Kinderkonto

Das erste Girokonto für Ihr Kind

Josefine Lietzau Stand: 27. Mai 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Girokonten für Kinder sind in der Regel kostenlos.
  • Ihr Kind kann das Konto nicht allein eröffnen, die Eltern müssen immer zustimmen.
  • Ihr Kind hat einen eigenen steuerlichen Freibetrag. Den dürfen Sie nicht selbst nutzen.
So gehen Sie vor
  • Achten Sie bei der Auswahl des Kinderkontos auch auf die späteren Kosten für Erwachsene – besonders, wenn Ihr Kind bald volljährig wird. So ersparen Sie ihm einen Kontowechsel.
  • Suchen Sie die nötigen Unterlagen zusammen: Dazu gehört etwa die Geburtsurkunde Ihres Kindes.
  • Falls nötig, sollten Sie sich auch um die steuerlichen Belange kümmern, zum Beispiel um einen Freistellungsauftrag.

Irgendwann ist es soweit – Ihr Kind hat öfter mit Geld zu tun und es wird Zeit für das erste eigene Girokonto. Erfreulich für die Eltern: Für Kinderkonten verlangen die Banken keine oder nur geringe Gebühren. Auch aufseiten der Kinder ist die Freude normalerweise groß – schließlich bedeutet die Bankkarte mit eigenem Namen ein neues Stück Freiheit. Ganz problemlos geht das Ganze aber trotzdem nicht.

Welches Konto soll es sein?

Bei der Auswahl eines Kinderkontos sollten Sie darauf achten, dass die Bank nicht doch eine Grundgebühr für das Konto und die dazugehörigen Karten verlangt. Für Kinder gibt es eine wesentlich breitere Auswahl an preiswerten Girokonten als für Erwachsene. Um die Auswahl etwas einzuschränken, sollten Sie überprüfen, ob an anderer Stelle Kosten entstehen, zum Beispiel fürs Überweisen oder Geldabheben.

Ihr Kind sollte zudem leicht an Bargeld kommen: Es sollte also viele Geldautomaten in der Gegend geben, an denen das Kind kostenlos abheben kann. Damit kommen die Sparkassen und Volksbanken in Frage, aber auch Direktbanken, die die kostenlose Bargeldversorgung über eine Karte von Visa oder Mastercard ermöglichen. Denn die Direktbanken packen auch beim Kinderkonto die Karten dazu – freilich ohne einen Kredit zu gewähren.

Falls Ihr Kind etwas älter ist, sollten Sie daran denken, dass Filialbanken die Gebühren meist anheben, sobald das Kind nicht mehr die Bedingungen für die preiswerten Konten erfüllt. Haben Sie sich für eine Filialbank entschieden, wird es dann also Zeit, auf ein anderes, preiswerteres Konto umzusteigen. Wie schnell das passieren sollte, hängt von der jeweiligen Bank ab. Einige Banken schalten das Konto mit der Volljährigkeit auf wesentlich teurere Modelle um, bei anderen gibt es hingegen preiswerte Studentenkonten. Dann kann sich das Kind mit dem Wechsel Zeit lassen.

Tipp: Bei Direktbanken kann es schwierig sein, Bargeld einzuzahlen. Aber genau das bekommen Kinder noch öfter: Taschengeld zum Beispiel oder Geldgeschenke von den Großeltern. Falls es bei Ihrem Kinderkonto nicht möglich ist, Bargeld einzuzahlen, kann Ihr Kind das Geld auch einfach Ihnen geben. Sie überweisen es dann auf das Kinderkonto.

Andere Bankprodukte für Kinder

Banken bieten für Kinder nicht nur Girokonten an. Bei einigen Geldhäusern gibt es auch gut verzinste Sparkonten und Tagesgelder. Die Kinder bekommen oft höhere Zinsen als volljährige Kunden – allerdings meist nur auf kleinere Beträge: Die Banken legen Grenzen für die Maximalanlage fest oder verzinsen größere Summen kaum noch. Beispiel „Mäusekonto“ der Hamburger Sparkasse (Stand: Mai 2020): Bis 500 Euro gibt es 2 Prozent und für alles darüber nur noch 0,01 Prozent.

Eltern können auch ein Depot für ihr Kind bei einer Bank eröffnen und so bereits Geld in Fonds anlegen.

Falls Sie sich zwischen mehreren Jugendkonten entscheiden müssen, kontrollieren Sie also auch, ob die Bank weitere gute Angebote für Kinder hat. Das erleichtert die Auswahl.

Wie eröffnen Eltern ein Girokonto für ihr Kind?

Erwachsene können relativ einfach ein Girokonto eröffnen: Sie müssen lediglich ein Konto aussuchen, das Antragsformular im Internet oder auf Papier ausfüllen und unterschreiben und ihre Identität nachweisen – entweder per Post- oder per Video-Ident.

Für Minderjährige ist das Eröffnen eines Kontos jedoch schwieriger. Kinder, die jünger sind als sieben Jahre, sind nicht geschäftsfähig und können keine Verträge abschließen. Ab dem 7. Lebensjahr sind Minderjährige beschränkt geschäftsfähig. Sie können Verträge abschließen, die Eltern müssen aber immer zustimmen, denn kaum ein Vertrag bringt rechtlich nur Vorteile (BGB § 107).

Deshalb müssen Eltern auch der Kontoeröffnung zustimmen – und zwar beide, selbst wenn sie sich getrennt haben. Ausnahme: Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, muss er dies mit dem Sorgerechtsbeschluss nachweisen. Dieses Dokument müssen auch unverheiratete Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht einreichen. Haben die Eltern unterschiedliche Familiennamen, ist zudem die Heiratsurkunde wichtig.

Die Identität des Kindes weisen die Eltern mit der Kopie der Geburtsurkunde nach; die Eltern müssen sich über ihre Ausweise identifizieren. Welche Unterlagen von den Banken verlangt werden, ist von der einzelnen Bank abhängig. Getrennt lebende Eltern, die das Konto nicht gemeinsam in der Filiale eröffnen oder die Post-Ident-Unterlagen zusammen unterschreiben wollen, sollten mit der ausgewählten Bank Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, ob die Bank eine Lösung für solche Fälle anbietet.

Eine Ausnahme gibt es: Sollte Ihr minderjähriges Kind einen Arbeitsvertrag haben, dann kann es ein Konto ohne Ihre Zustimmung eröffnen (BGB § 113). Allerdings müssen Sie vorher dem Arbeitsvertrag zustimmen. Beim Eröffnen bringt das Kind den Vertrag dann mit. Für Auszubildende gilt diese Ausnahme nicht.

Was ist das Besondere an einem Kinderkonto?

Eltern können die Funktionen eines Jugendkontos teilweise einschränken. So können Sie zum Beispiel bei einigen Banken festlegen, wie viel Geld Ihr Kind abheben kann. Auch Überweisungen sind Grenzen gesetzt, meist dürfen ganz junge Kinder überhaupt nicht überweisen, später dann nur, nachdem die Eltern zugestimmt haben. Die Kinder haben deshalb bei vielen Banken vor einem bestimmten Alter keinen eigenen Zugang zum Online- oder Mobile-Banking. Wie genau das Konto eingeschränkt wird und werden kann, hängt von der gewählten Bank ab.

Zum Taschengeldkonto gehört meist eine Girocard, mit der die Kinder bezahlen oder Geld abheben können. Einige Banken geben auch Prepaid-Kreditkarten mit dem Kinderkonto aus. Manchmal gehört auch eine echte Kreditkarte zum Jugendkonto, einen Kreditrahmen bekommen die Kinder jedoch nicht. Grund dafür ist, dass sich Minderjährige nicht verschulden dürfen. Deshalb richten Banken ihnen auch keinen Dispo ein.

Wem gehört das Geld?

Auch wenn Sie dabei sein müssen, wenn Ihr Kind unter dem eigenen Namen ein Konto eröffnet und Sie sehr viel Kontrolle über das Geld haben – das Geld gehört Ihrem Kind, egal ob es auf dem Girokonto oder auf einem Tagesgeldkonto liegt. Das gilt auch dann, falls Ihr Kind das Geld für etwas anderes ausgibt als eigentlich von Ihnen vorgesehen.

Kinder haben einen eigenen Steuerfreibetrag. Sie können für das Geld der Kinder auch eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen oder aber Freistellungsaufträge erteilen. Das dürfen Sie jedoch nicht für die eigene Geldanlage ausnutzen, um so Steuern zu sparen.

Auch falls Sie Hartz IV beziehen, ist es wichtig, dass das Konto auf den Namen des Kindes läuft und das Geld dem Kind gehört: Kinder haben bei Hartz IV einen eigenen Freibetrag. Wenn das Kind nicht über ein eigenes Konto spart, rechnen die Ämter das Geld zum Vermögen der Eltern hinzu, was die Hartz-IV-Zahlungen negativ beeinflusst.

Welche Probleme kann es beim Bezahlen geben?

Kinder sind rechtlich gegen Schulden abgesichert. Deshalb können sie ihr Konto in der Regel beim Einkaufen nicht überziehen. Ist zu wenig Geld auf dem Konto, scheitert das Zahlen mit der Karte. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Beim elektronischen Lastschriftverfahren (ELV), also beim Bezahlen mit der Girocard und Unterschrift, wird nicht geprüft, ob das Konto gedeckt ist. Das kann dazu führen, dass Kinder einkaufen, der Händler das Geld nicht bekommt und deshalb ein Inkasso-Schreiben verschickt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da weder Händler noch Inkasso-Unternehmen wissen, wie alt der Käufer ist.

Dem können Banken, Händler, aber auch Verbraucher entgegenwirken. So können die Banken die Karten so kennzeichnen, dass die Händler über die Kasse erkennen, dass es sich um die Karte eines Minderjährigen handelt und Guthaben zum Bezahlen notwendig ist. Oder die Händler verlangen bei Kindern immer, dass sie die PIN eingeben. Die Minderjährigen können auch die Eingabe der PIN erzwingen („Anwenderauswahl“). Dazu müssen sie am Kassenterminal eine andere Zahlweise auswählen, bevor sie die Karte einschieben. Damit das alles klappt, erklären die Kinder besser dem Kassierer, was sie tun wollen und warum.

Inkasso-Schreiben bei Kindern

Falls das Konto des Kindes aufgrund des Lastschriftverfahrens überzogen wird, können Sie versuchen, die Sache zu klären, ohne die Inkasso-Gebühren zu zahlen. Dazu muss man wissen: Normalerweise würde der sogenannte Taschengeldparagraf (BGB § 110) gelten. Der besagt, dass Kinder Dinge kaufen können, wenn sie das Geld für den Einkauf bekommen haben, sie frei darüber verfügen dürfen und schon bezahlt haben. Die Eltern müssen in solchen Fällen dem Kauf nicht mehr zustimmen. Wenn das Kinderkonto aber nicht gedeckt ist, gilt auch der Taschengeldparagraf nicht.

Bei einem ungedeckten Konto fehlt es nämlich genau an der Bezahlung, der Kaufvertrag ist bis zur Einwilligung der Eltern „schwebend unwirksam“, wie die Juristen sagen. Sollte in einem solchen Fall ein Inkasso-Schreiben eintreffen, schreiben Sie am besten dem Händler, weisen ihn auf das Alter des Kindes hin und erklären, dass Sie nicht mit dem Kauf einverstanden sind.

Um die Gebühren der Bank für die Rücklastschrift werden Sie vermutlich nicht herumkommen. Schließlich ist das das Werkzeug, mit dem die Bank verhindert, dass das Kind sich verschuldet.

Bei der Recherche zum Thema ELV unterstützte uns der Handelsverband Deutschland.

Autor
Josefine Lietzau

Stand: 27. Mai 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.