Kinderzuschlag

Bonus zum Kindergeld für Geringverdiener

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Stand: 25. März 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer wenig verdient und kein Arbeitslosengeld II bezieht, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld.
  • Bis zu 185 Euro je Kind zahlt die Familienkasse als Kinderzuschlag monatlich.
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem monatlichen Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro. Die Eltern dürfen nicht zu viel verdienen, da sich mit zunehmendem Einkommen der Zuschlag verringert, bis er ganz ausläuft.
  • Wer wegen der Corona-Pandemie kurzfristig weniger verdient, kann Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag haben.
So gehen Sie vor
  • Mit dem Kinderzuschlags-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit können Sie unkompliziert prüfen, ob auch Sie eine Chance haben, den Zuschlag zu bekommen.

  • Wenn ja: Stellen Sie einen Antrag bei der Familienkasse der Arbeitsagentur. Das geht auch online.

  • Stellen Sie den Antrag so schnell wie möglich! Denn Geld gibt es erst ab dem Monat, in dem Sie den Zuschlag beantragt haben. Entscheidend für den Notfall-Kinderzuschlag ist der Verdienst des letzten Monats.

Essen, Kleidung, Spielzeug und Schulsachen: Kinder sind teuer. Das merken vor allem diejenigen, die ein geringes Monatseinkommen haben und schon ohne Nachwuchs vorne und hinten sparen müssten. Wer durch die Corona-Maßnahmen kurzfristig weniger verdient, hat eventuell Anspruch auf einen Notfall-Kinderzuschlag.

Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

Um zu verhindern, dass Familien mit niedrigem Einkommen vorschnell in den Bezug von Arbeitslosengeld II (ALG II) rutschen, gibt es den Kinderzuschlag. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit profitierten im Jahr 2017 rund 250.000 Kinder vom Kinderzuschlag. Das waren zu wenig – deshalb hat der Gesetzgeber die Regelungen zum Kinderzuschlag verbessert. Durch das Starke-Familien-Gesetz soll der Kinderzuschlag zusätzlich etwa 470.000 Kinder erreichen. Ein Teil des Gesetzes gilt seit dem 1. Juli 2019; weitere Änderungen sind am 1. Januar 2020 in Kraft getreten.

Den Kinderzuschlag zahlt die Familienkasse als Ergänzung zum Kindergeld. Einen Anspruch auf diese Leistung haben Sie, wenn Sie als Elternpaar oder Alleinerziehende zwar Ihren eigenen Bedarf finanziell decken können, aber nicht den Bedarf Ihrer Kinder (§ 6a BKGG).

Als Elternpaar oder Alleinerziehende können Sie einen Kinderzuschlag bekommen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Ihr Kind ist jünger als 25 Jahre, unverheiratet und lebt mit Ihnen zusammen.
  2. Sie bekommen für Ihr Kind Kindergeld.
  3. Sie verdienen im Monat mindestens 900 Euro als Elternpaar oder 600 Euro, wenn Sie Ihre Kinder alleine erziehen.
  4. Sie können mit Ihrem Einkommen, dem Kinder- und Wohngeld sowie dem Kinderzuschlag den Bedarf der ganzen Familie decken. 
  5. Sie beziehen kein Arbeitslosengeld II.

Wie wird das Mindesteinkommen berechnet?

Um den Kinderzuschlag zu bekommen, müssen Eltern ein bestimmtes Einkommen selbst verdienen. Für Elternpaare liegt die Mindesteinkommensgrenze bei monatlich 900 Euro, Alleinerziehende müssen über ein Mindesteinkommen von 600 Euro im Monat verfügen. Den Kinderzuschlag können Eltern nur dann beanspruchen, wenn ihre monatlichen Einnahmen (beispielsweise Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld) dieses Mindesteinkommen erreichen. Kindergeld und Wohngeld zählen nicht dazu.

Bisher durfte das Einkommen einer Familie nicht über einer individuellen Höchstgrenze liegen. Seit dem 1. Januar 2020 ist diese Grenze entfallen. Familien können deshalb jetzt auch mehr verdienen, ohne dass der Kinderzuschlag sofort entfällt. Aber je mehr Einkommen eine Familie erwirtschaftet, desto weniger ist sie auf staatliche Unterstützung angewiesen. Deshalb verringert sich der Kinderzuschlag entsprechend, bis er nicht mehr notwendig ist.

Sie müssen mit Ihrem Antrag Einkommensnachweise aus den letzten sechs Monaten vor Antragsstellung vorlegen. Die Familienkasse der Arbeitsagentur ermittelt daraus Ihr monatliches Durchschnittseinkommen des vergangenen halben Jahres (§ 6a Abs. 8 Satz 1 BKKG). Das ist ausschlaggebend dafür, ob Sie einen Kinderzuschlag bekommen und wie hoch er ausfällt.

Notfall-Kinderzuschlag wegen Corona

Familien, die wegen der Corona-Pandemie kurzfristig Verdienstausfälle hinnehmen müssen, können mit dem KiZ-Lotsen der Familienkasse online prüfen, ob sie in dieser Situation Anspruch auf einen Zuschlag zum Kindergeld haben. Entscheidend ist für Anträge ab April 2020 dann nicht mehr das Einkommen der letzten sechs Monate, sondern nur noch des letzten Monats vor der Antragstellung. Den Kinderzuschlag können Sie ab April auch digital beantragen. Diese Regelung aus dem Sozialschutz-Paket soll bis Ende März in Kraft treten und gilt zunächst befristet bis zum 30. September 2020.

Kann der Bedarf der Familie mit dem Kinderzuschlag gedeckt werden?

Wer mit seinem Einkommen, dem Kindergeld, dem Wohngeld und dem Kinderzuschlag soviel Geld zur Verfügung hat, dass er seinen Bedarf decken kann, hat gute Aussichten auf den staatlichen Zuschlag. Reicht das Geld auch mit dem Kinderzuschlag nicht aus, um den Familienbedarf zu decken, bleibt die Möglichkeit, Leistungen der Grundsicherung vom Jobcenter zu bekommen.

Der gesamte Bedarf der Familie besteht aus den Regelbedarfen von Eltern und Kindern, möglichen Mehrbedarfen etwa für Alleinerziehende oder während der Schwangerschaft und den Wohnkosten.

Regelbedarfe nach dem Sozialgesetzbuch II

BerechtigteBedarf
Elternpaare (2 x 389 €)778 €
Alleinerziehende432 €
Kinder unter 6 Jahren250 €
Kinder zwischen 6 und 14 Jahren308 €
Kinder zwischen 14 und 18 Jahren328 €
Kinder zwischen 18 und 25 Jahren345 €

Quelle: Bundesregierung, Stand: 1. Januar 2020

Beispiel: Einem Elternpaar mit zwei Kindern im Alter von 5 und 12 Jahren steht ein Regelbedarf von 1.336 Euro zu (778 Euro/Eltern, 558 Euro/Kinder). Sie zahlen eine Miete von 1.000 Euro im Monat. Der gesamte Bedarf beläuft sich damit auf 2.336 Euro.

Mit diesem gesamten Bedarf ist der Betrag zu vergleichen, der den Eltern tatsächlich zur Verfügung steht: Bruttoeinkommen monatlich abzüglich Lohnsteuer, Krankenversicherungsbeiträgen, Erwerbstätigenfreibetrag. Hinzukommen das Kindergeld sowie das Wohngeld und der Kinderzuschlag.

Reicht mit dem Kinderzuschlag das Gesamteinkommen nicht aus, um den Bedarf zu decken, ist die Familie bei der Familienkasse an der falschen Adresse. Sie hat dann Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Kann hingegen die Familie mit dem errechneten Gesamteinkommen den Bedarf decken, bekommt sie zusätzlich den Kinderzuschlag von der Familienkasse.

Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern ( 2 und 4 Jahre alt) hat ein Bruttoeinkommen von monatlich 1.900 Euro und zahlt Miete in Höhe von 750 Euro. Nach allen Abzügen bleiben 1.200 Euro als zu berücksichtigendes (Netto-)Einkommen. Zudem bekommen sie 408 Euro Kindergeld und Wohngeld in Höhe von 249 Euro. Die Familie hat insgesamt 1.857 Euro zur Verfügung. Zusammen mit dem Kinderzuschlag von 370 Euro kann sie über 2.227 Euro verfügen.

Ihr gesamter Bedarf liegt bei 2.028 Euro (Regelbedarf der Eltern: 778 Euro + Regelbedarf der Kinder: 500 Euro + Wohnkosten: 750 Euro). Mit dem Kinderzuschlag kann die Familie ihren Bedarf decken, sie hat deshalb einen Anspruch auf zusätzlich 370 Euro.

Wieviel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Es gibt seit dem 1. Juli 2019 höchstens 185 Euro pro Kind und Monat; die Familienkasse kann aber auch weniger zahlen, falls das Einkommen nach allen pauschalen Abzügen über dem  Gesamtbedarf der Eltern liegt.

Kinderzuschlags-Rechner nutzen

Sie können mit diesem Kinderzuschlags-Lotsen auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit mit wenigen Eingaben ermitteln, ob ein Antrag auf Kinderzuschlag bei der Familienkasse erfolgversprechend ist. In den Rechner geben Sie Daten zu Ihrer persönlichen Situation, zum Einkommen und den Wohnkosten ein.

Geminderter Kinderzuschlag

Liegt das zu berücksichtigende Einkommen über dem Gesamtbedarf der Eltern, mindert die Familienkasse den Kinderzuschlag. Der übersteigende Anteil wird zu 45 Prozent auf den Kinderzuschlag angerechnet. Voraussetzung: Es handelt sich um Einkommen aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Tätigkeit. Andere Einkommensarten, die den Gesamtbedarf übersteigen, werden voll vom Kinderzuschlag abgezogen.

Beispiel: Eine Familie mit drei Kindern (4, 7 und 10 Jahre) hat ein Bruttoeinkommen von 2.750 Euro. Die Familienkasse berücksichtigt nach allen Abzügen davon 1.536 Euro. Die monatliche Miete beträgt 1.000 Euro. Bei der Berechnung sind die folgenden Schritte zu prüfen:

Berechnung der Höhe des Kinderzuschlags

Prüfungsschritte  Ergebnis
1. Mindest-Einkommensgrenze erreicht?monatliches Bruttoeinkommen: 
2.750 €
Mindest-Einkommensgrenze
bei Familien: 900 €
ja, Grenze erreicht
2. Gesamtbedarf der Familie?778 € + 866 € (Eltern + Kinder)Wohnkosten: 1.000 €Gesamtbedarf: 2.644 €
3. Deckt das Gesamteinkommen den Gesamtbedarf?(Netto)-Einkommen: 1.536 €

Kindergeld: 618 €
Wohngeld: 249 €
Kinderzuschlag: 555 €

 

ja, das Gesamteinkommen von 2.958 € deckt den Bedarf

 

4. Reduzierung des Zuschlags durch Einkommen der Eltern?Einkommen: 1.536 €Gesamtbedarf der Eltern: 1.398 € (778 € + 620 € - anteilige Miete)übersteigender Betrag: 138 €
5. Um wieviel
Euro wird  gemindert?
Gesamtkinder-zuschlag für 3 Kinder: 555 €abzüglich anzurechnendes Elterneinkommen (45 % von 138 €  = 62,10 €)

Anspruch auf Kinderzuschlag insgesamt:
492,90 € (555 € - 62,10 €)

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Januar 2020)

Das nach allen Abzügen zu berücksichtigende Einkommen von 1.536 Euro liegt um 138 Euro über dem gesamten Bedarf der Eltern. Es werden 45 Prozent davon vom eigentlichen Anspruch auf Kinderzuschlag abgezogen. Die Familie erhält monatlich für drei Kinder 492,90 Euro statt 555 Euro.

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

Zum Einkommen gehören beispielsweise Einnahmen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit, Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld, Elterngeld, Renten aus der Sozialversicherung, aber auch Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Leistungen der Pflegeversicherung zählen nicht dazu.

Als Vermögen gilt abzüglich fester Freibeträge beispielsweise Bargeld, Sparguthaben oder Wertpapiere sowie Haus- oder Grundeigentum, wenn Vermögen zum Lebensunterhalt verwendet oder sein Wert durch Verkauf genutzt werden kann. Sie müssen nicht Ihr Haus verkaufen oder Ihre private Altersvorsorge auflösen, bevor Sie Kinderzuschlag bekommen. Das wird als Vermögen nicht berücksichtigt.

Eigenes Einkommen des Kindes

Haben die Kinder ein eigenes Einkommen oder beziehen sie Leistungen wie Unterhalt oder Waisenrente, wird dieser Betrag pro Kind vom höchstmöglichen Kinderzuschlag (185 Euro) abgezogen, allerdings nur zu 45 Prozent.

Beispiel: Hat Ihr Kind ein Einkommen von 100 Euro im Monat, werden davon 45 Prozent, also 45 Euro, auf den Kinderzuschlag von 185 Euro angerechnet. Der Kinderzuschlag beträgt daher höchstens 140 Euro.

Wie beantrage ich Kinderzuschlag?

Den Kinderzuschlag können Sie schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragen. Formulare gibt es bei jeder Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zum Herunterladen auf dieser Website der Arbeitsagentur.

Sie können die Leistung auch online beantragen über das Informationstool „KiZ-Lotse“. Aus rechtlichen Gründen müssen Sie zum Schluss noch den automatisch ausgefüllten Online-Antrag ausdrucken, unterschreiben und an die Familienkasse schicken. Haben Sie keinen Drucker, kann auch die Familienkasse den Antrag drucken und Ihnen per Post zur Unterschrift zusenden.

Einkommen und Vermögen müssen Sie durch entsprechende Nachweise belegen. Welche genau erforderlich sind, ergibt sich aus dem Antrag. Der Kinderzuschlag wird für sechs Monate bewilligt. Nach Ablauf der sechs Monate müssen Sie einen neuen Antrag stellen.

Den Kinderzuschlag bekommen Sie zusammen mit dem Kindergeld, in der Regel geht er an denjenigen, der auch das Kindergeld erhält.

Beziehen Sie eine das Kindergeld ausschließende Leistung und ist das Kind bei beiden Elternteilen steuerlich zu berücksichtigen, dann können die Eltern untereinander ausmachen, wer den Kinderzuschlag bekommt. Eine das Kindergeld ausschließende Leistung kann eine Kinderzulage aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder ein Kinderzuschuss aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Mehr dazu erfahren Sie im Merkblatt Kindergeld des Familienministeriums.

Gibt es weitere Leistungen neben dem Kinderzuschlag?

Wer Kinderzuschlag bekommt, für den entfallen seit dem 1. August 2019 die Gebühren für den Kindergarten beziehungsweise die Kita. Zusätzlich gibt es Leistungen aus  dem sogenannten Bildungspaket – offiziell „Leistungen zur Bildung und Teilhabe“ genannt. Damit verbunden sind folgende ergänzende Sozialleistungen:

  • Kosten für Klassenausflüge und -fahrten oder für Lernförderung übernimmt der Staat auf Antrag.

  • Pro Jahr wird der persönliche Schulbedarf mit 150 Euro gefördert, und Sie können seit dem 1. August 2019 die Erstattung der tatsächlichen Fahrtkosten zur Schule und der Kosten für das Schulessen beantragen.

  • 15 Euro monatlich kann Ihr Kind erhalten für die „Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“ (ebenfalls seit dem 1. August 2019).

Diese zusätzlichen Leistungen können Sie bei Ihrer Stadt, Ihrer Gemeinde oder Ihrem Landkreis beantragen. Die jeweiligen Ansprechpartner finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

Wie beantrage ich Kinderzuschlag?

Wieviel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Wie hoch ist das Mindesteinkommen?

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Udo Reuß

Stand: 25. März 2020


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