Familienversicherung

Die Familie kostenlos krankenversichern

Julia Rieder
& Co-Autoren
24. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Gesetzlich Krankenversicherte können ihre Kinder und ihren Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner und teils sogar Enkel kostenfrei mitversichern.
  • Das ist ein großer Vorteil gegenüber der privaten Krankenversicherung – denn dort kostet jedes Familienmitglied extra.
  • Aufpassen müssen Eltern, wenn einer von ihnen privatversichert ist. Dann kann eine kostenlose Familienversicherung nach dem Gesetz ausgeschlossen sein.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob alle Voraussetzungen für eine Familienversicherung gegeben sind.
  • Ihre Kinder und Enkel können Sie unter Umständen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr mitversichern. Die Bedingungen dafür sind jedoch streng. 
  • Ihren Partner können Sie mitversichern, sofern dieser kaum etwas verdient. Außerdem darf er kein Beamter, nicht hauptberuflich selbstständig und nicht privat versichert sein.
  • Stellen Sie den Antrag zur Aufnahme in die Familienversicherung. Um jetzt keine Fehler zu machen, nutzen Sie das Formular, das Ihre Krankenkasse auf ihrer Website zur Verfügung stellt.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist für viele Familien besonders günstig, denn Kinder, auch Stief- und Pflegekinder, sind kostenlos mitversichert. Auch Ihren Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner können Sie unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichern. Gleiches gilt für ein Enkelkind, das bei Ihnen lebt. Mit einem Beitrag kann so unter Umständen die gesamte Familie gesetzlich krankenversichert sein.

Was sind die Voraussetzungen für eine Familienversicherung?

Gegenüber der privaten Krankenversicherung (PKV) kann schon bei einem Kind die gesetzliche Familienversicherung deutlich günstiger sein. Denn in der PKV braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag, jedes Kind kostet demnach extra.

Gesetzlich mitversicherte Familienmitglieder erhalten dagegen die vollen Leistungen der Kasse mit Ausnahme des Krankengelds. Im Juli 2020 waren nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen mehr als 16 Millionen Familienangehörige kostenlos versichert.

Damit Sie Ihre Familienmitglieder beitragsfrei mitversichern können, müssen folgende Kriterien zutreffen:

  1. Das Familienmitglied muss in Deutschland wohnen.
  2. Das Familienmitglied darf nicht selbst versicherungspflichtig sein. Je nach Beschäftigungsart sind dafür bestimmte Einkommensgrenzen maßgeblich. 
  3. Das Familienmitglied darf nicht versicherungsfrei sein, zum Beispiel als gut verdienender Arbeitnehmer oder Beamtin.
  4. Das Familienmitglied darf nicht hauptberuflich selbstständig tätig sein. Das ist zumindest dann der Fall, wenn es mehr als 18 Stunden in der Woche für die selbstständige Tätigkeit verwendet.

Erfüllt Ihr Kind, Ehegatte oder Partner einen dieser Punkte nicht, ist eine Mitversicherung ausgeschlossen: Ihr Familienmitglied muss sich selbst krankenversichern. Die Familienversicherung tritt damit immer hinter die eigene Versicherungspflicht zurück.

Wird zum Beispiel jemand arbeitslos und erhält Arbeitslosengeld (ALG I), ist er selbst pflichtversichert und kann nicht über die Familienversicherung mitversichert werden. Ehegatten und Lebenspartner, die zu Beginn der Mutterschutzfrist nicht in der GKV versichert waren, können ebenfalls nicht mitversichert werden. Dasselbe gilt für die Schutzfrist nach der Entbindung und den Beginn der Elternzeit.

Wie viel dürfen Familienversicherte verdienen?

Kinder und Partner, die kostenfrei familienversichert werden sollen, dürfen selbst nur ein geringes Einkommen haben. Wie hoch die Einkommensgrenze für die Familienversicherung ist, variiert je nach Beschäftigungsart. Übersteigt der Verdienst Ihrer Angehörigen die für sie geltende Grenze, müssen sie sich selbst versichern.

Die Einkommensgrenze für die Familienversicherung liegt bei 470 Euro im Monat (Stand 2021). Allerdings zählen als Gesamteinkommen die Einkünfte im Sinne des Steuerrechts (§ 16 SGB IV). Deshalb können regulär Angestellte von ihren Einnahmen auch Werbungskosten beziehungsweise den entsprechenden Pauschbetrag abziehen.

Somit darf im Endeffekt bei regulär Angestellten das Gesamteinkommen 553,33 Euro im Monat nicht übersteigen, damit sie familienversichert bleiben können. Dieser Wert setzt sich zusammen aus der Einkommensgrenze für die Familienversicherung von 470 Euro und der Werbungskostenpauschale von monatlich 83,33 Euro (1.000 Euro im Jahr). Das Höchsteinkommen liegt damit bei knapp 6.640 Euro jährlich.

Wenn Mitversicherte die Einkommensgrenze überschreiten, müssen sie sich ab dem Tag selbst versichern, an dem sie den Einkommensteuerbescheid erhalten. In der Regel fragt die Krankenkasse ohnehin einmal pro Jahr nach den Einkommensverhältnissen der versicherten Familie.

Was als Einkommen zählt

Für die Familienversicherung ist nicht nur Einkommen aus Lohn- und Gehaltszahlungen relevant. Auch andere Einnahmen zählen: Zum Beispiel Miet- und Pachteinnahmen, Rentenbezüge sowie Zinserträge aus Geldanlagen.

Für Erträge aus Geldanlagen gibt es allerdings einen Sparerfreibetrag von 801 Euro pro Jahr. Einkünfte bis zu diesem Betrag haben daher keinen Einfluss auf das Gesamteinkommen. 

Wie das regelmäßige monatliche Einkommen berechnet wird, das für die Familienversicherung relevant ist, hängt vom Einzelfall und der Einkommensart ab. Arbeitseinkommen wird in der Regel für die Monate betrachtet, in denen es erzielt wurde. Regelmäßige Zahlungen einmal im Jahr, etwa Weihnachtsgeld, werden durch zwölf geteilt, also anteilig für jeden Monat angerechnet. Bei schwankenden Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit schätzt die Krankenkasse die Einkünfte für die Zukunft basierend auf dem gezwölftelten Jahreseinkommen des letzten Einkommensteuerbescheids. Details dazu hat der Spitzenverband der Krankenkassen geregelt.

Neue Regelung für Stief- und Enkelkinder

Mit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) im Mai 2019 dürfen auch Stief- und Enkelkinder grundsätzlich in die Familienversicherung, sofern sie im Haushalt des Mitglieds wohnen, über das sie versichert werden sollen. Vor der Gesetzesänderung ging das nur, wenn derjenige, der das Kind mitversichern wollte, dessen Lebensunterhalt auch hauptsächlich bestritt. Falls das Kind selbst etwas verdiente, konnte das problematisch werden.

Wer den Lebensunterhalt überwiegend finanziert, prüfen die Kassen nun nur noch, wenn Stiefkinder oder Enkel in einem anderen Haushalt leben als die Person, über die sie familienversichert sind. Wie das genau funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber Einkommensgrenzen in der Familienversicherung.

Wie beantrage ich eine Familienversicherung?

Wollen Sie Familienmitglieder kostenfrei mitversichern, müssen Sie das bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Die Anträge finden Sie auf der Website Ihrer Kasse. Dort müssen Sie unter anderem Angaben zur bisherigen Versicherung, zum Einkommen und den Kindern machen. Der GKV-Spitzenverband hat dazu einen einheitlichen Fragebogen entwickelt (Familienversicherung-Meldeverfahren, Anlage 1).

Dabei ist auch der Ehe- oder Lebenspartner anzugeben. Der Begriff Lebenspartner bezieht sich ausschließlich auf eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, nicht auf eheähnliche Gemeinschaften. Partner, die nicht verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, können sich also nicht gegenseitig familienversichern.

Die Krankenkassen prüfen regelmäßig, ob die Voraussetzungen für eine Familienversicherung weiterhin erfüllt sind. Dazu verwenden sie einen umfangreichen Fragebogen, den Sie ausfüllen müssen (Familienversicherung-Meldeverfahren, Anlage 2).

Falls beide Elternteile erwerbstätig und versicherungspflichtig sind, können Sie selbst festlegen, bei wem die Kinder mitversichert sein sollen. Die Höhe des Einkommens ist nicht entscheidend. Beachten Sie, dass eine gleichzeitige Familienversicherung bei verschiedenen Krankenkassen unzulässig ist.

Welche Altersgrenzen gibt es für Kinder in der Familienversicherung?

Kinder können bis zum 23. Lebensjahr in der Familienversicherung mitversichert bleiben, sofern sie noch nicht selbst arbeiten. Sollten die Kinder ein Studium oder eine Berufsausbildung ohne Arbeitsentgelt aufnehmen, verlängert sich die kostenfreie Mitversicherung bis zum 25. Lebensjahr. Für die Dauer des Engagements im Bundesfreiwilligendienst oder während eines Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres (FSJ/FÖJ) müssen sie sich selbst versichern. Die Familienversicherung ist für die Dauer des Engagements ausgeschlossen.

Die Familienversicherung kann über das 25. Lebensjahr hinaus um zwölf Monate verlängert werden, wenn die Schul- oder Berufsausbildung durch folgende Dienste unterbrochen oder verzögert wird:

Kinder, die aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage sind, allein ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, können ohne Altersbegrenzung familienversichert sein.

Wann können Kinder nicht mitversichert werden?

Nicht jede Familie kann ihre Kinder über die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichern. Wenn bei verheirateten Eltern der Besserverdiener privatversichert ist und eine gewisse Einkommensgrenze überschreitet, müssen die Eltern ihre Kinder gegen eigenen Beitrag versichern – entweder in der PKV oder in der GKV. Denn in dieser Konstellation sollen die Kinder nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft abgesichert werden.

Ist ein Elternteil gesetzlich und ein Elternteil privat versichert, ist eine kostenlose Familienversicherung nach dem Gesetz (§ 10 Abs. 3 SGB V) ausgeschlossen, wenn folgende drei Merkmale vorliegen:

  • Die Eltern sind Ehegatten oder Lebenspartner und
  • das Einkommen des Privatversicherten ist höher als das des gesetzlich Versicherten und
  • das monatliches Gesamteinkommen des Privatversicherten übersteigt ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze (5.362,50 Euro brutto in 2021).

Ein Beispiel: Der Ehemann und Vater ist Mitglied in der GKV, während die Ehefrau und Mutter in der PKV ist. Sie haben einen 15 Jahre alten Sohn. Der Vater verdient 3.700 Euro, die Mutter 5.500 Euro pro Monat. Da die Mutter privat versichert ist, ihr Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt und auch regelmäßig höher ist als das Einkommen des Vaters, kann der Sohn nicht über die Familienversicherung des Vaters versichert werden. Für den Sohn müssen die Eltern eine eigene Krankenversicherung abschließen – entweder eine private oder eine freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse.

Familienzuschläge nach Besoldungsrecht werden übrigens nicht berücksichtigt, wenn es darum geht, ob ein Kind familienversichert werden kann. Solche Familienzuschläge dürfen die Krankenkassen nach einem Urteil des Bundessozialgerichts nicht einrechnen, wenn sie prüfen, ob der Verdienst eines Privatversicherten über oder unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (BSG, Urteil vom 29. Juli 2003, Az. B 12 KR 16/02 R).  

Haben Sie sich für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung entschieden, obwohl Sie in eine private Krankenversicherung hätten wechseln können, können Sie Ihre Kinder kostenfrei gesetzlich mitversichern.

Was gilt für Studenten in der Familienversicherung?

Studierende können bis zum 25. Geburtstag in der Familienversicherung der Eltern bleiben. Das gilt allerdings nur, solange ihr Gesamteinkommen unter 553,33 Euro im Monat bleibt.

Bei einem zweimonatigen Nebenjob in der vorlesungsfreien Zeit können Studenten mehr hinzuverdienen und sind weiterhin familienversichert. Die Höhe des Verdienstes ist bei einer solchen kurzfristigen Beschäftigung grundsätzlich unerheblich.

Verdienen Sie als familienversicherter Student zu viel, werden Sie selbst versicherungspflichtig und fallen aus der Familienversicherung heraus. Es kann dann sogar passieren, dass Sie Beiträge nachzahlen müssen. Bevor Sie einen Nebenjob annehmen, sollten Sie deshalb unbedingt vorher mit Ihrer Krankenkasse sprechen.

Wenn keine Familienversicherung mehr möglich ist

Studenten, die nicht mehr in der Familienversicherung kostenfrei mitversichert sind, können sich vergünstigt gesetzlich versichern. Seit dem 1. Oktober 2020 beträgt der monatliche Beitrag für die studentische Krankenversicherung rund 77 Euro plus Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Für die Pflegeversicherung kommen rund 23 Euro monatlich obendrauf, für kinderlose Studenten über 23 Jahre sind es rund 25 Euro im Monat.

Der Beitrag für die studentische Krankenversicherung ist an den Bafög-Satz gekoppelt. Wird die staatliche Förderung erhöht, steigen damit auch die Krankenversicherungsbeiträge. 

Eine studentische Krankenversicherung gilt nicht unbegrenzt. Nach Paragraf 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V endet sie zum Ende des Semesters, in dem der Student das 30. Lebensjahr vollendet. Danach müssen Studierende sich freiwillig versichern, denn der Gesetzgeber hat im November 2019 den Übergangstarif abgeschafft, der bisher für Studierende in der Abschlussphase galt. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber studentische Krankenversicherung.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Nicolas Heronymus , Max Mergenbaum

24. November 2020


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