Schadensersatzanspruch nach VW-Skandal

Diese Rechte haben Sie, wenn Sie einen Diesel gekauft haben

Das Wichtigste in Kürze

  • VW-Fahrer mit einem Dieselmotor vom Typ EA 189 haben verschiedene Ansprüche gegen den Auto-Verkäufer sowie Ansprüche gegen den Hersteller Volkswagen.
  • Käufer konnten vom Verkäufer Nachbesserung verlangen und das Fahrzeug zurückgeben. Das haben bereits mehrere Gerichte so entschieden.
  • Einige kaufrechtliche Ansprüche sind bereits verjährt. Es gibt aber Sonderfälle, in denen Betroffene auch heute noch gegen den Verkäufer vorgehen können.
  • Gegen den Hersteller haben betroffenen Diesel-Fahrer Anspruch auf Schadensersatz aus dem sogenannten Deliktsrecht. Das haben ebenfalls verschiedene Gerichte so bestätigt.
  • Diese Schadensersatzansprüche verjähren am 31. Dezember 2018.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie Ihre Rechte im Abgasskandal geltend machen wollen, brauchen Sie rechtliche Unterstützung. Kümmern Sie sich bis spätestens zum 30. Juni 2018 darum, weil ansonsten die Zeit zu knapp wird.
  • Sie können sich an die Kooperation von Anwälten vw-verhandlung.de wenden oder an den Rechtsdienstleister Myright.
  • Die Anwälte von vw-verhandlung.de klären alles mit Ihrer Rechtsschutzversicherung, arbeiten aber auch mit einem Prozessfinanzierer zusammen. Dieser behält 29 Prozent des Geldes ein, falls die Klage erfolgreich ist.
  • Myright bietet eine Art Sammelklage an; im Erfolgsfall zahlen Sie eine Provision in Höhe von 35 Prozent.
  • Haben Sie Ihr Fahrzeug finanziert, können Sie eventuell den Widerrufsjoker nutzen und den Kaufvertrag rückabwickeln. Mehr dazu im Ratgeber Widerruf des Autokredits.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Rechtsthemen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Haben auch Sie einen VW-Diesel mit Betrugs-Software? Der Volkswagen-Konzern hat Dieselfahrzeuge mit einer Abgas-Software manipuliert, damit sie die gesetzlichen Abgasnormen erfüllen. Weltweit und über alle Konzern-Marken hinweg sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die mit einem Dieselmotor vom Typ EA 189 ausgestattet sind. Darunter sind fünf Millionen VWs. Betroffen sind außerdem Fahrzeuge der Marken Skoda, Seat und Audi.

VW will nur Kunden in den USA entschädigen

Betroffene VW-Kunden in Amerika haben klare Rechte, ohne dass sie klagen müssten: Sie können entweder ihren Wagen zurückgeben oder ihn umrüsten lassen. Zudem erhalten die geschädigten Verbraucher eine Einmalzahlung von bis zu 10.000 Dollar. Darauf haben sich der Autobauer, US-Behörden und Kläger in einem gerichtlichen Vergleich geeinigt. Dieser soll VW rund 15 Milliarden US-Dollar kosten.

Die Einigung mit den US-Behörden und den Klägern könnte eine Vorlage für VW-Kunden in Deutschland sein. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, ist der Ansicht, die Einigung in den USA „wäre ein gutes Angebot und eine kulante Lösung, die dem VW-Image guttun würde“.

Der VW-Vorstand lehnt es aber bislang ab, deutsche Kunden ähnlich zu entschädigen, da die Rechtslage anders sei. Betroffene müssen daher notfalls klagen. Wer dabei helfen kann, lesen Sie weiter unten in diesem Artikel.

Was bietet VW Kunden in Deutschland bislang an?

Volkswagen spielt bei betroffenen Fahrzeugen ein Software-Update ein, das die Betrugs-Software entfernt und die Abgasreinigung verbessern soll. Die Reparaturen haben Anfang Februar 2016 mit den 2-Liter-Motoren im Fahrzeugmodell Amarok 2.0 TDI begonnen. Im August 2016 hat Volkswagen mit dem Rückruf der Fahrzeuge mit den 1,2-Liter-Motoren angefangen. Bis März 2018 hat VW nach Angaben der Bundesregierung rund 2,5 Millionen Autos umgerüstet. Die Arbeiten ziehen sich noch hin.

Nach Messungen des ADAC senkt das Software-Update tatsächlich den Ausstoß giftiger Stickoxide deutlich. Beim Fahrverhalten konnten die Tester keine Nachteile feststellen. Allerdings steigen CO2-Ausstoß und Verbrauch um etwa 2,5 bis 5 Prozent. „Das Update kann empfohlen werden“, lautet das Fazit des Autoklubs.

Es gibt keine Pflicht der betroffenen Autobesitzer, den Rückruf anzunehmen und das Software-Update aufspielen zu lassen. Möglicherweise könnte dann aber die Zulassung entzogen oder die Tüv-Plakette verwehrt werden.

Da VW keine Garantie dafür übernimmt, dass der Motor nach der Umrüstung auf Dauer einwandfrei läuft, empfiehlt etwa der Rechtsdienstleister Myright, das Fahrzeug nicht umrüsten zu lassen. Die sogenannte vertrauensbildende Maßnahme, die Volkswagen anbietet, ist keine Garantie. Wer bereits in der Werkstatt war, hat dadurch seine Rechte aber nicht verloren. Das haben bereits mehrere Gerichte so entschieden (OLG Köln, Beschluss vom 27. März 2018, Az. 13 U 134/17).

Welche Rechte haben betroffene VW-Besitzer?

Da der VW-Konzern seinen betroffenen Kunden in Deutschland bislang nur die zweifelhafte Umrüstung anbietet, sollten Sie wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten Sie haben. Als VW-Käufer können Sie sowohl gegen die Verkäufer als auch direkt gegen den Hersteller vorgehen. Wer Ihnen dabei helfen kann, lesen Sie weiter unten.

Für Betroffene hat sich die Situation übrigens verschärft, seitdem das Bundesverwaltungsgericht den Weg für Diesel-Fahrverbote freigemacht hat (BVerwG, Urteile vom 27. Februar 2018, Az. 7 C 26.16, 7 C 30.17). Sie dürfen mit ihrem Diesel womöglich bald nur noch in wenige Innenstädte fahren und besitzen dadurch ein nutzlos gewordenes Fahrzeug, dessen Wiederverkaufswert sinkt. Weitere Informationen in unserem Blog-Beitrag Häufige Fragen: Diesel-Abgasskandal, Umweltprämie und Fahrverbote.

Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller

Wenn Sie vom Diesel-Skandal betroffen sind, stehen sogenannte deliktische Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller im Raum (§§ 823, 826 BGB). Die Voraussetzungen dafür sind streng, und Sie müssen den Schaden nachweisen. Ein Schaden liegt sicher vor, wenn das Fahrzeug seine Betriebszulassung oder seine Umweltplakette verliert.

Sollte nach der Nachbesserung der Spritverbrauch steigen oder die Fahrleistung sinken, wären das auch Schäden. Sie können den Kaufpreis auch als Schaden geltend machen – denn bei Kenntnis der Manipulation hätten Sie den Vertrag wohl nie geschlossen. Das Gericht wird Ihnen für die Zeit, die Sie das Auto fahren konnten, wahrscheinlich eine sogenannte Nutzungsentschädigung in Rechnung stellen.

Achtung: Ansprüche gegen den Hersteller verjähren am 31. Dezember 2018. Werden Sie daher frühzeitig aktiv und suchen Sie sich unbedingt bis spätestens Mitte des Jahres rechtlichen Beistand. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der entsprechende Anwalt nicht mehr ausreichend Zeit hat, Ihre Ansprüche zu prüfen und Klage einzureichen.

Verschiedene Ansprüche gegen den Verkäufer

Sie können auch gegen den Verkäufer aus dem Kaufvertrag vorgehen, da der Ihnen ein mangelhaftes Fahrzeug verkauft hat. Dabei haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

Recht auf Nachbesserung - Halter von Fahrzeugen mit dem betroffenen Dieselmotor vom Typ EA 189 haben gegen den Verkäufer – also in der Regel ein VW-Autohaus – einen Anspruch auf Nachbesserung, da das Fahrzeug mangelhaft ist.

Recht auf Rücktritt vom Kaufvertrag - Wenn Sie den Verkäufer schriftlich zur Nachbesserung aufgefordert und lange darauf gewartet haben, bis VW die manipulierte Abgassoftware austauscht, können Sie vom Kaufvertrag zurücktreten (§§ 434 Abs. 1 Satz 1, 437, 440, 323 BGB). Das bedeutet vereinfacht: Sie geben das Auto zurück, und der Händler zahlt Ihnen den Kaufpreis zurück.

VW kann sich nicht damit herausreden, dass der Mangel unerheblich war, da das Aufspielen der Software nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Unerheblich ist der Mangel schon deshalb nicht, da vorab eine Behörde, das Kraftfahrt-Bundesamt, die Umrüstung prüfen und genehmigen musste (LG München I, Urteil vom 14. April 2016, Az. 23 O 23033/15).

Wichtig: Käufer mussten schriftlich eine Frist zur Nachbesserung setzen – auch wenn das auf den ersten Blick etwas sonderbar erscheint, da der Händler selbst gar nicht nachbessern kann.

Minderung des Kaufpreises wegen Sachmangel - Gelingt die Nachbesserung nicht, können Sie den Kaufpreis mindern und bekommen deshalb Geld zurück (§ 441 BGB). Ergibt sich nach dem Umbau, dass der Wagen einen anderen Mangel aufweist, dürfen Sie den Preis deshalb mindern. Das könnte der Fall sein, wenn sich die Leistung des Motors verschlechtert oder das Fahrzeug infolge der Nachrüstung mehr Kraftstoff verbraucht. Die Höhe der Wertminderung ist schwer zu bestimmen, das Gericht kann sie allerdings schätzen.

Rückgabe des Autos wegen arglistiger Täuschung - VW-Käufer können den Vertrag eventuell auch anfechten mit dem Ziel, ihr Fahrzeug zurückzugeben und dafür den Kaufpreis erstattet zu bekommen. Sofern Volkswagen oder der Händler bewusst unrichtige Angaben gemacht haben über die tatsächlichen Abgaswerte, stehen die Chancen gut.

Verjährung der Gewährleistungsrechte - Alle Gewährleistungsrechte aus dem Kaufvertrag verjähren grundsätzlich nach zwei Jahren (§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB). Bei einem Gebrauchtwagen verjähren sie in der Regel schon nach einem Jahr.

Wenn Sie von Ihrem Verkäufer keine Gewährleistung bis zum 31. Dezember 2017 verlangt haben, können Sie gegen ihn in der Regel nicht mehr tätig werden. Es gibt allerdings Ausnahmen, wenn der Händler ein VW-Vertragshändler war. Zusätzlich bleiben Ihnen wie allen Betroffenen noch die Rechte gegen den Hersteller. Diese verjähren erst am 31. Dezember 2018. Suchen Sie sich unbedingt frühzeitig Hilfe, damit ein Anwalt ausreichend Zeit hat, Ihre Ansprüche zu prüfen und vor Ablauf der Verjährung gegebenenfalls Klage einreichen kann.

Immer mehr Gerichte urteilen zugunsten der Verbraucher

Viele Gerichte haben mittlerweile zugunsten der Käufer entschieden. Die Anwaltskooperation vw-verhandlung.de hat bereits weit über 200 verbraucherfreundliche Urteile gegen VW, Audi & Co. gezählt  – mit ganz unterschiedlichen Argumentationen (Stand: April 2018).

Anfechtung

Ein VW-Händler musste den Wagen zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten abzüglich Nutzungsersatz, da der Halter bereits knapp 30.000 Kilometer mit dem Auto gefahren war. Er hatte den Kaufvertrag wegen Täuschung wirksam angefochten (LG München I, Urteil vom 14. April 2016, Az. 23 O 23033/15).

Rücktritt

Das Landgericht Krefeld hat in zwei Verfahren entschieden, dass die Händler jeweils die Autos zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten mussten (Urteile vom 14. September 2016, Az. 2 O 72/16, 2 O 83/16).

Auch die Landgerichte Oldenburg, Lüneburg, Braunschweig, Hagen, München II und Heilbronn urteilten zugunsten der Verbraucher, die vom Kaufvertrag zurücktreten konnten und den Kaufpreis zurückbekamen (LG Oldenburg, Urteil vom 1. September 2016, Az. 16 O 790/16; LG Lüneburg, Urteil vom 2. Juni 2016, Az. 4 O 3/16; LG Braunschweig, Urteil vom 12. Oktober 2016, Az. 4 O 202/16; LG Hagen, Urteil vom 18. Oktober 2016, Az. 3 O 66/16; LG München II, Urteil vom 15. November 2016, Az. 12 O 1482/16; LG Heilbronn, Urteil vom 15. August 2017, Az. 9 O 111/16).

Das Oberlandesgericht Köln hat in einem Hinweisbeschluss festgestellt, dass ein manipuliertes Auto einen Sachmangel hat, der zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigt (20. Dezember 2017, Az. 18 U 112/17).

Die Anwaltskanzleien Rogert & Ulbrich sowie BMS Rechtsanwälte berichten, dass die Volkswagen AG in mittlerweile drei Verfahren keine Berufung eingelegt oder sie zurückgenommen habe. Diese Urteile sind rechtskräftig (LG Braunschweig, Urteil vom 2. Dezember 2016, Az. 6 O 735/16; LG Bayreuth, Urteil vom 12. Mai 2017, Az. 23 O 348/16; LG Wuppertal, Urteil vom 26. April 2017, Az. 3 O 156/16). In all diesen Verfahren muss Volkswagen den Kaufpreis erstatten und den Wagen zurücknehmen. Die Käufer mussten sich hingegen anrechnen lassen, dass sie das Auto bis zur Rückgabe genutzt haben. Eine Wende im Umgang mit Klagen kann man das noch nicht nennen, aber es lässt hoffen, dass Betroffene zumindest schneller zu ihrem Recht kommen.

Nacherfüllung

In einem anderen Fall konnte ein VW-Tiguan-Käufer sein Fahrzeug zurückgeben und hat stattdessen einen neuen, mangelfreien Tiguan aus der aktuellen Serie bekommen. Das Gericht hat nicht angerechnet, dass der Verbraucher mit dem Wagen drei Jahre gefahren ist (LG Offenburg, Urteil vom 21. März 2017, Az. 3 O 77/16).

Auch das Landgericht Hamburg hat mittlerweile in zwei Verfahren entschieden, dass die Kläger Anspruch auf Nachlieferung eines mangelfreien Sharan bzw. Tiguan II haben – jeweils aus der neuen Serie. Im Gegenzug können sie die abgasmanipulierten Autos zurückgeben, ohne dass sie Nutzungsersatz zahlen müssten (Urteil vom 20. April 2018, Az. 313 O 31/17; 7. März 2018, Az. 329 O 105/17). Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Schadensersatz gegen den Hersteller

Gegen den Hersteller, die Volkswagen AG, urteilte beispielsweise das Landgericht Hildesheim (17. Januar 2017, Az. 3 O 139/16). Die Manipulation der Motorsteuerung habe dem Kunden in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Art und Weise einen Schaden zugefügt. Deshalb muss der Konzern den Kaufpreis erstatten. Die Richter sprachen sehr deutlich von verwerflicher, vorsätzlicher „Verbrauchertäuschung“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Auch das Landgericht Berlin hat Volkswagen dazu verurteilt, für einen VW Sharan Schadensersatz in Höhe von über 30.000 Euro zu zahlen, weil der Hersteller dem Kunden vorsätzlich in sittenwidriger Weise einen Schaden zugefügt hat (Urteil vom 19. April 2018, Az. 13 O 108/17). Im Gegenzug kann der Käufer den Wagen zurückgeben. Das Urteil ist ebenfalls noch nicht rechtskräftig.

Rechtskräftig hingegen ist ein Urteil des Landgerichts Gießen. Die Volkswagen AG muss den Kaufpreis für ein Fahrzeug der Marke Skoda zurückzahlen. Das Gericht erkannte in dem Handeln eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung (Urteil vom 6. März 2018, Az. 2 O 448/17).

So setzen Sie Ihre Rechte durch

Sie sollten sich zuerst überlegen: Wollen Sie Ihren VW-Diesel behalten? Dann können Sie für eine Entschädigung kämpfen, da der Wiederverkaufswert betroffener Wagen wahrscheinlich sinkt – spätestens dann, wenn die ersten Städte Einfahrtsverbote für Diesel-Pkw verhängen.

Die Richter am Bundesverwaltungsgericht haben den Weg für Fahrverbote freigemacht (Urteile vom 27. Februar 2018, Az. 7 C 26.16, 7 C 30.17). Europäisches Recht und Bundesrecht verpflichten dazu, durch geeignete Maßnahmen den Zeitraum einer Überschreitung der seit 1. Januar 2010 geltenden Grenzwerte für Stickstoffmonoxid so kurz wie möglich zu halten – und Diesel-Fahrverbote können solche Maßnahmen sein, so die Richter.

Oder wollen Sie das Auto zurückgeben und den Kaufpreis erstattet bekommen? Dafür stehen die Chancen gut – sogar für Besitzer anderer Autos, die nicht direkt vom Abgasskandal betroffen sind. Wir sehen vier Möglichkeiten.

1. Rechtsschutzversicherte können einen Anwalt beauftragen und klagen
Viele Gerichte haben mittlerweile zugunsten der betroffenen VW-Diesel-Käufer entschieden. Zahlreiche VW-Händler und auch VW selbst mussten Autos mit Manipulationssoftware zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich einen spezialisierten Anwalt nehmen, um VW und seinen VW-Händler ohne Kostenrisiko zu verklagen. Die Chancen stehen gut.

2. Portal vw-verhandlung.de beauftragen oder „Sammelklage“ von Myright anschließen
Ohne Rechtsschutzversicherung laufen Sie Gefahr, Geld zu verpulvern, falls Sie den Prozess verlieren oder einen Vergleich abschließen. Denn Sie müssen dann mit Gerichts- und Anwaltskosten rechnen.

Eine gute Lösung sind die beiden Anbieter Myright und vw-verhandlung.de. Beide versprechen, den Rechtsstreit für Sie komplett durchzufechten, sodass Sie den Kaufpreis zurückbekommen oder Schadensersatz erhalten. Die Klage ist zunächst kostenlos. Bei Erfolg behalten die beiden Anbieter einen Anteil der erstrittenen Summe; sie verfolgen allerdings unterschiedliche Strategien.

Wir haben uns Myright und vw-verhandlung.de genauer angesehen und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überprüft. Ferner haben uns beide einen umfangreichen Fragebogen beantwortet zum jeweiligen Geschäftsmodell, zu den Kosten für Verbraucher und zu weiteren Aspekten. Wir können beide Anbieter empfehlen. Details zu Myright und vw-verhandlung.de finden Sie am Ende dieses Textes.

vw-verhandlung.de
Anwaltskooperation arbeitet mit Prozessfinanzierer zusammen

  • Kooperation von Gansel Rechtsanwälte und Baum Reiter & Collegen
  • geht gegen VW, Händler und Banken vor (Widerrufsjoker)
  • kümmert sich um Deckungszusagen bei Rechtsschutzversicherung
  • kein Kostenrisiko wegen Zusammenarbeit mit Prozessfinanzierer
  • Mandate werden bis zum 30. Juni 2018 angenommen
  • Kosten im Erfolgsfall von 29 %, nicht mehr als 2.900 €

Myright
Rechtsdienstleister mit „Sammelklage“ gegen VW

  • Bündelung von Klagen in einer Art Sammelklage
  • kein Kostenrisiko
  • Anmeldung zur 2. Sammelklage bis zum 30. Juni 2018 möglich
  • geht nicht gegen Händler vor (kein Kaufrecht)
  • Kosten im Erfolgsfall von 35 %

3. Autokredit widerrufen
Eine weitere Möglichkeit, den unliebsamen VW-Diesel loszuwerden, haben jene Volkswagen-Fahrer, die ihr Auto über die hauseigenen Banken des VW-Konzerns mit einem Autokredit finanziert haben. Spezialisierte Anwälte halten die Widerrufsbelehrungen in den Kreditverträgen für fehlerhaft. Das eröffnet der Stiftung Warentest zufolge eine lukrative Chance für finanzierte Fahrzeuge. Diese Einschätzung bezieht sich auf Kreditverträge ab dem 11. Juni 2010.

Bestätigt sich diese Auffassung, könnten betroffene Kunden ihre Finanzierungen bei der VW-Bank und ihren Zweigstellen für Audi, Seat und Skoda widerrufen und ihr Auto zurückgeben. Bei Verträgen ab dem 13. Juni 2014 dürfte der Konzern dann noch nicht einmal einen Geldbetrag für die Nutzung des Autos einbehalten. Rechtskräftige Urteile zu den VW-Kreditverträgen gibt es noch nicht.

Weitere Informationen sowie Empfehlungen für spezialisierte Rechtsanwälte haben wir in unserem Ratgeber Autokredit widerrufen zusammengestellt.

Mehr dazu im Ratgeber Widerruf von Autokrediten

Britta Schön
von Finanztip,
Expertin für Recht

Kredit widerrufen - Diesel zurückgeben

  • Mit dem Widerrufsjoker elegant den Diesel loswerden
  • Autokredite sind oft fehlerhaft und noch heute widerrufbar
  • Chance, keinen Nutzungsersatz zahlen zu müssen

Von uns empfohlene Anwälte:

4. Falsche Angaben zu CO2-Werten reklamieren
Ebenfalls noch nicht gelöst ist ein anderes Problem: Anfang November 2015 hatte Volkswagen zugegeben, Autos auch mit falschen Verbrauchsangaben bei der Typzulassung angemeldet zu haben. Dabei geht es nicht um die Manipulationssoftware für Dieselmotoren, sondern um einen neuen Tatbestand: Die Motorenabteilung hatte Verbrauchswerte und damit den Ausstoß an Kohlendioxid (CO₂) zu niedrig angegeben.

Das könnte zur Folge haben, dass die Kfz-Steuer zu niedrig angesetzt wurde. Diese Steuer richtet sich bei Erstzulassung des Autos ab 1. Juli 2009 auch nach dem CO₂-Ausstoß. VW hat zugesichert, Mehrkosten bei den Steuern zu übernehmen. Betroffen von diesem zweiten Skandal sind maximal 36.000 Autos.

Mehr CO₂ bedeutet auch mehr Sprit. Beim Spritverbrauch sind die Kunden es schon länger gewohnt, dass Autos in der Praxis nicht die guten Werte erreichen, mit denen die Hersteller werben. Das ist aber eher ein Problem des wirklichkeitsfremden Testzyklus, den die Behörden vorgeben. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass einzelne Neuwagen einer Serie sogar im Testzyklus schlechter abschneiden als im Werbeprospekt angegeben.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat nach Bekanntwerden des VW-Skandals die CO₂-Werte zahlreicher Autotypen überprüft. Die Berliner Tageszeitung „Taz“ hat Ende April 2017 Ergebnisse der Nachmessungen veröffentlicht, nachdem dem Blatt die KBA-Daten zugespielt wurden. Auch Finanztip liegt die Liste inzwischen vor.

Diese Ergebnisse besagen, dass zahlreiche Fahrzeuge auch auf dem Rollenprüfstand mehr als 10 Prozent zu viel CO₂ ausstoßen, darunter Modelle von VW, Audi, Mercedes, Opel, Renault, Volvo, Fiat und Peugeot. Da der Spritverbrauch direkt mit dem CO₂-Ausstoß zusammenhängt, schlucken die Wagen also deutlich mehr Diesel als im Prospekt angegeben – wohlgemerkt unter Laborbedingungen. Kunden können solche Fahrzeuge reklamieren.

Warum empfiehlt Finanztip vw-verhandlung.de und Myright?

Die beiden Anbieter vw-verhandlung und Myright sind bislang die beiden einzigen, die VW-Kunden auch ohne Rechtsschutzversicherung für überschaubare Kosten helfen, ihre Rechte durchzusetzen. Wir haben sie uns genauer angesehen und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überprüft. In einem umfangreichen Fragebogen haben die Anbieter uns unter anderem Auskunft gegeben zu ihren Geschäftsmodellen und zu den Kosten. Wir können beide empfehlen.

Wer hinter vw-verhandlung steht

Die beiden Anwaltskanzleien Gansel Rechtsanwälte (Berlin) und Baum Reiter & Collegen (Düsseldorf) bündeln ihre Kompetenz unter dem Dach von vw-verhandlung.de. Sie kooperieren mit einem Prozessfinanzierer, der sämtliche Anwalts- und gegebenenfalls auch Gerichtskosten für Betroffene übernimmt. International arbeiten die Kanzleien mit der Stiftung Stichting Volkswagen Car Claim zusammen, einer gemeinnützigen Stiftung, die ihren Sitz in den Niederlanden hat.

Das Ziel der Juristen ist, Volkswagen an den Verhandlungstisch zu bringen und eine Lösung für alle Betroffenen auszuhandeln – ähnlich der Lösung in den Vereinigten Staaten. Da Volkswagen bisher alle Verhandlungslösungen für europäische Verbraucher ablehnt, hat sich der Anbieter entschlossen, in Deutschland gerichtlich gegen den Konzern vorzugehen.

Die beiden Kanzleien betreuen derzeit etwa 12.000 Mandanten. Sie reichen Einzelklagen bei verschiedenen Gerichten ein. Bei den Klagen nutzen sie die gesamte Palette des Rechts und machen alle Ansprüche geltend, die in Betracht kommen: kaufrechtliche Ansprüche gegen die Verkäufer, Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller sowie Ansprüche gegen Banken wegen fehlerhafter Widerrufsinformation.

Alle Betroffenen mit Fahrzeugen des VW-Konzerns haben zwei Optionen:
1. Auto zurückgeben gegen Erstattung des Kaufpreises oder gegen ein Neufahrzeug oder
2. Auto behalten und Schadensersatz bis zu einer Höhe von 10.000 Euro fordern.

Je nachdem, für welche Variante sich die Mandanten entscheiden, versuchen die Anwälte diese durchzusetzen und zwar ohne Kostenrisiko. Im Erfolgsfall erhält der Prozessfinanzierer 29 Prozent, allerdings nicht mehr als 2.900 Euro. Wir halten das Angebot für gut und fair.

Wer hinter Myright steckt

Das Unternehmen Financialright GmbH ist ein Rechtsdienstleister und bietet unter der Marke Myright betroffenen Kunden des VW-Konzerns die Möglichkeit, sich einer Art Sammelklage anzuschließen. Dazu können VW-Geschädigte auch ohne Rechtsschutzversicherung ihre Schadensersatzansprüche an den Rechtsdienstleister abtreten. Myright fordert dann für die Kunden als Schadensersatz die Rückzahlung des jeweiligen Kaufpreises und ist der Ansicht, dass VW keine Nutzungsentschädigung abziehen darf.

Myright geht anders als vw-verhandlung.de ausdrücklich nicht gegen die Händler vor, sondern nur gegen den VW-Konzern. Kaufrechtliche Ansprüche auf Rückabwicklung oder Minderung macht Myright nicht geltend.

Der Rechtsdienstleister arbeitet mit der international tätigen Anwaltskanzlei Hausfeld zusammen. Derzeit führt der Anbieter drei einzelne Musterklagen in Berlin, Braunschweig und München. Das Landgericht Braunschweig hat eine dieser Klagen als unbegründet abgewiesen (Urteil vom 31. August 2017, Az. 3 O 21/17).  Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Myright-Anwälte haben Berufung beim Oberlandesgericht Braunschweig eingelegt.

Die erste „Sammelklage“ von mehr als 15.000 Betroffenen haben die Rechtsanwälte am 6. November 2017 beim Landgericht Braunschweig eingereicht. Gerichte in Deutschland tun sich mit solchen Klagen bislang eher schwer, so dass wir mit einem länger dauernden Verfahren rechnen.

Im Erfolgsfall verlangt Myright 35 Prozent Provision von der erstrittenen Summe (Zahlung durch VW abzüglich des Werts nach der DAT-Schwacke-Liste). Wir halten das für eine bequeme und gute Alternative für VW-Betroffene ohne Rechtsschutzversicherung.

Myright startet eine zweite Sammelklage, für die Sie sich bis zum 30. Juni 2018 anmelden können.

Die wesentlichen Unterschiede der beiden Anbieter und deren Gemeinsamkeiten haben wir kurz zusammengefasst:

Gute Anbieter für Verbraucher auch ohne Rechtsschutzversicherung

Myright vw-verhandlung.de
Wer? Inkassodienstleister Financialright GmbH + Kanzlei Hausfeld Kanzlei Gansel + Baum Reiter & Collegen + Prozessfinanzierer
Ziel? Verhandlungslösung für alle Verhandlungslösung für alle
Weg? „Sammelklage“ Einzelklagen bei verschiedenen Gerichten
Inhalt? geht nur gegen den Hersteller vor, kein Kaufrecht geht gegen Händler und Hersteller vor, Kaufrecht, auch Widerruf bei finanzierten Verträgen
Kosten? 35 % bei Erfolg 29 % bei Erfolg, höchstens 2.900 €
Anmeldefrist? Anmeldungen für eine zweite Sammelklage sind bis zum 30. Juni 2018 möglich. Kanzlei nimmt Mandate bis zum 30. Juni 2018 an.

Quelle: Finanztip-Recherche, ausgefüllte Fragebögen der Anbieter (Stand: 26. April 2018)

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.

Daniel Pöhler

Finanztip-Experte für Mobilität & Digitales

Daniel Pöhler arbeitet hauptsächlich am Finanztip-Newsletter. Seine Schwerpunkte sind Mobilität und digitale Themen. Wie die Telekommunikations-Branche tickt, hat er durch seine Arbeit bei der Fachzeitung Telecom Handel gelernt. Daniel ist Diplom-Kaufmann und lernte das journalistische Handwerk unter anderem an der Akademie der Bayerischen Presse.