Wohnungsbauprämie

So erhalten Bausparer Geld vom Staat

Dirk Eilinghoff Stand: 01. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit der Wohnungsbauprämie will der Staat den Bau neuer Wohnungen fördern. Meistens fließt das Geld in einen Bausparvertrag.
  • Die Förderung ist allerdings überschaubar: Sie erhalten als Single höchstens 45 Euro, als Ehepaar höchstens 90 Euro pro Jahr.
  • Außerdem gelten Einkommensgrenzen: Die Wohnungsbauprämie erhält nur, wer als Alleinstehender weniger als 25.600 Euro oder als Ehepaar weniger als 51.200 Euro im Jahr zu versteuern hat.
  • Das Mindestalter für die Förderung ist 16 Jahre.
So gehen Sie vor
  • Füllen Sie jährlich den Antrag auf Wohnungsbauprämie aus, wenn Sie bereits einen Bausparvertrag haben und die Voraussetzungen erfüllen.
  • Achten Sie bei einem Neuabschluss darauf, dass die Bausparsumme nicht zu hoch ist. Geht es Ihnen nur um die Förderung, reichen 10.000 Euro bei Alleinstehenden und 20.000 Euro bei Paaren.
  • Außerdem sollten Sie später eine Immobilie kaufen, bauen oder umbauen wollen.
  • Sprechen Sie bei größeren Finanzierungen grundsätzlich nicht nur mit einer Bausparkasse, sondern auch mit einer Bank oder einem Kreditvermittler. Finanztip empfiehlt Interhyp, Dr. Klein und Planethome.

Den Traum vom eigenen Haus haben viele Bundesbürger. Wer dafür einen Bausparvertrag abschließt, hat in vielen Fällen ein Recht auf die Wohnungsbauprämie. Mit der Prämie fördert der Staat seit 1952 Wohnungsbauer und solche, die es werden wollen. Um die Prämie zu erhalten, ist nicht viel Aufwand nötig.

Wer bekommt die Wohnungsbauprämie?

Die Voraussetzungen für die Förderung sind im Wohnungsbau-Prämiengesetz festgelegt. Die Prämie kann grundsätzlich erhalten, wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig und mindestens 16 Jahre alt ist.

Wer die Voraussetzungen erfüllt, muss dann mit festgelegten Sparverträgen für den Wohnungsbau sparen und dabei die Einkommensgrenzen einhalten.

Vor allem Bausparverträge werden gefördert

Um den Wohnungsbau zu fördern, unterstützt der Staat unterschiedliche Sparverträge. Am wichtigsten sind die Beiträge für Bausparverträge. Dabei darf es sich allerdings nicht um Geld handeln, das Ihnen Ihr Chef als vermögenswirksame Leistungen überwiesen hat und für das Sie bereits eine weitere staatliche Förderung, die Arbeitnehmersparzulage, erhalten. Nur wer an die Bausparkasse wenigstens 50 Euro pro Jahr überweist, hat einen Anspruch auf die Förderung vom Staat.

Die Wohnungsbauprämie gibt es aber nicht nur für Bausparverträge. Auch wenn Sie Anteile an Bau- und Wohnungsgenossenschaften kaufen oder sich an Wohnungs- und Siedlungsunternehmen beteiligen, werden diese Aufwendungen gefördert. Dabei müssen Sparer einen Mindestbetrag einzahlen.

Diese Einkommensgrenzen gelten

Das zu versteuernde Einkommen eines Singles darf im Jahr nicht höher liegen als 25.600 Euro. Für ein Ehepaar sind 51.200 Euro die Grenze. Wer mehr verdient, hat keinen Anspruch auf die Förderung.

Das zu versteuernde Einkommen ist etwas anderes als Ihr Bruttoeinkommen: Vereinfacht spricht man vom zu versteuernden Einkommen, wenn von Ihren Einnahmen bei der Steuerberechnung noch Werbungskosten abgezogen werden beziehungsweise Betriebs- und Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen, Kinder- sowie sonstige Freibeträge. Eine wichtige Rolle spielt auch, ob Sie als Arbeiter oder Angestellter in die Rentenversicherung einzahlen oder (etwa als Beamter) später eine Pension erhalten.

Wenn Sie keine anderen Einkünfte haben, aber zum Beispiel mehrere Kinder, erhalten Sie die Prämie auch dann, wenn Ihr Bruttoeinkommen deutlich höher ist, als es die Höchstgrenzen zunächst vermuten lassen.

Ein Beispiel: Ein Angestellten-Paar mit zwei kleinen Kindern blieb, sofern es keine weiteren Einkünfte hatte, im Jahr 2017 selbst mit einem Jahresbrutto von knapp 80.000 Euro meist noch unterhalb der Grenze von 51.200 Euro (als zu versteuerndem Einkommen).

Da sich meist das Einkommen und die Sozialbeiträge von Jahr zu Jahr etwas verändern, gibt es nur einen Weg, um sicher festzustellen, ob Sie in einem bestimmten Jahr noch prämienberechtigt waren: Schauen Sie in Ihren Steuerbescheid für das Antragsjahr. Dort finden Sie auf Seite 2 die Berechnung ihres zu versteuernden Einkommens.

Wie hoch ist die Wohnungsbauprämie?

Der Staat bezuschusst die jährlichen Einzahlungen mit 8,8 Prozent, allerdings nicht in unbegrenzter Höhe. Die Grenze, bis zu der die 8,8 Prozent gewährt werden, liegt für einen Alleinstehenden bei 512 Euro und bei 1.024 Euro für Ehepaare. Singles bekommen demnach eine Höchstprämie von 45,06 Euro im Jahr, Ehepartner 90,11 Euro. Damit Sie die Prämie erhalten, muss der Vertrag sieben Jahre laufen. Danach wird die Wohnungsbauprämie dem Vertrag gutgeschrieben.

 LedigeVerheiratete
Einkommensgrenze25.600 €51.200 €
jährlich max. geförderte Sparleistung512 €1.024 €
Höhe der Prämie8,8 %8,8 %
höchste Prämie45,06 €90,11 €

 Quelle: Wohnungsbau-Prämiengesetz (Stand: 1. April 2019)

Wie wird die Wohnungsbauprämie ausgezahlt?

Die Wohnungsbauprämie wird nicht direkt ausgezahlt. Vielmehr ermittelt die Bausparkasse anhand Ihres Antrags, ob Sie Anspruch auf die Prämie haben. Spätestens auf dem folgenden Kontoauszug informiert Sie die Bausparkasse dann darüber, ob die Prämie für das beantragte Jahr vorgemerkt wurde. Ausgezahlt werden alle vorgemerkten Prämien erst, wenn Sie den Bausparvertrag „wohnwirtschaftlich“ verwenden.

Sie müssen das Ersparte „wohnwirtschaftlich“ verwenden

Der Staat verlangt, dass Sie mit der Wohnungsbauprämie geförderte Sparverträge wohnwirtschaftlich nutzen. Sie müssen also ein Haus oder eine Wohnung kaufen, bauen, modernisieren oder umbauen. Auch der Erwerb von Wohnrechten ist mit der Prämie erlaubt.

Für Bausparer unter 25 Jahren gelten günstigere Regeln

Jugendliche und junge Erwachsene, die bei Vertragsschluss jünger als 25 Jahre sind, sind nicht an die engen Vorgaben bei der Verwendung gebunden: Nach sieben Jahren können sie frei über das Guthaben und die Wohnungsbauprämie verfügen. Auch der Kauf von Möbeln oder ein neues Auto sind dann drin, ohne dass die Bausparkasse die Wohnungsbauprämie streicht. Allerdings gilt diese Ausnahme nur für einen Vertrag; für einen zweiten Bausparvertrag müssen auch junge Bausparer wieder auf eine wohnwirtschaftliche Verwendung achten.

Aufgrund dieser Sonderregel ist ein Bausparvertrag für Jugendliche durchaus empfehlenswert.

Für Altverträge von vor 2009 gelten andere Regeln

Kunden mit Altverträgen aus der Zeit vor 2009 können nach Ablauf der sieben Jahre grundsätzlich frei über das Geld verfügen und müssen es nicht für ihre Wohnung oder ihr Haus verwenden.

Bei diesen alten Verträgen war eine vorzeitige Kündigung möglich, ohne den Prämienanspruch zu verlieren. Dazu musste eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Kunde verwendet die Beiträge sofort für den Wohnungsbau (wohnwirtschaftliche Verwendung).
  • Der Bausparer oder sein Partner ist verstorben.
  • Der Bausparer oder sein Partner ist arbeitsunfähig geworden.
  • Der Bausparer oder sein Partner ist arbeitslos geworden und die Arbeitslosigkeit dauert länger als zwölf Monate an.
  • Der Vertrag wird auf einen Angehörigen übertragen, der ihn fortsetzt.

Was gehört in den Antrag auf Wohnungsbauprämie?

Bausparkassen schicken den Antrag zur Wohnungsbauprämie in der Regel automatisch an ihre Kunden. Inzwischen können Sie die Wohnungsbauprämie bei vielen Bausparkassen auch online beantragen. Dazu haben Sie insgesamt zwei Jahre Zeit: Die Prämie für die Beiträge des Jahres 2018 können Sie also etwa noch bis Ende 2020 beantragen.

Für den Antrag benötigen Sie Angaben aus Ihrem Bausparvertrag (etwa die Vertrags- oder Bauspar-Nummer), Ihre Steueridentifikations-Nummer und Ihren Steuerbescheid für das Antragsjahr.

Den Antrag müssen Sie entweder handschriftlich oder digital unterzeichnen. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie mit Ihrem Bruttoeinkommen die Prämie noch erhalten, sollten Sie den Antrag sicherheitshalber stellen. Liegen Sie über der Einkommensgrenze, merkt die Bausparkasse die Wohnungsbauprämie einfach nicht vor.

Warum kann die Wohnungsbauprämie am Ende teuer werden?

Wer erst einmal einen Bausparvertrag abgeschlossen hat, um die Wohnungsbauprämie zu beantragen, geht häufig als Erstes zu seiner Bausparkasse, wenn es Jahre später um die Baufinanzierung geht. Das kann unter Umständen teuer werden, denn die Angebote der Bausparkassen sind nicht unbedingt immer die günstigsten.

Im schlechtesten Fall haben Sie einige Jahre lang 45 Euro oder 90 Euro als Prämie kassiert und zahlen dann bei der Finanzierung Hunderte oder Tausende Euro zu viel, weil Sie beim Baukredit nur an die Bausparkasse denken. Sprechen Sie bei größeren Finanzierungen grundsätzlich nicht nur mit einer Bausparkasse, sondern auch mit einer Bank oder einem Kreditvermittler. Finanztip empfiehlt die folgenden Vermittler.

Dr. Klein
Allfinanzvermittler, spezialisiert auf Baufinanzierung
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  • spezialisiert auf Baufinanzierung
  • kostenlose und unverbindliche Beratung
  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
  • mehr als 400 Finanzierungspartner, darunter Sparkassen und Volksbanken
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  • arbeitet ausschließlich mit angestellten Beratern
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Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 01. April 2019


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