Bausparvertrag kündigen

Jederzeit raus aus dem Vertrag

Eric Brandmayer Stand: 30. Dezember 2015
Das Wichtigste in Kürze
  • Einen Bausparvertrag können Kunden jederzeit mit einer Kündigungsfrist zwischen drei und sechs Monaten kostenlos kündigen.
  • Wenn Kunden den Vertrag vor dem Ablauf von sieben Jahren kündigen, entfällt die staatliche Wohnungsbauprämie.
  • Statt zu kündigen, können Kunden den Vertrag auch teilen oder die Bausparsumme senken.

Wer in naher oder ferner Zukunft Geld für den Hausbau braucht und von den derzeit niedrigen Zinsen profitieren möchte, schließt oft einen Bausparvertrag ab. Die Kombination zwischen Sparplan und Immobiliendarlehen ist eine Versicherung gegen steigende Zinsen. Kunden sparen erst Geld an, um anschließend ein Darlehen aufzunehmen.

In der Ansparphase sind die Zinsen geringer als beispielsweise bei einem Tagesgeldkonto, in der Darlehensphase allerdings auch billiger als bei einem reinen Immobiliendarlehen. Doch was tun, wenn Sie das Geld früher brauchen, als vorher beabsichtigt? Oder der Traum vom Eigenheim ausgeträumt ist? Dafür gibt es einen Ausweg: Es ist jederzeit möglich, den Bausparvertrag zu kündigen. Allerdings können dann finanzielle Nachteile drohen. Das hängt davon ab, in welcher Phase des Vertrages Sie kündigen.

Während der Ansparphase kündigen

Wenn Sie Ihren Bausparvertrag während der Ansparphase kündigen wollen, gibt es eine Kündigungsfrist zwischen drei und sechs Monaten. Wie lang die Kündigungsfrist bei Ihrer Bausparkasse ist, erfahren Sie in den Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB). Für noch frühere vorzeitige Auszahlung in der Ansparphase fällt ein sogenannter Auszahlungsabschlag an. Die Entschädigung beträgt in der Regel zwischen 0,5 Prozent und 1 Prozent des Guthabens für jeden Monat, den Sie das Geld früher brauchen als bei einer ordentlichen Kündigung. Bei einem Guthaben von 20.000 Euro sind das 200 Euro (1 Prozent) pro Monat.

Kündigen Sie den Bausparvertrag, haben Sie keinen Anspruch mehr auf das zinsgünstige Darlehen. Auch eventuelle Bonuszinsen gehen verloren. Wollen Sie früher an das Geld kommen, aber auf das Darlehen nicht verzichten, können Sie auch dafür sorgen, dass der Bausparvertrag schneller zuteilungsreif wird. Zuteilungsreif bedeutet, dass Ihre am Anfang festgelegte Ansparsumme zu 40 bis 50 Prozent erreicht ist und Sie das Darlehen in Anspruch nehmen können. Kündigen Sie erst nach der Ansparphase, bekommen Sie die angesparte Bausparsumme inklusive der erhaltenen Zinsen kostenfrei ausgezahlt.

Falls Sie in der Ansparphase staatliche Leistungen wie die Wohnungsbauprämie erhalten haben, dürfen Sie diese behalten, sofern Sie das Geld wohnwirtschaftlich verwenden. Dazu gehören neben dem Haus- beziehungsweise Wohnungsbau auch Kauf, Sanierung oder Renovierung einer Immobilie. Auch der Erwerb von Wohnrechten ist mit der Prämie erlaubt. Das Geld aus Bausparverträgen, die Sie vor 2009 abgeschlossen haben, müssen Sie nicht wohnwirtschaftlich verwenden.

Der Bausparvertrag muss mindestens sieben Jahre gelaufen sein, damit Sie die Prämie erhalten.

Während der Darlehensphase kündigen

Sie können auch während der Darlehensphase jederzeit kündigen, wenn Sie Ihren Vertrag zum Beispiel umschulden wollen. Falls Sie eine Sondertilgung im Vertrag vereinbart haben, fallen keine weiteren Kosten an. Eine Kündigung des bestehenden Vertrages lohnt sich nur, wenn Sie eine günstigere Finanzierung gefunden haben oder Sie in der Zwischenzeit zu Geld gekommen sind, mit dem Sie das Darlehen abbezahlen.

So läuft die Kündigung ab

Einige Bausparkassen bieten Formulare an, die der Kunde nur auszufüllen und zurückzuschicken braucht, um den Vertrag zu kündigen. Ist das nicht der Fall, reicht ein formloses Schreiben an das Kreditinstitut. Darin sollten Name und Anschrift des Vertragsinhabers sowie die Nummer des Bausparvertrages notiert sein. Auch das Datum der Kündigung und die Kontoverbindung des Kunden sind nötig, damit die Bausparkasse die Kündigung bearbeiten kann.

Alternativen zum Kündigen

Falls Sie früher an die angesparte Summe herankommen wollen, müssen Sie nicht unbedingt kündigen. Der Vorteil ist, dass Sie dann Ihren Anspruch auf das Darlehen behalten.

Summe teilen Wenn Sie nur einen Teil Ihres Bausparvertrages benötigen, können Sie den Vertrag teilen. Der Vertrag ist schneller zuteilungsreif, und Sie können ihn zum Bauen verwenden. Der andere Teil fließt in einem neuen Vertrag zu den bestehenden Konditionen, und Sie sparen darin weiter an. In der Regel fallen für einen solchen Vorgang keine Gebühren an. Möchten Sie Ihren Vertrag teilen, prüfen Sie, wie hoch die minimale Auszahlsumme bei Ihrem Anbieter ist. Nicht jeder Betrag ist erlaubt.

Bausparsumme senken - Falls die benötigte Summe für den Bau doch kleiner ist als anfangs gedacht, können Sie die Bausparsumme senken. So wird der Vertrag früher zuteilungsreif und das Geld ist eher verfügbar.

Geld einzahlen - Ist der Vertrag noch nicht zuteilungsreif, können Sie durch eine Einmalzahlung den Vorgang beschleunigen. Beispiel: Im Bausparvertrag haben Sie 8.000 Euro angespart. Ab 10.000 Euro ist der Vertrag zuteilungsreif. Die Differenz von 2.000 Euro zahlen Sie ein, um dann Anspruch auf die 10.000 Euro zu haben.

Die Bausparkasse kündigt den Vertrag

Auch Bausparkassen kündigen Bausparverträge. Das ist erlaubt, sofern der Kunde die Bausparsumme komplett angespart hat, aber weiter Geld einzahlt. Ist das aber nicht der Fall, ist eine Kündigung rechtlich zweifelhaft. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Wann Kündigungen gut verzinster Bausparverträge rechtens sind“. 

Autor
Eric Brandmayer

Stand: 30. Dezember 2015


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