Rückkehr in die GKV

So wechselst Du von der privaten in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
29. Januar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Rückkehr aus der privaten in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) ist nur in Ausnahmefällen möglich.
  • Angestellte müssen ihr Bruttoeinkommen dafür unter die Jahres­arbeits­entgelt­grenze von 64.350 Euro (Stand 2021) senken.
  • Selbstständige müssen im Hauptjob in ein Angestelltenverhältnis wechseln.
  • Wer älter als 55 Jahre ist, hat kaum noch eine Chance für den Wechsel. Eventuell besteht die Möglichkeit, über den Ehepartner in die GKV-Familienversicherung zu kommen.
So gehst Du vor
  • Bist du selbstständig, lass Dich von Deiner Firma als Arbeitnehmer anstellen. 
  • Dein Gehalt kannst Du zum Beispiel durch Teilzeit reduzieren. Es gibt auch andere Möglichkeiten für weniger Brutto: Prüfe etwa, ob Du in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen kannst.
  • Ist Dein Ehepartner gesetzlich versichert, kann dessen Familienversicherung Dich zurück in die gesetzliche Kran­ken­kas­se holen.
  • Letzter Ausweg kann sein, sich arbeitslos zu melden. Oder Du lässt Dich – vorübergehend – im europäischen Ausland krankenversichern.

Am Anfang, in der Beratung, klingt es sehr verlockend: Die private Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) bietet mitunter bessere Leistungen, kostet aber oft weniger als die gesetzlichen Kran­ken­kas­sen (GKV). Ob der Berater nicht ausreichend beraten hat oder es im Leben einfach ganz anders kam als gedacht: Mit der Zeit wird vielen Privatversicherten die PKV zu teuer, und sie suchen einen Weg zurück ins dann günstigere Solidarsystem.

Was tun, wenn die private Absicherung nicht mehr passt?

Im Durchschnitt stiegen die Beiträge von Privatversicherten in den vergangenen zehn Jahren laut PKV-Verband jährlich um etwa 3 Prozent. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, privat versichert zu bleiben und den Beitrag zu senken. Wer diese bereits ausgereizt hat, findet manchmal in der Rückkehr in eine gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung noch einen Ausweg, um weniger für die Absicherung der Gesundheit zu bezahlen.

Widerspruchsfrist nach Vertragsabschluss nutzen

Falls Du erst kürzlich eine private Kran­ken­ver­si­che­rung abgeschlossen und jetzt ein schlechtes Bauchgefühl hast, kannst Du Deinen Vertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen, nachdem Du den Versicherungsschein erhalten hast. Eine E-Mail genügt für den Widerspruch. Zur Sicherheit solltest Du aber ein Einschreiben hinterherschicken. Dabei reicht es, das Schreiben innerhalb der vorgesehenen Frist abzusenden.

Wenn die Widerspruchsfrist schon lange abgelaufen ist

Meist fallen die Nachteile der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung erst nach einigen Jahren auf, etwa wenn die Beiträge im Alter steigen oder sich das Einkommen anders entwickelt als erwartet. Das zeigen auch die in der Finanztip-Community diskutierten Fälle: Die private Absicherung passt oft nicht mehr zur veränderten Lebenslage.

Gründe gibt es dafür viele: Wer hohe Prämien für den Ver­si­che­rungs­schutz der Kinder bezahlt, merkt, dass eine private Kran­ken­ver­si­che­rung meist keine familienfreundliche Lösung ist. Aber auch ohne Nachwuchs überfordern die Beiträge oft die eigenen finanziellen Möglichkeiten.

Wer erst kurz vor der Rente über eine Rückkehr in die GKV nachdenkt, hat gleich mehrere Nachteile. Zum einen ist ein Wechsel ab 55 Jahren schwierig. Und wer erst in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens wechselt, darf nach dem Ende seiner Berufstätigkeit in der Regel nicht in die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner, sondern muss sich freiwillig versichern und zahlt daher im Alter höhere Versicherungsbeiträge.

Welche Lösungen gibt es für Angestellte?

Wer als Angestellter zurück in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung möchte, muss sein regelmäßiges Bruttoeinkommen unter die Jahres­arbeits­entgelt­grenze (JAEG) von 64.350 Euro (Stand 2021) drücken. Wer bereits vor dem 31. Dezember 2002 privat versichert war, für den gilt 2021 eine besondere Grenze von 58.050 Euro.

Sobald Du diese Entgeltgrenzen unterschreitest, fällst Du sofort wieder unter die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht, welche der Arbeitgeber der Kran­ken­kas­se meldet. Damit kannst Du zu einer Kran­ken­kas­se Deiner Wahl wechseln.

Gesetzlich Versicherte dürfen auch in der GKV bleiben, falls das Gehalt wieder über die Jahres­arbeits­entgelt­grenze steigt. Sie müssen sich dann freiwillig gesetzlich versichern. Eine frühere Regelung, die in einem solchen Fall zwölf Monate Mitgliedschaft voraussetzte, wurde abgeschafft (§ 188 Abs. 4 SGB V).

Dein Gehalt kannst Due auf zwei Wegen reduzieren:

1. Einkommen vorübergehend reduzieren

Durch Teilzeitarbeit, ein Sabbatical oder ein Arbeitszeitkonto lässt sich das monatliche Einkommen so weit reduzieren, dass es auf zwölf Monate hochgerechnet unter der Jahres­arbeits­entgelt­grenze liegt. 

Nach der Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung kannst Du die Arbeitszeit und damit das Gehalt wieder anheben. Sofern Dein Einkommen dann wieder die Jahres­arbeits­entgelt­grenze übersteigt, kannst Du Dich weiter freiwillig gesetzlich krankenversichern und musst nicht zurück in die PKV. 

Eine gute Möglichkeit, auf diesem Wege wieder in die GKV zurückzukehren, bietet die sogenannte Brückenteilzeit. Mit dem Gesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist, können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für einen bestimmten Zeitraum reduzieren und dann zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit zurückkehren. Von der Brückenteilzeit mit Rückkehrrecht profitieren allerdings nur Arbeitnehmer, die seit mindestens sechs Monaten bei einem Unternehmen mit mehr als 45 Mitarbeitern beschäftigt sind. Dann können sie die befristete Teilzeit für mindestens ein Jahr beantragen.

Je näher Dein Gehalt an der Entgeltgrenze liegt, zum Beispiel bei 65.000 Euro Jahreseinkommen, desto eher lohnt sich der temporäre Gehaltsverzicht.

Je höher aber das Einkommen ist, desto schwerer lässt sich sagen, ob sich dieser Schritt rentiert. Du solltest deshalb zunächst prüfen, ob ein Tarifwechsel bei Deinem jetzigen Versicherer sinnvoller ist. Wenn das nicht infrage kommt, musst Du zwar zeitweise auf viel Einkommen verzichten, um unter die Grenze zu kommen. Andererseits sparst Du bis zum Ende des Lebens Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträge.

2. Einkommen in betriebliche Altersvorsorge umwandeln 

Wer brutto weniger als 67.758 Euro verdient, hat noch eine elegantere Möglichkeit, sich wieder gesetzlich zu versichern: die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Das funktioniert auch, wenn der Arbeitgeber einer Teilzeit-Lösung nicht zustimmt. Denn es besteht ein Rechtsanspruch auf die sogenannte Entgeltumwandlung: Bis zu 3.408 Euro im Jahr (Stand 2021) kannst Du vom Bruttoeinkommen sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen.

Dadurch sinkt das für die Kran­ken­ver­si­che­rung maßgebliche Entgelt um den Vorsorgebetrag. So kannst Du unter die Entgeltgrenze von 64.350 Euro gelangen – und sorgst zudem noch fürs Alter vor. Der dafür nötige Sparbetrag errechnet sich folgendermaßen:

Jahresbruttoeinkommen – 64.350 Euro = Betrag, den Du in die bAV einzahlen solltest

Den Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge musst Du nur für ein Jahr bezahlen. Nach der Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung kannst Du den Beitrag herunter- oder aussetzen.

Ein Beispiel: Ein 40-jähriger Angestellter verdient im Jahr 65.000 Euro brutto. Er will sich wieder gesetzlich krankenversichern. Statt durch vorübergehende Teilzeitarbeit auf Einkommen zu verzichten, zahlt er einmalig von seinem Weihnachts­geld 1.500 Euro in eine Direktversicherung bei seinem Arbeitgeber ein. Dadurch sinkt sein Bruttoeinkommen von 65.000 Euro auf 63.500 Euro, sein Arbeitgeber meldet ihn wieder als versicherungspflichtig. Mit der entsprechenden schriftlichen Bestätigung des Arbeitgebers kann er die PKV fristlos kündigen und sich bei einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se anmelden.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Kran­ken­kas­sen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic, HEK, SBK und BKK VBU.

Zum Ratgeber

Welche Lösungen gibt es für Selbstständige?

Bei Selbstständigen gestaltet sich der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung schwieriger. Du kannst nicht einfach Dein Einkommen senken, um Dich gesetzlich zu versichern. Du hast aber folgende Möglichkeiten:

1. Du lässt Dich im Hauptberuf anstellen 

Der Wechsel in die Festanstellung ist die einfachste Möglichkeit für Selbstständige, in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zurückzukehren. Der Verdienst im neuen Job muss mehr als 450 Euro monatlich betragen, aber unter der Entgeltgrenze von 64.350 Euro (Stand 2021) liegen.

Die selbstständige Tätigkeit musst Du dafür nicht aufgeben, Du kannst sie, wenn gewünscht, im Nebenberuf weiter ausüben. Die abhängige Beschäftigung muss allerdings der Hauptberuf sein. Das bedeutet: Sie muss den Hauptteil Deiner Einnahmen und Arbeitszeit ausmachen.

Als Anhaltspunkte gelten eine Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden pro Woche und ein Bruttoeinkommen von mehr als der halben Bezugsgröße für die Sozialversicherung, derzeit 1.645 Euro in den alten und 1.557,50 Euro in den neuen Bundesländern (Stand 2021). Die Kran­ken­kas­sen prüfen, ob eine echte abhängige Beschäftigung vorliegt: Es reicht also nicht aus, sich nur zum Schein bei Verwandten anstellen zu lassen.

2. Geschäftsaufgabe und Familienversicherung 

Wenn der Ehepartner gesetzlich versichert ist, gibt es eine weitere Möglichkeit, in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zurückzukehren. Selbstständige können dann ihr Geschäft aufgeben, um beitragsfrei in die Familienversicherung ihres Ehepartners aufgenommen zu werden.

Die kostenlose Familienversicherung ist jedoch an bestimmte Auflagen geknüpft: So darf das Einkommen des familienversicherten Ehegatten bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Damit die Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung gelingt, ist 2021 lediglich ein Verdienst von 553,33 Euro im Monat (Einkommensgrenze in der Familienversicherung + Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le) oder ein Minijob erlaubt – mit einem Einkommen von dann höchstens 450 Euro im Monat.

Wer über die Familienversicherung in eine gesetzliche Kran­ken­kas­se wechselt, wird automatisch auch Mitglied in der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung. Einen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung hast Du allerdings erst nach einer Vorversicherungszeit von zwei Jahren.

Seit Januar 2019 wird bei einem nahtlosen Übergang zwischen privater und gesetzlicher Pfle­ge­ver­si­che­rung auch die Vorversicherungszeit in der privaten Pflegepflichtversicherung angerechnet (§ 33 Abs. 3 SGB XI). So sind die meisten Versicherten durchgehend abgesichert, falls sie pflegebedürftig werden.

Wenn Du von der Versicherungspflicht befreit bist

Manche privat Krankenversicherte haben sich in der Vergangenheit von der Versicherungspflicht befreien lassen, um trotz eines niedrigeren Einkommens privat versichert zu bleiben. Früher galt: Wer sich einmal von der Versicherungspflicht befreien ließ, blieb dies auch für alle folgenden Beschäftigungen.

Das ist heute anders (Bundessozialgericht, Urteil vom 25. Mai 2011, Az. B 12 KR 9/09 R). Eine aufgrund einer Beschäftigung ausgesprochene Befreiung wirkt nur so lange, wie die Beschäftigung tatsächlich besteht. Danach gilt sie nicht mehr, insbesondere wenn danach Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht aufgrund eines anderen Sachverhalts eintritt.

Das bedeutet: Wer sich von der Versicherungspflicht befreien ließ, wird zum Beispiel durch eine Arbeitslosigkeit, die mindestens einen Monat andauert, wieder versicherungspflichtig. Er kann auch danach in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung bleiben. Wer nahtlos in eine andere Beschäftigung wechselt, bleibt dagegen von der Versicherungspflicht befreit.

Welche Notlösungen gibt es für Härtefälle?

Für alle privat Krankenversicherten – egal, ob angestellt oder selbstständig – gibt es zwei drastische Möglichkeiten, um zurück in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zu kommen, wenn alle anderen Wege gescheitert sind.

1. Du meldest Dich arbeitslos

Wer Ar­beits­lo­sen­geld I bezieht, kann sich ebenfalls wieder gesetzlich versichern (§ 5 Abs. 1.2 SGB V). Das gilt selbst für privat Versicherte, die sich in der Vergangenheit von ihrer Versicherungspflicht befreien ließen. Einzige Ausnahme sind Versicherte, die 55 Jahre oder älter sind und deshalb von der Versicherungspflicht ausgeschlossen sind.

Für Selbstständige bedeutet das: Du musst Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I haben, die Selbstständigkeit aufgeben und Dich beim Arbeitsamt arbeitslos melden. Ob sich dieser Schritt lohnt, solltest Du gut durchdenken. In unserem Ratgeber findest Du mehr Informationen zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung bei Arbeitslosigkeit.

Übrigens reicht es bereits, nur einen Monat Ar­beits­lo­sen­geld I zu beziehen. Seit 2013 gilt die Regelung der sogenannten obligatorischen Anschlussversicherung. Wer zum Beispiel durch einen neuen gutbezahlten Job aus der Versicherungspflicht in der Arbeitslosigkeit herausfällt, ist automatisch weiterhin freiwillig Mitglied der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (§ 188 Abs. 4 SGB V). Durch das Gesetz entfällt in den meisten Fällen die eigentlich vorgeschriebene Vorversicherungszeit.

2. Du versicherst Dich im europäischen Ausland 

Die zweite Notlösung besteht darin, in einem anderen europäischen Land in die dortige gesetzliche Pflichtversicherung einzutreten. Länder mit einer entsprechenden Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht sind unter anderem die Niederlande, Schweden oder die Schweiz.

In der Regel musst Du dazu in das jeweilige Land umziehen oder dort einen Job annehmen. Weiterhin musst Du mindestens zwölf Monate dort versichert sein und rechtzeitig Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung kündigen. Kehrst Du anschließend wieder dauerhaft zurück nach Deutschland, kannst Du innerhalb von drei Monaten freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung werden (§9 Abs. 2 Nr.1 SGB V). Informiere Dich vorab bei der Unabhängigen Patientenberatung, welche Regelungen in Deinem Fall gelten.

Wer älter ist als 55 Jahre, kann kaum wechseln

Privat Krankenversicherte, die bereits 55 Jahre oder älter sind, haben es sehr schwer, sich überhaupt noch bei einer gesetzlichen Kasse zu versichern. Der Gesetzgeber hat die Wechselmöglichkeiten für diese Menschen stark beschränkt, auch wenn sie etwa ein neues Arbeitsverhältnis eingehen und damit eigentlich versicherungspflichtig würden.

Betroffene haben nur dann eine Chance, wenn sie in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Tag gesetzlich versichert waren. Die Rückkehr in die GKV ist außerdem ausgeschlossen, wenn in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte der Zeit keine Versicherungspflicht bestand, zum Beispiel weil das Jahreseinkommen des Versicherten zu hoch war, er im Hauptberuf selbstständig tätig oder von der Versicherungspflicht befreit war (§ 6 Abs. 3a SGB V). Faktisch läuft das darauf hinaus, dass Rückkehrer in den fünf Jahren zuvor mindestens zweieinhalb Jahre in der GKV pflichtversichert gewesen sein müssen.

Lediglich der Umweg über die Familienversicherung steht auch älteren Privatversicherten noch offen. Dieser ist jedoch an einige Voraussetzungen geknüpft (§ 10 SGB V). So muss der Ehe- oder Lebenspartner gesetzlich versichert sein und das eigene Einkommen darf 538,33 Euro im Monat (Stand 2021) nicht überschreiten; für Minijobber liegt diese Grenze bei 450 Euro.

Weitere Ausnahmen bestehen für Schwerbehinderte: Wer zu mindestens 50 Prozent schwerbehindert ist, kann die freiwillige Aufnahme in eine gesetzliche Kasse beantragen. Die Frist dafür beträgt drei Monate, nachdem die Behinderung festgestellt wurde. Auch in diesem Fall muss der Rückkehrer – oder alternativ auch der Ehegatte oder ein Elternteil – bestimmte Vorversicherungszeiten erfüllen (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 SGB V).

Allerdings besteht diese Möglichkeit in der Praxis kaum. Die Kran­ken­kas­sen haben das Recht, das Höchstalter für eine Aufnahme in ihrer Satzung zu begrenzen. Die meisten Kassen ziehen die Grenze bei 45 Jahren.

Was tun, wenn die Kasse eine Aufnahme ablehnt?

Immer wieder schildern Finanztip-Leser, dass eine Kran­ken­kas­se ihnen die Wiederaufnahme verweigert. Wer einen ablehnenden Bescheid der Kasse bekommt, sollte dem innerhalb eines Monats schriftlich widersprechen. Lehnt die Kasse den Widerspruch ebenfalls ab, kannst Du vor dem Sozialgericht dagegen klagen. Mehr dazu, wie Du Dich gegen Entscheidungen der Kran­ken­kas­se wehrst, liest Du in unserem Ratgeber Widerspruch einlegen.

Wer zu Unrecht abgewiesen wurde, kann auch dann noch einen Überprüfungsantrag nach Paragraf 44 des Sozialgesetzbuchs X stellen, wenn die Widerspruchsfrist oder Klagefrist bereits abgelaufen ist. Spätestens vor einem Rechtsstreit solltest Du Dich jedoch beraten lassen – bei den Verbraucherzentralen, einem Fachanwalt für Sozialrecht oder der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). Mitunter hilft es auch, sich mit einer Beschwerde an das Bundesversicherungsamt zu wenden.

Versorgungslücke mit Zu­satz­ver­si­che­rung­en schließen

Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung kostet meist weniger als die private Kran­ken­ver­si­che­rung. Dafür leistet die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung in manchen Bereichen weniger, zum Beispiel in der Zahnmedizin. Vieles davon können aber private Zu­satz­ver­si­che­rung­en abdecken.

Ehemalige Privatversicherte bekommen bei vielen Anbietern sehr günstige Zu­satz­ver­si­che­rung­en. Denn die Altersrückstellungen, die sie in der PKV gebildet haben, werden auf die Zu­satz­ver­si­che­rung­en angerechnet. Im besten Fall zahlen Betroffene für die Zusatzversicherung nur jene Prämie, die sie auch zum Zeitpunkt des Eintritts in die private Kran­ken­ver­si­che­rung bekommen hätten. Ein weiterer großer Vorteil: Es gibt keine Gesundheitsprüfung und keine Wartezeiten.

Über diese Zu­satz­ver­si­che­rung­en solltest Du nachdenken:

  1. Eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung kann sich lohnen.
  2. Wer selbstständig ist oder überdurchschnittlich verdient, braucht wahrscheinlich eine Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung.
  3. Wer Wert auf Behandlung durch einen Spezialisten im Krankenhaus legt, der sollte eine stationäre Zusatzversicherung abschließen.

Weitere Tipps im Ratgeber Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen

 Zum Ratgeber

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wie wechselt man als Angestellter zurück in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung?

Wie wechselt man als Selbstständiger zurück in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung?

Kann man in die GKV wechseln wenn 55 Jahre oder älter ist?

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.