Arbeitnehmersparzulage

Geschenktes Geld durch Zuschuss vom Staat vermehren

Udo Reuß
& Co-Autor
Stand: 26. April 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit der Arbeitnehmersparzulage fördert der Staat vermögenswirksame Leistungen (VL) für Angestellte, die ein geringes Jahreseinkommen haben. Je nach Sparform liegt die Obergrenze bei 17.900 oder 20.000 Euro für Singles (Ehepaare: 35.800 oder 40.000 Euro).
  • VL zahlt der Arbeitgeber seinen Angestellten freiwillig.
  • Die Sparzulage gibt es dafür, dass Sie das Geld mindestens sieben Jahre lang in einen VL-Vertrag anlegen. Sechs Jahre lang müssen Sie in diesen Vertrag einzahlen, im siebten Jahr kann dieser ruhen.
  • Je nach Verwendung und Höhe der eingezahlten Beträge können Singles zwischen 43 Euro und 123 Euro, Ehepaare bis zu 246 Euro Förderung pro Jahr vom Staat bekommen.
So gehen Sie vor
  • Sie können einen Aktienfonds und einen Bausparvertrag zugleich besparen und sich so beide Arbeitnehmersparzulagen sichern.
  • Um die höchste Förderung auszuschöpfen, sollten Sie als Alleinstehender im Jahr 400 Euro in einen VL-Wertpapiersparplan und 470 Euro in einen VL-Bausparvertrag einzahlen.
  • Zahlt Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht die VL-Höchstleistung von 40 Euro im Monat, empfehlen wir Ihnen, zusätzlich Geld aus der eigenen Tasche einzuzahlen.
  • Die Arbeitnehmersparzulage beantragen Sie im Mantelbogen Ihrer Einkommensteuererklärung. Das Finanzamt überweist sie nach der siebenjährigen Sperrfrist.
  • Für die ab 2017 angelegten Gelder gibt es keine Papierbescheinigungen mehr. Stattdessen müssen die Anbieter die angelegten vermögenswirksamen Leistungen elektronisch an die Finanzverwaltung melden – Sie müssen sich nicht darum kümmern.

„Kleinvieh macht auch Mist“, sagt der Volksmund. Dieser Spruch passt ganz gut zur Arbeitnehmersparzulage auf vermögenswirksame Leistungen (VL). Damit fördert der Staat Arbeitnehmer und Beamte mit geringerem Einkommen, die sich damit ein paar Extras finanzieren können, einen Urlaub etwa – wenn sie längere Zeit in spezielle VL-Verträge sparen. 

Wer bekommt vermögenswirksame Leistungen?

Vermögenswirksame Leistungen zahlt ein Arbeitgeber seinen Angestellten freiwillig; es besteht kein gesetzlicher Anspruch darauf. Die Arbeitnehmer, die VL erhalten, bekommen bis zu 40 Euro monatlich geschenkt. Und wer weniger als 20.000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, hat zusätzlich Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage.

Zahlt Ihr Chef nicht den Höchstbetrag von 40 Euro im Monat, empfehlen wir, eigenes Geld in vermögenswirksame Leistungen zu investieren. So kommen Sie dennoch in den Genuss der vollen staatlichen Förderung, wenn Sie unterhalb der Einkommensgrenzen bleiben.

Die Prämie vom Staat gibt es je nach Verwendungszweck in zwei unterschiedlichen Höhen.

20 Prozent Zulage bei Aktienfonds

Wenn Sie Ihre vermögenswirksamen Leistungen in Sparpläne für Aktienfonds oder Beteiligungen anlegen, fördert der Staat das mit 20 Prozent – allerdings nur bis zu einem eingezahlten Höchstbetrag von 400 Euro für Singles und 800 Euro für Ehepaare pro Jahr. Die höchste Prämie vom Staat beträgt also 80 Euro beziehungsweise 160 Euro. Das zu versteuernde Einkommen darf bei Singles 20.000 Euro und bei Ehepaaren 40.000 Euro nicht übersteigen.

Arbeitnehmersparzulage bei Aktienfonds

 SingleVerheiratet
Einkommensgrenze20.000 €40.000 €
höchste geförderte Sparsumme400 €800 €
geförderte Sparleistung20 %20 %
höchste Sparzulage80 €160 €

Quelle: Fünftes Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer (Stand: 11. Januar 2018)

9 Prozent Zulage beim Bausparen

Als (angehender) Häuslebauer können Sie das Geschenk vom Chef auch in einen Bausparvertrag oder in die Tilgung von Baukrediten stecken. Das subventioniert der Staat ebenfalls – allerdings nur mit 9 Prozent. Die geförderten Höchstbeiträge liegen mit 470 Euro für Alleinstehende und 940 für Ehepaare etwas über denen der Aktienfonds. Die staatliche Prämie beträgt demnach 43 Euro beziehungsweise 86 Euro pro Jahr.

Das Finanzamt rundet die Arbeitnehmersparzulage auf volle Euro-Beträge auf. Allerdings ist die Grenze für das zu versteuernde Einkommen mit 17.900 bei Singles und 35.800 bei Ehepaaren etwas niedriger als bei Aktienfonds.

Arbeitnehmersparzulage beim Bausparen

 SingleVerheiratet
(zwei Arbeitnehmer)
Einkommensgrenze17.900 €35.800 €
höchste geförderte Sparsumme470 €940 €
geförderte Sparleistung9 %9 %
höchste Sparzulage43 €86 €

Quelle: Fünftes Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer (Stand: 11. Januar 2018)

Doppelte Förderung beanspruchen

Die Arbeitnehmersparzulage können Sie für zwei Verträge nebeneinander beanspruchen. Dafür brauchen Sie zwei Verträge, in die der Chef das Geld für Sie investiert. Teilen Sie ihm mit, dass er in beide Verträge einzahlen soll, ansonsten bekommen Sie nicht die volle Förderung. Mit dem parallelen Sparen in einem VL-Aktienfonds und in einem VL-Bausparvertrag können Sie als Single jährlich insgesamt 123 Euro staatliche Prämie erhalten, als Ehepaar sogar 246 Euro.

Sieben Jahre Mindestlaufzeit sind Pflicht

Die Mindestlaufzeit für einen VL-Vertrag beträgt sieben Jahre. Nur dann gibt es auch die Prämie. Die Einkommensgrenze muss nicht in jedem Jahr eingehalten werden. Wenn Sie in einem Jahr mehr verdienen, entfällt die Arbeitnehmersparzulage allerdings für diese zwölf Monate. Im nächsten Jahr können Sie sie dann wieder erhalten. In aller Regel zahlen Sie sechs Jahre Geld in den VL-Vertrag ein, im siebten Jahr kann er ruhen.

Nach der siebenjährigen Sperrfrist überweist das Finanzamt die Arbeitnehmersparzulage als steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss auf Ihr Anlagekonto. Vorher wird nur die Höhe festgesetzt.

Die Förderung beantragen Sie mit der Einkommensteuererklärung. Dazu machen Sie oben auf der ersten Seite des Mantelbogens ein Häkchen. Außerdem füllen Sie in der Steuererklärung 2017 die Zeile 91 aus. Mit einer „1“ kennzeichnen Sie, ob das Finanzamt elektronisch übermittelte Vermögensbildungsbescheinigungen berücksichtigen soll. Sind Sie verheiratet und es gibt sowohl für Sie als auch Ihren Partner solche Bescheinigungen? Dann tragen Sie dort für jeden Partner jeweils eine  „1“ ein.

Bis zur Steuererklärung 2016 war es üblich, dass Sie von Ihrem Anlageinstitut eine Papierbescheinigung erhielten (Anlage VL). Dieses wies die angelegten vermögenswirksamen Leistungen des jeweiligen Jahres aus und musste der Steuererklärung beigefügt werden.

Das hat sich mit der Steuererklärung 2017 geändert, die Sie erstmals ohne Belege abgeben dürfen. Die Papierbescheinigungen wurden abgeschafft. Stattdessen müssen die Anlageinstitute die angelegten Summen elektronisch an die Finanzverwaltung melden (elektronische Vemögensbildungsbescheinigung). Eigentlich hätten die Institute das für das Jahr 2017 bis zum 28. Februar 2018 erledigen müssen. Weil es offensichtlich technische Probleme gab, wurde die Frist einmalig bis zum 31. August 2018 verlängert.

Falls Sie einen Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage haben und keine Steuererklärung abgeben müssen, sollten Sie zumindest den Mantelbogen ausfüllen.

Wenn Sie es in einem Jahr oder zu Beginn des Vertrags vergessen haben, ist das nicht schlimm: Sie können die Zulage rückwirkend für vier Jahre beantragen.

Tipp: Die Einkommensgrenzen beziehen sich auf das zu versteuernde Einkommen. Das ist deutlich geringer als Ihr Bruttolohn, weil davon beispielsweise Ihre WerbungskostenSonderausgaben wie Vorsorgeaufwendungen sowie Kinderfreibeträge abgezogen werden.

Für eigene Bausparbeiträge gibt es die Wohnungsbauprämie

Für Bausparer gibt es darüber hinaus für eigene Sparbeiträge eine steuerfreie Wohnungsbauprämie vom Staat. Diese beträgt pro Jahr 8,8 Prozent der geleisteten prämienbegünstigten Einzahlungen. Die Einkommensgrenzen liegen bei 25.600 Euro für Singles und 51.200 Euro für Ehepaare. Die Höchstbeträge sind 512 Euro für Alleinstehende und 1.024 Euro für Ehepaare, sodass der Staat im Jahr bis zu 45,06 Euro beziehungsweise 90,11 Euro zuschießt. Auch in diesem Fall gilt eine siebenjährige Sperrfrist.

Wichtig: Der Staat fördert nur einmal. Deshalb funktioniert die Förderung über die Wohnungsbauprämie nicht im Rahmen eines VL-Bausparvertrags. Sie benötigen also dafür einen anderen Bausparvertrag, den Sie selbst besparen.

Autor
Udo Reuß
& Co-Autor
Eric Brandmayer

Stand: 26. April 2018


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