Zinsentwicklung

Was die steigenden Zinsen für Dich bedeuten

Dirk Eilinghoff
Finanztip-Experte für Bank und Börse

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zinsentwicklung wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) und von den Anleihemärkten bestimmt.
  • Der wichtigste Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank liegt im Februar 2023 bei 3,0 Prozent. Der EZB-Rat hat am 2. Februar 2023 alle drei Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Eine weitere Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte hat die EZB bereits für den 16. März 2023 angekündigt.
  • Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld steigen deshalb weiter. Auch Ratenkredite haben sich weiter verteuert. Bei den Bauzinsen steht aktuell meist noch eine "3" vor dem Komma.
  • Welchen Einfluss die amerikanische Zentralbank Fed auf die Zinsentwicklung in Europa hat, erklärt Dir unser Co-Gründer und Kapitalmarktexperte Robert Haselsteiner ausführlich in seinem aktuellen Zinskommentar.

Zum Zinskommentar

So gehst Du vor

  • Falls Du gerade überlegst, Geld anzulegen (etwa als Festgeld), so wirst Du bereits wieder viele gute Angebote finden. Nach der Zinserhöhung durch die EZB am 2. Februar 2023 werden die Sparzinsen weiter steigen.
  • Die Bauzinsen sind im Januar 2023 zunächst um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte gesunken. Rechnen die Märkte mit einem baldigen Ende der Zinsschritte, könnten sie erst einmal seitwärts laufen. Bei Immobilien solltest Du aktuell vor allem die Preisentwicklung im Blick haben.
  • Wie es bei den einzelnen Zinsarten aussieht, liest Du in unseren Artikeln zu Tagesgeldzinsen, Festgeldzinsen und Hypothekenzinsen.

Zinsentwicklung und -prognose im Februar 2023

Neueste Entwicklung bei den Leitzinsen: Am 2. Februar 2023 hat die Europäische Zentralbank eine weitere Zinserhöhung beschlossen. Die Leitzinsen steigen um jeweils 0,5 Prozentpunkte. Nach der langen Nullzinsphase bis Juli 2022 war dies bereits der fünfte Zinsschritt nach 0,5 Prozentpunkten im Juli 2022, 0,75 Prozentpunkten im September, 0,75 Prozentpunkten im Oktober, und 0,5 Prozentpunkten im Dezember 2022. Der wichtigste Leitzins im Euro-Raum liegt aktuell bei 3,0 Prozent. Der EZB-Rat hat angekündigt, dass er bei seiner nächsten Sitzung am 16. März 2023 eine weitere Zinserhöhung beschließen wird (um 0,5 Prozentpunkte). Die Märkte rechnen momentan mittelfristig eher wieder mit Zinssenkungen.

Die amerikanische Zentralbank Fed hatte bereits im Mai 2022 die Zinsen um einen halben Prozentpunkt (0,5 Prozentpunkte) angehoben. Im Juni, Juli, September, Oktober und Dezember 2022 sowie am 1. Februar 2023 folgten weitere Zinsschritte. Aktuell liegt das Zinsniveau in den USA bei 4,50 bis 4,75 Prozent.

Wie geht es mit den Zinsen für Sparer und Kreditnehmer in Deutschland weiter?

Sparer in Deutschland konnten in den vergangenen Monaten beobachten, wie die Guthabenzinsen für Ersparnisse fast wöchentlich gestiegen sind. Das betrift zwar nicht das Girokonto oder das Sparbuch, aber Tagesgeld und Festgeld. Beim dreijährigen Festgeld liegen die Bestzinsen aktuell bei 3,3 Prozent pro Jahr.

Allerdings verliert der Euro weiterhin an Kaufkraft, denn die Inflation liegt sehr hoch. Sie hat sich allerdings etwas abgeschwächt. Für Dezember 2022 hat das Statistische Bundesamt eine vorläufig eine Inflationsrate von 8,6 Prozent (gegenüber dem Vorjahresmonat) errechnet. Der sogenannte Realzins ist also deutlich negativ.

Die Entwicklung der Bauzinsen verläuft etwas anders: Sie sind in der ersten Jahreshälfte 2022 deutlich angestiegen. Kurzfristig kann es deshalb auch mal seitwärts gehen, oder (wie von zuletzt von Ende Dezember 2022 bis Mitte Januar 2023 ) sogar abwärts. Auf Sicht von einigen Monaten dürften die Bauzinsen aber eher noch etwas steigen. Aus heutiger Sicht erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Bauzinsen deutlich über 5 Prozent steigen.

Insgesamt gilt: Mit einem regelmäßigen Blick auf die Zinsentwicklung kannst Du etwa die steigenden Sparzinsen optimal nutzen. Große wirtschaftliche Entscheidungen (wie etwa eine Baufinanzierung) solltest Du aber nicht allein von der Zinsentwicklung abhängig machen.

Wenn Du einen Kredit aufnehmen oder Geld langfristig anlegen möchtest, sind die aktuelle Zinsentwicklung und die Prognosen zur weiteren Entwicklung entscheidend: Je nachdem, ob die Zinsen absehbar steigen oder sinken, kann es sinnvoll sein, die Kreditaufnahme (etwa beim Baukredit) oder die Sparentscheidung noch etwas aufzuschieben oder sich im Gegenteil zu beeilen.

Zinsentwicklung bei Bauzinsen und Sparzinsen

Wer die Zinsentwicklung etwa bei Hypothekenzinsen mit den Tagesgeldzinsen oder Festgeldzinsen vergleicht, stellt sehr schnell fest: Die Zinssätze sind zwar unterschiedlich hoch, die Zinsentwicklung ist aber bei Kredit- und Sparprodukten ähnlich. Grundsätzlich gilt: Für Spareinlagen wie Tagesgeld und Festgeld erhältst Du im Schnitt viel geringere Zinsen, als Du für Kredite zahlen musst. Und Ratenkredite sind im Durchschnitt teurer als Baukredite.

Welche Zinsentwicklung absehbar ist, zeigen wir Dir spezifisch für die einzelnen Produkte:

  • Die aktuelle Zinsprognose und Zinsentwicklung bei Bauzinsen erläutern wir ausführlich in unserem Artikel zu Hypothekenzinsen.
  • Wie sich die Zinsen beim täglich verfügbaren Tagesgeld entwickeln, erfährst Du in unserem Artikel zu Tagesgeldzinsen.
  • Wer sich etwas länger festlegen kann, sollte sich über die Zinsentwicklung bei Festgeldzinsen informieren.

Die unterschiedlichen Zinshöhen lassen sich auch an den Zahlen der Bundesbank zur Zinsentwicklung in den vergangenen Jahren ablesen. Die nachfolgende Grafik zeigt den Verlauf der Zinssätze, die Banken ihren Kunden in den vergangenen Jahren angeboten haben, einerseits bei Baukrediten (also als Hypothekenzinsen), andererseits bei Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten, also etwa für Guthaben auf dem Sparbuch. Während es bei den Bauzinsen bereits einen deutlichen Anstieg gab, haben sich die Sparzinsen in der Fläche noch nicht bewegt.

Die Bundesbank setzt allerdings selbst keine Zinssätze fest, sondern lässt sich die aktuellen Zinssätze nur von Geschäftsbanken melden. Daraus erstellt sie dann Zeitreihen zur Zinsentwicklung.

Wie hoch der Zins gerade ausfällt, hängt entscheidend von der Menge an Geld ab, die Privatpersonen, Unternehmen und Staat insgesamt zur Verfügung steht. Für die Steuerung dieser Geldmenge sind grundsätzlich die Notenbanken zuständig, im Euro-Raum also die Europäische Zentralbank (EZB).

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Leitzinsen der EZB: wichtig für die kurzfristigen Zinsen

Die Europäische Zentralbank macht den Geschäftsbanken keine Vorgaben über die Zinssätze, die diese von ihren Kunden verlangen oder ihnen zahlen dürfen. Allerdings legt sie mit den Leitzinsen fest, zu welchen Zinssätzen sie Geld an die Geschäftsbanken verleiht oder diese Geld bei ihr anlegen können. Das ist vor allem wichtig für die kurzfristigen Zinsen, also etwa für Tagesgeld oder kurzfristige Kredite wie einen Ratenkredit über wenige Jahre.

So beeinflusst die EZB die Zinsentwicklung

Da die Geschäftsbanken auf der Grundlage dieser Zinssätze in einem ständigen Austausch mit der Zentralbank sind, hat die EZB letztlich großen Einfluss auf die allgemeine Zinsentwicklung und damit indirekt auch auf die Entwicklung der Spar- und Kreditzinsen für Verbraucher.

Ein Beispiel: Bis zum Juli 2022 verlangte die Europäische Zentralbank von den Geschäftsbanken einen Zins für das kurzfristige „Parken“ von Geld. Dieser Negativzins lag bei -0,5 Prozent. Da die Geschäftsbanken diesen Negativzins nicht in größerem Ausmaß an private Sparer weitergeben, lagen die Sparzinsen bei den meisten Banken nahe 0 Prozent. Höhere Zinsen bekamst Du dann nur noch von Banken, die mit Aktionsangeboten neue Kunden gewinnen wollten oder die gerade eine hohe Kreditnachfrage bewältigen mussten.

Die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre war insgesamt vorteilhaft für Kreditnehmer und nachteilig für Sparer: Von einer kleinen Unterbrechung im Jahr 2011 abgesehen, hat die EZB die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, lag zwischen März 2016 und Juli 2022 bei 0 Prozent.

Zinserhöhungen der EZB

Zum 27. Juli 2022 hat die Europäische Zentralbank dann die Leitzinsen nach mehr als sechs Jahren erstmals wieder angehoben, um 0,5 Prozentpunkte. Zum 14. September stieg der wichtigste Leitzins dann auf 1,25 Prozent, im Oktober 2022 auf 2,0 Prozent. Mit dem Zinsschritt vom 15. Dezember liegt der Zinssatz bei 2,5 Prozent.

Der Einlagesatz, zu dem Banken überschüssiges Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem anlegen können, lag ab 14. September 2022 bei 0,75 Prozent. Mit der Erhöhung vom Oktober 2022 stieg er auf 1,5 Prozent. Mit der jüngsten Zinserhöhung liegt dieser Zinssatz bei 2,0 Prozent.

Anleihemärkte bestimmen die langfristigen Zinsen

Für die Entwicklung der langfristigen Zinsen (wie etwa der Bauzinsen) sind die Anleihemärkte wichtiger als die EZB. Eine Bank, die Dir ein Angebot für eine Baufinanzierung macht, muss die Zinsentwicklung für den Zeitraum abschätzen, für den sie Dir feste Zinsen anbietet.

Möchtest Du also etwa einen festen Zins für 15 Jahre abschließen, so muss die Bank Annahmen darüber treffen, wie sich die Zinsen in den kommenden 15 Jahren entwickeln. Erwartet sie (wie etwa im Moment) einen deutlichen Zinsanstieg, so muss der angebotene Zins deutlich über dem aktuellen Zins liegen. Ansonsten würde die Bank Dir das Geld "zu billig" überlassen. Für ihre Annahmen legt die Bank die Anleihekurse zugrunde. Besonders wichtig sind dabei die langfristigen Bundesanleihen und die Pfandbriefe.

Pfandbriefe sind Wertpapiere, mit denen sich Bank bei Anlegern das Geld besorgen, das sie dann als Baukredit an die Kreditnehmer verleiht. Vereinfacht gesprochen ergibt ist der Bauzins, den die Bank Dir einbietet, aus der Pfandbriefrendite plus der Marge, die die Bank an dem Geschäft verdienen möchte.

An den Pfandbriefrenditen lässt sich die Entwicklung der Bauzinsen daher gut ablesen. Auch hier ist der Zinsanstieg deutlich sichbar.

Bauzinsentwicklung: So stark sind die Zinsen gestiegen

Seit Anfang des Jahres 2022 sind die Bauzinsen sprunghaft gestiegen. Für eine Standardfinanzierung ging es rauf von etwa 1 Prozent im Januar auf aktuell etwa  3,8 Prozent (Stand: 2. Februar 2023). Standard bedeutet, dass Du 80 Prozent des Kaufpreises und die Nebenkosten wie Makler und Steuern selbst aufbringst. Die Zinsen schreibst Du für 10 Jahre fest.

Die Kalkulation Deiner Baufinanzierung ändert sich damit fundamental. Das zeigt das folgende Beispiel: Nehmen wir an, Du kannst etwa 1.000 Euro pro Monat für die Haus- oder Wohnungsfinanzierung aufbringen. Das sind 12.000 Euro im Jahr. Kostet Deine Traumimmobilie 300.000 Euro, so sind das 4 Prozent. Bei einem Bauzins von 1 Prozent passte die Rechnung: Dir verblieben noch 3 Prozent für die Tilgung, ein vernünftiger Wert.

Sollst Du nun wegen der Entwicklung der Bauzinsen bereits 3,5 Prozent oder mehr an Zinsen zahlen, fehlt Dir in diesem Beispiel der finanzielle Spielraum für die Tilgung: Du musst entweder jeden Monat mehr Geld aufbringen, oder mit geringeren Bau- oder Kaufkosten rechnen.

Die Entwicklung der Bauzinsen hat also großen Einfluss auf Deine Kalkulation. Besprich dieses Thema am besten mit einem Baukreditvermittler. Er kann Dir für Deinen persönlichen Fall erläutern, mit welchem Zins Du aktuell rechnen musst und welche Möglichkeiten Du hast. Nachfolgend findest Du unsere Emp­feh­lungen.

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So kannst Du die Zinsentwicklung für Dich nutzen

Willst Du die Zinsentwicklung für Deine finanziellen Entscheidungen nutzen, kannst Du einerseits versuchen, einen möglichst günstigen Zeit­punkt für einen Einstieg zu finden: Ist zum Beispiel mit einem Zinsanstieg zu rechnen, solltest Du etwa mit der Festgeldanlage noch etwas warten.

Benötigst Du dagegen gerade Geld, solltest Du in dieser Situation den Kreditantrag möglichst kurzfristig stellen, um noch vom niedrigeren Zinsniveau zu profitieren. Dies gilt besonders bei der Baufinanzierung, wo die Kreditsummen besonders hoch sind und die Kredite besonders lange laufen.

Allerdings dürften solche Situationen, in denen Du kurzfristig Zinsentscheidungen der Zentralbank für Dich nutzen kannst, eher die Ausnahme sein. Meistens bleibt das Zinsniveau für einige Tage oder Wochen relativ konstant.

Wenn das Zinsniveau eher stabil ist, findest Du gute Angebote vor allem, indem Du die Kredite oder Tagesgeldzinsen vergleichst, und Dir gute Angebote direkt sicherst.

Wichtig wird die Zinsentwicklung dagegen bei der Frage, für wie lange Du Dich festlegen willst. Rechnest Du etwa mit steigenden Zinsen, solltest Du genau überlegen, welche Anlagedauer Du wählst. Es kann günstiger sein, sich bei niedrigen Zinsen zunächst für eine kürzere Anlagedauer zu entscheiden und erst einen Zinsanstieg abzuwarten.

Das zeigt das nachfolgende Beispiel: Wir gehen davon aus, dass der Anleger vor der Entscheidung steht, für eine Summe von 10.000 Euro entweder ein Festgeldangebot über 36 Monate zu nutzen oder den Betrag zunächst für ein Jahr festzulegen und dann nach einem absehbaren Zinsanstieg auf 4 Prozent ein Festgeld über 24 Monate abzuschließen.

Vergleich Festgeld (FG) für 36 Monate anlegen und Festgeld 12 + 24 Monate

 

FG 36

Monate

Zinssatz

Zinsertrag

FG 12 + 24

Monate

Zinssatz

Zinsertrag
Jahr 13 %300,00 €2,2 %220,00 €
Jahr 23 %309,00 €4,0 %408,80 €
Jahr 33 %318,27 €4,0 %425,15 €
Zinsertrag insg. 927,27 € 1053,95

Quelle: Finanztip-Berechnung vom 27. Oktober 2022.

In diesem Beispiel ist eine spätere Anlage die etwas bessere Strategie. Fällt der Zinsanstieg allerdings geringer aus oder kommt er später, kann auch die sofortige Anlage mehr Zinsen bringen. Insgesamt wird deutlich, dass der Unterschied bei einem niedrigen Zinsniveau und einem Anlagebetrag von 10.000 Euro insgesamt nicht besonders groß ist. Wichtiger ist es, überhaupt den Schritt vom Girokonto oder Sparbuch zum Festgeld zu machen. Außerdem gilt natürlich: Je höher die Anlagesumme und je länger die Laufzeit, umso wichtiger wird die Zinsentwicklung.

Die Entscheidung über eine Zinsbindung von fünf, zehn oder fünfzehn Jahren bei der Baufinanzierung ist also ungleich wichtiger als Zinsentwicklungen beim Festgeld. Ähnlich bedeutsam ist die Zinsentwicklung bei einem Bausparvertrag: Steigen die Zinsen nicht wie erwartet, verliert das Bauspardarlehen seinen wichtigsten Vorteil.

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Zinsentwicklung bei den Leitzinsen der EZB

Um die Finanzkrise 2008/09 zu bewältigen, hatte die Europäische Zentralbank im vergangenen Jahrzehnt die Zinsen schrittweise immer weiter gesenkt. Ziel der Zentralbank war es, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Inflation in die Nähe der Richtmarke von knapp unter 2 Prozent pro Jahr zu bringen. Seit Juli 2022 steigen die Zinsen wieder. Mit der Zinsentscheidung vom 15. Dezember 2022liegt der wichtigste EZB-Zinssatz bei 3,0 Prozent.

Aktuelle Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB)

Bezeichnung der

Zinssätze

Einlagefazilität /

Einlagezins

Hauptfinanzierungs-

geschäfte

Spitzenrefinan-

zierungsfazilität

Aktueller Zinssatz2,5 %3,0 %3,25 %
Geschäftsbanken können damit...Geld über Nacht bei der EZB anlegenGeld gegen Sicherheiten bei der EZB leihenGeld über Nacht bei der EZB beschaffen

Quelle: Europäische Zentralbank (Zinsentscheidung vom 2. Februar 2023)

Leitzinsen und Zinssätze für Verbraucher

Im Februar 2023 lässt sich sagen: Eine Reihe von Banken zahlt wieder deutlich mehr Zinsen, als dies in den vergangenen fünf bis sechs Jahren der Fall war. Kreditnehmer müssen dagegen bereits seit einigen Monaten tiefer in die Tasche greifen. Die Bauzinsen etwa sind in der ersten Jahreshälfte 2022 stark angestiegen und lagen im Oktober 2022 bereits über 4 Prozent. Zuletzt ging es aber wieder etwas nach unten: Für eine Baufinanzierung, bei der Dir die Bank also Anfang 2022 einen Zins von etwa 1,0 Prozent angeboten hat, verlangt sie im Februar 2023 einen Zins von knapp 4 Prozent und mehr.

Das Zinsniveau für eine Immobilienfinanzierung hat sich also bereits deutlich verändert. Das liegt daran, dass die Bauzinsen nicht so stark von der Entwicklung der Leitzinsen abhängen. Stattdessen geht bei Baukrediten um die Zinserwartung für die nächsten 10 Jahre und mehr. Die Bauzinsen haben den Zinsanstieg also bereits vorweg genommen.

Die Guthabenzinsen sind (mit Stand Februar 2023) bereits deutlich gestiegen. Beim Festgeld gibt es etwa Angebote von 3 Prozent und mehr für drei Jahre. Als Sparer solltest Du deshalb auf Aktionsangebote einzelner Banken achten. Möchtest Du Geld also weitgehend ohne Zinsen, aber dafür sicher anlegen, solltest Du die Hinweise in unseren Ratgebern zu Festgeld und Tagesgeld beachten.

Aktuelle Maßnahmen und Entscheidungen der EZB

Am 2. Februar 2023 hat der EZB-Rat im Rahmen der Zinswende einen weiteren, fünften Zinsschritt beschlossen. Die Leitzinsen wurden jeweils um 50 Basispunkte angehoben, also 0,5 Prozentpunkte. Der EZB-Rat gab bekannt, dass er "angesichts des Drucks im Zusammenhang mit der zugrunde liegenden Inflation" beabsichtige, die Zinssätze bei der nächsten geldpolitischen Sitzung im März 2023 um weitere 50 Basispunkte anzuheben.

Beim Anleihekaufprogramm App (Asset Purchase Programme) bleibt es dabei, dass sich das APP-Portfolio von Anfang März 2023 bis Ende Juni 2023 monatlich im Durchschnitt um 15 Milliarden Euro verringern soll, indem die Erträge aus auslaufenden Anleihen nicht wieder angelegt werden.

 

Am 15. Dezember 2022 hat der EZB-Rat einen weiteren, vierten Zinsschritt im Jahr 2022 beschlossen. Die Leitzinsen wurden jeweils um 50 Basispunkte angehoben, also 0,5 Prozentpunkte. Der EZB-Rat gab bekannt, dass er davon ausgehe, dass er die Zinsen "weiter deutlich anheben" wird, allerdings abhängig von der "Datenlage".

Bei den Anleihekaufprogrammen soll das zurückfließende Geld (die sogenannten Tilgungsbeiträge) ab Anfang März 2023 in einem "maßvollen und vorhersehbaren Tempo" reduziert werden. Im zweiten Quartal 2023 sollen die Bestände monatlich um 15 Milliarden Euro verringert werden. Die EZB kauft also weniger Anleihen an als auslaufen; sie verkürzt also erstmals wieder ihre Bilanz.

Ältere Zinsentscheidungen der EZB

Am 15. Dezember 2022 hatte der EZB-Rat einen weiteren, vierten Zinsschritt im Jahr 2022 beschlossen. Die Leitzinsen wurden jeweils um 50 Basispunkte angehoben, beim wichtigsten Leitzins auf 2,5 Prozent. Der EZB-Rat gab außerdem bekannt, dass er davon ausgehe, dass er die Zinsen "weiter deutlich anheben" wird, allerdings abhängig von der "Datenlage".

Bei den Anleihekaufprogrammen sollte das zurückfließende Geld (die sogenannten Tilgungsbeiträge) ab Anfang März 2023 in einem "maßvollen und vorhersehbaren Tempo" reduziert werden. Im zweiten Quartal 2023 sollen die Bestände monatlich um 15 Milliarden Euro verringert werden. Die EZB kündigte also an, ihre Bilanz wieder verkürzen zu wollen.

Ende Oktober 2022 hatte der EZB-Rat die Leitzinsen 75 Basispunkte angehoben, also 0,75 Prozentpunkte. Bei den Anleihekaufprogrammen sollte das zurückfließende Geld (die sogenannten Tilgungsbeiträge) zunächst weiter wieder angelegt werden.

In der Ratssitzung im September 2022 wurden die Leitzinsen seit der Zinswende erstmals um 0,75 Prozentpunkte angehoben.

In der Ratssitzung vom 21. Juli 2022 hat der EZB-Rat die Zinswende für die Leitzinsen umgesetzt: EZB-Präsidentin Christine Lagarde verkündete eine Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte. Über weitere Zinserhöhungen wird der EZB-Rat jeweils von Sitzung zu Sitzung entscheiden.

Die Anleihekaufprogramme sollen so fortgeführt werden, dass die EZB die Einnahmen aus fällig werdenden Anleiheprogrammen wieder investiert, beim Programm APP auf unbestimmte Zeit, beim Notprogramm PEPP mindestens bis Ende 2024.

In der Ratssitzung vom 9. Juni 2022 läutete der EZB-Rat die Zinswende für die Leitzinsen ein: EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte an, dass es im Juli 2022 eine erste Zinserhöhung geben werde. Ein weiterer Zinsschritt werde dann im September 2022 folgen. Banken, Unternehmen und Verbraucher hatten also Gelegenheit, sich bereit im Anfang Juni auf die geänderte Zinsprognose einzustellen.

In der Ratssitzung vom 14. April 2022 hatte die EZB die Leitzinsen nicht verändert. Die EZB legte sich darauf fest, die Nettoankäufe von Vermögenswerten im dritten Quartal (also im Zeitraum zwischen Anfang Juli bis Ende September) einzustellen. Wertpapiere, die die Zentralbank im Rahmen des Ankaufprogramms APP erworben hat und die auslaufen, werde die Bank in vollem Umfang ersetzen. Änderungen der Leitzinsen sollen dann nach dem Ende der Nettoankäufe erfolgen.

Damit bereitete die EZB die nunmehr beschlossene Zinserhöhung für Juli 2022 bereits vor.

Auch in der Ratssitzung vom 10. März 2022 hatte der EZB-Rat die Leitzinsen nicht verändert. Der EZB-Rat ging davon aus, dass die Zinsen trotz der gestiegenden Inflation nicht unmittelbar steigen müssten, weil die Inflationsrate mittelfristig wieder den angestrebten Wert von 2 Prozent erreichen könnte.

Bei den Anleihekäufen verkündete der EZB-Rat, dass die Nettoankäufe im Rahmen des neuen Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP)  im dritten Quartal 2022 enden sollten, sofern sich die mittelfristigen Erwartungen der EZB-Banker zur Inflation bestätigten. Damit war grundsätzlich ein erster Zinsschritt im Herbst 2022 möglich.

In den EZB-Sitzungen vom 16. Dezember 2021 und vom 3. Februar 2022 hatte es ebenfalls keine Änderungen der Leitzinsen gegeben. Allerdings wurde im Februar 2022 noch davon ausgegangen, dass das Anleihekaufprogramm APP im dritten Quartal 2022 noch fortgeführt wird. Geplant waren damals monatliche Ankäufe in der Höhe von 30 Mrd. Euro. 

Auch in den Sitzungen vom 28. Oktober 2021 und vom 9. September 2021 hatte der EZB-Rat die Zinsen unverändert gelassen. Der Rat hatte außerdem entschieden, dass die EZB weiterhin Vermögenswerte in Höhe von 20 Mrd. Euro im Monat ankaufen wolle. Das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) sollte mindestens bis Ende 2022 weiter laufen, so hieß es im September.

Am 22. Juli 2021 hatte der EZB-Rat die Zinsen ebenfalls unverändert gelassen. Allerdings hatte er darauf hingewiesen, dass er das mittelfristige Inflationsziel von 2 Prozent nunmehr "symmetrisch" beurteile. Das bedeutet, dass die Inflation (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex) vorübergehend auch leicht über dem Zielwert von 2 Prozent liegen kann.

In der Ratssitzung am 22. April 2021 hatte der EZB-Rat seine geldpolitische Einschätzung ein weiteres Mal bestätigt. Wie die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, damals mitteilte, ging der Rat davon aus, dass die Zinsen auf dem bisherigen oder einem niedrigeren Niveau bleiben sollten, "bis  wir feststellen, dass sich die Inflationsaussichten in unserem Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent liegt".

In der Ratssitzung am 21. Januar 2021 hatte die EZB-Präsidentin sich zur Zinsentwicklung ganz ähnlich wie im April 2021 geäußert.

Die EZB hatte am 10. Dezember 2020 angekündigt, ihr Ankaufprogramm zur Bewältigung der Corona-Krise (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) um 500 Milliarden Euro aufzustocken. Damit stehen jetzt bis mindestens März 2022 insgesamt 1.850 Milliarden Euro zur Verfügung, um Staats- und Unternehmensanleihen in der EU aufzukaufen – und um damit für niedrige Zinsen bei der Rückzahlung zu sorgen.

Am 20. September 2020 beließ der Rat der EZB die Zinsen auf dem bestehenden Niveau.  Der Rat beschloss, das im Juni 2020 um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro erweiterte Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) fortzuführen. Diese weitere Lockerung der Geldpolitik soll dafür sorgen, dass sich Unternehmen und private Haushalte angesichts der Corona-Pandemie besser mit Geld versorgt werden. Das Kaufprogramm soll bis mindestens Ende Juni 2021 laufen.

Der EZB-Leitzins bleibt weiterhin solange auf dem niedrigen Niveau von 0 Prozent, bis sich das Inflationsziel  einem Niveau annähert, das „hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent“ liegt.  Die EZB wird ab 2021 vier zusätzliche längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte anbieten. Diese sollen gegen Liquiditätsengpässe absichern und das Funktionieren des Geldmarkts während der Pandemie gewährleisten.

Am 12. März 2020 beließ der Rat der EZB die Zinsen ebenfalls auf dem alten Niveau. Allerdings verabschiedete der Rat einige Maßnahmen, mit denen sich die Geschäftsbanken der EU besser mit Liquidität versorgen können. So wurden angekündigt, dass die Zinssätze für die sogenannten „Longer-Term-Refinancing-Operations“ ab Juni 2020 um 25 Basispunkte unter der durchschnittlichen Zinsrate des Eurosystems liegen sollten. Die EZB vergünstigte also die langfristige Refinanzierung der Geschäftsbanken und subventionierte gleichzeitig die Marge für deren Kreditgeschäft.

Die erste Sitzung unter der EZB-Präsidentin Christine Lagarde am 12. Dezember 2019 brachte  keine Änderungen der Geldpolitik. Nach der zweiten Sitzung kündigte Christine Lagarde am 23. Januar 2020 an, dass die EZB ihre geldpolitische Strategie überprüfen wolle. Eine Veränderung bei den Zinssätzen gab es aber nicht.

Bis zum Juli 2019 äußerte sich die EZB außerdem regelmäßig dazu, wie lange sie die Zinsen voraussichtlich auf dem aktuellen Niveau halten wollte, zum Beispiel: „bis mindestens in die erste Hälfte 2020“ (so noch Ende Juli 2019). Eine solche Aussage fand sich in den Aussagen zur Sitzung vom 12. September 2019 nicht mehr. Stattdessen war die Rede davon, dass die Zinssätze „auf ihrem jetzigen Niveau“ bleiben werden, bis es eine „robuste“ Annäherung an die Zielinflation von 2 Prozent gebe. Diese Aussage fand sich auch in der Presseerklärung zu den geldpolitischen Beschlüssen vom 24. Oktober 2019.

Unser Podcast zum Thema

Fazit: Zinsentwicklung im Blick behalten

Für Verbraucher ist die Zinsentwicklung einerseits eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, andererseits sind einzelne Zinsentscheidungen der EZB mittel- und langfristig selbst für Experten kaum vorhersehbar. Ausgehend von den geldpolitischen Zielen der EZB und dem angekündigten Kurs dürften die Zinsen absehbar erst einmal weiter steigen.

Ob die Leitzinsen jemals wieder auf das Vorkrisen-Niveau von 4 bis 5 Prozent zurückkehren (und die Bauzinsen noch mal entsprechend höher auf 6 bis 7 Prozent) lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Damit ist auch nicht sicher, ob ein Bausparvertrag ein lohnendes Geschäft ist.

Für die Baufinanzierung gilt: Aktuell sind die Hypothekenzinsen bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil des Zinsanstiegs dürfte bereits hinter uns liegen. Wenn Du also erst in einigen Jahren einen Baukredit benötigst, kannst Du den weiteren Zinsanstieg durchaus erst einmal abwarten und darauf hoffen, dass die Zinsen dann wieder auf das aktuelle Niveau zurückkommen. Eine Zinssicherung über ein Forward-Darlehen oder einen Bausparvertrag wäre dann unnötig.

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Zum Ratgeber

Autor
Dirk Eilinghoff

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