Rabattschutz und Rabattretter

Damit haben Sie einen Schaden am Auto frei

Das Wichtigste in Kürze

  • Bezahlt die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden, stuft sie den Versicherten im nächsten Jahr meist um etliche Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen) zurück. Der Beitrag ist dann in den Folgejahren deutlich höher.
  • Haben Sie eine Kfz-Versicherung mit Rabattschutz, schützen Sie sich vor einer schlechteren Einstufung. Wenn Sie diese Option wählen, haben Sie pro Jahr mindestens einen Schaden frei. Allerdings lässt sich der Versicherer den Rabattschutz gut bezahlen.
  • Der Schutz eignet sich tendenziell für Sie, wenn Sie kleinere Unfälle nicht ausschließen können und erst eine kleine SF-Klasse erreicht haben. Außerdem sollten Sie bereits bei einem günstigen Versicherer sein.

So gehen Sie vor

  • Überlegen Sie, ob Sie dauerhaft einen höheren Beitrag für den Rabattschutz zahlen wollen oder doch eher darauf setzen, langfristig unfallfrei zu fahren.
  • Bedenken Sie außerdem, dass Sie den Vorteil des Rabattschutzes verlieren, wenn Sie die Kfz-Versicherung wechseln.
  • Sparen Sie mit dem doppelten Vergleich: Machen Sie ihre Angaben bei einem günstigen Anbieter, und überprüfen Sie das Ergebnis bei einem zweiten. Wir empfehlen Check24, Verivox und die Huk24.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Kfz-Versicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Schon ein kleiner Kratzer im Lack kann ganz schön ins Geld gehen. Nicht jeder Autofahrer mag das selbst bezahlen und wendet sich lieber an seine Versicherung. Wem das häufiger passiert, der riskiert allerdings seinen günstigen Tarif – denn jeder gemeldete Schaden macht den Beitrag teurer. Manchem hilft dann der Rabattschutz in der Kfz-Versicherung.

Wie wirken sich Schäden auf den Beitrag aus?

Viele Autofahrer unterschätzen, wie teuer es ist, wenn die Versicherung einen Unfallschaden übernimmt. Die meisten wissen zwar, dass sie dadurch in der Schadenfreiheitsklasse (SF) abrutschen und höhere Beiträge zahlen. Aber was vielen nicht bewusst ist: Diese Rückstufung wirkt sich über Jahre auf die Höhe des Beitrags aus.

Beispiel: Rückstufung nach Schaden

Schadenfreiheitsklasse vor Schaden Beitragssatz vor Schaden Rückstufung nach Schaden in Klasse Beitragssatz nach Schaden Beitragserhöhung nach Schaden in Prozentpunkten Relative Beitragserhöhung nach Schaden
10 36% 4 48% 12 33%

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: September 2016)

Um einer schlechteren Einstufung in der Kfz-Versicherung zu entgehen, zahlen viele Fahrer kleinere Schadensbeträge selbst. Nach Finanztip-Berechnungen lohnt es sich in der Haftpflichtversicherung normalerweise, einen Schaden bis 1.500 Euro selbst zu zahlen, in der Vollkaskoversicherung bis 1.300 Euro.

Was ist der Rabattschutz?

Nicht jeder hat das Geld, um Unfallschäden dieser Größenordnung aus der Portokasse zu begleichen. In diesem Fall bietet der sogenannte Rabattschutz eine sinnvolle Alternative: Dabei handelt es sich um eine Zusatzoption, die Sie bei vielen Versicherern zusätzlich zur Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung abschließen können. In der Teilkaskoversicherung gibt es diese Möglichkeit nicht, da es dort auch keine Schadenfreiheitsklassen gibt.

Wer mit Rabattschutz fährt, hat mindestens einen Schaden pro Jahr frei, ohne für diesen herabgestuft zu werden und seinen guten Schadenfreiheitsrabatt zu verlieren. In einigen Tarifen ist sogar mehr als ein gemeldeter Schaden pro Jahr erlaubt. Wenn Sie in einem Jahr einen Unfall melden, verlieren Sie zwar Ihren Rabatt nicht, im kommenden Jahr steigen Sie aber auch nicht in eine höhere Schadenfreiheitsklasse auf.

In der Regel wird der Rabattschutz erst ab vier unfallfreien Jahren (SF-Klasse 4) und nur für Fahrer über 23 Jahren angeboten.

Was kostet der Rabattschutz und wann lohnt er sich?

Der Rabattschutz wird pauschal auf die Versicherungsprämie aufgeschlagen. In einem Vergleich stellte Finanztip 2014 fest, dass das die Police deutlich verteuert: im Mittel um 17,7 Prozent. Einzelheiten dazu lesen Sie am Ende des Textes.

Vor allem, wenn Sie öfter mal eine Schramme oder Beule an Ihrem oder einem anderen Fahrzeug verursachen, sind Sie ein Kandidat für den Rabattschutz. Für Fahrer, die bereits die höchste SF-Klasse 35 erreicht haben, lohnt sich die Option in der Regel nicht. Denn dann kostet der Beitrag auch nach einem Schaden nicht viel mehr.

Falls Sie ein günstiges Auto fahren oder ein eher vorsichtiger Fahrer sind, lohnt sich ein Rabattschutz nur, wenn dieser sehr günstig zu haben ist.

Der Rabattschutz kostet je nach Versicherung unterschiedlich viel: Manche Anbieter verlangen nur 15 Prozent mehr, andere erheben bis zu 30 Prozent Aufpreis. Ein Vergleich lohnt sich also.

Gehen Sie auf eines der von uns empfohlenen Vergleichsportale. Suchen Sie dort mithilfe unseres Ratgebers einen guten und günstigen Versicherungstarif. Klicken Sie die Option „Rabattschutz“ an und vergleichen Sie den Unterschied zum besten Preis ohne Rabattschutz.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Mindestens zwei Internetportale nutzen

  • Vollkasko kann billiger als Teilkasko sein.
  • Versichern Sie grobe Fahrlässigkeit und Mallorca-Police.
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Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter:

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Was passiert beim Wechsel der Versicherung?

Der Rabattschutz ist für die Versicherung vor allem ein Mittel, um Kunden zu binden. Denn der Rabattschutz lässt sich nicht zu einem anderen Versicherer mitnehmen.

Beim Wechsel fragt der neue Anbieter immer nach Schäden in den vergangenen Jahren und ruft diese auch bei der bisherigen Versicherung ab. Bei Vertragsschluss stuft die neue Versicherung den Schadenfreiheitsrabatt dann so ein, als hätte es den Rabattschutz nicht gegeben. Dadurch kann es teurer werden, den Anbieter zu wechseln.

Was Sie dagegen tun können

Sie sollten einen Rabattschutz erst abschließen, nachdem Sie einen Vergleich Ihrer Autoversicherung vorgenommen haben und zu einem günstigen Tarif mit guten Leistungen gewechselt sind. Denn dann trifft Sie eine Beitragserhöhung nicht so hart.

Außerdem können Sie immer noch mit Kündigung drohen und versuchen, mit Ihrem Versicherer zu verhandeln. In manchen Fällen bekommen Sie dann den günstigeren Preis, der sonst nur für Neukunden gilt.

Und natürlich können Sie jährlich die Versicherung wechseln, solange Sie keinen Schaden verursacht haben. Denn dann verlieren Sie trotz Rabattschutz keine Schadenfreiheitsklassen bei einem Wechsel.

Was ist der Unterschied zu einem Rabattretter?

Ältere Kfz-Verträge enthalten noch einen sogenannten Rabattretter. Dieser springt automatisch ein, sobald Sie die Schadenfreiheitsklasse 25 oder höher erreichen. Bei einem Schaden werden Sie nur soweit zurückgestuft, dass sich der Beitrag nicht erhöht. Denn bei den höheren Schadenfreiheitsklassen ist der Rabatt in einigen Klassen immer gleich. In neuen Verträgen gibt es so gut wie keine Rabattretter mehr.

Falls Sie noch einen alten Vertrag haben, sollten Sie prüfen, ob ein Rabattretter enthalten ist. Wenn ja, vergleichen Sie den Tarif mit neuen Angeboten. Überlegen Sie dabei jedoch gut, ob die Beitragsersparnis es wert ist, den Rabattretter zu verlieren.

Ihr Weg zur günstigsten Autoversicherung

Um die günstigste Autoversicherung zu finden, sollten Sie sich nicht auf einen Anbieter allein verlassen. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Sie am besten mehrere Vergleiche kombinieren. Denn Vergleichsportale listen nicht alle Versicherungen. Und günstige Direktversicherer ziehen sich zunehmend von den Portalen zurück.

Vergleichen Sie am besten auf zweien der empfohlenen Portale: Verivox, Check24 oder autoversicherung.de. Zusätzlich können Sie auch bei der Hannoverschen Direkt oder bei der Huk24 Preise abfragen. Damit erhalten Sie in allen Fällen ein sehr gutes Ergebnis und können auch direkt eine Police abschließen. Wie Sie die Vergleichsportale richtig einstellen, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

Check24
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 61 Versicherer im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt auf Portal
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • ganz oben angezeigtes Ergebnis ist teure „Maklerempfehlung“

Verivox
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 52 Versicherer im Angebot
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • bietet nur Tarife mit erhöhter Deckungssumme an
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • oberster angezeigter Tarif ist Werbung

Huk24
Kfz-Versicherung

  • günstige Tarife
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • nicht mehr auf den empfohlenen Vergleichsportalen vertreten
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
  • keine Support-Hotline

So haben wir gerechnet

Im Oktober 2014 berechneten wir Durchschnittswerte für den Rabattschutz. Von diesen Werten des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gingen wir aus:

  • Jährlich tritt bei 15,8 Prozent aller vollkaskoversicherten Autos ein Schaden auf.
  • Jährlich tritt bei 6,9 Prozent aller haftpflichtversicherten Autos ein Schaden auf.
  • 2013 kostete eine Haftpflichtversicherung durchschnittlich 237 Euro und eine Vollkasko durchschnittlich 292 Euro im Jahr (Gesamtprämie 529 Euro).

Unsere Berechnung, bis zu welcher Höhe es sich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, beruht auf:

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherungen, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der BaFin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der SF-Klassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV) sowie
  • folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1. Januar 1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko 150 Euro beziehungsweise nur Haftpflichtversicherung.
  • Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest, das eine Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur SF 35 berechnet.

Die durchschnittlichen Kosten für den Rabattschutz haben wir berechnet anhand von

  • zehn Musterprofilen, die wir auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox eingegeben haben, sowie
  • insgesamt 49 Tarifberechnungen.

Hohe oder niedrige SF-Klassen machen laut Rechentool von Finanztest zwischen SF 5 und SF 34 kaum einen Unterschied in der Rückstufung aus. Dies gilt für Haftpflicht und Vollkasko. Für SF unter 4 wird der Rabattschutz ohnehin meistens nicht angeboten, für SF 35 lohnt er sich kaum noch.

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Artikel verfasst von

Silke Kursawe

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Silke Kursawe ist bei Finanztip Expertin für Versicherungen. Sie ist Versicherungsbetriebswirtin und hat einen Master im Versicherungsrecht. Silke verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Branche und im Bereich der Sach- und Haftpflichtversicherungen. Außerdem absolvierte sie erfolgreich ein Studium der Wirtschaftspädagogik in Göttingen.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.