Widerruf Kreditvertrag

Nach 14 Tagen läuft Ihre Frist ab

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 30. März 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Bis zu 14 Tage nach Abschluss können Sie einen Kreditvertrag noch widerrufen – und zwar ohne der Bank einen Grund dafür zu nennen.
  • Hat Ihre Bank Fehler gemacht, gilt Ihr Widerrufsrecht sogar noch länger. Eventuell können Sie sich so durch einen Widerruf die Kosten für eine Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank sparen.
  • Auch aus einer teuren Restschuldversicherung kommen Sie dann doch noch raus.
So gehen Sie vor
  • Wollen Sie Ihren Kredit widerrufen, wenden Sie sich schriftlich an Ihre Bank. Nutzen Sie unser Musterschreiben als Vorlage.

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Den Kreditvertrag haben Sie schon unterschrieben, doch nun brauchen Sie das Geld gar nicht mehr? Mit einem Widerruf des Kreditvertrags sparen Sie womöglich Geld. Und – gut zu wissen – den Grund für Ihren Widerruf müssen Sie niemandem verraten.

Bei welchen Krediten gibt es eine Widerrufsfrist?

Ratenkredite und Baufinanzierungen können Sie als Verbraucher auch nach dem Abschließen noch widerrufen (§§ 495, 355 BGB). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kredite verzinst werden oder ob es sich um eine Null-Prozent-Finanzierung handelt.

Ausnahmen gelten bei Krediten, die nicht zu den Verbraucherdarlehensverträgen gehören (§ 491 Abs. 2 BGB):

  1. Kleinkredite, bei denen der Nettodarlehensbetrag unter 200 Euro liegt, sind keine Verbraucherdarlehen und fallen damit nicht unter das Widerrufsrecht.
  2. Verträge, bei denen Sie als Kreditnehmer nur mit einer Sache haften, die Sie als Pfand hinterlegt haben (Kredite gegen Pfand), können Sie ebenfalls nicht widerrufen. Pfandleiher sind damit ausgenommen.
  3. Kurzfristige Verträge, bei denen Sie den Kredit innerhalb von maximal drei Monaten zurückzahlen müssen und dafür nur geringe Kosten vereinbart sind, fallen ebenfalls nicht unter die Kategorie Verbraucherdarlehen.
  4. Wenn Sie den Kreditvertrag als Nebenleistung zu Ihrem Arbeitsvertrag bekommen haben und der Kredit auch noch niedriger verzinst ist als üblich, greift das Widerrufsrecht nicht.
  5. Das Widerrufsrecht gilt nicht bei Förderdarlehen im Wohnungsbau, bei Energieeinsparung oder zur Berufsausbildung, wenn diese Darlehen günstigere als am Markt übliche Bedingungen haben.

Wie lange können Sie einen Kredit widerrufen?

Sie können Verbraucherkredite bis zu 14 Tage nach dem Abschließen noch widerrufen. Sie müssen diese 14 Tage aber nicht schon mit dem Vertragsabschluss anzählen, sondern erst dann, wenn Sie eine Vertragsurkunde oder etwas Ähnliches erhalten (§ 356b BGB). Die Bank muss Sie dabei über Ihr Widerrufsrecht informieren.

Die Banken weisen Sie mehrmals auf Ihr Widerrufsrecht hin. Wenn Sie zusammen mit Ihren Vertragsunterlagen die Anlage „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“ erhalten haben, finden Sie den Hinweis beispielsweise unter der Überschrift „4. Andere wichtige rechtliche Aspekte“ und dort beim Punkt „Widerrufsrecht“.

Wenn Sie Ihren Vertrag über das Internet abschließen, werden Sie im Standardinformationsblatt noch an einer weiteren Stelle auf Ihr Widerrufsrecht aufmerksam gemacht. Sie finden den Hinweis dann zusätzlich unter „5. Zusätzliche Informationen beim Fernabsatz von Finanzdienstleistungen“.

Kann sich die Widerrufsfrist verlängern?

Die gesetzliche Mindestfrist für den Widerruf beträgt 14 Tage. Einige Banken gehen kulanter mit ihren Kunden um und verlängern diese Frist auf 30 Tage.

Unabhängig davon sieht auch das Gesetz eine verlängerte Widerrufsfrist vor – und zwar immer dann, wenn im Vertrag Pflichtinformationen fehlen. Erst wenn Sie diese Informationen erhalten haben, beginnt überhaupt die Widerrufsfrist zu laufen. Sie verlängert sich zudem auf einen Monat (§ 492 Abs. 6 BGB).

Zu diesen Informationen gehören vor allem die Höhe des Darlehens, die Vertragslaufzeit und der vereinbarte Darlehenszins. Die Bank muss aber zum Beispiel auch die Berechnungsmethode für eine Vorfälligkeitsentschädigung bereits bei Vertragsschluss angeben (§ 492 Abs. 2 BGB, Art. 247 EGBGB § 7).

Wie muss der Widerruf aussehen?

Wenn Sie Ihren Kredit widerrufen wollen, dann müssen Sie das klar und eindeutig der Bank mitteilen. Es gibt kein gesetzlich vorgeschriebenes Formular für den Widerruf, allerdings muss er in Textform erfolgen. Sie müssen dabei nicht begründen, warum Sie Ihren Vertrag beenden.

Sie können Ihrer Bank also einen Brief oder ein Fax schicken, aber auch eine E-Mail ist ausreichend. Wir empfehlen Ihnen allerdings, den Widerruf als Einschreiben zu versenden. So haben Sie etwas in der Hand, falls etwas schiefgeht.

Am einfachsten geht es, wenn Sie unser Musterschreiben nutzen. Laden Sie es herunter und ergänzen Sie noch Ihre Absenderangaben, die Anschrift des Kreditinstituts und die erforderlichen Angaben zum Darlehen.

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für den Widerruf von Kreditverträgen herunterladen:

Was passiert nach dem Widerruf?

Wenn Sie bis zu Ihrem Widerruf noch gar kein Geld von der Bank erhalten haben, passiert eigentlich gar nichts. Die Bank wird Ihnen dann einfach kein Geld überweisen und Sie müssen nichts an die Bank zurückzahlen.

Sofern Ihnen Ihre Bank bereits Geld auf Ihr Konto überwiesen hat, müssen Sie der Bank das Geld spätestens nach 30 Tagen wieder zurückzahlen (§ 357a Abs. 1 BGB). Außerdem müssen Sie der Bank für den Zeitraum zwischen der Auszahlung des Geldes und dem Tag, an dem Sie das Geld zurückgezahlt haben, Zinsen zahlen. Diese werden auf den Tag genau berechnet und sind abhängig vom vereinbarten Sollzins in Ihrem Vertrag.

Ein kleines Beispiel: Für einen Kredit über 20.000 Euro zu einem Sollzins von 4,88 Prozent pro Jahr müssten Sie 2,71 Euro pro Tag bezahlen. Wenn Sie das Geld von der Bank also für 10 Tage behalten, bevor Sie es zurücküberweisen, sind 27,10 Euro zusätzlich fällig.

Es gibt allerdings auch einige Banken, die auf diese Zinsen im Fall eines Widerrufs verzichten. Ob das bei Ihrer Bank der Fall ist, können Sie herausfinden, indem Sie in Ihrem Vertrag den Punkt „Widerrufsfolgen“ durchlesen. Dort muss Ihnen Ihre Bank nämlich den Zinsbetrag mitteilen, den Sie im Fall eines Widerrufs für bereits geliehenes Geld zahlen müssen.

Was passiert bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung?

Wenn Sie über Ihr Recht zum Widerruf nicht wie vorgeschrieben belehrt wurden, können Sie auch noch Jahre nach Abschluss Ihren Vertrag rückgängig machen. Denn bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung hat die 14-tägige Widerrufsfrist nicht angefangen zu laufen. Es gibt ein sogenanntes ewiges Widerrufsrecht. Bei Baufinanzierungen ist das anders: das Widerrufsrecht erlischt spätestens nach einem Jahr und 14 Tagen, auch wenn die Bank falsch belehrt hat (§ 356b Abs. 2 BGB).

Wann eine Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Daher beschäftigen sich die Gerichte in Deutschland immer wieder mit dem Thema. Zwei Beispiele:

Eine falsche Belehrung über die Widerrufsfrist - Dabei geht es vor allem um die Frage, ab wann Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht beginnt. Werden Formulierungen verwendet, die den Kreditnehmer im Unklaren darüber lassen, wann die 14 Tage anfangen zu laufen, ist die Belehrung fehlerhaft.

Sie wurden nicht richtig über die Rechtsfolgen belehrt - Das trifft zu, wenn man Sie in der Belehrung nicht oder falsch darüber informiert, was passiert, wenn Sie das Darlehen widerrufen.

In solchen Fällen können Sie Ihren Kredit zurückgeben und müssen auch keine Vorfälligkeitsentschädigung dafür zahlen.

Aber viel wichtiger: Sie können auf diesem Weg eine Restschuldversicherung loswerden. Restschuldversicherungen sollen eigentlich helfen, wenn Sie krank oder arbeitslos werden oder gar sterben und Ihr Partner für den Kredit aufkommen soll. Allerdings greifen sie in vielen Fällen nicht – und sind trotzdem ziemlich teuer.  Können Sie also den Kredit widerrufen, ist auch die zugehörige Restschuldversicherung beendet.

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Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 30. März 2020


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