Daten-Roaming

Im Ausland günstig mit dem Handy surfen

Arne Düsterhöft Stand: 26. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Sobald Sie in einem ausländischen Mobilfunknetz mit dem Handy, Tablet oder Surfstick ins mobile Internet gehen, nutzen Sie Daten-Roaming.
  • Seit Juni 2017 surfen Sie innerhalb der Europäischen Union in den meisten Fällen zum gleichen Preis wie in Deutschland.
  • Bleiben Sie länger als vier Monate im Ausland, darf Ihnen der Mobilfunkanbieter einen Aufpreis berechnen. Außerdem können Anbieter unbegrenzte Daten-Flatrates und sehr günstige Datentarife einschränken.
  • Außerhalb der EU, auf See und in der Luft gelten keine einheitlichen Regeln. Es ist fast immer sehr teuer, ins mobile Internet zu gehen, sofern Sie keine Auslandsoption gebucht haben.
  • Die Kostengrenze für das Daten-Roaming beträgt knapp 60 Euro im Monat – innerhalb und außerhalb der EU-Grenzen. Mehr darf Ihnen der Mobilfunkbetreiber nicht berechnen, es sei denn, Sie geben explizit an, weitersurfen zu wollen.
So gehen Sie vor
  • In den meisten Ländern können Sie mit Ihren normalen Handytarif surfen. Bei exotischen Reisezielen können Sie sich bei Ihrem Mobilfunkanbieter informieren, ob Sie Roaming nutzen können.
  • Innerhalb der EU können Sie die Internetverbindung in der Regel unbesorgt einschalten und mit Ihrer Daten-Flatrate wie gewohnt surfen.
  • Außerhalb der EU schalten Sie das mobile Internet vorsichtshalber vor der Reise aus, außer Sie haben eine Auslandsoption gebucht. Diese gibt es aber oft nur für ausgewählte Reiseländer.
  • Bei längeren Aufenthalten außerhalb der EU lohnt es sich, vor Ort eine ausländische Sim-Karte zu kaufen. Mit dieser surfen Sie dann zum Inlandstarif.
  • Finanztip hat Anbieter getestet, die ausländische Prepaid-Karten nach Deutschland versenden. Wir empfehlen Holidayphone und Travsim.

In einer fremden Stadt im Ausland kann der Blick auf das Smartphone ungemein helfen, sich zurecht zu finden: Tourismus-Websites verraten, welche Sehenswürdigkeiten Sie auf keinen Fall verpassen dürfen, und in der App des Nahverkehrsanbieters vor Ort erfahren Sie, wann der nächste Bus dorthin fährt. Doch außerhalb der Europäischen Union kann das ganz schön ins Geld gehen.

Was ist Daten-Roaming?

Daten-Roaming nutzen Sie immer, wenn Sie mit Ihrer deutschen Sim-Karte in einem ausländischen Mobilfunknetz im Internet surfen. Dabei ist es egal, ob die Sim-Karte in Ihrem Handy steckt, im Tablet oder in einem Surfstick. Gehen Sie im Ausland hingegen über eine W-Lan-Verbindung ins Internet, dann handelt es sich nicht um Daten-Roaming.

Achtung: Außerhalb Europas ist es in der Regel sehr teuer, ins Internet zu gehen. Deaktivieren Sie außerhalb der EU vorsichtshalber die Datenverbindung Ihres Handys und schalten Sie diese nur ein, wenn es wirklich notwendig ist oder Sie eine Auslandsoption gebucht haben. Viele Smartphones haben einen Flugzeugmodus, mit dem Sie das Daten-Roaming am besten vorher ausschalten. Eine Rufumleitung schützt vor hohen Kosten beim Telefonieren im Ausland. 

Fast alle Tarife können Sie auch im Ausland nutzen

Grundsätzlich können Sie jeden Tarif auch im Ausland nutzen, solange der Anbieter das nicht eindeutig einschränkt. Doch Vorsicht vor „National-Tarifen“. Einige Mobilfunkdiscounter sind dazu übergegangen, Tarife anzubieten, die nur in Deutschland funktionieren. Damit lassen sich zwar ein paar Euro im Monat sparen, doch müssen Sie dann im Urlaub auf Roaming verzichten. Der verbraucherfreundliche Handy-Tarifrechner von Finanztip schließt solche National-Tarife von vornherein aus.

Außerdem können Kunden einiger Mobilfunkanbieter das Handy in den ersten Wochen nach Vertragsabschluss nicht im Ausland nutzen. Drillisch zum Beispiel sperrt die Auslandsnutzung für acht Wochen, um Betrugsfällen vorzubeugen. Mit einem Anruf beim Anbieter lässt sich der Tarif meist schon vorher freischalten.

Wie günstig kann ich in Europa im Internet surfen?

Das Surfen in Europa kostet in der Regel nichts extra. Seit Juni 2017 surfen Verbraucher innerhalb der Europäischen Union nämlich zum Inlandstarif. Ist das Datenvolumen aufgebraucht, wird die Verbindung wie in Deutschland gedrosselt oder es wird per Datenautomatik gegen Aufpreis neues Volumen hinzugebucht.
 
Neben den EU-Ländern machen auch Liechtenstein, Island und Norwegen mit. Und auch Großbritannien gehört immer noch dazu – daran ändert auch der „Brexit“ vorerst nichts. Wie es langfristig in Großbritannien aussehen wird, ist noch offen.

Aufpassen müssen Handynutzer in Grenzregionen zu Nicht-EU-Staaten. Wählt sich das Handy in das falsche Mobilfunknetz ein, gelten viel höhere Roaming-Preise. Gerade in der Nähe zur Schweiz sollten Sie besonders auf das Handynetz achten. Manche Anbieter zählen die Schweiz aus Kulanz zum regulierten Gebiet, andere bieten wenigstens eine Auslandsoption.
 
Achtung: Flugzeuge, Kreuzfahrtschiffe und einige Fähren nutzen oft eine Satellitenverbindung zum Daten-Roaming. Diese Technik fällt nicht unter die EU-Regulierung und bleibt teuer. Unvorstellbar, aber wahr: Bei einigen Anbietern können bereits einige Youtube-Videos eine Horrorrechnung von mehr als 10.000 Euro erzeugen.

Mobilfunkanbieter können Daten-Roaming einschränken

Bei sehr preiswerten Tarifen mit hohem Datenvolumen dürfen Mobilfunkanbieter das Internet einschränken. Auch unbegrenzte Daten-Flatrates werden früher oder später gekappt. Klassische Handytarife mit drei oder vier Gigabyte (GB) Datenvolumen sind davon so gut wie nie betroffen. Nur wenn Sie in Ihrem Tarif weniger als 2,68 Euro pro Gigabyte zahlen, darf der Anbieter die Internetverbindung im Ausland vorzeitig drosseln. Bei unbegrenzten Daten-Flatrates liegt die Grenze bei etwa 5,35 Euro pro GB, ab der die Anbieter die Surfgeschwindigkeit drosseln dürfen.

Auf welchen Wert das Datenvolumen sinken darf, zeigt die folgende Beispielrechnung: Eine Allnet-Flat fürs Handy für 15 Euro kommt mit unschlagbar günstigen 10 Gigabyte daher. Im EU-Ausland darf der Anbieter die Internetverbindung allerdings auf knapp 5,6 Gigabyte begrenzen (15 ÷ 2,68 = 5,6). Bei einer unbegrenzten Daten-Flatrate für 15 Euro wäre bereits nach 2,8 Gigabyte Schluss (15 ÷ 5,35 = 2,8). 

Zusatzkosten bei langen Auslandsaufenthalten

Die EU-Regulierung soll es Verbrauchern leichter machen, innerhalb Europas herumzureisen. Die Regeln sind nicht dazu gedacht, dass Verbraucher ihre gewohnten Tarife bei langfristigen oder dauerhaften Auslandsaufenthalten weiternutzen.

Die zeitliche Begrenzung wird von der sogenannten Fair-Use-Policy geregelt. Betreibt der Nutzer Daten-Roaming über vier Monate mehr als 50 Prozent der Zeit, kann der Anbieter einen monatlichen Aufpreis von 5,35 Euro pro Gigabyte Datenvolumen verlangen. Der maximale Aufpreis sinkt schrittweise auf 2,98 Euro im Jahr 2022.

Aufpreise ab vier Monaten im Ausland

Jahr2019202020212022
pro Gigabyte5,35 €4,17 €3,57 €2,98 €

Quelle: Europäische Kommission (Stand: 26. April 2019)

Sind die vier Monate überschritten, muss der Anbieter den Kunden zuerst schriftlich über den Aufpreis informieren und ihm 14 Tage Zeit geben, den Tarif nicht länger im Ausland zu nutzen. Nutzt der Kunde den Tarif danach wieder mehrere Monate im Inland, springt die Fair-Use-Policy zurück auf null.

Mit welchen Kosten muss ich außerhalb Europas rechnen?

Sobald Sie Europa verlassen, kann bereits der erste Klick im Internet mehrere Euro kosten. Einheitliche Regeln für das Daten-Roaming außerhalb der EU gibt es nicht – der genaue Preis hängt sowohl vom Reiseland als auch vom Anbieter ab.

Darüber hinaus hat Ihr Mobilfunkanbieter möglicherweise nicht in jedem Land eine Roaming-Kooperation mit einem Netzbetreiber vor Ort. Dadurch kann es bei exotischeren Reisezielen vorkommen, dass es kein Daten-Roaming gibt. Informieren Sie sich für außergewöhnliche Regionen vor Reisebeginn bei Ihrem Anbieter.

Höchstens 60 Euro Zusatzkosten außerhalb der EU

Bei unabsichtlichen Datenverbindungen im Nicht-EU-Ausland oder bei gleichem Gebrauch wie zu Hause würden schnell Rechnungen von mehreren Hundert Euro entstehen. Damit Handynutzer vor allzu hohen Kosten geschützt sind, gibt es eine Obergrenze von knapp 60 Euro. Ist der Höchstbetrag erreicht, wird die Verbindung gekappt. Der Anbieter darf das Daten-Roaming erst wieder freigeben, wenn der Kunde bestätigt, dass er mit den Mehrkosten einverstanden ist.

So umgehen Sie hohe Internetpreise im Ausland

Viele Mobilfunkbetreiber bieten zusätzliche Auslandsoptionen zu ihren Tarifen an. Diese sind oft flexibel für Urlaubsreisen buchbar – beispielsweise als Tages- oder Wochen-Flatrates. Allerdings sind die Auslandsoptionen nicht für alle Reiseziele verfügbar und verhältnismäßig teuer.

Meist kommen Sie günstiger davon, wenn Sie sich eine Prepaid-Sim-Karte des Reiselandes kaufen. Mit der örtlichen Sim-Karte können Sie mit dem eigenen Handy, Tablet oder Notebook zum Inlandstarif surfen – es handelt sich dann nicht um Daten-Roaming. Sobald Sie wissen, wo die nächste Reise hingeht, können Sie sich die ausländische Sim-Karte auch vorab nach Hause schicken lassen.

Alle Details dazu lesen Sie in unserem Ratgeber über ausländische Prepaid-Sim-Karten. Wir empfehlen die Anbieter Holidayphone und Travsim:

Mehr dazu im Ratgeber über Roaming

  • Wie Sie Kostenfallen beim Telefonieren mit dem Handy außerhalb der EU vermeiden.
  • Holidayphone Travsim

Zum Ratgeber

Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 26. April 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.