Rabattschutz und Rabattretter

Damit haben Sie einen Schaden am Auto frei

Silke Kursawe
& Co-Autor
Stand: 06. September 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Bezahlt die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden, stuft sie den Versicherten im nächsten Jahr meist um etliche Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen) zurück. Der Beitrag ist dann in den Folgejahren deutlich höher.
  • Haben Sie eine Kfz-Versicherung mit Rabattschutz, schützen Sie sich vor einer schlechteren Einstufung. Wenn Sie diese Option wählen, haben Sie pro Jahr mindestens einen Schaden frei. Allerdings lässt sich der Versicherer den Rabattschutz gut bezahlen.
  • Der Schutz eignet sich tendenziell für Sie, wenn Sie kleinere Unfälle nicht ausschließen können und erst eine kleine SF-Klasse erreicht haben. Außerdem sollten Sie bereits bei einem günstigen Versicherer sein.
So gehen Sie vor
  • Überlegen Sie, ob Sie dauerhaft einen höheren Beitrag für den Rabattschutz zahlen wollen oder doch eher darauf setzen, langfristig unfallfrei zu fahren.
  • Bedenken Sie außerdem, dass Sie den Vorteil des Rabattschutzes verlieren, wenn Sie die Kfz-Versicherung wechseln.
  • Sparen Sie mit einer Kombination aus Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf Check24 oder Verivox. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24.

Schon ein kleiner Kratzer im Lack kann ganz schön ins Geld gehen. Nicht jeder Autofahrer mag das selbst bezahlen und wendet sich lieber an seine Versicherung. Wem das häufiger passiert, der riskiert allerdings seinen günstigen Tarif – denn jeder gemeldete Schaden macht den Beitrag teurer. Manchem hilft dann der Rabattschutz in der Kfz-Versicherung.

Wie wirken sich Schäden auf den Beitrag aus?

Viele Autofahrer unterschätzen, wie teuer es ist, wenn die Versicherung einen Unfallschaden übernimmt. Die meisten wissen zwar, dass sie dadurch in der Schadenfreiheitsklasse (SF) abrutschen und höhere Beiträge zahlen. Aber was vielen nicht bewusst ist: Diese Rückstufung wirkt sich über Jahre auf die Höhe des Beitrags aus.

Beispiel: Rückstufung nach Schaden

Schadenfreiheitsklasse vor Schaden10
Beitragssatz vor Schaden36%
Rückstufung nach Schaden in Klasse4
Beitragssatz nach Schaden48%
Beitragserhöhung nach Schaden in Prozentpunkten12
Relative Beitragserhöhung nach Schaden33%

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: September 2016)

Um einer schlechteren Einstufung in der Kfz-Versicherung zu entgehen, zahlen viele Fahrer kleinere Schadensbeträge selbst. Nach Finanztip-Berechnungen lohnt es sich in der Haftpflichtversicherung normalerweise, einen Schaden bis 1.500 Euro selbst zu zahlen, in der Vollkaskoversicherung bis 1.300 Euro.

Was ist der Rabattschutz?

Nicht jeder hat das Geld, um Unfallschäden dieser Größenordnung aus der Portokasse zu begleichen. In diesem Fall bietet der sogenannte Rabattschutz eine sinnvolle Alternative: Dabei handelt es sich um eine Zusatzoption, die Sie bei vielen Versicherern zusätzlich zur Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung abschließen können. In der Teilkaskoversicherung gibt es diese Möglichkeit nicht, da es dort auch keine Schadenfreiheitsklassen gibt.

Wer mit Rabattschutz fährt, hat mindestens einen Schaden pro Jahr frei, ohne für diesen herabgestuft zu werden und seinen guten Schadenfreiheitsrabatt zu verlieren. In einigen Tarifen ist sogar mehr als ein gemeldeter Schaden pro Jahr erlaubt. Wenn Sie in einem Jahr einen Unfall melden, verlieren Sie zwar Ihren Rabatt nicht, im kommenden Jahr steigen Sie aber auch nicht in eine höhere Schadenfreiheitsklasse auf.

In der Regel wird der Rabattschutz erst ab vier unfallfreien Jahren (SF-Klasse 4) und nur für Fahrer über 23 Jahren angeboten.

Was kostet der Rabattschutz und wann lohnt er sich?

Der Rabattschutz wird pauschal auf die Versicherungsprämie aufgeschlagen. In einem Vergleich stellte Finanztip 2014 fest, dass das die Police deutlich verteuert: im Mittel um 17,7 Prozent. Einzelheiten dazu lesen Sie am Ende des Textes.

Vor allem, wenn Sie öfter mal eine Schramme oder Beule an Ihrem oder einem anderen Fahrzeug verursachen, sind Sie ein Kandidat für den Rabattschutz. Für Fahrer, die bereits die höchste SF-Klasse 35 erreicht haben, lohnt sich die Option in der Regel nicht. Denn dann kostet der Beitrag auch nach einem Schaden nicht viel mehr.

Falls Sie ein günstiges Auto fahren oder ein eher vorsichtiger Fahrer sind, lohnt sich ein Rabattschutz nur, wenn dieser sehr günstig zu haben ist.

Der Rabattschutz kostet je nach Versicherung unterschiedlich viel: Manche Anbieter verlangen nur 15 Prozent mehr, andere erheben bis zu 30 Prozent Aufpreis. Ein Vergleich lohnt sich also.

Gehen Sie auf eines der von uns empfohlenen Vergleichsportale. Suchen Sie dort mithilfe unseres Ratgebers einen guten und günstigen Versicherungstarif. Klicken Sie die Option „Rabattschutz“ an und vergleichen Sie den Unterschied zum besten Preis ohne Rabattschutz.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleichen Sie am besten jedes Jahr, ob Ihre Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Check24, Verivox, Huk24

Zum Ratgeber 

Was passiert beim Wechsel der Versicherung?

Der Rabattschutz ist für die Versicherung vor allem ein Mittel, um Kunden zu binden. Denn der Rabattschutz lässt sich nicht zu einem anderen Versicherer mitnehmen.

Beim Wechsel fragt der neue Anbieter immer nach Schäden in den vergangenen Jahren und ruft diese auch bei der bisherigen Versicherung ab. Bei Vertragsschluss stuft die neue Versicherung den Schadenfreiheitsrabatt dann so ein, als hätte es den Rabattschutz nicht gegeben. Dadurch kann es teurer werden, den Anbieter zu wechseln.

Was Sie dagegen tun können

Sie sollten einen Rabattschutz erst abschließen, nachdem Sie einen Vergleich Ihrer Autoversicherung vorgenommen haben und zu einem günstigen Tarif mit guten Leistungen gewechselt sind. Denn dann trifft Sie eine Beitragserhöhung nicht so hart.

Außerdem können Sie immer noch mit Kündigung drohen und versuchen, mit Ihrem Versicherer zu verhandeln. In manchen Fällen bekommen Sie dann den günstigeren Preis, der sonst nur für Neukunden gilt.

Und natürlich können Sie jährlich die Versicherung wechseln, solange Sie keinen Schaden verursacht haben. Denn dann verlieren Sie trotz Rabattschutz keine Schadenfreiheitsklassen bei einem Wechsel.

Was ist der Unterschied zu einem Rabattretter?

Ältere Kfz-Verträge enthalten noch einen sogenannten Rabattretter. Dieser springt automatisch ein, sobald Sie die Schadenfreiheitsklasse 25 oder höher erreichen. Bei einem Schaden werden Sie nur soweit zurückgestuft, dass sich der Beitrag nicht erhöht. Denn bei den höheren Schadenfreiheitsklassen ist der Rabatt in einigen Klassen immer gleich. In neuen Verträgen gibt es so gut wie keine Rabattretter mehr.

Falls Sie noch einen alten Vertrag haben, sollten Sie prüfen, ob ein Rabattretter enthalten ist. Wenn ja, vergleichen Sie den Tarif mit neuen Angeboten. Überlegen Sie dabei jedoch gut, ob die Beitragsersparnis es wert ist, den Rabattretter zu verlieren.

Ihr Weg zur günstigsten Autoversicherung

Die günstigste Autoversicherung finden Sie, wenn Sie mehrere Anbieter vergleichen. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Sie am besten mindestens zwei Vergleiche kombinieren. Denn nicht alle Versicherer sind auch auf allen Vergleichsportalen vertreten.

Sparen Sie mit einer Kombination von Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf entweder Check24 oder Verivox. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24. Schließen Sie den Vertrag beim günstigsten Anbieter. Wie Sie auf einem Vergleichsportal die passende Kfz-Versicherung finden, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

So haben wir gerechnet

Im Oktober 2014 berechneten wir Durchschnittswerte für den Rabattschutz. Von diesen Werten des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gingen wir aus:

  • Jährlich tritt bei 15,8 Prozent aller vollkaskoversicherten Autos ein Schaden auf.
  • Jährlich tritt bei 6,9 Prozent aller haftpflichtversicherten Autos ein Schaden auf.
  • 2013 kostete eine Haftpflichtversicherung durchschnittlich 237 Euro und eine Vollkasko durchschnittlich 292 Euro im Jahr (Gesamtprämie 529 Euro).

Unsere Berechnung, bis zu welcher Höhe es sich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, beruht auf:

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherungen, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der BaFin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der SF-Klassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV) sowie
  • folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1. Januar 1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko 150 Euro beziehungsweise nur Haftpflichtversicherung.
  • Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest, das eine Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur SF 35 berechnet.

Die durchschnittlichen Kosten für den Rabattschutz haben wir berechnet anhand von

  • zehn Musterprofilen, die wir auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox eingegeben haben, sowie
  • insgesamt 49 Tarifberechnungen.

Hohe oder niedrige SF-Klassen machen laut Rechentool von Finanztest zwischen SF 5 und SF 34 kaum einen Unterschied in der Rückstufung aus. Dies gilt für Haftpflicht und Vollkasko. Für SF unter 4 wird der Rabattschutz ohnehin meistens nicht angeboten, für SF 35 lohnt er sich kaum noch.

Autor
Silke Kursawe
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 06. September 2018


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