Internet zu langsam

Mit diesen Tipps surfst Du schneller im Netz

Arne Düsterhöft 02. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Drei von zehn Internetnutzern surfen zuhause nur mit halber Geschwindigkeit, weil die versprochene Leistung nicht ankommt. Dabei kannst Du Dein Internet häufig selbst auf Tempo bringen – auch ohne Computerprofi zu sein.
  • Die richtige Reihenfolge erspart viel Aufwand: 1. Computer und Router überprüfen. 2. Beim Kundenservice anrufen. 3. Termin mit dem Techniker vereinbaren.
  • Wenn Du dann immer noch unzufrieden bist, solltest Du Deinen Internetanbieter wechseln. Ein Wechsel von Telefonleitung (DSL) auf TV-Kabel oder andersherum löst die allermeisten Probleme mit einer lahmen Internetverbindung.
So gehst Du vor
  • Mit dem Speed-Test der Bundesnetzagentur kannst Du überprüfen, ob Dein Internet zu langsam ist.
  • Einige Fehlerquellen zuhause kannst Du ohne fremde Hilfe beseitigen. Weißt Du allein nicht weiter, kann Dir der Kundenservice Deines Anbieters weiterhelfen. 
  • Hilft alles nichts, muss der Techniker kommen – die Internetfirma muss ihn kostenlos schicken, falls sie das Problem nicht anders lösen kann.
  • Stellt sich Dein Anbieter quer, musst Du Dich nicht allein mit ihm rumärgern: Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale und Anwalt leisten Beistand im Streit mit dem Internetkonzern.

Dein Internet ist in Zeiten von Corona und Homeoffice zu langsam? Wenn Dein Internetvertrag bereits einige Jahre unverändert herumliegt, ist es vielleicht Zeit für einen neuen. Alte Tarife sind in der Regel teurer und langsamer. Wir haben uns von den größten Internetanbietern und der Bundesnetzagentur bestätigen lassen, dass es im Jahr 2020 nicht mehr Probleme beim Wechsel gibt als in den Jahren zuvor. Oftmals kannst Du Deinem Internet aber auch ohne Kündigung auf die Sprünge helfen. Wir erklären Dir, mit welchen Tricks Du schneller im Netz unterwegs bist.

Die Internetseite lädt nur mühsam, der Film auf dem Smart-TV ruckelt und das Skype-Gespräch ist ständig unterbrochen. Ist Dein Internet langsam, kann das schnell an den Nerven zehren. In der Werbung wird „High Speed“ versprochen, doch zuhause ist davon oft wenig zu merken. Nur selten kommt das Maximaltempo auch wirklich am heimischen PC, Tablet oder der Streaming-Box an.

Wie findest Du heraus, ob Dein Internet zu langsam ist?

Schnelle Internettarife gibt es bereits für rund 30 Euro im Monat. Finanztip vergleicht regelmäßig die besten Internetanbieter. Mit dem Speed-Test der Bundesnetzagentur (BNetzA) kannst Du nachmessen, ob Deine Internetverbindung hält, was der Anbieter verspricht.

Über diese Website hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2019 über 800.000 Messungen ausgewertet. Das Ergebnis: In den meisten Haushalten ist das Internet zu langsam. Drei von zehn Internetnutzern surfen zuhause nur mit der Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit. Nur bei rund 16 Prozent kommt das maximale Datentempo auch tatsächlich an.

Langsames Internet muss kein Kunde hinnehmen: Pegelt sich Dein Internet zum Beispiel bei 60 Prozent der beworbenen Maximalgeschwindigkeit ein, kannst Du Deinen Anbieter in den meisten Fällen in die Pflicht nehmen. Häufig sichern Internetprovider auch 80 Prozent und mehr zu.

Hast Du den genauen Anbieter und Tarifnamen parat, gibt Dir der Speed-Test der Bundesnetzagentur auch an, wie schnell das Download- und Upload-Tempo normalerweise sein sollte. Diese Informationen müssen die Anbieter auch bei den Tarifdetails im sogenannten Produktinformationsblatt verbindlich angeben.

Was kannst Du tun, wenn Dein Internet langsam ist?

Wir erklären Dir Schritt für Schritt, was Du tun kannst, wenn Dein Internetanschluss nicht das hält, was die Werbung angepriesen hat. Entscheidend ist, sich aufzuraffen und am Ball zu bleiben. Es gibt grob vier Möglichkeiten, wo Deine Download-Geschwindigkeit verloren geht: Computer, W-Lan, Router oder Internetleitung. Viele Probleme lassen sich mit Hilfe des Störungsdienstes lösen; das braucht aber etwas Zeit.

Viele Fehler kannst Du auch allein lösen, ohne IT-Profi zu sein

Einige einfache Ursachen für langsames Internet werden gern übersehen, weil sie eher banal wirken. Aber oft verstecken sich gerade dort Probleme, die sich leicht beheben lassen:

  1. Richtig messen - Prüfe die Geschwindigkeit mit dem offiziellen Speed-Test Breitbandmessung von der BNetzA und folge den Anweisungen – klicke die Hinweise nicht einfach weg: Der Computer sollte zum Beispiel per Lan-Kabel direkt am Router angeschlossen sein.
  2. W-Lan überprüfen - Ist das Internet nur über W-Lan zu langsam, hilft ein Anbieterwechsel nicht weiter – ein neuer Router vielleicht schon. Auch ein W-Lan-Repeater kann helfen, das Signal zu verstärken. Eine weitere Möglichkeit: Stell Deinen W-Lan-Router zentraler zuhause auf oder suche manuell nach einer weniger genutzten W-Lan-Frequenz.
  3. Computerprobleme ausschließen - Aktualisiere die Treiber und lösche die Cookies im Browser. Außerdem können Antivirusprogramme oder Updates im Hintergrund das Internet zeitweise ausbremsen. Auch falsche Einstellungen in Betriebssystemen wie Windows 10 können das Internet langsam machen. Überprüfe, ob es zum Beispiel neue Windows-Updates für Deinen Computer gibt. Bist Du nicht sicher, ob es an Deinem Computer liegt, teste die Internetgeschwindigkeit ruhig mal mit einem anderen Laptop oder mit Deinem Smartphone per App.

Tablet, Computer, Smartphone und Smart-TV verstopfen das W-Lan

Das eigene W-Lan dürfte zu den häufigsten Fehlerquellen zählen. Auf jeden Fall aber verursacht es die Probleme, die Du am leichtesten selbst beheben kannst. Hast Du den unansehnlichen W-Lan-Router vielleicht hinter dem Aquarium versteckt? Oder liegt das Arbeitszimmer am anderen Ende der Wohnung? Dann geht einiges Tempo in den Funkfrequenzen ungenutzt verloren.

Einen echten Tempo-Schub gibt es, wenn Du Deinen Router auf fünf Gigahertz einstellst (zusätzlich zum alten 2,4-GHz-Netz). Diese Einstellung findest Du in der Bedienoberfläche Deines Routers; bei der Fritzbox zum Beispiel unter WLAN – Funknetz – aktive Frequenzbänder. Wenn nicht, ist das Gerät zu alt und es wird höchste Zeit für ein neues. Die meisten Anbieter tauschen die alten Router kostenlos aus. 

Bekommst Du bereits Kopfschmerzen, wenn Du nur an Router-Einstellungen und W-Lan-Frequenzen denkst? Dann kannst Du auch etwas schummeln, indem Du dem W-Lan mit einem Zusatzgerät auf die Sprünge hilfst, zum Beispiel einem W-Lan-Repeater oder einer sogenannten Powerline.

Ein W-Lan-Repeater vergrößert den W-Lan-Bereich, verlangsamt jedoch auch die Reaktionszeit des Internets, oder anders gesagt: Die Internetseiten bauen sich etwas langsamer auf, doch wenn ein Video-Stream einmal läuft, sollte er auch stabil bleiben.

Für das Homeoffice ist eine sogenannte Powerline ein wahrer Segen. Diese schickt Deine Internetverbindung durch die Kabel in der Wand von Steckdose zu Steckdose. Den Arbeits-Laptop verbindest Du dann mit dem Lan-Kabel, obwohl Du in einem ganz anderen Raum bist als Dein Internet-Router. Der große Vorteil der Powerline: Die Videokonferenz am Laptop läuft grundlegend stabiler als der Video-Stream am Tablet über W-Lan.

Liegt der Fehler nicht bei Deiner Technik, solltest Du Dich als nächstes bei dem technischen Support Deines Internetanbieters melden.

Nicht lange ärgern, sondern die Hotline anrufen

Sowohl Service-Hotline als auch Techniker stehen immer noch im Ruf, Zeit und Nerven des Kunden ordentlich zu beanspruchen, bevor sich etwas bessert. Doch je früher Du Dich an den Störungsdienst wendest, desto schneller ist Dein langsames Internet aus der Welt. Und viele Hotlines sind mittlerweile auch besser als ihr Ruf, wie die Kollegen von Connect getestet haben.

Oftmals geht der Kunden-Support die klassischen Fehlerquellen durch, ohne gleich zu wissen, wo in Deinem konkreten Fall das Problem liegt. Doch diese Ursachen gehören auch zu den häufigsten Auslösern für Internetprobleme. Also lass Dir zum Beispiel ruhig einen neuen Router zuschicken oder probiere aus, ob es mit einem anderen Kabel besser funktioniert.

Um eine Lösung zu finden, hilft es meist, wenn Du beim Störungsdienst anrufst und nicht bei der allgemeinen Kunden-Hotline. Am besten gleich mit dem Computer zur Hand, der per Netzwerkkabel angeschlossen ist. Kann der Kundendienst den Fehler nicht finden, lass Dich nicht zu lange vertrösten: Du kannst Deinem Anbieter auf die Sprünge helfen, indem Du einen Preisnachlass einforderst. Das machst Du am besten schriftlich und mit einer angemessenen Frist – zwei Wochen reichen dafür in der Regel aus.

Dranbleiben, bis der Techniker kommt

Gerade in Altbauten ist oft die Verkabelung im Haus oder der Anschluss unter der Straße schuld am langsamen Internet per DSL oder TV-Kabel. In diesem Fall kann nur der Techniker helfen. Bei Internet über TV-Kabel und Glasfaser ist die Chance relativ hoch, den Fehler zu beheben, auch weil diese Leitungen oft direkt dem Internetanbieter gehören. Leider musst Du Dir für diesen Schritt die Zeit nehmen, den Techniker in die Wohnung und eine Weile vor sich hin werkeln zu lassen.

Bei DSL-Anschlüssen hingegen mieten viele Internetanbieter die Leitungen von der Telekom an. Hast Du Deinen Vertrag nicht direkt bei der Telekom, kann es sein, dass sich Dein Anbieter und die Telekom gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Eine Chance solltest Du den Technikern trotzdem geben. Bevor zu viel Frust aufkommt, mach jedoch lieber frühzeitig von Deinem Recht auf Sonderkündigung Gebrauch oder handle einen Preisnachlass aus.

Mehr dazu im Ratgeber Internet-Tarife

Zum Ratgeber

Was kannst Du tun, wenn trotz allem das Internet langsam bleibt?

In bestem Beamtendeutsch hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) konkrete Richtlinien für die Internetgeschwindigkeit festgelegt. Im Kern sagen sie aus, dass Du Dir nicht gefallen lassen musst, wenn Dein Internet regelmäßig zu langsam ist. Wie schnell Dein Anschluss eigentlich sein sollte, findest Du in den Tarifdetails im Produktinformationsblatt. Alle wichtigen Angaben findest Du auch im Speed-Test der BNetzA. Bei den meisten Tarifen sind weniger als 60 Prozent der Höchstgeschwindigkeit ein guter Grund, den Vertrag zu kündigen.

Such Dir aber frühzeitig einen anderen Internetanbieter, damit Du am Ende nicht ganz ohne Internet dastehst. Alternativ kannst Du Deinem Anbieter eine letzte Chance geben und mit ihm über einen Preisnachlass verhandeln.

Bevor Du auf Deinen Anbieter zugehst, lade Dir am besten die Desktop-App der Bundesnetzagentur herunter und mache eine „Messkampagne“ (20 Messungen an zwei Tagen). Dann bist Du mit Deinen Messdaten auf der sicheren Seite.

Vier Helfer im Streit gegen den Internetanbieter

Stellt sich der Anbieter quer, können unzufriedene Kunden bei der Bundesnetzagentur Hilfe einfordern. Die BNetzA hat eine eigene Schlichtungsstelle: Bei vielen Schwierigkeiten ist sie verpflichtet, geprellten Internetkunden zur Seite zu stehen. Auf ihrer Website informiert sie ausführlich, in welchen Fällen sie zuständig ist.

Per Brief oder Online-Formular kannst Du dort kostenlos eine Prüfung verlangen. Schildere Deinen Fall so genau wie möglich. Alle notwendigen Dokumente holt sich die BnetzA von Deinem Internetanbieter. Allerdings kann ein Schlichtungsverfahren mitunter mehrere Monate dauern.

Die Verbraucherzentralen helfen, wenn der Anbieter die außerordentliche Kündigung nicht akzeptiert. Jeder Fall, bei dem die Verbraucherzentralen beraten, wird außerdem von den Marktwächtern gesammelt und ausgewertet. Per Beschwerdeformular können enttäuschte Kunden ihren Fall auch online schildern. So versuchen die Marktwächter, strukturelle Probleme in der Internetbranche aufzudecken.

Vor allem, wenn Du eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung hast, kann es sich lohnen, dass Du Dich an einen Anwalt wendest. Allerdings scheuen viele Verbraucher den Aufwand, schließlich geht es um relativ geringe Beträge. Einfacher kommst Du womöglich mit einem Rechtsdienstleister wie weniger-internetkosten.de zum Ziel. Hast Du einen vielversprechenden Fall, schlagen sich die Anwaltsfirmen für Dich mit dem Anbieter rum. Großer Pluspunkt: Nur falls sich etwas verbessert, zahlst Du einmal 10 Euro. Das kann allerdings eine ganze Weile dauern. Schneller geht es, den Anbieter zu wechseln. 

Wechsel den Anschluss, nicht nur den Anbieter

Normalerweise kommt das Internet per Telefonkabel (DSL), TV-Kabel oder Glasfaserkabel in die eigenen vier Wände. Läuft Dein DSL-Anschluss auch bei einem neuen Anbieter im Schneckentempo, solltest Du zu TV oder Glasfaser wechseln. Falls es diese Anschlüsse in Deinem Haus nicht gibt, kommen spezielle Hybrid-Tarife von der Telekom und Vodafone infrage. Bei diesen Tarifen wird das langsame Internet vom Festnetzanschluss durch das LTE-Handynetz unterstützt – dafür kosten die Angebote aber auch mehr. In einigen Fällen kann gerade für Hausbesitzer auch Internet per Satellit sinnvoll sein.

Was bedeutet die Surfgeschwindigkeit für Dein Smartphone?

Bei der Wahl des Handytarifs kommt es nicht so sehr auf die versprochene Höchstgeschwindigkeit an, sondern wie gut das Handynetz Deines Anbieters vor Ort ist und ob der Tarif LTE erlaubt.

Maximale Geschwindigkeiten von 500 Mbit/s, wie sie Vodafone und Telekom versprechen, zeigen nur, was technisch möglich ist. Im Alltag kommt häufig nur ein Bruchteil davon an. Sonst wäre ein normales monatliches Datenlimit von zwei Gigabyte auch schon nach 32 Sekunden aufgebraucht. Jeden Monat eine halbe Minute etwas herunterladen und dann wäre Schluss. Wie schnell Du mit Deinem Smartphone im Netz unterwegs bist, kannst Du mit der App der Breitbandmessung herausfinden.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wie findest Du heraus, ob Dein Internet zu langsam ist?

Was kannst Du tun, wenn Dein Internet langsam ist?

Was tun, wenn trotz allem das Internet langsam bleibt?

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