Freiwillige Rentenversicherung

Freiwillige Beiträge für die Rente können sich auszahlen

Sara Zinnecker
& Co-Autor
Stand: 27. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Durch freiwillige Beiträge können Sie Ihre gesetzliche Rente aufbessern.
  • Wenn Sie früher in Ruhestand gehen möchten, können Sie Abschläge bei der gesetzlichen Rente durch Sonderzahlungen ausgleichen. Oder Sie erhöhen mit dieser Einzahlung Ihre Rente.
  • Als Selbstständiger können Sie durch freiwillige Beiträge einen Anspruch auf gesetzliche Rente im Alter erwerben.
  • Haben Sie nie in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, können Sie mit freiwilligen Beiträgen die Mindestversicherungszeit erfüllen und sich damit eine Rente sichern.
  • Damit sich freiwillige Beiträge für eine lebenslange Rente auswirken, müssen Sie ordentlich einzahlen: Der Betrag liegt schnell im fünfstelligen Bereich.
So gehen Sie vor
  • Möchten Sie künftige Rentenabschläge ausgleichen, fragen Sie bei der Rentenversicherung nach, wie hoch Ihre Sonderzahlung ausfallen müsste.
  • Sind Sie selbstständig und nicht abgesichert, wägen Sie auch die Vor- und Nachteile der privaten Vorsorge ab. Möglicherweise lohnt eine Rürup-Rente.
  • Entscheiden Sie, wie wichtig Ihnen ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente ist. Um den zu bekommen, müssen Sie sich freiwillig pflichtversichern.
  • Haben Sie bereits über Erziehungszeiten oder Pflege von Angehörigen Rentenpunkte erhalten, prüfen Sie, ob fünf Versicherungsjahre vorliegen. Falls nicht, füllen Sie die Mindestversicherungszeit durch freiwillige Beiträge auf.

Wenn es um die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) geht, denken viele nur an die Pflichtbeiträge: Wer angestellt ist oder in besonderen schutzbedürftigen, selbstständigen Berufen arbeitet, kommt an den Pflichtbeiträgen zur Rentenversicherung nicht vorbei. Nur die wenigsten wissen, dass sie auch freiwillige Beiträge zahlen und so ihre Rente aufbessern können.

Für wen eignen sich freiwillige Rentenbeiträge?

In drei Fällen lohnen sich freiwillige Rentenzahlungen besonders:

  1. Sie sind angestellt, jenseits der 50 und denken darüber nach, früher in Ruhestand zu gehen. Rentenabschläge wollen Sie jedoch vermeiden.
  2. Sie sind selbstständig und sorgen derzeit nicht für das Alter vor. Dann sollten Sie sich um eine Basisabsicherung kümmern: entweder über freiwillige Beiträge in die GRV oder über eine Rürup-Rente.
  3. Sie sind zurzeit nicht gesetzlich rentenversichert, haben aber einige Jahre eingezahlt, Kinder erzogen oder Verwandte gepflegt und so bereits Rentenpunkte gesammelt. Es fehlen Ihnen Beitragsjahre, um Anspruch auf eine gesetzliche Rente zu haben.

Trifft einer der Fälle auf Sie zu, lesen Sie bitte unten im entsprechenden Kapitel weiter. Denn damit es mit dem Rentenplus klappt, müssen Sie meist noch ein paar Dinge beachten.

Wie funktioniert die Frührente ohne Abschläge?

Gehen Sie früher in Rente, als die Regelaltersgrenze vorsieht, bekommen Sie weniger Rente. Jeder Monat kostet einen Abschlag von 0,3 Prozent. Um das zu vermeiden, können Sie vor dem offiziellen Rentenbeginn Sonderzahlungen leisten. Durch das Inkrafttreten des Flexi-Rentengesetzes am 1. Juli 2017 sind Ausgleichszahlungen ab dem 50. Lebensjahr möglich

Wie hoch die Zahlung genau sein muss, steht in einer besonderen Rentenauskunft, die Sie bei der Rentenversicherung anfordern können. Es gilt: Je früher Sie in Rente gehen möchten und je höher Ihr Gehalt ist, desto teurer wird der Ausgleich Ihrer Abschläge. Summen im hohen fünfstelligen Bereich können fällig werden.

Beispiel: Wer eine monatliche Rente von 1.200 Euro erwartet und sich zwei Jahre früher zur Ruhe setzen möchte, muss einen Abschlag von 24 mal 0,3 Prozent gleich 7,2 Prozent hinnehmen. Die monatliche Rente verringert sich um gut 86 Euro. Um das auszugleichen, müsste er gut 21.000 Euro zusätzlich einzahlen (Stand: 1. Januar 2019). 

Für wen sich Sonderzahlungen eignen

Sinnvoll sind freiwillige Beiträge, wenn Sie erben oder einen hohen Betrag aus einer Abfindung oder einer Lebensversicherung bekommen. Wann Sie einzahlen und ob Sie die Summe auf einmal oder in Teilen zahlen, sollten Sie gut abwägen.

Leisten Sie die Sonderzahlung bereits einige Jahre vor verfrühtem Renteneintritt, sichern Sie sich Rentenpunkte nach den heute gültigen Berechnungsgrundlagen für die Rente. Das kann sich lohnen, denn: Entwickelt sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter positiv, werden die Renten wahrscheinlich weiter steigen. Sie müssten dann mehr Geld auf den Tisch legen, um ihren Rentenausgleich zu finanzieren.

Auf der anderen Seite kann es auch sinnvoll sein, die Sonderzahlungen auf mehrere Jahre zu verteilen. Denn die Beiträge zur Rentenversicherung können Sie nur innerhalb bestimmter Grenzen von der Steuer absetzen: Der Höchstbetrag beträgt im Jahr 2018 23.712 Euro (2019: 24.305 Euro), davon setzt das Finanzamt einen festgelegten Prozentsatz (2018: 86 Prozent, 2019: 88 Prozent) an. Lassen Sie sich im Zweifel von der Rentenversicherung beraten.

Ob sich die freiwilligen Beiträge aus Renditegesichtspunkten auszahlen, hängt schließlich davon ab, wie lange der Versicherte noch lebt. Bei einem frühen Tod hat zumindest die Witwe oder der Witwer eine höhere Rente. Ab wann sich die Sonderzahlung „lohnt“ – also ab wann Sie Ihren (Netto-)Einmalbeitrag in Form von (Netto-)Rentenzahlungen wieder herausbekommen –, hängt davon ab, welchen Steuersatz Sie während der Erwerbstätigkeit und später als Rentner haben.

Nehmen wir an, Sie zahlen während der Erwerbstätigkeit etwa 35 Prozent Einkommenssteuer und während der Rente noch 20 Prozent, hat sich die Einzahlung nach gut 17 Jahren gelohnt. 

Sie können doch länger arbeiten

Die Einzahlung verpflichtet nicht dazu, auch wirklich früher in den Ruhestand zu gehen. Jeder kann sich bis zur Rente noch entscheiden, doch bis zur Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten. Ist dies der Fall, wirkt die anfangs als Ausgleichszahlung gedachte Summe wie eine Erhöhung der gesetzlichen Rente. In dem obigen Beispiel steigt die Rente also um 86 Euro pro Monat.

Wer diese Regelung für sich in Anspruch nimmt, sollte bedenken: Die Rentenansprüche, die durch solche Sonderzahlungen entstehen, tragen in Zukunft immer weniger Beitragszahler. Die Last der Finanzierung dieser Rente trägt also die junge Generation. Ob der Generationenvertrag, der dem gesetzlichen Rentensystem zugrunde liegt, auch in Zukunft hält, lässt sich heute nicht voraussagen.

Wie funktioniert die gesetzliche Rente für Selbstständige?

Für Selbstständige gibt es verschiedene Wege, ein Anrecht auf Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben.

Freiwillig pflichtversichert

Selbstständige können sich freiwillig pflichtversichern. Das nennt man Versicherungspflicht auf Antrag. Innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit müssen sie den Antrag stellten. Wer 2019 den einheitlichen Regelbeitrag zahlt, überweist monatlich etwa 580 Euro (West) oder 534 Euro (Ost).

Es ist aber auch möglich, auf Wunsch einkommensabhängige Beiträge zu zahlen. Dafür müssen Sie Ihr Einkommen mit einem Einkommensteuerbescheid nachweisen. Möglich ist ein Beitrag zwischen knapp 84 und 1.246 Euro möglich (Stand: 2019). Als Existenzgründer können Sie in den ersten drei Jahren den halben Regelbeitrag zahlen.

Aber Achtung: Solange Sie selbstständig sind, lässt sich diese Entscheidung nicht rückgängig machen. Lassen Sie sich daher unbedingt bei der Deutschen Rentenversicherung beraten, ob eine Pflichtversicherung sinnvoll ist. Der Vorteil gegenüber freiwilligen Beiträgen ist, dass nach fünf Jahren Versicherungszeit neben dem Hinterbliebenenschutz auch Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht. Wer sich auf Antrag pflichtversichert, ist außerdem bei einer Riester-Rente zulagenberechtigt.

Freiwillige Beiträge

Recht flexibel sind Selbstständige, die sich freiwillig rentenversichern. Sie können die Höhe ihres Beitrags selbst festlegen. Es gelten ebenfalls die Grenzen wie bei den freiwillig Versicherten: Der Monatsbeitrag darf höchstens bei 1.246 Euro liegen und muss mindestens 84 Euro betragen (Stand: 2019). 

Außerdem ist nicht erforderlich, regelmäßig zu zahlen. Es sind bis zu zwölf Einzahlungen pro Jahr möglich – Anzahl und Höhe dürfen variieren. Die Zahlungen lassen sich jederzeit beenden oder unterbrechen. Bis zum 31. März des Folgejahres ist es möglich, Beiträge nachzuzahlen.

Wie hoch später die Altersrente ausfällt, hängt von Höhe und Anzahl der gezahlten Beiträge ab. Wenn Sie sich freiwillig versichern möchten, müssen Sie nur das entsprechende Formular der Rentenversicherung ausfüllen. Berechtigt sind alle, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Deutschland leben. Außerdem dürfen sich alle deutschen Staatsangehörigen freiwillig versichern, die im Ausland leben.

Wenn Sie Beiträge für mindestens fünf Jahre einzahlen, sichern Sie sich einen Anspruch auf  Altersrente und Hinterbliebenenschutz. Ältere Jahrgänge haben außerdem den Vorteil, dass sie gegen Erwerbsminderung versichert sind, sofern sie zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssen bereits vor 1984 mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein und seit 1984 jeden Monat entweder eingezahlt haben oder anders versichert gewesen sein, zum Beispiel durch Erziehungszeiten.

Per Gesetz pflichtversichert

Für einige Selbstständige gilt eine Versicherungspflicht. Damit fallen diese Berufe unter die allgemeinen Regeln der gesetzlichen Rente. Dazu gehören unter anderem:

  • freiberufliche Lehrer und Erzieher,

  • Pflegeberufe, wie Ergotherapeuten, Podologen, Krankenpfleger oder Physiotherapeuten,

  • Hebammen,

  • Seelotsen, Küstenschiffer und Küstenfischer,

  • Künstler und Publizisten.
     

Handwerker sind auch pflichtversichert, sofern sie in die Handwerksrolle eingetragen und selbstständig sind. Die Versicherungspflicht gilt allerdings nur für 18 Jahre. Danach können sich Handwerker befreien lassen.

So stark steigt die Rente

Wie hoch die Rente ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie oft und wie viel Sie einzahlen. Wer ein Jahr lang jeden Monat den aktuellen Mindestbeitrag von knapp 84 Euro an die Rentenversicherung zahlt, bekommt dafür 4,45 Euro monatlich mehr Rente. Der Höchstbeitrag von 1.246 Euro bringt im Alter 66,20 Euro (Stand: 2019).

Wie können sich Nicht-Versicherte Rente sichern?

Falls Sie nur kurz oder gar nicht in die Rentenversicherung eingezahlt haben, können Sie sich mit freiwilligen Beiträgen eine Rente im Alter sichern. Denn für Zahlungen aus der gesetzlichen Rente brauchen Sie eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren.

Sofern Sie Kinder erziehen oder Angehörige pflegen, bekommen Sie dafür Versicherungszeit angerechnet. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, rechnet die Rentenversicherung zwei Jahre an, für Kinder ab 1992 gibt es drei Jahre. Auch die Pflegezeit von Angehörigen zählt als Versicherungszeit.

Mütter oder Väter, die nach 1992 zwei Kinder bekommen und aufgezogen haben, erhalten alleine dadurch sechs Versicherungsjahre und erfüllen die Mindestversicherungszeit, bekommen also eine Rente. Wer nur ein Kind hat und niemals in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt drei Jahre gutgeschrieben. Damit fehlen noch zwei für die Mindestversicherungszeit. Diese Lücke lässt sich mit freiwilligen Beiträgen auffüllen.

Versicherungsjahre gutgeschrieben bekommt immer nur ein Elternteil – nämlich das, welches das Kind überwiegend erzieht beziehungsweise erzogen hat. Erziehen beide, hat zunächst die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit. Möchte der Vater die Versicherungszeit gutgeschrieben bekommen, benötigt die Rentenversicherung eine gemeinsame Erklärung. 

Gesetzliche versus private Rente: Was ist besser?

Grundsätzlich gilt: Ob Sie zusätzlich in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen oder doch lieber auf private Altersvorsorge setzen, hängt vor allem von Ihren persönlichen Überzeugungen ab. Was sich finanziell mehr lohnt, ist vorab nicht gesagt. Vor allem die Entwicklung der gesetzlichen Renten lässt sich kaum voraussagen: Fragen Sie sich daher vor allem: Welchem System schenken Sie mehr Vertrauen?

Die gesetzliche Rente speist sich aus dem, was Beitragszahler gerade einzahlen (Umlageverfahren). Sie ist von politischen Entscheidungen stärker abhängig als eine private Altersvorsorge. Zum Beispiel ist das Rentenalter gesetzlich vorgeschrieben und kann in den kommenden Jahren weiter steigen. Außerdem ist die gesetzliche Absicherung abhängig von der demografischen Entwicklung. Wenn weniger Beitragszahler für einen Rentner aufkommen, steigt die Rente automatisch weniger stark. 

Wer pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung ist, hat allerdings den Vorteil, dass er Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente hat, außerdem auf Reha-Leistungen und lebenslangen Schutz der Hinterbliebenen durch Witwenrente oder Waisenrente

Eine private Vorsorge, etwa eine Riester- oder Rürup-Rente, nährt sich dagegen aus eigenen Beiträgen; sie ist kapitalgedeckt. Die Konditionen sind im Vertrag festgelegt und fix. Je nachdem, welchen Vertrag Sie wählen, kann der Anbieter (die Versicherung) Ihr Geld am Aktienmarkt anlegen. Mit dem richtigen – günstigen – Vertrag haben Sie Chance auf etwas höhere Sparrenditen. Sie binden sich allerdings Ihr Leben lang an ein Versicherungsunternehmen. Sie können ansonsten auch unabhängig von Versicherungen privat über günstige Aktien-Indexfonds (ETFs) ansparen. 

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

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Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 27. Juni 2019


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