Geld zurück wegen Reisemängeln

Das sind Ihre Rechte, wenn es im Hotel zu laut ist

Das Wichtigste in Kürze

  • Lärm im Hotel ist ein Reisemangel. Sie können Abhilfe einfordern und Geld zurückverlangen, also den Reisepreis mindern.
  • Wie viel der Reiseveranstalter erstatten muss, hängt davon ab, wie laut es ist und ob Sie tagsüber oder auch nachts gestört werden.
  • Nach der Frankfurter Tabelle können Sie bei Lärm am Tag zwischen 5 und 25 Prozent des Reisepreises zurückverlangen, bei Lärm in der Nacht zwischen 10 und 40 Prozent.
  • Beläuft sich die gesamte Minderung auf mindestens 50 Prozent, haben Sie zusätzlich Anspruch auf Entschädigung wegen verlorener Urlaubstage.

So gehen Sie vor

  • Ist es im Hotel zu laut, melden Sie den Mangel der Reiseleitung und verlangen Sie zum Beispiel ein anderes Zimmer. Sie können dazu unser Muster Mängelanzeige vor Ort nutzen.
  • Schreiben Sie ein Lärmprotokoll, falls der Lärm anhält.
  • Fordern Sie nach dem Urlaub eine Erstattung des Reisepreises, sofern der Veranstalter den Mangel nicht behoben hat.
  • Machen Sie nach dem Urlaub Ihre Rechte schriftlich geltend. Dazu können Sie unseren Musterbrief Reisemängel verwenden.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Reisetipps immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Im Urlaub soll es entspannt zugehen. Kaum etwas stört dabei so sehr wie Lärm. Wenn das Hotel gerade unter großem Krach umgebaut wird, oder Diskotheken die Nächte durchlärmen, dann haben Sie das Recht, den Reisepreis zu mindern – also einen Teil des Geldes zurückzuverlangen. Zum Lärm kommen meist noch andere Mängel wie Staubentwicklung hinzu, so dass Reisende oft hohe Erstattungen fordern können.

Durch das neue Pauschalreiserecht gelten für Buchungen seit dem 1. Juli 2018 neue Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Wer seinen Urlaub vor diesem Stichtag gebucht hat, muss bei Mängeln das bisher geltende Recht beachten. In diesem Ratgeber weisen wir immer sowohl auf die alten als auch die neuen Regelungen hin.

Lärm ist ein Reisemangel

Lärm macht nicht nur krank, er ist rechtlich auch eindeutig ein Reisemangel. Sie haben deshalb das Recht, Abhilfe zu verlangen (§ 651c a. F. Absatz 1 BGB, § 651k BGB). Manchmal hilft schon ein anderes Zimmer im Hotel.

Aber: Gewisse Unannehmlichkeiten und Unzulänglichkeiten, die sich aus dem Massencharakter der Pauschalreise ergeben, müssen Reisende in Kauf nehmen. Ist das Zimmer einfach hellhörig, kann der Urlauber kein Geld zurückverlangen (OLG Düsseldorf, Urteil vom 10. Februar 2015, Az. 21 U 149/14). Auch wenn Kinder in der Hotelanlage lärmen, können Reisende keine Erstattung verlangen.

Wie viel Geld kann ich zurückverlangen?

Wird es nichts mit der Erholung durch ein ruhiges Hotel, können Sie einen Teil der Kosten zurückfordern (§ 651m BGB). Wie viel der Reiseveranstalter erstatten muss, hängt davon ab, wie laut es ist und ob Sie tagsüber oder auch nachts gestört werden. Grundsätzlich keine Rolle spielt, ob das Hotel für den Lärm verantwortlich ist oder nicht. Außer der Veranstalter hat im Prospekt ausdrücklich auf die möglichen Beeinträchtigungen hingewiesen.

Die „Frankfurter Tabelle“ als Richtschnur

Die sogenannte Frankfurter Tabelle aus den 80er Jahren liefert einen Anhaltspunkt dafür, in welcher Höhe Sie wegen Lärm den Preis mindern können. Die Tabelle dient trotz ihres Alters immer noch sehr gut zur Orientierung. Allerdings sind Reiseveranstalter nicht daran gebunden – eine klare gesetzliche Vorgabe fehlt.

Laut Frankfurter Tabelle können Sie bei Lärm am Tag zwischen 5 und 25 Prozent des Reisepreises zurückverlangen. Können Sie nachts wegen Lärm nicht schlafen, steht Ihnen eine Erstattung zwischen 10 und 40 Prozent zu.

Im Einzelfall bis zu 66 Prozent Minderung

Die folgende Tabelle fasst wichtige Urteile zu Reiselärm zusammen. Sie zeigt, dass die aktuelle Rechtsprechung bei Lärm im Einzelfall mittlerweile höhere Minderungen zulässt, als in der Frankfurter Tabelle vorgeschlagen.

Beispiele aus der Rechtsprechung zu Lärm bei Pauschalreisen

Sachverhalt Quote für Minderung Urteil
Umfangreiche Bauarbeiten werktags im Hotel von 8:30 bis 17:30 Uhr 66 % AG Köln, 28. August 2007, Az. 133 U 640/05
Umfangreiche Bauarbeiten werktags im Hotel 50 % LG Frankfurt, 26. Juli 2010, Az. 2-24 S 135/09
Baulärm auf kleiner Ferieninsel auf den Malediven 50 % LG Frankfurt, 7. April 2016, Az. 2-24 O 51/15
Baulärm im Hotelzimmer gegenüber 33 % AG Bad Homburg, 7. Januar 1997, Az. 2 C 3263/96-19
Baulärm am Pool tagsüber bei eingehaltener Mittagspause bis 16 Uhr 15 % AG Viersen, 26. März 2013, Az. 31 C 391/11
Freiluft-Diskothek in der Hotelanlage täglich von 22 bis 5 Uhr 60 % AG Köln, 26. Februar 2008, Az. 133 C 533/06
Lärm durch Abendveranstaltungen im Hotel bis 23:30 Uhr (im Prospekt wurde darauf hingewiesen) 0 % OLG Düsseldorf, 10. Februar 2015, Az. I-21 U 149/14
Fluglärm 5 % LG Frankfurt, 1. August 2006, Az. 2-24 S 262/05
Lärm durch Klimaanlage auf dem Balkon 5 % AG Köln, 23. September 2013, Az. 142 C 515/12
Kinderlärm 0 % LG Kleve, 20. Dezember 1996, Az. 6 S 34/96

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 6. Juli 2018)

Gibt es bei Lärm im Hotel eine Entschädigung?

Ist die Beeinträchtigung durch den Lärm und andere Mängel erheblich, steht Ihnen zusätzlich noch eine Entschädigung für verlorene Urlaubszeit zu. Das ist der Fall, sobald Sie 50 Prozent oder mehr vom Reisepreis erstattet bekommen (Minderungsquote).

So viel können Sie verlangen: Multiplizieren Sie den Reisepreis pro Tag mit der Anzahl der verlorenen Urlaubstage und der Minderungsquote. Sie können also den Reisepreis anteilig zurückverlangen und den gleichen Betrag zusätzlich als Entschädigung fordern (§ 651f Abs. 2 a. F. BGB, § 651n Abs. 2 BGB).

Beispiel: Kostet eine 10-tägige Pauschalreise 2.000 Euro, beträgt der Reisepreis pro Tag 200 Euro. Sind an 8 Tagen der Lärm und andere Mängel so erheblich, dass der Reisende 50 Prozent mindern kann, kann er 800 Euro Reisepreisminderung und zusätzlich 800 Euro Entschädigung erhalten.

Wie kann ich Lärm im Hotel beweisen?

Niemand nimmt in den Urlaub ein Lärm-Messgerät mit. Deshalb müssen Sie andere Beweise sammeln, die den Lärm nachvollziehbar belegen. Ein Lärmprotokoll bietet sich an. Sie notieren dazu, wann und wie lange Sie der Lärm jeden Tag gestört hat. Beginnen die Bauarbeiten im Hotel zum Beispiel um 8 Uhr, notieren Sie das.

Zusätzlich sollten Sie Fotos von den Lärmquellen, etwa der Baustelle oder letzten Schaumparty in der Diskothek des Hotels machen. Apps zur Messung des Lärms sind zwar oft ungenau, können aber trotzdem ein guter Anhaltspunkt für die Lautstärke sein. Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte hat für alle Nutzer eines iPhones oder Android-Smartphones eine kostenlose App zur Messung der Lärmbelastung herausgegeben, die Sie im Urlaub für Ihr Lärmprotokoll nutzen können.

Hilfreich ist es auch, mit dem Mobiltelefon ein kurzes Lärm-Video zu Beweiszwecken zu drehen. Entweder von der Lärmquelle selbst, oder aber Sie filmen, wie sie mit einer anderen Person trotz des Lärms zu reden versuchen.

Unser Tipp: Bleiben Sie zu Reisetipps immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

So kommen Sie an Ihr Recht

Sie müssen den Lärm schon vor Ort als störend angezeigt haben – am besten schriftlich. Verwenden Sie etwa unser Muster Mängelanzeige vor Ort, lassen Sie den Lärm als Mangel feststellen und verlangen Sie Abhilfe. Setzen Sie dazu eine (kurze) Frist.

Haben Sie vor dem 1. Juli 2018 Ihre Reise gebucht, müssen Sie nach der Rückkehr innerhalb eines Monats wegen des Lärms und eventuell zusätzlicher Mängel schriftlich einen Teil des Reisepreises zurückfordern. Diese Ausschlussfrist gilt für Buchungen nach dem neuen Pauschalreiserecht nicht mehr.

Fordern Sie einen konkreten Betrag, für den Sie sich an der Frankfurter oder Kemptener Tabelle orientieren können. Für das Schreiben können Sie unseren Musterbrief Reisemängel verwenden und auf Ihre Reise anpassen.

Weigert sich der Veranstalter, einen Teil des Reisepreises zu erstatten, brauchen Sie Hilfe. Dazu können Sie sich an eine Verbraucherzentrale wenden, die nach einer Beratung auch den Schriftverkehr mit dem Unternehmen übernimmt.

Es gibt keine spezielle Anlauf- oder Schlichtungsstelle für Beschwerden zu Pauschalreisen. Zuständig ist vielmehr die allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle.

Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen, der auf Reiserecht spezialisiert sein sollte. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klären Sie unbedingt vorab, ob sie die Kosten für den Anwalt und eventuell ein Gerichtsverfahren übernimmt.

Sollen wir Sie
zu Reisetipps
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei
Was der Stern* neben Links bedeutet

Ein Stern* neben einem Link bedeutet, dass Finanztip vom verlinkten Anbieter möglicherweise bezahlt wird: manchmal, sobald Sie den Link klicken – oft nur dann, wenn Sie einen Vertrag abschließen. So finanzieren wir unseren Service und können ihn kostenlos anbieten. Wichtig ist: Auf den Preis, den Sie zahlen, wirkt sich das nicht aus. Und wir verlinken nur auf Angebote, die unsere unabhängigen Experten und Redakteure zuvor uneingeschränkt empfohlen haben. Das hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist. Erst wenn das geklärt ist, verhandelt eine andere Abteilung über eine mögliche kostenpflichtige Verlinkung. Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.

Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.