Zinsentwicklung

So geht es mit den Zinsen weiter

Dirk Eilinghoff Stand: 26. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Zinsentwicklung wird vor allem von den Entscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Zurzeit liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0 Prozent. Der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, liegt sogar bei minus 0,4 Prozent.
  • Die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld, Raten- und Baukredite sind deshalb besonders niedrig. Das ist gut für Kreditnehmer, aber schlecht für Sparer.
  • Nach der jüngsten Sitzung des EZB-Rates am 25. Juli 2019 gilt: Der Rat der EZB geht davon aus, dass die Zinsen bis mindestens Mitte 2020 auf diesem niedrigen Niveau bleiben. Das verkündetet EZB-Präsident Mario Draghi nach der Sitzung.
So gehen Sie vor
  • Falls Sie gerade einen Kredit aufnehmen möchten oder Geld anlegen wollen, haben Sie keine Eile. Bis mindestens Mitte 2020 dürfte die Europäische Zentralbank die Zinsen nicht verändern.
  • In der zweiten Hälfte des Jahres 2020 könnten die Zinsen dann wieder ansteigen. Wer diese Erwartung teilt, sollte bei Zinsprodukten auf eher kurzere Anlagedauern zu setzen; wenn Sie dagegen absehbar einen Kredit benötigen, sollten Sie vor einem Zinsanstieg handeln.
  • Gerade bei langfristigen Verträgen sollten Sie stets prüfen, wie sich Zinsänderungen auf den Vertrag auswirken. Weitere Erläuterungen dazu finden Sie in unseren Artikeln zu Tagesgeldzinsen, Festgeldzinsen und Hypothekenzinsen.

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen oder Geld langfristig anlegen möchten, sollten Sie stets auch einen Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung werfen und sich die Prognosen zur weiteren Entwicklung anschauen: Je nachdem, ob die Zinsen absehbar steigen oder sinken, kann es sinnvoll sein, die Kreditaufnahme oder die Sparentscheidung eher noch etwas aufzuschieben oder sich im Gegenteil zu beeilen.

Gleiche Zinsentwicklung bei Finanzierungen und beim Sparen

Wer die Zinsentwicklung etwa bei Hypothekenzinsen mit den Tagesgeldzinsen oder Festgeldzinsen vergleicht, stellt sehr schnell fest: Die Zinssätze sind zwar unterschiedlich hoch, die Zinsentwicklung ist aber bei Kredit- und Sparprodukten ähnlich. Grundsätzlich gilt: Für Spareinlagen wie Tagesgeld und Festgeld erhalten Verbraucher im Schnitt viel geringere Zinsen, als sie für Kredite zahlen müssen. Und Ratenkredite sind im Durchschnitt teurer als Baukredite.

Welche Zinsentwicklung absehbar ist, zeigen wir Ihnen spezifisch für die einzelnen Produkte:

  • Die aktuelle Zinsentwicklung und Zinsprognose bei der Baufinanzierung erläutern wir in unserem Artikel zu Hypothekenzinsen.
  • Wie sich die Zinsen beim täglich verfügbaren Tagesgeld entwickeln, erfahren Sie in unserem Artikel zu Tagesgeldzinsen.
  • Wer sich etwas länger festlegen kann, sollte sich über die Zinsentwicklung bei Festgeldzinsen informieren.

Die unterschiedlichen Zinshöhen lassen sich auch an den Zahlen der Bundesbank zur Zinsentwicklung in den vergangenen Jahren ablesen. Die nachfolgende Grafik zeigt den Verlauf der Zinssätze, die Banken ihren Kunden in den vergangenen Jahren angeboten haben, einerseits bei Baukrediten (also als Hypothekenzinsen), andererseits bei Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten, also etwa für Guthaben auf dem Sparbuch.

Die Bundesbank setzt allerdings selbst keine Zinssätze fest, sondern lässt sich die aktuellen Zinssätze nur von Geschäftsbanken melden. Daraus erstellt sie dann Zeitreihen zur Zinsentwicklung.

Wie hoch der Zins gerade ausfällt, hängt entscheidend von der Menge an Geld ab, die Privatpersonen, den Unternehmen und dem Staat in der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht. Für die Steuerung dieser Geldmenge sind grundsätzlich die Notenbanken zuständigen, im Euro-Raum also die Europäische Zentralbank (EZB).

Leitzinsen bestimmen die Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank macht den Geschäftsbanken keine Vorgaben über die Zinssätze, die diese von ihren Kunden verlangen oder ihnen zahlen dürfen. Allerdings legt sie mit den Leitzinsen fest, zu welchen Zinssätzen sie Geld an die Geschäftsbanken verleiht. Wenn die Zentralbank also etwa 0,25 Prozent Zinsen für Geld verlangt, das sich eine Geschäftsbank bei ihr über Nacht beschaffen kann, dann zahlt die Geschäftsbank in der Regel auch nur maximal diesen Zinssatz für Sparguthaben, die ihre Kunden sich täglich auszahlen lassen können, also etwa Tagesgeld.

Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank bestimmen also die allgemeine Zinsentwicklung und damit indirekt auch die Entwicklung der Spar- und Kreditzinsen für Verbraucher: Liegen die Leitzinsen der EZB bei null, so zahlen die Banken in der Mehrheit auch keine Zinsen mehr auf täglich verfügbare Guthaben. Höhere Zinsen erhalten Verbraucher dann meist nur noch von Banken, die mit Aktionsangeboten neue Kunden gewinnen möchten oder die gerade eine hohe Kreditnachfrage bewältigen müssen.

Die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre war insgesamt vorteilhaft für Kreditnehmer und nachteilig für Sparer: Von einer kleinen Unterbrechung im Jahr 2011 abgesehen, hat die EZB die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, liegt seit März 2016 bei 0 Prozent.

Der Einlagesatz, zu dem Banken überschüssiges Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem anlegen können, liegt sogar bei minus 0,4 Prozent. Geschäftsbanken müssen also selbst keine Zinsen mehr für Geld von der Zentralbank zahlen, aber sogar eine Art Verwahrgebühr entrichten, wenn sie selbst Geld bei der EZB anlegen wollen.

Zinsentwicklung und Zinserwartung sinnvoll nutzen

Wollen Sie die Zinsentwicklung für Ihre finanziellen Entscheidungen nutzen, können Sie einerseits versuchen, einen möglichst günstigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden. Steht also eine Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank unmittelbar bevor und ist mit einem Zinsanstieg zu rechnen, sollten Sie etwa mit der Festgeldanlage noch etwas warten. Benötigen Sie dagegen gerade Geld, sollten Sie in dieser Situation den Kreditantrag möglichst kurzfristig stellen, um noch vom niedrigeren Zinsniveau zu profitieren. Dies gilt besonders bei der Baufinanzierung, wo die Kreditsummen besonders hoch sind und die Kredite besonders lange laufen.

Allerdings dürften solche Situationen, in denen Sie kurzfristig Zinsentscheidungen der Zentralbank für sich nutzen können, eher die Ausnahme sein. Meistens bleibt das Zinsniveau für einige Tage oder Wochen relativ konstant. Dann sind Faktoren wie ein umfassender Vergleich der Angebote von Krediten oder Tagesgeldzinsen viel wichtiger als die allgemeine Zinsentwicklung. Haben Sie gut verglichen und wissen Sie, welches Angebot Sie nutzen möchten, sollten Sie dann aber auch nicht länger zögern.

Wichtig wird die Zinsentwicklung dagegen bei der Frage, für wie lange Sie sich festlegen wollen. Rechnen Sie etwa mit steigenden Zinsen, sollten Sie genau überlegen, welche Anlagedauer Sie wählen. Es kann günstiger sein, sich bei niedrigen Zinsen zunächst für eine kürzere Anlagedauer zu entscheiden und erst einen Zinsanstieg abzuwarten.

Das zeigt das nachfolgende Beispiel: Wir gehen davon aus, dass der Anleger vor der Entscheidung steht, für eine Summe von 10.000 Euro entweder ein Festgeldangebot über 36 Monate zu nutzen oder den Betrag zunächst für ein Jahr festzulegen und dann nach einem absehbaren Zinsanstieg um 0,25 Prozent ein Festgeld über 24 Monate abzuschließen.

Vergleich Festgeld für 36 Monate anlegen und Festgeld 12 + 24 Monate

 Festgeld 36 Monate Festgeld 12 + 24 Monate 
JahrZinssatzZinsertragZinssatzZinsertrag
Jahr 11,1 %110,00 €0,8 %80,00 €
Jahr 21,1 %111,21 €1,35 %136,08 €
Jahr 31,1 %112,43 €1,35 %137,92 €
Zinsertrag insgesamt 333,64 € 354,00 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 6. Juni 2019)

In diesem Beispiel ist eine spätere Anlage die bessere Strategie. Fällt der Zinsanstieg allerdings geringer aus oder kommt er später, kann auch die sofortige Anlage mehr Zinsen bringen. Insgesamt wird deutlich, dass der Unterschied bei einem niedrigen Zinsniveau und einem Anlagebetrag von 10.000 Euro insgesamt nicht besonders groß ist. Auch hier gilt: Je höher die Anlagesumme und je länger die Laufzeit, umso wichtiger wird die Zinsentwicklung.

Die Entscheidung über eine Zinsbindung von fünf, zehn oder fünfzehn Jahren bei der Baufinanzierung ist also ungleich wichtiger als Zinsentwicklungen beim Festgeld. Ähnlich bedeutsam ist die Zinsentwicklung bei einem Bausparvertrag: Steigen die Zinsen nicht wie erwartet, verliert das Bauspardarlehen seinen wichtigsten Vorteil.

Wie die aktuelle Zinsprognose aussieht

Um die Finanzkrise 2008/09 zu bewältigen, hat die Europäische Zentralbank die Zinsen schrittweise immer weiter gesenkt. Ziel der Zentralbank war es, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Inflation in die Nähe der Richtmarke von knapp unter 2 Prozent pro Jahr zu bringen. Aktuell liegt der wichtigste EZB-Zinssatz bei 0 Prozent.

Aktuelle Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB)

Bezeichnung der ZinssätzeEinlagefaszilität / EinlagezinsHauptfinanzierungs-geschäfteSpitzenrefinan-zierungsfaszilität
Aktueller Zinssatz-0,4 %0,00 %0,25 %
Geschäftsbanken können damit...Geld über Nacht bei der EZB anlegenGeld gegen Sicherheiten bei der EZB leihenGeld über Nacht bei der EZB beschaffen

Quelle: Europäische Zentralbank (Stand: 26. Juli 2019)

Als weitere geldpolitische Maßnahme hat die EZB im Frühjahr 2015 begonnen, Staatsanleihen und Anleihen privater Unternehmen aufzukaufen. Damit folgte die Euro-Notenbank ihrem US-amerikanischen Gegenstück, der Federal Reserve (Fed). Die Fed hatte nach der Finanzkrise 2008/09 ebenfalls die Zinsen gesenkt und Anleihen gekauft, um die US-Wirtschaft zu stabilisieren.

Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung hat die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs wieder geändert: Im Oktober 2014 beendete sie die Käufe von Anleihen und im Dezember 2015 beendete sie die Nullzins-Phase. Erstmals seit Dezember 2008 erhöhte sie den Zielkorridor für den Leitzins. Er lag nach diesem ersten Zinsschritt bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Seitdem hat die Fed den Leitzins in insgesamt neun Schritten von je 0,25 Prozentpunkten angehoben. Der Zielkorridor für den Leitzins liegt zurzeit bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Allerdings gibt es in den USA eine heftige politische Diskussion über die nächsten Zinsschritte. Momentan erwarten viele Experten eine erneute Zinswende, also wieder Zinssenkungen.

Für die Zinsentwicklung in der Euro-Zone bedeutet das: Da die US-Wirtschaft die Zinswende der Notenbank gut verkraftet hat, dürfte auch die EZB in den kommenden Jahren einen ähnlichen geldpolitischen Kurs einschlagen. Demnach könnte die Notenbank zunächst die Anleihekäufe beenden, bevor sie in mehreren Schritten die Zinsen erhöht.

Bei den Anleihekäufen bestätigten die Notenbanker auf ihrer Sitzung am 8. März 2018, dass die EZB im Jahr 2018 (wie bereits 2017) Staats- und Unternehmenanleihen ankaufen werde, allerdings in geringerem Umfang. Seit Januar 2018 kaufte die EZB monatlich für 30 Mrd. Euro Anleihen an; bis Dezember 2017 waren es 60 Mrd. pro Monat. Der Anleihekauf sollte auf jeden Fall bis September 2018 weitergehen.

Am 14. Juni 2018 verkündete EZB-Chef Draghi dann, dass die Anleihekäufe zum Jahreswechsel 2018/2019 auslaufen sollten. Zahlungen aus fällig werdenden Anleihen sollten aber auch nach diesem Zeitpunkt wieder in Anleihen investiert werden. Als frühesten Zeitpunkt für erste Zinsschritte nannte der EZB-Chef zu diesem Zeitpunkt den Sommer 2019. 

Diesen geldpolitischen Kurs hat die Bank nach den Sitzungen des EZB-Rates vom 26. Juli 2018, vom 13. September und vom 13. Dezember 2018 noch einmal bestätigt. EZB-Chef Draghi erläuterte die Zinsentscheidung vom Dezember 2018 so, dass er "über den Sommer 2019" keine Zinsänderung erwarte.

Am 7. März 2019 verschob der EZB-Rat das voraussichtliche Datum für den ersten Zinsschritt weiter in die Zukunft. Die Leitzinsen sollten demnach "über das Ende 2019 und in jedem Fall so lange wie erforderlich" auf dem niedrigen Niveau bleiben.

Nach der Sitzung am 6. Juni 2019 verkündete der EZB-Chef dann eine deutliche längere Frist bis zu einem möglichen Zinswechsel: Bis mindestens zur Mitte des Jahres 2020 erwarte man nunmehr keine Zinsänderungen. Diese Einschätzung hat Mario Draghi nach der Sitzung am 25. Juli 2019 noch einmal bestätigt.

Verbraucher können also nach den jüngsten Entscheidungen des EZB-Rates davon ausgehen, dass die Zinsen bis weit in das Jahr 2020 niedrig bleiben. Wie die weitere Zinsentwicklung (also der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik) nach diesem Zeitpunkt aussehen soll, lässt die EZB regelmäßig offen.

Verläuft die Zinsentwicklung im ähnlicher Weise wie bei der US-Notenbank, dann sähen die einzelnen Schritte etwa so aus:

Zinsentwicklung in der Euro-Zone – Vorbild USA?

Jahr20082010201420152016
US-NotenbankErste AnleihekäufeAusweitung AnleihekäufeEnde der AnleihekäufeErster ZinsschrittWeitere Zinsschritte
Jahr20152016201820192020 (?)
EZBErste AnleihekäufeAusweitung AnleihekäufeEnde der AnleihekäufeKeine ZinsschritteErste Zinsschritte

Quelle: Finanztip-Darstellung  (Stand: 21. Juni 2019)

Fazit: Zinsentwicklung im Blick behalten

Für Verbraucher ist die Zinsentwicklung einerseits eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, andererseits sind einzelne Zinsentscheidungen der EZB selbst für Experten kaum vorhersehbar. Ausgehend von den geldpolitischen Zielen der EZB und der angekündigten Strategie dürften die Zinsen zunächst noch etwas auf dem bisherigen Niveau bleiben, bevor die EZB sie dann schrittweise anhebt.

Ob die Zinsen auf das Vorkrisen-Niveau von 4 bis 5 Prozent zurückkehren, lässt sich allerdings noch nicht vorhersagen. Damit ist auch nicht sicher, ob ein Bausparvertrag oder eine lange Zinsbindung bei der Baufinanzierung ein lohnendes Geschäft ist.

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Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 26. Juli 2019


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