Spenden absetzen

Mit Spenden ganz einfach die Steuerlast senken

Udo Reuß Stand: 09. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Machen Sie Ihre Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen als Sonderausgaben bei der Steuer geltend.
  • Wer kein Geld spenden will, kann auch Sachspenden leisten. Sie können sogar Ihren Zeitaufwand im Ehrenamt als Spende absetzen.
  • Unterstützen Sie politische Parteien, sind pro Person bis zu 3.300 Euro drin. Für die ersten 1.650 Euro bekommen Sie die Hälfte als Steuererstattung zurück – der Rest ist als weitere Sonderausgabe zusätzlich absetzbar.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie sich für Ihre Spende über 200 Euro stets eine Quittung geben. Belege müssen Sie grundsätzlich nicht mehr einreichen. Bewahren Sie sie dennoch auf. Das Finanzamt kann nach ihnen verlangen.
  • Für Spenden bis 200 Euro gelten vereinfachte Nachweispflichten. 
  • Tragen Sie Ihre Spenden in der Anlage Sonderausgaben ein. Haben Sie in einem Jahr besonders viel gespendet, können Sie einen Teil sofort absetzen und den Rest als Spendenvortrag ins Folgejahr mitnehmen. 
  • Umfassende Steuertipps und Ausfüllhinweise enthält unser kostenloses 20-seitiges Steuer-E-Book für die Steuererklärung 2019. Hier können Sie es herunterladen:

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5,5 Milliarden Euro haben die Bundesbürger 2015 laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gespendet. Die kleinen oder großen Gaben kommen nicht nur Menschen in Not zugute: Vereine und Stiftungen finanzieren ihre tägliche Arbeit mit dem Geld, viele künstlerische oder wissenschaftliche Einrichtungen sind auf diese Unterstützung angewiesen, und auch politische Parteien nehmen gerne Spenden an.

Der Staat fördert Steuerzahler, die spenden wollen, durch den Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung. Das heißt: Sie können Ihre Spenden von der Steuer absetzen.

Bis zu welcher Höhe können Sie Spenden sofort absetzen?

Der Fiskus unterscheidet drei Arten:

  1. Spenden zur Förderung gemeinnütziger und steuerbegünstigter Zwecke 
  2. Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung sowie
  3. Zuwendungen an politische Parteien.

Damit der Sonderausgabenabzug greifen kann, gibt es in allen drei Fällen eine Voraussetzung: Der Spender muss das Geld freiwillig geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Spenden und Mitgliedsbeiträge an steuerbegünstigte und gemeinnützige Vereine, die ihre Arbeit der Kunst und Kultur widmen, können Sie bis zu einer Höhe von 20 Prozent Ihrer gesamten Einkünfte in der Steuererklärung sofort geltend machen (§ 10b EStG). Das gilt auch für kirchliche, religiöse oder wissenschaftliche Organisationen. 

Wenn Sie in einem Jahr so viel gespendet haben, dass die Spenden den Höchstbetrag von 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte übersteigen, können Sie den überschießenden Betrag aufs Folgejahr übertragen. Diesen Spendenvortrag stellt das Finanzamt zum Jahresende gesondert fest. In der Steuererklärung des Folgejahres setzen Sie in der Anlage Sonstiges in Zeile 6 ein Kreuz, dann berücksichtigt das Finanzamt den verbleibenden Teilbetrag. 

Wenn Sie beispielsweise einem Jugendprojekt in der Nachbarschaft oder der Deutschen Aids-Hilfe Geld spenden, mindert dieser Betrag als Sonderausgabe Ihr zu versteuerndes Einkommen, sobald Ihre gesamten Sonderausgaben (neben den Vorsorgeaufwendungen) den Pauschbetrag übersteigen. Dieser beträgt für Alleinstehende 36 Euro, für zusammen veranlagte Ehegatten und eingetragene Lebenspartner das Doppelte. Was Sie neben Spenden noch absetzen können, lesen Sie in unserem Ratgeber Sonderausgaben.

Nicht zu den Sonderausgaben zählen Mitgliedsbeiträge für Vereine, die vor allem der Freizeitgestaltung dienen, beispielsweise Sportvereine, Heimatvereine oder Karnevalsvereine.

Spenden und Mitgliedsbeiträge tragen Sie in der Anlage Sonderausgaben (ab Zeile 5) Ihrer Steuererklärung ein.

Wie können Sie die Spenden nachweisen?

Alle Spenden und Mitgliedsbeiträge für steuerbegünstigte Zwecke müssen Sie anhand der „Zuwendungsbestätigung nach amtlichem Muster“ nachweisen, vormals Spendenbescheinigung. Die Bestätigung bekommen Sie vom Empfänger der Spende, dieser kann die Bescheinigung auch direkt elektronisch an das Finanzamt übermitteln.

Seit 2017 soll das der Standard sein. Vorteil für den Spender: Er muss die Zuwendungsbestätigung nur aufbewahren und erst auf Verlangen des Finanzamts einreichen – also Aufbewahrungspflicht statt Vorlagepflicht. Auf der Website des Bundesfinanzministeriums (BMF) gibt es die amtlichen Vordrucke für Spendenempfänger. Die Spendenbescheinigungen müssen Sie mindestens ein Jahr lang nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufheben.  

Helfer für die Steuererklärung

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Einfacher Nachweis bis 200 Euro

Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu 200 Euro je Zahlung ist keine formale Zuwendungsbescheinigung erforderlich. Ein vereinfachter Nachweis ist möglich: Ist der Empfänger eine sogenannte juristische Person des öffentlichen Rechts, beispielsweise eine Universität oder eine „öffentliche Dienststelle“ wie eine Schulen, reicht als Nachweis ein Kontauszug nebst Beleg der Organisation, zum Beispiel vom Förderverein der Schule. 

Diese vereinfachte Regelung bis 200 Euro gilt neben den Spenden an staatliche Behörden und gemeinnützige Organisationen auch für Katastrophenfälle und Spenden an politische Parteien.

Haben Sie an gemeinnützige Einrichtungen wie Vereine und Stiftungen gespendet, brauchen Sie zusätzlich einen Beleg, aus dem unter anderem hervorgeht, dass diese Einrichtung von der Körperschaftsteuer befreit ist und wie sie die Mittel verwendet. 

Zusammengefasst gelten für die Vereinfachungsregelung für Kleinspenden bis 200 Euro folgende Voraussetzungen (§ 50 Abs. 2 Einkommensteuerdurchführungsverordnung):

  1. Der Einzahlungsbeleg als Ausdruck muss Name, Kontonummer, Buchungstag, die tatsächliche Durchführung der Zahlung und den Betrag der Spende enthalten.
  2. Auf dem Beleg muss der steuerbegünstigte Zweck, für den die Spende verwendet wird, vermerkt sein: zum Beispiel „Flüchtlingshilfe“ als mildtätiger Zweck.
  3. Falls Sie aufgefordert werden, die Zuwendungsbestätigung beim Finanzamt abzugeben, achten Sie darauf, dass aus dem hervorgeht, dass der Verein von der Körperschaftsteuer befreit ist.
  4. Es muss erkennbar sein, ob es sich um eine Spende oder einen Mitgliedsbeitrag handelt.

Auch im Lastschriftverfahren muss die Buchungsbestätigung Angaben enthalten über Spendenzweck und über die Steuerbegünstigung des Vereins. Falls Sie über Ihr Paypal-Konto spenden möchten, genügt ein Kontoauszug und ein Ausdruck, der die Transaktion belegt.

Spendennachweis bei Beträgen über 200 Euro

Für Spenden über 200 Euro benötigen Sie grundsätzlich immer eine Spendenbescheinigung vom Empfänger. Ausnahme: Bei Katastrophen wie einem Erdbeben oder Tsunami waren die Finanzämter bislang großzügig und akzeptierten bei einer Einzahlung auf ein entsprechendes Sonderkonto innerhalb eines festen Zeitraums den vereinfachten Nachweis auch bei höheren Spendensummen.

Tipp: Bis 100 Euro können die Finanzämter Ihre Spenden auch ohne Belege anerkennen, wenn Sie eine Auflistung der einzelnen Ausgaben und der Empfänger beilegen. Einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es allerdings nicht, es handelt sich nur um eine interne Anweisung der Finanzämter, um die Papierflut durch mitgeschickte Belege einzudämmen. Seit 2017 müssen generell Belege erst auf Nachfrage des Finanzamts eingereicht werden.

Unterhaltsleistung als außergewöhnliche Belastung

Wollen Sie eine bestimmte Person finanziell unterstützen, können Sie Ihre Zuwendung nicht als Sonderausgabe absetzen. Wer Menschen in Not dauerhaft finanziell unterstützt, hat jedoch eine andere Möglichkeit des steuerlichen Abzugs: als außergewöhnliche Belastung.

Nehmen Sie einen Flüchtling in Ihrem Haushalt auf, dann können Sie für das Jahr 2019 den Höchstbetrag von 9.168 Euro (2018: 9.000 Euro, 2020: 9.408 Euro) als Unterhaltsleistung geltend machen. Das Finanzamt verlangt, dass Sie schriftlich erklären, alle Kosten für den Lebensunterhalt der aufgenommenen Person zu tragen. Sammeln Sie alle Quittungen, um diese bei Verlangen einreichen zu können.

Freibetrag für Spenden in der Lohnsteuerkarte eintragen lassen

Spenden können Ihre Steuerlast auch sofort senken und nicht erst, wenn Sie Ihre Steuererklärung abgeben. Sie können die Vorteile des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens nutzen, indem Sie beim Finanzamt einen Freibetrag für Ihre Sonderausgaben beantragen. Dieser wird als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) gespeichert und vom Arbeitgeber automatisch berücksichtigt – so erhöht sich Ihr monatliches Nettoeinkommen. Voraussetzung ist allerdings, dass Ihre Sonderausgaben zusammen mit den außergewöhnlichen Belastungen mindestens 600 Euro im Jahr betragen.

Sachspenden in der Steuerklärung angeben

Sie können sogar Sachspenden wie Kleidung oder Spielzeug in der Steuererklärung als Sonderausgabe angeben. Veranstaltet ein gemeinnütziger Verein im Zweckbetrieb eine behördlich genehmigte Tombola, bei der der Überschuss unmittelbar und ausschließlich zur Förderung der steuerbegünstigten Zwecke verwendet wird, sind Ihre Sachspenden abzugsfähig. Das gilt dagegen nicht, wenn Ihre Sachspende im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb des Vereins verlost oder verkauft wird – etwa auf einem Vereinsfest oder Flohmarkt.

Der Wert der Sachspende muss auf der Zuwendungsbestätigung eingetragen sein. Es bietet sich an, den Neupreis, die Nutzungsdauer und den Zustand zum Zeitpunkt der Spende zu dokumentieren, damit Sie den Marktwert der Sachspende nachweisen können.

Spenden an Stiftungen

Spenden in das zu erhaltende Vermögen einer Stiftung – auf Amtsdeutsch in den Vermögensstock – sind unabhängig vom Einkommen bis zu 1 Million Euro (2 Millionen Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern) begünstigt. Die Spende kann der Geber entweder im Jahr der Zuwendung oder in den neun folgenden Jahren steuerlich geltend machen.

Was gilt für Spenden an politische Parteien?

Einen großen Steuereffekt haben Sie mit einer Parteispende. Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien können Sie zur Hälfte direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen – bis zu einem Höchstbetrag von 825 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern das Doppelte (§ 34g EStG).

Sie können als Paar gemeinsam bis 6.600 Euro steuerlich geltend machen. Bis zum Betrag von 3.300 Euro bekommen sie die Hälfte ihrer Spende als Steuererstattung zurück. Der darüber liegende Betrag ist bis maximal 3.300 Euro zusätzlich als Sonderausgabe abzugsfähig. 

Beispiel: Sie zahlen als zusammen veranlagtes Ehepaar insgesamt 4.000 Euro im Jahr 2019 an die Partei Ihres Vertrauens. Die Hälfte von 3.300 Euro, also 1.650 Euro bekommen Sie direkt als Erstattung mit Ihrer Steuererklärung zurück. Und die restlichen 700 Euro setzen Sie als Sonderausgaben (§ 10b Abs. 2 EStG) auch noch ab. 

Achtung: Eine kommunale Wählervereinigung gilt nicht als Partei. Deshalb bringt eine Spende oder ein Mitgliedsbeitrag dafür höchstens 825 Euro Steuerersparnis. Dies entschied der Bundesfinanzhof in einem Urteil vom 20. März 2017 (Az. X R 55/14).

Spenden Sie Zeit und Unterstützung

Arbeiten Sie ehrenamtlich als Trainer für den Fußballverein, leiten Sie den Kirchenchor oder fahren Sie regelmäßig Ihre Kinder und deren Sportsfreunde zu Wettbewerben? Dann können Sie Ihren Aufwand unter Umständen als Spende geltend machen. Dazu brauchen Sie eine schriftliche Vereinbarung, aus der hervorgeht, dass Sie Anspruch auf einen Aufwendungsersatz haben, beispielsweise für die Fahrtkosten, oder einen Vergütungsanspruch wie die Übungsleiterpauschale und förmlich darauf verzichten. Auch in der Vereinssatzung muss der Anspruch enthalten sein.

Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben vom 24. August 2016 festgelegt, dass bei einem monatlichen Zahlungsanspruch eine jährliche Verzichtserklärung genügt. Zuvor forderte es eine dreimonatige Erklärung. 

Wie finde ich die richtige Organisation, an die ich spenden kann?

Wenn Sie nicht wissen, an welchen Verein Sie spenden sollen oder welche Organisation seriös ist und mit Ihrem Geld verantwortungsvoll umgeht, können Sie sich an Spendensiegeln orientieren. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bewertet unter anderem die Verwendung der Spenden sowie die Ausgaben für Werbung und Verwaltung. Spendenempfänger, die ein vertretbares Maß einhalten, dürfen das – allerdings kostenpflichtige – DZI-Siegel für ihre Öffentlichkeitsarbeit verwenden. Auch der Deutsche Spendenrat vergibt ein Zertifikat.

Ein kostenfreies Siegel vergibt die gemeinnützige Phineo AG, die sich für gesellschaftliches Engagement einsetzt. Organisationen, die vertrauensvoll mit dem Geld der Spender umgehen, können das „Wirkt-Siegel“ von Phineo erhalten.

Recht einfach Gutes tun und dabei Steuern sparen können Sie, wenn Sie sich an das Bündnis von 23 großen deutschen Hilfsorganisationen wenden: aktion-deutschland-hilft.de. Sie können entweder einmalig oder ab 5 Euro monatlich spenden. Bei Spenden ab 50 Euro erhalten Sie automatisch eine Spendenquittung. Regelmäßige Spender erhalten im Januar des Folgejahres ihrer Spenden automatisch eine Sammel-Spendenbescheinigung. Den Vordruck für den vereinfachten Spendennachweis können Sie direkt von der Homepage herunterladen.

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Ratgeber Richtig spenden.

Autor
Udo Reuß

Stand: 09. April 2020


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