Al­ters­ent­las­tungs­be­trag

So sparst Du als Rentner mit dem Al­ters­ent­las­tungs­be­trag Steuern

Jörg Leine
Finanztip-Experte für Steuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Für gesetzliche Renten und Pensionen gibt es zurzeit noch Steuerfreibeträge.
  • Wer im Alter noch arbeitet oder andere Einkünfte hat, kann zusätzlich den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag in Anspruch nehmen.
  • Wir erklären Dir schnell und einfach, wie Du damit Steuern sparen kannst.

So gehst Du vor

  • Damit der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag auf Dein Gehalt angerechnet wird, musst Du nichts tun.
  • Für Deine Kapitalerträge musst Du hingegen eine Günstigerprüfung beantragen. Die beantragst Du in der Anlage KAP.
  • Lebst Du in einer Partnerschaft, solltest Du prüfen, ob es sich lohnt, Vermögen neu zu verteilen.

Noch gibt es in Deutschland Steuervorteile auf die gesetzliche Rente und Pensionen durch Freibeträge. Damit aber beispielsweise ältere Arbeitnehmer oder Menschen, die hauptsächlich privat für den Ruhestand vorgesorgt haben, steuerlich nicht ungerecht behandelt werden, gibt es den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag.

Wer bekommt den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag?

Den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag gibt es nicht für jeden. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass Du bis zum 1. Januar des Kalenderjahres, in dem Du den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag in Anspruch nehmen willst, bereits 64 Jahre alt geworden bist.

Die zweite Voraussetzung ist zweigeteilt. Entweder musst Du ein Gehalt als Angestellter beziehen oder Du hast andere Einkünfte wie zum Beispiel aus einem Mietverhältnis. Zu anderen Einkünften zählen nicht die bereits erwähnten Versorgungsbezüge, die schon einen steuerlichen Vorteil enthalten, wie eben die gesetzliche Rente. Einfach ausgedrückt: Es gilt der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag auf alle Einkünfte, die voll steuerpflichtig sind.

Im Steuerrecht wird bei den Einkünften gerne erwähnt, dass deren Summe positiv sein muss, damit der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag geltend gemacht werden kann. Denn bei der Steuer kannst Du auch negative Einkünfte geltend machen. Damit sind Verluste gemeint. Da Du mit Verlusten schon Minus gemacht hast, gibt es eben keinen Betrag, den Du verringern kannst, damit Du weniger Steuern zahlst.

Der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag wird auf folgende Einkünfte angewandt:

So hoch ist Dein Al­ters­ent­las­tungs­be­trag

So wie der Steuerfreibetrag auf die gesetzliche Rente richtet sich auch der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag nach Deinem Geburtsjahrgang. Noch gilt, dass der Steuerfreibetrag 2040 auf null fällt. Dann soll auch der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag abgeschafft werden. Dementsprechend ist bisher der Jahrgang 1974 der letzte, der vom Altersentlastungbetrag profitieren kann. Denn nur wer 1974 geboren ist, erfüllt das Kriterium, bis zum 1. Januar 2040 das Alter von 65 Jahren zu erreichen.

Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofes zur Dop­pel­be­steu­er­ung der Renten muss die Bundesregierung jedoch das Besteuerungssystem der Renten ändern. Die Ampel-Koalition plant daher, den Steuerfreibetrag erst 2060 statt wie bisher 2040 auf null zu senken. Theoretisch müsste es dann also auch den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag länger geben. Wie das in der Praxis genau aussehen soll, ist aber noch nicht bekannt. Daher haben wir Dir in unserer Tabelle die bisher gültigen Werte zusammengefasst.

Zunächst aber noch eine kurze Erklärung: Für den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag gibt es neben dem persönlichen Prozentsatz auch einen persönlichen Höchstbetrag. Heißt beispielsweise: Wenn Du 1955 geboren bist, konntest Du ab 2020 16 Prozent Deiner entsprechenden Einkünfte steuerlich geltend machen. Allerdings nur bis zu dem Höchstbetrag von 760 Euro. Der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag wird einmal festgeschrieben und gilt dann bis an Dein Lebensende.

Al­ters­ent­las­tungs­be­trag nach Jahrgang:

GeburtsjahrProzentsatzHöchstbetragerstes Jahr der Inanspruchnahme
194040,0 %1.900 €2005
194138,4 %1.824 €2006
194236,8 %1.748 €2007
194335,2 %1.672 €2008
194433,6 %1.596 €2009
194532,0 %1.520 €2010
194630,4 %1.444 €2011
194728,8 %1.368 €2012
194827,2 %1.292 €2013
194925,6 %1.216 €2014
195024,0 %1.140 €2015
195122,4 %1.064 €2016
195220,8 %988 €2017
195319,2 %912 €2018
195417,6 %836 €2019
195516,0 %760 €2020
195615,2 %722 €2021
195714,4 %684 €2022
195813,6 %646 €2023
195912,8 %608 €2024
196012,0 %570 €2025
196111,2 %532 €2026
196210,4 %494 €2027
19639,6 %456 €2028
19648,8 %418 €2029
19658,0 %380 €2030
19667,2 %342 €2031
19676,4 %304 €2032
19685,6 %266 €2033
19694,8 %228 €2034
19704,0 %190 €2035
19713,2 %152 €2036
19722,4 %114 €2037
19731,6 %76 €2038
19740,8 %38 €2039
19750,0 %0 €2040

 

Wie wird der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag berechnet?

Der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag wird mit Deinem individuellen Prozentsatz direkt auf Deine entsprechenden Einkünfte angewandt. Wobei Bruttolohn und Nebeneinkünfte getrennt betrachtet werden. Das passiert, damit Dein Bruttolohn nicht mit möglichen Verlusten (negative Summe) aus den Nebeneinkünften verrechnet wird und Du Deinen Höchstbetrag voll ausreizen kannst.

Beispiel

Philipp ist 1957 geboren und kann damit seinen Al­ters­ent­las­tungs­be­trag erstmals 2022 in Anspruch nehmen. Er verdient im Monat 4000 Euro brutto. Davon kann er 14,4 Prozent geltend machen. Das sind 576 Euro.

Vorsicht: Auch wenn der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag monatlich von Phillipps Lohn abgezogen wird, kann er ihn trotzdem nur bis zum Höchstbetrag absetzen – und der gilt für das ganze Jahr.

Für Philipps Jahrgang beträgt er 684 Euro. Nach zwei Monatsgehältern hätte Philipp diesen also auf jeden Fall ausgereizt.

Den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag musst Du nicht gesondert beantragen. Wenn Du Lohn beziehst, wird er automatisch in Deiner Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Am Ende erhöht sich dadurch also Dein Netto-Lohn. In diesem Fall wird der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag auch nicht in der jährlichen Einkommenssteuererklärung berücksichtigt, da er ja bereits über die Lohnsteuer abgegolten ist.

Wann der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag nicht berücksichtigt wird

Bei Kapitalerträgen ist es etwas komplizierter. Dort wird der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag nicht automatisch berücksichtigt. Denn Kapitalerträge werden zunächst mit 25 Prozent Abgeltungssteuer und eventuell Kirchensteuer plus Soli besteuert.

Wenn Du Deine Kapitalerträge in der Anlage KAP erklärst, kannst Du dort auch eine Günstigerprüfung beantragen. Dadurch prüft das Finanzamt, ob es für Dich günstiger ist, statt der Abgeltungssteuer Deinen persönlichen Grenzsteuersatz auf Deine Kapitalerträge anzuwenden. Besagter Grenzsteuersatz muss also unter 25 Prozent liegen. Ist dies der Fall, werden Deine Kapitalerträge als Einkommen wie ein Gehalt behandelt. Dann berücksichtigt das Finanzamt den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag für Deine Kapitaleinkünfte im Steuerbescheid.

TIPP: Entgegen vieler anderer Höchstbeträge bei der Steuer kann das Maximum beim Al­ters­ent­las­tungs­be­trag für Ehepartner nicht einfach verdoppelt werden. Es kann sich also lohnen, Kapitalerträge oder Erträge aus Nebeneinkünften in einer Partnerschaft neu aufzuteilen. Zum Beispiel, wenn nur eine Person in der Partnerschaft ein Gehalt bezieht oder der individuelle Prozentsatz für den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag große Unterschiede aufweist. Dann kann es sein, dass eine Person ihren Altersentlastungbetrag voll ausreizt, während bei der anderen noch Spielraum wäre. Wird eben jener Spielraum nicht ausgenutzt, verfällt er einfach.

Aber Vorsicht: Wenn Du mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner Vermögen neu aufteilen willst, solltet Ihr den Schenkungsfreibetrag von 500.000 Euro für Ehepartner beachten. Übertrefft Ihr diesen werden auch wieder Steuern auf das umverteilte Vermögen fällig.

Autoren
Jan Scharpenberg
Udo Reuß