Widerruf Kreditvertrag

Nach 14 Tagen läuft Deine Frist ab

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit

Das Wichtigste in Kürze

  • Du kannst Deinen Kredit 14 Tage lang widerrufen.

  • Hat Deine Bank Fehler gemacht, gilt Dein Widerrufsrecht sogar noch länger.

  • Eventuell sparst Du Dir durch einen Widerruf die Kosten für eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung.

So gehst Du vor

  • Willst Du Deinen Kredit widerrufen, wende Dich schriftlich an Deine Bank. Nutze unser Mus­ter­schrei­ben als Vorlage.

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Den Kreditvertrag hast Du schon unterschrieben, doch nun brauchst Du das Geld gar nicht mehr? Mit einem Widerruf des Kreditvertrags sparst Du womöglich Geld. Und – gut zu wissen – den Grund für Deinen Widerruf musst Du niemandem verraten.

Bei welchen Krediten gibt es eine Widerrufsfrist?

Ratenkredite und Baufinanzierungen kannst Du auch nach dem Abschließen noch widerrufen (§§ 495, 355 BGB). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kredite verzinst werden oder ob es sich um eine Null-Prozent-Finanzierung handelt. Die Regelung greift allerdings nur für Verbraucher; bei Krediten, die Du für ein Geschäft abgeschlossen hast, sieht es anders aus.

Ausnahmen gelten ebenfalls bei Krediten, die keine sogenannten Verbraucherdarlehen sind (§ 491 Abs. 2 BGB):

  • Kleinkredite, bei denen der Nettodarlehensbetrag unter 200 Euro liegt
  • Verträge, bei denen Du als Kreditnehmer nur mit einer Sache haftest, die Du als Pfand hinterlegt hast (Kredite gegen Pfand)
  • kurzfristige Verträge mit geringen Kosten, bei denen Du den Kredit innerhalb von maximal drei Monaten zurückzahlen musst
  • Kreditverträge, die als Nebenleistung zu Deinem Arbeits­vertrag funktionieren und die niedriger verzinst sind als üblich
  • günstige Förderdarlehen im Wohnungsbau, bei Energieeinsparung oder zur Berufsausbildung

Wie lange kannst Du einen Kredit widerrufen?

Du kannst Verbraucherkredite bis zu 14 Tage nach dem Abschließen noch widerrufen. Du musst diese 14 Tage aber nicht schon mit dem Vertragsabschluss anzählen, sondern erst dann, wenn Du eine Vertragsurkunde oder etwas Ähnliches erhältst (§ 356b BGB). Die Bank muss Dich dabei über Dein Widerrufsrecht informieren.

Die Banken weisen Dich mehrmals auf Dein Widerrufsrecht hin. Wenn Du zusammen mit Deinen Vertragsunterlagen die Anlage „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“ erhalten hast, findest Du den Hinweis beispielsweise unter der Überschrift „4. Andere wichtige rechtliche Aspekte“ und dort beim Punkt „Widerrufsrecht“.

Wenn Du Deinen Vertrag über das Internet abschließt, wirst Du im Standardinformationsblatt noch an einer weiteren Stelle auf Dein Widerrufsrecht aufmerksam gemacht. Du findest den Hinweis dann zusätzlich unter „5. Zusätzliche Informationen beim Fernabsatz von Finanzdienstleistungen“.

Kann sich die Widerrufsfrist verlängern?

Die gesetzliche Mindestfrist für den Widerruf beträgt 14 Tage. Einige Banken gehen kulanter mit ihren Kunden um und verlängern diese Frist auf 30 Tage.

Unabhängig davon sieht auch das Gesetz eine verlängerte Widerrufsfrist vor – und zwar immer dann, wenn im Vertrag Pflichtinformationen fehlen. Erst wenn Du diese Informationen erhalten hast, beginnt überhaupt die Widerrufsfrist zu laufen. Sie verlängert sich zudem auf einen Monat (§ 492 Abs. 6 BGB).

Zu diesen Informationen gehören vor allem die Höhe des Darlehens, die Vertragslaufzeit und der vereinbarte Darlehenszins. Die Bank muss aber zum Beispiel auch die Berechnungsmethode für eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung bereits bei Vertragsschluss angeben (§ 492 Abs. 2 BGB, Art. 247 EGBGB § 7).

Auch bei Autokrediten gibt es Möglichkeiten, den Kredit zu widerrufen.

Mehr dazu im Ratgeber Widerruf von Autokrediten

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Wie muss der Widerruf aussehen?

Wenn Du Deinen Kredit widerrufen willst, dann musst Du das klar und eindeutig der Bank mitteilen. Eine Begründung musst Du nicht angeben. Es gibt kein gesetzlich vorgeschriebenes Formular für den Widerruf, allerdings muss er in Textform erfolgen: per Brief, Fax oder Mail. Wir empfehlen Dir allerdings, den Widerruf als Einschreiben zu versenden. So hast Du etwas in der Hand, falls etwas schiefgeht.

Am einfachsten geht es, wenn Du unser Mus­ter­schrei­ben nutzt. Lade es herunter und ergänze noch Deine Absenderangaben, die Anschrift des Kreditinstituts und die erforderlichen Angaben zum Darlehen.

Mus­ter­schrei­ben Widerruf von Kreditverträgen

Hier kannst Du Dir unser Mus­ter­schrei­ben für den Widerruf von Kreditverträgen herunterladen:

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Was passiert nach dem Widerruf?

Wenn Du bis zu Deinem Widerruf noch gar kein Geld von der Bank erhalten hast, passiert eigentlich gar nichts. Die Bank wird Dir dann einfach kein Geld überweisen und Du musst nichts an die Bank zurückzahlen.

Sofern Dir Deine Bank bereits Geld auf Dein Konto überwiesen hat, musst Du der Bank das Geld spätestens nach 30 Tagen wieder zurückzahlen (§ 357a Abs. 1 BGB). Außerdem musst Du der Bank für den Zeitraum zwischen der Auszahlung des Geldes und dem Tag, an dem Du das Geld zurückgezahlt hast, Zinsen zahlen. Diese werden auf den Tag genau berechnet und sind abhängig vom vereinbarten Sollzins in Deinem Vertrag.

Ein kleines Beispiel: Für einen Kredit über 20.000 Euro zu einem Sollzins von 4,88 Prozent pro Jahr müsstest Du 2,71 Euro pro Tag bezahlen. Wenn Du das Geld von der Bank also für zehn Tage behältst, bevor Du es zurücküberweist, sind 27,10 Euro zusätzlich fällig.

Es gibt allerdings auch einige Banken, die auf diese Zinsen im Fall eines Widerrufs verzichten. Ob das bei Deiner Bank der Fall ist, kannst Du herausfinden, indem Du Dir in Deinem Vertrag den Punkt „Widerrufsfolgen“ durchliest. Dort muss Dir Deine Bank nämlich den Zinsbetrag mitteilen, den Du im Fall eines Widerrufs für bereits geliehenes Geld zahlen musst.

Was passiert bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung?

Wenn Du über Dein Recht zum Widerruf nicht wie vorgeschrieben belehrt wurdest, kannst Du auch noch Jahre nach Abschluss Deinen Vertrag rückgängig machen. Denn bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung hat die 14-tägige Widerrufsfrist nicht angefangen zu laufen. Es gibt ein sogenanntes ewiges Widerrufsrecht. Bei Baufinanzierungen ist das anders: Das Widerrufsrecht erlischt spätestens nach einem Jahr und 14 Tagen, auch wenn die Bank falsch belehrt hat (§ 356b Abs. 2 BGB).

Wann eine Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Daher beschäftigen sich die Gerichte in Deutschland immer wieder mit dem Thema. Zwei Beispiele:

Eine falsche Belehrung über die Widerrufsfrist - Dabei geht es vor allem um die Frage, ab wann Dein 14-tägiges Widerrufsrecht beginnt. Werden Formulierungen verwendet, die den Kreditnehmer im Unklaren darüber lassen, wann die 14 Tage anfangen zu laufen, ist die Belehrung fehlerhaft.

Du wurdest nicht richtig über die Rechtsfolgen belehrt - Das trifft zu, wenn man Dich in der Belehrung nicht oder falsch darüber informiert, was passiert, wenn Du das Darlehen widerrufst.

In solchen Fällen kannst Du Deinen Kredit zurückgeben und musst auch keine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung dafür zahlen.

Du kannst auf diesem Weg auch eine Rest­schuld­ver­si­che­rung loswerden. Rest­schuld­ver­si­che­rung­en sollen eigentlich helfen, wenn Du krank oder arbeitslos wirst oder gar stirbst und Dein Partner für den Kredit aufkommen soll. Allerdings greifen sie in vielen Fällen nicht – und sind trotzdem ziemlich teuer. Widerrufst Du den Kredit, ist auch die zugehörige Rest­schuld­ver­si­che­rung beendet.

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Autoren
Josefine Lietzau
Dr. Britta Beate Schön

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