Biogas

Klimafreundliches Gas ist teurer

Nicolas Heronymus Stand: 24. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Biogas wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen und ist daher klimafreundlicher als konventionelles Erdgas.
  • Unser Preisvergleich für zehn Städte zeigt: Biogas-Tarife sind deutlich teurer als günstige Tarife für Erdgas.
  • Falls Sie noch in der Grundversorgung sind, können Sie mit einem Wechsel in einen Tarif mit zehn Prozent Biogas jedoch über 100 Euro im Jahr sparen.
So gehen Sie vor
  • Wollen Sie möglichst klimafreundlich mit Gas heizen, können Sie einen Biogas-Tarif abschließen. In der Regel zahlen Sie dann aber mehr.
  • Einen passenden Tarif finden Sie am einfachsten über ein Vergleichsportal. Wir erklären, welche Einstellungen dabei helfen.
  • Haben Sie ein Angebot gefunden, das Ihnen zusagt, können Sie den Vertrag über das Vergleichsportal oder auf der Internetseite des Anbieters abschließen. Das Portal oder der neue Anbieter übernehmen für Sie auf Wunsch auch die Kündigung Ihres alten Vertrags.

Wer nach ökologischen Alternativen zu Erdgas sucht, findet Begriffe wie Klimagas, Ökogas und Biogas. Viele Anbieter nennen ihre Tarife ökologisch, weil sie Geld für Projekte zum Klimaschutz ausgeben. Biogas wird hingegen tatsächlich aus erneuerbaren Energien gewonnen.

Unser Vergleich zeigt: Biogas-Tarife kosten mehr als günstige Tarife für fossiles Erdgas. Wir haben analysiert, ob die Preisunterschiede verhältnismäßig sind. Und erklären, wie Sie einen geeigneten Biogas-Tarif finden.

Klimagas, Ökogas, Biogas – was sind die Unterschiede?

Die Verbrennung von fossilem Erdgas setzt Kohlendioxid (CO2) frei, ein Treibhausgas, das zur Erwärmung des Klimas beiträgt. Anbieter von Klima- oder Ökogas versprechen, diese CO2-Emissionen auszugleichen. Dafür investieren sie in Klimaschutzprojekte wie die Aufforstung von Wäldern. Verheizt wird aber weiterhin ausschließlich fossiles Erdgas.

Bei Biogas-Tarifen ist es anders: Ein Teil des Gases wird zum Beispiel aus Abfällen der Lebensmittelindustrie oder Pflanzen wie Mais gewonnen. Mit einem solchen Tarif fördern Sie daher erneuerbare Energien. Zwar setzt auch die Verbrennung von Biogas CO2-Emissionen frei – allerdings nur so viel, wie die Pflanzen beim Wachstum aus der Luft aufgenommen haben. Deswegen gilt das Verbrennen von Biogas als klimaneutral.

Es gibt Tarife mit einem Biogasanteil von 1 bis 100 Prozent. Der restliche Anteil ist weiterhin Erdgas aus herkömmlichen Quellen. Wenn Sie sich für einen Biogas-Tarif entscheiden, kommt bei Ihnen zwar in der Regel kein Biogas aus der Leitung, die gekaufte Menge speist der Anbieter aber in das Gasnetz ein. So erhöht sich der Biogasanteil im Gasnetz mit der Zahl der Kunden, die sich für solche Tarife entscheiden.

Eine andere Alternative zu Erdgas sind synthetische Gase. Wasserstoff oder Methan lassen sich in chemischen Verfahren erzeugen. Zur Synthese ist viel Strom notwendig, der zum Beispiel aus der überschüssigen Produktion von Windkraftanlagen stammen kann. Auf diese Weise produzierter Wasserstoff kann Erdgas beigemischt werden. Derzeit sind höchstens zehn Prozent erlaubt. Noch ist unklar, ob die Gaskessel, die das Gas am Ende verfeuern, auch deutlich höhere Beimischungen vertragen. Für Endkunden gibt es bisher jedoch nur vereinzelte Tarife mit einem sehr geringen Wasserstoffanteil.

So wird Biogas produziert

Biogas entsteht aus der Vergärung von organischen Stoffen. Das können Speisereste sein, aber auch tierische und pflanzliche Abfälle. Diese werden in einem luftdichten Reaktor von Bakterien unter optimalen Bedingungen zersetzt. Bei diesem Prozess entsteht Biogas. Die meisten Produzenten in Deutschland nutzen dieses Gas, um direkt Strom und Wärme zur Versorgung der Endkunden zu erzeugen.

Produzenten, die das Biogas in das Gasnetz einspeisen, müssen es vorher auf Erdgasqualität aufbereiten. Es hat danach dieselben Eigenschaften wie Erdgas. Für Heizungsanlagen und das Gasnetz macht es daher keinen Unterschied, ob herkömmliches Erdgas oder Biogas verwendet wird.

Wie viel kostet Biogas im Vergleich zu Erdgas?

Wir wollten wissen, was es Verbraucher kostet, wenn sie klimafreundliches Biogas nutzen. Deshalb haben wir im April 2020 die Preise für Biogas und für konventionelles Gas in zehn unterschiedlich großen Städten in ganz Deutschland verglichen.

Das Ergebnis unseres Preisvergleichs: Die günstigsten Biogas-Tarife kosten deutlich mehr als die günstigsten Tarife für Erdgas. Je nachdem wie hoch der Biogasanteil ist, waren die Tarife um ein Fünftel teurer oder kosteten sogar das Doppelte. Bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr bedeutet das Mehrkosten von 100 bis 600 Euro. Das entspricht ungefähr dem Bedarf einer 80-Quadratmeter-Wohnung.

Mehrkosten für Biogas gegenüber Erdgas für eine 80-qm-Wohnung

 Aufpreis in ProzentAufpreis in Euro
Gas mit 10 % Biogasanteil17 - 2186 - 103
Gas mit 30 % Biogasanteil47 - 57233 - 283
Gas mit 100 % Biogasanteil88 - 121442 - 609

Preisabfrage für zehn Städte auf Check24 und Verivox; nur Tarife mit maximal zwölf Monaten Laufzeit, sechs Wochen Kündigungsfrist, maximal zwölf Monaten Verlängerung sowie Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten; zusätzlich Abfragen von Tarifen mit 100 Prozent Biogas und kürzerer Preisgarantie direkt bei einigen Anbietern; Werte beziehen sich auf Unterschiede der jeweils günstigsten Preise auf Check24 und Verivox für einen Jahresverbrauch von 10.000 kWh.

Quelle: Bürgerwerke, EWS Schönau, Check24, Naturenergieplus, Naturstrom, Polarstern, Verivox, Finanztip-Berechnungen (Stand: 20. Mai 2020)

In unserer Studie haben wir immer den günstigsten Erdgas-Tarif vor Ort mit dem günstigsten Biogasangebot verglichen. Wenn Sie einen mittel- oder hochpreisigen Erdgasvertrag haben, zahlen Sie beim Wechsel zu Biogas wahrscheinlich weniger drauf als angegeben. Sind Sie noch in der Grundversorgung, könnten Sie mit einem Wechsel in einen Tarif mit zehn Prozent Biogas sogar über 100 Euro sparen.

Warum ist Biogas teurer?

Überwiegend drei Faktoren bestimmen den Gaspreis: Kosten und Marge des Anbieters, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Wie genau sich der Gaspreis zusammensetzt, lesen Sie hier.

Tarife mit Biogasanteil kosten mehr, weil die Produktion von Biogas deutlich teurer ist als die Beschaffung von Erdgas. Zum Vergleich: Der Importpreis für Erdgas lag zwischen März 2019 und Februar 2020 nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im Schnitt bei 1,49 Cent pro kWh. Die Produktion von Biogas hingegen kostet laut Deutscher Energie-Agentur etwa 7 bis 8 Cent pro kWh. Der Importpreis für Erdgas schwankt, die Produktionskosten für Biogas dagegen wenig. Deshalb ist der Preisunterschied besonders hoch, wenn der Importpreis für Erdgas niedrig ist.

Ist Biogas überteuert?

Sind die höheren Preise für Biogas angemessen oder zu hoch? Wir haben für alle zehn Städte berechnet, wie teuer die verschiedenen Tarife sein müssen, damit die Anbieter alle Kosten decken können. Berücksichtigt haben wir die Beschaffungskosten, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Einzig die Vertriebskosten der Anbieter konnten wir nur schätzen, da sie zum Betriebsgeheimnis der Unternehmen gehören.

Die berechneten Mindestkosten haben wir mit den tatsächlichen Preisen verglichen. Das Ergebnis: Die höheren Preise für Biogas-Tarife spiegeln ziemlich genau die unterschiedlichen Beschaffungskosten von Erdgas und Biogas wider.

Wie finde ich einen passenden Biogas-Tarif?

Der Wechsel in einen Biogas-Tarif funktioniert genauso wie bei jedem anderen Gastarif: Wenn Sie einen Vertrag mit einem neuen Versorger abschließen möchten, können Sie dies entweder auf der Internetseite des Anbieters oder auf einem Vergleichsportal tun.

Einen passenden Biogas-Tarif finden Sie am einfachsten auf Vergleichsportalen wie Check24 oder Verivox. Dazu müssen Sie auf dem jeweiligen Portal zunächst Ihre Postleitzahl und Ihren Verbrauch angeben. Realistisch sind 125 kWh pro Quadratmeter, wenn Sie mit dem Gas heizen. Als nächstes wählen Sie jeweils auf der linken Seite in den Einstellungen aus, dass nur Biogas-Tarife angezeigt werden. Als weitere Filtereinstellungen empfehlen wir:

  • Laufzeit maximal zwölf Monate
  • Kündigungsfrist maximal sechs Wochen
  • Verlängerung maximal zwölf Monaten

Grundsätzlich empfehlen wir zusätzlich eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten. Viele Anbieter von Biogas-Tarifen boten in unserem Vergleich allerdings nur eine kürzere Preisgarantie. Wollen Sie möglichst viele Tarife angezeigt bekommen, dann wählen Sie in den Einstellungen im entsprechenden Feld „mindestens sechs Monate“ aus.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie sich alle Tarife eines Anbieters anzeigen lassen. Auch dies lässt sich in den Einstellungen auf der linken Seite festlegen. Dort können Sie ebenfalls einstellen, ob Tarife mit Bonuszahlungen angezeigt werden. Es gibt zwar kaum Biogas-Tarife mit Boni, wenn Sie sich aber für einen entscheiden, sollten Sie bedenken, dass dieser im zweiten Jahr deutlich teurer werden könnte.

Wenn Sie alle Einstellungen gemacht haben, können Sie sich die Ergebnisse anzeigen lassen. Beachten Sie, dass es Tarife gibt, die lediglich einen Anteil von einem Prozent Biogas haben. Wie hoch der Biogasanteil jeweils ist, sehen Sie entweder im Tarifnamen oder wenn Sie auf die Tarifdetails klicken und sich die Energiequellen ansehen.

Wenn Sie einen passenden Tarif gefunden haben, können Sie ihn meist direkt auf dem Portal abschließen. In der Regel kündigt das Portal Ihren alten Vertrag. Sobald der neue Versorger vom Netzbetreiber grünes Licht für die Belieferung bekommt, schickt er Ihnen eine Vertragsbestätigung. Darin nennt er auch den Starttermin für die Gaslieferung. Alle Details dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Gasanbieter wechseln.

Wie werden sich die Preise entwickeln?

Wie viel Biogas in Zukunft kosten wird, hängt von drei Faktoren ab: den Beschaffungskosten für Erdgas, der Höhe des CO2-Preises für Erdgas, der ab 2021 erhoben wird, sowie der zukünftigen Förderung von Biogas.

Die Importpreise für Erdgas waren zwischen Juni 2019 und Februar 2020 auf dem niedrigsten Stand seit 2011. Die Anbieter haben die günstigen Preise zumindest bei den Neukundentarifen weitergegeben. So ist Biogas im Verhältnis teurer geworden. Grundsätzlich gilt: Je teurer Erdgas am Markt ist, desto geringer ist der Preisunterschied zu Biogas.

Ab 2021 wird für Erdgas ein CO2-Preis fällig. Jede Tonne Kohlendioxid, die bei der Verbrennung des Gases entsteht, kostet 25 Euro. Bis zum Jahr 2025 soll der Preis auf 55 Euro steigen. Der Preis für Erdgas wird sich damit 2021 voraussichtlich um ungefähr 0,6 Cent pro kWh erhöhen. Im Jahr 2025 wird der Energieträger dadurch rund 1,3 Cent pro kWh teurer sein als jetzt. Da Biogas bis mindestens 2022 nicht belastet wird, könnte sich der Preisunterschied zwischen konventionellem Gas und Biogas reduzieren. Wie es ab 2023 aussieht, ist noch unklar.

Die Preisentwicklung hängt auch davon ab, wie Biogas in Zukunft gefördert wird. Die meisten Betreiber von Biogasanlagen profitieren derzeit davon, dass sie vom Gasnetzbetreiber eine zusätzliche Förderung erhalten. Sie beträgt 0,7 Cent pro kWh. Bis zum Jahr 2022 entfällt diese Förderung für rund die Hälfte aller Anlagen. Wie dies die Preise von Biogas beeinflussen wird, lässt sich noch nicht vorhersagen.

Auf dem Strommarkt ist Ökostrom mittlerweile wettbewerbsfähig. Das wird Biogas auf dem Gasmarkt in den nächsten Jahren wohl nicht gelingen. Dafür müssten sich die Preise für Erdgas vervielfachen und die Produktionskosten von Biogas fallen. Beides ist unwahrscheinlich: Der Importpreis für Erdgas liegt seit 2015 im Jahresmittel bei nicht mal einem Drittel der Produktionskosten von Biogas. Dieses Ungleichgewicht fängt der CO2-Preis bis 2025 nicht auf. Zum anderen sind die Einsparpotenziale bei Biogasanlagen deutlich geringer als bei Ökostromanlagen – Wind- und Solarstrom sind heute günstiger als Strom aus Kohle oder Gas, weil die Kosten für die Anlagen stark gefallen sind und die Technologien zugleich immer effizienter werden. Für Biogasanlagen ist das nicht absehbar.

Autor
Nicolas Heronymus

Stand: 24. Juni 2020


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