Checkliste Todesfall

Was Du tun musst, wenn ein Angehöriger verstorben ist

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
28. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Nach einem Todesfall solltest Du die wichtigsten Unterlagen des Verstorbenen zusammensuchen: Testament, Versicherungen, Konten.
  • Hatte der Verstorbene eine Lebens-, Unfall- oder Sterbegeldversicherung, musst Du diese diese am besten sofort informieren. Sonst riskierst Du, dass der Versicherer die Zahlung verweigert.
  • Spätestens am dritten Werktag nach dem Todesfall musst Du beim Standesamt die Sterbeurkunde beantragen.
  • Beauftrage ein Bestattungsunternehmen.
  • Wohnte der Verstorbene zur Miete, solltest Du als Angehöriger zügig kündigen. Der Mietvertrag endet nicht mit dem Tod des Mieters, es gilt weiter die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten.

Stirbt ein geliebter Mensch, möchten sich vermutlich die wenigsten Hinterbliebenen in ihrer Trauer sofort mit Finanzfragen und Versicherungen beschäftigen. Doch trotz des Gefühlschaos gibt es viele Dinge, um die sich Angehörige nach einem Todesfall kümmern müssen – von der Beerdigung bis hin zum Nachlass. Aber was ist in dieser schwierigen Situation wirklich dringend und was kann warten? Wir haben für Dich eine Checkliste mit den wichtigsten Aufgaben zusammengestellt.

Was solltest Du nach dem Todesfall sofort erledigen?

1. Totenschein

Ist der Angehörige zu Hause verstorben, solltest Du zunächst einen Arzt verständigen, damit er einen Totenschein ausstellen kann. Bei einem Sterbefall im Krankenhaus übernimmt die Klinik diese Formalität. Den Totenschein brauchst Du, um die Sterbeurkunde zu beantragen.

2. Testament

Es ist sinnvoll, zügig nach einem Testament zu suchen.  Hast Du ein solches gefunden, musst Du es zum Nachlassgericht bringen (§ 2259 BGB). Das ist das Amtsgericht am Wohnort des Verstorbenen.

3. Versicherungs- und Bankunterlagen

Suche sämtliche Versicherungs- und Bankunterlagen des Verstorbenen zusammen. Mit einer Kontovollmacht über den Tod hinaus stellst Du sicher, dass Deine Angehörigen leichter auf ein Konto zugreifen und so auch die anfallenden Kosten begleichen können.

4. Ausweise und Urkunden

Nimm den Personalausweis, das Stammbuch, die Geburtsurkunde und andere Personenstands-Urkunden an Dich. Die musst Du bei verschiedenen Ämtern vorlegen.

5. Nahe Angehörige benachrichtigen

Informiere nahe Verwandte und enge Freunde und besprich im engsten Familienkreis das weitere Vorgehen. Nahe Angehörige können in der Regel einige Tage Sonderurlaub bei ihrem Arbeitgeber beantragen.

6. Bestatter beauftragen

Zunächst solltest Du überprüfen, ob der Verstorbene bereits einen Vorsorgevertrag mit einem bestimmten Beerdigungsinstitut abgeschlossen hatte und dieses gegebenenfalls informieren. Falls nicht, kannst Du einen Bestatter Deiner Wahl beauftragen. Mit ihm besprichst Du, welche Aufgaben das Bestattungsinstitut übernehmen soll. Die Kosten für die Beerdigung trägt der Erbe (§ 1986 BGB).

Leichter fallen diese Entscheidungen, wenn Du schon zu Lebzeiten mit Deinen Angehörigen darüber gesprochen haben, wie sie sich die Beisetzung wünschen.

7. Lebensversicherung und Sterbegeldversicherung informieren

Die jeweiligen Versicherungsunternehmen musst Du unverzüglich benachrichtigen, denn sie behalten sich vor, die Todesursache zu prüfen. Meldest Du den Todesfall zu spät, kann es Probleme bei der Auszahlung der Versicherungssumme geben. In der Regel reicht dem Versicherer zunächst eine telefonische Nachricht. Die Unterlagen, die zum Nachweis des Versicherungsfalls eingereicht werden müssen, solltest Du kopieren und per Einwurf-Einschreiben an das Unternehmen schicken.

Was solltest Du in den ersten Tagen nach dem Todesfall tun?

1. Unfallversicherung informieren

Handelt es sich um einen Unfalltod, musst Du das Versicherungsunternehmen in der Regel innerhalb von 48 Stunden informieren. Nach Ablauf dieser Frist kann es vorkommen, dass die Unfallversicherung nicht zahlt.

2. Sterbeurkunde beantragen

Spätestens am dritten Werktag nach dem Todesfall musst Du die Sterbeurkunde beantragen (§ 28 PStG). Dafür brauchst Du den Totenschein und den Personalausweis sowie die Geburtsurkunde und – je nach Familienstand des Verstorbenen – Heiratsurkunde, Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des bereits verstorbenen Ehepartners.

Zuständig für die Sterbeurkunde ist das Standesamt am Sterbeort, nicht am Wohnort. Am besten lässt Du Dir das Dokument gleich in mehrfacher Ausfertigung ausstellen, denn Du musst es bei vielen Ämtern und Unternehmen vorlegen.

3. Erbschein

Willst Du auf die Konten des Verstorbenen zugreifen, musst Du Dich zweifelsfrei als rechtmäßiger Erbe ausweisen. In der Regel brauchst Du dazu einen Erbschein. Diesen stellt das zuständige Amtsgericht aus (§ 2353 BGB). Das kann allerdings mehrere Wochen dauern und je nach Höhe des Nachlasses eine drei- bis vierstellige Summe kosten.

Bevor Du einen Erbschein beantragst, solltest Du darüber nachdenken, ob Du das Erbe antrittst oder ausschlagen willst. Diese Entscheidung musst Du innerhalb von sechs Wochen treffen, nachdem Du von der Erbschaft erfahren hast.

Es gibt auch Fälle, in denen Du auf einen Erbschein verzichten kannst. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber Erbschein.

4. Mietwohnung kündigen

Lebte der Verstorbene allein zur Miete, solltest Du überlegen, ob Du die Wohnung weiter nutzen willst. Denn auch nach einem Todesfall gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten. So lange musst Du die Miete weiterzahlen. Damit der laufende Monat noch in die Kündigungsfrist zählt, musst Du bis spätestens zum dritten Werktag eines Monats schriftlich kündigen. Teilte der Verstorbene den Haushalt mit seinem Ehegatten oder Lebenspartner, geht das Mietverhältnis auf diesen über.

5. Verträge rund um die Wohnung klären

Informiere die Energieversorger und Telefonanbieter des Verstorbenen. Du musst als Erbe die Verträge entweder kündigen oder auf die im Haushalt lebenden Angehörigen ummelden. Auch Kabelfernsehen, Rundfunkbeiträge und Internet müssen gekündigt oder auf im gleichen Haushalt lebende Angehörige umgemeldet werden.

6. Pflegeheim

Wohnte der Verstorbene in einem Pflegeheim, endet der Vertrag grundsätzlich mit dem Sterbetag. Darüber, wie lange das Heim die Habseligkeiten des Toten aufbewahrt, gibt es vertragliche Vereinbarungen. Besprich am besten mit der Heimleitung, bis wann Du das Zimmer räumen musst.

An was musst Du nach einem Todesfall noch denken?

1. Versicherungen

Viele Versicherungen, zum Beispiel die Haft­pflicht­ver­si­che­rung, enden mit dem Tod. Angehörige sollten dem Unternehmen möglichst schnell mitteilen, dass der Versicherungsnehmer verstorben ist. Denn meist erstattet die Versicherung die Beiträge ab dem Zeitpunkt, an dem sie von dem Todesfall erfahren hat.

Eine Hausratversicherung erlischt zwei Monate nach dem Tod des Versicherungsnehmers, es sei denn der Erbe übernimmt die Wohnung mitsamt der Einrichtung. Dann geht die Versicherung auf ihn über. Die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung oder Kfz-Versicherung wird ebenfalls auf den Erben des Autos oder Hauses übertragen. Erst wenn er das Auto ummeldet, kann er die Versicherung wechseln.

2. Kran­ken­kas­se

Melde den Verstorbenen bei der Kran­ken­kas­se und Pfle­ge­ver­si­che­rung ab und gib die Kran­ken­ver­si­che­rungskarte zurück. Mit dem Tod des Hauptversicherten endet auch die Familienversicherung seiner Angehörigen. Das ist jedoch kein Grund zur Panik. Da in Deutschland eine Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht besteht, genießen sie auch weiterhin Ver­si­che­rungs­schutz. Dennoch sollten sich familienversicherte Angehörige bei ihrer Kran­ken­kas­se informieren, wie sie zukünftig versichert sind.

3. Witwen- oder Witwerrente

Eine Hinterbliebenenrente wird nicht automatisch gezahlt. Verwitwete Partner müssen erst einen Antrag bei der Ren­ten­ver­si­che­rung stellen. Im sogenannten Sterbevierteljahr, den ersten drei Monaten nach dem Tod, bekommt der überlebende Partner die Rente des Verstorbenen in voller Höhe ausgezahlt. Diesen Vorschuss auf die Witwenrente kannst Du innerhalb eines Monats beim Rentenservice der Deutschen Post beantragen. Wartest Du länger, bekommst Du diesen erhöhten Rentenbetrag erst ausbezahlt, wenn die Ren­ten­ver­si­che­rung die Höhe der eigentlichen Witwen- oder Witwerrente berechnet hat.

4. Sonstige Verträge kündigen

Mitgliedschaften in Vereinen, Zeitungsabonnements und andere Dienstleistungen, die der Verstorbene regelmäßig bezog, solltest Du ebenfalls kündigen. Um sich einen Überblick über die laufenden Kosten zu verschaffen, hilft es, die Kontoauszüge des Verstorbenen durchzugehen. Reisen oder andere Aufträge solltest Du ebenfalls schnellstmöglich stornieren.

5. Kontennachforschung

Hat der Verstorbene seine Unterlagen gut geordnet, finden die Erben meist schnell alle Kontoverbindungen. Es kann aber vorkommen, dass Erben keinen genauen Überblick haben und vermuten, dass es noch weitere Konten gibt.

Es gibt in Deutschland kein zentrales Kontenregister, an das sich Erben wenden können. Wer sicher gehen will, dass er kein Konto des Verstorbenen übersieht, muss die einzelnen Bankenverbände anschreiben.

Konten bei einer Sparkasse - Um Konten bei einer Sparkasse zu finden, können sich Erben schriftlich an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband wenden oder per E-Mail an nachforschung@dsgv.de. Füge immer die Kopie des Erbscheins oder Testaments an und teile Deine postalische Anschrift und den letzten Wohnort des Verstorbenen mit. Der Verband leitet die Anfrage an den zuständigen Regionalverband weiter, der für den letzten Wohnort des Verstorbenen zuständig ist. Unterhielt der Erblasser Konten bei einer Sparkasse, bekommst Du direkt Post vom Geldinstitut.

Konten bei einer Volks- und Raiffeisenbank - Auf der Website des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken gibt es den Service Kontonachforschung. Dahinter verbirgt sich allerdings keine zentrale Auskunftsstelle. Es ist immer der Regionalverband, der die Anfrage beantwortet. Die Suche bleibt dabei auf ein Bundesland beschränkt. Für die Nachforschung können Kosten anfallen, die vom Aufwand abhängen. Dem Regionalverband musst Du nachweisen, dass Du Erbe bist, entweder durch einen Erbschein oder ein Testament mit Eröffnungsprotokoll.

Konten bei privaten Banken - Entsteht bei Sichtung des Nachlasses die Vermutung, dass der Verstorbene ein Konto bei privaten Banken wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank hatte, kannst Du Dich an den Bundesverband deutscher Banken wenden. Sobald Du Deine Erbenstellung nachweist, leitet der Verband ein Nachforschungsverfahren ein. Bei entsprechenden Hinweisen darfst Du dann bis zu drei Bundesländer benennen, in welchen Du Konten vermutest. Die Verbände leiten dann die Personaldaten von Anfragendem und Erblasser an alle in Betracht kommenden Mitgliedsbanken weiter. Stellt ein Institut eine Geschäftsverbindung fest, setzt es sich direkt mit dem Erben in Verbindung.

Das Verfahren ist für die Erben kostenlos. Nur in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern stellen die Institute 20 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer in Rechnung.

Konten bei öffentlichen Banken  - Zu den öffentlichen Banken gehören unter anderem die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Landesbausparkassen. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) bietet kein Nachforschungsverfahren mehr an. Die Erben müssen sich daher an die einzelnen Banken wenden.

6. Profile in sozialen Medien

Auch das digitale Erbe des Verstorbenen sollten Hinterbliebene nicht vergessen. Kennst Du die Zugangsdaten zu seinen Profilen in sozialen Netzwerken nicht, kannst Du die Unternehmen mit einem Brief oder einer E-Mail über den Todesfall informieren und bitten, den Account zu löschen.

7. Finanzamt

Wer erbt, muss innerhalb von drei Monaten das für die Erbschaftsteuer zuständige Finanzamt informieren. Diese Pflicht erübrigt sich nur, wenn das Testament von einem Notar oder Gericht eröffnet wurde und der Nachlass keine Immobilien, Grundstücke, Anteile an Kapitalgesellschaften sowie Betriebs- oder Auslandsvermögen enthält (§ 30 Abs. 3 ErbStG). Für alleinstehende Verstorbene müssen die Erben unter Umständen noch eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung für die Zeit bis zum Todestag machen. Sammele deshalb von Anfang an Unterlagen wie Belege für Ausgaben oder die Steuerbescheide der Vorjahre. War der Verstorbene verheiratet, füllt sein verwitweter Partner die Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung wie bislang üblich aus.