Freiwillige Rentenversicherung

Freiwillige Beiträge für die Rente können sich auszahlen

Sara Zinnecker
& Co-Autor
04. März 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer früher in den Ruhestand gehen möchte, kann Rentenabschläge durch freiwillige Sonderzahlungen ausgleichen.
  • Als Selbstständiger kannst Du durch freiwillige Beiträge einen Anspruch auf gesetzliche Rente im Alter erwerben.
  • Hast Du nie in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, kannst Du mit freiwilligen Beiträgen die Mindestversicherungszeit erfüllen und Dir damit eine Rente sichern.
  • Damit sich freiwillige Beiträge für eine lebenslange Rente auswirken, musst Du oft einen fünfstelligen Betrag einzahlen.
So gehst Du vor
  • Informiere Dich bei der Rentenversicherung über mögliche Sonderzahlungen, wenn Du künftige Rentenabschläge ausgleichen möchtest.
  • Prüfe als Selbstständiger, ob Du Dich eher freiwillig rentenversicherst oder über eine Rürup-Rente vorsorgst.
  • Um einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente zu bekommen, musst Du Dich freiwillig pflichtversichern.
  • Fehlen Dir Rentenpunkte zur Mindestversicherungszeit, kannst Du diese durch freiwillige Beiträge auffüllen.

Wenn es um die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) geht, denken viele nur an die Pflichtbeiträge: Wer angestellt ist oder in besonderen schutzbedürftigen, selbstständigen Berufen arbeitet, kommt an den Pflichtbeiträgen zur Rentenversicherung nicht vorbei. Nur die wenigsten wissen, dass sie auch freiwillige Beiträge zahlen und so ihre Rente aufbessern können.

Wer kann über freiwillige Rentenbeiträge nachdenken?

In drei Fällen lohnen sich freiwillige Rentenzahlungen besonders:

  1. Du bist angestellt, jenseits der 50 und denkst darüber nach, früher in Ruhestand zu gehen. Rentenabschläge willst Du jedoch vermeiden.
  2. Du bist selbstständig und sorgst derzeit nicht für das Alter vor. Dann solltest Du Dich um eine Basisabsicherung kümmern: entweder über freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) oder über eine Rürup-Rente.
  3. Du bist zurzeit nicht gesetzlich rentenversichert, hast aber einige Jahre eingezahlt, Kinder erzogen oder Verwandte gepflegt und so bereits Rentenpunkte gesammelt. Es fehlen Dir Beitragsjahre, um Anspruch auf eine gesetzliche Rente zu haben.

Trifft einer der Fälle auf Dich zu, lies bitte unten im entsprechenden Kapitel weiter. Denn damit es mit dem Rentenplus klappt, musst Du meist noch ein paar Dinge beachten.

Wie funktioniert die Frührente ohne Abschläge?

Gehst Du früher in Rente, als die Regelaltersgrenze vorsieht, bekommst Du weniger Rente. Ausgenommen ist nur, wer 45 Jahre Mindestversicherungszeit (sogenannte Wartezeit) nachweisen kann, mindestens 63 Jahre alt ist und vor 1964 geboren wurde. Alle anderen können ab 63 Jahren und mindestens 35 Jahren Wartezeit mit Abschlägen früher in Rente gehen. Jeder Monat kostet einen Abschlag von 0,3 Prozent. Um das zu vermeiden, kannst Du vor dem offiziellen Rentenbeginn Sonderzahlungen leisten. Durch das Inkrafttreten des Flexi-Rentengesetzes am 1. Juli 2017 sind Ausgleichszahlungen ab dem 50. Lebensjahr möglich

Wie hoch die Zahlung genau sein muss, steht in einer besonderen Rentenauskunft, die Du bei der Rentenversicherung anfordern kannst. Es gilt: Je früher Du in Rente gehen möchtest und je höher Deine Rente ist, desto teurer wird der Ausgleich Deiner Abschläge. Summen im hohen fünfstelligen Bereich können fällig werden.

Beispiel: Wer eine monatliche Rente von 1.200 Euro erwartet und sich zwei Jahre früher zur Ruhe setzen möchte, muss einen Abschlag von 24 mal 0,3 Prozent gleich 7,2 Prozent hinnehmen. Die monatliche Rente verringert sich um gut 86 Euro. Um das auszugleichen, müsste er gut 21.000 Euro zusätzlich einzahlen (Stand: 18. Februar 2020). 

Für wen sich Sonderzahlungen eignen

Sinnvoll sind freiwillige Beiträge, wenn Du erbst oder einen hohen Betrag aus einer Abfindung oder einer Lebensversicherung bekommst. Wann Du einzahlst und ob Du die Summe auf einmal oder in Teilen zahlst, solltest Du gut abwägen.

Leistest Du die Sonderzahlung bereits einige Jahre vor verfrühtem Renteneintritt, sicherst Du Dir Rentenpunkte nach den heute gültigen Berechnungsgrundlagen für die Rente. Das kann sich lohnen, denn: Entwickelt sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter positiv, werden die Renten wahrscheinlich weiter steigen. Du müsstest dann mehr Geld auf den Tisch legen, um Deinen Rentenausgleich zu finanzieren.

Auf der anderen Seite kann es auch sinnvoll sein, die Sonderzahlungen auf mehrere Jahre zu verteilen. Denn die Beiträge zur Rentenversicherung kannst Du nur innerhalb bestimmter Grenzen von der Steuer absetzen: Der Höchstbetrag beträgt im Jahr 2019 24.305 Euro (2020: 25.046 Euro), davon setzt das Finanzamt einen festgelegten Prozentsatz (2019: 88 Prozent, 2020: 90 Prozent) an. Lass Dich im Zweifel von der Rentenversicherung beraten.

Ob sich die freiwilligen Beiträge aus Renditegesichtspunkten auszahlen, hängt schließlich davon ab, wie lange der Versicherte noch lebt. Bei einem frühen Tod hat zumindest die Witwe oder der Witwer eine höhere Rente. Ab wann sich die Sonderzahlung „lohnt“ – also ab wann Du Deinen (Netto-)Einmalbeitrag in Form von (Netto-)Rentenzahlungen wieder herausbekommst –, hängt davon ab, welchen Steuersatz Du während der Erwerbstätigkeit und später als Rentner hast.

Beispiel: Nehmen wir an, Du zahlst während der Erwerbstätigkeit etwa 35 Prozent Einkommensteuer und während der Rente noch 20 Prozent, hat sich Deine Zuzahlung von 21.000 Euro nach gut 17 Jahren gelohnt. 

Du kannst doch länger arbeiten

Die Einzahlung verpflichtet nicht dazu, auch wirklich früher in den Ruhestand zu gehen. Jeder kann sich bis zur Rente noch entscheiden, doch bis zur Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten. Ist dies der Fall, wirkt die anfangs als Ausgleichszahlung gedachte Summe wie eine Erhöhung der gesetzlichen Rente. In dem obigen Beispiel steigt die Rente also um 86 Euro pro Monat.

Wer diese Regelung für sich in Anspruch nimmt, sollte bedenken: Die Rentenansprüche, die durch solche Sonderzahlungen entstehen, tragen in Zukunft immer weniger Beitragszahler. Die Last der Finanzierung dieser Rente trägt also die junge Generation. Ob der Generationenvertrag, der dem gesetzlichen Rentensystem zugrunde liegt, auch in Zukunft hält, lässt sich heute nicht voraussagen.

Wie funktioniert die gesetzliche Rente für Selbstständige?

Für Selbstständige gibt es verschiedene Wege, ein Anrecht auf Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben.

Freiwillig pflichtversichert

Selbstständige können sich freiwillig pflichtversichern. Das nennt man Versicherungspflicht auf Antrag. Innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit müssen sie den Antrag stellten. Wer 2020 den einheitlichen Regelbeitrag zahlt, überweist monatlich etwa 592 Euro (West) oder 560 Euro (Ost).

Es ist aber auch möglich, auf Wunsch einkommensabhängige Beiträge zu zahlen. Dafür musst Du Dein Einkommen mit einem Einkommensteuerbescheid nachweisen. Möglich ist ein Beitrag zwischen knapp 84 und 1.283 Euro (Stand: 2020). Als Existenzgründer kannst Du in den ersten drei Jahren den halben Regelbeitrag zahlen.

Aber Achtung: Solange Du selbständig bist, lässt sich diese Entscheidung nicht rückgängig machen. Lass Dich daher unbedingt bei der Deutschen Rentenversicherung beraten, ob eine Pflichtversicherung sinnvoll ist. Der Vorteil gegenüber freiwilligen Beiträgen ist, dass nach fünf Jahren Versicherungszeit neben dem Hinterbliebenenschutz auch Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht. Wer sich auf Antrag pflichtversichert, ist außerdem bei einer Riester-Rente zulagenberechtigt.

Freiwillige Beiträge

Recht flexibel sind Selbstständige, die sich freiwillig rentenversichern. Sie können die Höhe ihres Beitrags selbst festlegen. Es gelten die gleichen Grenzen wie bei den freiwillig Versicherten: Der Monatsbeitrag darf höchstens bei 1.283 Euro liegen und muss mindestens 84 Euro betragen (Stand: 2020). 

Außerdem ist nicht erforderlich, regelmäßig zu zahlen. Es sind bis zu zwölf Einzahlungen pro Jahr möglich – Anzahl und Höhe dürfen variieren. Die Zahlungen lassen sich jederzeit beenden oder unterbrechen. Bis zum 31. März des Folgejahres ist es möglich, Beiträge nachzuzahlen.

Wie hoch später die Altersrente ausfällt, hängt von Höhe und Anzahl der gezahlten Beiträge ab. Wenn Du Dich freiwillig versichern möchtest, musst Du nur das entsprechende Formular der Rentenversicherung ausfüllen. Berechtigt sind alle, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Deutschland leben. Außerdem dürfen sich alle deutschen Staatsangehörigen freiwillig versichern, die im Ausland leben.

Wenn Du Beiträge für mindestens fünf Jahre einzahlst, sicherst Du Dir einen Anspruch auf Altersrente und Hinterbliebenenschutz. Ältere Jahrgänge haben außerdem den Vorteil, dass sie gegen Erwerbsminderung versichert sind, sofern sie zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssen bereits vor 1984 mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein und seit 1984 jeden Monat entweder eingezahlt haben oder anders versichert gewesen sein, zum Beispiel durch Erziehungszeiten.

Per Gesetz pflichtversichert

Für einige Selbstständige gilt eine Versicherungspflicht. Damit fallen diese Berufe unter die allgemeinen Regeln der gesetzlichen Rente. Dazu gehören unter anderem:

  • freiberufliche Lehrer und Erzieher,

  • Pflegeberufe, wie Ergotherapeuten, Podologen, Krankenpfleger oder Physiotherapeuten,

  • Hebammen,

  • Seelotsen, Küstenschiffer und Küstenfischer,

  • Künstler und Publizisten.
     

Handwerker sind auch pflichtversichert, sofern sie in die Handwerksrolle eingetragen und selbstständig sind. Die Versicherungspflicht gilt allerdings nur für 18 Jahre. Danach können sich Handwerker befreien lassen.

So stark steigt die Rente

Wie hoch die Rente ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie oft und wie viel Du einzahlst. Wer ein Jahr lang jeden Monat den aktuellen Mindestbeitrag von knapp 84 Euro an die Rentenversicherung zahlt, bekommt dafür 4,45 Euro monatlich mehr Rente. Der Höchstbeitrag von 1.283 Euro bringt im Alter etwa 67,50 Euro (Stand: 2020).

Wie können sich Nicht-Versicherte Rente sichern?

Falls Du nur kurz oder gar nicht in die Rentenversicherung eingezahlt hast, kannst Du Dir mit freiwilligen Beiträgen eine Rente im Alter sichern. Denn für Zahlungen aus der gesetzlichen Rente brauchst Du eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren.

Sofern Du Kinder erziehst oder Angehörige pflegst, bekommst Du dafür Versicherungszeit angerechnet. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, rechnet die Rentenversicherung zwei Jahre an, für Kinder ab 1992 gibt es drei Jahre. Auch die Pflegezeit von Angehörigen zählt als Versicherungszeit.

Mütter oder Väter, die nach 1992 zwei Kinder bekommen und aufgezogen haben, erhalten allein dadurch sechs Versicherungsjahre und erfüllen die Mindestversicherungszeit, bekommen also eine Rente. Wer nur ein Kind hat und niemals in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt drei Jahre gutgeschrieben. Damit fehlen noch zwei für die Mindestversicherungszeit. Diese Lücke lässt sich mit freiwilligen Beiträgen auffüllen.

Versicherungsjahre gutgeschrieben bekommt immer nur ein Elternteil – nämlich das, welches das Kind überwiegend erzieht beziehungsweise erzogen hat. Erziehen beide, hat zunächst die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit. Möchte der Vater die Versicherungszeit gutgeschrieben bekommen, benötigt die Rentenversicherung eine gemeinsame Erklärung. 

Gesetzliche versus private Rente: Was ist besser?

Grundsätzlich gilt: Ob Du zusätzlich in die gesetzliche Rentenkasse einzahlst oder doch lieber auf private Altersvorsorge setzt, hängt vor allem von Deinen persönlichen Überzeugungen ab. Was sich finanziell mehr lohnt, ist vorab nicht gesagt. Vor allem die Entwicklung der gesetzlichen Renten lässt sich kaum voraussagen: Frag Dich daher vor allem: Welchem System schenkst Du mehr Vertrauen?

Die gesetzliche Rente speist sich aus dem, was Beitragszahler gerade einzahlen (Umlageverfahren). Sie ist von politischen Entscheidungen stärker abhängig als eine private Altersvorsorge. Zum Beispiel ist das Rentenalter gesetzlich vorgeschrieben und kann in den kommenden Jahren weiter steigen. Außerdem ist die gesetzliche Absicherung abhängig von der demografischen Entwicklung. Wenn weniger Beitragszahler für einen Rentner aufkommen, steigt die Rente automatisch weniger stark. 

Wer pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung ist, hat allerdings den Vorteil, dass er Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente hat, außerdem auf Reha-Leistungen und lebenslangen Schutz der Hinterbliebenen durch Witwenrente oder Waisenrente

Eine private Vorsorge, etwa eine Riester- oder Rürup-Rente, nährt sich dagegen aus eigenen Beiträgen; sie ist kapitalgedeckt. Die Konditionen sind im Vertrag festgelegt und fix. Je nachdem, welchen Vertrag Du wählst, kann der Anbieter (die Versicherung) Dein Geld am Aktienmarkt anlegen. Mit dem richtigen – günstigen – Vertrag hast Du die Chance auf etwas höhere Sparrenditen. Du bindest Dich allerdings Dein Leben lang an ein Versicherungsunternehmen. Du kannst ansonsten auch unabhängig von Versicherungen privat über günstige Aktien-Indexfonds (ETFs) ansparen. 

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Zum Ratgeber

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Annika Krempel

04. März 2020


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