Rabattschutz und Rabattretter

Rabattretter rechnen sich selten

Kathrin Gotthold
Finanztip-Expertin für Versicherungen
04. Oktober 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Bezahlt Deine Autoversicherung einen Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden, verlierst Du Deinen Schadenfreiheitsrabatt – und Dein Beitrag wird deutlich höher.
  • Viele Versicherungen bieten zur Kfz-Versicherung eine Option Rabattschutz an, mit der Du pro Jahr mindestens einen Schaden frei hast.
  • Rabattschutz lassen sich Versicherer aber gut bezahlen. Überlege Dir, ob Du doch eher darauf setzt, langfristig unfallfrei zu fahren.
  • Du kannst diese oft teuer erkaufte Besserstellung außerdem nicht zu jedem neuen Versicherer mitnehmen. Das schränkt Dich sehr beim Vergleichen ein.
So gehst Du vor
  • Ein Rabattschutz kann sich zwar im Einzelfall rechnen. Besser für viele Autofahrer ist es jedoch, einzelne Schäden aus eigener Tasche zu begleichen. Wann und bis zu welcher Höhe, zeigen wir Dir in unserem Ratgeber Schaden selbst bezahlen.
  • Wir bei Finanztip raten Dir: Such Dir vor allem eine gute, günstige Versicherung. Damit sparst Du auch langfristig.
  • Finanztip-Empfehlung bei der Suche nach einer guten Autoversicherung: Am meisten kannst Du sparen, indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst. Berechne zunächst die günstigste Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Und lass Dir dann ein Angebot von der Huk24 machen.

Es hat gekracht. Und nun? Jeder gemeldete Schaden macht Deinen Beitrag teurer. Du verlierst über Jahre hinweg eingefahrene Scha­den­frei­heits­klas­sen und damit den Schadenfreiheitsrabatt. Manch einer setzt daher auf Rabattschutz in der Kfz-Versicherung. Doch diese Option rechnet sich häufig nicht.

Wie wirken sich Schäden auf den Beitrag aus?

Viele Autofahrer unterschätzen, wie teuer es ist, wenn die Versicherung einen Unfallschaden übernimmt. Die meisten wissen zwar, dass sie dadurch in der Scha­den­frei­heits­klas­se (SF) abrutschen, Schadenfreiheitsrabatt verlieren und so höhere Beiträge zahlen. Aber was Dir dabei bewusst sein sollte: Die Rückstufung wirkt sich über Jahre hinweg auf die Höhe Deines Beitrags aus.

Rabattschutz ist eine Art Zusatzversicherung in der Kfz-Haftpflicht und der Kfz-Vollkasko, mit dem Du in der Regel einen Schaden pro Jahr „frei“ hast. Du wirst also vom Versicherer trotz eines Unfalls nicht in eine schlechtere SF-Klasse gestuft. In der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung gibt es diese Möglichkeit nicht, da es dort auch keine Scha­den­frei­heits­klas­sen gibt.

Beispiel: Rückstufung nach einem Schaden

Scha­den­frei­heits­klas­se vor Schaden10
Beitragssatz vor Schaden33 %
Rückstufung nach Schaden in Klasse3
Beitragssatz nach Schaden46 %
Beitragserhöhung nach Schaden in Prozentpunkten13
Relative Beitragserhöhung nach Schaden39 %

Quelle: Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung der Huk24 (Stand: 26. Mai 2021)

Um einer schlechteren Einstufung in der Kfz-Versicherung zu entgehen, zahlen viele Fahrer kleinere Schäden selbst. Finanztip hat für Dich untersucht, wann es sich für Dich lohnt, selbst zu zahlen und wann Du die Versicherung regulieren lassen solltest.

Für Fahrer mit niedriger SF-Klasse rechnet es sich sowohl in Haftpflicht, als auch in Vollkasko häufig, die Versicherung einspringen zu lassen. Ebenso für Fahrer mit höherer SF-Klasse, beziehungsweise mit älteren Autos.

Für Fahrer im mittleren SF-Klassen-Bereich (etwa SF-Klasse 7 bis 39) haben wir in einer Untersuchung ausgemacht, dass es sich in der Haftpflicht rechnet, Schäden bis zum Drei- bis Vierfachen des Jahresversicherungsbeitrages zu zahlen. In der Vollkasko liegt diese Obergrenze bereits bei einem einfachen Beitrag. Mehr zu diesen Daumenregeln kannst Du in unserem Ratgeber zum Schaden selbst bezahlen nachlesen.

Zugrunde gelegt haben wir dafür die Rückstufungskosten, die bei einer Regulierung durch die Versicherung entstehen.

Normalerweise lohnt es sich, in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung einen Schaden bis 1.500 Euro selbst zu zahlen, in der Vollkaskoversicherung bis 1.300 Euro.

Was ist der Rabattschutz?

Wer mit Rabattschutz fährt, hat mindestens einen Schaden pro Jahr frei, ohne für diesen herabgestuft zu werden und eingefahrenen Schadenfreiheitsrabatt zu verlieren. In einigen Tarifen ist sogar mehr als ein gemeldeter Schaden pro Jahr erlaubt. Wenn Du in einem Jahr einen Unfall meldest, verlierst Du zwar Deinen Rabatt nicht, im kommenden Jahr steigst Du aber auch nicht in eine höhere Scha­den­frei­heits­klas­se auf.

In der Regel wird der Rabattschutz erst ab vier bis sechs unfallfreien Jahren (SF-Klassen 4 bis 6) und nur für Fahrer über 23 Jahren angeboten. Teilweise auch erst ab 24 Jahren.

Was kostet der Rabattschutz und wann lohnt er sich?

Der Rabattschutz kostet je nach Versicherung unterschiedlich viel: Manche Anbieter verlangen nur 15 Prozent mehr, andere erheben bis zu 30 Prozent Aufpreis. Ein Vergleich lohnt sich also. Finanztip empfiehlt Dir jedoch, eher die Finger von der Option Rabattschutz zu lassen – und stattdessen regelmäßig Deinen Versicherungstarif auf die Probe zu stellen und zu einem guten und günstigen Versicherer zu wechseln. Und in dieser Freiheit wirst Du durch einen Rabattschutz stark eingeschränkt.

In einer Stichprobe bei 16 Versicherungen haben alle Versicherer erklärt, die Option Rabattschutz anzubieten. Nur bei etwa der Hälfte aber besteht nach Angaben der Unternehmen die Möglichkeit, die „gerettete“ SF-Klasse eines Vorversicherers bei einem Wechsel mitzubringen.

Wir haben bei den größten, sowie bei Versicherern angefragt, die in unseren Tests günstige Angebote hatten. 16 haben geantwortet. Alle bieten selbst die Option Rabattschutz an – doch nur bei etwa der Hälfte kannst Du eine gerettete SF-Klasse von einem anderen Versicherer „mitbringen“.

  • AdmiralDirekt
  • Allianz
  • AXA
  • DEVK
  • Die Bayerische
  • Ergo
  • Friday
  • Janitos

Informiere Dich dazu am besten in unserem Ratgeber zur Kfz-Versicherung. Suche dann einen guten und günstigen Versicherungstarif. Klicke die Option „Rabattschutz“ an und vergleiche den Unterschied zum besten Preis ohne Rabattschutz.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

Zum Ratgeber 

Was passiert beim Wechsel der Versicherung?

Der Rabattschutz ist für die Versicherung auch ein Mittel, um Kunden zu binden. Denn der Rabattschutz lässt sich nicht immer zu einem anderen Versicherer mitnehmen.

Beim Wechsel fragt der neue Anbieter immer nach Schäden in den vergangenen Jahren und ruft diese auch bei der bisherigen Versicherung ab. Bei Vertragsschluss stuft die neue Versicherung den Schadenfreiheitsrabatt dann so ein, als hätte es den Rabattschutz nicht gegeben. Dadurch kann es teurer werden, den Anbieter zu wechseln.

Was ist der Unterschied zu einem Rabattretter?

Ältere Kfz-Verträge enthalten noch einen sogenannten Rabattretter. Dieser springt automatisch ein, sobald Du die Scha­den­frei­heits­klas­se 25 oder höher erreichst. Bei einem Schaden wirst Du nur so weit zurückgestuft, dass sich der Beitrag nicht erhöht. Denn bei den höheren Scha­den­frei­heits­klas­sen ist der Rabatt in einigen Klassen immer gleich. In neuen Verträgen gibt es so gut wie keine Rabattretter mehr.

Falls Du noch einen alten Vertrag hast, solltest Du prüfen, ob ein Rabattretter enthalten ist. Wenn ja, vergleiche den Tarif mit neuen Angeboten. Überlege dabei jedoch gut, ob die Beitragsersparnis es wert ist, den Rabattretter zu verlieren.

Dein Weg zur günstigsten Autoversicherung

Die günstigste Autoversicherung findest Du, wenn Du mehrere Anbieter vergleichst. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Du am besten mindestens zwei Vergleiche kombinierst. Denn nicht alle Versicherer sind auch auf allen Vergleichsportalen vertreten.

Hattest Du einen Schaden im laufenden Jahr, empfehlen wir Dir, die Kombination Check24 und Huk24 zu wählen.

Während Verivox im Normalfall der – minimal – günstigere Weg ist, empfehlen wir Dir jedoch Check24, wenn Du einen Pkw-Schaden hattest und danach die Autoversicherung wechselst.

Bei der Abfrage auf den Vergleichsportalen musst Du Deine Scha­den­frei­heits­klas­se (SF-Klasse) angeben. Hattest Du im aktuellen Jahr einen Schaden, den Dein Versicherer reguliert hat, ist das gar nicht so einfach – denn Versicherer stufen unterschiedlich zurück. Jede Versicherung hat ihre eigenen Rückstufungstabellen, nach denen sie vorgeht.

Bei Check24 reicht es, dass Du Deine aktuelle SF-Klasse angibst. Das Umrechnen auf die neue Stufe und somit das richtige Vergleichen übernimmt der Rechner für Dich. Du musst also nicht wissen, wohin Du von einem künftigen Versicherer gestuft wirst – das Portal greift selbst auf die jeweiligen Stufungstabellen der Versicherungen zu.

Im Vergleichsrechner bei Check24 ist zudem hinterlegt, in welche SF-Klasse Dich ein neuer Versicherer nach einem – und nach Angaben des Portals auch mehreren – Schäden einstufen wird. Wenn Du also ein Auto mit Schaden im laufenden Jahr im Check24-Kfz-Versicherungsvergleich eingibst, dann wird dort im Hintergrund für jeden Versicherer und Tarif die exakte Rückstufung berechnet. Du erhältst dann den darauf basierenden, richtigen Preis.

Sobald Du bei Check24 angibst, dass Du im laufenden Jahr einen Schaden hattest, fragt Check24 Dich auf der Berechnungsstrecke (vor der Ergebnisseite) nach der SF-Klasse des aktuellen Jahres und nicht, wie sonst, für das nächste Jahr. Die SF-Klasse des aktuellen Jahres bildet dann die Basis für die korrekte, versicherungsindividuelle SF-Klassen-Rückstufung.

Anders bei Verivox: Dort musst Du als Kunde Deine künftige SF-Klasse angeben – also selbst schätzen oder wissen. Im direkten Vergleich kann Dir dann jedoch das günstigste Angebot entgehen – oder sogar ein Angebot zu günstig angezeigt werden.

Verivox warnt deshalb Kunden, die Angaben zu Vorschäden machen, dass gemeldete Schäden im laufenden Versicherungsjahr zu einer Rückstufung beim neuen Versicherer und damit zu höheren Beiträgen führen können. Eine technische Umsetzung, um die künftige Rückstufung bei der Tarifberechnung direkt zu berücksichtigen, bietet das Portal nicht.

Spare mit einer Kombination von Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechne zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung entweder auf Check24 oder auf Verivox. Berechne dann ein Angebot bei der Huk24. Schließe den Vertrag beim günstigsten Anbieter. Wie Du auf einem Vergleichsportal die passende Kfz-Versicherung findest, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

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