Rürup-Rente (Basisrente)

Nur für Selbstständige eine Option

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Basisrente (auch Rürup-Rente genannt) ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung.
  • Ähnlich wie bei der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung kannst Du die Beiträge für eine Rürup-Rente von der Steuer absetzen, allerdings musst Du die Auszahlungen im Ruhestand versteuern.
  • Aus dem angesparten Geld bekommst Du später eine Rente ausgezahlt. Vor allem Selbstständige ohne gesetzliche Absicherung sollten sich damit beschäftigen.

So gehst Du vor

  • Als Angestellter hast Du bereits eine Grundabsicherung. Eine Basisrente als Zusatzabsicherung ist eher ungeeignet.
  • Wenn Du als Selbstständiger nicht auf die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung setzen möchtest, solltest Du Angebote für eine Rürup-Rente einholen.
  • Empfehlenswerte Tarife bieten Condor (fondsgebundene Ren­ten­ver­si­che­rung) und Raisin Pension (ETF Rürup). Unten beschreiben wir die Unterschiede zwischen den Tarifen.

Selbstständige sollen verpflichtet werden, für das Alter vorzusorgen. So plant es die Ampelkoalition. Aktuell sieht das aber noch anders aus: Rund 3,8 Millionen Selbstständige sind in Deutschland bei der Altersvorsorge auf sich selbst gestellt. Sie müssen entweder freiwillig in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung einzahlen oder anderweitig privat vorsorgen.

Die Rürup-Rente kann dabei die Basis für Deine Altersvorsorge sein. Wie bei der gesetzlichen Rente kannst Du die Einzahlungen von der Steuer absetzen. Doch Du solltest Dir über die Nachteile bewusst sein: Der Vertrag ist unkündbar und das angesparte Geld kannst Du nicht vererben.

Wie funktioniert die Rürup-Rente?

Die Basisrente (Rürup-Rente) ist ein privates Altersvorsorge-Produkt und gehört zur ersten Säule der Altersvorsorge. Einen Vertrag schließt Du allerdings nicht mit dem Staat ab, sondern mit einem Versicherer.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente, die auf einem Umlageverfahren basiert, ist ein Rürup-Vertrag kapitalgedeckt. Das bedeutet: In der Ansparphase zahlst Du regelmäßig Geld in Deinen Vertrag ein, um Dir davon Deine spätere Rente auszahlen zu lassen.

Ähnlich wie bei der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung kannst Du auf das eingezahlte Geld bis zu Deiner Rente nicht mehr zugreifen. Wenn Du nicht mehr in den Vertrag einzahlen kannst oder möchtest, kannst Du ihn nur beitragsfrei stellen. Du lässt ihn also sozusagen rumliegen.

Das Anlageverfahren kannst Du Dir weitgehend aussuchen: Am weitesten verbreitet sind klassische oder fondsgebundene Ren­ten­ver­si­che­rungen. Wenige Anbieter haben auch Fondssparpläne im Programm. Ende 2020 gab es in Deutschland rund 2,4 Millionen Rürup-Verträge.

Die Säulen der Altersvorsorge

Säule I
Basisvorsorge

Säule II

geförderte

(private) Vorsorge

Säule III

ungeförderte

(private) Vorsorge

Säule 0

sonstige

(flexible)

Geldanlage

gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung

Riester-RenteLe­bens­ver­si­che­rung

Aktienfonds, ETFs (mit Auszahlplan)

berufsständisches Versorgungswerk

betriebliche Altersvorsorge

Ren­ten­ver­si­che­rung

Fondssparplan / ETF-Sparplan

(mit Auszahlplan)

Rürup-Rente

z.B.

Direktversicherung, Pensionsfonds

Fondssparplan

(im Rahmen einer Ver­si­che­rung)

Immobilien
Beiträge zunehmend steuerbegünstigt, Renten zunehmend steuerpflichtig

Beiträge steuerfrei

und ggf. Zulagen, Renten steuerpflichtig

Beiträge aus versteuertem Einkommen,

Rente steuerbegünstigt

Beiträge aus

versteuertem Einkommen, Gewinne/

Einnahmen

voll zu versteuern

Quelle: Finanztip (Stand: 8. März 2022)

Deine Beiträge zur Rürup-Rente kannst Du bis zu einem Höchstbetrag als Vorsorgeaufwendungen bei der Steu­er­er­klä­rung angeben und damit Deine Steuerlast senken. Im Jahr 2022 kannst Du höchstens 25.639 Euro geltend machen. Diesen Betrag kannst Du allerdings nicht komplett absetzen, sondern derzeit nur zu 94 Prozent. Der Prozentsatz steigt jährlich um 2 Prozent bis zum Jahr 2025.

Steuern zahlst Du dann erst auf Deine spätere Rente. Da der Steuersatz im Ruhestand häufig niedriger ist als im Erwerbsleben, dürften die meisten Sparer Vorteile aus der nachgelagerten Besteuerung ziehen. Details dazu liest Du weiter unten.

Wer kann eine Rürup-Rente abschließen?

Grundsätzlich kann jeder einen Vertrag für eine Basisrente abschließen. Ob selbstständig oder angestellt, Beamter oder Freiberufler: Die Rürup-Rente steht jedem offen.

Entwickelt wurde sie allerdings für Selbstständige, die für den Ruhestand ansparen möchten. Ein Rürup-Vertrag kann für sie ein Ersatz für die gesetzliche Rente sein – oder eine zusätzliche monatliche Auszahlung im Ruhestand.

Für wen ist ein Rürup-Vertrag sinnvoll?

Ob ein Rürup-Vertrag für Dich infrage kommt, hängt von individuellen Kriterien ab. Grundsätzlich gilt: Je mehr Du verdienst und je mehr Geld Du in den Vertrag steckst, umso mehr kann sich Rürup für Dich lohnen.

Selbstständige und Freiberufler

Bist Du selbstständig oder Freiberufler und nicht in der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung versichert, hast Du mit einem Rürup-Vertrag die Option auf eine steuerlich geförderte Altersvorsorge. Ähnlich wie gesetzlich Versicherte, profitierst Du von den steuerlichen Vorteilen in der Ansparphase.

Das lohnt sich vor allem für Gutverdiener, die den Höchstbetrag von derzeit 25.639 Euro bei der Steuer ausreizen möchten. Denn je mehr Du in einen Rürup-Vertrag einzahlst, desto größer fällt die Steuererstattung in der Ansparphase aus.

Einkommen muss planbar sein

Doch darüber hinaus solltest Du Dir sicher sein, dass Dein Einkommen dauerhaft hoch sein wird. Denn Rürup lohnt sich vor allem, wenn Du die hohen Steuervorteile mitnimmst. Dafür musst Du aber auch viel in den Vertrag einzahlen.

Zudem solltest Du Dir sicher sein, dass Du das Geld bis zur Rente nicht benötigst. Einen Immobilienkauf solltest Du daher schon hinter Dir haben. Du kannst das Geld aus dem Rürup-Vertrag nämlich nicht für den Immobilienkauf nutzen. Bis zu Deiner Rente kommst Du nicht an das Geld heran.

Nichts für Jungunternehmer und Studenten

Bist Du gerade dabei, Dein Business aufzubauen? Oder vielleicht bist Du noch im Studium und planst, danach auf eigenen Beinen zu stehen? Wenn Du Dich hier wiedererkennst, dann schiebe das Thema Rürup-Rente erst einmal beiseite. Kannst Du zu Beginn Deiner Karriere nur wenig Geld in den Rürup-Vertrag zahlen, dann gehen Dir die Steuervorteile verloren: Denn je weniger Du in Rürup einzahlst, desto geringer ist auch die Steuererstattung – doch im Gegenzug musst Du im Alter Deine Rente zu 100 Prozent (ab 2040) versteuern.

Außerdem: Ein Rürup-Vertrag ist unkündbar. Wenn Du doch irgendwann nochmal in ein Angestelltenverhältnis wechselst, wirst Du den Rürup-Vertrag nicht mehr los.

Gerade die häufig von Ver­si­che­rungsvermittlern angepriesenen Basisrenten in Kombination mit einer Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung sind nicht zu empfehlen. Dadurch wird ein unflexibler, unkündbarer Vertrag für die Altersvorsorge mit einer wichtigen Risikoabsicherung gekoppelt. Viele Studenten bereuen den Abschluss später. Wir empfehlen, die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung als separaten Baustein abzuschließen.

Angestellte sollten sich Abschluss gut überlegen

Für gutverdienende Angestellte kann sich ein Rürup-Vertrag aufgrund des Steuervorteils – rein finanziell gesehen – durchaus lohnen. Ein Beispiel: Du verdienst 50.000 Euro brutto im Jahr. 18,6 Prozent Deines Einkommens gehen dann an die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung, also 9.300 Euro (Arbeitnehmerbeitrag + Arbeitgeberbeitrag). Dieser Teil wird von der förderfähigen Höchstsumme (25.639 Euro in 2022) abgezogen. Dann bleiben Dir also immer noch 16.339 Euro, die Du in einen Rürup-Vertrag stecken könntest.

Allerdings solltest Du Dich fragen, ob Du zusätzlich zu Deiner gesetzlichen Rente eine weitere unflexible Ren­ten­ver­si­che­rung haben möchtest. Bedenke, dass Du bis zu Deiner Rente nicht mehr an das Geld kommst. Im Unterschied zu einer Le­bens­ver­si­che­rung kannst Du Dir das Geld aus dem Rürup-Vertrag nicht auf einen Schlag auszahlen lassen.

Möchtest Du das Geld zur Not wieder aus dem Vertrag nehmen, dann setze als Zusatzversicherung besser auf eine flexible Altersvorsorgemöglichkeit, wie einen ETF-Sparplan. Auch bei einem Riester-Vertrag kannst Du das Geld zumindest für einen Immobilienkauf vorzeitig entnehmen.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Rürup-Vertrag?

Die Merkmale eines Rürup-Vertrags können Vor- oder auch Nachteile sein. Es kommt darauf an, ob Du sie mit einer nicht geförderten privaten Altersvorsorge (ETF-Sparplan, private Ren­ten­ver­si­che­rung, Immobilie) oder mit der gesetzlichen Rente vergleichst.

Unterschiede zur nicht geförderten Altersvorsorge

Während der Vertragslaufzeit kommst Du bei einem Rürup-Vertrag nicht an Dein Geld. ETFs sind dagegen sehr flexibel. Du kannst jederzeit wieder auf das Geld zugreifen. 

Ein Rürup-Vertrag ist unkündbar. Du kannst zwar weniger einzahlen oder den Vertrag komplett beitragsfrei stellen – allerdings zahlst Du weiterhin bis zur Rente jedes Jahr die Verwaltungskosten aus Deinem Vertragsguthaben.

Im Ruhestand wird das Vertragsguthaben als lebenslange Rente ausgezahlt. Du hast kein Kapitalwahlrecht, kannst Dir das Geld also nicht auf einen Schlag auszahlen lassen.

Dafür kannst Du die Beiträge für Rürup-Verträge bei der Steuer ansetzen. Diesen Vorteil gibt es bei einem ETF-Sparplan oder einer ungeförderten privaten Ren­ten­ver­si­che­rung nicht.

Die Beiträge zur Basisrente sind Hartz-IV-sicher. Solltest Du als Selbstständiger mal in eine finanzielle Krise kommen und Ar­beits­lo­sen­geld II beantragen müssen, wird Dein Rürup-Vertrag nicht als Vermögen angerechnet. Anders bei einem ETF-Sparplan: Besitzt Du Wertpapiere, die die Vermögensfreigrenze bei Hartz IV übersteigen, musst Du diese erst einmal zu Geld machen und aufbrauchen.

Vergleich zur gesetzlichen Rente

Diese Vor - und Nachteile gibt es allesamt auch bei der gesetzlichen Rente. Auch die kannst Du nicht einfach kündigen oder Dir später als Einmalzahlung auszahlen lassen. Suchst Du also als einen Ersatz für die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung, musst Du Dich durch die genannten Nachteile nicht verunsichern lassen.

Hinterbliebenenschutz bei Rürup

Ein großer Nachteil bei Rürup ist allerdings: Grundsätzlich kannst Du Dein Geld nicht auf jemand anderen übertragen oder es vererben. Falls Du während der Ansparphase verstirbst, profitieren davon die anderen Versicherten. Hinterbliebene gehen also – ohne zusätzliche Absicherung – leer aus. Bei der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung erhalten hinterbliebene Ehepartner und Kinder immerhin einen Teil des Geldes als Witwenrente beziehungsweise Waisenrente.

Allerdings kannst Du bei vielen Rürup-Verträgen einen Hinterbliebenenschutz abschließen. Was möglich ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Verstirbt der Versicherte, können Hinterbliebene eine lebenslange Rente bekommen. Als Hinterbliebene gelten dabei nur Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und kindergeldberechtigte Kinder. Eine Rente kann vereinbart werden für den Fall, dass der Versicherte in der Rentenphase stirbt. Es kann aber auch vereinbart werden, dass die Rente bereits bei Tod in der Ansparphase fällig wird.

Bei der Höhe der Hinterbliebenenrente kommt es wieder auf das Vereinbarte an: Eine Rentengarantiezeit sichert eine festgelegte Rentenhöhe für einen bestimmten Zeitraum, z.B. für 10 Jahre ab Rentenbeginn. Verstirbt der Versicherte in dieser Zeit, wird die Rente bis zum Ablauf der 10 Jahre weitergezahlt. Um den Todesfall in der Ansparphase vor der Rente abzusichern, kann eine sogenannte Beitragsrückgewähr vereinbart werden. Dabei bekommen die Hinterbliebenen in der Regel die bisher eingezahlten Beiträge abzüglich der Kosten wieder ausgezahlt.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente gehen alle Regelungen zur Hinterbliebenenabsicherung bei einem Rürup-Vertrag auf Kosten Deiner Rentenhöhe. Je stärker Du also Deine Familie für den Fall Deines Todes absicherst, umso geringer ist später Deine Rente, wenn Du sie erlebst.

Wechsel nicht immer möglich

Anders als bei Riester-Verträgen gibt es bei Rürup keine gesetzlichen Vorschriften für den Wechsel zu einem anderen Anbieter. Daher ist es nicht bei allen Anbietern möglich, bei manchen nur gegen Gebühr.

Über die Nachteile der Rürup-Rente muss Dich der Ver­si­che­rungsmakler aufgeklärt haben. Hat er das im Beratungsgespräch unterlassen, macht er sich möglicherweise Dir gegenüber schadenersatzpflichtig. Das hat zuletzt das Oberlandesgericht Karlsruhe im Dezember 2021 entschieden (OLG Koblenz, Urteil vom 7.12.2021, Az: 9 U 97/19).

Wie entsteht der Steuervorteil bei der Rürup-Rente?

Während der Ansparphase bekommst Du bei Rürup-Verträgen eine Steuererleichterung. Im Ruhestand zahlst du dafür Steuern auf die ausgezahlte Rente. Für die meisten Menschen entsteht dadurch ein finanzieller Vorteil, da sie in der Rente ein niedrigeres Einkommen haben als im Erwerbsleben.

Konkret funktioniert das so: Anders als bei Riester-Verträgen, bei denen der Staat die Verträge über Zulagen und Steuervorteile fördert, funktioniert die staatliche Förderung bei privaten Rürup-Vorsorgeverträgen allein über die Steuer. Sparer können im Jahr 2022 Beiträge in Höhe von 25.639 Euro als Altersvorsorgeaufwendungen in der Steu­er­er­klä­rung geltend machen (2021: 25.786,80 Euro) – 94 Prozent davon erkennt das Finanzamt 2022 an (2021: 92 Prozent). Der absetzbare Anteil steigt jährlich um 2 Prozentpunkte – bis auf 100 Prozent im Jahr 2025.

Wie viel Steuererstattung Du erwarten kannst, hängt also von der Höhe Deines zu versteuernden Einkommens und Deinem persönlichen Steuersatz ab. Grundsätzlich gilt: Je mehr Du verdienst, desto mehr bekommst Du vom Finanzamt zurück. Es gilt aber auch: Je höher dein Einkommen im Ruhestand ist, desto mehr Steuern zahlst Du auf Deine Rürup-Auszahlung. Denn auch hier ist der individuelle Steuersatz entscheidend.

Vorsicht ist bei der Berechnung des Steuervorteils durch Ver­si­che­rungsvertreter oder in Angeboten von Versicherern geboten, die nicht von Deinem ganz persönlich zu versteuernden Einkommen ausgehen. In der Regel hast Du zusätzlich auch andere absetzbare Ausgaben, die Deine Erstattung durch den Rürup-Vertrag mindern.

Rürup-Steuererstattung bei unterschiedlichen Einkommen

Jahres-

gewinn vor

Steuern

Einkommens-

steuer + Soli

Jahres-

beitrag

Rürup1

davon

absetzbar

ESt + Soli

mit Rürup

 Steuer-

erstattung 

30.000 €

3.066 €5.580 €5.245 €1.686 €1.380 €

50.000 €

8.024 €9.300 €8.742 €5.205 €2.819 €

70.000 €

15.008 €13.020 €12.239 €10.218 €4.791 €

100.000 €

28.874 €15.736 €14.791 €21.923 €6.952 €

1 Wir nehmen an, ein Selbstständiger zahlt 18,6 Prozent seines Jahresgehalts in den Rürup-Vertrag ein, maximal 15.736 Euro pro Jahr. Das ist der derzeitige Beitragshöchstsatz der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung. Weitere Annahmen: Er ist freiwillig in der GKV versichert, als Betriebskosten setzt er 1.000 Euro an.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 8. März 2022)

Wie hoch sind die Steuern auf die Rürup-Rente?

Im Ruhestand müssen Rürup-Sparer ihre Rentenzahlungen aus dem Vertrag mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Wie hoch der Anteil der Rente ist, den Du besteuern musst, hängt vom Jahr ab, in dem Du in Rente gehst:

Bei einem Renteneintritt im Jahr 2022 liegt der zu besteuernde Anteil der Rürup-Renten bei 82 Prozent. Heißt: 18 Prozent des Geldes bekommst Du steuerfrei, 82 Prozent musst Du versteuern.

Der besteuerte Anteil für Rürup-Renten steigt allerdings in den kommenden Jahren bis auf 100 Prozent. Wenn Du 2040 oder später in Rente gehst, musst Du die gesamte Rürup-Rente versteuern.

Besteuerungsanteil der Rente nach Jahr

Jahr

Anteil 

in %

2020

80

2021

81

2022

82

2023

83

2024

84

2025

85

2030

90

2035

95

2040

100

Quelle: Paragraf 22 Nr. 1 Satz 3 Bstb. a, aa EStG (Stand: 8. März 2022)

Wie viel kannst Du in einen Rürup-Vertrag einzahlen?

Als Selbstständiger, der weder in die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung noch in ein Versorgungswerk einzahlt, kannst Du die Höchstgrenzen für die Basis-Vorsorgeaufwendungen komplett für Deinen Rürup-Vertrag ausschöpfen. Deine maximale Einzahlung, um den kompletten Steuervorteil zu bekommen, liegt im Jahr 2022 bei 25.639 Euro.

Willst Du Deine Rente der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung oder eines Versorgungswerks (vor allem Mediziner, Apotheker, Architekten, Juristen, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) mit Hilfe eines Rürup-Vertrags aufstocken, musst Du berücksichtigen, dass Deine Beiträge zur gesetzlichen Rente oder zum Versorgungswerk bereits auf den steuerlichen Höchstbetrag angerechnet werden. Der Betrag, der steuerbegünstigt in Deinen Rürup-Vertrag fließen kann, ist also begrenzt.

Das gleiche gilt für Angestellte, die mit einem Rürup-Vertrag sparen möchten. Bei ihnen verringern die Beiträge zur Ren­ten­ver­si­che­rung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) die absetzbaren Einzahlungen in den Rürup-Vertrag.

Welche Rürup-Renten empfiehlt Finanztip?

Es gibt verschiedene Rürup-Vertragsarten, mit denen Du ansparen kannst.

Eine klassische Ren­ten­ver­si­che­rung verspricht eine garantierte Rente. Allerdings ist diese bei einem Neuvertrag heutzutage aufgrund der niedrigen Zinslage sehr gering. Sie kommt lediglich für Selbstständige infrage, die wenige Jahre vor der Rente stehen.

Ren­ten­ver­si­che­rungen der sogenannten „neuen Klassik“ (auch Indexpolicen genannt) sind ebenfalls mit einer Garantie ausgestattet. Bei diesen Hybridmodellen werden die Zinsüberschüsse teilweise in Aktienfonds angelegt. Vermarktet werden sie damit, dass „man keine Verluste machen kann“. Die Produkte sind allerdings sehr komplex, undurchsichtig und erfordern regelmäßige Entscheidungen, was mit den Überschüssen geschehen soll. Dafür ist Expertise nötig.

Eine fondsgebundene Ren­ten­ver­si­che­rung hat je nach Anbieter und Produkt eine eingeschränkte oder keine Garantie. Dabei wird ein Teil des Geldes beim Versicherer angelegt (zum Beispiel 0,5 oder 80 Prozent des Guthabens) und verzinst, der andere Teil wird in Aktienfonds angelegt. Achte darauf, günstige und breit gestreute ETFs auszuwählen. Diese Vertragsart kommt für Selbstständige infrage, die noch mehr als zehn Jahre bis zur Rente Zeit haben. Faustregel: Je weiter der Ruhestand noch weg ist, desto weniger Garantie kannst Du wählen.

Fondssparpläne haben keine Garantie. Das Vermögen wird ausschließlich in Aktienfonds angelegt, also wie bei einer fondsgebundenen Ren­ten­ver­si­che­rung mit 0 Prozent Garantie. Dementsprechend sind die Renditechancen auch hier höher als bei einer klassischen Ren­ten­ver­si­che­rung.

Entscheidest Du Dich für eine Ver­si­che­rungslösung, solltest Du darauf achten, einen Tarif ohne Abschlusskosten zu wählen (Nettotarif) und Dein Geld einem finanzstarken Versicherer anzuvertrauen – schließlich wirst Du 50 Jahre oder länger an ihn gebunden sein. Der Versicherer haftet für die Auszahlung Deiner Rente. Geht er Pleite, springt zwar die Protektor AG ein (quasi die „Versicherung der Versicherer“), dennoch kann Deine Auszahlung dann niedriger sein als vorher garantiert. Sparst Du hingegen in einem Fondssparplan an, bleibst Du jederzeit Eigentümer der Fondsanteile – auch bei Insolvenz des Anbieters.

Die besten Rürup-Verträge im Test

Im September 2019 haben wir uns die finanzstärksten Versicherer herausgesucht und ihre klassischen Ren­ten­ver­si­che­rungen (mit Garantiezins) und fondsgebundenen Ren­ten­versi­che­rungen (ohne Garantie) genauer angesehen. Als finanzstark werteten wir die Versicherer, die bei der Prüfung der Ratingagentur Morgen & Morgen mit vier oder fünf Sternen abschließen. Auch zwei Fondssparpläne waren in unserer Untersuchung vertreten.

Um die besten Anbieter herauszufiltern, haben wir anschließend mehrere Auswahlkriterien angesetzt:

  • garantierte Mindestrente oder garantierte Rente je 10.000 Euro Kapital (Rentenfaktor),
  • geringe Kosten,
  • Flexibilität bei den Beiträgen und
  • bestenfalls die Möglichkeit eines Vertragswechsels.

Details zum Vorgehen liest Du im ausführlichen Testartikel zu den Rürup-Renten.

Am besten abgeschnitten hatten bei den klassischen Ren­ten­ver­si­che­rungen die Tarife der Europa (E-BR) und von Huk24 (Bra24). Die Huk24 hat inzwischen den Vertrieb ihres Tarifs Bra24 eingestellt. Auch der E-BR Tarif von Europa ist nicht mehr verfügbar (Stand: März 2022).

Für die fondsgebundene Ren­ten­ver­si­che­rung empfehlen wir ebenfalls die Europa (Tarif E-FBR) und die Condor (Tarif C 79 B). Dabei schneidet der Tarif der Europa in allen getesteten Bereichen – von Kosten bis Flexibilität – ordentlich ab. Den Europa-Tarif kannst Du online anfragen und abschließen. Die Condor ist günstiger, aber weniger flexibel. Ein Wechsel ist bei ihr ausgeschlossen. Um den Tarif abzuschließen, musst Du Dich an einen Makler wenden.

Condor
fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung (Tarif C79 B, mit iShares MSCI World, WKN: A0RPWH)
  • vier Sterne bei der Ratingagentur Morgen & Morgen
  • hoher garantierter Rentenfaktor und geringe Kosten
  • geringere Flexibilität der Beitragszahlungen, kein Wechsel
  • Abschluss nur über den Makler

Für alle, die mit Aktien sparen wollen, eignet sich auch der Fondssparplan der Sutorbank (ETF Rürup).

Den ETF Rürup (vormals Fairrürup) gibt es als Produkt erst seit einigen Jahren. Es ist eines der günstigsten und flexibelsten am Markt. Anders als die Versicherer hat die Sutorbank kein Rating. Das ist in dem Fall nicht relevant, da die Fonds im Rahmen des Sparplans Sondervermögen sind. Sie werden separat verwaltet und bleiben zu jeder Zeit im Eigentum des Sparers.

Beim ETF Rürup geht das Geld in der Rentenphase an die Mylife-Lebensversicherung, die die Auszahlung zu einem bereits heute garantierten Rentenfaktor übernimmt. Im Gegensatz zum ETF Riester der Sutorbank, bei dem die Aktienquote aufgrund des staatlichen Garantieversprechens mitunter stark schwankt, ist die Aktienquote beim ETF Rürup von Dir festgelegt. Sie kann auch nur von Dir geändert werden.

ETF Rürup (früher Fairrürup)
Fondssparplan der Sutorbank und Raisin Pension mit ETF Aktien Welt, WKN: A0RPWH
  • geschütztes Fondsguthaben
  • hoher garantierter Rentenfaktor
  • günstiges Ansparen mit ETFs auf den MSCI World möglich
  • sehr flexible Beitragszahlungen und Anbieterwechsel möglich
Zum Anbieter

Alle Details zu den Anbietern und deren Bewertung liest Du im ausführlichen Testartikel zu den Rürup-Renten.

Autoren
Sara Zinnecker
Martin Klotz
Barbara Weber

* Was der Stern bedeutet:

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