Solaranlage kaufen

Die richtige Solaranlage für Ihr Dach

Ines Rutschmann Stand: 15. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einer Photovoltaikanlage erzeugen Sie günstig eigenen Strom. Der Solarstrom ist nicht nur umweltfreundlich, er kostet Sie auch nur etwa ein Drittel gegenüber Strom aus dem Netz.
  • Fast ein Drittel Ihres Solarstroms können Sie selbst direkt verbrauchen. Den Rest speisen Sie ins Stromnetz ein und erhalten dafür eine Vergütung. 
  • Zinsgünstige Kredite und Förderprogramme in Städten und Bundesländern helfen bei der Finanzierung einer Solaranlage.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie sich beraten, wie viele Solarmodule – umgangssprachlich auch Solarplatten genannt – Sie brauchen und ob diese auf Ihr Dach passen.
  • Holen Sie Angebote von mehreren Installationsfirmen ein. Wir geben Tipps, worauf Sie dabei achten sollten.
  • Beantragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber frühzeitig den Anschluss der PV-Anlage. Die Zusage kann mehrere Wochen brauchen.
  • Bestehen Sie bei der Installation der Anlage auf einen Anlagenpass und registrieren Sie die Anlage im Marktstammdatenregister.

Mit eigenem Solarstrom Geld sparen und etwas für die Umwelt tun – für viele ein Traum. Erfüllen können Sie sich diesen Traum, wenn Sie im eigenen Haus wohnen oder eines gemietet haben und das Dach nutzen können. Zur Stromerzeugung müssen Sie eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) installieren lassen.

30 Prozent des Stroms können Sie in der Regel selbst nutzen. Der eigene Strom kostet Sie etwa 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde, also ungefähr ein Drittel des Preises von Haushaltsstrom aus der Steckdose. In diesen Preis haben wir die gesamten Anschaffungs- und Wartungskosten eingerechnet. Den Rest des Stroms verkaufen Sie, indem Sie ihn ins Stromnetz einspeisen. Dafür bekommen Sie weniger als 9 Cent pro Kilowattstunde. Nach zehn bis zwölf Jahren macht sich die Photovoltaikanlage in der Regel für Sie bezahlt. Die PV-Anlage betreiben und Strom erzeugen können Sie aber mehr als 20 Jahre. 

Was sollten Sie vor dem Kauf der Anlage überlegen?

Die Installation einer PV-Anlage ist weniger aufwendig, als eine Heizungsanlage einbauen zu lassen: Sie benötigen lediglich die Anschlusszusage des Netzbetreibers. Ein Installationsbetrieb montiert Ihnen das System innerhalb eines Tages und setzt es in Betrieb. Trotzdem sollten Sie die Anschaffung sorgfältig planen: Schließlich kostet eine Photovoltaikanlage mehrere Tausend Euro und soll mindestens 20 Jahre lang Strom erzeugen. Und mit der Inbetriebnahme der PV-Anlage kommen verschiedene Pflichten auf Sie zu, die teilweise über die gesamte Betriebsdauer währen. 

Eigenverbrauch und EEG-Umlage

Am günstigsten ist Solarstrom, wenn Sie ihn selbst erzeugen und direkt verbrauchen. Auf Eigenverbrauch ist nämlich keine oder eine reduzierte Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) zu zahlen.

Im juristischen Sinne liegt aber Eigenverbrauch nur vor, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind (§ 3 Punkt 19 EEG): Der Betreiber der Photovoltaikanlage und derjenige, der den erzeugten Solarstrom verbraucht, müssen dieselbe Person sein. Haben Sie beispielsweise ein Unternehmen, kaufen die Anlage über Ihre Firma und errichten Sie auf Ihrem Wohnhaus, dann liegt kein Eigenverbrauch vor, wenn Sie den Strom privat nutzen. Wird der erzeugte Strom von der Anlage weitergeleitet, bevor er verbraucht wird, zählt das nicht als Eigenverbrauch.

Handelt es sich nicht um Eigenverbrauch im rechtlichen Sinne, gilt der Strom als geliefert. Damit ist dann auf den Solarstrom EEG-Umlage zu zahlen. 2020 sind es rund 6,8 Cent pro Kilowattstunde. 2021 fällt die EEG-Umlage auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde.

Liegt bei Ihnen Eigenverbrauch im rechtlichen Sinne vor, ist es trotzdem möglich, dass Sie auf Ihren eigenverbrauchten Solarstrom eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen. Nämlich,

  • wenn die Photovoltaikanlage mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder
  • wenn ein System mit maximal 10 Kilowatt Leistung mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt – dann müssen Sie ab der 10.001. Kilowattstunde selbst verbrauchtem Solarstrom die Umlage zahlen. Oder 
  • wenn die EEG-Förderung für Ihre Anlage nach 20 Jahren ausgelaufen ist oder
  • wenn Sie eine bislang voll ins Netz einspeisende Photovoltaikanlage zur Eigenversorgung umrüsten – selbst, wenn sie maximal nur 10 Kilowatt Leistung hat.

In diesen vier Fällen gilt dann aber ein ermäßigter Satz zur Zahlung der EEG-Umlage. Dieser liegt bei 40 Prozent. 2020 sind das rund 2,7 Cent pro Kilowattstunde. Die Höhe der EEG-Umlage verändert sich stets zu Jahresbeginn. Ab 2021 soll sie auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde fallen. Für Eigenverbraucher beliefe sich die Umlage dann auf 2,6 Cent pro Kilowattstunde.

Wichtig für Sie ist: Überlegen Sie angesichts der Regeln zur Ökostrom-Umlage schon vor dem Kauf der Anlage, wie groß sie sein soll und wer sie betreiben und den Strom direkt verbrauchen wird.

Es ist möglich, dass Deutschland die Regeln für Eigenverbraucher bald lockert. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, da eine europäische Richtlinie den Mitgliedsländern vorschreibt, kleinere Eigenverbraucher nach Möglichkeit nicht zu diskriminieren und zu behindern. Der Energierechtler Philipp Boos hält eine Belastung des Eigenverbrauchs für PV-Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung mit der EEG-Umlage für unzulässig, sobald eine Anlage nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fällt. Die EU-Richtlinie trat 2018 in Kraft. Deutschland muss sie bis Mitte 2021 in nationales Recht umsetzen.

Nach dem Entwurf der Bundesregierung zum EEG, das ab 2021 gelten soll, sollen weitere Anlagen von der Zahlung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch befreit sein – bestehende wie neue. Die Befreiung soll gelten, wenn Ihre Anlage maximal 20 Kilowatt Leistung hat und Sie höchstens 10.000 Kilowattstunden Solarstrom selbst verbrauchen. Allerdings endet die Befreiung auch wieder – zusammen mit Ihrem Anspruch auf EEG-Förderung, also 20 Jahre nach Inbetriebnahme.

Dach inspizieren lassen und Anlagengröße bestimmen

Ehe Sie eine Solaranlage zur Stromerzeugung kaufen, sollten Sie Ihr Dach beurteilen lassen: 

  • Welche Flächen sind für die Montage geeignet oder aber ist Ihr Dach ungeeignet oder zunächst sanierungsbedürftig?
  • Wie viel Solarstromleistung lässt sich installieren?
  • Mit welchen Erträgen können Sie rechnen?
  • Wie hoch sollte Ihr Eigenverbrauch entsprechend Ihres Strombedarfs und der Anlagengröße sein?

Sie können sich von einem Installationsbetrieb beraten lassen. Eine Datenbank mit Firmen in ganz Deutschland bietet der Bundesverband Solarwirtschaft. Ist für Ihre Region kein Betrieb registriert, können Sie auch die Datenbank des Zentralverbands der deutschen elektro- und informationstechnischen Handwerke (ZVEH) nutzen: In dieser sind verschiedenste Betriebe des Elektrohandwerks aufgeführt. Ob die Firmen auch Photovoltaikanlagen installieren, müssen Sie prüfen. Eine dritte Anlaufstelle ist das Firmenverzeichnis des Photovoltaik-Forums, in dem auch Solarinstallateure – sogenannte Solarteure – verzeichnet sind.

Wenn Sie von unabhängiger Seite eine Beurteilung wünschen, bietet sich ein Eignungs-Check Solar der Verbraucherzentralen für 30 Euro an. In Nordrhein-Westfalen gibt es nicht den Eignungs-Check Solar sondern ein ähnliches Angebot im Rahmen der vom Bundesland geförderten Energieberatung: „Beratung zu Solarstrom“ heißt es und kostet rund 59 Euro. In Berlin ist die erste Beratung kostenfrei, wenn Sie das Solarzentrum Berlin aufsuchen. 

Soll die Anlage zu Ihrem Strombedarf passen, sollte sie übers Jahr etwa so viel Strom produzieren, wie Sie benötigen. Die Faustregel lautet: Mit einem Kilowatt Leistung lassen sich rund 1.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Benötigen Sie 4.000 Kilowattstunden im Jahr, sollte die Photovoltaikanlage 4 Kilowatt Leistung haben. Etwa ein Viertel des erzeugten Stroms können Sie direkt selbst verbrauchen.

Wollen Sie mehr eigenen Strom nutzen, brauchen Sie einen Batteriespeicher. Schaffen Sie diesen zusammen mit der Solaranlage an, können Sie die Umsatzsteuer auf den Kaufpreis auch für den Speicher vom Finanzamt zurückerstattet bekommen. Das geht nicht, wenn Sie den Speicher nachrüsten. Zudem greifen viele Förderprogramme für Batteriespeicher nur, wenn Solaranlage und Batteriespeicher gemeinsam in Betrieb gehen.

Anschluss an das Stromnetz planen

Wenn Sie eine Photovoltaikanlage errichten, ist Ihr Netzbetreiber verpflichtet, sie unverzüglich an sein Netz zu schließen (§ 8 Abs. 1 EEG). Das klappt aber nicht von heute auf morgen. Sie müssen in manchen Fällen ein paar Wochen einplanen, ehe der Netzbetreiber Ihnen einen Termin für den Netzanschluss nennt.

Wenn Sie sich also entschlossen haben, eine Photovoltaikanlage mit einer bestimmten Leistung zu errichten, dann beantragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber den Anschluss. Viele Netzbetreiber stellen dazu Formulare auf ihrer Internetseite bereit oder betreiben ein „Netzanschluss-Portal“, für das Sie sich registrieren können. 

Der Netzbetreiber prüft dann, ob er die Anlage ohne Weiteres ans Stromnetz nehmen kann und wählt den dafür günstigsten Verknüpfungspunkt. In Regionen mit vielen kleinen Solaranlagen kann es sein, dass der Betreiber erst noch sein Netz verstärken muss, ehe er Ihre Anlage ankoppeln kann. Dann müssen Sie mehr Zeit bis zum Netzanschluss einplanen. Innerhalb von maximal acht Wochen muss Ihnen das Unternehmen aber in jedem Fall einen Zeitplan vorlegen, wann die Anlage ans Netz geht (§ 8 Abs. 6 EEG). 

Kosten für den Ausbau oder die Verstärkung des Stromnetzes darf Ihnen der Netzbetreiber nicht in Rechnung stellten. Ablehnen kann er den Netzausbau auf eigene Kosten nur, wenn dieser wirtschaftlich unzumutbar ist (§ 12 Abs. 3 EEG). Sie zahlen lediglich für die Anbindung der Photovoltaikanlage ans öffentliche Stromnetz – rund 100 Euro berechnen Handwerksbetriebe dafür.

Spätestens wenn der Netzbetreiber den Anschluss Ihrer Solaranlage zugesagt hat, können Sie einen Installationsbetrieb mit der Errichtung beauftragen. Mit der Zusage schicken viele Netzbetreiber einen Netzanschlussvertrag. Den brauchen Sie nicht. Wenn Sie ihn nicht unterschreiben, ändert das nichts an der geplanten Inbetriebnahme.

Was kostet eine Kilowattstunde Solarstrom?

Ehe Sie eine Installationsfirma beauftragen, sollten Sie prüfen, ob sich die Anschaffung der Photovoltaikanlage rechnet.

In der Regel legt Ihnen eine Firma eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zum unterbreiteten Angebot vor. Diese sollten Sie kritisch lesen und am besten einer eigenen Kalkulation gegenüberstellen. Denn es kann sein, dass die Installationsfirma bei ihrer Berechnung einen sehr hohen Eigenverbrauch angenommen oder mit Erhöhungen des Strompreises von 3 Prozent und mehr pro Jahr gerechnet hat. Mit solch pessimistischen Annahmen lassen sich hohe Preise für eine PV-Anlage kaschieren. Je höher der Eigenverbrauch ist und je stärker der Strompreis in Deutschland steigt, desto schneller rechnet sich die Anlage auf dem Papier.

Wie Sie selbst abschätzen können, ob sich eine Photovoltaikanlage für Sie lohnt, erklären wir im Folgenden. Wichtig ist dabei vor allem, zu welchen Kosten Sie Solarstrom produzieren können. Das hängt von drei Faktoren ab:

1. Was kostet die PV-Anlage?

Der erste Faktor ist der Preis für die Photovoltaikanlage. Wollen Sie sich vor allem selbst versorgen, genügt in der Regel eine kleine Anlage mit maximal 10 Kilowatt Leistung. Günstige Preise für solche kleinen Systeme liegen bei 1.000 bis 1.400 Euro pro Kilowatt (ohne Umsatzsteuer). Für Anlagen mit weniger als 5 Kilowatt Leistung müssen Sie bis zu 1.800 Euro pro Kilowatt zahlen.

Sie können Ihr Dach auch komplett mit Solarmodulen vollpacken, um möglichst viel Ökostrom zu produzieren und einen größeren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dabei gilt: Je größer das System, desto geringer der Preis pro installiertem Kilowatt Leistung. Dazu müssen Sie aber wissen: Ab 7 Kilowatt Leistung bekommen Sie ein intelligentes Messsystem zu Ihrer Anlage eingebaut. Kostenpunkt: 100 Euro im Jahr. Ab mehr als 10 Kilowatt Leistung zahlen Sie EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom. Ab 30 Kilowatt Leistung muss die Anlage steuerbar sein und darf vom Netzbetreiber gedrosselt werden, wenn gerade mehr Strom ins Netz fließt als benötigt.

Die Preise für Solarmodule sinken stetig – die Produktion wird immer effizienter und die Module zugleich immer leistungsstärker. Günstigere Modulpreise sollten auch auf die Anschaffungskosten für eine Photovoltaikanlage durchschlagen, denn die Module machen in der Regel rund 45 Prozent des Kaufpreises aus. Tatsächlich haben sich die Anlagenpreise seit 2018 aber wenig verändert. Es lohnt sich, mehrere Angebote zu vergleichen, um einen Handwerksbetrieb zu finden, der günstige Einkaufspreise auch an Sie weitergibt.

Neben den Anschaffungskosten gibt es auch Betriebskosten. Dazu gehört etwa das Entgelt für den Einspeisezähler, aber auch Kosten für Versicherung, Anlagenüberwachung, Wartung oder für die Steuererklärung. Wie hoch Ihre Betriebskosten sind, können Sie selbst beeinflussen: Je mehr Aufgaben Sie an andere delegieren, desto höher sind die Kosten. Gängig sind Ausgaben in Höhe von 2 bis 3 Prozent der Investitionskosten.

2. Wie viel Strom kann die PV-Anlage erzeugen?

Ob sich eine PV-Anlage finanziell lohnt, hängt neben den Anschaffungskosten auch davon ab, wie viel Strom die Anlage erzeugen kann. Vorteilhaft ist es, wenn die Anlage auf den Dachziegeln installiert und gut hinterlüftet ist. Sogenannte Indachanlagen, deren Module die Funktion der Dachziegel übernehmen, haben in der Regel den Nachteil, dass die Modulunterseite schlechter belüftet ist. Staut sich Wärme hinter den Modulen, produzieren sie weniger Strom.

Ideal ist es, wenn die Solaranlage nach Süden ausgerichtet und 30 bis 35 Grad geneigt ist. Dann lassen sich mit einer Anlage auf den Dachziegeln im Jahr im Schnitt etwa 1.000 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung ernten: Typische Erträge im Norden liegen bei 935 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt Leistung, in der Mitte von Deutschland bei rund 1.100 Kilowattstunden und in Süddeutschland bei 1.280 Kilowattstunden. Die Zahlen basieren auf einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Wie es in Ihrer Region aussieht, können Sie den Karten des Deutschen Wetterdienstes entnehmen.

Auch wenn Ihr Dach nach Osten oder Westen zeigt, können Sie hohe Erträge erwirtschaften. Ost-West-Dächer sind sogar vorteilhaft, wenn Sie viel von Ihrem eigenen Strom nutzen wollen. Denn der Strom wird gleichmäßiger über den Tag verteilt produziert als bei einer nach Süden ausgerichteten Anlage.

Sind die Bedingungen für eine Photovoltaikanlage nicht ideal, weil sie

  • schlecht hinterlüftet ist oder
  • weniger oder mehr als 35 Grad geneigt ist oder 
  • sich an einem Ort mit vergleichsweise schwacher Sonnenstrahlung befindet,

sollten Sie trotzdem noch rund 950 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung produzieren können. Wichtig ist, dass keine Bäume, Schornsteine oder Nachbargebäude die Anlage verschatten. Das senkt den Stromertrag.

3. Wie lange nutzen Sie die Anlage?

Ein dritter wichtiger Faktor ist die Betriebsdauer des Systems. In der Regel gehen Installateure davon aus, dass Sie die Anlage 20 Jahren lang nutzen – für diesen Zeitraum bekommen Sie auch eine Vergütung, wenn Sie überschüssigen Strom in das Netz einspeisen. PV-Anlagen können aber auch über 20 Jahre hinaus weiter Strom erzeugen. Die ältesten Systeme in Deutschland laufen seit rund 30 Jahren.

So viel kostet der selbsterzeugte Strom

Zu welchen Kosten Sie eigenen Strom erzeugen, können Sie den folgenden, ausklappbaren Tabellen entnehmen. Jede Tabelle zeigt die Kosten je nach Stromertrag pro installiertem Kilowatt Leistung der Solaranlage. Suchen Sie die Tabelle für den Stromertrag, den Sie in etwa für Ihre Anlage erwarten. Abhängig davon, wie teuer Ihre PV-Anlage voraussichtlich wird, können Sie ablesen, was Sie die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom kostet.

Erzeugungskosten von Solarstrom

Mit den Angaben zu den Kosten für selbst produzierten Solarstrom können Sie selbst abschätzen, wie schnell sich eine PV-Anlage für Sie bezahlt macht. Schauen Sie nach, wie viel Strom Sie im Jahr verbrauchen und was Sie das derzeit kostet. Anschließend berechnen Sie, wie viel Sie durch den günstigen Solarstrom sparen und was Sie verdienen, wenn Sie überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Die Summe aus Einsparungen und Einnahmen sollte nach zehn bis zwölf Jahren die Anschaffungs- und Betriebskosten übersteigen. Bei teuren Anlagen können es auch 14 Jahre sein.

Was Sie verdienen, wenn Sie überschüssigen Strom verkaufen, lässt sich gut abschätzen – das Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert einen festen Preis für jede Kilowattstunde Solarstrom, die Sie ins Stromnetz speisen. Allerdings ist die Einspeisevergütung in den letzten Jahren deutlich gesunken.

Entscheidend dafür, wie schnell sich eine Solaranlage rechnet, ist deshalb, wie viel des Solarstroms Sie selbst nutzen. Denn dann müssen Sie weniger teuren Strom aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen und können Ihre Stromkosten deutlich senken. Der „Unabhängigkeitsrechner“ der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hilft, abzuschätzen, welchen Anteil des produzierten Solarstroms Sie selbst verbrauchen können.

Wie viel Sie dadurch sparen, hängt auch vom Preis ab, den Sie für eingekauften Strom zahlen. Aktuell kennen Sie den Strompreis, für 2030 hingegen nicht. Wir gehen davon aus, dass die Strompreise 2020 oder 2021 ihr Maximum erreichen und danach stabil bleiben oder sogar leicht sinken.

Nutzen Sie den Solarstrom auch für eine Wärmepumpe, um Ihr Haus zu beheizen, oder laden Sie Ihr Elektroauto, können Sie mehr Strom selbst verbrauchen und damit amortisiert sich die Anlage noch schneller.

Wer finanziert und fördert Photovoltaikanlagen?

Nicht jeder kann eine mehrere Tausend Euro teure Photovoltaikanlage auf einen Schlag bezahlen. Banken wie SWK und SKG bieten passende Finanzierungen an. Kostet eine PV-Anlage mindestens 5.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer), gibt die SWK einen Ökokredit. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren liegt der effektive Zinssatz bei mindestens 0,99 Prozent. Bei fünf Jahren Laufzeit erhöht er sich auf mindestens 2,75 Prozent. Die SKG Bank – eine Tochter der DKB – finanziert über den Wohnkredit auch PV-Anlagen. Die 5.000 bis 50.000 Euro Kreditsumme können Sie über bis zu zehn Jahre zurückzahlen. Der effektive Zins liegt bei 3,59 Prozent.

Die KfW-Bank vergibt über das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ ebenfalls Kredite, wenn Sie einen Antrag über die Hausbank stellen. Die Laufzeit beträgt auch hier mindestens fünf Jahre und der effektive Zinssatz liegt bei mindestens 1,03 Prozent.

Darüber hinaus fördert Thüringen sowohl die Anschaffung von PV-Anlagen als auch von Stromspeichern. Bayern, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein bezuschussen den Kauf von Batteriespeichern. Die einzelnen Programme können Verbraucher nur im jeweiligen Bundesland nutzen. Darüber hinaus gibt es Förderprogramme für Photovoltaikanlagen und Speicher auch in verschiedenen Städten.

So kommen Sie zur passenden Anlage

Wenn Sie eine Solarstromanlage kaufen wollen, dann holen Sie drei bis vier Angebote von unterschiedlichen Installationsbetrieben für die gesamte Anlage mit allen Nebenkosten ein. Wenden Sie sich dazu an Handwerker in Ihrer Region.

Ein Angebot für eine Photovoltaikanlage beinhaltet gewöhnlich auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und damit eine Prognose zum Stromertrag und Eigenverbrauch. Wenn Sie mehrere Angebote einholen, können Sie die Kalkulationen miteinander vergleichen und jene aussortieren, die Ihnen wenig glaubhaft oder zu teuer erscheinen.

Wenn Sie bereits wissen, welche Modulmarke Sie wollen, können Sie auch über die Internetseite des Modulherstellers einen Installateur suchen. Denn viele Hersteller in Deutschland arbeiten fest mit Installationsbetrieben zusammen.

Aus welchen Komponenten besteht die PV-Anlage?

Auf dem Angebot sollten alle Komponenten und Leistungen aufgeführt sein, die zur Installation einer Komplettanlage nötig sind. Diese sind:

  • Photovoltaik-Module
  • Wechselrichter
  • Unterkonstruktion mitsamt Dachhaken
  • Kabel und Stecker
  • Montage von Unterkonstruktion, Modulen, Wechselrichter und Verkabelung der Elektrokomponenten miteinander
  • Netzanschluss/Inbetriebnahme der PV-Anlage
  • Überspannungsschutz, gegebenenfalls auch Blitzschutz
  • Anlagendokumentation

Photovoltaik-Module unterscheiden sich unter anderem je nach Produktionsprozess und nach Material. Die marktbeherrschenden Module sind aus kristallinem Silizium. Ihr Wirkungsgrad liegt in der Regel bei 16 bis 19 Prozent – diesen Teil der Energie des Sonnenlichts kann das Modul in Strom umwandeln. Hocheffiziente Module erreichen auch mehr als 20 Prozent.

Einen geringeren Wirkungsgrad weisen in der Regel sogenannte Dünnschichtmodule auf. Während bei kristallinen Modulen die einzelnen Zellen auf einer weißen Folie nebeneinander oder übereinander liegen und somit keine einheitliche Struktur aufweisen, erscheinen Dünnschichtmodule durchgehend schwarz.

Der Wechselrichter wandelt den von den Modulen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um. Er ist die Komponente in einer Photovoltaikanlage, die am ehesten vor Ablauf von 20 Jahren kaputtgehen kann. Gehen Sie daher bei der Entscheidung für ein Angebot eines Installateurs auch danach, welchen Garantie- und Austauschservice ein Hersteller bietet.

Bei etablierten Herstellern von Photovoltaik-Modulen und Wechselrichtern, die schon viele Jahre am Markt sind, können Sie davon ausgehen, dass Sie Ihre Garantieansprüche auch in einigen Jahren noch geltend machen können. Die Hersteller von Photovoltaik-Modulen geben gewöhnlich Garantien auf die Leistung der Module von mindestens 25 bis 30 Jahren. Bei Wechselrichtern liegt die Garantie bei bis zu fünf Jahren. Sie können diese kostenpflichtig auf zehn Jahre oder sogar noch weiter verlängern.

Darauf sollten Sie bei der Montage achten

Bereits im Angebot des Installateurs sollte vermerkt sein, dass er nach Anlagenpass arbeitet und Ihnen das Dokument nach der Montage aushändigt. In diesem hält der Installateur fest, wie die Anlage aufgebaut ist. Der Anlagenpass dient als Nachweis für die ordnungsgemäße Errichtung der Anlage. Zugleich ist er Grundlage bei jeder Reparatur und Wartung. Auch viele Versicherungen machen den Anlagenpass zur Bedingung für den Vertragsabschluss.

Gibt es auf Ihrem Haus bereits eine Blitzschutzanlage, muss die Photovoltaikanlage in diese integriert werden. Ist das Dach Ihres Hauses flach und wollen Sie die Module aufgeständert installieren lassen, sollte eine Blitzschutzanlage neu eingebaut werden. Liegen die Module flach auf den Dachziegeln, brauchen Sie gewöhnlich keine Blitzschutzanlage – eine Photovoltaikanlage erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz einschlägt. Was Sie allerdings in jedem Fall brauchen, ist ein Überspannungsschutz. Den baut der Installateur Ihnen in den Hausanschlusskasten ein.

Photovoltaik-Module dürfen Brandmauern nicht überdecken oder zu dicht an diese heranreichen. Dies untersagen in der Regel die Bauverordnungen der Kommunen. Insbesondere bei Reihenhäusern müssen Sie dies beachten und prüfen, wie viel Dachfläche für die Module dann noch zur Verfügung steht.

Diese Unterlagen sind wichtig

Ist die Anlage am Netz, sollte Ihnen der Installateur die komplette Anlagendokumentation übergeben. Zu den Unterlagen gehören neben dem Inbetriebnahmeprotokoll und dem Verschaltungsplan auch die Datenblätter zu allen verbauten Komponenten.

Der Messstellenbetreiber baut Ihnen noch einen Stromzähler ein, der die ins Netz eingespeiste Strommenge misst. Sobald dies geschehen ist, haben Sie Anspruch auf Einspeisevergütung für den eingespeisten Strom. Ihren Messstellenbetreiber können Sie selbst wählen. Bestimmen Sie kein Unternehmen, setzt der für die Region grundsätzlich zuständige Messstellenbetreiber den Zähler. In der Regel ist das der Netzbetreiber selbst. Sie können auch zu einem späteren Zeitpunkt den Messstellenbetreiber wechseln.

Was bleibt zu tun, wenn die Anlage am Netz ist?

Frischgebackene Anlagenbetreiber haben verschiedene Pflichten:

1. Anlage registrieren

Als Anlagenbetreiber müssen Sie Ihr System innerhalb von einem Monat ab Inbetriebnahme bei der Bundesnetzagentur melden, sofern es ans Stromnetz angeschlossen ist. Dazu gibt es das Marktstammdatenregister. 20 Minuten sollten Sie einplanen, wenn Sie erstmals eine Anlage melden. Auch Änderungen müssen Sie melden, beispielsweise, wenn Sie die Anlage an jemanden verpachten oder verkaufen oder wenn Sie die Anlage abschalten.

Ein Verstoß gegen die Meldepflicht gilt als Ordnungswidrigkeit (§ 21 MaStRV in Verbindung mit § 95 Abs. 1 Nr. 5d EnWG) und kann ein Bußgeld nach sich ziehen. Solange Sie die Anlage nicht registrieren, verlieren Sie zudem Ihren Anspruch auf Einspeisevergütung.

Selbst wenn der Netzbetreiber einen Verstoß gegen die Meldepflicht zunächst nicht bemerken sollte und Einspeisevergütung zahlt – er kann die gezahlten Beträge zurückfordern. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil klargestellt (Az. VIII ZR 147/16 vom 5. Juli 2017).

Entbunden von der Meldepflicht ist und bleibt jeder, der eine Photovoltaikanlage ohne Anschluss ans Stromnetz betreibt.

2. Eigenverbrauch an Netzverbraucher melden

Hat Ihre PV-Anlage mehr als 10 Kilowatt Leistung und wollen Sie einen Teil Ihres Solarstroms selbst verbrauchen, müssen Sie das dem Netzbetreiber unverzüglich mitteilen (§ 74a Abs. 1 EEG). Da Solarstrom zu den erneuerbaren Energien zählt, brauchen Sie die EEG-Umlage nicht in voller Höhe zu zahlen, sondern höchstens zu 40 Prozent. Teilen Sie dem Netzbetreiber mit, dass Sie die reduzierte Umlage beanspruchen.

Etwas anders liegt der Fall, wenn Ihr System zwischen 7 und 10 Kilowatt Leistung hat: Sie müssen Ihre Anlage dann zwar auch unverzüglich melden, Sie sind jedoch von der EEG-Umlage befreit, solange die Anlage nicht mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr produziert. Fällt Ihre Anlage in diese Leistungsklasse, dann weisen Sie den Netzbetreiber bei der Anmeldung gleich darauf hin, dass Sie nur dann die reduzierte EEG-Umlage zahlen, falls die Anlage mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt.

Für eine Anlage bis 7 Kilowatt Leistung müssen Sie dem Netzbetreiber nicht mitteilen, dass Sie eigenen Solarstrom verbrauchen wollen.

3. Fernsteuerung oder Leistung begrenzen

Eine kleine Photovoltaikanlage mit bis zu 30 Kilowatt Leistung darf nicht unbegrenzt viel Solarstrom ins Netz speisen (§ 9 EEG). Der Solar-Monteur sollte dies bereits bei der Installation berücksichtigen. Entweder muss der Installateur die Einspeiseleistung auf 70 Prozent des theoretisch Möglichen begrenzen, oder der Kunde muss die Anlage ferngesteuert regeln können.

Wer seinen Strom selbst nutzt, fährt in der Regel mit der Einspeisebegrenzung auf 70 Prozent besser. Denn nur selten dürfte der Fall eintreten, dass die Anlage mit mehr als 70 Prozent ihrer Leistung einspeist, wenn Sie sich mit Ihrem Solarstrom auch selbst versorgen.

Ist die Solarstromanlage weder fernsteuerbar noch in ihrer Einspeiseleistung begrenzt, zahlt der Netzbetreiber statt der staatlich festgelegten Einspeisevergütung lediglich den Marktwert des Stroms.

4. Selbstständige Tätigkeit anmelden und Einkünfte versteuern

Speisen Sie ins Stromnetz ein und verkaufen die Energie, sind Sie Unternehmer. Sie zahlen auf Ihren Gewinn aus dem PV-Betrieb Steuern. Füllen Sie dazu den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt aus. Ob Sie Umsatzsteuer zahlen, können Sie sich aussuchen, wenn Ihre Einkünfte voraussichtlich maximal 22.000 Euro betragen werden. Wer keine Umsatzsteuer abführt, kann sich aber auch nicht die Mehrwertsteuer auf die Anschaffungskosten vom Finanzamt zurückholen und zahlt damit einen höheren Preis für die Anlage.

Für Anlagen bis maximal 10 Kilowatt Leistung müssen Sie kein Gewerbe anmelden – Betreiber solch kleiner Anlagen sind seit 2020 von der Gewerbesteuer befreit. Wollen Sie eine größere Anlage betreiben, sollten Sie Ihrer Stadt oder Gemeinde binnen vier Wochen nach Inbetriebnahme mitteilen, dass Sie Solarstrom erzeugen und verkaufen.

5. Kontrollieren Sie die Erträge und lassen Sie die Anlage warten

Ist Ihre Anlage finanziert, installiert und registriert, können Sie sich erst einmal zurücklehnen. Allerdings sollten Sie die Photovoltaikanlage mindestens alle vier Jahre warten lassen. Auch sollten Sie im Auge behalten, wie viel Strom die Anlage produziert. Sinkt der Ertrag unerwartet, kann das darauf hinweisen, dass ein Bauteil kaputt ist oder dass die Module im Schatten liegen. Gegen Schäden, die Unwetter oder Tiere verursachen, können Sie sich versichern.

Jedes Jahr unterliegen Sie zudem bestimmten Meldefristen, wenn Sie eine PV-Anlage betreiben – so etwa müssen Sie dem Netzbetreiber mitteilen, wie hoch die eingespeiste Strommenge war. Zahlen Sie die EEG-Umlage auf Ihren Eigenverbrauch, müssen Sie auch mitteilen, wie viel Strom Sie selbst genutzt haben.

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 15. Oktober 2020


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