Internet zu langsam

Mit diesen Tipps surfen Sie schneller im Netz

Arne Düsterhöft Stand: 25. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Drei von zehn Internetnutzern surfen zu Hause nur mit halbem Tempo, weil die versprochene Geschwindigkeit nicht ankommt.
  • Die meisten Internetanschlüsse lassen sich auf Geschwindigkeit bringen, auch ohne Computerprofi zu sein.
  • Die richtige Reihenfolge erspart Aufwand: 1. Computer und Router überprüfen. 2. Beim Kundenservice anrufen. 3. Termin mit dem Techniker vereinbaren.
  • In schweren Fällen sollten Sie den Anbieter wechseln. Ein Wechsel von Telefonleitung (DSL) auf TV-Kabel oder andersherum löst die meisten Probleme mit zu langsamen Internet.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie mit dem Speed-Test der Bundesnetzagentur, ob Ihr Internet zu langsam ist.
  • Einige Fehlerquellen können Sie ohne Hilfe zu Hause beseitigen: Funktioniert das W-Lan korrekt? Ist der Computer richtig eingestellt?
  • Erste Hilfe finden Sie bei dem Kundenservice Ihres Anbieters. Am besten rufen Sie an, während Sie am Computer sitzen, der per Netzwerkkabel am Router angeschlossen ist.
  • Bei schwereren Fällen muss der Techniker kommen. Ihn muss die Internetfirma kostenlos vorbeischicken, falls sie das Problem nicht anders lösen kann.
  • Bleibt das Internet weiterhin langsam, handeln Sie mit Ihrem Anbieter einen Preisnachlass aus. Oder Sie kündigen und suchen sich einen neuen.
  • Stellt sich Ihr Anbieter quer, sind Sie nicht allein: Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale und Anwalt geben Beistand im Streit mit dem Internetkonzern.

Die Internetseite lädt nur mühsam, der Film auf dem Smart-TV ruckelt und das Skype-Gespräch ist ständig unterbrochen. Ist Ihr Internet langsam, kann das schnell an den Nerven zehren. In der Werbung werden „High-Speed“-Geschwindigkeiten versprochen, doch zu Hause ist davon oft wenig zu merken. Nur selten kommt das Maximaltempo auch wirklich am heimischen PC, Tablet oder der Streaming-Box an.

Wie finde ich heraus, ob mein Internet zu langsam ist?

Schnelle Internettarife gibt es bereits für rund 30 Euro im Monat. Finanztip vergleicht regelmäßig die besten Internetanbieter. Mit dem Speed-Test der Bundesnetzagentur (BNetzA) können Sie nachmessen, ob Ihre Internetverbindung hält, was der Anbieter verspricht. Über die Website hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2018 über 900.000 Fälle ausgewertet. Das Ergebnis: In den meisten Haushalten ist das Internet zu langsam. Drei von zehn Internetnutzern surfen zu Hause nur mit der Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit. Nur bei knapp 13 Prozent kommt das maximale Datentempo auch tatsächlich an.

Langsames Internet muss kein Kunde hinnehmen: Pegelt sich Ihr Internet zum Beispiel bei 60 Prozent der beworbenen Maximalgeschwindigkeit ein, können Sie Ihren Anbieter in den meisten Fällen in die Pflicht nehmen. Häufig sichern Internetprovider auch 80 Prozent und mehr zu. Haben Sie den genauen Anbieter und Tarifnamen parat, gibt Ihnen der Speed-Test der Bundesnetzagentur auch an, wie schnell das Download- und Upload-Tempo normalerweise sein sollte. Diese Informationen müssen die Anbieter auch bei den Tarifdetails im sogenannten Produktinformationsblatt verbindlich angeben.

Übersicht von zugesicherten Download-Geschwindigkeiten

Wir haben die zugesicherten Geschwindigkeiten für die von uns getesteten Tarife im April 2019 einmal für Sie zusammengetragen:

Was kann ich tun, wenn mein Internet langsam ist?

Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, was Sie tun können, wenn Ihr Internetanschluss nicht das hält, was die Werbung angepriesen hat. Entscheidend ist, sich aufzuraffen und am Ball zu bleiben. Viele Probleme lassen sich mit Hilfe des Störungsdienstes lösen; das braucht aber etwas Zeit.

Eigene Fehlerquellen finden bei DSL und TV-Kabel (ohne IT-Profi zu sein)

Einige einfache Ursachen für langsames Internet werden gern übersehen, weil sie eher banal wirken. Aber oft verstecken sich gerade dort Probleme, die sich leicht beheben lassen:

  1. Richtig messen - Prüfen Sie die Geschwindigkeit mit dem offiziellen Speed-Test Breitbandmessung von der BNetzA und folgen Sie den Anweisungen – klicken Sie die Hinweise nicht einfach weg.
  2. W-Lan überprüfen - Ist das Internet per W-Lan zu langsam, schließen Sie Ihren Computer mit einem Netzwerk-Kabel an die Internetbox an. Denn schlechter W-Lan-Empfang kann Ihr Internet ausbremsen. Dagegen kann ein W-Lan-Repeater helfen, der das Signal verstärkt. Eine weitere Möglichkeit: Verwenden Sie testweise einen anderen W-Lan-Router. Ihrer könnte defekt sein.
  3. Computerprobleme ausschließen - Aktualisieren Sie die Treiber und löschen Sie die Cookies im Browser. Außerdem können Antivirusprogramme oder Updates im Hintergrund das Internet ausbremsen. Auch falsche Einstellungen in Betriebssystemen wie Windows 10 können das Internet langsam machen. Überprüfen Sie, ob es zum Beispiel neue Windows-Updates für Ihren Computer gibt. Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Computer das Internet verlangsamt, testen Sie die Verbindung mit einem anderen Laptop oder mit Ihrem Handy per App.

Liegt der Fehler nicht bei Ihrer Technik, sollten Sie sich als nächstes bei dem technischen Support Ihres Internetanbieters melden.

Nicht lange ärgern, sondern die Hotline anrufen

Sowohl Servicehotline als auch Techniker stehen immer noch im schlechten Ruf, Zeit und Nerven des Kunden ordentlich zu beanspruchen, bevor sich etwas bessert. Doch je früher Sie sich an den Störungsdienst wenden, desto schneller ist Ihr langsames Internet aus der Welt. Oftmals geht der Kunden-Support die klassischen Fehlerquellen durch, ohne gleich zu wissen, wo in Ihrem konkreten Fall das Problem liegt. Doch diese Ursachen gehören auch zu den häufigsten Auslösern. Also lassen Sie sich zum Beispiel ruhig einen neuen Router zuschicken oder probieren Sie aus, ob es mit einem anderen Kabel besser funktioniert.

Um eine Lösung zu finden, hilft es am meisten, wenn Sie beim Störungsdienst anrufen. Am besten gleich mit dem Computer zur Hand, der per Netzwerkkabel angeschlossen ist. Kann der Kundendienst den Fehler nicht finden, lassen Sie sich nicht zu lange vertrösten: Sie können Ihrem Anbieter auf die Sprünge helfen, indem Sie einen Preisnachlass einfordern. Das machen Sie am besten schriftlich und mit einer angemessenen Frist – zwei Wochen reichen dafür in der Regel aus.

Dran bleiben, bis der Techniker kommt

Gerade in Altbauten ist oft die Verkabelung im Haus oder der Anschluss unter der Straße schuld am langsamen Internet per DSL oder TV-Kabel. In diesem Fall kann nur der Techniker helfen. Bei Internet über TV-Kabel und Glasfaser ist die Chance relativ hoch, den Fehler zu beheben, auch weil diese Leitungen oft direkt dem Internetanbieter gehören. Leider müssen Sie sich für diesen Schritt die Zeit nehmen, den Techniker in die Wohnung und eine Weile vor sich hin werkeln zu lassen.

Bei DSL-Anschlüssen hingegen mieten viele Internetanbieter die Leitungen von der Telekom an. Haben Sie Ihren Vertrag nicht direkt bei der Telekom, kann es sein, dass sich Ihr Anbieter und die Telekom gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Eine Chance sollten Sie den Technikern trotzdem geben, Ihrem Internet auf die Sprünge zu helfen. Bevor zu viel Frust aufkommt, machen Sie jedoch lieber frühzeitig von Ihrem Recht auf Sonderkündigung Gebrauch oder handeln einen Preisnachlass aus.

Mehr dazu im Ratgeber Internet-Tarife

Zum Ratgeber

Was tun, wenn trotz allem das Internet langsam bleibt?

In bestem Beamtendeutsch hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) konkrete Richtlinien für die Internetgeschwindigkeit festgelegt. Im Kern sagen sie aus, dass Kunden es sich nicht gefallen lassen müssen, wenn ihr Internet regelmäßig zu langsam ist. Wie schnell Ihr Internet eigentlich sein sollte, finden Sie in den Tarifdetails im Produktinformationsblatt. Alle wichtigen Angaben finden Sie auch im Speed-Test der BNetzA oder in unserer Übersicht. Bei den meisten Tarifen sind weniger als 60 Prozent der Höchstgeschwindigkeit ein guter Grund, den Vertrag zu kündigen.

Suchen Sie sich aber frühzeitig einen anderen Internetanbieter, damit Sie am Ende nicht ganz ohne Internet dastehen. Alternativ können Sie Ihrem Anbieter eine letzte Chance geben und mit ihm über einen Preisnachlass verhandeln.

Bevor Sie sich mit Ihrem Anbieter anlegen, laden Sie am besten die Desktop-App der Bundesnetzagentur herunter und machen eine „Messkampagne“ (20 Messungen an zwei Tagen). Dann sind Sie mit Ihren Messdaten auf der sicheren Seite.

Vier Helfer im Streit gegen den Internetanbieter

Stellt sich der Anbieter quer, können sich unzufriedene Kunden bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) melden. Die BNetzA hat eine eigene Schlichtungsstelle: Auf ihrer Website informiert die BNetzA ausführlich, in welchen Fällen sie zuständig ist. Per Brief oder Onlineformular können Internetnutzer dort kostenlos Hilfe suchen. Allerdings kann ein Schlichtungsverfahren mitunter mehrere Monate dauern.

Die Verbraucherzentralen helfen, wenn der Anbieter die außerordentliche Kündigung nicht akzeptiert. Jeder Fall, bei dem die Verbraucherzentralen beraten, wird außerdem von den Marktwächtern gesammelt und ausgewertet. Per Beschwerdeformular können enttäuschte Kunden ihren Fall auch online schildern. So versuchen die Marktwächter, strukturelle Probleme in der Internetbranche aufzudecken.

Gerade mit einer Rechtschutzversicherung können Sie sich auch an einen Anwalt wenden. Allerdings scheuen viele Verbraucher den Aufwand, schließlich geht es um relativ geringe Beträge. Einfacher kommen Sie zum Ziel mit einem Rechtsdienstleister wie Weniger-internetkosten.de. Haben Sie einen vielversprechenden Fall, schlagen sich die Anwaltsfirmen für Sie mit dem Anbieter rum. Großer Pluspunkt: Nur falls sich etwas verbessert, zahlen Sie einmal 10 Euro. Das kann allerdings eine ganze Weile dauern. Schneller geht es, den Anbieter zu wechseln. 

Wechseln Sie den Anschluss, nicht nur den Anbieter

Normalerweise kommt das Internet per Telefonkabel (DSL), TV-Kabel oder Glasfaserkabel in die eigenen vier Wände. Läuft Ihr DSL-Anschluss auch bei einem neuen Anbieter im Schneckentempo, sollten Sie zu TV oder Glasfaser wechseln. Falls es diese Anschlüsse in Ihrem Haus nicht gibt, kommen spezielle Hybrid-Tarife von der Telekom und Vodafone infrage. Bei diesen Tarifen wird das langsame Internet vom Festnetzanschluss unterstützt durch das LTE-Handynetz – dafür kosten die Angebote aber auch mehr. In einigen Fällen kann gerade für Hausbesitzer auch Internet per Satellit sinnvoll sein.

Was bedeutet die Surfgeschwindigkeit bei meinem Smartphone?

Bei der Wahl des Handytarifs kommt es nicht so sehr auf die versprochenen Höchstgeschwindigkeiten an, sondern wie gut das Handynetz Ihres Anbieters vor Ort ist und ob der Tarif LTE erlaubt.

Maximale Geschwindigkeiten von 500 Mbit/s, wie sie Vodafone und Telekom versprechen, zeigen nur was technisch möglich ist. Im Alltag kommt häufig nur ein Bruchteil davon an. Sonst wäre ein normales monatliches Datenlimit von 2 Gigabyte auch schon nach 32 Sekunden aufgebraucht. Jeden Monat eine halbe Minute etwas herunterladen und dann wäre Schluss. Wie schnell Sie mit Ihrem Smartphone im Netz unterwegs sind, können Sie mit der App der Breitbandmessung herausfinden.

Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 25. April 2019


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