Steuerklasse 4 mit Faktor

So teilen Partner die Lohnsteuer fair auf

Udo Reuß Stand: 13. November 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können anstelle der Steuerklassenkombinationen III/V oder IV/IV auch die Kombination IV/IV mit Faktor wählen.
  • Diese Kombination bietet sich Paaren an, die unterschiedlich verdienen und die den Splittingvorteil schon beim monatlichen Lohnsteuerabzug gerecht untereinander aufteilen möchten.
  • Durch das Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug im laufenden Jahr in etwa der Jahreseinkommensteuer – so vermeiden sie eine größere Nachzahlung.
So gehen Sie vor
  • Das Faktorverfahren können Sie beim Finanzamt mit dem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ beantragen.
  • Die Steuerklasse wechseln können Sie grundsätzlich nur einmal im Jahr.
  • Ob sich das Faktorverfahren für Sie lohnt, können Sie anhand eines Steuerrechners leicht ermitteln.

Anders als Singles können Sie als Verheiratete und eingetragene Lebenspartner beeinflussen, wie viel Lohnsteuer Sie monatlich zahlen: Je nachdem, welche Steuerklassen Sie und Ihr Partner wählen, können Sie von einem günstigen Lohnsteuerabzug profitieren.

Wie können Paare die Lohnsteuer gerechter aufteilen?

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben drei Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Steuerklasse:

  1. Viele nutzen die Variante III/V.
  2. Sie können sich aber auch beide für die Steuerklasse IV entscheiden oder
  3. die Kombination IV/IV mit Faktor (IV + Faktor) wählen.

Welche Kombination für wen am günstigsten ist, richtet sich danach, wieviel beide Partner verdienen. Für Paare, deren Gehaltsunterschied nicht besonders groß ist, kann das Faktorverfahren eine echte Alternative sein.

Verdienen beide Partner ungefähr gleich viel, ist die Steuerklassen-Kombination IV/IV am günstigsten. Liegen die Gehälter hingegen weit auseinander, lohnt sich eher die Kombination III/V. Dabei wählt der höherverdienende Partner die Klasse III, um von beiden Grundfreibeträgen (2019: zweimal 9.168 Euro, 2020: zweimal 9.408 Euro) profitieren zu können. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Wahl der Steuerklassen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor zu wählen. Das Faktorverfahren soll dafür sorgen, dass die Lohnsteuerlasten innerhalb einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft gerechter verteilt sind. Denn jeder zahlt den Lohnsteueranteil, den er am gemeinsamen Einkommen hat. 

Die Steuerklassenkombination III/V ist trotzdem immer noch sehr beliebt. Sie bietet sich aus steuerlicher Sicht an, wenn es größere Gehaltsunterschiede gibt; also bei einem Verhältnis von mindestens 60 Prozent zu 40 Prozent des gesamten Familieneinkommens. Der Ehe- oder Lebenspartner mit Steuerklasse V muss dabei allerdings besonders hohe Lohnsteuerabzüge in Kauf nehmen. 

Die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer ist jedoch nur eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Die endgültige Steuerbelastung stellt das Finanzamt erst nach einer Steuererklärung im Steuerbescheid fest.

Wie wirkt der „Faktor“?

Durch das Faktorverfahren können sich für jeden Ehegatten oder Lebenspartner die steuerentlastenden Vorschriften direkt beim laufenden Lohnsteuerabzug auswirken. Jeder Partner profitiert also beispielsweise vom eigenen Grundfreibetrag oder gegebenenfalls einem Kinderfreibetrag. Mit dem Faktor wird außerdem die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. In welcher Höhe das sogenannte Ehegattensplitting eine steuermindernde Wirkung entfaltet, hängt davon ab, wie unterschiedlich hoch die Gehälter beider Partner sind.

Antrag stellen - Das Faktorverfahren müssen Sie beim Finanzamt beantragen – mit einem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“. Die Angaben, zum Beispiel das voraussichtliche Jahresbruttogehalt, müssen Sie auf der zweiten Seite oben eintragen. Die Steuerklassen sind dann bis zu zwei Jahre gültig und müssten für die Folgejahre neu beantragt werden.

Im laufenden Jahr können Sie das Faktorverfahren gemeinsam mit Ihrem Ehegatten oder Lebenspartner einmal ohne Begründung beantragen, spätestens bis zum 30. November.

Faktorberechnung - Anhand Ihrer voraussichtlichen Arbeitslöhne berechnet das Finanzamt einen Faktor mit drei Nachkommastellen. Diesen Faktor trägt es dann als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal in die ElStAM-Datenbank ein. Der Arbeitgeber kann diesen dann bei der Berechnung der Lohnsteuer nach Steuerklasse IV anwenden.

Vor- und Nachteile - Mit dem Faktorverfahren entspricht der Lohnsteuerabzug der voraussichtlichen Jahressteuerschuld schon ziemlich genau. Damit lassen sich höhere Nachzahlungen – und möglichweise auch Einkommensteuer-Vorauszahlungen – vermeiden, die bei der Steuerklassenkombination III/V auftreten können. Allerdings ist die Lohnsteuer für beide Partner insgesamt im Faktorverfahren regelmäßig höher als bei der Steuerklassenkombination III/V. Die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor ergibt eine völlig andere Verteilung der Lohnsteuer zwischen den Ehegatten oder Lebenspartnern als die Steuerklassenkombination III/V.

Lohnsteuer vorab errechnen - Um Ihre Lohnsteuer im Faktorverfahren zu ermitteln, können Sie den interaktiven Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums nutzen.

Ein Rechenbeispiel dazu, wie der Faktor ermittelt und angewendet wird, finden Sie im Merkblatt des Bundesfinanzministeriums zur Steuerklassenwahl für das Jahr 2019. Das Merkblatt enthält außerdem Tabellen zur Steuerklassenwahl.

Steuererklärung ist Pflicht - Wenn Sie sich für das Faktorverfahren entschieden haben, müssen Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Lohnersatzleistungen - Denken Sie daran, dass die Wahl der Steuerklassenkombination oder der Anwendung des Faktorverfahrens auch die Höhe von Lohnersatzleistungen beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld, Mutterschaftsgeld und Elterngeld oder die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit. Eine vor Jahresbeginn getroffene Steuerklassenwahl erkennt die Agentur für Arbeit bei der Gewährung von Lohnersatzleistungen grundsätzlich an.

Sollten Sie im Laufe des Jahres die Steuerklassen wechseln oder das Faktorverfahren wählen, kann sich das auch auf Ihre Lohnersatzleistungen auswirken. Rechnen Sie damit, demnächst Elterngeld zu erhalten oder beziehen Sie vielleicht schon Arbeitslosengeld oder Mutterschaftsgeld? Oder planen Sie, in Altersteilzeit zu gehen?

Bevor Sie sich für eine neue Steuerklassenkombination entscheiden, sollten Sie prüfen, wie sich das auf die Höhe der Lohnersatzleistungen auswirkt. Fragen Sie im Zweifel beim Arbeitsamt oder bei Ihrem Arbeitgeber nach.

Wie viel bringt das Faktorverfahren?

Die Kombination IV/IV mit Faktor gibt es seit 2010. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner nehmen diese relativ neue Variante bisher allerdings nur zögerlich an. Die gesetzliche Regelung zum Faktorverfahren können Sie in Paragraf 39f des Einkommensteuergesetzes nachlesen.

Wie das Faktorverfahren wirkt, lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: Ehepaar Mustermann lebt in Nordrhein-Westfalen, sowohl Herr Mustermann als auch seine Frau sind voll sozialversicherungspflichtig. Der Mann verdient im Jahr 2017 brutto 36.000 Euro, seine Frau 20.400 Euro brutto. Die beiden entscheiden sich für eine Zusammenveranlagung in der Steuererklärung.

So errechnet sich der Faktor für die Mustermanns

voraussichtliche Einkommensteuer
beider Ehegatten
6.532 €
Summe der berechneten Lohnsteuer
beider Ehegatten (bei Steuerklasse IV/IV, ohne Faktor)
6.725 €
aus diesen Angaben wird der folgende Faktor errechnet0,971

Quelle: Merkblatt zu Steuerklassenwahl des Bundesfinanzministeriums (Stand: 17.10.2017)

Lohnsteuer bei verschiedener Steuerklassenkombination

Lohnsteuer

nach Steuerklassen-
Kombination

EhemannEhefrauSummeDifferenz1
III/V2.304 €3.916 €6.220 €-312 €
IV/IV (ohne Faktor)5.202 €1.523 €6.725 €193 €
IV/IV (mit Faktor)5.051 €1.478 €6.529 €-3 €

1zur voraussichtlichen Einkommensteuer des Ehepaars
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2018)

Die Modellrechnung zeigt außerdem, dass das Ziel des Faktorverfahrens erreicht ist: ein möglichst zutreffender Lohnsteuerabzug, der in etwa der Jahreseinkommensteuer entspricht.

Autor
Udo Reuß

Stand: 13. November 2019


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