Zinsentwicklung

So geht es mit den Zinsen weiter

Dirk Eilinghoff
Finanztip-Experte für Bank und Börse
16. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Zinsentwicklung wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) und von den Anleihemärkten bestimmt.
  • Im Mai 2022 liegt der EZB-Leitzins immer noch bei 0 Prozent. Der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, liegt sogar bei -0,5 Prozent. Die Anleihemärkte haben Zinserhöhungen der Zentralbank aber bereits vorweggenommen.
  • Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld, aber auch für Ratenkredite sind immer noch sehr niedrig. Bei den Baukredite gab es dagegen einen deutlichen Anstieg.
  • Bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rates am 14. April 2022 gab es noch keinen Zinsschritt. Eine erste Erhöhung der Leitzinsen im Spätsommer oder Herbst 2022 zeichnet sich aber ab.
So gehst Du vor
  • Falls Du gerade Geld im sicheren Bereich anlegen willst, brauchst Du Dich nicht zu beeilen. Warte besser auf höhere Sparzinsen. Bauzinsen solltest Du Dir tendenziell noch sichern, bevor das Zinsniveau weiter steigt.
  • Viele Banken verlangen inzwischen den EZB-Einlagenzins von -0,5 Prozent als Negativzins für Guthaben von ihren Kunden. Allerdings dürften diese "Verwahrentgelte" entfallen, wenn die EZB ihren Zinssatz wieder auf Null setzt.
  • Wie es bei den einzelnen Zinsarten aussieht, liest Du in unseren Artikeln zu Tagesgeldzinsen, Festgeldzinsen und Hypothekenzinsen.

Zinsentwicklung nach der Fed-Entscheidung

Neueste Entwicklung bei den Zinsen: Am 4. Mai 2022 hat die amerikanische Zentralbank Fed die Zinsen um einen halben Prozentpunkt (0,5 Prozentpunkte) angehoben. Diese Zinserhöhung ist der stärkste Aufwärtsschritt seit 22 Jahren.

Warum ist die Zinserhöhung der Fed wichtig? Schon mit der ersten Zinserhöhung in den USA im März ist die Zinswende im Gang. Der Chef der amerikanischen Zentralbank, Jerome Powell, und seine Kollegen bei der Fed haben angekündigt, dass im Jahr 2022 weitere Zinsschritte folgen werden. Damit gerät auch die europäische Zentralbank (EZB) unter Druck: Je größer der Zinsabstand zu den USA ist, umso mehr Kapital wandert in die USA, und das schwächt den Wert des Euro.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Momentan ist die Inflation in Europa sehr hoch. 7,4 Prozent waren es im  April 2022 in Deutschland. Es ist recht wahrscheinlich, dass der EZB-Rat im Laufe des Jahres 2022 der amerikanischen Zentalbank folgt und ebenfalls einen ersten Zinsschritt nach oben beschließt. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte im Handelsblatt-Interview, dass sie eine Zinserhöhung im Juli für möglich hält.

Für Dich bedeutet das: Bist Du Sparer, kannst Du absehbar wieder auf ein wenig Zinsen hoffen. Die Bauzinsen dürften dagegen weiter steigen. Trotzdem gilt: Vom Zinsniveau allein solltest Du große wirtschaftliche Entscheidungen (wie etwa eine Baufinanzierung) nicht abhängig machen.

Wenn Du einen Kredit aufnehmen oder Geld langfristig anlegen möchtest, sind die aktuelle Zinsentwicklung und die Prognosen zur weiteren Entwicklung entscheidend: Je nachdem, ob die Zinsen absehbar steigen oder sinken, kann es sinnvoll sein, die Kreditaufnahme (etwa beim Baukredit) oder die Sparentscheidung noch etwas aufzuschieben oder sich im Gegenteil zu beeilen.

Zinsentwicklung bei Finanzierungen und beim Sparen

Wer die Zinsentwicklung etwa bei Hypothekenzinsen mit den Tagesgeldzinsen oder Festgeldzinsen vergleicht, stellt sehr schnell fest: Die Zinssätze sind zwar unterschiedlich hoch, die Zinsentwicklung ist aber bei Kredit- und Sparprodukten ähnlich. Grundsätzlich gilt: Für Spareinlagen wie Tagesgeld und Festgeld erhältst Du im Schnitt viel geringere Zinsen, als Du für Kredite zahlen musst. Und Ratenkredite sind im Durchschnitt teurer als Baukredite.

Welche Zinsentwicklung absehbar ist, zeigen wir Dir spezifisch für die einzelnen Produkte:

  • Die aktuelle Zinsentwicklung und Zinsprognose bei der Baufinanzierung erläutern wir in unserem Artikel zu Hypothekenzinsen.
  • Wie sich die Zinsen beim täglich verfügbaren Tagesgeld entwickeln, erfährst Du in unserem Artikel zu Tagesgeldzinsen.
  • Wer sich etwas länger festlegen kann, sollte sich über die Zinsentwicklung bei Festgeldzinsen informieren.

Die unterschiedlichen Zinshöhen lassen sich auch an den Zahlen der Bundesbank zur Zinsentwicklung in den vergangenen Jahren ablesen. Die nachfolgende Grafik zeigt den Verlauf der Zinssätze, die Banken ihren Kunden in den vergangenen Jahren angeboten haben, einerseits bei Baukrediten (also als Hypothekenzinsen), andererseits bei Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten, also etwa für Guthaben auf dem Sparbuch.

Die Bundesbank setzt allerdings selbst keine Zinssätze fest, sondern lässt sich die aktuellen Zinssätze nur von Geschäftsbanken melden. Daraus erstellt sie dann Zeitreihen zur Zinsentwicklung.

Wie hoch der Zins gerade ausfällt, hängt entscheidend von der Menge an Geld ab, die Privatpersonen, den Unternehmen und dem Staat in der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht. Für die Steuerung dieser Geldmenge sind grundsätzlich die Notenbanken zuständigen, im Euro-Raum also die Europäische Zentralbank (EZB).

Mit dem Zinsrechner das Endkapital berechnen

Leitzinsen bestimmen die Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank macht den Geschäftsbanken keine Vorgaben über die Zinssätze, die diese von ihren Kunden verlangen oder ihnen zahlen dürfen. Allerdings legt sie mit den Leitzinsen fest, zu welchen Zinssätzen sie Geld an die Geschäftsbanken verleiht oder diese Geld bei ihr anlegen können.

Da die Geschäftsbanken auf der Grundlage dieser Zinssätze in einem ständigen Austausch mit der Zentralbank sind, bestimmt die EZB letztlich die allgemeine Zinsentwicklung und damit indirekt auch die Entwicklung der Spar- und Kreditzinsen für Verbraucher.

Ein Beispiel: Seit einigen Jahren verlangt die Europäische Zentralbank von den Geschäftsbanken einen Zins für das kurzfristige „Parken“ von Geld. Dieser Negativzins liegt aktuell bei -0,5 Prozent. Da die Geschäftsbanken diesen Negativzins nicht in größerem Ausmaß an private Sparer weitergeben, liegen die Sparzinsen in der Fläche nahe 0 Prozent. Höhere Zinsen erhältst Du dann meist nur noch von Banken, die mit Aktionsangeboten neue Kunden gewinnen möchten oder die gerade eine hohe Kreditnachfrage bewältigen müssen. Letztere verdienen dann mit den Kreditkunden das Geld, mit denen sie höhere Zinsen für ihre Sparkunden finanzieren können.

Die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre war insgesamt vorteilhaft für Kreditnehmer und nachteilig für Sparer: Von einer kleinen Unterbrechung im Jahr 2011 abgesehen, hat die EZB die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, liegt seit März 2016 bei 0 Prozent.

Der Einlagesatz, zu dem Banken überschüssiges Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem anlegen können, liegt sogar bei -0,5 Prozent.

So kannst Du die Zinsentwicklung für Dich nutzen

Willst Du die Zinsentwicklung für Deine finanziellen Entscheidungen nutzen, kannst Du einerseits versuchen, einen möglichst günstigen Zeitpunkt für einen Einstieg zu finden: Steht also eine Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank unmittelbar bevor, und ist mit einem Zinsanstieg zu rechnen, solltest Du etwa mit der Festgeldanlage noch etwas warten.

Benötigst Du dagegen gerade Geld, solltest Du in dieser Situation den Kreditantrag möglichst kurzfristig stellen, um noch vom niedrigeren Zinsniveau zu profitieren. Dies gilt besonders bei der Baufinanzierung, wo die Kreditsummen besonders hoch sind und die Kredite besonders lange laufen.

Allerdings dürften solche Situationen, in denen Du kurzfristig Zinsentscheidungen der Zentralbank für Dich nutzen kannst, eher die Ausnahme sein. Meistens bleibt das Zinsniveau für einige Tage oder Wochen relativ konstant.

Wenn das Zinsniveau eher stabil ist, findest Du gute Angebote vor allem, indem Du die Kredite oder Tagesgeldzinsen vergleichst, und Dir gute Angebote direkt sicherst.

Wichtig wird die Zinsentwicklung dagegen bei der Frage, für wie lange Du Dich festlegen willst. Rechnest Du etwa mit steigenden Zinsen, solltest Du genau überlegen, welche Anlagedauer Du wählst. Es kann günstiger sein, sich bei niedrigen Zinsen zunächst für eine kürzere Anlagedauer zu entscheiden und erst einen Zinsanstieg abzuwarten.

Das zeigt das nachfolgende Beispiel: Wir gehen davon aus, dass der Anleger vor der Entscheidung steht, für eine Summe von 10.000 Euro entweder ein Festgeldangebot über 36 Monate zu nutzen oder den Betrag zunächst für ein Jahr festzulegen und dann nach einem absehbaren Zinsanstieg um 0,25 Prozent ein Festgeld über 24 Monate abzuschließen.

Vergleich Festgeld (FG) für 36 Monate anlegen und Festgeld 12 + 24 Monate

 

FG 36

Monate

Zinssatz

Zinsertrag

FG 12 + 24

Monate

Zinssatz

Zinsertrag
Jahr 11,1 %110,00 €0,8 %80,00 €
Jahr 21,1 %111,21 €1,35 %136,08 €
Jahr 31,1 %112,43 €1,35 %137,92 €
Zinsertrag insg. 333,64 € 354,00 €

Quelle: Finanztip-Berechnung vom 10. März 2022.

In diesem Beispiel ist eine spätere Anlage die etwas bessere Strategie. Fällt der Zinsanstieg allerdings geringer aus oder kommt er später, kann auch die sofortige Anlage mehr Zinsen bringen. Insgesamt wird deutlich, dass der Unterschied bei einem niedrigen Zinsniveau und einem Anlagebetrag von 10.000 Euro insgesamt nicht besonders groß ist. Auch hier gilt: Je höher die Anlagesumme und je länger die Laufzeit, umso wichtiger wird die Zinsentwicklung.

Die Entscheidung über eine Zinsbindung von fünf, zehn oder fünfzehn Jahren bei der Baufinanzierung ist also ungleich wichtiger als Zinsentwicklungen beim Festgeld. Ähnlich bedeutsam ist die Zinsentwicklung bei einem Bausparvertrag: Steigen die Zinsen nicht wie erwartet, verliert das Bauspardarlehen seinen wichtigsten Vorteil.

Wie die aktuelle Zinsprognose aussieht

Um die Finanzkrise 2008/09 zu bewältigen, hat die Europäische Zentralbank im vergangenen Jahrzehnt die Zinsen schrittweise immer weiter gesenkt. Ziel der Zentralbank war es, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Inflation in die Nähe der Richtmarke von knapp unter 2 Prozent pro Jahr zu bringen. Aktuell liegt der wichtigste EZB-Zinssatz bei 0 Prozent.

Aktuelle Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB)

Bezeichnung der

Zinssätze

Einlagefaszilität /

Einlagezins

Hauptfinanzierungs-

geschäfte

Spitzenrefinan-

zierungsfaszilität

Aktueller Zinssatz-0,5 %0,00 %0,25 %
Geschäftsbanken können damit...Geld über Nacht bei der EZB anlegenGeld gegen Sicherheiten bei der EZB leihenGeld über Nacht bei der EZB beschaffen

Quelle: Europäische Zentralbank (Stand: 15. Mai 2022)

Zinsentwicklung für den Verbraucher

Im Mai 2022 lässt sich sagen: Die Zinssätze laufen gerade etwas auseinander: Während Sparer nach wie vor keine Zinsen für ihr Geld erhalten oder sogar Negativzinsen zahlen sollen, müssen Kreditnehmer zunehmend tiefer in die Tasche greifen. Die Bauzinsen etwa sind vom Januar 2022 bis Mai im Durchschnitt um fast zwei Prozentpunkte gestiegen. Für eine Baufinanzierung, bei der Dir die Bank also im Januar 2022 einen Zins von 1,0 Prozent angeboten hat, verlangt sie im Mitte Mai 2022 einen Zins von etwa 2,9 bis 3,0 Prozent.

Das Zinsniveau hat sich also bereits deutlich verändert. Die Anleihemärkte, bei denen es um die Zinserwartung für die nächsten 10 Jahre und mehr geht, haben die Zinserhöhung der EZB bereits vorweggenommen. Bis zu einem ersten Zinsschritt der EZB dürften die Bauzinsen eher seitwärts laufen.

Guthabenzinsen sind dagegen im Mai 2022 weitgehend unverändert. Im besten Fall erhältst Du einige wenige Zehntelprozentpunkte an Sparzinsen pro Jahr. Viele Banken erheben immer noch Negativzinsen  auf Guthaben. Bevor die Zinsen bei diesen Instituten steigen, dürften also erst einmal die "Verwahrentgelte" entfallen. Erst dann lägen die Zinssätze auf Girokonten, Tages- und Verrechnungskonten bei diesen Banken wieder bei Null.

Als Sparer solltest Du deshalb auf Aktionsangebote einzelner Banken achten. Besonders viel Unsicherheit schafft zurzeit der Krieg in der Ukraine. Möchtest Du Geld also weitgehend ohne Zinsen, aber dafür sicher anlegen, solltest Du die Hinweise in unseren Ratgebern zu Festgeld und Tagesgeld beachten.

Aktuelle Maßnahmen und Entscheidungen der EZB

In der Ratssitzung vom 14. April 2022 hat die EZB die Leitzinsen nicht verändert. In ihrer Pressemitteilung machte die Zentralbank deutlich, dass es momentan eine Reihe von Faktoren gibt, die ihre Entscheidungen in den kommenden Monaten beeinflussen können: der Krieg in der Ukraine, die Störungen des Handels nach der Covid-19-Pandemie und die Inflation.

Die EZB legt sich darauf fest, die Nettoankäufe von Vermögenswerten im dritten Quartal (also im Zeitraum zwischen Anfang Juli bis Ende September) einzustellen. Wertpapiere, die die Zentralbank im Rahmen des Ankaufprogramms APP erworben hat und die auslaufen, will die Bank in vollem Umfang ersetzen. Änderungen der Leitzinsen sollen dann nach dem Ende der Nettoankäufe erfolgen.

Das bedeutet: Eine erste Zinserhöhung ist frühestens am Juli 2022 möglich. Allerdings halten wir es nicht für wahrscheinlich, dass die EZB so schnell handelt. Dass die Nettoankäufe von Anleihen zwar enden, die auslaufenden Gelder aber wieder neu investiert werden, zeigt die Vorsicht der EZB mit Blick auf geldpolitische Schritte.

Ältere Zinsentscheidungen der EZB

Auch in der Ratssitzung vom 10. März 2022 hatte der EZB-Rat die Leitzinsen nicht verändert. Der EZB-Rat ging davon aus, dass die Zinsen trotz der gestiegenden Inflation nicht unmittelbar steigen müssten, weil die Inflationsrate mittelfristig wieder den angestrebten Wert von 2 Prozent erreichen könnte.

Bei den Anleihekäufen verkündete der EZB-Rat, dass die Nettoankäufe im Rahmen des neuen Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP)  im dritten Quartal 2022 enden sollten, sofern sich die mittelfristigen Erwartungen der EZB-Banker zur Inflation bestätigten. Damit war grundsätzlich ein erster Zinsschritt im Herbst 2022 möglich.

In den EZB-Sitzungen vom 16. Dezember 2021 und vom 3. Februar 2022 hatte es ebenfalls keine Änderungen der Leitzinsen gegeben. Allerdings wurde im Februar 2022 noch davon ausgegangen, dass das Anleihekaufprogramm APP im dritten Quartal 2022 noch fortgeführt wird. Geplant waren damals monatliche Ankäufe in der Höhe von 30 Mrd. Euro. 

Auch in den Sitzungen vom 28. Oktober 2021 und vom 9. September 2021 hatte der EZB-Rat die Zinsen unverändert gelassen. Der Rat hatte außerdem entschieden, dass die EZB weiterhin Vermögenswerte in Höhe von 20 Mrd. Euro im Monat ankaufen wolle. Das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) sollte mindestens bis Ende 2022 weiter laufen, so hieß es im September.

Am 22. Juli 2021 hatte der EZB-Rat die Zinsen ebenfalls unverändert gelassen. Allerdings hatte er darauf hingewiesen, dass er das mittelfristige Inflationsziel von 2 Prozent nunmehr "symmetrisch" beurteile. Das bedeutet, dass die Inflation (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex) vorübergehend auch leicht über dem Zielwert von 2 Prozent liegen kann.

In der Ratssitzung am 22. April 2021 hatte der EZB-Rat seine geldpolitische Einschätzung ein weiteres Mal bestätigt. Wie die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, damals mitteilte, ging der Rat davon aus, dass die Zinsen auf dem bisherigen oder einem niedrigeren Niveau bleiben sollten, "bis  wir feststellen, dass sich die Inflationsaussichten in unserem Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent liegt".

In der Ratssitzung am 21. Januar 2021 hatte die EZB-Präsidentin sich zur Zinsentwicklung ganz ähnlich wie im April 2021 geäußert.

Die EZB hatte am 10. Dezember 2020 angekündigt, ihr Ankaufprogramm zur Bewältigung der Corona-Krise (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) um 500 Milliarden Euro aufzustocken. Damit stehen jetzt bis mindestens März 2022 insgesamt 1.850 Milliarden Euro zur Verfügung, um Staats- und Unternehmensanleihen in der EU aufzukaufen – und um damit für niedrige Zinsen bei der Rückzahlung zu sorgen.

Am 20. September 2020 beließ der Rat der EZB die Zinsen auf dem bestehenden Niveau.  Der Rat beschloss, das im Juni 2020 um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro erweiterte Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) fortzuführen. Diese weitere Lockerung der Geldpolitik soll dafür sorgen, dass sich Unternehmen und private Haushalte angesichts der Corona-Pandemie besser mit Geld versorgt werden. Das Kaufprogramm soll bis mindestens Ende Juni 2021 laufen.

Der EZB-Leitzins bleibt weiterhin solange auf dem niedrigen Niveau von 0 Prozent, bis sich das Inflationsziel  einem Niveau annähert, das „hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent“ liegt.  Die EZB wird ab 2021 vier zusätzliche längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte anbieten. Diese sollen gegen Liquiditätsengpässe absichern und das Funktionieren des Geldmarkts während der Pandemie gewährleisten.

Am 12. März 2020 beließ der Rat der EZB die Zinsen ebenfalls auf dem alten Niveau. Allerdings verabschiedete der Rat einige Maßnahmen, mit denen sich die Geschäftsbanken der EU besser mit Liquidität versorgen können. So wurden angekündigt, dass die Zinssätze für die sogenannten „Longer-Term-Refinancing-Operations“ ab Juni 2020 um 25 Basispunkte unter der durchschnittlichen Zinsrate des Eurosystems liegen sollten. Die EZB vergünstigte also die langfristige Refinanzierung der Geschäftsbanken und subventionierte gleichzeitig die Marge für deren Kreditgeschäft.

Die erste Sitzung unter der EZB-Präsidentin Christine Lagarde am 12. Dezember 2019 brachte  keine Änderungen der Geldpolitik. Nach der zweiten Sitzung kündigte Christine Lagarde am 23. Januar 2020 an, dass die EZB ihre geldpolitische Strategie überprüfen wolle. Eine Veränderung bei den Zinssätzen gab es aber nicht.

Bis zum Juli 2019 äußerte sich die EZB außerdem regelmäßig dazu, wie lange sie die Zinsen voraussichtlich auf dem aktuellen Niveau halten wollte, zum Beispiel: „bis mindestens in die erste Hälfte 2020“ (so noch Ende Juli 2019). Eine solche Aussage fand sich in den Aussagen zur Sitzung vom 12. September 2019 nicht mehr. Stattdessen war die Rede davon, dass die Zinssätze „auf ihrem jetzigen Niveau“ bleiben werden, bis es eine „robuste“ Annäherung an die Zielinflation von 2 Prozent gebe. Diese Aussage fand sich auch in der Presseerklärung zu den geldpolitischen Beschlüssen vom 24. Oktober 2019.

Unser Podcast zum Thema

Fazit: Zinsentwicklung im Blick behalten

Für Verbraucher ist die Zinsentwicklung einerseits eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, andererseits sind einzelne Zinsentscheidungen der EZB selbst für Experten kaum vorhersehbar. Ausgehend von den geldpolitischen Zielen der EZB und der angekündigten Strategie dürften die Zinsen absehbar auf dem bisherigen Niveau bleiben.

Ob die Zinsen jemals wieder auf das Vorkrisen-Niveau von 4 bis 5 Prozent zurückkehren, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Damit ist auch nicht sicher, ob ein Bausparvertrag ein lohnendes Geschäft ist.

Für die Baufinanzierung gilt: Aktuell sind die Hypothekenzinsen so niedrig, dass selbst eine Zinsbindung von 15 Jahren kaum Risiken birgt. Denn im Zweifel darfst Du als Darlehensnehmer den Baukredit bereits nach zehn Jahren Zinsbindung kündigen und mit den dann aktuellen Hypothekenzinsen umschulden.

Mehr dazu im Ratgeber Baufinanzierung

  • Mit der passenden Baufinanzierung sparen Häuslebauer schnell Tausende Euro.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: Interhyp, Dr. Klein, Planethome

Zum Ratgeber

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.