Arbeitsvertrag

Das sollte in Deinem Arbeitsvertrag stehen

Dr. Britta Beate Schön
Expertin für Recht
14. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Arbeitsvertrag regelt alle wichtigen Bedingungen Deiner beruflichen Tätigkeit. Er kann mündlich oder schriftlich geschlossen werden.
  • Arbeitsverträge können unwirksame Klauseln enthalten, zum Beispiel zur pauschalen Abgeltung von Überstunden oder zur Versetzung. Dein Arbeitgeber kann sich auf solche Regelungen nicht berufen.
So gehst Du vor
  • Du solltest zunächst mit Deinem Arbeitgeber über Gehalt, Sonderzuwendungen und Urlaubstage verhandeln.
  • Achte auf eine genaue Stellenbeschreibung im Vertrag. Das schränkt das Recht des Arbeitgebers ein, Dich an Stellen zu versetzen, die Du nicht willst.
  • Vergleiche Deinen Arbeitsvertrag mit unserem Vertragsmuster. Erkennst Du wichtige Unterschiede zu Deinem Nachteil, könntest Du Dich dazu bei Deinem Arbeitgeber erkundigen.

Arbeitsvertrag Muster

Erster Job oder neuer Job? Das bedeutet auf jeden Fall Veränderung. Nach Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen und einer Zusage ist die Freude groß. Jetzt musst Du nur noch den Arbeitsvertrag unterschreiben. Wir erklären Dir, worauf es dabei ankommt.

Was ist in Deinem Arbeitsvertrag geregelt?

Dein Arbeitsvertrag ist die rechtliche Basis für Dein Arbeitsleben, und ist deshalb sowohl für Dich als Arbeitnehmer, aber auch für den Arbeitgeber sehr wichtig.

Im Vertrag stehen als Hauptpflichten:

  1. Du musst arbeiten und
  2. Dein Arbeitgeber zahlt Dir dafür ein Gehalt (§ 611a BGB).

Bei Deinem Lohn ist Deine Chefin an den Mindestlohn gebunden. Er beträgt seit dem 1. Januar 2021 pro Stunde 9,50 Euro brutto. Ab 2021 steigt der Mindestlohn immer zweimal im Jahr. Die Bundesregierung erhöht ihn ab Juli 2021 auf 9,60 Euro, ab Januar 2022 auf 9,82 Euro und ab Juli 2022 auf 10,45 Euro. Ausnahmen gelten für Schüler und Studenten, die ein vorgeschriebenes bis zu dreimonatiges Praktikum absolvieren.

Neben den Hauptpflichten gibt es im Arbeitsvertrag meist konkrete Regelungen zu diesen Punkten:

Aus dem Arbeitsvertrag entstehen besondere Fürsorge- und Treuepflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Verstößt der Arbeitnehmer gegen seine Pflichten, kann ihn der Arbeitgeber abmahnen und im Wiederholungsfall sogar kündigen, etwa falls er unentschuldigt nicht zur Arbeit kommt.

Muss Dein Arbeitsvertrag schriftlich sein?

In aller Regel unterschreiben Du und Dein Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag, auch wenn das rechtlich eigentlich nicht notwendig ist.

Überlässt Dir der Arbeitgeber keinen Vertrag, dann muss er Dir trotzdem etwas Schriftliches an die Hand geben – ein Dokument mit den wesentlichen Vertragsbedingungen und seiner Unterschrift (§ 2 NachwG). Hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Vorgabe, geht das zu seinen Lasten: wenn es zum Streit kommt, muss er vor Gericht beweisen, was er mündlich mit Dir vereinbart hat, wenn er zum Beispiel Deinen Lohn nicht zahlen will, obwohl Du gearbeitet hast.

Bei befristeten Arbeitsverhältnissen ist immer die Schriftform entscheidend, da eine Befristung nicht mündlich vereinbart werden kann (§ 14 Abs. 4 TzBfG).

Du kennst Deinen Stundenlohn nicht? Hier geht es zum Stundenlohnrechner.

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Wie soll Deine Stelle beschrieben sein?

Meist findest Du im Vertrag nicht viel dazu, was Du eigentlich für Aufgaben erledigen sollst. Je verschwommener Dein Aufgabengebiet ist, umso vielfältiger sind die Aufgaben, die Dir Dein Chef übertragen kann. Je genauer Berufsbezeichnung und Tätigkeit umschrieben sind, desto eher kannst Du Tätigkeiten ablehnen, die nicht Deiner Qualifikation entsprechen. Eine allgemeine Bezeichnung etwa als Sachbearbeiter solltest Du konkretisieren lassen. Anhaltspunkte für die Beschreibung ergeben sich aus der Stellenanzeige.

Wichtig: Der Arbeitgeber darf Dir nicht ohne Weiteres eine Tätigkeit zuweisen, die niedriger bezahlt ist.

Als Arbeitnehmer schuldest Du keinen bestimmten Arbeitserfolg. Du bist nur verpflichtet, im Rahmen Deiner Fähigkeiten bei angemessener Belastung zu arbeiten. Mitarbeitergespräche sind deshalb besonders wichtig. Ist der Arbeitgeber mit der Leistung des Arbeitnehmers sehr unzufrieden, kann er unter Umständen verhaltensbedingt oder personenbedingt kündigen. Er muss dabei aber den Nachweis führen, dass der Arbeitnehmer über eine längere Zeit wesentlich schlechter gearbeitet hat als ein durchschnittlicher anderer Mitarbeiter mit gleichen oder vergleichbaren Aufgaben. Ein solcher Nachweis gelingt nur selten.

Im Arbeitsvertrag kann festgelegt werden, dass Du an verschiedenen Arbeitsorten unter Umständen auch in verschiedenen Städten oder Ländern oder bei anderen Konzerngesellschaften eingesetzt werden darfst. Falls Du das nicht willst, musst Du mit dem Arbeitgeber verhandeln.

Was sind typische Regelungen im Arbeitsvertrag?

Arbeitsverträge sind oft mehrere Seiten lang. Neben Deinem Gehalt gibt es noch viel Kleingedrucktes. Ein gut verhandelter Arbeitsvertrag ist die beste Voraussetzung für ein gutes und konstruktives Miteinander. Nimm Dir Zeit, den Vertrag in aller Ruhe zu prüfen. Es ist wichtig, dass alle Punkte, die Du besprochen hast, auch tatsächlich im Arbeitsvertrag wieder auftauchen.

Als Beispiel bieten wir Dir einen Musterarbeitsvertrag an, der die wesentlichen Regelungen enthält. Vergleiche Deinen Arbeitsvertrag mit diesem Muster, um Unterschiede zu erkennen. Gibt es Klauseln, die für Dich eher nachteilig sind oder bist Du Dir bei einzelnen Formulierungen unsicher, dann solltest Du diese Fragen vor der Unterschrift noch klären.

Arbeitsvertrag Muster

Ganz typische Regeln in einem Arbeitsvertrag haben wir für Dich zusammengestellt.

Zum Download

Probezeit - In aller Regel steht in Deinem Arbeitsvertrag eine Probezeit. Eine entsprechende Vertragsklausel lautet zum Beispiel: „Die ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses gelten als Probezeit. Während dieser Probezeit können beide Vertragsparteien das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen zu jedem beliebigen Tag kündigen.“ Fehlt eine solche Regelung in Deinem Arbeitsvertrag, ist das Arbeitsverhältnis ohne Probezeit geschlossen. Weitere Informationen findest Du in unserem Ratgeber Probezeit.

Urlaub - Normalerweise steht im Arbeitsvertrag auch, wie viele Urlaubstage Dir im Jahr zustehen. Laut Gesetz hast Du bei einer Fünf-Tage-Woche Anspruch auf mindestens 20 Arbeitstage Urlaub. Üblich sind aber mittlerweile 30 Tage. Manchmal schreibt der Arbeitgeber auch in den Vertrag, dass sich Deine Urlaubstage erhöhen, je länger Du für die Firma arbeitest. Das ist auch zulässig. Über Urlaubstage kannst Du durchaus verhandeln – vielleicht kannst Du mehr herausholen, als Dir gesetzlich zusteht. Alles rund um Deinen arbeitsrechtlichen Urlaub kannst Du im Ratgeber Urlaubsrecht lesen.

Kündigungsfristen - In den meisten Arbeitsverträgen steht, mit welcher Frist Du den Arbeitsvertrag wieder beenden kannst. Zu Deinem Schutz darf der Arbeitgeber im Vertrag die gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen nicht unterschreiten. Längere Fristen sind erlaubt, allerdings mit einer Einschränkung: Was für den Arbeitgeber gilt, gilt auch für Dich als Arbeitnehmer. Oft steht im Vertrag, dass die gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen gelten sollen.

Befristung - Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist immer besser als ein befristeter. Mittlerweile gibt es viele Branchen und Arbeitgeber, die ihren neuen Mitarbeitern grundsätzlich erst einmal eine befristete Stelle anbieten. Sollte Dein Arbeitsvertrag befristet sein, so ist das dann zulässig, wenn es einen sachlichen dafür Grund gibt, zum Beispiel die Vertretung während der Elternzeit eines Arbeitnehmers.

Ohne sachlichen Grund ist eine Befristung bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Die Befristung eines Arbeitsvertrags muss immer schriftlich sein. Weitere Informationen und Hinweise liest Du in unserem Ratgeber Befristeter Arbeitsvertrag.

Teilzeit - Hast Du eine regelmäßige Wochenarbeitszeit, die kürzer ist als die von den Kollegen, dann bist Du teilzeitbeschäftigt. Ist Dir eine bestimmte Verteilung Deiner wöchentlichen Arbeitszeit wichtig, weil Du sonst Beruf und Familie, Sport oder ein Studium nicht unter einen Hut bringen kannst, solltest Du konkret in den Vertrag aufnehmen lassen, an welchen Tagen Du wie viele Stunden arbeitest. Grundsätzlich gelten für Dich in Teilzeit die gleichen Regeln wie für alle anderen Mitarbeiter. Durch das Teilzeitbefristungsgesetz bist Du gesetzlich vor Diskriminierungen geschützt.

Sondervergütungen und Bonuszahlungen - Sollten in Deinem Arbeitsvertrag keine Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Bonuszahlungen vorgesehen sein, dann erkundige Dich bei Deinem Arbeitgeber, ob nicht solche Zahlungen als Anreiz für Dein besonderes Engagement vereinbart werden können.

Wettbewerbsverbote - Bisweilen enthalten Arbeitsverträge auch Wettbewerbsverbote. Dadurch will Dein Arbeitgeber sicherstellen, dass Du nicht gleich zur Konkurrenz läufst, nachdem Du gekündigt hast. Solche Verbote sind aber nur wirksam, wenn für die Zeit des Wettbewerbsverbots auch eine Entschädigung vorgesehen ist.

Fehlt eine solche Entschädigungsregelung, ist das nachvertragliche Wettbewerbsverbot nichtig. Auch durch eine sogenannte salvatorische Klausel wird das Verbot nicht wirksam (BAG, Urteil vom 22. März 2017, Az. 10 AZR 448/15). Solche Klauseln stehen meist am Ende des Arbeitsvertrags und sehen vor, dass an die Stelle von unwirksamen Regelungen wirksame treten sollen.

Welche Klauseln im Arbeitsvertrag sind unwirksam?

Viele Arbeitsverträge werden nicht individuell ausgehandelt. Es sind vielmehr vorformulierte Verträge – sogenannte Allgemeine Geschäftsbedingungen, die der Arbeitgeber für alle Mitarbeiter verwendet. Gibt es Streit zwischen Dir und dem Arbeitgeber, wird das zuständige Arbeitsgericht den Vertrag überprüfen (§§ 305 ff. BGB). Es kann sein, dass Dein Arbeitgeber Klauseln verwendet hat, die unwirksam sind, weil sie überraschend, mehrdeutig oder für Dich von Nachteil sind.

Regelung zu Überstunden

In vielen Arbeitsverträgen finden sich Klauseln zu Überstunden. Nicht alle Klauseln sind wirksam. Im Folgenden haben wir typische Klauseln rechtlich eingeordnet:

  • Erforderliche Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Gehalt abgegolten.“ Eine solche Klausel ist unwirksam, da der Arbeitnehmer nicht erkennen kann, wann Überstunden erforderlich sind (BAG, Urteil vom 1. September 2010, Az. 5 AZR 517/09).
  • Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem monatlichen Festgehalt abgegolten.“ Eine solche Klausel ist unwirksam, da der Arbeitnehmer nicht wissen kann, wie viele unbezahlte Überstunden ihm künftig abverlangt werden (LAG Düsseldorf, Urteil vom 11. Juli 2008, Az. 9 Sa 1958/07).
  • Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Gehalt abgegolten, soweit sie einen Umfang von drei Stunden pro Woche / zehn Stunden pro Kalendermonat nicht überschreiten. Darüber hinausgehende Überstunden werden auf der Grundlage des monatlichen Grundgehaltes gesondert bezahlt.“ Eine solche Klausel ist wirksam (BAG, Urteil vom 16. Mai 2012, Az. 5 AZR 331/11).

Versetzungsklauseln

Häufig finden sich in Arbeitsverträgen sogenannte Versetzungsklauseln. Demnach darf der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter an einen anderen Arbeitsort versetzen, wenn er ihm dort gleichwertige Arbeiten überträgt. Für Arbeitnehmer sind solche Regelungen häufig ein Fallstrick. Arbeitgeber versetzen unliebsame Mitarbeiter nicht nur aus betrieblichen Gründen, sondern um sie selbst zur Kündigung zu bewegen. Nicht alle Versetzungsklauseln sind allerdings wirksam.

  • Der Arbeitgeber behält sich vor, dem Mitarbeiter eine andere Tätigkeit zuzuweisen.“ Diese Klausel ist unwirksam, da sie die Interessen des Arbeitnehmers nicht hinreichend berücksichtigt. Mit einer Versetzung darf der Arbeitgeber seine Anforderungen nur konkretisieren, aber nicht grundlegend verändern.
  • Der Arbeitgeber behält sich das Recht vor, den Arbeitnehmer im Bedarfsfall auch an einem anderen Arbeitsort und/oder bei einer anderen Gesellschaft des Konzerns entsprechend seiner Vorbildung und seinen Fähigkeiten für gleichwertige Tätigkeiten einzusetzen. Hierbei werden seine persönlichen Belange angemessen berücksichtigt.“ Diese Klausel ist laut Bundesarbeitsgericht wirksam (BAG, Urteil vom 13. April 2010, Az. 9 AZR 36/09).

Ausschluss- und Verfallklauseln

Viele Arbeitsverträge enthalten Regelungen, nach denen der Arbeitnehmer Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, zum Beispiel Urlaubstage, innerhalb einer besonderen Frist schriftlich einfordern muss. Wer die Frist verstreichen lässt, geht leer aus. Aber nicht alle dieser sogenannten Verfallklauseln sind wirksam.

Dazu ein Beispiel: „Alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verfallen, wenn sie nicht innerhalb von sechs Monaten nach Fälligkeit schriftlich gegenüber der anderen Partei geltend gemacht worden sind." Diese Klausel ist aus zwei Gründen unwirksam.

  1. Schriftform: Die Klausel ist in Verträgen seit dem 1. Oktober 2016 unwirksam. Denn Arbeitgeber dürfen nicht verlangen, dass Arbeitnehmer ihre Ansprüche nur mit einem unterschriebenen Brief einfordern können. Wenn Du Dich mit einer E-Mail rechtzeitig an Deinen Chef wendest, verfallen Deine Ansprüche nicht (§ 309 Nr. 13 BGB).

    Es müssen aber nicht alle Altverträge angepasst werden. Aber mit jeder Vertragsänderung und -ergänzung nach dem 30. September 2016 wird aus einem Altvertrag ein Neuvertrag. Folge: Hat der Arbeitgeber die alte Verfallklausel bei der Vertragsänderung stehen lassen und die Schriftform nicht durch Textform ersetzt, dann ist sie mittlerweile unwirksam.
  2. Mindestlohngesetz: Unwirksam sind auch Verfallklauseln, die nicht danach unterscheiden, welche Ansprüche von der Ausschlussfrist betroffen sind. Sämtliche Ansprüche darf der Arbeitgeber nämlich nicht ausschließen, weil er damit gegen das Mindestlohngesetz verstößt (§ 3 Satz 1 MiLoG). Das gilt seit dem 1. Januar 2015.

Das Bundesarbeitsgericht hat mit dieser Begründung eine Verfallklausel für unwirksam erklärt. Der Arbeitgeber musste nicht genommene Urlaubstage eines Arbeitsnehmers bezahlen, obwohl dieser seinen Anspruch zu spät angemeldet hatte. Die Ansprüche waren nicht verfallen, weil die Verfallklausel nicht klar und verständlich war (BAG, Urteil vom 18. September 2018, Az. 9 AZR 162/18).

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