PKV im Alter

Wie Rentner ihre Beiträge zur PKV senken können

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 30. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Für privat Krankenversicherte steigen im Alter meist die Beiträge. 
  • Mit Renteneintritt gibt es keinen Arbeitgeberzuschuss mehr zur Krankenversicherung. Sie können aber einen Zuschuss von der gesetzlichen Rentenversicherung beantragen. 
  • Auch das Krankentagegeld und der Beitrag dafür fallen mit Rentenbeginn weg.
     
So gehen Sie vor
  • Erhalten Sie eine gesetzliche Rente, sollten Sie bei der Rentenversicherung einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung (PKV) beantragen.
  • Ist Ihnen Ihre PKV dennoch zu teuer, prüfen Sie, ob Ihre Versicherung einen günstigeren Tarif hat, der von den Leistungen zu Ihnen passt.
  • Falls nicht, wechseln Sie in den Basis- oder den Standardtarif.

Mit dem Alter steigen bei vielen privat Krankenversicherten auch die Beiträge. Denn obwohl die Versicherung Geld für das Alter zurücklegt, treiben steigende Kosten im Gesundheitssystem und auch die niedrigen Zinsen den Preis der Krankenversicherung weiter nach oben. Für Rentner kann es da manchmal eng werden, denn anders als die gesetzliche Versicherung passt die private Krankenversicherung den Beitrag nicht an das niedrigere Einkommen im Rentenalter an.

Mit welchen Erleichterungen kann ich rechnen?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die Ihre Beitragsbelastung im Alter senken.

Gesetzlicher Zuschlag und Krankengeld fallen weg

Für viele Versicherte gilt: Zwei Anteile Ihres Beitrags entfallen einfach. Bis zum 60. Geburtstag zahlen Privatversicherte seit Januar 2000 einen gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlag in Höhe von 10 Prozent auf ihren Krankenversicherungsbeitrag. Dieses Geld wird als sogenannte zusätzliche Altersrückstellungen angespart. Mit diesem Finanzpolster beginnt die Versicherung ab dem 65. Geburtstag Beitragssteigerungen zu vermindern.

Das bedeutet für Sie: Ab dem 60. Geburtstag entfällt der 10-Prozent-Zuschlag und ab dem 65. Geburtstag mildert der angesparte Betrag künftige Beitragserhöhungen.

Bei Einführung des gesetzlichen Zuschlags im Jahr 2000 hatten Altkunden allerdings ein Widerspruchsrecht. Deshalb gibt es auch noch Versicherte, die den Zuschlag nicht zahlen.

Noch ein zweiter Faktor wirkt sich positiv auf Ihren Krankenversicherungsbeitrag aus: Mit Renteneintritt endet die Krankentagegeldversicherung in aller Regel. Somit zahlen Sie auch keinen Beitrag mehr für das Krankentagegeld – es sei denn, Sie arbeiten während der Rente noch in nennenswertem Umfang.

Zuschuss durch die gesetzliche Rentenversicherung

Mit dem Rentenbeginn fällt der Anteil zur Krankenversicherung weg, den bisher Ihr Arbeitgeber für Sie bezahlt hat. Dafür erhalten Sie auf Antrag einen Zuschuss des Rentenversicherungsträgers, wenn Sie eine gesetzliche Rente beziehen.

Dieser Zuschuss beträgt derzeit 7,3 Prozent Ihrer gesetzlichen Rente, höchstens aber die Hälfte des Beitrags zur Krankenversicherung. Seit 2019 erhöht die Rentenversicherung den Zuschuss um die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrages des jeweiligen Jahres. Damit kommen 2020 nochmal 0,55 Prozentpunkte obendrauf. Nach einer Rentenerhöhung sollten Sie prüfen, ob die Rentenversicherung den Zuschuss ebenfalls entsprechend erhöht hat. Falls nicht, bitten Sie die Renteversicherung, das anzupassen.

Der Zuschuss wird zusammen mit der Rente ausgezahlt und ist gemäß Paragraf 3 Nr. 14 EStG steuerfrei. Automatisch gibt es den Beitragszuschuss allerdings nicht. Sie müssen ihn beantragen, am besten gleich zusammen mit Ihrem Rentenantrag. Hier können Sie das Antragsformular herunterladen.

Sie erhalten den Zuschuss aber nur, wenn Ihre private Krankenversicherung der deutschen Aufsicht oder der Aufsicht eines EU-Mitgliedstaats unterliegt. Leben Sie außerhalb der EU, erhalten Sie in der Regel keinen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung.

Kein Zuschuss für Pflegeversicherungsbeiträge

Als privat versicherter Rentner müssen Sie auch weiterhin die Beiträge für Ihre private Pflegepflichtversicherung zahlen. Zu den Pflegeversicherungsbeiträgen gibt es keinen Zuschuss von der Rentenversicherung.

Wie kann ich meinen Beitrag weiter senken?

Selbst wenn Ihr Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse nach Vollendung des 55. Lebensjahrs in den meisten Fällen unmöglich. Private Krankenversicherer bieten über 55-jährigen Mitgliedern aber mehrere Möglichkeiten, den monatlichen Versicherungsbeitrag zu reduzieren. In unserem Ratgeber PKV-Beitrag senken erfahren Sie, wie Sie die Kosten für Ihre Krankenversicherung drücken können. Zwei Optionen sind für Rentner besonders aussichtsreich.

Tarifwechsel innerhalb der eigenen Krankenversicherung

Gerade für langjährig Privatversicherte ist das Recht des internen Tarifwechsels sehr wichtig. Wenn Sie schon lange in Ihrem Versicherungstarif sind, kann es sein, dass ein besserer für Sie gefunden werden kann. Dies lohnt sich auch im hohen Alter und bei schlechtem Gesundheitszustand noch. Sie sollten allerdings keine wichtigen Leistungen streichen, nur um Ihren Beitrag zu senken.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Musterschreiben für den Tarifwechsel: Musterschreiben

Zum Ratgeber 

Wechsel in den Basis- oder Standardtarif

Eine weitere Möglichkeit ist, in den Basis- oder Standardtarif zu wechseln. Beide Tarife bieten einen abgespeckten Leistungsumfang ähnlich der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Standardtarif kann recht günstig sein, steht allerdings nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind. Der Basistarif ist in der Regel deutlich teurer und bietet nur wenig bessere Leistungen als der Standardtarif. Deshalb lohnt sich der Umstieg nur, wenn Sie derzeit sehr hohe Beiträge zahlen.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 30. Juli 2020


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