Solaranlage kaufen

Die richtige Solaranlage für Ihr Dach

Ines Rutschmann Stand: 12. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Für rechnerisch rund 10 Cent pro Kilowattstunde können Sie Ihren eigenen Solarstrom erzeugen und verbrauchen – mit einer Solarstromanlage. Ein anderes Wort dafür ist Photovoltaikanlage (PV-Anlage).
  • Eine PV-Anlage ist mindestens 20 Jahre in Betrieb und macht sich spätestens nach 10 Jahren bezahlt.
  • Ein Viertel des Stroms können Sie in der Regel direkt selbst verbrauchen. Den Rest speisen Sie ein und erhalten Einspeisevergütung dafür.
  • Zinsgünstige Kredite und Förderprogramme in Städten und Bundesländern helfen bei der Finanzierung einer Solaranlage.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie sich beraten, wie viele Solarmodule – umgangssprachlich auch Solarplatten genannt – auf Ihr Dach passen.
  • Beantragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber den Anschluss der PV-Anlage.
  • Holen Sie Angebote von mehreren Installationsfirmen ein und entscheiden Sie sich für ein günstiges mit soliden Komponenten, sobald die Zusage auf Netzanschluss vorliegt.
  • Bestehen Sie bei der Installation der Anlage auf einen Anlagenpass und registrieren Sie die Anlage im Marktstammdatenregister, nachdem Sie sie in Betrieb genommen haben.

Mit eigenem Solarstrom Geld sparen und etwas für die Umwelt tun – für viele ein Traum. Erfüllen können Sie sich diesen Traum, wenn Sie im eigenen Haus wohnen oder eines gemietet haben und das Dach nutzen können. Zur Stromerzeugung müssen Sie eine Photovoltaikanlage installieren lassen. Mindestens ein Viertel des Stroms können Sie in der Regel selbst nutzen.

Der eigene Strom kostet Sie rechnerisch etwa 10 Cent pro Kilowattstunde. In diesen Preis haben wir die gesamten Anschaffungs- und Wartungskosten eingerechnet. Den Rest des Stroms verkaufen Sie, indem Sie ihn ins Stromnetz einspeisen. Dafür bekommen Sie auch rund 10 Cent pro Kilowattstunde.

Was sollten Sie vor dem Kauf der Anlage überlegen?

Die Installation einer PV-Anlage ist weniger aufwendig, als eine Heizungsanlage einbauen zu lassen: Sie benötigen lediglich die Anschlusszusage des Netzbetreibers. Ein Installationsbetrieb montiert Ihnen das System innerhalb eines Tages und setzt es in Betrieb. Trotzdem sollten Sie die Anschaffung sorgfältig planen: Schließlich kostet eine Photovoltaikanlage mehrere Tausend Euro und soll mindestens 20 Jahre Strom erzeugen. Und mit der Inbetriebnahme der PV-Anlage kommen verschiedene Pflichten auf Sie zu, die teilweise über ihre gesamte Betriebsdauer währen. 

Eigenverbrauch und EEG-Umlage

Am günstigsten ist Solarstrom, wenn Sie ihn selbst erzeugen und direkt verbrauchen. Auf Eigenverbrauch ist nämlich keine oder eine reduzierte Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) zu zahlen.

Im juristischen Sinne liegt aber Eigenverbrauch nur vor, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind (§ 3 Punkt 19 EEG): Der Betreiber der Photovoltaikanlage und derjenige, der den erzeugten Solarstrom verbraucht, müssen dieselbe Person sein. Haben Sie beispielsweise ein Unternehmen, kaufen die Anlage über Ihre Firma und errichten Sie auf Ihrem Wohnhaus, dann liegt kein Eigenverbrauch vor, wenn Sie den Strom privat nutzen. Auch darf der erzeugte Strom nicht zum Verbraucher geleitet werden. Ist das der Fall, liegt wiederum kein Eigenverbrauch vor. 

Handelt es sich nicht um Eigenverbrauch im rechtlichen Sinne, gilt der Strom als geliefert. Damit ist dann auf den Solarstrom EEG-Umlage zu zahlen. 2019 sind das 6,405 Cent pro Kilowattstunde.

Es ist möglich, dass Sie auf Ihren eigenverbrauchten Solarstrom aus einer neuen Photovoltaikanlage EEG-Umlage zahlen müssen. Nämlich,

  • wenn die Photovoltaikanlage mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder
  • wenn ein System mit maximal 10 Kilowatt Leistung mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt – dann müssen Sie ab der 10.001. Kilowattstunde selbst verbrauchtem Solarstrom die Umlage zahlen. Oder 
  • wenn die EEG-Förderung für Ihre Anlage nach 20 Jahren ausgelaufen ist oder
  • wenn Sie eine bislang voll ins Netz einspeisende Photovoltaikanlage mit mehr als 10 Kilowatt Leistung zur Eigenversorgung umrüsten.

In allen Fällen gilt dann aber ein ermäßigter Satz zur Zahlung der EEG-Umlage. Dieser liegt bei 40 Prozent. 2019 sind das 2,562 Cent pro Kilowattstunde. Die Höhe der EEG-Umlage verändert sich stets zu Jahresbeginn.

Überlegen Sie daher schon vor dem Kauf der Anlage, wie groß sie sein soll und wer sie betreiben und den Strom direkt verbrauchen wird. 

Die Regeln zur EEG-Umlage auf Eigenverbrauch kann Deutschland auch lockern. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, da die neue Energie-Richtlinie der Europäischen Union den Mitgliedsländern vorschreibt, kleinere Eigenverbraucher nach Möglichkeit nicht zu diskriminieren und zu behindern. Der Energierechtler Philipp Boos hält sogar eine Belastung des Eigenverbrauchs für Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung mit der EEG-Umlage für unzulässig, sobald ein Kraftwerk keine EEG-Förderung mehr erhält. Die Richtlinie trat 2018 in Kraft. Deutschland muss sie bis Mitte 2021 in nationales Recht umsetzen.

Dach inspizieren lassen und Anlagengröße bestimmen

Ehe Sie eine Solaranlage zur Stromerzeugung kaufen, sollten Sie Ihr Dach beurteilen lassen: 

  • Welche Flächen sind für die Montage geeignet oder aber ist Ihr Dach ungeeignet oder zunächst sanierungsbedürftig?
  • Wie viel Solarstromleistung lässt sich installieren?
  • Mit welchen Erträgen können Sie rechnen?
  • Wie hoch sollte Ihr Eigenverbrauch entsprechend Ihres Strombedarfs und der Anlagengröße sein?

Sie können sich von einem Installationsbetrieb beraten lassen. Eine Datenbank mit Firmen in ganz Deutschland bietet der Bundesverband Solarwirtschaft. Wenn Sie von unabhängiger Seite eine Beurteilung wünschen, bietet sich ein „Eignungs-Check Solar“ der Verbraucherzentralen an. 30 Euro kostet dieser. In Nordrhein-Westfalen gibt es nicht den Eignungs-Check Solar sondern ein ähnliches Angebot im Rahmen der vom Bundesland geförderten Energieberatung: "Beratung zu Solarstrom" heißt es; Kostenpunkt: ebenfalls 30 Euro.  

Soll die Anlage zu Ihrem Strombedarf passen, sollte sie übers Jahr etwa so viel Strom produzieren, wie Sie benötigen. Die Faustregel lautet: Mit einem Kilowatt Leistung lassen sich rund 1.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Benötigen Sie 4.000 Kilowattstunden im Jahr, sollte die Photovoltaikanlage vier Kilowatt Leistung haben. Etwa ein Viertel der erzeugten elektrischen Energie können Sie direkt selbst verbrauchen. 

Wollen Sie mehr eigenen Strom nutzen, brauchen Sie einen Batteriespeicher. Schaffen Sie diesen zusammen mit der Solaranlage an, können Sie die Umsatzsteuer auf den Kaufpreis auch für den Speicher vom Finanzamt zurückerstattet bekommen. Das geht nicht, wenn Sie den Speicher nachrüsten. Zudem greifen einige Förderprogramme für Batteriespeicher nur, wenn Solaranlage und Batteriespeicher gemeinsam in Betrieb gehen.

Netzanschluss und Inbetriebnahme planen

Wenn Sie eine Photovoltaikanlage errichten, ist Ihr Netzbetreiber verpflichtet, sie unverzüglich an sein Netz zu schließen (§ 8 Abs. 1 EEG). Das klappt aber nicht von heute auf morgen. Sie müssen ein paar Wochen einplanen, ehe der Netzbetreiber Ihnen einen Termin für den Netzanschluss nennt. 

Wenn Sie den Entschluss gefasst haben, eine netzgekoppelte Photovoltaikanlage mit einer bestimmten Leistung zu errichten, dann beantragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber den Anschluss. Viele Netzbetreiber stellen dazu Formulare auf ihrer Internetseite bereit oder betreiben ein „Netzanschluss-Portal“, für das Sie sich registrieren können. 

Nach Eingang Ihres Netzanschlussbegehrens prüft das Unternehmen, ob es Ihre Anlage ohne Weiteres ans Stromnetz nehmen kann und wählt den dafür günstigsten Verknüpfungspunkt. In Regionen mit vielen dezentralen Erzeugungsanlagen kann es sein, dass der Netzbetreiber erst noch sein Netz verstärken muss, ehe er Ihre Anlage ankoppeln kann. Dann müssen Sie mehr Zeit bis zum Netzanschluss einplanen. Innerhalb von maximal acht Wochen muss Ihnen das Unternehmen aber in jedem Fall einen Zeitplan vorlegen, wann die Anlage ans Netz geht (§ 8 Abs. 6 EEG). 

Kosten für den Ausbau oder die Verstärkung des Stromnetzes darf Ihnen der Netzbetreiber nicht in Rechnung stellten. Ablehnen kann er den Netzausbau auf eigene Kosten lediglich, wenn dieser wirtschaftlich unzumutbar ist (§ 12 Abs. 3 EEG). Die Herstellung des Netzanschlusses müssen Sie aber bezahlen.

Spätestens wenn der Netzbetreiber den Anschluss Ihrer Solaranlage zugesagt hat, können Sie einen Installationsbetrieb mit der Errichtung beauftragen. Mit der Zusage schicken viele Netzbetreiber einen Netzanschlussvertrag. Den brauchen Sie nicht. Wenn Sie ihn nicht unterschreiben, ändert das nichts an der geplanten Inbetriebnahme. 

Was kostet eine Kilowattstunde Solarstrom?

Ehe Sie eine Installationsfirma beauftragen, sollten Sie selbst die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlage prüfen. Wichtig ist dabei vor allem, zu welchen Kosten Sie Solarstrom produzieren können. Das hängt von mehreren Faktoren ab. 

Was kostet die PV-Anlage?

Der erste Faktor ist der Preis für die Photovoltaikanlage. Wollen Sie sich vor allem selbst versorgen, genügt in der Regel eine kleine Anlage mit maximal 10 Kilowatt Leistung. Günstige Preise für solche kleinen Systeme liegen bei rund 1.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) pro Kilowatt. Für eine Anlage mit Modulen aus Solarzellen mit vergleichsweise hohem Wirkungsgrad können die Preise ein wenig höher sein. Mehr als 1.400 Euro (ohne Umsatzsteuer) sollten Sie aber nicht zahlen.

Sie können Ihr Dach auch komplett mit Solarmodulen vollpacken, um möglichst viel Ökostrom zu produzieren und einen größeren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dabei gilt: Je größer das System, desto geringer der Preis pro installiertem Kilowatt Leistung. Dazu müssen Sie aber wissen: Ab 7 Kilowatt Leistung bekommen Sie ein intelligentes Messsystem zu Ihrer Anlage eingebaut. Kostenpunkt: 100 Euro im Jahr. Ab mehr als 10 Kilowatt Leistung zahlen Sie EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom. Ab 30 Kilowatt Leistung muss die Anlage steuerbar sein und darf vom Netzbetreiber abgeregelt werden, wenn gerade mehr Strom ins Netz fließt als benötigt.

Die Preise für Solaranlagen verringern sich stetig. Allein im Jahr 2018 sanken die Preise für Solarmodule für den Handel um rund 25 Prozent. Solche Veränderungen schlagen häufig direkt auf die Anschaffungskosten für eine Photovoltaikanlage durch, denn die Module machen gewöhnlich 45 Prozent des Kaufpreises aus. Der Grund für die niedrigeren Preise liegt in effizienteren Produktionsprozessen. Das Ende der Kostensenkung ist nach unserer Einschätzung noch nicht erreicht. 

Wie viel Strom kann die PV-Anlage erzeugen?

Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage bestimmt neben den Investitionskosten der Stromertrag, den die Anlage erwirtschaften kann. Vorteilhaft ist es, wenn die Anlage auf den Dachziegeln installiert und gut hinterlüftet ist. Sogenannte Indachanlagen, deren Module die Funktion der Dachziegel übernehmen, haben in der Regel den Nachteil, dass die Modulunterseite schlechter belüftet ist. Staut sich Wärme hinter den Modulen, senkt das deren Wirkungsgrad. 

Ideal ist es, wenn die Solaranlage nach Süden ausgerichtet und 30 bis 35 Grad geneigt ist. Dann lassen sich mit einer Aufdachanlage in Deutschland zwischen rund 900 und 1.300 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung ernten: Typische Erträge im Norden liegen bei 935 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt Leistung, in der Mitte von Deutschland bei rund 1.100 Kilowattstunden und in Süddeutschland bei 1.280 Kilowattstunden. Die Zahlen basieren auf einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Wie es in Ihrer Region aussieht, können Sie den Karten des Deutschen Wetterdienstes entnehmen. Zu welchen Kosten Sie an verschieden guten Standorten Solarstrom erzeugen, ist in den Tabellen weiter unten dargestellt.

Zeigt Ihr Dach nach Osten oder Westen, können Sie auch hohe Erträge erwirtschaften. Ost-West-Dächer sind sogar vorteilhaft, wenn Sie viel von Ihrem eigenen Strom nutzen wollen. Denn die Stromproduktion erfolgt gleichmäßiger über den Tag verteilt als bei einer nach Süden ausgerichteten Anlage.

Sind die Bedingungen für eine Photovoltaikanlage nicht ideal, weil sie 

  • schlecht hinterlüftet ist oder
  • weniger oder mehr als 35 Grad geneigt ist oder 
  • sich an einem Ort mit vergleichsweise schwacher Sonnenstrahlung befindet, 

sollten Sie trotzdem noch rund 950 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung produzieren können. Von welchen Kosten Sie pro Kilowattstunde Strom ausgehen können, zeigt die Tabelle ganz unten in diesem Abschnitt. Wichtig ist bei der Kalkulation zudem, dass keine Bäume, Schornsteine oder Nachbargebäude die Anlage verschatten. Das senkt den Stromertrag.

Ein dritter wichtiger Faktor ist die Betriebsdauer des Systems. In der Regel gehen Installateure und finanzierende Banken von 20 Jahren aus – dem Zeitraum, für den die Einspeisevergütung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt. PV-Anlagen können aber auch über 20 Jahre hinaus weiter Strom erzeugen. Die ältesten Systeme in Deutschland laufen seit rund 30 Jahren.

Wie viel kostet Solarstrom?

Zu welchen Kosten Sie eigenen Strom erzeugen, ist in den nachfolgenden Tabellen dargestellt. Jede Tabelle zeigt die Kosten je nach Stromertrag pro installiertem Kilowatt Leistung. Suchen Sie die Tabelle für den Stromertrag, den Sie in etwa für Ihre Anlage erwarten. Abhängig vom Anlagenpreis können Sie dann ablesen, was Sie die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom dann kostet.

Erzeugungskosten von Solarstrom

bei optimaler Lage und Erträgen von 1.150 kWh/kW:

Investitionskosten
in Euro/kW

Kosten pro
Kilowattstunde

800 Euro7 Cent
1.000 Euro8 Cent
1.200 Euro10 Cent
1.400 Euro12 Cent

bei guter Lage und Erträgen von 1.050 kWh/kW: 

Investitionskosten
in Euro/kW

Kosten pro
Kilowattstunde

800 Euro7 Cent
1.000 Euro9 Cent
1.200 Euro11 Cent
1.400 Euro13 Cent

bei mittelmäßiger Lage und Erträgen von 950 kWh/kW: 

Investitionskosten
in Euro/kW

Kosten pro
Kilowattstunde

800 Euro8 Cent
1.000 Euro10 Cent
1.200 Euro12 Cent
1.400 Euro14 Cent

Quelle: Finanztip-Berechnung auf Basis der Formel des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zur Berechnung der sogenannten Stromgestehungskosten. Das sind die Gesamtkosten eines Kraftwerks über seine gesamte Betriebsdauer einschließlich Rückbau im Verhältnis zur erzeugten Strommenge. (Stand: 12. Juli 2019)

Die Zahlen in der Tabelle basieren auf der Annahme, dass eine Solaranlage 20 Jahre in Betrieb ist und ihre laufenden Kosten 3 Prozent der Investitionssumme pro Jahr betragen. Zu den laufenden Kosten zählen Versicherungen sowie die Wartung, Reparatur und Überwachung der Anlage. Für den über die Betriebsdauer angenommenen Zins auf das eingesetzte Kapital rechnen wir mit 3 Prozent. Der genannte Zins bezeichnet die erwartete Rendite auf das eingesetzte Kapital, sofern der Betreiber die Anlage komplett aus eigenen Mitteln finanziert.

Die Investition in eine Photovoltaikanlage zur Eigenversorgung sollte sich nach spätestens zehn Jahren bezahlt machen. Wie schnell es sich für Sie rechnet, hängt davon ab, wie viel des eigenen Stroms Sie selbst nutzen und dadurch weniger teuren Strom aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen müssen, und wie viel Sie durch den Verkauf von Überschussstrom einnehmen.

Wer finanziert und fördert Photovoltaikanlagen?

Nicht jeder kann eine mehrere Tausend Euro teure Photovoltaikanlage auf einen Schlag bezahlen. Banken wie SWK und SKG bieten passende Finanzierungen an. Die Banken geben allerdings erst einen Kredit ab einer Höhe von 5.000 Euro. Bei einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren liegt der effektive Zinssatz bei mindestens 2,75 Prozent. Bei nur einem Jahr Laufzeit beträgt der effektive Zinssatz mindestens 3,59 Prozent. Die KfW-Bank reicht über das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ ebenfalls Kredite aus, wenn Sie einen Antrag über die Hausbank stellen. Die Laufzeit beträgt auch hier mindestens fünf Jahre und der effektive Zinssatz liegt bei mindestens 1,03 Prozent. 

Darüber hinaus fördert Thüringen sowohl die Anschaffung von PV-Anlagen als auch von Stromspeichern. Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen bezuschussen den Kauf von Batteriespeichern. Berlin will nach dem Sommer ein Förderprogramm für Speichergeräte starten. Die einzelnen Programme können Verbraucher nur im jeweiligen Bundesland nutzen. Darüber hinaus gibt es weitere Förderprogramme für Photovoltaikanlagen und Speicher in verschiedenen Städten.

So kommen Sie zur passenden Anlage

Wenn Sie eine Solarstromanlage kaufen wollen, dann holen Sie drei bis vier Angebote von unterschiedlichen Installationsbetrieben für die gesamte Anlage mit allen Nebenkosten ein.

Ein Angebot für eine Photovoltaikanlage beinhaltet gewöhnlich auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und damit eine Prognose zum Stromertrag und Eigenverbrauch. Wenn Sie mehrere Angebote einholen, können Sie die Kalkulationen miteinander vergleichen und jene aussortieren, die Ihnen wenig glaubhaft oder zu teuer erscheinen. Wenden Sie sich an Installateure in Ihrer Region. Kennen Sie keine, können Sie in der Datenbank des Bundesverbands Solarwirtschaft nach Handwerkern suchen.

Die meisten Modulhersteller in Deutschland arbeiten zudem fest mit Installationsbetrieben zusammen. Über deren Internetseite bekommen Sie Kontakt zu Solarteuren in Ihrer Region. Voraussetzung dabei ist natürlich, dass Sie wissen, welche Modulmarke Sie wollen.

Aus welchen Komponenten besteht die PV-Anlage?

Auf dem Angebot sollten alle Komponenten und Leistungen aufgeführt sein, die zur Installation einer Komplettanlage nötig sind. Diese sind:

  • Photovoltaik-Module
  • Wechselrichter
  • Unterkonstruktion mitsamt Dachhaken
  • Kabel und Stecker
  • Montage von Unterkonstruktion, Modulen, Wechselrichter und Verkabelung der Elektrokomponenten miteinander
  • Netzanschluss/Inbetriebnahme der PV-Anlage
  • Überspannungsschutz, gegebenenfalls auch Blitzschutz
  • Anlagendokumentation

Photovoltaik-Module unterscheiden sich unter anderem je nach Produktionsprozess und nach Halbleitermaterialien. Die marktbeherrschenden Module sind jene aus kristallinem Silizium. Ihr Wirkungsgrad liegt in der Regel bei 16 bis 19 Prozent. Hocheffiziente Module erreichen auch mehr als 20 Prozent – diesen Teil der Energie des Sonnenlichts kann das Modul in Strom umwandeln.

Einen geringeren Wirkungsgrad weisen in der Regel sogenannte Dünnschichtmodule auf. Während bei kristallinen Modulen die einzelnen Zellen auf einer weißen Folie nebeneinander oder übereinander liegen und somit keine einheitliche Struktur aufweisen, erscheinen Dünnschichtmodule durchgehend schwarz. 

Der Wechselrichter wandelt den von den Modulen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um. Er ist die Komponente in einer Photovoltaikanlage, die am ehesten vor Ablauf von 20 Jahren kaputtgehen kann. Gehen Sie daher bei der Entscheidung für ein Angebot eines Installateurs auch nach der Qualität der verbauten Komponenten.

Bei etablierten Herstellern von Photovoltaik-Modulen und Wechselrichtern können Sie davon ausgehen, dass Sie Ihre Garantieansprüche auch in einigen Jahren noch geltend machen können. Die Hersteller von Photovoltaik-Modulen geben gewöhnlich Garantien auf die Leistung der Module von mindestens 25 bis 30 Jahren. Bei Wechselrichtern liegt die Garantie bei bis zu fünf Jahren. Sie können Sie kostenpflichtig auf zehn Jahre oder sogar noch weiter verlängern.

Bereits im Angebot des Installateurs sollte vermerkt sein, dass er nach Anlagenpass arbeitet und Ihnen das Dokument nach der Montage aushändigt. In diesem hält der Installateur fest, wie die Anlage aufgebaut ist. Der Anlagenpass dient als Nachweis für die ordnungsgemäße Errichtung der Anlage. Zugleich ist er Grundlage bei jeder Reparatur und Wartung zu einem späteren Zeitpunkt. Auch viele Versicherungen machen den Anlagenpass zur Bedingung für den Abschluss einer Police.

Gibt es auf Ihrem Haus bereits eine Blitzschutzanlage, ist die Photovoltaikanlage in diese zu integrieren. Ist das Dach Ihres Hauses flach und wollen Sie die Module aufgeständert installieren lassen, sollte eine Blitzschutzanlage neu errichtet werden. Liegen die Module flach auf den Dachziegeln, brauchen Sie gewöhnlich keine Blitzschutzanlage – eine Photovoltaikanlage erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit für einen direkten Einschlag. Was Sie allerdings in jedem Fall brauchen, ist ein Überspannungsschutz. Der Installateur baut Ihnen entsprechende Ableiter in den Hausanschlusskasten ein.

Ist die Anlage am Netz, sollte Ihnen der Installateur die komplette Anlagendokumentation übergeben. Zu den Unterlagen gehören neben dem Inbetriebnahmeprotokoll und dem Verschaltungsplan auch die Datenblätter zu allen verbauten Komponenten. Der Messstellenbetreiber baut Ihnen noch einen Stromzähler ein, der die ins Netz eingespeiste Strommenge misst. Sobald dies geschehen ist, haben Sie Anspruch auf Einspeisevergütung für den eingespeisten Strom. Ihren Messstellenbetreiber können Sie selbst wählen. Bestimmen Sie kein Unternehmen, setzt der grundzuständige Messstellenbetreiber den Zähler. In der Regel ist das der Netzbetreiber selbst. Zu einem späteren Zeitpunkt können Sie auch den Messstellenbetreiber wechseln.

Was bleibt zu tun, wenn die Anlage am Netz ist?

Frischgebackene Anlagenbetreiber unterliegen verschiedenen gesetzlichen Pflichten. Diese sind technischer, administrativer und auch steuerlicher Natur.

1. Anlage registrieren

Als Anlagenbetreiber müssen Sie Ihr System innerhalb von einem Monat ab Inbetriebnahme bei der Bundesnetzagentur melden, sofern es ans Stromnetz angeschlossen ist. Dazu gibt es das Marktstammdatenregister. 20 Minuten sollten Sie einplanen, wenn Sie erstmals eine Anlage melden. Auch Änderungen sind zu melden, beispielsweise, wenn Sie die Anlage an jemanden verpachten oder verkaufen oder wenn Sie die Anlage außer Betrieb nehmen.

Ein Verstoß gegen die Meldepflicht gilt als Ordnungswidrigkeit (§ 21 MaStRV in Verbindung mit § 95 Abs. 1 Nr. 5 d EnWG) und kann ein Bußgeld nach sich ziehen. So lange Sie die Anlage nicht registrieren, verlieren Sie zudem Ihren Anspruch auf Einspeisevergütung.

Selbst wenn der Netzbetreiber einen Verstoß gegen die Meldepflicht zunächst nicht bemerken sollte und Einspeisevergütung zahlt – er kann die gezahlten Beträge zurückfordern. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil klargestellt (Az. VIII ZR 147/16 vom 5. Juli 2017).

Entbunden von der Meldepflicht ist und bleibt jeder, der eine Photovoltaikanlage als Inselsystem betreibt. 

2. Netzverbraucher Eigenverbrauch melden

Wollen Sie einen Teil Ihres Solarstroms selbst verbrauchen, ist dies dem Netzbetreiber "unverzüglich" mitzuteilen (§ 74a Abs. 1 EEG). Da Solarstrom zu den erneuerbaren Energien zählt, brauchen Sie aber nicht die volle Höhe der Umlage zahlen sondern nur 40 Prozent. Dass Sie die reduzierte Umlage beanspruchen, müssen Sie dem Netzbetreiber anzeigen.

Die unverzügliche Meldung müssen Sie auch vornehmen, wenn Ihr System höchstens 10 Kilowatt aber mehr als 7 Kilowatt Leistung hat. Denn dann ist es aus Sicht des Gesetzgebers möglich, dass die Anlage mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt. Fällt Ihre Anlage in diese Leistungsklasse, dann teilen Sie dem Netzbetreiber sogleich mit, dass die Zahlung der EEG-Umlage bei Ihnen entfällt, so lange die Anlage maximal 10.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt.

3. Fernsteuerung oder Leistung begrenzen

Eine kleine Photovoltaikanlage mit bis zu 30 Kilowatt Leistung darf nicht unbegrenzt viel Solarstrom ins Netz speisen (§ 9 EEG). Der Solar-Monteur sollte dies bereits bei der Installation berücksichtigen. Entweder muss der Installateur die Einspeiseleistung auf 70 Prozent der Wirkleistung begrenzen, oder der Kunde muss die Anlage ferngesteuert regeln können.

Wer seinen Strom selbst nutzt, fährt in der Regel mit der Einspeise-Begrenzung auf 70 Prozent besser. Denn nur selten dürfte der Fall eintreten, dass die Anlage mehr Strom einspeisen könnte, als aufgrund der 70-prozentigen Begrenzung möglich ist. Erfüllt die Solarstromanlage nicht die technischen Vorgaben, zahlt der Netzbetreiber lediglich eine Vergütung, die dem Marktwert des Stroms entspricht.

4. Gewerbe anmelden und Einkünfte versteuern

Speisen Sie ins Stromnetz ein und verkaufen die Energie, sind Sie Unternehmer. Sie müssen sich dazu beim Finanzamt als Gewerbetreibender registrieren. Machen Sie das am besten, bevor die Anlage in Betrieb geht. Sie zahlen auf Ihren Gewinn aus dem PV-Betrieb Steuern. Ob Sie Umsatzsteuer entrichten müssen, können Sie sich bei der Gewerbemeldung aussuchen, wenn Ihre Einkünfte voraussichtlich unter 17.500 Euro liegen. Wer keine Umsatzsteuer abzuführen hat, kann sich aber auch nicht die Mehrwertsteuer auf die Anschaffungskosten vom Finanzamt zurückholen und zahlt damit einen höheren Preis. 

5. Kontrollieren Sie die Erträge und lassen Sie die Anlage warten

Ist das System finanziert, installiert und registriert, kann sich der Betreiber erst einmal zurücklehnen. Allerdings ist eine Photovoltaikanlage kein wartungsfreies Kraftwerk. Auch sollten Sie Ihre Erträge überwachen. Gegen Schäden, die Unwetter oder Tiere verursachen, können Sie sich versichern. Jedes Jahr unterliegen Sie zudem bestimmten Meldefristen, wenn Sie eine PV-Anlage betreiben – so etwa müssen Sie dem Netzbetreiber mitteilen, wie hoch die eingespeiste Strommenge war und wer EEG-Umlage auf seinen Eigenverbrauch zahlt, muss die selbst genutzte Strommenge mitteilen.

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 12. August 2019


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