Freistellungsauftrag

Abgeltungssteuern auf Kapitalerträge vermeiden

Udo Reuß Stand: 01. November 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Richten Sie einen Freistellungsauftrag bei Ihrer Bank ein. Dann führt sie keine Abgeltungssteuer ans Finanzamt ab, solange Ihre Kapitalerträge unterhalb des freigestellten Betrags liegen. Als Kapitalerträge bezeichnet man unter anderem Zinsen, Dividenden sowie Gewinne aus Aktien und Fondsverkäufen.
  • Singles steht für alle Kapitaleinkünfte eines Jahres auf allen Depots und Konten ein persönlicher Freibetrag von 801 Euro zu; bei Ehepaaren sind es 1.602 Euro.
  • Eheleute können getrennte oder gemeinsame Freistellungsaufträge erteilen. Alternativ können sie eine Verlustverrechnung für ihre Konten und Depots beantragen.
  • Um den Freistellungsauftrag zu erteilen, benötigen Sie bei allen Bankverbindungen die Steueridentifikationsnummer.
  • Kennt die Bank Ihre Steueridentifikationsnummer nicht, muss sie Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge einbehalten.
So gehen Sie vor
  • Normalerweise bietet jede Bank ein Formular an, um dort einen Freistellungsauftrag einzurichten. Alternativ können Sie auch unsere Mustervorlage verwenden.

Zur Mustervorlage

  • Haben Sie mehrere Bankverbindungen? Sie sollten bei jedem Finanzinstitut, das Ihnen Zinsen, Dividenden oder andere Kapitalerträge auszahlt, einen Freistellungsauftrag in der für Sie passenden Höhe einrichten. Sie dürfen aber insgesamt höchstens 801 Euro (Ehepaare zusammen 1.602 Euro) freistellen lassen. Notieren Sie sich daher Ihre Freistellungsbeträge in einer Liste. Diese kann zum Beispiel so aussehen:

Vorlage: Auflistung

Richten Privatanleger einen Freistellungsauftrag bei ihrer Bank, Sparkasse, Bausparkasse oder Versicherung in Deutschland ein, dann können sie Kapitalerträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer erhalten. Zu den Kapitalerträgen zählen Zinsen, Ausschüttungen von Fonds, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften.

Gibt es keinen Freistellungsauftrag oder sind die Kapitalerträge höher als der Sparerpauschbetrag, führt das Kreditinstitut vom übersteigenden Betrag 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer automatisch an das Finanzamt ab. Um unnötige Steuerabzüge zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, rechtzeitig einen Freistellungsauftrag zu erteilen.

Jedem steht ein Freibetrag zu – auch Kindern

Insgesamt darf jeder Sparer 801 Euro an Kapitalerträgen freistellen, Ehegatten also gemeinsam 1.602 Euro. Kapitalerträge von Kindern werden nicht in den Sparerpauschbetrag der Eltern eingerechnet. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern jeweils einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen. Dieser muss von allen gesetzlichen Vertretern unterschrieben werden.  

Gesetzliche Grundlage ist Paragraf 44a des Einkommensteuergesetzes (EStG). Er besagt, dass keine Steuern abgezogen werden, sofern die Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen. Zu viel bezahlte Abgeltungssteuer können Sie sich über Ihre Steuererklärung rückerstatten lassen.

Es reicht, wenn Sie pro Finanzinstitut einen Freistellungsauftrag für jeweils alle Konten und Depots erteilen. Die frühere Aufteilung pro Konto und Depot ist nicht mehr nötig. Haben Sie bei mehreren Kreditinstituten Konten und Depots, können Sie den Sparerpauschbetrag aufteilen und die Teilbeträge auf die Freistellungsaufträge den einzelnen Banken zuweisen. Sie müssen also die Summe Ihrer Kapitalerträge bei jeder Bank abschätzen und die Freibeträge sorgfältig verteilen.

Achtung: Nicht zu viel freistellen

Zusammengerechnet dürfen alle Freistellungsaufträge 801 Euro pro Sparer (Ehepaare: 1.602 Euro) nicht überschreiten. Darauf müssen Sie unbedingt achten. Denn die Finanzverwaltung gleicht die Daten ab und filtert überhöhte Freistellungsaufträge heraus, sie stellen eine Verletzung des Steuerrechts dar. Im Wiederholungsfall können Sie zu einer Ordnungsstrafe verdonnert werden.

Solange allerdings die Summe der per Freistellungsauftrag nicht versteuerten Erträge unter den Grenzwerten bleibt, sollte es keine Probleme geben – es sei denn, Sie geraten an einen überpeniblen Sachbearbeiter im Finanzamt. Auf alle Fälle kann es passieren, dass die Behörde bei der nächsten Steuererklärung besonders genau darauf achtet, ob nicht versteuerte Kapitalerträge angegeben werden.

Unsere Liste hilft Ihnen dabei, einen Überblick über Ihre Freistellungsbeträge zu behalten.

Vorlage: Auflistung

Was Sie beim Freistellungsauftrag beachten müssen

Seit 2011 müssen Sie Ihre Steueridentifikationsnummer angeben, wenn Sie einen Freistellungsauftrag erteilen. Vor 2011 erteilte Freistellungsaufträge blieben noch bis Ende 2015 ohne Identifikationsnummer gültig. Seit dem Jahr 2016 müssen Sie auch für diese Altaufträge zwingend die Steueridentifikationsnummer angeben. Freistellungsaufträge ohne Steueridentifikationsnummer sind seitdem ungültig. Das gilt für alle Bankverbindungen und Depots sowie für alle Kontoinhaber. Ehe- und Lebenspartner müssen beim Gemeinschaftskonto beide Nummern mitteilen.

Steuer-ID

Die aus elf Ziffern bestehende, persönliche Nummer wird allen in Deutschland gemeldeten Bürgern vom Bundeszentralamt für Steuern zugeteilt. Die Nummer ist lebenslang gültig. Sie finden sie zum Beispiel in Ihrem letzten Steuerbescheid. Das Finanzinstitut meldet Ihre Steueridentifikationsnummer und die beantragten Freibeträge an das Bundeszentralamt für Steuern.

Sind Sie unsicher, ob Ihre Steueridentifikationsnummer bei der Bank vorliegt, können Sie dort vorsorglich nachfragen. Dazu genügt ein Anruf. Liegt die Nummer nicht vor, schicken Sie der Bank eine formlose E-Mail – so gehen Sie sicher, dass das Geldinstitut die richtige Nummer bekommt.

Dauer und Änderungen

Ein Freistellungsauftrag gilt immer ab dem 1. Januar für das gesamte Kalenderjahr, in dem er eingereicht wird. Kündigen können Sie ihn nur zum 31. Dezember. Sie können Freistellungsaufträge auch unbefristet erteilen. Sie gelten so lange, bis sie durch einen neuen Auftrag geändert oder widerrufen werden. Es besteht zwar für Sie keine Pflicht, erteilte Freistellungsaufträge zu dokumentieren und aufzubewahren. Um nicht den Überblick zu verlieren, welcher Bank Sie welchen Auftrag erteilt haben, sollten Sie aber genau das tun. Die Bank muss Ihren Freistellungsauftrag sechs Jahre lang aufbewahren.

Sie können einen Freistellungsauftrag vor Beginn und während des jeweiligen Jahres beliebig oft ändern, nicht aber für zurückliegende Jahre. Stichtag für die letzte Berücksichtigung von Änderungen ist spätestens der letzte Bankarbeitstag, üblicherweise der 28. Dezember. Wegen des formalen Aufwands geben Banken häufig frühere Eingangsfristen vor, zum Beispiel den 15. Dezember.

Am besten reichen Sie den Freistellungsauftrag schon bei Konto- oder Depoteröffnung ein, um unerwünschte Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden. Banken führen nämlich fällige Abgeltungssteuer automatisch ans Finanzamt ab, wenn Sie Ihnen Zinsen oder Ähnliches gutschreiben und kein Freistellungsauftrag vorliegt. Aber auch ein unter dem Jahr neu beantragter oder erhöhter Freistellungsauftrag kann Ihnen nachträglich Vorteile bringen. So ist es zum Beispiel im Rahmen der nachträglichen Verlustverrechnung möglich, bereits abgeführte Abgeltungssteuern auf schon realisierte Erträge erstattet zu bekommen.

Kontoauflösung: Wenn Sie Ihr Konto oder Depot auflösen, müssen Sie bei der Bank zusätzlich einen separaten Auftrag zur Löschung des Freistellungsauftrags erteilen. Versäumen Sie das, bleibt ein ungenutzter Freibetrag bestehen.

Nutzen Sie unsere Mustervorlage, um einen Freistellungsauftrag einzurichten.

Zur Mustervorlage

Ehepartner können gemeinsamen oder getrennten Freibetrag nutzen

Sie und Ihr Ehegatte oder Ihr nicht dauerhaft von Ihnen getrennt lebender Lebenspartner können einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag erteilen, den beide unterschreiben müssen. Sie können aber auch getrennt voneinander Einzelfreistellungsaufträge einrichten. In diesem Fall ist nur eine Unterschrift erforderlich. Ändert sich aufgrund von Heirat der Name, müssen Sie einen neuen Freistellungsauftrag auf den geänderten Namen einreichen. Der alte Auftrag wird ungültig.

Ehegattenübergreifende Verlustverrechnung: Das Formular für den Freistellungsauftrag gilt auch als Antrag auf ehegattenübergreifende Verlustverrechnung, die bei einem gemeinsamen Freistellungsauftrag zulässig ist. Dabei verrechnet die Bank einmal im Jahr Gewinne und Verluste unterschiedlicher, einzeln oder gemeinschaftlich geführter Konten und Depots von Ehepartnern miteinander. Es spielt keine Rolle, ob Sie und Ihr Partner in der Steuererklärung zusammen oder getrennt veranlagt werden. Die übergreifende Verlustverrechnung erfolgt rückwirkend zum Jahresende und ist bindend. Sie kann also auch im Rahmen der Veranlagung über die Einkommensteuererklärung nicht mehr geändert werden.

Freistellungsauftrag über 0 Euro: Falls Sie und Ihr Partner Ihr Freistellungsvolumen bei einer Bank bereits voll ausgeschöpft haben, können Sie trotzdem auch bei einem anderen Institut eine übergreifende Verlustverrechnung vornehmen lassen. Zu diesem Zweck kreuzen Sie im Freistellungsformular einen Freistellungsbetrag von 0 Euro an und erteilen so nur einen Antrag auf übergreifende Verlustverrechnung.

Zu viel gezahlte Abgeltungssteuer zurückholen

Es kann passieren, dass Sie die Freistellungsaufträge trotz aller Sorgfalt ungünstig auf verschiedene Finanzinstitute verteilt haben und deshalb insgesamt zu viel Abgeltungssteuer an das Finanzamt abgeführt wird. In diesem Fall können Sie sich die zu viel gezahlte Summe über Ihre Einkommensteuererklärung zurückholen.

Dazu müssen Sie das Formular „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ (Anlage KAP) ausfüllen. Dort tragen Sie Ihre Erträge und abgeführten Steuern ein.

Steuern auf betriebliche Kapitalerträge

Für betriebliche Kapitalerträge können Sie den Steuerabzug vermeiden, wenn Sie als Gläubiger der Kapitalerträge gegenüber dem Finanzinstitut die betriebliche Zugehörigkeit bestätigen. Liegt diese „Erklärung zur Freistellung vom Kapitalertragsteuerabzug“ vor, muss die Bank keine Kapitalertragsteuer einbehalten. Ihre Erklärung, dass die Kapitalerträge zu den Betriebseinnahmen oder zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gehören, muss die Bank – wie Ihren privaten Freistellungsauftrag – sechs Jahre lang aufbewahren.

Nichtveranlagungs-Bescheinigung statt Freistellungsauftrag

Statt eines Freistellungsauftrags bei der Bank könnten Sie gegebenenfalls beim Wohnsitzfinanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) beantragen und diese der Bank vorlegen. Dann behält sie keine Steuern auf Kapitaleinkünfte ein. Diese sogenannte NV-Bescheinigung können Sie beantragen, wenn die voraussichtlichen Einkünfte so gering sind, dass diese ohnehin steuerfrei wären.

Die Nichtveranlagungs-Bescheinigung ist drei Jahre gültig. Ändern sich jedoch Ihre Einkommensverhältnisse, müssen Sie dies dem Finanzamt mitteilen. Interessant ist die NV-Bescheinigung für Kinder mit Kapitaleinkünften sowie für Rentner: Ist Ihre Rente so gering, dass sie inklusive der ausgeschütteten Kapitalerträge – etwa die Zinsen eines Sparbuchs – den Grundfreibetrag nicht übersteigen, können Sie die NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen. Dann zieht die Bank Ihnen keine Abgeltungssteuer ab. Der Grundfreibetrag liegt 2019 bei 9.168 Euro (2020: 9.408 Euro) für Ledige und 18.336 Euro für Verheiratete und Lebenspartnerschaften.

Mehr dazu im Ratgeber Geldanlage

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  • Weitere Ratgeber: Tagesgeld, Festgeld, Indexfonds

Zum Ratgeber

Autor
Udo Reuß

Stand: 01. November 2019


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