Brutto und Netto-Rente

So viel Geld bleibt von der Rentenerhöhung 2022 übrig

Jan Scharpenberg
Finanztip-Experte für Rente

Das Wichtigste in Kürze

  • Zum 1. Juli 2022 werden die Renten um 6,12 Prozent in den neuen und 5,35 Prozent in den alten Bundesländern erhöht.
  • Von dieser Brutto-Erhöhung kommt aber netto nicht die gesamte Erhöhung auf Deinem Konto an.

So gehst Du vor

  • Die Höhe Deiner neuen Netto-Rente steht in Deiner Anpassungsmitteilung.
  • Mit Hilfe Deiner Beitragssätze für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung kannst Du Deine Netto-Rente auch einfach selbst ausrechnen.
  • Achte darauf, dass Du nach der Erhöhung nicht in die Steuerpflicht rutschst.

Zum 1. Juli trat eine der größten Rentenerhöhungen seit Jahrzehnten in Kraft. Wenn Du Rentner bist, kannst Du Dich also über satte 6,12 Prozent in den neuen und 5,35 Prozent in den alten Bundesländern mehr Brutto-Rente freuen. Allerding kommt die volle Brutto-Erhöhung nicht als Netto der monatlichen Rente auf Deinem Konto an.

Das hat mit den Beiträgen für die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu tun. Die zahlst Du nämlich anteilig von Deiner monatlichen Rente. Wir helfen Dir, ganz einfach herauszufinden, wie viel Geld mehr Du nach der Erhöhung wirklich bekommst.

Wie erhöht sich Deine Brutto-Rente nach dem 1. Juli?

Damit Du nachvollziehen kannst, wie viel Netto-Rente am Ende übrigbleibt, müssen wir Dir zunächst erklären, wie Deine Brutto-Rente berechnet wird.

Die prozentuale Rentenerhöhung bezieht sich immer auf den (Renten)-Wert der sogenannten Entgeltpunkte. Die sind eine der Rechengrößen in der Rentenformel, mit der Deine Rente berechnet wird. Im Laufe Deines Arbeitslebens sammelst Du jährlich eine bestimmte Anzahl Entgeltpunkte, je nachdem wie viel Gehalt Du in besagtem Jahr verdient hast.

Wenn Du genau wissen willst, was es mit den Entgeltpunkten auf sich hat, dann schau doch mal in unseren Ratgeber zur Rentenformel.

Ein Entgeltpunkt ist seit der Erhöhung am 1. Juli in den neuen Bundesländern simpel ausgedrückt 35,52 Euro Rente im Monat wert und 36,02 Euro in den alten Bundesländern.

Aber wie wirkt sich das auf Deine monatliche Brutto-Rente aus? Wenn Du bereits Rentner oder Rentnerin bist, brauchst Du Dich nicht für andere Rechengrößen wie Zugangs- oder Rentenfaktor zu interessieren. Diese ändern sich für Dich nicht und haben daher keinen Einfluss bei der Neuberechnung Deiner monatlichen Brutto-Rente. Das heißt im Umkehrschluss: Du kannst die prozentuale Erhöhung des Rentenwerts ohne Umschweife auf Deine jetzige Rente aufschlagen. Unsere Tabelle gibt Dir dafür eine erste Orientierung.

So erhöhen sich die Renten in Ost und West

alte Brutto Renteneu (West)neu (Ost)
1000 Euro1053,50 Euro1061,20 Euro
1250 Euro1316,88 Euro1326,50 Euro
1500 Euro1580,25 Euro1591,80 Euro
1750 Euro1843,65 Euro1857,10 Euro
2000 Euro2107 Euro2122,40 Euro
2250 Euro2370,38 Euro2387,70 Euro
2500 Euro2633,75 Euro2653 Euro
2750 Euro2897,13 Euro2918,30 Euro
3000 Euro3160,50 Euro3183,60 Euro

Warum steigt mit der Rente die Kran­ken­ver­si­che­rung?

Wie genau sich Deine Brutto-Rente erhöht, steht auch in Deiner Anpassungsmitteilung. Diese verschickte die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung zwischen dem 10. Juni und dem 27. Juli. Darin wird auch aufgeschlüsselt, welche Auswirkung die Erhöhung auf Deine monatliche Netto-Rente hat.

Denn von Deiner Brutto-Rente musst Du noch die Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zahlen. Die Höhe dieser Beiträge wird prozentual von Deiner Rente berechnet. Wenn Du also mehr Rente bekommst, musst Du auch mehr für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zahlen.

Sofern Du im Ruhestand nicht privat krankenversichert bist, beträgt der Beitragssatz für die Kran­ken­kas­se der Rentner aktuell 14,6 Prozent. Davon zahlst Du aber nur die Hälfte. Die andere Hälfte übernimmt die Ren­ten­ver­si­che­rung. Die Beiträge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung zahlst Du hingegen allein. 2022 liegt der Beitragssatz für Rentner mit Kindern bei 3,05 Prozent. Zu Kindern zählen auch Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder. Hast Du keine Kinder, zahlst Du 3,4 Prozent Beitragssatz von Deiner Rente. Ausführliche Infos zum Thema findest Du in unserem Ratgeber zur Rente und Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Wenn Du diese Kosten von Deiner Brutto-Rente abziehst, erhältst Du Deine monatliche Netto-Rente.

So berechnest Du Deine neue Netto-Rente

Die Netto-Rente findest Du ebenfalls in Deiner Anpassungsmitteilung. Wenn Du nicht auf diese warten oder die Zahlen überprüfen willst, kannst Du Deine Netto-Rente auch selbst ausrechnen. Das ist gar nicht so schwierig. Wir helfen Dir mit einem Beispiel.

Beispielrechnung:

  • Renate bekommt als Rentnerin mit Kindern in den alten Bundesländern eine Rente von 1500 Euro. 
  • Darauf zahlt sie 109,50 Euro Kran­ken­ver­si­che­rung (7,3 Prozent) und 45,75 Euro Pfle­ge­ver­si­che­rung (3,05 Prozent). Ihr bleibt eine Netto-Rente von 1344,75 Euro.
  • Nach der Erhöhung am 1. Juli beträgt ihre Brutto-Rente 1580,25 Euro.
  • Wenn Renate darauf wieder die prozentualen Beitragssätze anwendet, ergeben sich neue Kosten von 115,36 Euro für die Kran­ken­ver­si­che­rung und 48,20 Euro für die Pfle­ge­ver­si­che­rung.
  • Renate bleibt also eine Netto-Rente in Höhe von 1416,69 Euro.

In unserem Beispiel würden auf Renates Konto nach der Erhöhung demnach nicht die 80,25 Euro zusätzlich landen, die sich aus dem Vergleich der Brutto-Rente vor und nach dem 1. Juli ergeben. Durch die gleichzeitig erhöhten Beiträge für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung wären es netto nur 71,94 Euro mehr Rente im Monat.

Tipp: Du solltest als Rentner nach der Erhöhung überprüfen, ob Du nun jährlich so viel Einkommen hast, dass Du Steuern zahlen musst. Allein durch die Rentenerhöhung passiert das aber selten. Für 2022 fallen laut Aussage des Bundesfinanzministeriums 106.000 Rentner und Rentnerinnen wegen der Erhöhung in die Steuerpflicht.

Entscheidend ist in 90 Prozent der Fälle das zusätzliche Einkommen, dass die Betroffenen neben der Rente kassieren. Dieses lässt sich wiederum mittels einer Steu­er­er­klä­rung so reduzieren, dass Du unter den Grundfreibetrag fällst. Der liegt für 2022 bei 10.347 Euro. Wie genau das funktioniert und worauf Du bei der Überprüfung Deiner Steuerpflicht achten solltest, kannst Du in unserem Ratgeber zu Rente und Steuern ganz einfach nachschlagen.

Autor
Jan Scharpenberg