Biogas

Klimafreundliches Gas ist teurer

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
03. Dezember 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Biogas wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen und ist daher klimafreundlicher als konventionelles Erdgas.
  • Unser Preisvergleich für zehn Städte zeigt: Biogastarife sind deutlich teurer als günstige Tarife für Erdgas.
So gehst Du vor
  • Willst Du möglichst klimafreundlich mit Gas heizen, kannst Du einen Biogastarif abschließen. In der Regel zahlst Du dann aber mehr.
  • Einen passenden Tarif findest Du über ein Vergleichsportal. Wir erklären, welche Einstellungen dabei helfen. 
  • Zusätzlich kannst Du bei Anbietern Angebote einholen, die Dich nur mit Biogas beliefern. 
  • Hast Du ein Angebot gefunden, das Dir zusagt, kannst Du den Vertrag über das Vergleichsportal oder auf der Internetseite des Anbieters abschließen. Das Portal oder der neue Anbieter übernehmen für Dich auf Wunsch auch die Kündigung Deines alten Vertrags.

Wer nach ökologischen Alternativen zu Erdgas sucht, findet Begriffe wie Klimagas, Ökogas und Biogas. Viele Anbieter nennen ihre Tarife ökologisch, weil sie Geld für Projekte zum Klimaschutz ausgeben. Biogas wird hingegen tatsächlich aus erneuerbaren Energien gewonnen.

Unser Vergleich zeigt: Biogastarife kosten mehr als günstige Tarife für fossiles Erdgas. Wir haben analysiert, ob die Preisunterschiede verhältnismäßig sind. Und erklären, wie Du einen geeigneten Biogastarif findest.

Klimagas, Ökogas, Biogas – was sind die Unterschiede?

Die Verbrennung von fossilem Erdgas setzt Kohlendioxid (CO2) frei, ein Treibhausgas, das zur Erwärmung des Klimas beiträgt. Anbieter von Klima- oder Ökogas versprechen, diese CO2-Emissionen auszugleichen. Dafür investieren sie in Klimaschutzprojekte, zum Beispiel in die Aufforstung von Wäldern. Verheizt wird aber weiterhin ausschließlich fossiles Erdgas. Oder aber die Anbieter nutzen Grubengas, das beim Abbau von Steinkohle oder in Kläranlagen anfällt. Dieses Ökogas kann auch als Gas aus erneuerbaren Energien bezeichnet werden.

Bei Biogastarifen ist es anders: Mindestens ein Teil des Gases wird zum Beispiel aus Abfällen der Lebensmittelindustrie oder Pflanzen wie Mais gewonnen. Mit einem solchen Tarif förderst Du daher erneuerbare Energien. Zwar setzt auch die Verbrennung von Biogas CO2-Emissionen frei – allerdings nur so viel, wie die Pflanzen beim Wachstum aus der Luft aufgenommen haben. Deswegen gilt das Verbrennen von Biogas als klimaneutral.

Es gibt Tarife mit einem Biogasanteil von 1 bis 100 Prozent. Bei Tarifen mit einem Biogasanteil von unter 100 Prozent besteht der restliche Anteil weiterhin aus Erdgas aus herkömmlichen Quellen. Wenn Du Dich für einen Biogastarif entscheidest, kommt bei Dir zwar in der Regel kein Biogas aus der Leitung, die gekaufte Menge speist der Anbieter aber in das Gasnetz ein. So erhöht sich der Biogasanteil im Gasnetz mit der Zahl der Kunden, die sich für solche Tarife entscheiden.

Eine andere Alternative zu Erdgas sind synthetische Gase. Wasserstoff oder Methan lassen sich in chemischen Verfahren erzeugen. Zur Synthese ist viel Strom notwendig, der zum Beispiel aus der überschüssigen Produktion von Windkraftanlagen stammen kann. Auf diese Weise produzierter Wasserstoff kann Erdgas beigemischt werden. Derzeit sind höchstens 10 Prozent erlaubt. Noch ist unklar, ob die Gaskessel, die das Gas am Ende verfeuern, auch deutlich höhere Beimischungen vertragen. Für Endkunden gibt es bisher nur vereinzelte Tarife mit einem sehr geringen Wasserstoffanteil.

So wird Biogas produziert

Biogas entsteht aus der Vergärung von organischen Stoffen. Das können Speisereste sein, aber auch tierische und pflanzliche Abfälle. Diese werden in einem luftdichten Reaktor von Bakterien unter optimalen Bedingungen zersetzt. Bei diesem Prozess entsteht Biogas. Die meisten Produzenten in Deutschland nutzen dieses Gas, um direkt Strom und Wärme zur Versorgung der Endkunden zu erzeugen. Rund zehn Terawattstunden speisten sie 2020 ins deutsche Erdgasnetz ein. Das entspricht 1 Prozent des gesamten Gasverbrauchs von Deutschland.

Produzenten, die das Biogas in das Gasnetz einspeisen, müssen es vorher auf Erdgasqualität aufbereiten. Es hat danach dieselben Eigenschaften wie Erdgas. Für Heizungsanlagen und das Gasnetz macht es daher keinen Unterschied, ob herkömmliches Erdgas oder Biogas verwendet wird.

Wie viel kostet Biogas im Vergleich zu Erdgas?

Wir wollten wissen, was es Verbraucher kostet, wenn sie klimafreundliches Biogas nutzen. Deshalb haben wir im Dezember 2021 die Preise für Biogas und für konventionelles Gas in zehn großen Städten in ganz Deutschland verglichen.

Das Ergebnis unseres Preisvergleichs: Die günstigsten Biogastarife kosten mehr als die günstigsten Tarife für Erdgas – je nachdem wie hoch der Biogasanteil ist. Bei 10 Prozent zahlst Du rund 9 Prozent mehr; bei 100 Prozent sind es rund 45 Prozent. Das bedeutet Mehrkosten von 100 bis 500 Euro bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden (kWh). Das entspricht ungefähr dem Bedarf einer 80-Quadratmeter-Wohnung.

Durchschnittliche Kosten für Biogas und Erdgas bei 10.000 kWh Bezug 

 durchschnittliche
Kosten pro Jahr
Gas ohne Bioanteil1.141 Euro
Gas mit 10 % Bioanteil1.240 Euro
Gas mit 100 % Bioanteil1.650 Euro

Preisabfrage für die günstigsten reinen Erdgastarife und solche mit 10 Prozent Biogasanteil für zehn Städte auf Check24; nur Tarife mit maximal zwölf Monaten Laufzeit, sechs Wochen Kündigungsfrist, maximal zwölf Monaten Verlängerung sowie Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten; Preise für reine Biogastarife direkt bei den Anbietern Polarstern, EWS und Bürgerwerke abgefragt; Kosten gelten für 10.000 Kilowattstunden Bezug im Jahr und sind gerundet.
Quellen: Finanztip-Recherche (Stand: 2. Dezember 2021)

In unserer Studie haben wir immer den günstigsten Erdgastarif vor Ort mit dem günstigsten Biogasangebot verglichen. Bist Du in einem teureren Vertrag, kannst Du Deine Kosten durch einen Wechsel zu Biogas auch senken. Das ist aber im Herbst/Winter 2021/22 nicht der Fall, wenn Du  in der Grundversorgung steckst: Dort zahlst Du im Schnitt rund 1.000 Euro, haben wir bei einer Erhebung von Preisen für 40 große Städte festgestellt. 

Warum ist Biogas teurer?

Überwiegend drei Faktoren bestimmen den Gaspreis: Kosten und Marge des Anbieters, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben.

Tarife mit Biogasanteil kosten mehr, weil die Produktion von Biogas in der Regel teurer als der Einkauf von Erdgas ist. Der Importpreis für Erdgas ist 2021 zwar stetig gestiegen und lag nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im September bei 2,78 Cent pro Kilowattstunde – das ist mehr als doppelt so viel gegenüber dem langjährigen Mittel. Aber: Die Produktion von Biogas kostet noch mehr. Der Fachverband Biogas gibt die Erzeugungskosten 2021 mit 6 bis 9 Cent pro Kilowattstunde an. Dafür schwankt der Gaspreis stärker, während die Erzeugungskosten für Biogas in Deutschland stabil sind.

Ist Biogas überteuert?

Sind die höheren Preise für Biogas angemessen oder zu hoch? Das haben wir im Frühling 2020 für zehn Städte berechnet. Dazu haben wir ermittelt, wie teuer die verschiedenen Tarife sein müssen, damit die Anbieter alle Kosten decken können. Berücksichtigt haben wir die Beschaffungskosten, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Einzig die Vertriebskosten der Anbieter konnten wir nur schätzen, da sie zum Betriebsgeheimnis der Unternehmen gehören.

Die berechneten Mindestkosten haben wir mit den tatsächlichen Preisen verglichen. Das Ergebnis: Die höheren Preise für Biogastarife spiegelten ziemlich genau die höheren Beschaffungskosten gegenüber Erdgas wider.

Wie findest Du einen passenden Biogastarif?

Der Wechsel in einen Biogastarif funktioniert genauso wie bei jedem anderen Gastarif: Wenn Du einen Vertrag mit einem neuen Versorger abschließen möchtest, kannst Du dies entweder auf der Internetseite des Anbieters oder auf einem Vergleichsportal tun.

Einen passenden Biogastarif findest Du am einfachsten auf Vergleichsportalen wie Check24 oder Verivox. Dazu musst Du auf dem jeweiligen Portal zunächst Deine Postleitzahl und Deinen Verbrauch angeben. Realistisch sind 125 kWh pro Quadratmeter, wenn Du mit Gas heizt. Als nächstes wählst Du jeweils auf der linken Seite in den Einstellungen aus, dass nur Biogastarife angezeigt werden. Als weitere Filtereinstellungen empfehlen wir:

  • Laufzeit maximal zwölf Monate
  • Kündigungsfrist maximal sechs Wochen
  • Verlängerung maximal zwölf Monaten

Grundsätzlich empfehlen wir zusätzlich eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten. Viele Anbieter von Biogastarifen boten in unserem Vergleich allerdings nur eine kürzere Preisgarantie. Willst Du möglichst viele Tarife angezeigt bekommen, dann wähle in den Einstellungen im entsprechenden Feld „mindestens sechs Monate“ aus.

Außerdem ist es wichtig, dass Du Dir alle Tarife eines Anbieters anzeigen lässt. Auch dies lässt sich in den Einstellungen auf der linken Seite festlegen. Dort kannst Du ebenfalls einstellen, ob Tarife mit Bonuszahlungen angezeigt werden. Es gibt zwar kaum Biogastarife mit Boni, wenn Du Dich aber für einen entscheidest, solltest Du bedenken, dass dieser im zweiten Jahr deutlich teurer werden könnte.

Wenn Du alle Einstellungen gemacht hast, kannst Du Dir die Ergebnisse anzeigen lassen. Beachte, dass es Tarife gibt, die lediglich einen Anteil von 1 Prozent Biogas haben. Wie hoch der Biogasanteil jeweils ist, siehst Du entweder im Tarifnamen oder wenn Du auf die Tarifdetails klickst und Dir die Energiequellen ansiehst.

Wenn Du einen passenden Tarif gefunden hast, kannst Du ihn meist direkt auf dem Portal abschließen. In der Regel kündigt das Portal Deinen alten Vertrag. Sobald der neue Versorger vom Netzbetreiber grünes Licht für die Belieferung bekommt, schickt er Dir eine Vertragsbestätigung. Darin nennt er auch den Starttermin für die Gaslieferung. Alle Details dazu liest Du in unserem Ratgeber Gasanbieter wechseln.

Ab März 2022 gelten neue gesetzliche Fristen für Gasverträge: Die Kündigungsfrist darf dann nur noch maximal einen Monat betragen und Du darfst einen Vertrag nach Ablauf der ersten Laufzeit jederzeit binnen eines Monats kündigen.

Wie werden sich die Preise für Biogas entwickeln?

Wie viel Biogas in Zukunft kosten wird, hängt von drei Faktoren ab: den Beschaffungskosten für Erdgas, der Höhe des CO2-Preises für Erdgas sowie der zukünftigen Förderung von Biogas.

Der Importpreis für Erdgas fiel 2020 auf den niedrigsten Stand seit 2011 und kletterte anschließend bis Herbst 2021 auf einen langjährigen Höchststand. Dabei gilt: Kostet Erdgas wenig, ist Biogas mehr als doppelt so teuer. Je teurer aber Erdgas wird, desto stärker nähert es sich im Preis Biogas an

Teurer wird fossiles Gas auch durch den CO2-Preis. Dieser wird seit 2021 auf Erdgas erhoben und steigt bis 2026 jedes Jahr. Für jede Tonne Kohlendioxid, die bei der Verbrennung des Gases entsteht, ist der Preis zu zahlen. Dadurch haben sich 2021 die Kosten für Erdgas um 0,54 Cent pro kWh brutto erhöht. Im Jahr 2026 beträgt die Belastung mindestens 1,3 Cent pro Kilowattstunde.

Biogas wird 2021 und 2022 nicht mit dem CO2-Preis belastet. Ab 2023 fällt der CO2-Preis an. Aber der Emissionswert beträgt null, wenn das Gas nachhaltig ist damit liegt auch die Belastung durch den CO2-Preis bei null. Nachhaltig bedeutet, dass die genutzten Pflanzen von Ackerflächen kommen, die am 1. Januar 2008 bereits Äcker waren und durch Abholzung oder Trockenlegung nicht erst zu solchen gemacht wurden. Werden Abfälle zur Vergärung genutzt, ist nachzuweisen, dass es sich wirklich um Stoffe handelt, derer sich der Eigentümer entledigen musste. Eine Arbeitshilfe, welche Anforderungen noch für nachhaltiges Biogas zu erfüllen sind, hat der Fachverband Biogas erstellt.

Schließlich hängt die Preisentwicklung auch davon ab, wie Biogas in Zukunft gefördert wird. Die meisten Betreiber von Biogasanlagen profitieren noch davon, dass sie vom Gasnetzbetreiber eine zusätzliche Förderung erhalten. Sie beträgt 0,7 Cent pro Kilowattstunde. 2022 entfällt diese Förderung für rund die Hälfte aller Anlagen. Immerhin: Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP steht, dass Bioenergie in Deutschland eine Zukunft haben soll und eine nachhaltige Biomasse-Strategie erarbeitet werde.

Auf dem Strommarkt ist Ökostrom mittlerweile wettbewerbsfähig. Das kann Biogas auf dem Gasmarkt in den nächsten Jahren vielleicht auch gelingen. Dafür müssten die Beschaffungskosten für Erdgas hoch bleiben und die Produktion von Biogas weiter gefördert werden. Denn die Einsparpotenziale bei Biogasanlagen sind deutlich geringer als bei Ökostromanlagen – Wind- und Solarstrom sind heute günstiger als Strom aus Kohle oder Gas, weil die Kosten für die Anlagen stark gefallen sind und die Technologien zugleich immer effizienter werden. Eine solche Entwicklung ist bei Biogasanlagen unwahrscheinlich.

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