Doppelte Haushaltsführung

So sparen Sie Steuern mit der Zweitwohnung

Udo Reuß Stand: 24. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort führt, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen.
  • Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs ist dabei jetzt noch mehr möglich als bisher: Bis zu 1.000 Euro im Monat können Sie für die Unterkunft absetzen. Außerdem können Sie Aufwendungen für notwendige Einrichtungsgegenstände und Hausrat in voller Höhe absetzen (BFH, Urteil vom 4. April 2019, Az. VI R 18/17).
  • Gut zu wissen: Fahrtkosten für wöchentliche Heimfahrten und Umzugskosten sind ebenfalls absetzbar. Außerdem zählen in den ersten drei Monaten Mehraufwendungen für die Verpflegung ebenfalls als Werbungskosten.
So gehen Sie vor
  • Überprüfen Sie mit unserer Checkliste, welche Voraussetzungen Sie für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen müssen. Und machen Sie Ihre Kosten dann mit Hilfe unserer Anleitung in Ihrer Steuererklärung geltend.

    Zur Checkliste
  • Sie müssen weiterhin einen eigenen Haushalt an Ihrem ersten Wohnort haben und mindestens 10 Prozent der laufenden Wohnungskosten zahlen. Sammeln Sie Argumente, dass dort Ihr Lebensmittelpunkt ist.
  • Falls Sie vom Hauptwohnsitz täglich innerhalb von einer Stunde zum Arbeitsplatz pendeln könnten, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt Ihre Zweitwohnung als doppelte Haushaltsführung ablehnt.
  • Viele Kosten müssen Sie belegen können. Das gilt insbesondere für die Unterkunftskosten.
  • Eine doppelte Haushaltsführung machen Sie als Arbeitnehmer in der Anlage N Ihrer Steuererklärung geltend. 

In Hamburg wohnen und in Berlin arbeiten: Arbeitnehmer müssen heutzutage flexibel und mobil sein. Der Fiskus belohnt das: Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort unterhält, kann seine Aufwendungen als Werbungskosten (beziehungsweise als Betriebsausgaben bei Selbstständigen) von der Steuer absetzen. Doppelte Haushaltsführung heißt das im Fachjargon.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine doppelte Haushaltsführung?

Für eine doppelte Haushaltsführung müssen Sie diese vier Punkte erfüllen, wobei die Prinzipien gleichermaßen für Arbeitnehmer und Selbstständige gelten:

  1. Die zweite Wohnung benötigen Sie aus beruflichen Gründen
  2. Als Arbeitnehmer nutzen Sie diese Zweitwohnung am Ort der „ersten Tätigkeitsstätte“, dem Beschäftigungsort. Auf jeden Fall sollten Sie von dieser Wohnung aus den Arbeitsplatz schneller erreichen können als von der Hauptwohnung. 
    Beispiel: Sie fahren täglich 40 Kilometer von Ihrem Zweitwohnsitz ins Büro. Ihr Hauptwohnsitz ist jedoch 120 Kilometer und damit mehr als doppelt so weit vom Arbeitsplatz entfernt. Ihre Erstwohnung ist zu weit weg, um von dort täglich zur Arbeit zu fahren.
  3. Außerhalb des Beschäftigungsorts am Hauptwohnsitz unterhalten Sie Ihren eigenen Hausstand. Sie zahlen hierfür mehr als 10 Prozent der laufenden Kosten.
  4. Ihr Hauptwohnsitz bildet zugleich Ihren Lebensmittelpunkt.

Nur wenn Sie alle vier Voraussetzungen erfüllen, erkennt das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung an. Dies kann Ihnen eine stattliche Steuererstattung bringen. Denn Sie können in der Steuererklärung folgende Aufwendungen geltend machen:

  • nachweisbare Kosten der Zweitwohnung bis 1.000 Euro monatlich (Unterkunftskosten),
  • notwendige Kosten für Einrichtungsgegenstände und Hausrat,
  • Fahrtkosten,
  • innerhalb der ersten drei Monate Zusatzkosten für die Verpflegung (Verpflegungsmehraufwendungen) und
  • Umzugskosten.

Sie beantragen die doppelte Haushaltsführung, indem Sie in Ihrer Steuererklärung die dritte Seite der Anlage N ausfüllen.

Ihre Mehraufwendungen können Sie als Werbungskosten abziehen, soweit Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht steuerfrei erstattet hat. Eine anerkannte doppelte Haushaltsführung gilt unbefristet, das heißt über den gesamten Zeitraum der Beschäftigung (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 des Einkommensteuergesetzes).

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat Details und Beispiele in einem Schreiben vom 24. Oktober 2014 zusammengestellt (IV C 5 - S 2353/14/10002). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das BMF-Schreiben vom 23. Dezember 2014 (IV C 6 - S 2145/10/10005) zu den Entfernungspauschalen. Schließlich sind auch Fahrtkosten absetzbar.

Welche beruflichen Gründe zählen?

Eine doppelte Haushaltsführung muss beruflich veranlasst sein. Als Gründe zählen vor allem:

  • ein Wechsel des Beschäftigungsorts, weil Sie versetzt wurden,
  • ein Wechsel des Arbeitsplatzes,
  • die Aufnahme eines Beschäftigungs- oder Dienstverhältnisses außerhalb Ihres bisherigen Wohnorts und dessen Umgebung.

Immer geht es darum, dass Sie von der Zweitwohnung aus die Tätigkeitsstätte schneller erreichen.

Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Eine doppelte Haushaltsführung ist ebenfalls beruflich begründet, wenn Sie Ihre Hauptwohnung aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegen – und anschließend am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt gründen, um von dort aus weiter Ihrem bisherigen Job nachzugehen (sogenannte Wegverlegungsfälle). Das gilt zum Beispiel, wenn Ehegatten am gemeinsamen Erstwohnsitz zusammenziehen. Dort haben sie ihren Lebensmittelpunkt.  

Freibetrag eintragen lassen

Weil eine doppelte Haushaltsführung in der Regel mit dauerhaften Zusatzkosten verbunden ist, können Sie die Vorteile des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens für sich nutzen, indem Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Dann müssen Sie aber auf jeden Fall eine Steuererklärung abgeben.

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Worauf kommt es beim eigenen Hausstand an?

Damit der Fiskus eine doppelte Haushaltsführung berücksichtigt, müssen Sie an Ihrem Beschäftigungsort eine Zweitwohnung haben und einen eigenen Haushalt (der Gesetzgeber spricht von „Hausstand“) an einem anderen Ort führen, der Ihren Lebensmittelpunkt darstellt.

Ein eigener Haushalt setzt eine Ihren Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus. Diese Wohnung muss Ihnen gehören, von Ihnen gemietet sein oder Sie dürfen sie als Partner oder Ehegatte nutzen. Außerdem bestimmen Sie die Haushaltsführung selbst oder tragen wesentlich dazu bei.

Finanzielle Beteiligung nötig  

Seit 2014 ist für einen eigenen Hausstand eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Kosten der Haushaltsführung vorgeschrieben. Diese muss nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums (BMF) die Bagatellgrenze von 10 Prozent der monatlich anfallenden Kosten überschreiten. Dazu zählen: Miete, Mietnebenkosten, Aufwendungen für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Während das BMF bei Ehegatten mit den Steuerklassen III, IV oder V immer eine finanzielle Beteiligung annimmt, ist sie in anderen Fällen nachzuweisen. Kritisch hinterfragt werden in der Praxis die Fälle, bei denen volljährige Kinder ein Zimmer im Elternhaus als Erstwohnsitz angeben.

Achtung: Zimmer bei Eltern genügt nicht

Wenn Sie unentgeltlich ein Zimmer in der elterlichen Wohnung nutzen, gilt das nicht als eigener Hausstand. Sie müssen belegen können, dass Sie sich an den laufenden Kosten mit mehr als 10 Prozent beteiligen. Auch wenn Sie sich in einem Wohnmobil aufhalten, haben Sie keinen eigenen Haushalt.

Dagegen kann ein eigener Hausstand vorliegen, wenn Sie im Haus Ihrer Eltern eine abgeschlossene Wohnung allein nutzen und über 10 Prozent der monatlich anfallenden Kosten der Haushaltsführung tragen. Als Zahlungsnachweise dienen Ihre Kontoauszüge.

Tägliches Pendeln muss unzumutbar sein  

Wenn die Hauptwohnung nicht allzu weit vom Arbeitsplatz entfernt ist und Sie diesen von dort aus in zumutbarer Weise täglich erreichen könnten, ist es mitunter schwierig, die Kosten für eine Zweitwohnung abzusetzen. 

So lehnte der Bundesfinanzhof (BFH) eine doppelte Haushaltsführung eines Steuerpflichtigen ab, der eine Zwei-Zimmer-Wohnung sechs Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt mietete (BFH, Urteil vom 16. November 2017, Az. VI  R  31/16).

Nach Meinung der Richter hätte er von der 36 Kilometer entfernt liegenden Familienwohnung den Arbeitsplatz täglich in zumutbarer Weise erreichen können. Dieser lag zwar in einer Großstadt, war jedoch sowohl per Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in gut einer Stunde erreichbar. Deshalb sei in diesem Fall die Hauptwohnung ebenfalls „am Beschäftigungsort“. Für eine doppelte Haushaltsführung müssen jedoch der Ort des eigenen Hausstands und der Beschäftigungsort auseinanderfallen. Den Begriff „Beschäftigungsort“ legen Gerichte und Finanzämter weit aus.

Dieses Beispiel zeigt: Ob tatsächlich eine doppelte Haushaltsführung vorliegt, hängt immer vom Einzelfall ab.  

Beachten Sie auch: Die Entfernung zur Tätigkeitsstätte ist ein wesentliches, aber nicht das einzige wichtige Merkmal. Entscheidend ist vielmehr, ob ein tägliches Pendeln von der Hauptwohnung in der individuellen Situation zumutbar ist. Dabei kommt es insbesondere auf die konkreten Verkehrsverbindungen und Fahrzeiten an.

Wie bestimmt sich der Erstwohnsitz?

Der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen muss sich auf Dauer am Erstwohnsitz befinden. Bei Verheirateten gilt in der Regel die Familienwohnung als Lebensmittelpunkt, wenn der Arbeitnehmer sie mindestens sechsmal im Jahr aufsucht.

Bei Singles gilt als Lebensmittelpunkt der Ort, zu dem sie die engere persönliche Bindung haben. Wer seine Wohnung an diesem Ort weniger als zweimal im Monat besucht, sollte beispielsweise mit den Beziehungen zu Eltern, zum Lebenspartner, zur Verwandtschaft und zu Freunden argumentieren können oder auch mit der Mitgliedschaft in einem Verein.

Für das Finanzamt ist nicht entscheidend, wo Sie mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet sind. Sobald Sie Ihren Lebensmittelpunkt an den Beschäftigungsort verlegen, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung aberkennt. 

Sonderfall Ausland: Wenn sich Ihr eigener Hausstand im Ausland befindet und deshalb weit von Ihrer Zweitwohnung entfernt ist, sollten Sie mindestens einmal im Jahr mindestens eine Heimfahrt antreten. Sie müssen das Finanzamt davon überzeugen, dass sich Ihr Lebensmittelpunkt dort befindet. Nachvollziehbar ist das, wenn der Ehepartner und Kinder dort wohnen. Anders als im Inland ist Voraussetzung für den Lebensmittelpunkt im Ausland außerdem, dass dort hauswirtschaftliches Leben herrscht, die Wohnung also dauerhaft bewohnt ist.

Welche Kosten der Zweitwohnung können Sie absetzen?

Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führen, können Sie in Ihrer Steuererklärung verschiedene Kostenarten angeben. Dabei ist insbesondere zwischen Kosten für die Unterkunft an sich sowie für Anschaffungen rund um die Wohnung zu unterscheiden.

Unterkunftskosten absetzen

Bei den Unterkunftskosten handelt es sich um Ausgaben, die typischerweise monatlich oder in anderen Raten regelmäßig angefallen sind. 

Abrechnen können Sie die Kosten für eine Miet- oder Eigentumswohnung, ein möbliertes Zimmer, ein Hotelzimmer oder auch eine Gemeinschaftsunterkunft. Der auf 1.000 Euro begrenzte monatliche Höchstbetrag für die Unterkunft umfasst folgende Aufwendungen:

  1. Miete,
  2. Nebenkosten (zum Beispiel für Heizung, Strom, Müllabfuhr und Wasser),
  3. Reinigungskosten (auch für das Treppenhaus und Kellerräume),
  4. Kosten für Sondernutzungen (beispielsweise für Garten oder Autostellplatz),
  5. Rundfunkbeitrag,
  6. Zweitwohnungssteuer und Grundsteuer
  7. Hausrat- und Gebäudeversicherungen sowie
  8. speziell für Eigentümer statt der Miete die Positionen Abschreibung der Anschaffungskosten und höherer Renovierungskosten, sofort abzugsfähige Erhaltungsaufwendungen und Schuldzinsen für den Wohnungskauf.

Geben Sie in der Steuererklärung alle Kosten Ihrer Unterkunft an, die Ihnen tatsächlich entstanden sind. Es werden nachweisbare Kosten bis zu 1.000 Euro im Monat berücksichtigt – also bis zu 12.000 Euro im Jahr. 

Soweit Sie den monatlichen Höchstbetrag nicht ausschöpfen, kann das übriggebliebene Volumen in andere Monate im selben Kalenderjahr übertragen werden, solange die doppelte Haushaltsführung auch weiterhin besteht.

Auf die Größe der Wohnung oder die ortsübliche Vergleichsmiete kommt es bei Wohnungen in Deutschland nicht an. Bei einer doppelten Haushaltsführung im Ausland sind die Kosten jedoch auf eine Wohnung mit maximal 60 Quadratmetern begrenzt.

Haben Sie am Beschäftigungsort in einem Hotel oder einer Pension übernachtet, ziehen Sie vom Rechnungsbetrag das Frühstück ab.

Kosten für Einrichtung der Zweitwohnung 

Zusätzlich zu den nur begrenzt abzugsfähigen Unterkunftskosten dürfen Sie die Aufwendungen für die „notwendige“ Einrichtung abziehen. Die nachweisbaren Kosten für die Wohnungseinrichtung sind als sonstige Mehraufwendungen unbegrenzt abziehbar, entschied der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 4. April 2019, Az. VI R 18/17).

Die Finanzämter haben bislang die Kosten für Hausrat und Einrichtungsgegenstände zu den Unterkunftskosten gerechnet. Dazu hatte sie das Bundesfinanzministerium per Schreiben vom 24. Oktober 2014 verpflichtet. Das steht jedoch im Widerspruch zum aktuellen BFH-Urteil (Az. VI R 18/17). 

Als notwendige Einrichtungsgegenstände können zum Beispiel gelten: Küche, Kühlschrank, Waschmaschine, Bett, Nachttisch, Schrank, Tisch, Stühle, Badezimmereinrichtung, Gardinen, Lampen, Geschirr und andere Haushaltsartikel. Geben Sie Ihre kompletten Einrichtungskosten in der Steuererklärung an.

Lehnt das Finanzamt dies ab, legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch ein. Verweisen Sie dabei auf das BFH-Urteil. Finanzbeamte müssen dieses Urteil erst dann in der Praxis berücksichtigen, wenn es im Bundessteuerblatt veröffentlicht wurde. Das ist bislang nicht erfolgt.  

Wenn Ihr Steuerbescheid noch offen ist, dann wenden Sie sich ans Finanzamt und beantragen, dass bislang nicht anerkannte Einrichtungskosten als Werbungskosten berücksichtigt werden. Bei einem bestandskräftigen Steuerbescheid sollten Sie bei einer weiterhin bestehenden doppelten Haushaltsführung prüfen, ob Sie ab der nächsten Steuererklärung vom Urteil profitieren können. So könnten Sie möglicherweise für einen früheren Möbelkauf noch Abschreibungsbeträge geltend machen. 

Als Mieter einer (teil-)möblierten Wohnung zahlen Sie eine höhere Miete dafür, dass Sie mit der Wohnung auch die Möbel nutzen dürfen. Wenn der Mietvertrag einen Möblierungsaufschlag beziffert, dann können Sie diesen als sonstige Mehraufwendungen absetzen. Falls nicht, ist dieser Anteil für die Möbelnutzung von der gezahlten Miete zu schätzen.

Möbel sofort abschreiben: Die Kosten der Möblierung und die nötige Ausstattung mit sonstigem Hausrat für die Zweitwohnung können Sie unbegrenzt geltend machen, soweit sich diese in angemessenem Rahmen bewegen. Wenn die Anschaffungskosten für den einzelnen Gegenstand nicht die Nettogrenze von 800 Euro überschreiten (Bruttorechnungsbetrag 952 Euro), sind sie sofort und in voller Höhe abziehbar. Diese Werte gelten für sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Bei einer Anschaffung bis Ende 2017 lag die Nettogrenze noch bei 410 Euro und die Bruttogrenze bei 487,90 Euro.

Liegt der Kaufpreis für den einzelnen Einrichtungsgegenstand über der GWG-Grenze, müssen Sie die Kosten über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilen und abschreiben (Absetzung für Abnutzung AfA). Für Möbel werden 13 Jahre angesetzt. Nachdem die Aufwendungen belegbar sein müssen, sollten Sie die Quittungen aufbewahren.

Fahrtkosten absetzen

Zu den abziehbaren Mehraufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung gehören auch Fahrtkosten. Und zwar sowohl Fahrtkosten die Sie haben, weil Sie die Wohnung wechseln – also zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung –, als auch für wöchentliche Heimfahrten zum Haupthaushalt (Familienheimfahrten).

Für die erste und letzte Fahrt dürfen Sie die tatsächlichen Kosten abrechnen oder pro gefahrenen Kilometer 30 Cent.

Für Familienheimfahrten gilt hingegen die Entfernungspauschale: Pro Entfernungskilometer werden 0,30 Euro anerkannt, wenn Sie mit Ihrem eigenen Auto gefahren sind (kein Dienst- oder Firmenwagen). Weil es sich um eine Pauschale handelt, müssen Sie hierfür keine Belege abgeben. Allerdings kann das Finanzamt Sie trotzdem dazu auffordern, insbesondere dann, wenn Sie für jede Woche Fahrtkosten geltend machen. Denn die Entfernungspauschale ist nur für tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrten anwendbar. Sammeln Sie daher vorsichtshalber Tankbelege, Zugtickets und ähnliche Quittungen.

Die Entfernungspauschale gilt grundsätzlich auch für Bahnfahrten. In der Steuererklärung geben Sie die Anzahl der Heimfahrten an. Bei Heimreisen mit dem Zug oder Bus können Sie statt der Entfernungspauschale die tatsächlich entstandenen und nachgewiesenen Reisekosten absetzen. Bei Flügen haben Sie kein Wahlrecht. Sie können ausschließlich Ihre Flugtickets abrechnen.

Falls Sie nicht jede Woche nach Hause gefahren sind, sollten Sie für solche Wochen wenigstens die Telefonkosten für ein Ferngespräch mit Angehörigen (bis zu einer Dauer von 15 Minuten) ansetzen. Auch Anteile der Grundgebühr oder der Flatrate-Gebühr sind ansetzbar.

Verpflegungsmehraufwand

Für höchstens drei Monate nach dem Einzug am neuen Arbeitsort können Sie Pauschbeträge für Verpflegung von der Steuer geltend machen. Für jeden Kalendertag, an dem Sie von Ihrer Hauptwohnung abwesend waren, werden die auch bei Auswärtstätigkeiten absetzbaren Beträge anerkannt. Entscheidend ist die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt. 

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen

Abwesenheit von der Wohnung und

der regelmäßigen Arbeitsstätte

Pauschbetrag
24 Stunden24 €
weniger als 24,
mindestens aber 8 Stunden
12 €

Quelle: Bundesfinanzministerium

Umzugskosten bei doppelter Haushaltsführung

Ihre nachweisbaren Umzugskosten setzen Sie in tatsächlicher Höhe an. Hierzu zählen die Aufwendungen für Umzugshelfer, einen Umzugswagen und für Kartons. Eine Pauschale wird im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nicht angesetzt.

Vergessen Sie auch nicht, die Kosten zum Suchen und Besichtigen der Wohnung am Arbeitsort steuerlich abzusetzen (zum Beispiel die Maklerkosten, Aufwendungen für Inserate und die Fahrtkosten für Besichtigungen).

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmersind die Aufwendungen hierfür zusätzlich abziehbar.  

Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, die viel pendeln?

Wenn Sie außerhalb Ihres Erstwohnsitzes am Beschäftigungsort wohnen, können Sie wählen: Entweder machen Sie Ihre kompletten Aufwendungen anlässlich einer doppelten Haushaltsführung (Unterkunftskosten, Verpflegungspauschale und eine wöchentliche Heimfahrt) geltend.

Oder Sie setzen sämtliche Fahrtkosten für Ihre tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und Beschäftigungsort im Rahmen der Entfernungspauschale an. Dieses Wahlrecht haben Sie, wenn Sie mindestens zweimal pro Woche nach Hause fahren. Sie dürfen es bezüglich derselben doppelten Haushaltsführung allerdings nur einmal im Jahr ausüben. Sie dürfen dann jedoch weder Unterkunftskosten noch Verpflegungsmehraufwendungen absetzen.

Interessant ist diese Option zum Beispiel, wenn Sie mehr als einmal pro Woche an Ihren Lebensmittelpunkt zurückkehren und Ihre dadurch entstehenden Fahrtkosten die laufenden Kosten Ihrer Unterkunft am Beschäftigungsort und nur einer Familienheimfahrt überschreiten. Es lohnt sich also, diese Ausgaben im Vorfeld zu überschlagen. Zumindest in dem Jahr, in dem Sie erstmals die doppelte Haushaltsführung geltend machen, ist der Abzug der kompletten Kosten meist günstiger. Schließlich können Sie dann auch die Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten drei Monate absetzen.

Tipp: Anhand unserer herunterladbaren Checkliste können Sie überprüfen, welche Voraussetzungen Sie für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen müssen und welche Kosten Sie steuerlich geltend machen können.

Zur Checkliste

Autor
Udo Reuß

Stand: 24. Juni 2019


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