Kinderzuschlag

Bonus beim Kindergeld für Geringverdiener

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Stand: 05. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer wenig verdient, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld.
  • Der Kinderzuschlag beträgt seit dem 1. Juli 2019 monatlich bis zu 185 Euro je Kind. Das Kind muss jünger als 25 Jahre und unverheiratet sein.
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro.
So gehen Sie vor
  • Überprüfen Sie mit dem Kinderzuschlags-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit, ob ein Antrag erfolgversprechend ist.
  • Bei guten Aussichten stellen Sie einen Antrag bei der Familienkasse der Arbeitsagentur.
  • Stellen Sie den Antrag so schnell wie möglich, denn für die Monate vor der Antragstellung gibt es kein Geld.

Essen, Kleidung, Spielzeug und Schulsachen: Kinder sind teuer. Das merken vor allem diejenigen, die ein geringes Monatseinkommen haben und schon ohne Nachwuchs vorne und hinten sparen müssten. Um zu verhindern, dass Familien mit niedrigem Einkommen vorschnell in den Bezug von Arbeitslosengeld II (ALG II) rutschen, gibt es den Kinderzuschlag.

Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit profitierten im Jahr 2017 rund 250.000 Kinder vom Kinderzuschlag. Das sind zu wenig – deshalb hat der Gesetzgeber die Regelungen zum Kinderzuschlag verbessert. Durch das Starke-Familien-Gesetz soll der Kinderzuschlag zusätzlich etwa 470.000 Kinder erreichen. Ein Teil des Gesetzes gilt seit dem 1. Juli 2019; weitere Regelungen treten am 1. Januar 2020 in Kraft.

Den Kinderzuschlag gibt es als Ergänzung zum Kindergeld. Einen Anspruch auf diese Leistung können Sie haben, wenn Sie als Elternpaar oder Alleinerziehende zwar Ihren eigenen Bedarf finanziell decken können, aber nicht den Bedarf Ihrer Kinder (§ 6a BKKG). Seit dem 1. Juli 2019 liegt der Kinderzuschlag bei höchstens 185 Euro (§ 20 Abs. 2 BKKG); bisher gab es höchstens 170 Euro.

Als Elternpaar oder Alleinerziehende können Sie einen Kinderzuschlag bekommen, wenn

  1. Ihr Kind unverheiratet und jünger als 25 Jahre ist und mit Ihnen zusammenlebt,
  2. Sie für Ihr Kind Kindergeld bekommen,
  3. Sie im Monat mindestens Einnahmen von 900 Euro als Elternpaar oder 600 Euro als Alleinerziehende haben,
  4. Sie nicht mehr als Ihre individuelle Höchsteinkommensgrenze verdienen und
  5. Ihr Bedarf durch den Kinderzuschlag und Wohngeld gedeckt ist und Sie somit kein Arbeitslosengeld II (ALG II) oder Sozialgeld bekommen können.

Der Kinderzuschlag soll verhindern, dass eine Familie Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen muss.

Wie werden Mindesteinkommen und Höchstgrenze berechnet?

Das Verfahren zur Berechnung des Kinderzuschlags ist kompliziert, weil es sowohl eine Mindest- als auch eine Höchsteinkommensgrenze gibt. Nur wenn Sie mit Ihrem Einkommen zwischen diesen beiden Werten liegen, haben Sie die Chance auf die zusätzliche Sozialleistung.

Höhe des Mindesteinkommens

Für Elternpaare gilt eine Mindesteinkommensgrenze von monatlich 900 Euro, Alleinerziehende müssen über ein Mindesteinkommen von 600 Euro im Monat verfügen. Den Kinderzuschlag können Eltern nur dann beanspruchen, wenn ihre monatlichen Einnahmen (beispielsweise Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld) dieses Mindesteinkommen erreichen. Kindergeld und Wohngeld zählen nicht zum Einkommen.

Höchsteinkommensgrenze

Das Einkommen einer Familie darf nicht über der Höchsteinkommensgrenze liegen. Dabei handelt es sich nicht um einen festen Wert, die Grenze wird individuell ermittelt. Dazu werden die ALG-II-Regelsätze und Wohnkosten berechnet, die der Familie zustehen würden, wenn sie Arbeitslosengeld II beziehen würde.

Beispiel: Eine Familie hat zwei Kinder im Alter von 7 und 10 Jahren und zahlt eine monatliche Miete von 900 Euro. Die Eltern hätten als ALG-II-Empfänger einen Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts von 764 Euro (zweimal 382 Euro für beide Partner, Stand: 1. Januar 2019). Dazu kommt ein Anteil an der Miete – je nach Familienkonstellation gibt es feste Prozentsätze.

Je nachdem, ob Sie ein Elternpaar oder alleinerziehend sind und wie viele Kinder mit Ihnen zusammenleben, unterscheidet sich der prozentuale Wohnbedarf. In unserem Beispiel beträgt der Wohnanteil der Eltern mit zwei Kindern 71,3 Prozent an der Miete von 900 Euro, das macht einen Wohnbedarf von 641,70 Euro. Regelbedarf und Wohnbedarf zusammen bilden den sogenannten Gesamtbedarf, in unserem Rechenbeispiel 1.405,70 Euro.

Zum Gesamtbedarf wird nun der Gesamtkinderzuschlag für zwei Kinder (185 Euro x 2 = 370 Euro) hinzugerechnet. Diese Summe von 1.775,70 Euro ist die Höchsteinkommensgrenze der Familie. Das zu berücksichtigende Monatseinkommen dieser Familie muss also zwischen 900 Euro und 1.775,70 Euro liegen, damit sie einen Anspruch auf den Kinderzuschlag hat. Die Höchsteinkommensgrenze kann sich durch den sogenannten Mehrbedarf nach ALG II erhöhen.

Berechnung der Höchsteinkommensgrenze

Regelbedarf der Eltern nach SGB II382,00 €
 382,00 €
+ Anteil Wohnkosten (71,3 % von 900 €)641,70 €
Gesamtbedarf der Eltern1.405,70 €
+ Gesamtkinderzuschlag (2 x 185 €)370,00 €
Höchsteinkommensgrenze1.775,70 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: Juli 2019)

Die Höchsteinkommensgrenze entfällt ab dem 1. Januar 2020. Wurde Ihr Antrag auf Kinderzuschlag aufgrund der Höchsteinkommensgrenze abgelehnt, kann es sich lohnen, im Januar 2020 einen neuen Antrag zu stellen. Das gilt insbesondere, wenn sich Ihre Einkommensverhältnisse und Wohnkosten nicht wesentlich verändert haben.

Es gibt pauschalierte Mehrbedarfe, beispielsweise für Schwangere, Alleinerziehende, Behinderte oder Menschen mit kostenaufwendiger Ernährung. Dadurch kann die Höchstgrenze steigen. Wie hoch Regelbedarf und Mehrbedarfe sind, können Sie in der Broschüre der Arbeitsagentur zum Arbeitslosengeld II erfahren. 

Wieviel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Es gibt seit dem 1. Juli 2019 höchstens 185 Euro pro Kind und Monat; die Familienkasse kann aber auch weniger zahlen, falls das Einkommen nach allen pauschalen Abzügen über dem sogenannten Gesamtbedarf liegt.

Kinderzuschlag in voller Höhe

Liegt das zu berücksichtigende Einkommen der Familie unter der individuellen Höchsteinkommensgrenze und unterhalb des Gesamtbedarfs, steht ihr der Kinderzuschlag in voller Höhe zu: insgesamt 370 Euro für zwei Kinder.

Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern hat ein Bruttoeinkommen von monatlich 1.900 Euro. Nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen, Aufwendungen für Altersvorsorge, Versicherungen, Werbungskosten und Freibeträgen bleiben 1.200 Euro als zu berücksichtigendes (Netto-)Einkommen. Das liegt über der Mindestgrenze und unterhalb der individuellen Höchstgrenze.

Geminderter Kinderzuschlag

Liegt das zu berücksichtigende Einkommen zwar unter der Höchstgrenze, aber über dem Gesamtbedarf der Eltern, mindert die Familienkasse den Kinderzuschlag. Er wird nur noch anteilig gezahlt. Und zwar reduziert sich der volle Kinderzuschlag stufenweise um 5 Euro für jeweils 10 Euro, die das Einkommen über dem Gesamtbedarf liegt. Voraussetzung: Es handelt sich um Einkommen aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Tätigkeit. Andere Einkommensarten werden voll vom Kinderzuschlag abgezogen.

Beispiel: Eine Familie mit drei Kindern hat ein Bruttoeinkommen von 2.800 Euro. Die Familienkasse berücksichtigt nach allen Abzügen davon 1.510 Euro. Die monatliche Miete beträgt 900 Euro. Bei der Berechnung sind die folgenden Schritte zu prüfen:

Berechnung der Höhe des Kinderzuschlags

Prüfungsschritte  Ergebnis
1. Erreicht das
monatliche Bruttoeinkommen
die Mindest-Einkommensgrenze?
monatliches Bruttoeinkommen: 
2.800 €
Mindest-Einkommensgrenze
bei Familien: 900 €
ja, die Familie
erreicht die Mindest-Einkommens-
grenze
2. Liegt das zu berücksichtigende Einkommen unter der Höchst-Einkommensgrenze?zu berücksichtigendes Einkommen: 
1.510 €
Höchst-Einkommensgrenze: Regelbedarf
der Eltern: 764 €
 
3. Liegt das zu berücksichtigende Einkommen über dem Gesamtbedarf?zu berücksichtigendes Einkommen: 
1.510 €
Gesamtbedarf: 
1.330,64 €
ja, das zu
berücksichtigende Einkommen liegt
um 179,36 € über
dem Gesamtbedarf
4. Um wieviel
Euro wird der Kinderzuschlag gemindert?
Gesamtkinder-zuschlag für 3 Kinder: 555 €abzüglich anzurechnendes Elterneinkommen (179,36 € : 2 = 89,68 €)Anspruch auf Kinderzuschlag insgesamt: 
465,32 €

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Juli 2019)

Das nach allen Abzügen zu berücksichtigende Einkommen von 1.510 Euro bleibt zwar unter der errechneten Höchsteinkommensgrenze, liegt aber um rund 180 Euro über dem errechneten Gesamtbedarf. Es werden die Hälfte davon vom eigentlichen Anspruch auf Kinderzuschlag abgezogen. Die Familie erhält monatlich für drei Kinder 465,30 Euro statt 555 Euro.

Kinderzuschlags-Rechner nutzen

Sie können mit diesem Kinderzuschlags-Lotsen auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit mit wenigen Eingaben ermitteln, ob ein Antrag auf Kinderzuschlag bei der Familienkasse erfolgversprechend ist. In den Rechner geben Sie Daten zu Ihrer persönlichen Situation, zum Einkommen und den Wohnkosten an.

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

Zum Einkommen gehören beispielsweise Einnahmen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit, Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld, Elterngeld, Betreuungsgeld, Renten aus der Sozialversicherung, aber auch Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Als Vermögen gilt abzüglich fester Freibeträge beispielsweise Bargeld, Sparguthaben oder Wertpapiere sowie Haus- oder Grundeigentum, wenn Vermögen zum Lebensunterhalt verwendet oder sein Wert durch Verkauf genutzt werden kann. Selbstverständlich müssen Sie nicht Ihr Haus verkaufen oder Ihre private Altersvorsorge auflösen, dies wird nicht als Vermögen berücksichtigt.

Eigenes Einkommen des Kindes

Haben die Kinder ein eigenes Einkommen oder beziehen sie Leistungen wie Unterhalt oder Waisenrente, wird dieser Betrag pro Kind vom höchstmöglichen Kinderzuschlag (170 Euro) abgezogen, allerdings nur zu 45 Prozent.

Beispiel: Hat Ihr Kind ein Einkommen von 100 Euro im Monat, werden davon 45 Prozent, also 45 Euro, auf den Kinderzuschlag von 185 Euro angerechnet. Der Kinderzuschlag beträgt daher höchstens 140 Euro.

Wie wird der Kinderzuschlag beantragt?

Den Kinderzuschlag müssen Sie schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragen. Formulare gibt es bei jeder Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zum Herunterladen auf dieser Website der Arbeitsagentur.

Einkommen und Vermögen müssen Sie durch entsprechende Nachweise belegen. Welche genau erforderlich sind, ergibt sich aus dem Antrag. Der Kinderzuschlag wird für sechs Monate bewilligt.

Den Kinderzuschlag bekommen Sie zusammen mit dem Kindergeld, in der Regel geht er an den Elternteil, der auch das Kindergeld erhält.

Beziehen Sie eine das Kindergeld ausschließende Leistung und ist das Kind bei beiden Elternteilen steuerlich zu berücksichtigen, dann können die Eltern untereinander ausmachen, wer den Kinderzuschlag bekommt. Eine das Kindergeld ausschließende Leistung kann eine Kinderzulage aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder ein Kinderzuschuss aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Mehr dazu erfahren Sie im Merkblatt Kindergeld des Familienministeriums.

Solange die Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt sind, wird der Zuschlag gezahlt, bis das Kind 25 Jahre alt ist. Alle Änderungen der finanziellen oder persönlichen Verhältnisse, beispielsweise wenn Ihr Einkommen steigt oder Ihr Kind aus Ihrer Wohnung auszieht, müssen Sie der Familienkasse mitteilen. Ansonsten müssen Sie die zu Unrecht bezogene Leistung zurückzahlen.

Gibt es weitere Leistungen neben dem Kinderzuschlag?

Für Bezieherinnen und Bezieher von Kinderzuschlag entfällt ab dem 1. August 2019 der Kostenbeitrag für den Kindergarten beziehungsweise die Kita. Wer den Kinderzuschlag erhält, hat zusätzlichen Anspruch auf das sogenannte Bildungspaket – offiziell „Leistungen zur Bildung und Teilhabe“ genannt. Damit verbunden sind folgende ergänzende Sozialleistungen:

  • Kosten für Klassenausflüge und -fahrten oder für Lernförderung übernimmt der Staat auf Antrag.

  • Pro Jahr wird der persönliche Schulbedarf mit 100 Euro gefördert, und Sie können ab dem 1. August 2019 die Erstattung der tatsächlichen Fahrtkosten zur Schule und der Kosten für das Schulessen beantragen.

  • 15 Euro monatlich kann Ihr Kind erhalten für die „Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“ (ebenfalls ab 1. August 2019).

Diese zusätzlichen Leistungen können Sie bei Ihrer Stadt, Ihrer Gemeinde oder Ihrem Landkreis beantragen. Die jeweiligen Ansprechpartner finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Udo Reuß

Stand: 05. Juli 2019


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