Steuerklasse 4 mit Faktor

So teilen Partner die Lohnsteuer fair auf

Jörg Leine
Finanztip-Experte für Steuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können anstelle der Steuerklassenkombinationen 3/5 oder 4/4 auch die Kombination 4/4 mit Faktor wählen.
  • Diese Kombination bietet sich Paaren an, die unterschiedlich verdienen und die den Splittingvorteil schon beim monatlichen Lohnsteuerabzug gerecht untereinander aufteilen möchten.
  • Durch das Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug im laufenden Jahr in etwa der Jahreseinkommensteuer – so vermeidet Ihr eine größere Nachzahlung.

So gehst Du vor

  • Das Faktorverfahren könnt Ihr beim Finanzamt mit dem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ beantragen.
  • Ob sich das Faktorverfahren für Euch lohnt, kannst Du anhand eines Steuerrechners leicht ermitteln.

Anders als Singles könnt Ihr als Verheiratete und eingetragene Lebenspartner beeinflussen, wie viel Lohnsteuer Ihr monatlich zahlt: Je nachdem, welche Steuerklassen Du und Dein Partner wählen, könnt Ihr von einem günstigen Lohnsteuerabzug profitieren. 
Hinweis: Im Steuerrecht werden zwar für die Steuerklassen die römischen Zahlen von I bis VI verwendet. Die „normalen“ Zahlen von 1 bis 6 sind aber ebenfalls gebräuchlich.  

Die Lohnsteuer als Paar gerechter aufteilen

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben drei Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Steuerklasse:

  1. Viele nutzen die Variante 3/5 (III/V)
  2. Ihr könnt Euch aber auch beide für die Steuerklasse 4 (IV) entscheiden oder
  3. die Kombination 4/4 mit Faktor (4 + Faktor) wählen.

Welche Kombination für wen am günstigsten ist, richtet sich danach, wieviel beide Partner verdienen. Für Paare, deren Gehaltsunterschied nicht besonders groß ist, kann das Faktorverfahren eine echte Alternative sein.

Verdienen beide Partner ungefähr gleich viel, ist die Steuerklassen-Kombination 4/4am günstigsten. Liegen die Gehälter hingegen weit auseinander, lohnt sich eher die Kombination 3/5. Dabei wählt der höherverdienende Partner die Klasse 3, um von beiden Grundfreibeträgen profitieren zu können. Mehr dazu findest Du im Ratgeber Wahl der Steuerklassen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, die Steuerklassenkombination 4/4 mit Faktor zu wählen. Das Faktorverfahren soll dafür sorgen, dass die Lohnsteuerlasten innerhalb einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft gerechter verteilt sind. Denn jeder zahlt den Lohnsteueranteil, den er am gemeinsamen Einkommen hat. 

Die Steuerklassenkombination 3/5 ist trotzdem immer noch sehr beliebt. Sie bietet sich aus steuerlicher Sicht an, wenn es größere Gehaltsunterschiede gibt; also bei einem Verhältnis von mindestens 60 Prozent zu 40 Prozent des gesamten Familieneinkommens. Der Ehe- oder Lebenspartner mit Steuerklasse V muss dabei allerdings besonders hohe Lohnsteuerabzüge in Kauf nehmen.

Achtung: Laut Koalitionsvertragvon SPD, Grünen und FDP soll die Kombination 3/5 generell in die das Faktorverfahren der Steuerklasse 4 überführt werden. Stand Dezember 2022 ist in dieser Richtung aber noch nichts passiert. Wird diese Ankündigung aus dem Koalitionsvertrag aber umgesetzt, würde das die Abschaffung der Kombi 3/5 bedeuten.   

Die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer ist jedoch nur eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Die endgültige Steuerbelastung stellt das Finanzamt erst nach einer Steu­er­er­klä­rung im Steuerbescheid fest. Letztlich spart ein Paar insgesamt betrachtet durch die Steuerklassenwahl keine Steuern. Deine Lohnersatzleistungen kannst Du hingegen mit einer günstigen Steuerklasse in vielen Fällen tatsächlich erhöhen.

Wie wirkt der „Faktor“?

Durch das Faktorverfahren können sich für jeden Ehegatten oder Lebenspartner die steuerentlastenden Vorschriften direkt beim laufenden Lohnsteuerabzug auswirken. Jeder Partner profitiert also beispielsweise vom eigenen Grundfreibetrag oder gegebenenfalls einem Kinderfreibetrag.

Mit dem Faktor wird außerdem die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. In welcher Höhe das sogenannte Ehegattensplitting eine steuermindernde Wirkung entfaltet, hängt davon ab, wie unterschiedlich hoch die Gehälter beider Partner sind.

Antrag stellen - Das Faktorverfahren müsst Ihr beim Finanzamt beantragen – mit einem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“. Die Angaben, zum Beispiel das voraussichtliche Jahresbruttogehalt, müsst Ihr auf der zweiten Seite oben eintragen. Die Steuerklassen sind dann bis zu zwei Jahre gültig und müssten für die Folgejahre neu beantragt werden.

Im laufenden Jahr kannst Du das Faktorverfahren gemeinsam mit Deinem Ehegatten oder Lebenspartner ohne Begründung beantragen, spätestens bis zum 30. November.

Faktorberechnung - Anhand Eurer voraussichtlichen Arbeitslöhne berechnet das Finanzamt einen Faktor mit drei Nachkommastellen. Diesen Faktor trägt es dann als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal in die ElStAM-Datenbank ein. Der Arbeitgeber kann diesen dann bei der Berechnung der Lohnsteuer nach Steuerklasse 4 anwenden.

Vor- und Nachteile - Mit dem Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug der voraussichtlichen Jahressteuerschuld schon ziemlich genau. Damit lassen sich höhere Nachzahlungen – und möglichweise auch Einkommensteuer-Vorauszahlungen – vermeiden, die bei der Steuerklassenkombination 3/5 auftreten können. Allerdings ist die Lohnsteuer für beide Partner insgesamt im Faktorverfahren regelmäßig höher als bei der Steuerklassenkombination 3/5. Die Steuerklassenkombination 4/4 mit Faktor ergibt eine völlig andere Verteilung der Lohnsteuer zwischen den Ehegatten oder Lebenspartnern als die Steuerklassenkombination 3/5.

Lohnsteuer vorab errechnen - Um Eure Lohnsteuer im Faktorverfahren zu ermitteln, kannst Du den interaktiven Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums nutzen.

Ein Rechenbeispiel dazu, wie der Faktor ermittelt und angewendet wird, findest Du im Merkblatt des Bundesfinanzministeriums zur Steuerklassenwahl für das Jahr 2022. Das Merkblatt enthält außerdem Tabellen zur Steuerklassenwahl.

Steu­er­er­klä­rung ist Pflicht - Wenn Ihr Euch für das Faktorverfahren entschieden habt, müsst Ihr eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abgeben.

Lohnersatzleistungen - Denkt daran, dass die Wahl der Steuerklassenkombination oder der Anwendung des Faktorverfahrens auch die Höhe von Lohnersatzleistungen beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel Ar­beits­lo­sen­geld I, Ar­beits­lo­sen­geld bei beruflicher Weiterbildung, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld, Mut­ter­schafts­geld und Elterngeld oder die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit. Eine vor Jahresbeginn getroffene Steuerklassenwahl erkennt die Agentur für Arbeit bei der Gewährung von Lohnersatzleistungen grundsätzlich an.

Solltet Ihr im Laufe des Jahres die Steuerklassen wechseln oder das Faktorverfahren wählen, kann sich das auch auf Eure Lohnersatzleistungen auswirken. Rechnest Du damit, demnächst Elterngeld zu erhalten oder beziehst Du vielleicht schon Ar­beits­lo­sen­geld oder Mut­ter­schafts­geld? Oder planst Du, in Altersteilzeit zu gehen? Dann solltest Du genau überlegen, welche Steuerklassenkombination das meiste Geld in diesen Fällen verspricht.

Bevor Ihr Euch für eine neue Steuerklassenkombination entscheidet, solltet Ihr deshalb prüfen, wie sich das auf die Höhe der Lohnersatzleistungen auswirkt. Fragt im Zweifel beim Arbeitsamt oder bei Eurem Arbeitgeber nach.

Unser Podcast zum Thema

Wie viel bringt das Faktorverfahren?

Die Kombination 4/4 mit Faktor gibt es seit 2010. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner nehmen diese Variante bisher allerdings nur zögerlich an. Die gesetzliche Regelung zum Faktorverfahren kannst Du in Paragraf 39f des Einkommensteuergesetzes nachlesen.

Wie das Faktorverfahren wirkt, lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: Bernd und Renate sind miteinander verheiratet und leben in Nordrhein-Westfalen. Sowohl Bernd als auch seine Frau Renate sind voll sozialversicherungspflichtig. Der Mann verdient im Jahr 2022 brutto 36.000 Euro, seine Frau 20.400 Euro brutto. Die beiden entscheiden sich für eine Zu­sam­men­ver­an­la­gung in der Steu­er­er­klä­rung.

So errechnet sich der Faktor für Renate und Bernd

voraussichtliche Einkommensteuer
beider Ehegatten im Splittingverfahren
5.364 €
Summe der berechneten Lohnsteuer
beider Ehegatten (bei Steuerklasse 4/4, ohne Faktor)
5.537 €
aus diesen Angaben wird der folgende Faktor errechnet0,968

Quelle: Merkblatt zur Steuerklassenwahl des Bundesfinanzministeriums (Stand: 24. Mai 2022)

Lohnsteuer bei verschiedener Steuerklassenkombination

Lohnsteuer

nach Steuerklassen-
Kombination

Ehemann BerndEhefrau RenateSummeDifferenz1
3/51.426 €3.247 €4.673 €-691 €
4/4 (ohne Faktor)4.507 €1.030 €5.537 €173 €
4/4 (mit Faktor)4.362 €997 €5.359 €-5 €

1zur voraussichtlichen Einkommensteuer des Ehepaars
Quelle: Merkblatt zur Steuerklassenwahl 2022 (Stand: 24. Mai 2022)

Die Modellrechnung zeigt mehrere Dinge. Wir setzen dabei voraus, dass es keine weiteren steuerliche Sachverhalte gibt, also zum Beispiel Ausgaben zum Absetzen.

  • In der Kombi 3/5 muss das Ehepaar knapp 700 Euro Steuern nachzahlen. Renate verdient zwar deutlich weniger als Bernd, zahlt aber mehr als 1.800 Euro mehr Lohnsteuer.
  • In der Kombi 4/4 gibt es eine Erstattung von etwas mehr als 170 Euro.
  • Im Faktorverfahren ist die Lohnsteuerlast fair verteilt. Zudem ist der Unterschied von 5 Euro zwischen gezahlter Lohnsteuer und voraussichtlich zu zahlender Einkommensteuer sehr gering und hat seine Ursache lediglich in Rundungseffekten. 

Beantragen kannst Du das Faktorverfahren entweder online mit Deinem Benutzerkonto auf dem Portal Mein Elster (siehe unser Finanztip Ratgeber Elster) oder postalisch mit dem Formular Antrag auf Steuerklassenwechsel. Das Finanzamt trägt dann Deine neue Steuerklasse als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal in ihrer Datenbank für die Lohnbesteuerung ein.

Autoren
Udo Reuß
Jörg Leine

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