nicht jeder hat Anspruch auf Kurzzeitpflege.

Wer kann Kurzzeitpflege nutzen?

Kurzzeitpflege soll pflegenden Angehörigen helfen, schwierige Situationen zu überbrücken. Sie kommt zum Beispiel in Frage, wenn Du krank wirst und Dich deshalb eine Zeit lang nicht mehr um Deinen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern kannst.

Auch wenn nach einem Krankenhausaufenthalt klar ist, dass Dein Familienmitglied künftig mehr Hilfe brauchen wird, ist die Kurzzeitpflege eine gute Option. Während Dein Angehöriger vorübergehend in einem Pflegeheim betreut wird, hast Du Zeit, das Wichtigste für eine gute Betreuung zuhause zu organisieren.

Machst Du eine Reha, gibt es ebenfalls bei einigen Kliniken die Möglichkeit, Dein pflegebedürftiges Familienmitglied mitzubringen. Dein Angehöriger wird dann während Deiner Behandlungen in der Kurzzeitpflege betreut.

Kurzzeitpflege ist eine Leistung der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung, die alle Pflegebedürftigen mit mindestens Pflegegrad 2 nutzen können. Ist Dein Angehöriger in Pflegegrad 1 eingestuft, zahlt die Pflegekasse die Kurzzeitpflege nicht. 

Kurzzeitpflege für Nicht-Pflegebedürftige

Wer nicht dauerhaft pflegebedürftig ist, sondern wegen einer schweren Krankheit oder nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend Pflege braucht, kann bei seiner Kran­ken­kas­se Kurzzeitpflege beantragen (§ 39c SGB V). Das gilt aber nur, wenn von der Kasse bezahlte häusliche Krankenpflege nicht ausreicht. Willst du Kurzzeitpflege ohne einen Pflegegrad beantragen, solltest Du Dich dabei am besten schon vom Sozialdienst des Krankenhauses unterstützen lassen.

Neuer Anspruch auf Entlastungspflege

Im Juni 2021 hat die große Koalition beschlossen, dass jeder künftig einen Anspruch auf Übergangspflege im Krankenhaus hat. Voraussetzung ist, dass nach einer Krankenhausbehandlung erforderliche Leistungen der häuslichen Krankenpflege, der Kurzzeitpflege, der medizinischen Rehabilitation oder weitere Pflegeleistungen nur unter erheblichem Aufwand sichergestellt werden können. Sollte das der Fall sein, dann besteht für höchstens zehn Tage Anspruch auf Übergangspflege im Krankenhaus.
 

Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse?

Pflegebedürftige haben jedes Kalenderjahr Anspruch auf acht Wochen Kurzzeitpflege, also 56 Tage. Die Pflegekasse zahlt dafür höchstens 1.612 Euro im Jahr, unabhängig davon, ob Pflegegrad 2 oder 5 besteht (§ 42 Abs. 2 SGB XI). 2022 steigt der Zuschuss auf 1.774 Euro pro Kalenderjahr. Die Kosten rechnet in der Regel die Kurzzeitpflege-Einrichtung direkt mit der Kasse ab.

Während der Kurzzeitpflege wird allerdings das Pflegegeld um die Hälfte gekürzt (§ 37 Abs. 2 SGB XI). Nur für den ersten und letzten Tag der Kurzzeitpflege zahlt die Pfle­ge­ver­si­che­rung den vollen Tagessatz.

Dazu ein Rechenbeispiel: Du bringst Deinen pflegebedürftigen Vater für 14 Tage in einer Kurzzeitpflege unter, während seine Wohnung pflegegerecht umgebaut wird. Zuvor hast Du 316 Euro Pflegegeld pro Monat erhalten, da Dein Vater in Pflegegrad 2 eingestuft ist. Für den ersten und letzten Tag der Kurzzeitpflege bekommst Du das volle Pflegegeld (2/30 von 316 Euro = 21,07 Euro). Die restlichen zwölf Tage wird das Pflegegeld halbiert (12/30 von 158 Euro = 63,20 Euro). Insgesamt erhältst Du für den Zeitraum der Kurzzeitpflege so 84,27 Euro Pflegegeld. Danach wird das Pflegegeld wieder in voller Höhe ausgezahlt.

Kurzzeitpflege und Ver­hin­de­rungs­pfle­ge kombinieren

Falls das Budget für Ver­hin­de­rungs­pfle­ge noch nicht aufgebraucht ist, lässt sich dieses für die Kurzzeitpflege nutzen. Ver­hin­de­rungs­pfle­ge dient der Urlaubs- oder Krankheitsvertretung in der häuslichen Pflege. Das bedeutet, wenn Du als Pflegeperson ausfällst, springt ein ambulanter Pflegedienst, ein Bekannter oder ein Familienmitglied ein und bekommt die Kosten dafür erstattet. Für die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge stehen ebenfalls 1.612 Euro im Jahr zur Verfügung.

Werden beide Budgets kombiniert, erstattet die Pflegekasse bis zu 3.224 Euro für die Kurzzeitpflege. Anspruch auf Ver­hin­de­rungs­pfle­ge hat Dein pflegebedürftiger Angehöriger dann nicht mehr. Da ab 2022 für die Kurzzeitpflege bis zu 1.774 Euro erstattet werden, stehen bei Kombination beider Budgets dann 3.386 Euro zur Verfügung.

Die Kombination funktioniert übrigens auch andersrum: Soll Dein Angehöriger lieber zuhause gepflegt werden, könnt Ihr die Hälfte des Kurzzeitpflege-Budgets auf die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge übertragen. 806 Euro im Jahr lassen sich so zusätzlich für die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge verwenden.

Vorsicht vor hohem Eigenanteil 

Wichtig zu wissen: Aus den Mitteln für die Kurzzeitpflege werden nur pflegerische Leistungen gezahlt. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und sogenannte Investitionskosten in der Pflegeeinrichtung müssen die Betroffenen selbst zahlen. Es bleibt bei der stationären Pflege also immer ein Eigenanteil, selbst wenn das Kurzzeitpflege-Budget noch nicht aufgebraucht ist. Wie hoch dieser Eigenanteil ist, variiert je nach Pflegeheim. 30 bis 40 Euro pro Tag sind keine Seltenheit, die Kosten können aber auch höher sein. Frag deshalb unbedingt nach den Preisen, bevor Du eine Pflegeeinrichtung auswählst.

Für den Eigenanteil, aber auch für Pflegekosten, die das Kurzzeitpflege-Budget übersteigen, lässt sich der sogenannte Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat verwenden. Er steht jedem Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 zu. Ungenutzte Beträge werden jeweils auf den Folgemonat übertragen. Ist am Jahresende noch ein Restbetrag übrig, kann der noch bis zum 30. Juni des Folgejahres genutzt werden. Während der Covid-19-Pandemie gelten sogar noch längere Fristen. Details dazu findest Du in unserem Ratgeber zur Pflege in Zeiten von Corona.

Hat Dein pflegebedürftiges Familienmitglied also noch ungenutzte Entlastungsbeträge offen, könnt Ihr das Geld für die Kurzzeitpflege einsetzen. Dafür reichst Du die Rechnung vom Pflegeheim über den Eigenanteil bei der Pflegekasse ein oder vereinbarst mit der Pflegeeinrichtung, dass sie den Entlastungsbetrag direkt mit der Kasse abrechnet.

Bleibt dennoch ein Eigenanteil übrig, der Deinen Angehörigen finanziell überfordert, dann sollte er beim Sozialamt Hilfe zur Pflege beantragen. Mehr darüber liest Du in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung

Wie beantragst Du Kurzzeitpflege?

Die Kurzzeitpflege solltest Du vorab beantragen. Das passende Formular dafür findest Du meist auf der Website der Kran­ken­kas­se des Pflegebedürftigen oder Du forderst es telefonisch bei der Kasse an. Unterschreiben muss den Antrag der Pflegebedürftige oder ein Bevollmächtigter. Der Antrag lässt sich auch formlos per Brief stellen, mit dem passenden Formular der Kasse fällt das aber oft leichter. 

Auf dem Antragsformular gibst Du an, von wann bis wann die Kurzzeitpflege erfolgen soll und kreuzt an, ob auch das Ver­hin­de­rungs­pfle­ge-Budget genutzt werden soll, um die Kosten zu decken. Außerdem trägst Du ein, in welcher Pflegeeinrichtung Dein Angehöriger wohnen soll. Die Einrichtung muss von den Pflegekassen für Kurzzeitpflege zugelassen sein. Am besten erkundigst Du Dich deshalb bei der Kasse über geeignete Einrichtungen und deren Preise. Auch Pflegeberatungsstellen helfen Dir kostenlos bei der Suche nach einem freien Platz in Deiner Region. Über die Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege findest Du Beratungsangebote in Deiner Nähe. 

Die Kosten für die Betreuung rechnet das Pflegeheim in der Regel direkt mit der Pflegekasse ab. Falls nicht, reichst Du die Rechnung zur Erstattung bei der Kasse ein.

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