Minijob

Bis 450 Euro abgabefrei verdienen

Udo Reuß
& Co-Autor
Stand: 07. Dezember 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Minijobs sind „geringfügige Beschäftigungen“ bis zu 450 Euro regelmäßigem Lohn im Monat.
  • Bei einem Minijob zahlen Sie als Arbeitnehmer weder in die Arbeitslosenversicherung noch in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ein. Auch Steuern müssen Sie normalerweise nicht zahlen.
  • Als Minijobber sind Sie ein Arbeitnehmer in Teilzeit. Sie haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte.
  • Verdienen Sie regelmäßig im Monat mehr als 450 Euro, aber höchstens 850 Euro (1.300 Euro ab dem 1. Juli 2019), dann zahlen Sie als Midijobber etwas weniger Sozialversicherungsbeiträge.
  • Aushilfen und Ferienjobber, die von vornherein nur 70 Tage im Jahr oder drei Monate arbeiten, gelten als kurzfristig Beschäftigte. Sie sind sozialversicherungsfrei.
So gehen Sie vor
  • Minijobs sind rentenversicherungspflichtig. Sie können sich aber davon befreien lassen.
  • Ohne Befreiung zahlen Sie 3,6 Prozent Ihres Lohns in die Rentenversicherung ein. Damit erwerben Sie einen geringen Rentenanspruch. Die Zeit wird als Pflichtbeitragszeit angerechnet und Sie haben Anspruch auf staatliche Zulagen für die Riester-Altersvorsorge.
  • Auch Rentner mit einem Minijob können ihre Rente durch eigene Einzahlungen in die Rentenversicherung etwas erhöhen. Das lohnt sich allerdings nicht in jedem Fall.
  • Wenn Sie selbst einen Minijobber im Privathaushalt beschäftigen möchten, sollten Sie ihn über das Haushaltsscheckverfahren der Minijob-Zentrale anmelden. Über die Steuererklärung können Sie sich 20 Prozent der Kosten für die Haushaltshilfe als Steuererstattung zurückholen – höchstens aber 510 Euro.

Minijobber sind Arbeitnehmer, die in Betrieben, Vereinen, Organisationen und Privathaushalten die unterschiedlichsten Tätigkeiten erledigen. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es in Deutschland mehr als 7,5 Millionen dieser geringfügig entlohnten Beschäftigten (Stand: Mai 2018). Das können Studenten, Rentner oder Minijobber in Privathaushalten sein, aber auch Arbeitnehmer, die mit einem Nebenjob zusätzlich zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit etwas hinzuverdienen wollen.

Was sind Minijobs?

In einem Minijob dürfen Sie im Monat bis zu 450 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen. Seit 2013 sind Minijobs allerdings rentenversicherungspflichtig. Das führt dazu, dass Sie im Regelfall netto etwas weniger ausgezahlt bekommen. Sie können sich aber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Ansonsten fallen für Sie als Arbeitnehmer weder Sozialabgaben noch Steuern an, weil der Arbeitgeber in der Regel die pauschalen Abgaben übernimmt.

Wenn von Minijobs im gewerblichen Bereich die Rede ist, sind 450-Euro-Jobs und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse gemeint (§ 8 SGB IV). Bei Hilfen in Privathaushalten gelten im Wesentlichen dieselben Regeln – nur die Abgaben für den Arbeitgeber sind geringer.

450-Euro-Jobs - Eine geringfügige Beschäftigung setzt voraus, dass der regelmäßige Lohn 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Das entspricht einer Verdienstgrenze von 5.400 Euro pro Jahr bei durchgehender, mindestens zwölf Monate dauernder Beschäftigung. Dabei sind auch einmalige Einnahmen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu berücksichtigen, die mit Sicherheit mindestens einmal pro Jahr gezahlt werden.

Überschreiten Sie die monatliche Arbeitsentgeltgrenze innerhalb des maßgebenden Zeitjahres in mehr als drei Monaten, liegt keine geringfügige Beschäftigung mehr vor. Ausnahme: Sie liegen nicht über der Arbeitsentgeltgrenze von 5.400 Euro im vom Arbeitgeber gewählten Jahreszeitraum. Dann darf das regelmäßige Gehalt auch höher als 450 Euro sein – zumindest zeitweilig.

Im Folgenden dazu ein Beispiel einer Frau, die in einer Eisdiele arbeitet. Der Umfang ihrer Tätigkeit hängt von der Saison ab.

Beispiel für Minijobbergehalt mit saisonal unterschiedlichem Gehalt

Monatmonatlicher LohnSumme
Januar bis März360 €1.080 €
April bis September540 €3.240 €
Oktober bis Dezember360 €1.080 €
insgesamt 5.400 €

Damit übersteigt das regelmäßige monatliche Entgelt der Frau nicht 450 Euro (5.400/12 = 450 Euro). Es handelt sich deshalb um einen Minijob im Sinne des Gesetzes. Auch wenn sie in einzelnen Monaten Arbeitsentgelte oberhalb von 450 Euro erzielt, kann eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegen, solange die jährliche Entgeltgrenze von 5.400 Euro nicht überschritten wird.

Was gilt als kurzfristige Beschäftigung?

Ist die Beschäftigung im Voraus auf drei Monate oder 70 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres befristet und wird sie nicht berufsmäßig ausgeübt, dann handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. Eine solche ist vor allem für die Sommer- oder Semesterferien von Schülern, Studenten oder Erntehelfern gedacht. Auf den Verdienst kommt es grundsätzlich nicht an.

Im Unterschied zu einem 450-Euro-Job bleibt eine kurzfristige Beschäftigung sowohl für den Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmer sozialversicherungs- und beitragsfrei. Dies bezieht sich auf die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Ein gewerblicher Arbeitgeber muss seine Arbeitnehmer bei der Unfallversicherung melden und bestimmte Umlagen abführen.

Für die Besteuerung einer kurzfristigen Beschäftigung gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. individuell nach der Steuerklasse der Aushilfe oder
  2. unter bestimmten Voraussetzungen pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Pauschalkirchensteuer.

Bei Minijobs besteht Versicherungsfreiheit in der Arbeitslosenversicherung, in der gesetzlichen Kranken- und in der Pflegeversicherung (§ 7 SGB V). Wer seinen Minijob verliert, erhält kein Arbeitslosengeld.

Gilt der Mindestlohn auch für einen Minijob-Vertrag?

Seit dem 1. Januar 2015 haben grundsätzlich auch geringfügig entlohnte oder kurzfristig Beschäftigte Anspruch auf Mindestlohn. Zugleich darf die Entgeltgrenze von 450 Euro im Monat aber nicht überschritten werden. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts von Januar 2017 haben sich die Arbeitgeber aber daran oft nicht gehalten. Fast jeder zweite Minijobber bekam weniger als den Mindestlohn.

Zum 1. Januar 2017 ist der gesetzliche Mindestlohn auf 8,84 Euro je Arbeitsstunde gestiegen. 2019 steigt er auf 9,19 Euro und 2020 sogar auf 9,35 Euro brutto. Damit verringert sich bei geringfügigen Beschäftigungen die maximale Arbeitszeit eines Minijobbers. Soll dieser Status erhalten bleiben, muss der Arbeitgeber die Arbeitszeit im Arbeitsvertrag korrigieren. Minijobber erreichen 2018 die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro nach knapp 50 Stunden im Monat, 2019 bereits nach 49 Stunden.

Arbeitgeber müssen seit Einführung des Gesetzes detailliert die Arbeitsstunden von Minijobbern aufzeichnen (§ 17 Mindestlohngesetz). Eine Ausnahme gilt nur für eine Tätigkeit im Privathaushalt und bei der Beschäftigung von engen Familienangehörigen – bei diesen besteht keine Aufzeichnungspflicht.

Dem gesetzlichen Mindestlohn steht grundsätzlich keine Höchstgrenze gegenüber. Arbeitgeber können deshalb einem Minijobber auch sehr großzügige Stundenlöhne zahlen. Entscheidend ist allein, dass er nicht mehr als 450 Euro im Monat bekommt. 

Welche Regeln gelten bei mehreren Minijobs?

Mehrere Minijobs bei unterschiedlichen Arbeitgebern

Haben Sie mehrere Minijobs, sind die Einkünfte daraus immer zusammenzurechnen. Überschreitet Ihr insgesamt erzielter Lohn die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro im Monat, unterliegen alle Ihre geringfügigen Beschäftigungen der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Minijob als Nebentätigkeit

Üben Sie eine geringfügige Beschäftigung neben einem sozialversicherungspflichtigen Hauptberuf aus, bleibt die geringfügige Beschäftigung sozialversicherungsfrei. Beginnen Sie daneben noch einen weiteren Minijob, unterliegen Sie mit dem zweiten Minijob der Sozialversicherungspflicht.

Ist der Hauptberuf sozialversicherungsfrei, zum Beispiel weil Sie verbeamtet sind, werden die zweite und alle weiteren ausgeübten Beschäftigungen zusammengerechnet. Überschreiten Sie dadurch die Entgeltgrenze von 450 Euro, besteht Versicherungspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung mit jeweils individueller Beitragszahlung. In der Kranken- und Pflegeversicherung bleiben dagegen beide Beschäftigungen versicherungsfrei.

Minijob als Nebentätigkeit beim selben Arbeitgeber

Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber gelten sozialversicherungsrechtlich als eine Einheit. Die Art der jeweils ausgeübten Beschäftigung ist dabei unbedeutend. In Ihrem Minijob wären Sie dann auch sozialversicherungspflichtig.

Anders ist es, wenn Sie für eine Tochtergesellschaft Ihres Arbeitgebers im Rahmen eines Minijobs tätig sind. Das gilt selbst dann, wenn diese organisatorisch und wirtschaftlich eng verflochten sind.

Übungsleitertätigkeit- und Ehrenämter

Auf die Minijob-Gehaltsgrenze nicht angerechnet wird die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale. Wenn Sie einen Minijob mit der Übungsleiterpauschale kombinieren, können Sie bis zu 650 Euro im Monat ohne Sozialversicherungsabgaben hinzuverdienen.

Die steuerfreie Pauschale bis zu 2.400 Euro im Jahr können Sie für eine nebenberufliche pädagogische Tätigkeit in einer gemeinnützigen Organisation erhalten, zum Beispiel als Sporttrainer. Als Vereinsvorstand oder in einer anderen ehrenamtlichen Tätigkeit können Sie im Jahr bis zu 720 Euro steuerfrei als Aufwandsentschädigung bekommen.

Was ist bei der Rentenversicherung zu beachten?

Alle Minijobber unterliegen seit 2013 der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Da der Arbeitgeber für eine geringfügige Beschäftigung bereits den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent des Lohns zahlt, müssen Minijobber nur die Differenz zum allgemeinen Beitragssatz von 18,6 Prozent selbst tragen, also 3,6 Prozent. Das heißt konkret: Von 450 Euro brutto erhalten Sie nur 433,80 Euro im Monat ausbezahlt.

Bei einer Beschäftigung in einem Privathaushalt müssen Arbeitnehmer für einen vollen Beitrag jedoch 13,6 Prozent als Eigenleistung zahlen, weil der Arbeitgeber dort nur 5 Prozent pauschal leistet.

Folgende Vorteile bringt Ihnen die Rentenversicherungspflicht:

  • Erwerb von Pflichtarbeitszeiten, die Sie bei Ansprüchen auf medizinische Rehabilitation, Umschulungen oder Ähnlichem nachweisen müssen.
  • Kleine Erhöhung der Rentenansprüche: Bekommen Sie ein Jahr lang im Minijob 450 Euro monatlich, bringt das allein durch die Pauschalabgabe des Arbeitgebers nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung einen Rentenzuwachs von etwa 3,55 Euro im Monat. Wenn Sie die 3,6 Prozent zusätzlich selbst einzahlen, beläuft sich der Zuwachs auf monatlich zirka 4,43 Euro.
  • Voraussetzung für staatliche Förderung der Altersvorsorge: Schließen Sie einen Riester-Vertrag ab und zahlen Sie jährlich mindestens 60 Euro dafür, winkt eine staatliche Zulage von 175 Euro (seit 2018) und von 300 Euro für jedes Kind, das ab 2008 geboren ist. Für jedes ältere Kind beläuft sich die Zulage auf jährlich 185 Euro.

Attraktiv für Mütter

Wenn beispielsweise eine Mutter die fünf Jahre Mindestversicherungszeit noch nicht erreicht hat, dann kann ein Minijob recht schnell zu einem Anspruch auf eine kleine Rente führen. Beispiel: Eine Mutter verdient zwei Jahre lang monatlich 450 Euro als geringfügig Beschäftigte. Sie stockt den Rentenversicherungsbeitrag, den ihr Arbeitgeber zahlt, um 3,6 Prozent auf. Dafür erhält sie einen Rentenanspruch von 8,86 Euro. Für die Erziehung eines Kindes erhält sie drei Entgeltpunkte und somit einen weiteren Rentenanspruch von 93,09 Euro, insgesamt also 101,95 Euro (Quelle: Finanztip-Berechnung vom 13. September 2017 mit Angaben der Minijob-Zentrale).

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Sie können sich von der Rentenversicherung befreien lassen. Dazu müssen Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber schriftlich erklären, dass Sie darauf verzichten. Ihr Arbeitgeber reicht dann eine Mitteilung an die Minijob-Zentrale weiter. Wenn diese nicht innerhalb eines Monats widerspricht, gilt der Antrag als genehmigt (§ 6 Abs. 1b, 3 und 4 SGB VI).

Bevor Sie sich befreien lassen, sollten Sie sich von einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erläutern lassen, wie sich das für Sie persönlich auswirkt. Bei der DRV können Sie kostenlos anrufen unter der Servicenummer 0800 1000 4800.

Rentner und Rentenversicherungspflicht

Fast 1,1 Millionen der Minijobber sind nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit mindestens 65 Jahre alt (Stand: Dezember 2017). Bis Ende 2016 war der Minijob eines Rentners mit einer vollen Rente grundsätzlich rentenversicherungsfrei. Die vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge in die Rentenversicherung erhöhten das Ruhegeld nicht. Dies hat sich zum 1. Januar 2017 geändert.

Seither können Rentner mit einem eigenen Beitrag zur Rentenversicherung ihre Rente steigern. Dies lohnt sich wahrscheinlich vor allem für Rentner mit einem gewerblichen Minijob. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Frührentnern und Altersrentnern mit einer geringfügigen Beschäftigung.

Frührentner - Falls Sie sich als Rentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze geringfügig beschäftigen lassen, sind Sie damit versicherungspflichtig. Diese Pflicht endet erst ab Überschreiten dieser Altersgrenze. Diese lag früher bei 65 Jahren und steigt ab dem Geburtsjahrgang 1964 schrittweise auf 67 Jahre. Frührentner müssen also einen eigenen Rentenbeitrag von 3,6 Prozent bezahlen, bekommen dafür aber nur eine kleine zusätzliche Rente. Folglich sollten sie sich von der Rentenversicherung befreien lassen.

Die bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge wirken sich auch in diesem Fall rentenerhöhend aus.

Wenn Sie bereits vor der Gesetzesänderung diesen Minijob ausgeübt haben, haben Sie Bestandsschutz. Dieser Minijob kann weiterhin rentenversicherungsfrei bleiben, ohne dass Sie das extra beantragen müssten.

Altersrentner - Für Altersvollrentner ist der Minijob rentenversicherungsfrei. Das heißt, der Lohn wird brutto für netto ausbezahlt. Bei einem gewerblichen Minijob kann es sich aber durchaus lohnen, auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht zu verzichten.

Beispiel: Sie bekommen monatlich 450 Euro Gehalt. Im Jahr 2018 zahlen Sie monatlich 3,6 Prozent (16,20 Euro) eigenen Rentenversicherungsbeitrag ein; für das gesamte Jahr also 194,40 Euro. Zahlen Sie ein Jahr ein, erwirtschaften Sie eine zusätzliche Rente von monatlich 4,92 Euro. In 40 Monaten zahlt sich Ihre Investition aus.

Nur, wenn Sie eigene Beiträge zahlen, wirken sich auch die Arbeitgeberbeiträge rentenerhöhend aus. Um den Verzicht auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht zu erklären, füllen Sie gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber ein Formular der Minijob-Zentrale aus. Daran sind Sie für die gesamte Dauer der Beschäftigung gebunden. Es ist nicht möglich, dass Sie sich später in diesem Minijob befreien lassen.

Was gilt für die Krankenversicherung?

Bei einem Minijob führt der Arbeitgeber 13 Prozent als Krankenversicherungsbeitrag an die Knappschaft-Bahn-See ab. Durch die pauschalen Beträge Ihres Arbeitgebers zur Krankenversicherung entsteht für Sie allerdings kein eigenes Krankenversicherungsverhältnis. Sie können daraus keine Leistungen in Anspruch nehmen, da die Pauschalabgaben in den allgemeinen Gesundheitsfonds fließen. Deshalb müssen Sie sich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern, wenn Sie nicht bereits durch Ihre Haupttätigkeit oder durch eine Familienversicherung abgesichert sind.

Sind Sie von vornherein privat versichert, muss Ihr Arbeitgeber den pauschalen Beitrag nicht zahlen.

Keine Krankenversicherung für Flüchtlinge

Haben geflüchtete Menschen eine Arbeitserlaubnis, dann dürfen sie einen Minijob ausüben. Arbeitgeber müssen dafür keinen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung zahlen, weil Flüchtlinge nicht gesetzlich krankenversichert sind. De facto spart der Arbeitgeber deswegen 13 Prozent Beitrag. Details können Sie bei der Minijob-Zentrale nachlesen.

Unfallversicherung ist Pflicht

Eine Unfallversicherung schützt die Arbeitgeber vor Ansprüchen ihrer Minijobber wegen eines Arbeitsunfalls, Arbeitswegeunfalls oder einer Berufskrankheit. Arbeitgeber im gewerblichen Bereich müssen ihre Minijobber bei der gesetzlichen Unfallversicherunganmelden. Sie übernehmen alleine die Beiträge für den Versicherungsschutz. Je nach Branche ist ein bestimmter Unfallversicherungsträger zuständig. Die Beitragssätze unterscheiden sich und liegen im Durchschnitt bei rund 1,3 Prozent. 

Nähere Informationen erteilt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung unter der Telefonnummer 0800/60 50 404.

Welche Regeln gelten für Minijobs in Privathaushalten?

Minijobs in Privathaushalten sind eine spezielle Form der geringfügigen Beschäftigung, sie fördert der Gesetzgeber besonders (§ 8a SGB IV). Zum einen zahlt der Arbeitgeber geringere Pauschalbeiträge als für gewerbliche Minijobs – die belaufen sich auf höchstens 14,74 Prozent.

Zum anderen hat der Gesetzgeber für Minijobs in Privathaushalten eine besondere Steuerermäßigung für Haushaltshilfen eingeführt. Dadurch können Sie als Arbeitgeber jährlich 20 Prozent der entstandenen Kosten – höchstens 510 Euro – von Ihrer Steuerschuld abziehen. Das sind im Monat durchschnittlich 42,50 Euro. Die Steuerermäßigung beantragen Sie im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung.

Minijob anmelden

Voraussetzung für die Steuererstattung ist, dass Sie als Arbeitgeber seine Haushaltshilfe bei der Minijob-Zentrale angemeldet haben. Dies geht unbürokratisch mit dem Haushaltsscheckverfahren. Seit 2017 können Sie darüber auch Änderungen zum Beispiel bei der Lohnhöhe, den Adress- oder Kontodaten einfach melden.  

Mit dem Haushaltsscheck-Rechner der Minijob-Zentrale können Sie sehr schnell den Steuervorteil berechnen. Der ist meist größer als die Abgaben, die Sie zahlen. Dennoch arbeitet nach einer Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft ein Großteil der Haushaltshilfen schwarz. Nur knapp 350.000 der schätzungsweise 2,7 bis 3 Millionen Putzkräfte, Babysitter oder Gartenhelfer arbeiten als angemeldete Minijobber oder sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Wer die geringfügige Beschäftigung in einem Privathaushalt nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von 5.000 Euro geahndet wird. Darüber hinaus droht bei einem Unfall im Haushalt der Regress durch die Berufsgenossenschaft.

Wie hoch sind die Pauschalabgaben für den Arbeitgeber?

Zu unterscheiden ist zwischen einer kurzfristigen Beschäftigung, einem Minijob-Arbeitsvertrag im gewerblichen Bereich sowie einer geringfügigen Beschäftigung im Privathaushalt. 

Je nach Art der geringfügigen Beschäftigung sind vom Arbeitgeber unterschiedliche pauschale Abgaben an die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zu entrichten. Die folgende Übersicht ordnet die monatlichen pauschalen Abgaben für die Jahre 2018 und 2019 den Beschäftigungsarten zu.

Pauschale Abgaben je nach Art der Beschäftigung

PauschaleMinijobs
gewerblich
Minijobs im
Privathaushalt
kurzfristige
Minijobs
Krankenversicherung13 %5 %keine
Rentenversicherung15 %5 %keine
Steuern2 %2 %25 % (pauschale Lohnsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Pauschal-Kirchensteuer oder individuell)
Umlage
Krankheit
0,9 %0,9 %0,9 %
Umlage Mutterschutz0,24 %0,24 %0,24 %
Umlage
Insolvenz
0,06 %keine0,06 %
Unfallversicherungindividuelle Beiträge (durchschnittlich 1,3 %)1,6 %individuelle Beiträge (durchschnittlich
1,3 %)
insgesamt32,5 %14,74 %ca. 27,8 %

Quelle: Minijob-Zentrale (Stand: 5. Dezember 2018)

Wie sind Minijobs zu versteuern?

Minijobs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Sie müssen dem Arbeitgeber zum Abzug der einheitlichen Pauschalsteuer von 2 Prozent inklusiveKirchensteuer und Solidaritätszuschlag nur noch Ihre Steueridentifikationsnummer sowie Ihr Geburtsdatum nennen. Die Steuern werden zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen und den Umlagen zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen von der Minijob-Zentrale berechnet und eingezogen, sodass dem Arbeitgeber kein weiterer Aufwand entsteht.

Im Normalfall übernimmt der Arbeitgeber die Abgaben. Es ist jedoch erlaubt, dass der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag festlegt, dass Sie im Innenverhältnis die Pauschalsteuer tragen müssen.

In der Einkommensteuererklärung müssen Sie Ihre Einkünfte aus dem Minijob nicht gesondert angeben. Mit der Pauschalsteuer sind alle steuerlichen Pflichten erledigt. Dazu gehört, dass Sie keine Werbungskosten absetzen dürfen. 

Pauschale oder individuelle Steuer für kurzfristige Beschäftigung

Handelt es sich bei Ihrem Minijob-Vertrag um eine kurzfristige Beschäftigung, die im Voraus auf drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet ist, ist diese ebenfalls steuerpflichtig. Die Lohnsteuer wird entweder nach Ihren elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen erhoben. Oder es fallen – unter bestimmten Voraussetzungen – pauschal 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell eine pauschale Kirchensteuer an. 

Die Pauschalkirchensteuer ist in den Bundesländern unterschiedlich hoch und etwas niedriger als der normale Kirchensteuersatz. Weisen Sie als Arbeitnehmer nach, dass Sie nicht kirchensteuerpflichtig sind, muss der Arbeitgeber keine Kirchensteuer abführen.

Die Bedingungen für die Pauschalversteuerung kurzfristiger Aushilfen sind:

  • Die Tätigkeit erfolgt höchstens an 18 zusammenhängenden Arbeitstagen,

  • der Stundenlohn ist auf 12 Euro begrenzt und

  • beträgt pro Arbeitstag höchstens 72 Euro.

Der Arbeitgeber kann die Pauschalsteuer auf seine Mitarbeiter abwälzen, sollte dies aber im Arbeitsvertrag dementsprechend vereinbaren.

Insbesondere bei Ferienjobbern ist die individuelle Besteuerung oft günstiger. Denn in vielen Fällen verdienen diese im Jahr so wenig, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen unterhalb des Grundfreibetrags bleibt. 2019 liegt es bei 9.168 Euro, 2020 sogar bei 9.408 Euro. Bis dahin bleibt das Einkommen steuerfrei. Abgeführte Steuern können sich Ferienjobber mit einer Steuererklärung möglicherweise komplett zurückholen.

Gesetzlich geregelt ist die Besteuerung von geringfügig Beschäftigten in Paragraf 40a Einkommensteuergesetz.

Wie werden die Sozialabgaben im Midijob ermittelt?

Eine Zwischenstufe zwischen regulärer und geringfügiger Beschäftigung bilden die Arbeitsverhältnisse für Teil- oder Vollzeitbeschäftigte mit einem Gehalt von 450,01 bis 850 Euro (ab 1. Juli 2019 bis 1.300 Euro): die sogenannten Midijobs. Dabei kommt es auf den regelmäßigen Arbeitslohn für einen kompletten Monat an.

Ab Juli 2019 heißt dieser Lohnbereich nicht mehr Gleitzone, sondern Übergangsbereich. Verdienen Sie als Arbeitnehmer mehr, müssen Sie ab Erreichen dieser Verdienstgrenze die normalen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. 

Die vom Midijobber zu tragenden Rentenversicherungsbeiträge steigen im Übergangsbereich langsam an. Sie beginnen mit 4 Prozent ab einem Monatsverdienst von 450,01 Euro und steigen linear bis zum vollen Arbeitnehmeranteil von rund 20 Prozent bei Einkünften von monatlich 850 Euro beziehungsweise 1.300 Euro. Der Arbeitgeber hat dagegen stets den vollen Beitragsanteil zu tragen. 

Beispiel: Bei einem monatlichen Gehalt von gut 450 Euro zahlen Sie als Minijobber 21 Euro weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Für ein komplettes Beitragsjahr erhalten Sie ab Juli 2019 dafür eine Bruttorente von 4,45 Euro. Bei einem Monatsgehalt von 950 Euro sparen Sie 8 Euro Rentenversicherungsbeitrag und bekommen ein Rentenplus von 9 Euro. 

Steuerlich gibt es keine Entlastung. Es gelten der normale progressiv verlaufende Einkommensteuertarif und Ihre Lohnsteuermerkmale wie zum Beispiel die Steuerklasse. Letztlich profitieren also allein Sie als Arbeitnehmer von etwas geringeren Sozialabgaben. Was Sie und Ihr Chef tatsächlich zahlen müssen, können Sie mithilfe des Gleitzonenrechners der Deutschen Rentenversicherung ermitteln.

Die Regelung für Midijobber gilt nicht für Auszubildende und Praktikanten. Nicht anwendbar ist sie auch für eine Nebenbeschäftigung, die Sie zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mit einem Monatslohn von mehr als 850/1.300 Euro ausüben. In solchen Fällen müssen sowohl Sie als auch Ihre Arbeitgeber für beide Beschäftigungen die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Wenn Sie geringere Sozialbeiträge zahlen, dann wirkt sich dies auf Ihre späteren Rentenansprüche aus. Bislang werden sowohl die Beiträge als auch die Rentenansprüche nach einer niedrigeren Bemessungsgrundlage als dem tatsächlichen Lohn berechnet. Sie können jedoch bei Ihrem Arbeitgeber schriftlich beantragen, dass dieser auch bei Ihnen die normalen Rentenversicherungsbeiträge abzieht.

Ab 2019 soll der Arbeitgeber für alle Arbeitnehmer im Übergangsbereich das volle tatsächliche Entgelt an die Rentenversicherung melden. Folglich erhält dann ein Midijobber mit selbstbezahlten Rentenversicherungsbeiträgen etwas höhere Entgeltpunkte für seine Rente.

Wie sind Sie arbeitsrechtlich geschützt?

Üben Sie einen Minijob aus, gelten Sie nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz als Teilzeitbeschäftigter. Sie haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte: Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall etwa, aber auch bezahlten Urlaub. Im Falle einer Kündigung gelten auch für Sie die gesetzlichen Kündigungsfristen. Nur als vorübergehende Aushilfe können Sie mit Ihrem Arbeitgeber für die ersten drei Monate eine kürzere Frist vertraglich vereinbaren.

Verwehrt Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Ansprüche, sollten Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung sprechen und Ihre Rechte einfordern.

Verlieren Sie Ihren Minijob, bekommen Sie dafür kein Arbeitslosengeld.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Udo Reuß
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 07. Dezember 2018


* Was der Stern bedeutet

Ein Stern* neben einem Link bedeutet, dass Finanztip vom verlinkten Anbieter möglicherweise bezahlt wird: manchmal, sobald Sie den Link klicken – oft nur dann, wenn Sie einen Vertrag abschließen. So finanzieren wir unseren Service und können ihn kostenlos anbieten. Wichtig ist: Auf den Preis, den Sie zahlen, wirkt sich das nicht aus. Und wir verlinken nur auf Angebote, die unsere unabhängigen Experten und Redakteure zuvor uneingeschränkt empfohlen haben. Das hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist. Erst wenn das geklärt ist, verhandelt eine andere Abteilung über eine mögliche kostenpflichtige Verlinkung. Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.