Solarthermie

Nutz Sonnenenergie zum Heizen

Ines Rutschmann
& Co-Autor
13. Januar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einer Solarwärme-Anlage kannst Du Deine Brennstoffkosten deutlich reduzieren.
  • Durch die geringeren Kosten und die staatliche Förderung rentiert sich eine Solaranlage in der Regel über ihre Lebensdauer.
So gehst Du vor
  • Lass prüfen, ob sich eine Solarwärme-Anlage mit Deiner bestehenden Heizung kombinieren lässt. Baust Du neu, wäge die Anschaffung direkt ab.
  • Für Solaranlagen gibt es bundesweit Zuschüsse. Auch manche Bundesländer und Städte fördern solarthermische Anlagen.
  • Die KfW hilft Dir zusätzlich mit zinsgünstigen Krediten. 

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft rund 2,5 Millionen Solarwärme-Anlagen. Jedes Jahr kommen 70.000 bis 80.000 dazu. Die Anlagen nutzen Sonnenwärme zum Erwärmen von Wasser und zum Heizen von Räumen. Und Du sparst Heizkosten.

Warum lohnt sich eine Solarwärme-Anlage?

Bei solarthermischen Anlagen handelt es sich um eine ausgereifte Technologie, die in Neubauten und Altbauten eingesetzt werden kann. Zwei Vorteile bringt das: Solarthermische Anlagen nutzen erneuerbare Energien und Du sparst Brennstoffkosten

Der erste Punkt ist wichtig, wenn Du ab 2021 ein neues Haus baust oder ab 2026 einen neuen Ölkessel installieren willst. Bei Neubauten sieht das Gebäudenergiegesetz (GEG) vor, dass ein Teil der benötigten Wärme aus erneuerbaren Energien stammen muss - bei einer solarthermische Anlage reicht es, wenn sie den Wärmebedarf eines neuen Hauses zu 15 Prozent deckt (§ 35 GEG). Zudem erlaubt das GEG ab 2026 den Einbau eines neuen Ölkessels nur, wenn Du auch mit erneuerbaren Energien heizt – beispielsweise mit Sonnenwärme (§ 72 GEG). 

Abgesehen von diesen gesetzlichen Vorschriften lohnt es sich für fast jedes Gebäude, eine Solaranlage aufs Dach oder in den Garten zu setzen. Diese kann zwar stets nur einen Teil Deines Wärmebedarfs decken. Aber dadurch musst Du weniger Strom, Gas, Heizöl oder Pellets zum Heizen einsetzen. Durch geringere Brennstoffkosten holst Du die Ausgaben für die Anlage wieder herein.

Bedenke zudem: Seit 2021 gilt in Deutschland eine CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl ein. Dadurch werden Gas und Heizöl vermutlich immer teurer. Die Wärme, die die Sonne jeden Tag auf Dein Dach strahlt, bleibt hingegen kostenlos. 

Willst Du Warmwasser bereiten oder auch heizen?

Solarthermie-Anlagen gibt es in zwei Ausführungen: Um Warmwasser bereitzustellen oder das gesamte Heizsystem zu unterstützen – dann heizt Du mit Sonnenergie auch Deine Räume. Willst Du lediglich Wasser erwärmen, ist die Anlage kleiner. Damit sie trotzdem rentabel und effizient arbeitet, bedarf es eines gewissen Bedarfs an Warmwasser in Deinem Haushalt. Ab drei Personen ist dieser in der Regel gegeben.

Solarwärme für Brauchwasser

Soll die Anlage lediglich dazu dienen, Wasser zum Baden, Spülen und Duschen zu erwärmen, deckt sie im Schnitt 60 Prozent des Energiebedarfs für Warmwasser. Du benötigst damit nur noch halb so viel Brennstoff, um Wasser zu erwärmen. Ein Beispiel dazu: Eine vierköpfige Familie braucht nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft rund 200 Liter Warmwasser pro Tag. Zur Erwärmung des Wassers sind rund 2.200 Kilowattstunden Energie nötig. Die solarthermische Anlage kann davon 1.300 liefern. Für die Anschaffung solltest Du etwa 5.000 Euro sowie Betriebskosten von 30 bis 50 Euro im Jahr einplanen.

Du kannst auch die Spül- und die Waschmaschine an den Warmwasserkreislauf anschließen. Dann sparst Du den Strom, den die Maschinen zum Aufheizen des Wassers einsetzen – pro Gerät kannst Du dabei von etwa 150 Kilowattstunden im Jahr ausgehen.

Solarwärme für Brauchwasser und Raumheizung

Eine solarthermische Anlage kann auch Deine Raumheizung unterstützen. Dann muss sie aber größer sein und Du musst mehr investieren – von rund 10.000 Euro solltest Du ausgehen. Wie stark die Solaranlage Dein Haus heizen kann, hängt davon ab, wie gut es gedämmt ist. Bei weniger gut gedämmten Altbauten deckt die Solaranlage 10 bis 20 Prozent des Wärmebedarfs. Deine Brennstoffkosten verringern sich dann in vergleichbarem Maße. Bei Energieeffizienzhäusern sind bis zu 50 Prozent möglich. Lässt sich das Gebäude überwiegend mit Solarenergie beheizen, wird es als Sonnenhaus oder Solaraktivhaus bezeichnet.

Eine andere Technologie, Sonnenkraft für das eigene Haus zu nutzen, ist Photovoltaik. Hierbei wandeln Solarzellen die Energie des Sonnenlichts in Strom um. Ist die Dachfläche groß genug, lassen sich auf einem Gebäude auch solarthermische und Photovoltaikanlagen gemeinsam installieren. 

Was kostet eine Solarwärme-Anlage?

Mit einer Solarthermie-Anlage investierst Du in die Zukunft: Die Lebensdauer von thermischen Solaranlagen beträgt mindestens 20 Jahre. Die Anlagen können aber auch 30 Jahre ihren Dienst tun und Deine Brennstoffkosten senken. 

Dem langfristig eingesparten Brennstoff stehen die Kosten für Kauf und Montage der Anlage gegenüber. Pro Quadratmeter Kollektorfläche solltest Du mit 800 bis 1.000 Euro rechnen. Um das Wasser für einen Haushalt mit vier Personen zu erwärmen, reichen vier bis fünf Quadratmeter große Kollektoren. Willst Du auch die Heizung solar unterstützen, sollte die Fläche mindestens doppelt so groß sein. Die Solarthermie-Anlage schlägt dann mit etwa 7.000 bis 10.000 Euro zu Buche. Je kleiner die Anlage ist, desto stärker fallen die Kosten für die Montage ins Gewicht – diese machen in der Regel ein Drittel der Kosten aus. Je mehr Personen die Solaranlage mitnutzen, desto höher ist das Sparpotenzial. Im Mehrfamilienhaus lässt sich eine Anlage daher wirtschaftlicher betreiben als im Einfamilienhaus.

Unter geeigneten Voraussetzungen sollte eine Solarthermie-Anlage über ihre Lebensdauer ihre Kosten wieder einspielen. Damit sie sich schneller rechnet, kannst Du auf staatliche Förderprogramme zugreifen.

Dass sich eine Anlage in vielen Fällen eher langsam bezahlt macht, liegt an den niedrigen Kosten für Heizöl und Erdgas. Mit der Einführung des CO2-Preises 2021 wird sich das aber vermutlich ändern: Bis 2025 sind Mehrkosten von 17 Cent pro Liter für Heizöl und 1,8 Cent pro Kilowattstunde bei Erdgas zu erwarten. Ausgehend von den heutigen Preisen entspricht das einer Steigerung um 30 Prozent. 

Geht es Dir vor allem darum, die Umwelt zu schonen, liegst Du mit thermischen Solaranlagen ebenfalls richtig. Aus ökologischer Sicht haben die Anlagen bereits nach zwei bis drei Jahren die Energie wieder drin, die für ihre Herstellung eingesetzt wurde.

Mit welcher Heizung lässt sich die Anlage kombinieren?

Die meisten Haushalte verfügen über eine Gas-, Öl- oder Pelletheizung. Diese drei Heizungstypen lassen sich einfach mit einer solarthermischen Anlage verbinden. Sie sind mit dem Heißwasserspeicher im Keller verbunden und beliefern diesen je nach Wärmebedarf im Haus. Mit Sonnenwärme lässt sich der Bedarf im Frühling und Sommer nahezu komplett decken. Der Heizkessel geht zumeist erst nach dem Sommer wieder in Betrieb – unterstützt durch die Solaranlage.

Die Verknüpfung von Solarthermie-Anlage und Wärmepumpe empfiehlt sich bei gut gedämmten Gebäuden. Denn bei Heizungen, die auf relativ niedrige Temperaturen ausgelegt sind, entfalten heizungsunterstützende Solaranlagen ein größeres Sparpotenzial. 

In sehr energieeffizienten Häusern (auch Solaraktiv- oder Sonnenhäuser genannt) kann die solarthermische Anlage sogar die Versorgung mit Warmwasser und Raumwärme den größten Teil des Jahres sicherstellen – lediglich in den Wintermonaten ist dann eine weitere Heizung notwendig, etwa ein Holzofen.

Welche Fördermittel gibt es?

Wenn Du auf solares Heizen setzt, musst Du nicht alles aus eigener Tasche finanzieren. Es gibt verschiedene Förderprogramme: bundesweite, landesweite und kommunale. Manche davon können oder müssen sogar miteinander kombiniert werden – die Stadt Freiburg fördert solarthermische Anlagen beispielsweise nur zusammen mit dem bundesweit geltenden Förderprogramm oder mit bestimmten Programmen der KfW-Bank.

Bundesweite Zuschüsse über das Bafa

Die Bundesförderung energieeffiziente Gebäude - Einzelmaßnahmen (BEG EM) hilft Dir bei der Finanzierung von Heizanlagen auf Basis erneuerbarer Energien. Die Anträge laufen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Für solarthermische Anlagen erhältst Du 30 Prozent Deiner Netto-Investitionskosten als Zuschuss

Die Mittel kannst Du im Altbau beanspruchen – sowohl für eine neue als auch für eine alte Solaranlage, wenn Du sie erweitern willst. Voraussetzung ist einmal, dass Du Komponenten bestimmter Hersteller verwendest. Das Bafa hat dazu eine Übersicht erstellt. Grundsätzlich nicht gefördert werden Kollektoren ohne Abdeckung, wie sie häufig in Freibädern zum Einsatz kommen. Mehr als die Hälfte der gewonnenen Wärme musst Du zur Brauchwassererwärmung, Heizungsunterstützung oder für beides einsetzen. Außerdem ist ein Funktionskontrollgerät zur Anlage zu installieren (außer für Luftkollektoren).

Willst Du eine solarthermische Anlage auf einem neu gebauten Haus errichten, kannst Du einen Kredit mit Tilgungszuschuss der KfW-Bank nutzen.

Zinsgünstige Kredite für solarthermische Anlagen

Die gesamte Anlage kannst Du über einen zinsgünstigen Kredit der KfW-Bank finanzieren. Erhältst Du einen Zuschuss über das Bafa-Programm, gibt es für den Rest der Investition einen Ergänzungskredit. Der Kredit läuft über zehn Jahre. Der Zinssatz ist für alle Antragsteller derselbe und liegt bei 1 Prozent. Mit den Ersparnissen bei den Nebenkosten kannst Du die Raten für den Kredit ausgleichen.

Du kannst eine Anlage auch über das Förderprogramm für Erneuerbare Energien der KfW finanzieren und zugleich den Zuschuss über das Bafa beanspruchen. Bei diesem Programm kannst Du zwischen verschieden langen Laufzeiten des Kredits wählen – zwischen 5 und 20 Jahren. Je nach Laufzeit und Bonität der Antragsteller unterscheidet sich der Zinssatz. 1,03 Prozent ist der niedrigste.

KfW
Förderbank im Besitz von Bund und Ländern
  • Darlehen für die Errichtung, Erweiterung oder den Erwerb von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, solarthermischen Anlagen und Biomasseheizanlagen
  • meist günstigere Zinssätze als marktüblich
  • komplette Fremdfinanzierung von Projekten möglich

Fördermittel von Bundesländern und Kommunen 

Einige Bundesländer und Kommunen fördern den Bau von Solarwärme-Anlagen. Bekannt sind uns die folgenden:

Nordrhein-Westfalen: Über das Programm progres.nrw gibt es Zuschüsse zu einer solarthermischen Anlage. Mindestens fünf Quadratmeter müssen die Kollektoren groß sein. 90 Euro pro Quadratmeter gibt das Land dazu. Einen Förderantrag kannst Du ab 4. Februar 2021 bei der Bezirksregierung Arnsberg stellen, ehe Du einen Auftrag erteilt hast. 

Schleswig-Holstein: „Klimaschutz für Bürgerinnen und Bürger“ heißt ein Programm von Schleswig-Holstein, das unter anderem solarthermische Anlagen ab drei Quadratmeter Kollektorfläche fördert. Einen Antrag können Betreiber einer Anlage ab 18. Januar 2021wieder stellen, wenn sie diese zwischen Januar 2020 und Dezember 2022 angeschafft haben. Das Land bezuschusst die Investition mit mindestens 500 Euro, höchstens sind 50 Prozent der Kosten drin. Bedingung ist, dass die Kollektoren abgedeckt sind – sogenannte Schwimmbad-Absorber erhalten keinen Zuschuss. Wenn Förderanträge wieder angenommen werden, stell diesen online.

Thüringen: Einen neuen thermischer Speicher fördert Thüringen über das Programm Solar Invest mit 250 Euro pro 1.000 Liter Speichervolumen. Es ist dabei egal, ob Du den Speicher mit Solarkollektoren gemeinsam neu anschaffst oder ein älteres Modell ersetzt. Förderanträge nimmt die Thüringer Aufbaubank entgegen. Aufgrund der Corona-Krise kann es zu einer längeren Bearbeitungszeit kommen.

Aachen: Über das Solarförderprogramm bezuschusst die Stadt Aachen seit August 2020 neue solarthermische Anlagen. Dienen diese ausschließlich der Warmwasseraufbereitung, zahlt die Stadt pauschal 700 Euro. Für Anlagen zur Heizungsunterstützung gibt es 1.000 Euro. Den Förderantrag stellst Du auf der städtischen Internetseite und zwar, bevor Du ein Installationsunternehmen beauftragst.

Düsseldorf: Solarwärme-Anlagen für warmes Wasser als auch zur Unterstützung der Heizung bezuschusst die Stadt Düsseldorf seit April 2020. Für Anlagen zur Warmwasserbereitung auf Ein- und Zweifamilienhäusern gibt es 1.000 Euro. Auf Mehrfamilienhäusern bemisst sich der Zuschuss an der Größe der Kollektoren. Willst Du mit einer Anlage auch die Heizung unterstützen, zahlt die Stadt 200 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Ab dem 21. Quadratmeter sind es noch 120 Euro. Einen Förderantrag stellst Dubeim Umweltamt der Stadt, bevor Du die Installation beauftragst. Um die Förderung zu erhalten, musst Du eine bestimmte Deckung Deines Wärmebedarfs durch Solarwärme nachweisen. Nähere Informationen dazu findest Du in der Richtlinie zum Förderprogramm „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf“ unter Punkt 6.10.

Freiburg: Willst Du eine alte Öl- oder Gasheizung durch eine Heizung mit erneuerbaren Energien ersetzen, gibt die Stadt Freiburg bis zu 1.000 Euro pauschal dazu. Bedingung ist, dass Du zugleich eine Förderung über das Bafa oder einen zinsgünstigen Kredit der KfW nutzt. Da Du mit einer solarthermischen Anlage allein Dein Haus nicht beheizen kannst, musst Du Dich für eine Heizungskombination entscheiden. Anträge sind über das Förderprogramm Klimafreundlich Wohnen zu stellen. Die Stadt Freiburg fördert auch eine Energieberatung bei Dir zuhause.

München: Wenn Du eine neue solarthermische Anlage in München errichtest, kannst Du über das Förderprogramm Energieeinsparung 200 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche erhalten. Ab dem 21. Quadratmeter sind es noch 120 Euro. Auch wenn Du Deine bestehende Anlage erweitern willst, gibt es Zuschüsse – 150 Euro pro Quadratmeter und 90 Euro ab dem 21. Quadratmeter. Die Anträge nimmt das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München entgegen.

Was gehört zu einer Solarthermie-Anlage?

Kernstücke der wassergeführten solarthermischen Anlage sind die Solarkollektoren und ein Wasserspeicher. Die Kollektoren absorbieren so viel Sonnenwärme wie möglich. Die Energie erwärmt dabei die in den Kollektoren zirkulierende Flüssigkeit (ein Wasser-Frostschutzgemisch). Das erwärmte Wasser fließt zum thermischen Speicher. Von dort kann das Warmwasser in den Warmwasserkreislauf oder den Heizkreislauf Deines Hauses fließen. Pumpen und Wärmetauscher sorgen für einen effizienten und reibungslosen Ablauf. Ein Solarregler überwacht die Anlage und tariert den Wärmefluss aus.

Darüber hinaus gibt es solarthermische Anlagen, die mit Luft statt mit Wasser arbeiten. Sie sind günstiger, benötigen aber eine größere Fläche, um so viel Sonnenwärme nutzbar zu machen wie wassergeführte Anlagen. Die im Luftkollektor erwärmte Luft kann direkt ins Haus strömen und die Räume erwärmen. Sollen die Kollektoren in ein bestehendes Heizsystem integriert werden, ist die Installation aufwändiger: Über einen Wärmetauscher kann die erwärmte Luft Energie an das Wasser im Pufferspeicher abgeben. Ventilatoren treiben die Luftzirkulation an. Das ist stromintensiver als der Betrieb eines wassergeführten Systems. Dafür sind die Anschaffungskosten und die Betriebskosten deutlich geringer. Sinnvoll sind Luftkollektoren, wenn ein Haus mit Luft beheizt wird oder wenn eine Photovoltaikanlage den Betriebsstrom liefert.

Flachkollektor oder Vakuumröhrenkollektor?

Bei der Planung Deiner wassergeführten Solaranlage hast Du die Wahl zwischen Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren. Das entspricht der Wahl zwischen günstig und einfach oder teuer und effizient. Denn Vakuumröhrenkollektoren kosten zwar etwa das Doppelte, können bei idealen Bedingungen aber auch die doppelte Energiemenge bereitstellen.

Für welchen Kollektor-Typ Du Dich entscheiden solltest, hängt zum Teil davon ab, wie viel Du anfänglich in die Anlage investieren kannst und wie stark Du Deine Nebenkosten langfristig senken willst. Aber auch die Gegebenheiten Deines Hauses spielen eine Rolle: Kannst Du nur eine kleine Dachfläche für die Anlage nutzen, lohnt sich wahrscheinlich der effektivere Typ. Ist die Sonneneinstrahlung auf dem Dach eher gering, empfiehlt es sich, eine größere Fläche mit einfacheren Kollektoren zu bestücken.

Welchen Speicher brauchst Du?

Da der Wärmebedarf im Haushalt zeitlich meistens nicht mit dem Sonnenertrag übereinstimmt, muss die Wärme über mehrere Tage in einem Warmwasserspeicher aufbewahrt werden können – zwei bis zweieinhalb Tage des Wassergebrauchs im Haushalt sollte der Speicher daher fassen können.

Bei Anlagen, die nur für die Warmwasserversorgung ausgelegt sind, ist der Speicher normalerweise nicht mit dem Heizkreislauf verbunden. Planst Du eine Solaranlage, die auch die Raumheizung unterstützen soll, benötigst Du ein kombiniertes Gerät, das beide Kreisläufe beliefern kann. Besonders effektiv wird das Heizungssystem, wenn dieser Speicher alternativ auch von einer weiteren Heizung erwärmt werden kann, die Gas, Öl oder Holzpellets verbrennt. Wie groß ein Speicher je nach Bedarf sein sollte, kannst Du der Tabelle weiter unten entnehmen.

Nutzt Du Luftkollektoren, brauchst Du keinen Speicher eigens für die solarthermische Anlage anzuschaffen.

Wie groß sollte Deine Solaranlage sein?

Dimensionierung: Je höher Dein Bedarf ist und je mehr Personen im Haus leben, desto mehr Platz benötigen Kollektoren und Speicher. Allerdings solltest Du auch nicht zu groß kalkulieren. Falls Du die gespeicherte Wärme nicht verbrauchst, verpufft das Sparpotenzial der Anlage.

Fläche für Kollektoren: Auch kleinere Solaranlagen für Einfamilienhäuser sollten mindestens vier Quadratmeter umfassen. Bei weniger kann es sein, dass Du auch über einen längeren Zeitraum die Kosten für die Anlage nicht wieder hereinbekommst. 

Eckdaten zu Fläche und Speichergröße einer Solarwärme-Anlage

 

Warmwasser

bereiten
(ab 3 Personen)

Heizung

unterstützen

Flachkollektor

1,2 - 1,5 qm

pro Person

0,8 - 1,1 qm pro 10 qm Wohnfläche

Vakuumröhren-

kollektor

0,8 - 1,0 qm

pro Person

0,5 - 0,8 qm pro 10 qm Wohnfläche

 

Speicher

angeschlossene Waschmaschine

angeschlossene Spülmaschine

100 - 130 Liter/Person

+ 100 Liter

+ 30 Liter

40 - 70 l/qm
Kollektorfläche

+ 100 Liter

+ 30 Liter

 

 

Die Größen variieren je nach Voraussetzungen und Lage des Gebäudes. Ebenso hängen sie vom täglichen Wasserverbrauch ab.
Quelle: Finanztip-Erhebung und Verbraucherzentrale NRW (Stand: 15. April 2020)

Welche Bedingungen sind ideal?

Damit eine Solaranlage effizient arbeitet, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen.

Ausrichtung – Je mehr Sonnenstrahlung die Anlage einfängt, desto mehr Wärme kann sie bereitstellen. Ideal ist es, wenn die Kollektoren direkt nach Süden zeigen. Eine Abweichung um bis zu 30 Grad nach Osten oder Westen lässt sich verschmerzen. Direkt nach Osten oder Westen sollten die Kollektoren aber nicht ausgerichtet sein. 

Neigung - Sinnvoll ist eine Neigung der Kollektoren um 50 bis 80 Grad. Ist Dein Dach nicht so steil, kannst Du die Kollektoren entweder aufständern oder Du lässt sie einfach auf dem Erdboden installieren.

Schattenwurf - Die Sonne muss die Anlage erreichen können. Werden die Kollektoren auch nur stundenweise von Nachbargebäuden oder Bäumen verdeckt, mindert das ihre Leistung stark.

Wer hilft bei Planung und Installation der Anlage?

Bist Du unsicher, ob eine solarthermische Anlage für Dich sinnvoll ist oder mit welchem anderen Heizsystem Du die Anlage kombinieren kannst, kann Dir ein Energieberater der Verbraucherzentralen helfen – im Rahmen eines Gebäude-Checks kommt er zu Dir nach Hause. Dafür zahlst Du 30 Euro; bei geringem Einkommen sogar nichts. 

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) berät ebenfalls, unterstützt aber auch bei der Planung einer solarthermischen Anlage. In den Solarzentren des Vereins in Hamburg und Berlin ist die Beratung kostenfrei.

Willst Du Dein Haus energieeffizient sanieren, fördert die KfW die entsprechenden Maßnahmen mit einem zinsgünstigen Kredit (Programm 430). Voraussetzung ist dafür, dass ein Energieberater bei Dir war. Die Kosten für diesen bezuschusst wiederum die KfW (Programm 431). Der Energieberater kann Dir auch sagen, ob Du eine solarthermische Anlage installieren solltest. Wenn Du Deine bestehende Heizungsanlage oder den Warmwasserspeicher erneuerst, kannst Du die neuen Geräte direkt mit einer Solarthermie-Anlage abstimmen und im selben Schritt das System umstellen. Darüber hinaus lassen sich bis zu 20 Prozent Montagekosten sparen, falls das Dach neu eingedeckt werden muss und dabei die Solarkollektoren direkt eingebaut werden.

Baust Du neu, solltest Du die Solaranlage bei der Planung gleich mitberücksichtigen. So kannst Du Speicher, Rohre und Solarkollektoren direkt in den Gesamtplan des Gebäudes aufnehmen. Auch für den Neubau eines energieeffizienten Hauses gibt es einen zinsgünstigen Kredit der KfW (Programm 153) sowie den Zuschuss für den Energieberater.

Handwerker finden und beauftragen

Steht für Dich fest, dass Du eine Anlage errichten willst, dann such Dir ein qualifiziertes Handwerksunternehmen, das die genaue Planung und Montage übernimmt. Die Planung sollte eine Simulation beinhalten, wie viel Wärme die Solarthermie-Anlage bereitstellen kann und wie stark sie damit Deinen Wärmebedarf deckt.

Der Bundesverband Solarwirtschaft und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima erlauben eine Suche in ihren Mitgliederdatenbanken. Willst Du künftig sehr stark mit Sonnenkraft heizen, bietet sich auch eine Suche in der Datenbank des Sonnenhaus-Instituts an. 

Der Service des Installationsbetriebs sollte folgende Punkte einschließen:

  • Montage der Kollektoren
  • Montage des Speichers
  • Solarkreis spülen, Dichtheit prüfen, Speicher befüllen
  • Inbetriebnahme

Eine Baugenehmigung ist für die Installation einer solarthermischen Anlage nur in Ausnahmefällen nötig.    

Was ist im Betrieb zu beachten?

Fachmännisch installierte Solarwärme-Anlagen sind in der Regel pflegeleicht. Lass Dir vom Installateur erklären, worauf Du im Betrieb achten solltest und wie Du Funktionsfehler erkennst. Dann reicht es aus, wenn Du die Anlage alle zwei bis drei Jahre vom Handwerksunternehmen überprüfen lässt. Du kannst mit Deinem Installateur auch eine regelmäßige Inspektion und Wartung vertraglich vereinbaren. Etwa 50 Euro pro Jahr sind dafür aufzuwenden. Alternativ bietet sich eine Fernüberwachung an – bei kritischen Messwerten erhältst Du eine Nachricht und kannst dann einen Handwerker rufen.

Hast Du den Eindruck, Deine Anlage liefert weniger Wärme als sie sollte, empfiehlt sich ein Solarwärme-Check bei einer Verbraucherzentrale. Ein Energieberater kommt dann zu Dir und prüft die Einstellungen und die Effizienz der Anlage. Abschließend überreicht er Dir einen Bericht mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen. Das kostet 30 Euro. Für einkommensschwache Haushalte ist dieser Service umsonst.

Alternativ kannst Du Dich an die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) wenden. Die Mitarbeiter sind 35 Sektionen zugeordnet, die sich über ganz Deutschland verteilen. Jene in Nürnberg und München sind personell stärker besetzt. In den Solarzentren in Hamburg und Berlin ist auch die persönliche Beratung kostenfrei.

Überhitzung im Sommer vermeiden 

Vor allem in sehr sonnigen Sommerwochen, in denen Solaranlagen mehr Energie erzeugen als Du verbrauchst, heizen sich die Kollektoren besonders stark auf – es kann zur sogenannten thermischen Stagnation kommen. Mögliche Störungen durch einen solchen Wärmestau lassen sich bereits bei der Montage verhindern. Ist die Anlage eigensicher installiert, reagieren die Solarkollektoren selbstständig auf die fehlende Wärmeabnahme und sind vor Mängeln geschützt. Du kannst dann auch im Sommer unbesorgt wegfahren.

Sammelt sich das Wasser im Speicher allerdings über mehrere Wochen, können sich Bakterien und Keime ansiedeln. Nutz dann das eigens dafür vorgesehene Ferienprogramm Deiner Heizung oder lass das Trinkwasser nach Deinem Urlaub erstmal für einige Minuten ablaufen. 

Autor
Ines Rutschmann
& Co-Autor
Arne Düsterhöft

13. Januar 2021


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