Solarthermie

Nutzen Sie Sonnenenergie zum Heizen

Ines Rutschmann
& Co-Autor
Stand: 20. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einer Solarwärme-Anlage können Sie Ihre Brennstoffkosten deutlich reduzieren.
  • Durch die geringeren Kosten und die staatliche Förderung rentiert sich eine Solaranlage in der Regel über ihre Lebensdauer.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie prüfen, ob sich eine Solarwärme-Anlage mit Ihrer bestehenden Heizung kombinieren lässt. Bauen Sie neu, wägen Sie die Anschaffung direkt ab.
  • Für Solaranlagen gibt es bundesweit Zuschüsse. Auch manche Bundesländer und Städte fördern solarthermische Anlagen.
  • Die KfW hilft Ihnen zusätzlich mit zinsgünstigen Krediten. 

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft rund 2,4 Millionen Solarwärme-Anlagen. Jedes Jahr kommen 70.000 bis 80.000 dazu. Die Anlagen nutzen Sonnenwärme zum Erwärmen von Wasser und zum Heizen von Räumen. Und Sie sparen Heizkosten.

Warum sollten Sie sich eine Solarwärme-Anlage anschaffen?

Bei solarthermischen Anlagen handelt es sich um eine ausgereifte Technologie, die in Neubauten und Altbauten eingesetzt werden kann. Zwei Vorteile bringt das: Solarthermische Anlagen nutzen erneuerbare Energien und Sie sparen Brennstoffkosten

Der erste Punkt ist wichtig, wenn Sie ab 2021 ein neues Haus bauen oder ab 2026 einen neuen Ölkessel installieren wollen. Bei Neubauten sieht eine Richtlinie der EU vor, dass ein Teil der benötigten Wärme aus erneuerbaren Energien stammen muss. Deutschland muss dazu bis Jahresende 2020 das Gebäudeenergiegesetz verabschieden. Laut Gesetzentwurf reicht es, wenn eine solarthermische Anlage den Wärmebedarf eines neuen Hauses zu 15 Prozent deckt. Zudem erlaubt das Gebäudeenergiegesetz ab 2026 den Einbau eines neuen Ölkessels nur, wenn Sie auch mit erneuerbaren Energien heizen – beispielsweise mit Sonnenwärme. 

Abgesehen von diesen gesetzlichen Vorschriften lohnt es sich für fast jedes Gebäude, eine Solaranlage aufs Dach oder in den Garten zu setzen. Diese kann zwar stets nur einen Teil Ihres Wärmebedarfs decken. Aber dadurch müssen Sie weniger Strom, Gas, Heizöl oder Pellets zum Heizen einsetzen. Durch geringere Brennstoffkosten holen Sie die Ausgaben für die Anlage wieder herein.

Bedenken Sie zudem: 2021 führt Deutschland eine CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl ein. Dadurch werden Gas und Heizöl vermutlich immer teurer. Die Wärme, die die Sonne jeden Tag auf Ihr Dach strahlt, bleibt hingegen kostenlos. 

Wollen Sie Warmwasser bereiten oder auch die Heizung unterstützen?

Solarthermie-Anlagen gibt es in zwei Ausführungen: Um Warmwasser bereitzustellen oder das gesamte Heizsystem zu unterstützen – dann heizen Sie mit Sonnenergie auch Ihre Räume. Wollen Sie lediglich Wasser erwärmen, ist die Anlage kleiner. Damit sie trotzdem rentabel und effizient arbeitet, bedarf es eines gewissen Bedarfs an Warmwasser in Ihrem Haushalt. Ab drei Personen ist dieser in der Regel gegeben.

Solarwärme für Brauchwasser

Soll die Anlage lediglich dazu dienen, Wasser zum Baden, Spülen und Duschen zu erwärmen, deckt sie im Schnitt 60 Prozent des Energiebedarfs für Warmwasser. Sie benötigen damit nur noch halb so viel Brennstoff, um Wasser zu erwärmen. Ein Beispiel dazu: Eine vierköpfige Familie braucht nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft rund 200 Liter Warmwasser pro Tag. Zur Erwärmung des Wassers sind rund 2.200 Kilowattstunden Energie nötig. Die solarthermische Anlage kann davon 1.300 liefern. Für die Anschaffung sollten Sie etwa 5.000 Euro sowie Betriebskosten von 30 bis 50 Euro im Jahr einplanen.

Sie können auch die Spül- und die Waschmaschine an den Warmwasserkreislauf anschließen. Dann sparen Sie den Strom, den die Maschinen zum Aufheizen des Wassers einsetzen – pro Gerät können Sie dabei von etwa 150 Kilowattstunden im Jahr ausgehen.

Solarwärme für Brauchwasser und Raumheizung

Eine solarthermische Anlage kann auch Ihre Raumheizung unterstützen. Dann muss sie aber größer sein und Sie müssen mehr investieren – von rund 10.000 Euro sollten Sie ausgehen. Wie stark die Solaranlage Ihr Haus heizen kann, hängt davon ab, wie gut es gedämmt ist. Bei weniger gut gedämmten Altbauten deckt die Solaranlage 10 bis 20 Prozent des Wärmebedarfs. Ihre Brennstoffkosten verringern sich dann in vergleichbarem Maße. Bei Energieeffizienzhäusern sind bis zu 50 Prozent möglich. Lässt sich das Gebäude überwiegend mit Solarenergie beheizen, wird es als Sonnenhaus oder Solaraktivhaus bezeichnet.

Eine andere Technologie, Sonnenkraft für das eigene Haus zu nutzen, ist Photovoltaik. Hierbei wandeln Solarzellen die Energie des Sonnenlichts in Strom um. Ist die Dachfläche groß genug, lassen sich auf einem Gebäude auch solarthermische und Photovoltaik-Anlagen gemeinsam installieren. 

Was kostet eine Solarwärme-Anlage und was sparen Sie?

Mit einer Solarthermie-Anlage investieren Sie in die Zukunft: Die Lebensdauer von thermischen Solaranlagen beträgt mindestens 20 Jahre. Die Anlagen können aber auch 30 Jahre ihren Dienst tun und Ihre Brennstoffkosten senken. 

Dem langfristig eingesparten Brennstoff stehen die Kosten für Kauf und Montage der Anlage gegenüber. Pro Quadratmeter Kollektorfläche sollten Sie mit 800 bis 1.000 Euro rechnen. Um das Wasser für einen Haushalt mit vier Personen zu erwärmen, reichen vier bis fünf Quadratmeter große Kollektoren. Wollen Sie auch die Heizung solar unterstützen, sollte die Fläche mindestens doppelt so groß sein. Die Solarthermie-Anlage schlägt dann mit etwa 7.000 bis 10.000 Euro zu Buche. Je kleiner die Anlage ist, desto stärker fallen die Kosten für die Montage ins Gewicht – diese machen in der Regel ein Drittel der Kosten aus. Je mehr Personen die Solaranlage mitnutzen, desto höher ist daher das Sparpotenzial. Im Mehrfamilienhaus lässt sich eine Anlage daher wirtschaftlicher betreiben als im Einfamilienhaus.

Unter geeigneten Voraussetzungen sollte eine Solarthermie-Anlage über ihre Lebensdauer ihre Kosten wieder einspielen. Damit sie sich schneller rechnet, können Sie auf staatliche Förderprogramme zugreifen.

Dass sich eine Anlage in vielen Fällen eher langsam bezahlt macht, liegt an den niedrigen Kosten für Heizöl und Erdgas. Mit der Einführung des CO2-Preises 2021 wird sich das aber vermutlich ändern: Bis 2025 sind Mehrkosten von 17 Cent pro Liter für Heizöl und 1,8 Cent pro Kilowattstunde bei Erdgas zu erwarten. Ausgehend von den heutigen Preisen entspricht das einer Steigerung um 30 Prozent. 

Geht es Ihnen vor allem darum, die Umwelt zu schonen, liegen Sie mit thermischen Solaranlagen ebenfalls richtig. Aus ökologischer Sicht haben die Anlagen bereits nach zwei bis drei Jahren die Energie wieder drin, die für ihre Herstellung eingesetzt wurde.

Mit welcher Heizung lässt sich eine Solaranlage kombinieren?

Die meisten Haushalte verfügen über eine Gas-, Öl- oder Pelletheizung. Diese drei Heizungstypen lassen sich einfach mit einer solarthermischen Anlage verbinden. Sie sind mit dem Heißwasserspeicher im Keller verbunden und beliefern diesen je nach Wärmebedarf im Haus. Mit Sonnenwärme lässt sich der Bedarf im Frühling und Sommer nahezu komplett decken. Der Heizkessel geht zumeist erst nach dem Sommer wieder in Betrieb – unterstützt durch die Solaranlage.

Die Verknüpfung von Solarthermie-Anlage und Wärmepumpe empfiehlt sich bei gut gedämmten Gebäuden. Denn bei Heizungen, die auf relativ niedrige Temperaturen ausgelegt sind, entfalten heizungsunterstützende Solaranlagen ein größeres Sparpotenzial. 

In sehr energieeffizienten Häusern (auch Solaraktiv- oder Sonnenhäuser genannt) kann die solarthermische Anlage sogar die Versorgung mit Warmwasser und Raumwärme den größten Teil des Jahres sicherstellen – lediglich in den Wintermonaten ist dann eine weitere Heizung notwendig, etwa ein Holzofen.

Welche Fördermittel gibt es für Solarthermie-Anlagen?

Wenn Sie auf solares Heizen setzen, müssen Sie nicht alles aus eigener Tasche finanzieren. Es gibt verschiedene Förderprogramme: bundesweite, landesweite und kommunale. Manche davon können oder müssen sogar miteinander kombiniert werden – die Stadt Freiburg fördert solarthermische Anlagen beispielsweise nur zusammen mit dem bundesweit geltenden Förderprogramm oder mit bestimmten Programmen der KfW-Bank.

Bundesweite Zuschüsse über das Bafa

Das Programm Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt hilft bei der Finanzierung von Heizanlagen auf Basis erneuerbarer Energien. Die Anträge laufen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Für solarthermische Anlagen erhalten Sie 30 Prozent Ihrer Netto-Investitionskosten als Zuschuss. 

Die Mittel können Sie sowohl im Altbau als auch in bestimmten Neubauten beanspruchen. Voraussetzung ist einmal, dass Sie Komponenten bestimmter Hersteller verwenden. Das Bafa hat dazu eine Übersicht erstellt. Grundsätzlich nicht gefördert werden Kollektoren ohne Abdeckung, wie sie häufig in Freibädern zum Einsatz kommen. Je nach Gebäudeart müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein. 

Im Altbau gilt:

  • Bei Anlagen ausschließlich für Warmwasser müssen die Kollektoren mindestens drei Quadratmeter Fläche einnehmen und der Pufferspeicher mindestens 200 Liter fassen.
  • Bei Anlagen für Warmwasser und zur Unterstützung der Raumheizung sind die Vorgaben von den eingesetzten Komponenten abhängig: Entweder Ihre Anlage hat Flachkollektoren mit mindestens neun Quadratmetern Fläche und einen Speicher für 360 Liter Wasser. Oder sie hat Röhrenkollektoren mit mindestens sieben Quadratmetern Fläche und einem 350-Liter-Speicher. Wollen Sie Luftkollektoren benutzen, gibt es keine Mindestfläche. 

Im Neubau gilt:

  • Das Haus hat mindestens drei Wohnungen.
  • Die Kollektoren befinden sich auf einer Mindestfläche von 20 Quadratmetern.
  • Der Pufferspeicher fasst bei Flachkollektoren mindestens 800 oder bei Vakuumröhrenkollektoren mindestens 1.000 Liter. 

Handelt es sich bei dem neu gebauten Haus um ein Solaraktivhaus, gilt keine Mindestfläche für Kollektoren und Speicher und auch keine Mindestzahl von Wohnungen. Sie haben dann aber durch Simulation nachzuweisen, dass die solarthermische Anlage mehr als 50 Prozent des Wärmebedarfs decken wird.

Zinsgünstige Kredite für solarthermische Anlagen

Die gesamte Anlage können Sie über einen zinsgünstigen Kredit der KfW-Bank finanzieren. Erhalten Sie einen Zuschuss über das Bafa-Programm, gibt es für den Rest der Investition einen Ergänzungskredit. Der Kredit läuft über zehn Jahre. Der Zinssatz ist für alle Antragsteller derselbe und liegt bei einem Prozent. Mit den Ersparnissen bei den Nebenkosten können Sie die Raten für den Kredit ausgleichen.

Sie können eine Anlage auch über das Förderprogramm für Erneuerbare Energien der KfW finanzieren und zugleich den Zuschuss über das Bafa beanspruchen. Bei diesem Programm können Sie zwischen verschieden langen Laufzeiten des Kredits wählen – zwischen 5 und 20 Jahren. Je nach Laufzeit und Bonität der Antragsteller unterscheidet sich der Zinssatz. 1,03 Prozent ist der niedrigste.

KfW
Förderbank im Besitz von Bund und Ländern
  • Darlehen für die Errichtung, Erweiterung oder den Erwerb von Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeichern, solarthermischen Anlagen und Biomasseheizanlagen
  • meist günstigere Zinssätze als marktüblich
  • komplette Fremdfinanzierung von Projekten möglich

Fördermittel von Bundesländern und Kommunen 

Einige Bundesländer und Kommunen fördern den Bau von Solarwärme-Anlagen. Bekannt sind uns die folgenden:

Nordrhein-Westfalen: Über das Programm progres.nrw können Sie Zuschüsse zu einer solarthermischen Anlage erhalten. Mindestens fünf Quadratmeter müssen die Kollektoren groß sein. 90 Euro pro Quadratmeter gibt das Land dazu. Einen Förderantrag können Sie bis 20. November 2020 bei der Bezirksregierung Arnsberg stellen, ehe Sie einen Auftrag erteilt haben. 

Schleswig-Holstein: „Klimaschutz für Bürgerinnen und Bürger“ heißt ein Programm von Schleswig-Holstein, das unter anderem solarthermische Anlagen ab drei Quadratmeter Kollektorfläche fördert. Einen Antrag können Betreiber einer Anlage stellen, wenn sie diese zwischen Januar 2020 und Dezember 2022 angeschafft haben. Das Land bezuschusst die Investition mit mindestens 500 Euro, höchstens sind 50 Prozent der Kosten drin. Bedingung ist, dass die Kollektoren abgedeckt sind – sogenannte Schwimmbadabsorber erhalten keinen Zuschuss. Den Förderantrag stellen Sie online.

Thüringen: Einen neuen thermischer Speicher fördert Thüringen über das Programm Solar Invest mit 250 Euro pro 1.000 Liter Speichervolumen. Es ist dabei egal, ob Sie den Speicher mit Solarkollektoren gemeinsam neu anschaffen oder ein älteres Modell ersetzen. Förderanträge nimmt die Thüringer Aufbaubank entgegen. Aufgrund der Corona-Krise besteht gerade ein Antragsstopp.

Düsseldorf: Solarwärmeanlagen für warmes Wasser als auch zur Unterstützung der Heizung bezuschusst die Stadt Düsseldorf seit April 2020. Für Anlagen zur Warmwasserbereitung auf Ein- und Zweifamilienhäusern gibt es 1.000 Euro. Auf Mehrfamilienhäusern bemisst sich der Zuschuss an der Größe der Kollektoren. Wollen Sie mit einer Anlage auch die Heizung unterstützen, zahlt die Stadt 200 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Ab dem 21. Quadratmeter sind es noch 120 Euro. Einen Förderantrag stellen Sie beim Umweltamt der Stadt, bevor Sie die Installation beauftragen. Um die Förderung zu erhalten, müssen Sie eine bestimmte Deckung Ihres Wärmebedarfs durch Solarwärme nachweisen. Nähere Informationen dazu finden Sie in der Richtlinie zum Förderprogramm „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf“ unter Punkt 6.10.

Freiburg: Wollen Sie eine alte Öl- oder Gasheizung durch eine Heizung mit erneuerbaren Energien ersetzen, gibt die Stadt Freiburg bis zu 1.000 Euro pauschal dazu. Bedingung ist, dass Sie zugleich eine Förderung über das Bafa oder einen zinsgünstigen Kredit der KfW nutzen. Da Sie mit einer solarthermischen Anlage allein Ihr Haus nicht beheizen können, müssen Sie sich für eine Heizungskombination entscheiden. Anträge sind über das Förderprogramm Klimafreundlich Wohnen zu stellen. Die Stadt Freiburg fördert auch eine Energieberatung bei Ihnen zuhause.

München: Wenn Sie eine neue solarthermische Anlage in München errichten, können Sie über das Förderprogramm Energieeinsparung 200 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche erhalten. Ab dem 21. Quadratmeter sind es noch 120 Euro. Auch wenn Sie Ihre bestehende Anlage erweitern wollen, gibt es Zuschüsse – 150 Euro pro Quadratmeter und 90 Euro ab dem 21. Quadratmeter. Die Anträge nimmt das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München entgegen.

Was gehört zu einer Solarthermie-Anlage?

Kernstücke der wassergeführten solarthermischen Anlage sind die Solarkollektoren und ein Wasserspeicher. Die Kollektoren absorbieren so viel Sonnenwärme wie möglich. Die Energie erwärmt dabei die in den Kollektoren zirkulierende Flüssigkeit (ein Wasser-Frostschutzgemisch). Das erwärmte Wasser fließt zum thermischen Speicher. Von dort kann das Warmwasser in den Warmwasserkreislauf oder den Heizkreislauf Ihres Hauses fließen. Pumpen und Wärmetauscher sorgen für einen effizienten und reibungslosen Ablauf. Ein Solarregler überwacht die Anlage und tariert den Wärmefluss aus.

Darüber hinaus gibt es solarthermische Anlagen, die mit Luft statt mit Wasser arbeiten. Sie sind günstiger, benötigen aber eine größere Fläche, um so viel Sonnenwärme nutzbar zu machen wie wassergeführte Anlagen. Die im Luftkollektor erwärmte Luft kann direkt ins Haus strömen und die Räume erwärmen. Sollen die Kollektoren in ein bestehendes Heizsystem integriert werden, ist die Installation aufwändiger: Über einen Wärmetauscher kann die erwärmte Luft Energie an das Wasser im Pufferspeicher abgeben. Ventilatoren treiben die Luftzirkulation an. Das ist stromintensiver als der Betrieb eines wassergeführten Systems. Dafür sind die Anschaffungskosten und die Betriebskosten deutlich geringer. Sinnvoll sind Luftkollektoren, wenn ein Haus mit Luft beheizt wird oder wenn eine Photovoltaik-Anlage den Betriebsstrom liefert.

Flachkollektor oder Vakuumröhrenkollektor?

Bei der Planung Ihrer wassergeführten Solaranlage haben Sie die Wahl zwischen Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren. Das entspricht der Wahl zwischen günstig und einfach oder teuer und effizient. Denn Vakuumröhrenkollektoren kosten zwar etwa das Doppelte, können bei idealen Bedingungen aber auch die doppelte Energiemenge bereitstellen.

Für welchen Kollektor-Typ Sie sich entscheiden sollten, hängt zum Teil davon ab, wie viel Sie anfänglich in die Anlage investieren können und wie stark Sie Ihre Nebenkosten langfristig senken wollen. Aber auch die Gegebenheiten Ihres Hauses spielen eine Rolle: Können Sie nur eine kleine Dachfläche für die Anlage nutzen, lohnt sich wahrscheinlich der effektivere Typ. Ist die Sonneneinstrahlung auf dem Dach eher gering, empfiehlt es sich, eine größere Fläche mit einfacheren Kollektoren zu bestücken.

Welchen Speicher brauchen Sie?

Da der Wärmebedarf im Haushalt zeitlich meistens nicht mit dem Sonnenertrag übereinstimmt, muss die Wärme über mehrere Tage in einem Warmwasserspeicher aufbewahrt werden können – zwei bis zweieinhalb Tage des Wassergebrauchs im Haushalt sollte der Speicher daher fassen können.

Bei Anlagen, die nur für die Warmwasserversorgung ausgelegt sind, ist der Speicher normalerweise nicht mit dem Heizkreislauf verbunden. Planen Sie eine Solaranlage, die auch die Raumheizung unterstützen soll, benötigen Sie ein kombiniertes Gerät, das beide Kreisläufe beliefern kann. Besonders effektiv wird das Heizungssystem, wenn dieser Speicher alternativ auch von einer weiteren Heizung erwärmt werden kann, die Gas, Öl oder Holzpellets verbrennt. Wie groß ein Speicher je nach Bedarf sein sollte, können Sie der Tabelle weiter unten entnehmen.

Nutzen Sie Luftkollektoren, brauchen Sie keinen Speicher eigens für die solarthermische Anlage anschaffen.

Wie groß sollte Ihre Solaranlage sein?

Dimensionierung: Je höher Ihr Bedarf ist und je mehr Personen im Haus leben, desto mehr Platz benötigen Kollektoren und Speicher. Allerdings sollten Sie auch nicht zu groß kalkulieren. Falls Sie die gespeicherte Wärme nicht verbrauchen, verpufft das Sparpotenzial der Anlage.

Fläche für Kollektoren: Auch kleinere Solaranlagen für Einfamilienhäuser sollten mindestens vier Quadratmeter umfassen. Bei weniger kann es sein, dass Sie auch über einen längeren Zeitraum die Kosten für die Anlage nicht wieder hereinbekommen. 

Eckdaten zu Fläche und Speichergröße einer Solarwärme-Anlage

 

Warmwasser

bereiten
(ab 3 Personen)

Heizung

unterstützen

Flachkollektor

1,2 - 1,5 qm

pro Person

0,8 - 1,1 qm pro 10 qm Wohnfläche

Vakuumröhren-

kollektor

0,8 - 1,0 qm

pro Person

0,5 - 0,8 qm pro 10 qm Wohnfläche

 

Speicher

angeschlossene Waschmaschine

angeschlossene Spülmaschine

100 - 130 Liter/Person

+ 100 Liter

+ 30 Liter

40 - 70 l/qm
Kollektorfläche

+ 100 Liter

+ 30 Liter

Quelle: Finanztip-Erhebung und Verbraucherzentrale NRW (Stand: 15. April 2020)
Die Größen variieren je nach Voraussetzungen und Lage des Gebäudes. Ebenso hängen sie vom täglichen Wasserverbrauch ab.

Welche Bedingungen sind für eine Solarthermie-Anlage ideal?

Damit eine Solaranlage effizient arbeitet, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen.

Ausrichtung – Je mehr Sonnenstrahlung die Anlage einfängt, desto mehr Wärme kann sie bereitstellen. Ideal ist es, wenn die Kollektoren direkt nach Süden zeigen. Eine Abweichung um bis zu 30 Grad nach Osten oder Westen lässt sich verschmerzen. Direkt nach Osten oder Westen sollten die Kollektoren aber nicht ausgerichtet sein. 

Neigung - Sinnvoll ist eine Neigung der Kollektoren um 50 bis 80 Grad. Ist Ihr Dach nicht so steil, können Sie die Kollektoren entweder aufständern oder Sie lassen sie einfach auf dem Erdboden installieren.

Schattenwurf - Die Sonne muss die Anlage erreichen können. Werden die Kollektoren auch nur stundenweise von Nachbargebäuden oder Bäumen verdeckt, mindert das ihre Leistung stark.

Wer kann Ihnen bei Planung und Installation der Anlage helfen?

Sind Sie unsicher, ob eine solarthermische Anlage für Sie sinnvoll ist oder mit welchem anderen Heizsystem Sie die Anlage kombinieren können, kann Ihnen ein Energieberater der Verbraucherzentralen helfen – im Rahmen eines Gebäude-Checks kommt er zu Ihnen nach Hause. Dafür zahlen Sie 30 Euro; bei geringem Einkommen sogar nichts. 

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) berät ebenfalls, unterstützt aber auch bei der Planung einer solarthermischen Anlage. In den Solarzentren des Vereins in Hamburg und Berlin ist die Beratung kostenfrei.

Wollen Sie Ihr Haus energieeffizient sanieren, fördert die KfW die entsprechenden Maßnahmen mit einem zinsgünstigen Kredit (Programm 430). Voraussetzung ist dafür, dass ein Energieberater bei Ihnen war. Die Kosten für diesen bezuschusst wiederum die KfW (Programm 431). Der Energieberater kann Ihnen auch sagen, ob Sie eine solarthermische Anlage installieren sollten. Wenn Sie Ihre bestehende Heizungsanlage oder den Warmwasserspeicher erneuern, können Sie die neuen Geräte direkt mit einer Solarthermie-Anlage abstimmen und im selben Schritt das System umstellen. Darüber hinaus lassen sich bis zu 20 Prozent Montagekosten sparen, falls das Dach neu eingedeckt werden muss und dabei die Solarkollektoren direkt eingebaut werden.

Bauen Sie neu, sollten Sie die Solaranlage bei der Planung gleich mitberücksichtigen. So können Sie Speicher, Rohre und Solarkollektoren direkt in den Gesamtplan des Gebäudes aufnehmen. Auch für den Neubau eines energieeffizienten Hauses gibt es einen zinsgünstigen Kredit der KfW (Programm 153) sowie den Zuschuss für den Energieberater.

Handwerker finden und beauftragen

Steht für Sie fest, dass Sie eine Anlage errichten wollen, dann suchen Sie sich ein qualifiziertes Handwerksunternehmen, das die genaue Planung und Montage übernimmt. Die Planung sollte eine Simulation beinhalten, wie viel Wärme die Solarthermie-Anlage bereitstellen kann und wie stark sie damit Ihren Wärmebedarf deckt.

Der Bundesverband Solarwirtschaft und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima erlauben eine Suche in ihren Mitgliederdatenbanken. Wollen Sie künftig sehr stark mit Sonnenkraft heizen, bietet sich auch eine Suche in der Datenbank des Sonnenhaus-Instituts an. 

Der Service des Installationsbetriebs sollte folgende Punkte einschließen:

  • Montage der Kollektoren
  • Montage des Speichers
  • Solarkreis spülen, Dichtheit prüfen, Speicher befüllen
  • Inbetriebnahme

Eine Baugenehmigung ist für die Installation einer solarthermischen Anlage nur in Ausnahmefällen nötig.    

Was ist im Betrieb zu beachten?

Fachmännisch installierte Solarwärme-Anlagen sind in der Regel pflegeleicht. Lassen Sie sich vom Installateur erklären, worauf Sie im Betrieb achten sollten und wie Sie Funktionsfehler erkennen. Dann reicht es aus, wenn Sie die Anlage alle zwei bis drei Jahre vom Handwerksunternehmen überprüfen lassen. Sie können mit Ihrem Installateur auch eine regelmäßige Inspektion und Wartung vertraglich vereinbaren. Etwa 50 Euro pro Jahr sind dafür aufzuwenden. Alternativ bietet sich eine Fernüberwachung an – bei kritischen Messwerten erhalten Sie eine Nachricht und können dann einen Handwerker rufen.

Haben Sie den Eindruck, Ihre Anlage liefert weniger Wärme als sie sollte, empfiehlt sich ein Solarwärme-Check bei einer Verbraucherzentrale. Ein Energieberater kommt dann zu Ihnen und prüft die Einstellungen und die Effizienz der Anlage. Abschließend überreicht er Ihnen einen Bericht mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen. Das kostet 30 Euro. Für einkommensschwache Haushalte ist dieser Service umsonst.

Alternativ können Sie sich an die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) wenden. Die Mitarbeiter sind 35 Sektionen zugeordnet, die sich über ganz Deutschland verteilen. Jene in Nürnberg und München sind personell stärker besetzt. In den Solarzentren in Hamburg und Berlin ist auch die persönliche Beratung kostenfrei.

Überhitzung im Sommer vermeiden 

Vor allem in sehr sonnigen Sommerwochen, in denen Solaranlagen mehr Energie erzeugen als Sie verbrauchen, heizen sich die Kollektoren besonders stark auf – es kann zur sogenannten thermischen Stagnation kommen. Mögliche Störungen durch einen solchen Wärmestau lassen sich bereits bei der Montage verhindern. Ist die Anlage eigensicher installiert, reagieren die Solarkollektoren selbstständig auf die fehlende Wärmeabnahme und sind vor Mängeln geschützt. Sie können dann auch im Sommer unbesorgt wegfahren.

Sammelt sich das Wasser im Speicher allerdings über mehrere Wochen, können sich Bakterien und Keime ansiedeln. Nutzen Sie dann das eigens dafür vorgesehene Ferienprogramm Ihrer Heizung oder lassen Sie das Trinkwasser nach Ihrem Urlaub erstmal für einige Minuten ablaufen. 

Autor
Ines Rutschmann
& Co-Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 20. Juli 2020


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