Variable und dynamische Stromtarife

Wann Du Strom verbrauchst, ist entscheidend für seinen Preis

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
25. August 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • In einem variablen Stromtarif ändert sich der Strompreis während des Tages.
  • Ist Dein Stromtarif sogar dynamisch, richtet sich der Strompreis danach, was der Einkauf der Energie aktuell am Markt kostet. Da dort die Preise schwanken, wirkt sich das auch auf Deinen Strompreis aus.
  • Nutzt Du Strom, wenn die Energie gerade günstig ist, kannst Du in variablen und dynamischen Tarifen Deine Strom­kos­ten senken.
So gehst Du vor
  • Voraussetzung für einen dynamischen Stromtarif ist ein intelligenter Stromzähler. Wenn Du keinen besitzt, kannst Du Dir einen einbauen lassen.
  • Daneben gibt es variable Tarife, die Du mit einem digitalen Stromzähler abschließen kannst. Die Strompreise sind dann aber weniger flexibel.
  • Variable Tarife werden zwar über Stromrechner angezeigt. Auf Anhieb sind sie aber nicht zu erkennen. Dynamische Tarife zeigen Vergleichsrechner bislang nicht an. Wer variable Tarife für Haushaltsstrom anbietet, kannst Du unserer Übersicht im Text entnehmen.

Die meisten Stromtarife für Haushaltsstrom haben einen fixen Preis: Ob Du Strom am Sonntag oder am Montag nutzt, ob am Morgen oder am Abend – Du zahlst pro Kilowattstunde immer dasselbe. Es gibt aber auch Tarife, deren Preis sich innerhalb eines Tages verändert. Sie heißen variable oder dynamische Stromtarife und sind in Deutschland bislang noch nicht weit verbreitet. Seit August 2021 sollen aber alle Stromlieferanten nach Möglichkeit variable Tarife anbieten; größere Unternehmen auch mindestens einen dynamischen Tarif.

Was sind variable und dynamische Stromtarife?

Der Strompreis in variablen Stromtarifen verändert sich im Laufe des Tages: Er kann steigen und sinken – er ist im Gegensatz zu fixen Stromtarifen flexibel. Diese flexiblen oder variablen Tarife unterscheiden sich dabei:

  1. Lastvariable Tarife: Diese Tarife werden für steuerbare Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen und Ladestationen für Elektroautos angeboten. Steuerbar bedeutet dabei, dass der Netzbetreiber über ein Schaltgerät die Stromversorgung des jeweiligen Geräts verringern kann. Das macht er aber nicht nach Belieben, sondern innerhalb festgelegter Zeitfenster und gewährt dafür niedrigere Netzentgelte. Für einen lastvariablen Tarif braucht das Heizgerät oder die Ladestation einen eigenen Stromzähler.
  2. Zeitvariable Tarife mit NT- und HT-Zeiten: Hier besteht in bestimmten Stunden ein niedrigerer Strompreis (NT-Tarif), meist nachts. Tagsüber gilt dann ein höherer Preis (HT-Tarif). Üblich sind solche zeitvariablen Tarife seit den 1960er Jahren, um Nachtspeicherheizungen zu betreiben. Für einen solchen tageszeitabhängigen Tarif benötigst Du einen Zweitarifzähler.
  3. Zeitvariable Tarife ohne festgelegte Zeiten: Es gibt moderne zeitvariable oder tageszeitabhängige Tarife auch für Haushaltsstrom. Bei diesen ist nicht festgelegt, in welchen Stunden ein bestimmter günstigerer Preis besteht – das entscheidet sich am Strommarkt. Allerdings besteht entweder ein Korridor, innerhalb dem sich der Preis bewegt, oder der Anbieter rechnet einen Mit­tel­wert pro Monat ab. Anbieter können einen intelligenten Zähler voraussetzen, das muss aber nicht sein. Einen zeitvariablen Tarif kannst Du auch mit einem einfachen digitalen oder sogar analogen Stromzähler abschließen.
  4. Dynamische Tarife: Dynamische Stromtarife gehören auch zu den zeitvariablen Tarifen. Ihr Strompreis ist sehr flexibel – er verändert sich zig-mal am Tag und kann stärker steigen und fallen als die zeitvariablen Tarife mit Preisgrenzen oder festen oder gemittelten Preisen. Um einen dynamischen Stromtarif abzuschließen, brauchst Du ein intelligentes Messsystem.

Variable Tarife für Haushaltsstrom

Für Haushaltsstrom gibt es – unter den flexiblen Tarifen – bislang nur zeitvariable und dynamische Verträge. Verändern kann sich am Strompreis dabei ein Kostenbestandteil: die Beschaffung der Energie. Die Kosten dafür sind flexibel. Der größte Kostenanteil, den Du über den Strompreis bezahlst, verändert sich dagegen innerhalb eines Jahres in der Regel nicht – die Umlagen, Steuern, Abgaben und Entgelte für Stromzähler und Netznutzung.

Zugegeben: Die Kosten für den Energieeinkauf sind gemessen an der Höhe Deines Strompreises gering. Im Schnitt zahlen Haushalte in Deutschland 2021 rund 32 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten für den Stromeinkauf belaufen sich dabei auf rund 5 Cent. Hinzukommen rund 3 Cent, die der Lieferant für seine Dienste berechnet.

Diese 5 Cent für die Strombeschaffung (oder auch etwas mehr oder weniger, je nachdem wie sich die Preise über einen längeren Zeitraum entwickeln) stellt Dir Dein Energielieferant in einem Stromtarif mit fixen Preisen in Rechnung, auch wenn Du eher in Stunden Strom beziehst, in denen die Preise niedriger sind. Mit einem variablen oder dynamischen Tarif profitierst Du hingegen, wenn Du den Strom zu einem Zeitpunkt nutzt, an dem er gerade günstiger ist. Dann kannst Du etwa Dein Elektroauto laden (, wenn die Wallbox keinen eigenen Zähler hat), Marmelade einkochen oder die Waschmaschine anstellen.

Du kannst auch profitieren, wenn Strom über Wochen oder Monate günstiger im Einkauf ist. Zuletzt war das 2020 im Zuge der Corona-Pandemie der Fall – die Beschaffungspreise brachen von Februar bis Juni regelrecht ein, weil die Industriebetriebe weniger Strom nachfragten.

Die Preise in vielen Bestandstarifen verringerten sich im Frühling und Sommer 2020 aber nicht. Denn Anbieter von Tarifen mit fixen Preisen können auf plötzliche Tiefstpreise nicht schnell reagieren. Meist schließen die Unternehmen ihre Abnahmeverträge Monate oder Jahre im Voraus. Sinken die Beschaffungskosten im Jahr der Lieferung aber, haben sie deswegen nicht in selbem Maße niedrigere Kosten. Umgekehrt geben Lieferanten in fixen Verträgen auch nicht sofort steigende Kosten weiter – oft dauert es aber nur ein paar Wochen oder Monate, bis Du ein Preiserhöhungsschreiben erhältst.

Wann sind die Preise an der Strombörse eher niedrig?

Den Strompreis handeln entweder Erzeuger und Abnehmer miteinander aus – oder der Markt bestimmt den Preis. Dies passiert an den Strombörsen EEX in Leipzig und Epex Spot in Paris. An der EEX wird Strom für Monate oder Jahre im Voraus gehandelt; an der Epex Spot kurzfristig – noch am selben oder am nächsten Tag liefert der Anbieter. Obwohl nur ein Teil der Energie über die Börsen eingekauft wird, sind die dort gebildeten Preise ein verlässlicher Indikator für das Preisniveau insgesamt.

Ist die Nachfrage nach Strom hoch, treibt das den Preis an der Strombörse nach oben – das ist vor allem am Morgen und am Abend der Fall. Sinkt die Nachfrage wieder, fallen die Preise – nachts und nachmittags ist das in der Regel zu beobachten. Ist das Stromangebot höher als die Nachfrage, können die Preise sogar ins Negative rutschen. Das geschieht etwa an windigen Tagen, an denen Windkraftanlagen viel Strom produzieren.

Die Preisunterschiede an einem Tag sind unter der Woche stärker ausgeprägt als am Wochenende (einschließlich Feiertage). Von Montag bis Freitag liegen Höchst- und Tiefstpreise stärker auseinander als an Samstagen und Sonntagen. Der Grund dafür ist, dass viele Berufstätige am Wochenende nicht arbeiten und die Kinder zuhause sind. Wann dann etwa jede Familie morgens Kaffee oder Tee kocht, verteilt sich stärker über den Vormittag – an Wochentagen konzentriert sich das auf weniger Stunden am Morgen.

Es kann wie gesagt auch passieren, dass kurzfristig negative Preise an der Strombörse bestehen – dann übersteigt das Angebot die Nachfrage. Wer zu diesen Zeitpunkten Strom ins Netz einspeist, erhält dafür keinen Erlös, sondern muss den Preis mit negativem Vorzeichen zahlen. Wer dann als Kunde in einem dynamischen Tarif mehr Strom als üblich nutzt, wird finanziell belohnt – und hilft, das Stromnetz stabil zu halten.

Wie kommst Du zu einem flexiblen Stromtarif?

Um einen variablen oder dynamischen Stromtarif abzuschließen, brauchst Du häufig einen bestimmten Stromzähler. Abhängig vom Stromzähler kannst Du dann einen variablen Stromtarif abschließen. Fünf Tarife haben wir im Frühling 2021 gefunden. Einige lassen sich auch über Vergleichsrechner wie dem Finanztip-Stromrechner finden, aber nicht alle. Deswegen nennen wir die uns bekannten Tarife hier. Weitere variable Tarife entwickeln andere Anbieter noch. Wenn es neue Angebote gibt, nehmen wir sie in unsere Übersicht auf.

Variable und dynamische Stromtarife für Haushaltsstrom

Strom-

anbieter

TarifTarifart

Benötigter

Stromzähler

Information

zum Strompreis

AwattarHourly-Cap

variabler

Tarif mit Preiskorridor

intelligenter Zähler oder intelligentes MesssystemBörsenstrompreise aktuell übermittelt
AwattarHourlydynamischer Tarifintelligentes MesssystemBörsenstrompreise aktuell übermittelt
Eon Energie DeutschlandSmartstrom Öko

variabler

Tarif mit 3 festen Preisen 

intelligentes MesssystemFestpreise auf der Internetseite abrufbar
TibberTibber Energy

variabler

Tarif mit gemittelten Monatspreisen

jeder Zählertypab ca. 14 Uhr Preise für Folgetag in der App abrufbar
TibberTibber Energydynamischer Tarifintelligenter Zähler oder intelligentes Messsystemab ca. 14 Uhr Preise für Folgetag in der App abrufbar

Die Tabelle ist nach dem Namen der Stromanbieter alphabetisch geordnet.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 20. Mai 2021)

Der Wechsel von einem fixen zu einem variablen Tarif unterscheidet sich nicht von jedem anderen Vertragswechsel. Wählst Du einen anderen Anbieter, übernimmt dieser die Kündigung beim bisherigen Lieferanten für Dich oder Du kündigst den bestehenden Vertrag selbst.

Willst Du einen Tarif abschließen, für den Du einen intelligenten Zähler oder ein intelligentes Messsystem brauchst, kannst Du Dir ein solches Gerät einbauen lassen. Entweder beauftragst Du Deinen bisherigen Mess­stel­len­be­trei­ber – zumeist ist das der Netzbetreiber – oder Du wählst ein anderes Unternehmen.

Bei einem Wechsel des Mess­stel­len­be­trei­bers übernimmt das neu gewählte Unternehmen in der Regel die Kündigung beim bisherigen Betreiber. Zum vereinbarten Termin kommt dann ein Elektriker, baut den bisherigen Stromzähler aus und setzt Dir ein modernes Gerät ein. Das jährliche Messstellenentgelt für den neuen Zähler ist dann höher. Eventuell berechnet der neue Mess­stel­len­be­trei­ber noch eine einmalige Gebühr für den Einbau des Zählers.

Typische Entgelte für verschiedene Stromzähler

Stromzähler oder SystemMessstellenentgelt pro Jahr
analoger Eintarifzähler8 bis 17 Euro
digitaler Zähler (moderne Messeinrichtung)20 Euro
intelligenter Zählerca. 100 Euro
intelligentes Messsystemab 100 Euro

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 20. Mai 2021)

Bestimmte Verbraucher bekommen bis spätestens 2032 verpflichtend ein intelligentes Messsystem eingebaut. Dazu gehören Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden. Bei einem Pflichteinbau darf das Messstellenentgelt maximal 100 Euro im Jahr betragen. Damit sind in jedem Fall die Kosten für den Einbau des Zählers abgegolten.

Die Mehrkosten für einen intelligenten Zähler oder ein intelligentes Messsystem kannst Du dabei locker wieder herausholen, wenn Du durch den Zähler Stromfresser erkennst, diese abschaltest und Deinen Verbrauch senkst. Denn der intelligente Zähler zeichnet Deinen Stromverbrauch in Echtzeit auf und kann einzelnen Geräten auch ihren Stromverbrauch sowie die aufgewendeten Strombeschaffungskosten direkt zuordnen. Du kannst die Verbrauchsdaten über ein Portal oder eine App einsehen. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Foto: Screenshot Finanztip
Finanztip hat seit 2017 einen intelligenten Stromzähler und seit Juni 2019 einen variablen Stromtarif. Der Screenshot stammt aus dem Portal des Mess­stel­len­be­trei­bers von Finanztip. Über unsere Erfahrungen mit dem intelligenten Zähler und dem variablen Stromtarif berichten wir im Blog.

Da Du den Stromverbrauch auch nach Uhrzeiten aufgeschlüsselt bekommst, kannst Du auch für kleinere Geräte abschätzen, wie viel Energie sie aus dem Stromnetz ziehen. Kunden des Mess­stel­len­be­trei­bers Discovergy können sich seit 2016 am Programm Einsparzähler beteiligen. Sie haben ihren Stromverbrauch seit Einbau eines Zählers des Unternehmens im Schnitt um 315 Kilowattstunden gesenkt, etwa durch den Austausch von Leuchten in den Lampen und den Ersatz von Stromfressern durch energieeffizientere Geräte. Die Stromersparnis bedeutet rund 90 Euro geringere Kosten – pro Jahr. Natürlich kannst Du aber auch ohne intelligenten Zähler Strom sparen. Das Förderprogramm läuft bei Discovergy noch bis Jahresende 2021.

Für einen dynamischen Stromtarif muss mindestens ein intelligenter Zähler installiert sein; mancher Anbieter setzt auch ein intelligentes Messsystem voraus. Zu diesem gehört ein digitaler Zähler, der über ein Smart Meter Gateway in ein Kommunikationssystem eingebunden ist. Dir wird so der Stromverbrauch in Echtzeit angezeigt. Darüber hinaus übermittelt Dir der Stromanbieter den aktuellen Strompreis am Handelsmarkt, damit Du direkt auf ein Preissignal reagieren kannst. Möglich ist auch, dass Du einen Alarm einrichtest, wenn Preise hoch oder niedrig sind oder dass Du über die App des Stromanbieters bestimmte Geräte in Deinem Haushalt steuerst – abhängig von den Preissignalen am Markt. Die Geräte müssen dazu an einer steuerbaren Steckdose hängen.

Wie viel kannst Du mit einem flexiblen Stromtarif sparen?

Wie stark sich ein flexibler Stromtarif lohnen kann, hängt von drei Faktoren ab:

  1. ob Dein Tarif „nur“ variable oder dynamische Preise hat
  2. wie sich die Strompreise mittelfristig entwickeln – waren sie bis Mitte 2020 sehr niedrig, so steigen die Preise an der Börse seit Herbst 2020 kontinuierlich
  3. wie stark Du Deinen Verbrauch in Stunden mit niedrigeren Strompreisen verlagern und insgesamt senken kannst

Allein durch das Einbrechen der Strompreise im Frühling 2020 konnten Kunden in dynamischen Stromtarifen sparen: Sie zahlten bis zu 3 Cent pro Kilowattstunde weniger. Bei 170 Kilowattstunden Verbrauch bedeutete das eine Ersparnis von rund 5 Euro pro Monat. Dieser Effekt ist 2021 nicht gegeben – die Preise an der Strombörse steigen gerade: Wenn Du jetzt einen Tarif mit flexiblen Preisen abschließt, hast Du es allein mit Deinem Verhalten in der Hand, Deine Strom­kos­ten zu verringern.

Die Preise an der Strombörse schwanken über den Tag verteilt in der Regel um rund 3 Cent pro Kilowattstunde (netto) – maximal können es auch 7 Cent sein. Nutzt Du Geräte in den Zeiten niedriger Strompreise, sparst Du sowohl bei den Kosten für den Stromeinkauf als auch anteilig bei der Mehrwertsteuer.

Verschiebst Du das Wäschewaschen vom Vormittag auf den Nachmittag, sparst Du bei einem 60-Grad-Waschgang bei voller Beladung der Trommel im Schnitt rund 4 Cent. Lädst Du Dein Auto nachts und nicht am Abend, können es locker 2 Euro bei einer Vollladung sein. Wirfst Du den Trockner nachmittags an, kostet das rund 9 Cent weniger. Nimmst Du extreme Tiefpreise oder sogar Negativpreise mit, kann sich die Ersparnis jeweils verdoppeln.

Die Preise an der Strombörse bekommst Du direkt über Deinen Anbieter angezeigt. Die Ersparnisangaben beziehen sich auf neue energieeffiziente Haushaltsgeräte. Haben Deine Maschinen ein paar Jahre auf dem Buckel, kann die durchschnittliche Ersparnis auch höher sein.

In einem lediglich zeitvariablen Tarif für Haushaltsstrom rechnet der Anbieter nicht die direkten Beschaffungskosten für Strom pro Tag ab. Er bildet stattdessen einen Mit­tel­wert über den Monat oder gibt einen Preiskorridor vor, der nicht überschritten, aber auch nicht unterschritten werden kann, oder der Anbieter legt für verschiedene Zeitfenster am Tag unterschiedliche fixe Preise fest. Letzteres ist beim Tarif „Smartstrom Öko“ von Eon der Fall: Am teuersten ist der Strom von morgens bis nachmittags, ab 16 Uhr ein bisschen günstiger und nach 21 Uhr kostet er rund 5 Cent weniger als tagsüber. Der Tarif ist so angelegt wie zeitvariable Tarife für Nachtspeicheröfen oder Wärmepumpen.

Ein Preiskorridor besteht dagegen im Tarif Hourly-Cap von Awattar. Sinkt der Marktpreis, kommt Dir das trotzdem zugute – über einen Bonus. Um rund 2,75 Euro verringerte dieser die Strom­kos­ten der Kunden im genannten Tarif 2020 pro Monat. Mit monatlich gemittelten Preisen arbeitet Tibber, wenn Du keinen intelligenten Zähler installiert hast.

Da es typische Hochpreiszeiten und Niedrigpreiszeiten an der Strombörse gibt, kannst Du bei diesen variablen Tarifen überlegen, einzelne Geräte zu bestimmten Zeiten ausschließlich oder stärker zu nutzen. Dann profitierst Du von günstigeren Strompreisen am Markt und sparst Geld, allerdings nicht in vollem Umfang wie in einem dynamischen Tarif – schließlich werden die Preise entweder gemittelt oder sind in ihrer Höhe begrenzt. Dafür bist Du aber auch vor Höchstpreisen an der Strombörse geschützt. Die Börsenpreise übermitteln die Anbieter oder Du kannst Sie über Deinen Stromzähler einsehen. Je nachdem, wie stark Du Deinen Verbrauch in Stunden niedriger Preise verlagern kannst, sparst Du 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde.

Wie sieht der Stromvertrag bei diesen Tarifen aus?

Der Stromvertrag für einen variablen Tarif unterscheidet sich im Grundsatz nicht von einem Vertrag für einen fixen Tarif (§ 309 Punkt 9 BGB): 

  • maximale Laufzeit: zwei Jahre
  • maximale Kündigungsfrist: drei Monate
  • maximale Vertragsverlängerung: ein Jahr

Diese Fristen ändern sich zum 1. März 2022: Die Kündigungsfrist verkürzt sich auf einen Monat. Und ein Vertrag ist nach Ablauf der ersten Laufzeit jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündbar.

Beim Thema Rechnung gelten dagegen für variable Stromtarife zusätzliche und teilweise auch andere Fristen als für Tarife mit fixen Preisen:

  • Mindestens alle zwölf Monate muss der Lieferant eine Abrechnung schicken und Dir kürzere Abrechnungszeiträume anbieten: monatlich, alle drei oder alle sechs Monate (§ 40b Abs. 1 EnWG). 
  • Monatlich bekommst Du in jedem Fall eine Abrechnungsinformation (§ 40b Abs. 3 EnWG). Diese enthält alle für eine Abrechnung relevanten Daten, aber keine Zahlungsaufforderung.
  • Eine Abrechnung oder Schlussrechnung ist bis zu sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums zuzustellen. Bei monatlicher Abrechnung verkürzt sich die Frist auf drei Wochen (§ 40c Abs. 2 EnWG).

Tatsächlich sind manche Fristen in variablen Stromverträgen aber kürzer: Bei Tibber und Awattar gibt es keine Mindestlaufzeit und die Kündigungsfrist beträgt gerade mal zwei Wochen. Abrechnungen erstellt das Unternehmen monatlich.

WEnn jeden Monat eine Rechnung kommt, bedeutet das auch: Du zahlst keine Abschläge, die sich nach dem voraussichtlichen Verbrauch in einem Jahr richten, sondern das, was Du tatsächlich benötigt hast. Du musst dazu auch Deinen Zähler (,sofern es ein Smart Meter ist,) nicht ablesen – die Messwerte ruft der Anbieter selbst ab. Ein weiterer Vorteil der monatlichen Abrechnung: Bist Du mehrere Wochen verreist, verringern sich direkt Deine Strom­kos­ten. Vermietest Du Deine Wohnung für ein paar Monate unter, weißt Du, welche Strom­kos­ten der Zwischenmieter zu tragen hat.

Eines ist aber bei Tibber und Awattar anders: Ändern sich einzelne Umlagen, Steuern oder Entgelte auf den Strompreis und machen elektrische Energie teurer oder günstiger, verpflichtet sich der Anbieter in der Regel nicht, Dich darüber zu unterrichten. Über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist festgelegt, dass der Anbieter Umlagen, Steuern, Abgaben und Entgelte jeden Monat in ihrer jeweiligen Höhe berechnet. Verringern sich die hoheitlich festgelegten Kosten, profitierst Du direkt davon; steigen sie, erhöht sich dagegen vermutlich auch Dein Strompreis.

Ein Son­der­kün­di­gungs­recht steht Dir aufgrund eines höheren Preises dabei nicht zu, wenn klar geregelt ist, dass die Höhe der einzelnen Posten ohne Verzögerung und ohne Aufpreis an Dich weitergereicht wird. Ändert der Anbieter seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, hast Du natürlich ein Son­der­kün­di­gungs­recht und musst auch über dieses aufgeklärt werden. Auch wenn Du umziehst, darfst Du Deinen Vertrag außerordentlich kündigen, wenn Dich der Lieferant an der neuen Anschrift nicht zu denselben Preisen beliefern kann.

Wohin steuern variable Stromtarife?

Bis Juli 2021 gab es nur wenige variable Tarife für Haushaltsstrom. Das dürfte sich nun ändern: Seit 26. Juli 2021 sollen Stromlieferanten mindestens einen tageszeitabhängigen Tarif anbieten, wenn dies für sie technisch und wirtschaftlich machbar ist. Unternehmen mit mehr als 200.000 Kunden sollen mindestens einen dynamischen Tarif im Portfolio haben. Rund 70 Unternehmen betrifft diese neue Pflicht.

Ab 2022 sollen auch Stromlieferanten mit mehr als 100.000 Kunden mindestens einen dynamischen Tarif anbieten und ab 2025 Unternehmen mit mehr als 50.000 Kunden. Interessiert sich ein Verbraucher für einen dynamischen Tarif, muss ihn der Anbieter zudem über die Vor- und Nachteile unterrichten und den Einbau eines intelligenten Messsystems anbieten, falls dieses nicht vorhanden ist. 

Bislang nutzt rund eine halbe Million Stromkunden variable oder dynamische Tarife für Haushaltsstrom. Der Gesetzgeber verspricht sich von der neuen Vorgabe, dass sich dynamische und variable Stromtarife stärker verbreiten und das Stromnetz in Zeiten hoher Nachfrage oder hohen Stromangebots entlasten. Denn im Zuge der Energiewende besteht zunehmender Bedarf, die Stromnachfrage stärker an das Angebot anzupassen – Windkraftanlagen und Photovoltaiksysteme erzeugen nicht zu beliebigen Zeiten Strom, sondern je nach Wetterlage. Auf diesen Kraftwerken beruht schon heute rund ein Drittel der Stromerzeugung in Deutschland. Und dieser Anteil soll wachsen – spätestens 2030 sollen Wind- und Solarstromanlagen den größten Anteil der elektrischen Energie in Deutschland bereitstellen.

Neben den zeitvariablen Tarifen gelingt dies auch mit lastvariablen Tarifen. Damit Du Deine Wärmepumpe oder Dein Elektroauto netzdienlich betreibst – nämlich dann Strom beziehst, wenn gerade viel Strom ins Netz wandert und möglichst wenig, wenn das Gegenteil der Fall ist –, gewähren die Netzbetreiber schon heute niedrigere Entgelte. Von Ort zu Ort unterscheiden sich diese aber. Auch die Bedingungen für einen lastvariablen Tarif können verschieden sein. Für Elektroautos lohnen sich lastvariable Tarife zudem meist noch nicht und für Wärmepumpen eher, wenn Dein Wärmestrombedarf hoch ist. Eine Lastmanagementverordnung soll einheitliche Regeln für ganz Deutschland schaffen. Wann diese Verordnung kommt, ist allerdings unklar. Ende 2020 hatte das Wirtschaftsministerium einen Entwurf erarbeitet, der nach Protest der Automobilbranche wieder einkassiert wurde.

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