Geld leihen ohne Einkommen

Kredite ohne Einkommensnachweis

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob Du einen Kredit bekommst und wie teuer der ist, hängt von Deiner finanziellen Situation ab.

  • Hast Du kein regelmäßiges Einkommen, werden die Banken bezweifeln, dass Du das Geld zurückzahlen kannst.

So gehst Du vor

  • Versuche erstmal, an einen normalen Kredit zu kommen. Vergleiche dazu die Kreditangebote über Finanzcheck, Smava, Verivox und Check24.
  • Über andere Angebote wie Dispo, Rahmenkredit und Kreditkarte kannst Du Dir finanziellen Freiraum schaffen. Behalte aber unbedingt im Blick, wie sehr Du in den Miesen bist und wie Du Deine Schulden zurückzahlen kannst.
  • Als Student kannst Du über Bafög, KfW-Studienkredit oder andere besondere Finanzierungsangebote Unterstützung bekommen.

Wenn Du einen Kredit beantragst, fragen die Banken nach allerlei Informationen und Unterlagen. Wie hoch Deine Miete ist, interessiert sie dabei, oder ob Du mit anderen Personen zusammenlebst. Auch ein Einkommensnachweis gehört zu den einzureichenden Unterlagen.

Was ist ein Einkommensnachweis?


Egal ob für die Miete, einen Kredit oder für die Klärung von Unterhaltspflichten: Oft wird von Dir ein Einkommensnachweis verlangt. Dabei ist rechtlich nicht festgelegt, wie der auszusehen hat oder was genau als Einkommensnachweis gilt.

Einkommen hat dabei nicht ausschließlich etwas mit dem Gehalt von Deinem Arbeitgeber zu tun. Auch andere Geldflüsse sind für Banken und andere Unternehmen interessant. Diese kannst Du auf unterschiedliche Arten nachweisen, zum Beispiel über:  

  • Kontoauszüge
  • Deinen Arbeits­vertrag mit Angaben zum Gehalt
  • Gehaltsabrechnungen
  • eine Einkommensbescheinigung des Arbeitgebers (Formular bei der Agentur für Arbeit)
  • Deinen Einkommensteuerbescheid
  •  eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung
  • den Rentenbescheid
  • den Bafög-Bescheid
  • Kindergeldbescheinigungen
  • Nachweise zu Sozialleistungen
  • Nachweise zu Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung oder aus Kapitalvermögen

Welcher Nachweis in Deinem Fall sinnvoll ist, hängt von Deiner Einkommenssituation ab. Bist Du zum Beispiel Angestellter, passt die Gehaltsabrechnung. Als Selbstständiger nimmst Du den Einkommensteuerbescheid oder die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, als Rentner den Rentenbescheid und so weiter. Deine Schufa-Auskunft reicht dagegen nicht.

Bekommst Du einen Kredit ohne Einkommensnachweis?

Wenn Du einen Kredit beantragst, versuchen die Banken Deine finanzielle Situation richtig einzuschätzen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Höhe Deines Einkommens und ob es regelmäßig ist. Aufgrund dieser und weiterer Informationen entscheiden sie dann, ob sie Dir einen Kredit geben und wenn ja, zu welchem Zinssatz. Deshalb verlangen die Banken üblicherweise einen Einkommensnachweis.

Ohne regelmäßiges Einkommen werden Dir die meisten Banken keinen Kredit geben – egal wie sie ihre Kredite auch bewerben. Der Grund dafür ist einfach: Kann die Bank nicht einschätzen, ob Du ausreichend Geld hast, um den Kredit in der vereinbarten Zeit zurückzuzahlen, geht sie ein hohes Risiko ein. Sie verliert möglicherweise Geld. Im Zweifel sagt sie deshalb eher „nein“ zum Kredit.

Anders sieht es aus, wenn Du wenig Geld verdienst oder es unregelmäßig auf Deinem Konto landet. In solchen Fällen kriegst Du womöglich einen Kredit, er wird aber sehr teuer. Die Banken lassen sich das höhere Risiko eines Kreditausfalls über höhere Zinsen bezahlen. Auch wenn Du wenig Geld verdienst, kannst Du also zuerst versuchen, einen normalen Ratenkredit zu bekommen. Vergleiche dazu am besten die Angebote mehrerer Banken. Das kannst Du über Kreditportale machen.

Finanztip empfiehlt Dir, 4 Portale zu nutzen: Finanzcheck, Smava, Verivox und Check24. Das jeweilige Portal hat vielleicht andere Banken eingebunden, die Dir ein besseres Angebot machen. Mehr Informationen zu Krediten und Tipps zum Vergleichen von Krediten findest Du in unserem Ratgeber zu Krediten.

Andere Kredite

Neben Ratenkrediten kannst Du Dir auch auf anderen Wegen Geld bei der Bank leihen. Die Banken werden allerdings vorsichtig sein, falls Dein Einkommen gering ist oder Du keinen Einkommensnachweis erbringen kannst. Du kriegst vielleicht nur einen kleinen Dispo – falls überhaupt. Bei einem Rahmenkredit spielt die Bonität ebenfalls eine Rolle.

Sollten die Banken Dir einen Dispo oder Rahmenkredit gewähren, nutze diese Angebote so diszipliniert wie möglich. Auch mit geringen Kreditlinien kannst Du Dich verschulden, zum Beispiel wenn Deine Bank Dir den Dispo kündigt. Zudem sind beide Angebote in der Regel teurer als ein Ratenkredit.

Mehr Chancen hast Du unter Umständen bei einer Kreditkarte. Bei richtigen Kreditkarten wird der Umsatz einmal im Monat von der Bank abgebucht. Du kriegst also für diesen Zeitraum einen kostenlosen Kredit.

Bei einigen dieser Karten kannst Du Deine Schulden sogar über Monate hinweg in Raten abstottern. Diese Raten sind jedoch hoch verzinst. Unterschätze nicht das Risiko, Dich durch diese Ratenzahlung zu verschulden. Finanztip rät von der Ratenzahlung ab und empfiehlt Dir, nur den kostenlosen Kredit für einen Monat zu nutzen und die Kartenschulden pünktlich vor dem Abbuchungstermin komplett zu begleichen.

Hast Du Schulden verteilt, also beim Dispo, beim Rahmenkredit und der Kreditkarte, solltest Du Buch führen, vielleicht über eine Excel-Tabelle. Schreib Dir auf, wem Du wie viel schuldest und trage auch Zahlungsfristen ein. Sonst verlierst Du womöglich den Überblick.

Wie kannst Du sonst Geld leihen?

Abhängig von Deiner Situation gibt es weitere Wege, um an Geld zu kommen.

Privatkredit - Du kannst Dir Geld von Freunden und Familie leihen. Dabei bleibt die Schufa außen vor und womöglich musst Du nicht mal Zinsen für das Geld zahlen. Denk aber daran, einen Kreditvertrag aufzusetzen. In dem regelst Du zum Beispiel, wann Du das Geld zurückzahlen wirst. Sei besser auch ehrlich, wenn es um Dein Gehalt geht. Schließlich sollten Deine Nächsten einschätzen können, ob sie ihr Geld zurückbekommen und ob sie das Risiko eingehen wollen und können, es zu verlieren.

Selbstständige - Als Selbstständiger kannst Du bei einer Bank einen Kredit beantragen. Anstelle der Unterlagen zum Gehalt dienen Kontoauszüge oder zum Beispiel die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Einkommensnachweis.

Ob Du einen Kredit bekommst oder nicht, hängt davon ab, wie gut Deine Geschäfte in den letzten Monaten liefen.

Die Banken sind bei Selbstständigen tendenziell etwas vorsichtiger und verlangen von Dir mitunter höhere Zinsen, als sie es bei einem Kreditnehmer mit fester Anstellung tun würden. Auch die Branche, in der Du tätig bist, und wie anfällig diese für wirtschaftliche Krisen ist oder wie hoch die Konkurrenz innerhalb der Branche ist, kann Einfluss auf die Zinsen haben. Da Du als Selbstständiger tendenziell ein unregelmäßiges beziehungsweise schwankendes Einkommen hast, steigt das Risiko, dass Du den Kredit nicht zurückzahlen kannst.

Willst Du den Kredit nicht für Dich aufnehmen, sondern für Dein Unternehmen oder die Existenzgründung, stehen Dir unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten offen. Informationen dazu bekommst Du bei der Handelskammer in Deinem Bundesland, der Agentur für Arbeit und der KfW.

Hausfrauen - Falls Du zuhause bist und nur Dein Partner arbeitet – egal ob Mann oder Frau –, kannst Du einen Kredit aufnehmen. Das geht zusammen mit Deinem Partner. Wichtig dabei: Dein Partner haftet mit Dir zusammen für das geliehene Geld. Solltet Ihr Euch trennen oder Dein Partner verstirbt, musst Du womöglich weiterhin für den Kredit geradestehen, egal ob Du selbst Geld verdienst oder nicht.

Studenten - Als Student hast Du verschiedene Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Ein Ratenkredit ist daher nicht die beste Lösung, selbst wenn Du nebenher Geld verdienst. Mit Bafög, einem KfW-Kredit fürs Studium oder anderen Finanzierungsangeboten für Studenten fährst Du besser.

Rentner - Wie Selbstständige können auch Rentner einen Kredit beantragen, Dein Rentenbescheid gilt als Einkommensnachweis. Ob Du einen Kredit bekommst, hängt neben der Höhe Deiner Rente oder anderen Einnahmen jedoch auch von Deinem Alter ab. Denn mit dem steigt für die Banken die Gefahr, dass Du schwer krank wirst oder stirbst und sie deshalb ihr Geld nicht wiederbekommen.

Arbeitslose - Falls Du arbeitslos bist, winken die Banken ebenfalls ab. Wenn Du tief in den Schulden steckst und Dir mit einem Kredit Luft schaffen willst, solltest Du in dieser Situation besser den Weg zur Schuldnerberatung gehen. So verhinderst Du, dass Du womöglich noch tiefer in die Schulden rutschst und am Ende nicht mehr um eine Privat­insolvenz herum kommst.

Welche Alternativen werden beworben?

Kleinkredite - Anbieter wie Vexcash, Cashper und Xpresscredit werben mit kurzfristigen Finanzspritzen zwischen 100 und 1.500 Euro, die Du innerhalb von maximal zwei Monaten zurückzahlen musst. Die Zinsen für solche Kredite sind höher als bei Ratenkrediten und sie fallen noch höher aus, falls Du das Geld schnell brauchst oder es in mehreren Raten zurückzahlen willst. Auch diese Anbieter verlangen, dass entweder ein regelmäßiges Gehalt auf Deinem Konto eingeht oder dass Du kreditwürdig bist.

Kredit ohne Schufa - Hinter dem auf vielen Websites beworbenen „Kredit ohne Schufa“ steckt in der Regel die Sigma Kreditbank. Diese Bank sitzt in Liechtenstein und arbeitet deshalb nicht mit der Schufa zusammen. Nach Deinem Arbeitgeber und dem Gehalt fragt aber auch dieses Unternehmen.

Privatkredite über Portale - Der Privatkredit muss nicht immer aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kommen. Auch Portale vermitteln Kredite für privat von privat. Dabei kommt das Geld teilweise von Privatmenschen, hinter der Abwicklung steckt aber wieder eine Bank. Die Zinsen fallen in der Regel bei solchen Angeboten recht hoch aus, zusätzlich gibt es weitere Gebühren wie Vermittlungsprovisionen. Die Anbieter verlangen nicht unbedingt ein klassisches, regelmäßiges Einkommen, aber ganz ohne Geldeingang bekommst Du auch hier keinen Kredit.

Autor
Josefine Lietzau

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