Biogas Biogas statt Erdgas: Gut fürs Klima, aber teurer

Benjamin Weigl
Benjamin Weigl
Experte Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Biogas zählt zu den erneuerbaren Energien und ist deutlich klimafreundlicher als fossiles Erdgas.
  • Unser Preisvergleich zeigt: Reine Biogastarife kosten mindestens drei Cent pro Kilowattstunde mehr, sind also rund 30 Prozent teurer als normales Gas.
  • „Klimagas“ und „Ökogas“ sind in der Regel kein Biogas, sondern Erdgastarife mit Klima-Ausgleich.

So gehst Du vor

  • Vergleiche Biogaspreise mit dem Finanztip-Gasrechner (enthält Werbelinks). Alle empfohlenen Tarife erfüllen verbraucherfreundliche Kriterien und unsere unabhängige Redaktion schließt problematische Anbieter aus.

Biogastarife vergleichen

  • Beim Wechsel in einen Biogastarif kann der neue Anbieter den alten Gasvertrag für Dich kündigen.

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Wie vergleichst Du Tarife mit Biogas?

Nutze für den Vergleich von Biogastarifen den Gasrechner von Finanztip. Aktiviere in der Ergebnisliste den Filter „Mit Biogas“, um Tarife mit einem Anteil zwischen zehn und 100 Prozent Biogas zu finden. In den Vertragskonditionen unten findest Du den jeweiligen Biogasanteil. 

Sogenanntes „Klimagas“ oder „Ökogas“ berücksichtigen wir nicht: Das ist Erdgas mit CO2-Kompensation durch Projekte, deren Wirkung oft unsicher ist. Unser Biogasvergleich empfiehlt nur Anbieter und Tarife, die unsere verbraucherfreundlichen Finanztip-Kriterien erfüllen. 

Der Wechsel in einen Biogastarif funktioniert genauso wie jeder andere Gasanbieterwechsel. Deinen neuen Vertrag kannst Du entweder über ein Vergleichsportal oder direkt auf der Internetseite des Anbieters abschließen. Der neue Anbieter übernimmt auf Wunsch auch die Kündigung Deines alten Gasvertrags. Nur wenn Du ein Sonderkündigungsrecht nutzt, musst Du zwingend selbst kündigen.

Mehr dazu im Ratgeber Gasanbieter wechseln

  • Einen Gasanbieterwechsel kannst Du innerhalb von zehn Minuten beauftragen.
  • Wer regelmäßig wechselt, spart langfristig Heizkosten.
  • Alle Tipps zum Wechsel des Gasanbieters liest Du in unserem Ratgeber.

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Wann musst Du verpflichtend mit Biogas heizen?

Wenn Du eine neue Gasheizung einbaust, musst Du sie ab 2029 mit mindestens 15 Prozent Biogas betreiben. Später steigt der vorgeschriebene Anteil an erneuerbaren Energien weiter. Das regelt das Gebäudeenergiegesetz (GEG), auch Heizungsgesetz genannt.

Neue Biogas-Regeln könnten bald durch das Gebäudemodernisierungsgesetz eingeführt werden, mit dem die aktuelle Bundesregierung das alte Heizungsgesetz ablösen will. Darin steht für neue Gasheizungen eine verpflichtende Biotreppe, ein stufenweises Modell, das ab 2029 einen Anteil erneuerbarer Brennstoffe um mindestens zehn Prozent und ab 2030 mindestens 15 Prozent Biogas vorschreibt. 

Benjamin Weigl

Biogas hilft Deutschland, seine Energieversorgung zu diversifizieren. Es verringert die Abhängigkeit von Erdgas beim Heizen und der Stromerzeugung.

Benjamin Weigl
Unser Finanztip-Experte für Energie

Welche Biogastarife erfüllen die gesetzliche Pflicht?

Um die gesetzliche Biogas-Quote zu erfüllen, brauchst Du ganz bestimmte Biogastarife nach Paragraf 71f des Gebäudeenergiegesetz (GEG). Nur dann gilt das Biogas als „GEG-konform“.

Nicht alle Biogastarife in unserem Gasrechner erfüllen diese Anforderungen. Wenn Du einen GEG-konformen Biogastarif benötigst, prüfe das direkt beim Anbieter, etwa auf seiner Website. 

Beachte: Vor 2024 eingebaute Gasheizungen müssen die GEG-Quote nicht erfüllen. Sie müssen aber spätestens 2045 außer Betrieb genommen werden, wenn sie bis dahin nicht zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Anforderungen an Biogas im Sinne des § 71f GEG im Detail

  1. Das Biogas muss zu Biomethan aufbereitet und tatsächlich als solches ins Gasnetz eingespeist werden (§ 71f Abs. 3 GEG). Biogas, aus dem Strom oder Wärme erzeugt wird, darf nicht angerechnet werden.
  2. Die Biomethananlagen müssen strenge Klimaschutzregeln einhalten. Zum Beispiel dürfen maximal 0,2 Prozent des klimaschädlichen Gases Methan in die Atmosphäre entweichen (§ 71f Abs. 3 i.V.m. § 22 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe c und d GEG).
  3. Neue Biomethananlagen, die ab 2024 in Betrieb gegangen sind, dürfen höchstens 40 Prozent Mais oder Getreidekorn einsetzen (§ 71f GEG Abs. 4 GEG).

Was ist Biogas?

Genau wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft zählt Biogas zu den erneuerbaren Energien, mit welchen geheizt oder Strom erzeugt werden kann. Biogas ist damit eine ökologische Alternative zum fossilen Erdgas.

Erdgas stammt – anders als Biogas – aus dem Erdinneren. Holt man Erdgas aus der Erde, um damit eine Gasheizung zu befeuern, setzt man Kohlenstoffdioxid (CO2) frei und beschleunigt die Klimaerwärmung.

Wer Biogas zum Heizen verbrennt, setzt ebenfalls CO2-Emissionen frei. Davon allerdings nur so viel, wie die verwendete Biomasse – zum Beispiel Energiepflanzen oder Bioabfälle – zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Deshalb gilt die Verbrennung von Biogas als klimaneutral.

Wie entsteht Biogas? 

Biogas entsteht durch die natürliche Vergärung organischer Biomasse: Energiepflanzen wie Mais, Lebensmittelabfälle wie Biomüll oder landwirtschaftliche Reststoffe wie Gülle werden in Biogasanlagen unter speziellen klimatischen Bedingungen von Bakterien zersetzt. Bei diesem Prozess steigt Gas auf, das aufgefangen wird.

Wie funktioniert Heizen mit Biogas? 

Wird Biogas zu Biomethan aufbereitet, entspricht es chemisch dem Erdgas und kann in Gasheizungen als Brennstoff dienen. Dafür wird das Biomethan ins normale Gasnetz eingespeist und mit Erdgas vermischt. 

Hast Du einen Biogastarif, kommt bei Dir zuhause also nicht unbedingt Biomethan aus der Leitung. Entweder wird die von Dir gekaufte Menge irgendwo in Deutschland als Biomethan ins Gasnetz eingespeist. Oder das Biogas wird zumindest an anderer Stelle genutzt, beispielsweise in lokalen Wärmenetzen, und Dir dann rein rechnerisch auf den Abrechnungskosten zugeordnet. 

Es gibt Tarife mit einem Biogasanteil zwischen einem und 100 Prozent. Liegt der Biogasanteil unter 100 Prozent, entspricht der restliche Anteil weiterhin Erdgas aus herkömmlichen Quellen.

Warum ist Biogas zum Heizen knapp?

Die meisten Betreiber von Biogasanlagen in Deutschland erzeugen Strom, deutlich weniger bereiten Biogas zu Biomethan auf, mit dem man heizen kann. Laut Zahlen der Bundesnetzagentur wurden im Jahr 2025 rund zehn Terawattstunden Biomethan eingespeist, das ist gerade einmal ein Prozent des gesamten deutschen Gasverbrauchs. Das zeigt: Biogas zum Heizen ist nur in sehr begrenzter Menge verfügbar.

Biogas, Klimagas, Ökogas – was sind die Unterschiede? 

Gastarife mit den Bezeichnungen „Klimagas“ oder „Ökogas“ sind meist kein Biogas, sondern fossiles Erdgas, dessen klimaschädliche CO2-Emissionen angeblich ausgeglichen wurden. Dadurch unterscheiden sich Klimagas und Ökogas vom klimaneutralen Biogas, welches zu den erneuerbaren Energien zählt.

Wenn Du in unserem Gasrechner den Biogas-Filter aktivierst, findest Du ausschließlich Gastarife, die mindestens zehn Prozent Biogas enthalten. Klimagas oder Ökogas berücksichtigen wir hier nicht.

Was ist das Problem bei Klimagas und Ökogas?

Bei Klimagas und Ökogas entsteht nicht unbedingt ein ökologischer Nutzen und als „Öko“-Alternative sollte Klimagas kritisch gesehen werden. Hier ist besondere Aufmerksamkeit gefordert, denn Gasanbieter versprechen mitunter, die bei der Verbrennung von Erdgas entstehenden, klimaschädlichen CO2-Emissionen auszugleichen. Dafür investieren sie in Klimaschutzprojekte, zum Beispiel in die Aufforstung von Wäldern, und lassen sich diese Aktivitäten durch Ökogas-Zertifikate bescheinigen. 

Das klingt gut, aber: Es besteht keine Garantie darauf, dass die verursachten Emissionen bei Klima- oder Ökogas tatsächlich vollständig ausgeglichen werden, wie es eine Investigativrecherche von Correctiv im April 2024 gezeigt hat. Werbung für angeblich „klimaneutrales Erdgas“ täuscht demnach Kundinnen und Kunden.

Benjamin Weigl

Nur vereinzelt wird unter dem Namen „Ökogas“ tatsächlich Biogas verkauft. Prüfe also genau, ob es sich um Klimagas oder um Biogas handelt.

Benjamin Weigl
Unser Finanztip-Experte für Energie

Wie viel kostet Biogas im Vergleich zu Erdgas?

Eine Preisauswertung von Finanztip aus dem Juni 2026 zeigt, dass Tarife mit 100 Prozent Biogas mindestens drei Cent pro Kilowattstunde mehr kosten als normale Gastarife ohne Biogas. Das entspricht einem Preisaufschlag von rund 30 Prozent. Mittelfristig dürften die Biogaspreise unserer Einschätzung nach sogar eher vier Cent pro Kilowattstunde über dem normalen Erdgas liegen.

Die günstigsten, reinen Biogastarife lagen in unserer Auswertung bei rund 14 Cent pro Kilowattstunde. Grundsätzlich gilt: Je höher der Biogasanteil, desto größer ist der Aufpreis. 

Wir haben für über 100 Postleitzahlen die günstigsten verfügbaren Tarife in unserem Finanztip Gasrechner ausgewertet. Da nur wenige reine Biogastarife angeboten werden, kann das zweit- oder drittgünstigste Angebot bereits deutlich teurer sein.

Preise für Gastarife mit und ohne Biogas

 günstigste AngeboteGesamtkosten pro Jahr
0 % Biogas10,7 Cent/kWh1.605 Euro
10 % Biogas11,7 Cent/kWh1.755 Euro
100 % Biogas13,9 Cent/kWh2.085 Euro

Gastarife mit 12 Monaten Preisgarantie, Jahresverbrauch 15.000 kWh, Grund- und Arbeitspreis eingerechnet, ohne Neukundenboni, Zahlen gerundet. Quelle: Finanztip-Auswertung (Stand: 8. Juli 2026)

Warum ist Biogas teurer?

Die Produktion von Biogas, genauer Biomethan, ist deutlich teurer als der Import von Erdgas. Laut dem Biomethanhändler Agriportance lagen Anfang 2026 die Biomethanpreise bei rund 7,5 bis 8 Cent pro Kilowattstunde für eine langfristige Lieferung. Für den Erdgasimport wurden laut Statistischem Bundesamt 2025 und Anfang 2026 dagegen nur Preise von rund 3,5 bis 4,5 Cent pro Kilowattstunde fällig. 

Zu diesen Einkaufspreisen kommen noch Netzentgelte, Abgaben und Steuern hinzu – alles zusammen ergibt Deinen Gaspreis.

Insgesamt rechnen wir bei Finanztip mittelfristig mit rund vier Cent Preisaufschlag pro Kilowattstunde Biogas im Vergleich zu Erdgas. Der Irankrieg hatte Mitte 2026 die Preise für Erdgas erhöht, sodass die Differenz zwischen Biogas und Erdgas in unserer Tabelle oben wohl nur vorübergehend etwas kleiner ausfiel.

Wird für Biogas der CO2-Preis fällig?

Für nachhaltiges Biogas ist keine CO2-Abgabe fällig, der Emissionswert beträgt dann null (§ 8 EBeV). Nachhaltig bedeutet: Der Erzeuger muss nachweisen, dass das Biogas aus echten Abfällen oder Pflanzen von bestimmten Ackerflächen gewonnen wurde. Hat Dein Tarif einen bestimmten Anteil Biogas, senkt dieser Anteil also die CO2-Kosten auf Deiner Rechnung.

Welche Rolle spielt Biogas heute und in der Zukunft?

Biogas kann für mehr Ökostrom sorgen, Gasheizungen klimafreundlicher machen und die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrssektors senken. Politische Entscheidungen erhöhten zuletzt den Anreiz zur Biogasnutzung, deshalb dürfte die Nachfrage hoch bleiben – bei gleichzeitig begrenzter Menge. Wir bei Finanztip rechnen daher mit stabilen oder sogar steigenden Biogaspreisen.

Wie stabilisiert Biogas das Stromnetz?

Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne ist die Stromerzeugung aus Biogas nicht vom Wetter abhängig. Biogasanlagen können also kontinuierlich Ökostrom erzeugen und in begrenztem Maße die Produktion auch kurzfristig erhöhen, wenn der Strombedarf hoch und das Angebot knapp ist. 

Deshalb wäre denkbar, dass Biogasanlagen in Zukunft einzelne Gaskraftwerke ersetzen, die heute noch flexible Kapazitäten zur Stromerzeugung bereitstellen. Das legt eine Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums und des Wuppertal Instituts nahe.

Wie macht Biogas Gasheizungen grüner?

Als Biomethan ins Gasnetz eingespeist und zum Heizen verwendet, macht Biogas die Gasversorgung insgesamt klimafreundlicher. Spätestens ab 2029 werden voraussichtlich immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher beim Heizen auf Biogas setzen müssen. Mehr dazu liest Du oben im Abschnitt Wann musst Du verpflichtend mit Biogas heizen?.

Nebenbei trägt Biogas auch dazu bei, die Gasversorgung breiter aufzustellen. Das zahlt sich besonders aus, seit Russland aufgrund seines Angriffskriegs in der Ukraine als Erdgaslieferant für Deutschland nicht mehr infrage kommt.

Wie macht Biogas den Verkehrssektor grüner?

Biogas wird im Verkehr in gasförmiger (Bio-CNG) oder flüssiger Form (Bio-LNG) als Kraftstoff eingesetzt. Mineralölunternehmen können Biogas dazu nutzen, um ihre Pflicht zur Verringerung von Treibhausgasemissionen zu erfüllen, die THG-Quote

Du siehst: Biogas ist in vielen Bereichen gefragt. Wenn die Nachfrage steigt, ist mit günstigeren Biogaspreisen eher nicht zu rechnen. Wenn Dir Klimaschutz wichtig ist, Biogas aber zu teuer, kannst Du Deinen CO2-Fußabdruck zusätzlich reduzieren, indem Du bewusst und sparsam heizt. Oder – falls Du eine schon etwas ältere Immobilie besitzt – indem Du energetisch sanierst.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

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