Kinderzuschlag 2021

Bonus zum Kindergeld für Geringverdiener

Dr. Britta Beate Schön
Expertin für Recht
14. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du wenig verdienst und kein Ar­beits­lo­sen­geld II beziehst, kann Deine Familie unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld bekommen.
  • Bis zu 205 Euro je Kind zahlt die Familienkasse zusätzlich im Monat.
  • Damit Du Anspruch auf den Zuschlag hast, musst Du ein Mindesteinkommen selbst verdienen: für Elternpaare sind das 900 Euro, für Alleinerziehende mindestens 600 Euro. Mit zunehmendem Einkommen verringert sich der Zuschlag, bis er ganz ausläuft.
So gehst Du vor
  • Mit dem Kinderzuschlags-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit kannst Du unkompliziert prüfen, ob Du eine Chance auf Kinderzuschlag hast.
  • Wenn ja: Stell so schnell wie möglich einen Antrag bei der Familienkasse der Arbeitsagentur. Das geht auch online.

Essen, Kleidung, Spielzeug und Schulsachen: Kinder sind teuer. Wenn Du wenig verdienst, hilft Dir der Staat aber nicht nur mit dem Kindergeld, sondern auch mit einem monatlichen Zuschlag.

Kinderfreizeitbonus: Wegen der besonderen Corona-Situation gibt es nach dem Kinderbonus von 150 Euro für jedes Kind im Mai zusätzlich im August 2021 noch einen Kinderfreizeitbonus von 100 Euro, allerdings nur für bedürftige Familien. Du musst nichts beantragen; die Kindergeldkasse wird den Bonus einfach auf Dein Konto überweisen, wenn Du Kinderzuschlag, Hartz IV oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommst. Familien, die nur Wohngeld beziehen, müssen einen formlosen Antrag bei der Familienkasse stellen. Der Bonus ist Teil des Programms „Aufholen nach Corona“, das der Bundestag am 11. Juni 2021 beschlossen hat.

Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

Um zu verhindern, dass Familien mit niedrigem Einkommen vorschnell Ar­beits­lo­sen­geld II (ALG II) beantragen müssen, gibt es den Kinderzuschlag. Davon profitierten im Januar 2021 rund 710.000 Kinder.

Den Kinderzuschlag zahlt die Familienkasse als Ergänzung zum Kindergeld. Du kannst einen Kinderzuschlag bekommen, wenn Du diese fünf Voraussetzungen erfüllst (§ 6a BKGG):

  1. Dein Kind ist jünger als 25 Jahre, unverheiratet und lebt mit Dir zusammen.
  2. Du bekommst für Dein Kind Kindergeld.
  3. Du verdienst im Monat mindestens 900 Euro als Elternpaar oder 600 Euro, wenn Du Dein Kind allein erziehst.
  4. Du kannst mit Deinem Einkommen, dem Kinder- und Wohngeld sowie dem Kinderzuschlag den Bedarf der ganzen Familie decken.
  5. Du beziehst kein Ar­beits­lo­sen­geld II.

Wie wird das Mindesteinkommen berechnet?

Um den Kinderzuschlag zu bekommen, musst Du ein bestimmtes Einkommen selbst verdienen. Für Elternpaare liegt die Mindesteinkommensgrenze bei monatlich 900 Euro, Alleinerziehende müssen über ein Mindesteinkommen von 600 Euro im Monat verfügen. Ein Minijob reicht nicht. Zu den monatlichen Einnahmen zählen: Dein Verdienst ohne Abgaben und Steuern, Ar­beits­lo­sen­geld I oder Krankengeld.

Kindergeld und Wohngeld zählen nicht zum Mindesteinkommen dazu.

Bisher durfte das Einkommen einer Familie nicht über einer individuellen Höchstgrenze liegen. Seit dem 1. Januar 2020 ist diese Grenze entfallen. Familien können deshalb jetzt auch mehr verdienen, ohne dass der Kinderzuschlag sofort entfällt. 

Aber je mehr Einkommen eine Familie erwirtschaftet, desto weniger ist sie auf staatliche Unterstützung angewiesen. Deshalb verringert sich der Kinderzuschlag entsprechend des Einkommens, bis er ganz ausläuft.

Du musst mit Deinem Antrag Einkommensnachweise aus den letzten sechs Monaten vor Antragsstellung vorlegen. Die Familienkasse der Arbeitsagentur ermittelt daraus Dein monatliches Durchschnittseinkommen des vergangenen halben Jahres (§ 6a Abs. 8 Satz 1 BKKG). Das ist ausschlaggebend dafür, ob Du einen Kinderzuschlag bekommst und wie hoch er ausfällt.

Notfall-Kinderzuschlag wegen Corona

Der „Notfall-KiZ“ war eine vereinfachte Antragsstellung zum Kinderzuschlag im Zuge der Corona-Krise und galt für die Antragsmonate April bis September 2020. Das Familienministerium teilte mit, dass fast 900.000 Kinder im Oktober 2020 Kinderzuschlag bekommen haben – das waren rund 500.000 mehr als im Januar. Ein erheblicher Teil dieses starken Anstiegs ging auf den Corona-Notfall-Kinderzuschlag zurück.

Welche Bedeutung hat der Familienbedarf?

Reichen Dein Einkommen, das Kindergeld und Wohngeld zusammen mit dem Kinderzuschlag aus, um Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hast Du gute Aussichten auf den staatlichen Zuschlag. Reichen Deine Einkünfte auch mit Kinderzuschlag nicht, um den Familienbedarf zu decken, bleibt Dir die Grundsicherung. Die kannst Du beim Jobcenter beantragen.

Der gesamte Bedarf der Familie wird berechnet aus den Regelbedarfen von Eltern und Kindern, möglichen Mehrbedarfen etwa für Alleinerziehende oder Schwangere sowie den Wohnkosten. 

Regelbedarfe nach dem Sozialgesetzbuch II

BerechtigteBedarf 2020Bedarf 2021
Elternpaare

2 x 389 €
= 778 €

2 x 401 €
= 802 €

Alleinerziehende432 €446 €
Kinder unter 6 Jahren250 €283 €
Kinder zwischen 6 und 14 Jahren308 €309 €
Kinder zwischen 14 und 18 Jahren328 €373 €
Kinder zwischen 18 und 25 Jahren345 €357 €

Quelle: Bundesregierung (Stand: Februar 2021)

Berechnungsbeispiel für das Jahr 2021

Einem Elternpaar aus Nürnberg mit zwei Kindern (zwei und vier Jahre alt) steht im Jahr 2021 ein Regelbedarf von 1.368 Euro zu (802 Euro/Eltern, 566 Euro/Kinder). Sie zahlen eine Miete von 800 Euro im Monat. Der Familienbedarf beläuft sich damit auf 2.168 Euro.

Mit diesem Bedarf ist der Betrag zu vergleichen, der den Eltern tatsächlich zur Verfügung steht: das monatliche Bruttoeinkommen abzüglich Lohnsteuer, Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträgen und Erwerbstätigenfreibetrag. Hinzu kommen das Kindergeld sowie das Wohngeld und der Kinderzuschlag.

Die Familie mit zwei Kindern hat ein Bruttoeinkommen von monatlich 1.900 Euro. Nach allen Abzügen bleiben 1.200 Euro als zu berücksichtigendes Nettoeinkommen. Zudem bekommen sie 438 Euro Kindergeld und Wohngeld in Höhe von 198 Euro. Die Familie hat damit insgesamt 1.836 Euro zur Verfügung. Zusammen mit dem Kinderzuschlag von 410 Euro kann sie über 2.246 Euro verfügen.

Mit dem Kinderzuschlag kann die Familie also ihren Bedarf von 2.168 Euro decken (Regelbedarf der Eltern + Regelbedarf der Kinder + Wohnkosten). Sie hat deshalb einen Anspruch auf die zusätzliche Leistung.

Wieviel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Seit dem 1. Januar 2021 gibt es bis zu 205 Euro pro Kind und Monat; die Familienkasse kann aber auch weniger zahlen, falls das Einkommen nach allen pauschalen Abzügen über dem Gesamtbedarf der Eltern liegt.

Kinderzuschlags-Rechner nutzen

Du kannst mit dem Kinderzuschlags-Lotsen auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit mit wenigen Eingaben ermitteln, ob ein Antrag auf Kinderzuschlag bei der Familienkasse erfolgversprechend ist. In den Rechner gibst Du Daten zu Deiner persönlichen Situation, zu Deinem Einkommen und den Wohnkosten ein.

Geminderter Kinderzuschlag

Liegt Dein Einkommen über dem Gesamtbedarf, mindert die Familienkasse den Kinderzuschlag. Der übersteigende Anteil wird zu 45 Prozent auf den Kinderzuschlag angerechnet (§ 6a Abs. 6 BKKG). Voraussetzung: Es handelt sich um Einkommen aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Tätigkeit. Andere Einkommensarten, die den Gesamtbedarf übersteigen, werden voll vom Kinderzuschlag abgezogen.

Beispiel: Eine Familie mit drei Kindern (vier, sieben und zehn Jahre) hat ein Bruttoeinkommen von 2.750 Euro. Die Familienkasse berücksichtigt nach allen Abzügen davon 1.536 Euro. Die monatliche Miete beträgt 1.000 Euro. Bei der Berechnung sind die folgenden Schritte zu prüfen:

Berechnung der Höhe des Kinderzuschlags (2021)

Prüfungsschritte  Ergebnis
1. Mindest-Einkommensgrenze erreicht?monatliches Bruttoeinkommen: 
2.750 €
Mindest-Einkommensgrenze
bei Familien: 900 €
ja, Grenze erreicht
2. Gesamtbedarf der Familie?802 € + 901 € (Eltern + Kinder)

Wohnkosten:

1.000 €

Gesamtbedarf: 2.703 €
3. Deckt das Gesamteinkommen den Gesamtbedarf?

(Netto)-Einkommen:

1.536 €

Kindergeld: 663 €
Wohngeld: 249 €
Kinderzuschlag:

615 €

 

ja, das Gesamteinkommen von 3.063 € deckt den Bedarf

 

4. Reduzierung des Zuschlags durch Einkommen der Eltern?

Einkommen:

1.536 €

Gesamtbedarf der Eltern: 1.422 € (802 € + 620 € - anteilige Miete)übersteigender Betrag: 114 €
5. Um wieviel
Euro wird  gemindert?
Gesamtkinder-zuschlag für 3 Kinder: 615 €abzüglich anzurechnendes Elterneinkommen (45 % von 114 €  = 51,30 €)Anspruch auf Kinderzuschlag insgesamt:
563,70 € (615 € - 51,30 €)

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Februar 2021)

Das zu berücksichtigende Nettoeinkommen von 1.536 Euro liegt um 114 Euro über dem gesamten Bedarf der Eltern. 45 Prozent von diesen 114 Euro werden vom eigentlichen Anspruch auf Kinderzuschlag abgezogen. Die Familie erhält somit für drei Kinder 563,70 Euro monatlich statt der Höchstsumme von 615 Euro.

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

Zum Einkommen gehört all das, was Du verdienst: Dein Gehalt oder Deine Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld, Elterngeld, Renten aus der Sozialversicherung, aber auch Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Leistungen der Pfle­ge­ver­si­che­rung zählen nicht dazu.

Als Vermögen gelten abzüglich fester Freibeträge beispielsweise Bargeld, Sparguthaben oder Wertpapiere. Bist Du Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses, das Du nicht selbst bewohnst, zählt das zum Vermögen. Aber: Eine selbstbewohnte Immobilie von angemessener Größe musst Du nicht verkaufen und eine private Altersvorsorge nicht auflösen, bevor Du Kinderzuschlag bekommst. Das wird als Vermögen nicht berücksichtigt.

Eigenes Einkommen des Kindes

Haben Kinder ein eigenes Einkommen oder beziehen sie Leistungen wie Unterhalt oder Waisenrente, wird dieser Betrag pro Kind vom höchstmöglichen Kinderzuschlag abgezogen, allerdings nur zu 45 Prozent.

Beispiel: Hat Dein Kind ein Einkommen von 100 Euro im Monat, werden davon 45 Prozent, also 45 Euro, auf den Kinderzuschlag von 205 Euro angerechnet. Der Kinderzuschlag beträgt daher höchstens 160 Euro.

Wie beantragst Du den Kinderzuschlag?

Den Kinderzuschlag kannst Du schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragen. Formulare gibt es bei jeder Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zum Herunterladen auf dieser Website der Arbeitsagentur.

Du kannst die Leistung auch online beantragen über das Informationstool „KiZ-Lotse“. Aus rechtlichen Gründen musst Du zum Schluss trotzdem den automatisch ausgefüllten Online-Antrag ausdrucken, unterschreiben und an die Familienkasse schicken. Hast Du keinen Drucker, kann auch die Familienkasse den Antrag drucken und Dir per Post zur Unterschrift zusenden.

Einkommen und Vermögen musst Du durch entsprechende Nachweise belegen. Welche genau erforderlich sind, ergibt sich aus dem Antrag. Der Kinderzuschlag wird für sechs Monate bewilligt. Nach Ablauf der sechs Monate musst Du einen neuen Antrag stellen.

Den Kinderzuschlag bekommst Du zusammen mit dem Kindergeld, in der Regel geht er an denjenigen, der auch das Kindergeld erhält.

Beziehst Du Leistungen wie etwa eine Kinderzulage aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder einen Kinderzuschuss aus der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung, dann schließt die Leistung das Kindergeld aus. In diesem Sonderfall können Eltern untereinander ausmachen, wer den Kinderzuschlag bekommt. Mehr dazu im Merkblatt Kindergeld des Familienministeriums.

Weitere Leistungen für Eltern neben dem Kinderzuschlag?

Wenn Du Kinderzuschlag bekommst, musst Du seit dem 1. August 2019 keine Gebühren zahlen für den Kindergarten beziehungsweise die Kita. Zusätzlich gibt es Leistungen aus dem sogenannten Bildungspaket – offiziell „Leistungen zur Bildung und Teilhabe“ genannt. Damit verbunden sind folgende ergänzende Sozialleistungen:

  • Kosten für Klassenausflüge und -fahrten oder für Lernförderung übernimmt der Staat auf Antrag.
  • Pro Jahr wird der persönliche Schulbedarf mit 154,59 Euro gefördert, und Du kannst die Erstattung der tatsächlichen Fahrtkosten zur Schule und die Kosten für das Schulessen beantragen.
  • 15 Euro monatlich kann Dein Kind erhalten für die „Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“.

Diese zusätzlichen Leistungen kannst Du bei Deiner Stadt, Deiner Gemeinde oder Deinem Landkreis beantragen. Die jeweiligen Ansprechpartner findest Du auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wie beantrage ich Kinderzuschlag?

Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

Wieviel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

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