PKV im Alter

Wie Rentner ihre Beiträge zur PKV senken können

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
30. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Für privat Krankenversicherte steigen im Alter meist die Beiträge. 
  • Mit Renteneintritt gibt es keinen Ar­beit­ge­ber­zu­schuss mehr zur Kran­ken­ver­si­che­rung. Du kannst aber einen Zuschuss von der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung beantragen. 
  • Auch das Krankentagegeld und der Beitrag dafür fallen mit Rentenbeginn weg.
     
So gehst Du vor
  • Erhältst Du eine gesetzliche Rente, solltest Du bei der Ren­ten­ver­si­che­rung einen Zuschuss zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) beantragen.
  • Ist Dir Deine PKV dennoch zu teuer, prüfe, ob Deine Versicherung einen günstigeren Tarif hat, der von den Leistungen zu Dir passt.
  • Falls nicht, wechsle in den Basis- oder den Standardtarif.

Mit dem Alter steigen bei vielen privat Krankenversicherten auch die Beiträge. Denn obwohl die Versicherung Geld für das Alter zurücklegt, treiben steigende Kosten im Gesundheitssystem und auch die niedrigen Zinsen den Preis der Kran­ken­ver­si­che­rung weiter nach oben. Für Rentner kann es da manchmal eng werden, denn anders als die gesetzliche Versicherung passt die private Kran­ken­ver­si­che­rung den Beitrag nicht an das niedrigere Einkommen im Rentenalter an.

Mit welchen Erleichterungen kann ich rechnen?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die Deine Beitragsbelastung im Alter senken.

Gesetzlicher Zuschlag und Krankengeld fallen weg

Für viele Versicherte gilt: Zwei Anteile ihres Beitrags entfallen einfach. Bis zum 60. Geburtstag zahlen Privatversicherte seit Januar 2000 einen gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlag in Höhe von 10 Prozent auf ihren Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag. Dieses Geld wird als sogenannte zusätzliche Altersrückstellungen angespart. Mit diesem Finanzpolster beginnt die Versicherung ab dem 65. Geburtstag Beitragssteigerungen zu vermindern.

Das bedeutet für Dich: Ab dem 60. Geburtstag entfällt der 10-Prozent-Zuschlag und ab dem 65. Geburtstag mildert der angesparte Betrag künftige Beitragserhöhungen.

Bei Einführung des gesetzlichen Zuschlags im Jahr 2000 hatten Altkunden allerdings ein Wi­der­spruchs­recht. Deshalb gibt es auch noch Versicherte, die den Zuschlag nicht zahlen.

Noch ein zweiter Faktor wirkt sich positiv auf Deinen Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag aus: Mit Renteneintritt endet die Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung in aller Regel. Somit zahlst Du auch keinen Beitrag mehr für das Krankentagegeld – es sei denn, Du arbeitest während der Rente noch in nennenswertem Umfang.

Zuschuss durch die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung

Mit dem Rentenbeginn fällt der Anteil zur Kran­ken­ver­si­che­rung weg, den bisher Dein Arbeitgeber für Dich bezahlt hat. Dafür erhältst Du auf Antrag einen Zuschuss des Ren­ten­ver­si­che­rungsträgers, wenn Du eine gesetzliche Rente beziehst.

Dieser Zuschuss beträgt derzeit 7,3 Prozent Deiner gesetzlichen Rente, höchstens aber die Hälfte des Beitrags zur Kran­ken­ver­si­che­rung. Seit 2019 erhöht die Ren­ten­ver­si­che­rung den Zuschuss um die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrages des jeweiligen Jahres. Damit kommen 2020 nochmal 0,55 Prozentpunkte obendrauf, 2021 sind es 0,65 Prozentpunkte. Nach einer Rentenerhöhung solltest Du prüfen, ob die Ren­ten­ver­si­che­rung den Zuschuss ebenfalls entsprechend erhöht hat. Falls nicht, bitte die Renteversicherung, das anzupassen.

Der Zuschuss wird zusammen mit der Rente ausgezahlt und ist gemäß Paragraf 3 Nr. 14 EStG steuerfrei. Automatisch gibt es den Beitragszuschuss allerdings nicht. Du musst ihn beantragen, am besten gleich zusammen mit Deinem Rentenantrag. Hier kannst Du das Antragsformular herunterladen.

Du erhältst den Zuschuss aber nur, wenn Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung der deutschen Aufsicht oder der Aufsicht eines EU-Mitgliedstaats unterliegt. Lebst Du außerhalb der EU, erhältst Du in der Regel keinen Zuschuss zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung.

Kein Zuschuss für Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträge

Als privat versicherter Rentner musst Du auch weiterhin die Beiträge für Deine private Pflegepflichtversicherung zahlen. Zu den Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträgen gibt es keinen Zuschuss von der Ren­ten­ver­si­che­rung.

Wie kann ich meinen Beitrag weiter senken?

Selbst wenn Dein Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, ist eine Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­kas­se nach Vollendung des 55. Lebensjahrs in den meisten Fällen unmöglich. Private Krankenversicherer bieten über 55-jährigen Mitgliedern aber mehrere Möglichkeiten, den monatlichen Versicherungsbeitrag zu reduzieren. In unserem Ratgeber PKV-Beitrag senken erfährst Du, wie Du die Kosten für Deine Kran­ken­ver­si­che­rung drücken kannst. Zwei Optionen sind für Rentner besonders aussichtsreich.

Tarifwechsel innerhalb der eigenen Kran­ken­ver­si­che­rung

Gerade für langjährig Privatversicherte ist das Recht des internen Tarifwechsels sehr wichtig. Wenn Du schon lange in Deinem Versicherungstarif bist, kann es sein, dass ein besserer für Dich gefunden werden kann. Dies lohnt sich auch im hohen Alter und bei schlechtem Gesundheitszustand noch. Du solltest allerdings keine wichtigen Leistungen streichen, nur um Deinen Beitrag zu senken.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Mus­ter­schrei­ben für den Tarifwechsel: Mus­ter­schrei­ben

Zum Ratgeber 

Wechsel in den Basis- oder Standardtarif

Eine weitere Möglichkeit ist, in den Basis- oder Standardtarif zu wechseln. Beide Tarife bieten einen abgespeckten Leistungsumfang ähnlich der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung. Der Standardtarif kann recht günstig sein, steht allerdings nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Kran­ken­ver­si­che­rung eingetreten sind. Der Basistarif ist in der Regel deutlich teurer und bietet nur wenig bessere Leistungen als der Standardtarif. Deshalb lohnt sich der Umstieg nur, wenn Du derzeit sehr hohe Beiträge zahlst.

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