Minijob

Bis 450 Euro abgabefrei verdienen

Das Wichtigste in Kürze

  • Minijobs sind „geringfügige Beschäftigungen“ bis zu 450 Euro Lohn im Monat.
  • Bei Minijobs zahlen Arbeitnehmer weder in die Arbeitslosenversicherung, noch in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ein.
  • Als Minijobber sind Sie ein Arbeitnehmer in Teilzeit. Sie haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte: Sie erhalten weiter Ihren Lohn, wenn Sie krank sind, und haben Anspruch auf bezahlten Urlaub.
  • Auch Rentner mit einem Minijob können ihre Rente durch eigene Einzahlungen in die Rentenversicherung etwas erhöhen. Für Altersrentner kann sich dies lohnen, Frührentner hingegen sollten sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

So gehen Sie vor

  • Minijobs sind rentenversicherungspflichtig. Sie können sich aber davon befreien lassen.
  • Ohne Befreiung zahlen Sie 3,6 Prozent Ihres Lohns in die Rentenversicherung ein. Damit erwerben Sie einen geringen Rentenanspruch. Die Zeit wird als Pflichtbeitragszeit angerechnet und Sie haben Anspruch auf staatliche Zulagen für die Riester-Altersvorsorge.
  • Wer selbst einen Minijobber im Privathaushalt beschäftigen möchte, sollte ihn über das Haushaltsscheckverfahren der Minijob-Zentrale anmelden. Über die Steuererklärung kann sich der Arbeitgeber 20 Prozent der Kosten für die Haushaltshilfe als Steuererstattung zurückholen – bis maximal 510 Euro.
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Minijobber sind Arbeitnehmer, die in Betrieben, Vereinen, Organisationen und Privathaushalten die unterschiedlichsten Tätigkeiten erledigen. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es in Deutschland mehr als 7,5 Millionen dieser geringfügig entlohnten Beschäftigten (Stand: Mai 2018). Das können Studenten, Rentner oder Minijobber in Privathaushalten sein, aber auch Arbeitnehmer mit Nebenjobs, die zusätzlich zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit etwas hinzuverdienen wollen.

In einem Minijob dürfen Sie im Monat bis zu 450 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen. Seit Anfang 2013 sind Minijobs allerdings rentenversicherungspflichtig. Das führt dazu, dass Sie im Regelfall netto etwas weniger ausgezahlt bekommen. Sie können sich aber auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Ansonsten fallen für Sie als Arbeitnehmer weder Sozialabgaben noch Steuern an, weil der Arbeitgeber in der Regel die pauschalen Abgaben übernimmt.

Was sind Minijobs?

Wenn von Minijobs im gewerblichen Bereich die Rede ist, sind 450-Euro-Jobs und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse gemeint (§ 8 SGB IV). Bei Hilfen in Privathaushalten gelten im Wesentlichen dieselben Regeln – nur die Abgaben für den Arbeitgeber sind geringer.

450-Euro-Jobs - Eine geringfügige Beschäftigung setzt voraus, dass der regelmäßige Lohn 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Das entspricht einer Verdienstgrenze von maximal 5.400 Euro pro Jahr bei durchgehender, mindestens zwölf Monate dauernder Beschäftigung. Dabei sind auch einmalige Einnahmen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu berücksichtigen, die mit Sicherheit mindestens einmal pro Jahr gezahlt werden.

Wird die monatliche Arbeitsentgeltgrenze innerhalb des maßgebenden Zeitjahres in mehr als drei Monaten überschritten, liegt keine geringfügige Beschäftigung mehr vor. Ausnahme: Die Arbeitsentgeltgrenze von 5.400 Euro wird in dem vom Arbeitgeber gewählten Jahreszeitraum nicht überschritten. Dann darf das regelmäßige Gehalt auch höher als 450 Euro sein – zumindest zeitweilig.

Beispiel für Minijobbergehalt mit saisonbedingt unterschiedlichem Gehalt

Eine Frau hat einen Minijob in einer Eisdiele. Sie erhält in den Frühlings- und Sommermonaten 540 Euro monatlich, in den Herbst- und Wintermonaten nur 360 Euro:

Monat monatlicher Lohn gesamt
Januar bis März 360 € 1.080 €
April bis September 540 € 3.240 €
Oktober bis Dezember 360 € 1.080 €
insgesamt 5.400 €

Damit übersteigt das regelmäßige monatliche Entgelt der Frau nicht 450 Euro (5.400/12 = 450 Euro). Es handelt sich deshalb um einen Minijob im Sinne des Gesetzes. Auch wenn sie in einzelnen Monaten Arbeitsentgelte oberhalb von 450 Euro erzielt, kann eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegen, solange die jährliche Entgeltgrenze von 5.400 Euro nicht überschritten wird.

Kurzfristige Beschäftigung - Ist die Beschäftigung im Voraus auf 70 Arbeitstage oder drei Monate innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt und wird sie nicht berufsmäßig ausgeübt, dann handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung und damit ebenfalls um einen Minijob. Eine solche kurzfristige Beschäftigung ist vor allem für die Sommer- oder Semesterferien gedacht. Ab dem 1. Januar 2019 gelten 50 Arbeitstage oder zwei Monate als Grenze.

Bei Minijobs besteht Versicherungsfreiheit in der Arbeitslosenversicherung, in der gesetzlichen Kranken- und in der Pflegeversicherung (§ 7 SGB V). Wer seinen Minijob verliert, erhält kein Arbeitslosengeld.

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Gilt der Mindestlohn für Minijobs?

Seit dem 1. Januar 2015 haben grundsätzlich auch geringfügig entlohnte oder kurzfristig Beschäftigte Anspruch auf Mindestlohn. Zugleich darf die Entgeltgrenze von 450 Euro im Monat aber nicht überschritten werden. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts von Januar 2017 haben sich die Arbeitgeber aber daran oft nicht gehalten. Fast jeder zweite Minijobber bekam weniger als den Mindestlohn.

Zum 1. Januar 2017 ist der gesetzliche Mindestlohn auf 8,84 Euro je Zeitstunde gestiegen – 2019 soll er auf 9,19 Euro und 2020 auf 9,35 Euro steigen. Damit verringert sich bei geringfügigen Beschäftigungen die maximale Arbeitszeit eines Minijobbers. Soll dessen Status erhalten bleiben, muss der Arbeitgeber die Arbeitszeit im Arbeitsvertrag korrigieren. Minijobber erreichen 2018 die Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat schon nach knapp 50 Stunden im Monat.

Arbeitgeber müssen seit Einführung des Gesetzes detailliert die Arbeitsstunden von Minijobbern aufzeichnen (§ 17 Mindestlohngesetz). Eine Ausnahme gilt nur für eine Tätigkeit im Privathaushalt und bei der Beschäftigung von engen Familienangehörigen – in diesen besteht keine Aufzeichnungspflicht.

Dem gesetzlichen Mindestlohn steht keine Höchstgrenze gegenüber. Arbeitgeber können deshalb einem Minijobber auch sehr großzügige Stundenlöhne zahlen. Entscheidend ist allein, dass er nicht mehr als 450 Euro im Monat bekommt. Bei kurzfristigen Beschäftigungen ist das anders. Der Stundenlohn darf bei diesen Verträgen durchschnittlich 12 Euro je Arbeitsstunde nicht übersteigen.

Wie sieht es bei mehreren Minijobs aus?

Mehrere Minijobs bei unterschiedlichen Arbeitgebern - Haben Sie mehrere Minijobs, sind die Einkünfte daraus immer zusammenzurechnen. Überschreitet Ihr insgesamt erzielter Lohn die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro im Monat, unterliegen alle Ihre geringfügigen Beschäftigungen der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Minijob als Nebentätigkeit - Üben Sie eine geringfügige Beschäftigung neben einem sozialversicherungspflichtigen Hauptberuf aus, bleibt die geringfügige Beschäftigung sozialversicherungsfrei. Beginnen Sie daneben noch einen weiteren Minijob, unterliegen Sie mit dem zweiten Minijob der Sozialversicherungspflicht.

Ist der Hauptberuf sozialversicherungsfrei, zum Beispiel weil Sie verbeamtet sind, werden die zweite und alle weiteren ausgeübten Beschäftigungen zusammengerechnet. Überschreiten Sie dadurch die Entgeltgrenze von 450 Euro, besteht Versicherungspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung mit jeweils individueller Beitragszahlung. In der Kranken- und Pflegeversicherung bleiben dagegen beide Beschäftigungen versicherungsfrei.

Minijob als Nebentätigkeit bei demselben Arbeitgeber -  Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber gelten sozialversicherungsrechtlich als eine Einheit. Die Art der jeweils ausgeübten Beschäftigung ist dabei unbedeutend. In Ihrem Minijob wären Sie dann auch sozialversicherungspflichtig.

Anders ist es, wenn Sie für eine Tochtergesellschaft Ihres Arbeitgebers im Rahmen eines Minijobs tätig sind. Das gilt selbst dann, wenn diese organisatorisch und wirtschaftlich eng verflochten sind.

Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale - Auf die Minijob-Gehaltsgrenze nicht angerechnet wird die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale. Wenn Sie einen Minijob mit der Übungsleiterpauschale kombinieren, können Sie bis zu 650 Euro im Monat ohne Sozialversicherungsabgaben hinzuverdienen. Die steuerfreie Pauschale bis zu 2.400 Euro im Jahr können Sie für eine nebenberufliche pädagogische Tätigkeit in einer gemeinnützigen Organisation erhalten, zum Beispiel als Sporttrainer. Als Vereinsvorstand oder in einer anderen ehrenamtlichen Tätigkeit können Sie im Jahr bis zu 720 Euro steuerfrei als Aufwandsentschädigung bekommen.

Was ist bei der Rentenversicherung zu beachten?

Alle Minijobber unterliegen seit 2013 der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Da der Arbeitgeber für eine geringfügige Beschäftigung bereits den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent des Lohns zahlt, müssen Minijobber nur die Differenz zum allgemeinen Beitragssatz von 18,6 Prozent selbst tragen, also 3,6 Prozent. Das heißt konkret: Von 450 Euro brutto erhalten Sie nur 433,80 Euro im Monat ausbezahlt.

Bei einer Beschäftigung in einem Privathaushalt müssen Arbeitnehmer für einen vollen Beitrag jedoch 13,6 Prozent als Eigenleistung zahlen, weil der Arbeitgeber dort nur 5 Prozent pauschal leistet.

Folgende Vorteile bringt Ihnen die Rentenversicherungspflicht:

  • Erwerb von Pflichtarbeitszeiten, die Sie bei Ansprüchen auf medizinische Rehabilitation, Umschulungen oder Ähnlichem nachweisen müssen.
  • Geringe Erhöhung der Rentenansprüche: Ein Jahr als Minijobber mit 450 Euro monatlich bringt allein durch die Pauschalabgabe des Arbeitgebers nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung einen Rentenzuwachs von etwa 3,55 Euro im Monat. Wenn Sie die 3,6 Prozent zusätzlich selbst einzahlen, beläuft sich der Zuwachs auf monatlich zirka 4,43 Euro.
  • Voraussetzung für staatliche Förderung der Altersvorsorge: Schließen Sie einen Riester-Vertrag ab und zahlen Sie jährlich mindestens 60 Euro dafür, winkt eine staatliche Zulage von 175 Euro (seit 2018) und von 300 Euro für jedes Kind, das ab 2008 geboren ist. Für jedes ältere Kind beläuft sich die Zulage auf jährlich 185 Euro.

Attraktiv für Mütter

Wenn beispielsweise eine Mutter die fünf Jahre Mindestversicherungszeit noch nicht erreicht hat, dann kann ein Minijob recht schnell zu einem Anspruch auf eine kleine Rente führen. Beispiel: Eine Mutter verdient zwei Jahre lang monatlich 450 Euro als geringfügig Beschäftigte. Sie stockt den Rentenversicherungsbeitrag, den ihr Arbeitgeber zahlt, um 3,6 Prozent auf. Dafür erhält sie einen Rentenanspruch von 8,86 Euro. Für die Erziehung eines Kindes erhält sie drei Entgeltpunkte und somit einen weiteren Rentenanspruch von 93,09 Euro, insgesamt also 101,95 Euro (Quelle: Finanztip-Berechnung vom 13. September 2017 mit Angaben der Minijob-Zentrale).

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Sie können sich von der Rentenversicherung befreien lassen. Dazu müssen Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber schriftlich erklären, dass Sie darauf verzichten. Ihr Arbeitgeber reicht dann eine Mitteilung an die Minijob-Zentrale weiter. Wenn diese nicht innerhalb eines Monats widerspricht, gilt der Antrag als genehmigt (§ 6 Abs. 1b, 3 und 4 SGB VI).

Bevor Sie sich befreien lassen, sollten Sie sich von einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erläutern lassen, wie sich das für Sie persönlich auswirkt. Bei der DRV können Sie kostenlos anrufen unter der Servicenummer 0800 1000 4800.

Rentner und Rentenversicherungspflicht

Fast 1,1 Millionen der Minijobber sind nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit mindestens 65 Jahre alt (Stand: Dezember 2017). Bis Ende 2016 war der Minijob eines Rentners mit einer vollen Rente grundsätzlich rentenversicherungsfrei. Die vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge in die Rentenversicherung erhöhten das Ruhegeld nicht. Dies hat sich zum 1. Januar 2017 geändert.

Seither können Rentner mit einem eigenen Beitrag zur Rentenversicherung ihre Rente steigern. Dies lohnt sich wahrscheinlich vor allem für Rentner mit einem gewerblichen Minijob. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Frührentnern und Altersrentnern mit einer geringfügigen Beschäftigung.

Frührentner - Falls Sie sich als Rentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze geringfügig beschäftigen lassen, sind Sie damit versicherungspflichtig. Diese Pflicht endet erst ab Überschreiten dieser Altersgrenze. Diese lag früher bei 65 Jahren und steigt ab dem Geburtsjahrgang 1964 schrittweise auf 67 Jahre. Frührentner müssen also einen eigenen Rentenbeitrag von 3,6 Prozent bezahlen, bekommen dafür aber nur eine kleine zusätzliche Rente. Folglich sollten sie sich von der Rentenversicherung befreien lassen.

Die bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge wirken sich auch in diesem Fall rentenerhöhend aus.

Wenn Sie bereits vor der Gesetzesänderung diesen Minijob ausgeübt haben, haben Sie Bestandsschutz. Dieser Minijob kann weiterhin rentenversicherungsfrei bleiben, ohne dass Sie das extra beantragen müssten.

Altersrentner - Für Altersvollrentner ist der Minijob rentenversicherungsfrei. Das heißt, der Lohn wird brutto für netto ausbezahlt. Bei einem gewerblichen Minijob kann es sich aber durchaus lohnen, auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht zu verzichten.

Beispiel: Sie bekommen monatlich 450 Euro Gehalt. Im Jahr 2018 zahlen Sie monatlich 3,6 Prozent (16,20 Euro) eigenen Rentenversicherungsbeitrag ein; für das gesamte Jahr also 194,40 Euro. Zahlen Sie ein Jahr ein, erwirtschaften Sie eine zusätzliche Rente von monatlich 4,92 Euro. In 40 Monaten zahlt sich Ihre Investition aus.

Nur, wenn Sie eigene Beiträge zahlen, wirken sich auch die Arbeitgeberbeiträge rentenerhöhend aus. Um den Verzicht auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht zu erklären, füllen Sie gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber ein Formular der Minijob-Zentrale aus. Daran sind Sie für die gesamte Dauer der Beschäftigung gebunden. Es ist nicht möglich, dass Sie sich später in diesem Minijob befreien lassen.

Was gilt für die Krankenversicherung?

Bei einem Minijob führt der Arbeitgeber 13 Prozent als Krankenversicherungsbeitrag an die Knappschaft-Bahn-See ab. Durch die pauschalen Beträge Ihres Arbeitgebers zur Krankenversicherung entsteht für Sie allerdings kein eigenes Krankenversicherungsverhältnis. Sie können daraus keine Leistungen in Anspruch nehmen, da die Pauschalabgaben in den allgemeinen Gesundheitsfonds fließen. Deshalb müssen Sie sich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern, wenn Sie nicht bereits durch Ihre Haupttätigkeit oder durch eine Familienversicherung abgesichert sind.

Sind Sie von Vornherein privat versichert, muss Ihr Arbeitgeber den pauschalen Beitrag nicht zahlen.

Keine Krankenversicherung für Flüchtlinge

Haben geflüchtete Menschen eine Arbeitserlaubnis, dann dürfen sie einen Minijob ausüben. Arbeitgeber müssen dafür keinen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung zahlen, weil Flüchtlinge nicht gesetzlich krankenversichert sind. De facto spart der Arbeitgeber deswegen 13 Prozent Beitrag. Details können Sie bei der Minijob-Zentrale nachlesen.

Welche Regeln gelten für Minijobs in Privathaushalten?

Minijobs in Privathaushalten sind eine spezielle Form der geringfügigen Beschäftigung, sie fördert der Gesetzgeber besonders (§ 8a SGB IV). Zum einen zahlt der Arbeitgeber geringere Pauschalbeiträge als für gewerbliche Minijobs – die belaufen sich auf höchstens 14,74 Prozent.

Zum anderen hat der Gesetzgeber für Minijobs in Privathaushalten eine besondere Steuerermäßigung für Haushaltshilfen eingeführt. Dadurch können Sie als Arbeitgeber jährlich 20 Prozent der entstandenen Kosten – höchstens 510 Euro – von Ihrer Steuerschuld abziehen. Das sind im Monat durchschnittlich 42,50 Euro.

Minijob anmelden

Voraussetzung für die Steuererstattung ist, dass Sie als Arbeitgeber seine Haushaltshilfe bei der Minijob-Zentrale angemeldet haben. Dies geht unbürokratisch mit dem Haushaltsscheckverfahren. Seit 2017 können Sie darüber auch Änderungen zum Beispiel bei der Lohnhöhe, bei den Adress- oder Kontodaten einfach melden.  

Mit dem Haushaltsscheck-Rechner der Minijob-Zentrale können Sie sehr schnell den Steuervorteil berechnen. Der ist meist größer als die Abgaben, die Sie zahlen. Dennoch arbeitet nach einer Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft ein Großteil der Haushaltshilfen schwarz. Nur knapp 350.000 der schätzungsweise 2,7 bis 3 Millionen Putzkräfte, Babysitter oder Gartenhelfer arbeiten als Minijobber oder sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Wer die geringfügige Beschäftigung in einem Privathaushalt nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von 5.000 Euro geahndet wird. Darüber hinaus droht bei einem Unfall im Haushalt der Regress durch die Berufsgenossenschaft.

Wie hoch sind die Pauschalabgaben für den Arbeitgeber?

Je nach Art der geringfügigen Beschäftigung sind vom Arbeitgeber unterschiedliche pauschale Abgaben an die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zu entrichten. Die folgende Übersicht ordnet die pauschalen Abgaben den Beschäftigungsarten zu.

Pauschalabgaben Arbeitgeber Minijobs - gewerblich Minijobs - Privathaushalt kurzfristige Minijobs
Krankenversicherung 13 % 5 % keine
Rentenversicherung (RV) 15 % 5 % keine
Steuern 2 % 2 % 25 % (pauschale Lohnsteuer oder individuell)
Umlage Krankheit 0,9 % 0,9 % 0,9 %
Umlage Mutterschutz 0,24 % 0,24 % 0,24 %
Umlage Insolvenz 0,06 % keine 0,06 %
Unfallversicherung Individuelle Beiträge (durchschnittlich 1,3 %) 1,6 % Individuelle Beiträge (durchschnittlich 1,3 %)
Insgesamt 32,50 % 14,74 % 27,50 %

Quelle: Minijob-Zentrale (Stand: 1. Januar 2018)

Wie sind Minijobs zu versteuern?

Minijobs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Sie müssen dem Arbeitgeber zum Abzug der einheitlichen Pauschalsteuer von 2 Prozent inklusive Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag nur noch Ihre Steueridentifikationsnummer sowie Ihr Geburtsdatum nennen, seit die alte Lohnsteuerkarte auf Papier abgeschafft wurde. Die Steuern werden zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen und den Umlagen zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen von der Minijob-Zentrale berechnet und eingezogen, sodass dem Arbeitgeber kein weiterer Aufwand entsteht.

In der Einkommensteuererklärung müssen Sie Ihre Einkünfte aus dem Minijob nicht gesondert angeben. Handelt es sich bei Ihrem Minijob um eine kurzfristige Beschäftigung, die im Voraus auf 70 Arbeitstage  (ab 2019: 50 Tage) oder zwei Monate innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt ist, ist diese ebenfalls steuerpflichtig. Die Lohnsteuer wird nach Ihren elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen oder – unter bestimmten Voraussetzungen – pauschal mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer erhoben.

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Midijobs: Was gilt bei einem Verdienst bis zu 850 Euro?

Eine Zwischenstufe zwischen regulärer und geringfügiger Beschäftigung bilden die Arbeitsverhältnisse für Teil- oder Vollzeitbeschäftigte mit einem Einkommen von 451 bis 850 Euro, die sogenannten Midijobs. Die von Midijobbern zu tragenden Sozialbeiträge steigen langsam an. Sie beginnen mit 4 Prozent ab einem Monatsverdienst von 451 Euro und steigen linear bis zum vollen Arbeitnehmeranteil von rund 20 Prozent bei Einkünften von monatlich 850 Euro. Der Arbeitgeber hat dagegen stets den vollen Beitragsanteil zu tragen. Was Sie und Ihr Chef tatsächlich zahlen müssen, können Sie mithilfe des Gleitzonenrechners der Deutschen Rentenversicherung ermitteln.

Die Regelung für Midijobber gilt nicht, wenn Sie die Nebenbeschäftigung mit einem Arbeitsentgelt von 450 bis 850 Euro neben einer rentenversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausüben, für die Sie mehr als 850 Euro Gehalt bekommen. In solchen Fällen müssen sowohl Sie als Arbeitnehmer als auch Ihre Arbeitgeber für beide Beschäftigungen die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Wie sind Sie arbeitsrechtlich geschützt?

Üben Sie einen Minijob aus, gelten Sie nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz als Teilzeitbeschäftigte. Sie haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte: Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall etwa, aber auch bezahlten Urlaub. Im Falle einer Kündigung gelten auch für Sie die gesetzlichen Kündigungsfristen. Nur als vorübergehende Aushilfe können Sie mit Ihrem Arbeitgeber für die ersten drei Monate eine kürzere Frist vertraglich vereinbaren.

Verwehrt Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Ansprüche, sollten Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung sprechen und Ihre Rechte einfordern.

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.