Düsseldorfer Tabelle 2021

So viel Unterhalt steht Scheidungskindern zu

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
01. Februar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Düsseldorfer Tabelle zeigt Dir, wie viel Unterhalt Eltern nach einer Trennung oder Scheidung für die Kinder zahlen müssen.
  • Seit dem 1. Januar 2021 muss der Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt, mindestens 393 Euro im Monat zahlen, wenn es unter 6 Jahre alt ist. Für ältere Kinder mehr.
  • Wer Unterhalt zahlen muss und arbeitet, darf mindestens 1.160 Euro für sich behalten.
So gehst Du vor
  • Willst Du herausfinden, wie viel Unterhalt für Deine Kinder fällig wird, musst Du Dein Nettoeinkommen in der aktuellen Düsseldorfer Tabelle einordnen.
  • Anhand des Alters Deines Kindes kannst Du den monatlichen Unterhalt in der Tabelle ablesen.
  • Tatsächlich musst Du weniger zahlen, da Dir die Hälfte des Kindergelds zusteht. Welchen Betrag Du genau überweisen musst, findest Du in der Übersicht zu den Zahlbeträgen.

Wenn Du wissen möchtest, wie viel Unterhalt Du nach einer Trennung oder Scheidung für gemeinsame Kinder zahlen musst, dann gibt Dir die Düsseldorfer Tabelle Auskunft. Umgekehrt lässt sich darin auch ablesen, was Du nach einer Scheidung an Unterhalt für die bei Dir wohnenden Kinder vom anderen Elternteil bekommen müsstest.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine bundesweit anerkannte Richtlinie zum Unterhaltsbedarf. Sie baut auf dem Mindestunterhalt minderjähriger Kinder auf. Das Oberlandesgericht Düsseldorf aktualisiert die Unterhaltssätze regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Familiengerichtstag. Die Leitlinien vereinheitlichen die Rechtsprechung zum Unterhalt und enthalten neben dem Tabellenwerk auch ergänzende Anmerkungen.

Die neue Originaltabelle, die seit dem 1. Januar 2021 gilt, findest Du hier. Die Düsseldorfer Tabellen der vergangenen Jahre findest Du auf der Website des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

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Zu den Tipps

Wer muss Unterhalt zahlen?

Der Elternteil, bei dem sich das gemeinsame minderjährige Kind nicht ständig aufhält, ist zum sogenannten Barunterhalt verpflichtet (§ 1612a BGB). Bei volljährigen Kindern, die in der Ausbildung oder im Studium sind, sind beide Elternteile zum Unterhalt verpflichtet. Betreuen Vater und Mutter die Kinder im Wechsel nach dem sogenannten Wechselmodell, berechnet sich der Unterhalt anders. Weitere Informationen findest dazu Du in unserem Ratgeber Barunterhalt.

So hoch ist der Selbstbehalt

Musst Du für Deine schulpflichtigen Kindern bis zu deren 21. Geburtstag Unterhalt zahlen, darfst Du im Monat 1.160 Euro als Existenzminimum für Dich behalten, wenn Du arbeitest. Bist Du nicht erwerbstätig, sollen Dir mindestens 960 Euro monatlich verbleiben. Darin sind bis 430 Euro für Unterkunft, Nebenkosten und Heizung enthalten. Das hat sich im Jahr 2021 nicht geändert.

Wie viel Unterhalt pro Kind gibt es mindestens?

Der Mindestunterhalt für minderjährige Kinder nach der Trennung der Eltern richtet sich nach dem Existenzminimum des Kindes und der sogenannten Mindestunterhaltsverordnung (§ 1612a BGB).

Diese Mindestunterhaltssätze gelten seit dem 1. Januar 2021 für minderjährige Kinder im Monat:

  • bis zum 6. Geburtstag: 393 Euro
  • bis zum 12. Geburtstag: 451 Euro
  • bis zum 18. Geburtstag: 528 Euro

Diese Beträge musst Du nach Möglichkeit mindestens zahlen. Je nachdem, wie hoch Dein Einkommen ist, kann es aber auch mehr sein. Kannst Du den Mindestunterhalt nicht zahlen, gibt es mit dem Unterhaltsvorschuss eine Unterstützung vom Staat. Beantragen kann den Vorschuss die Person, bei dem die Kinder überwiegend wohnen. Zuständig ist das Jugendamt am Wohnort. Den Vorschuss muss der Unterhaltspflichtige aber zurückzahlen, falls er wieder mehr verdient. Weitere Informationen zum Unterhaltsvorschuss findest Du auf dem Familienportal.

So ermittelst Du, was Du nach der Düsseldorfer Tabelle zahlen musst

In der Düsseldorfer Tabelle findest Du die monatlichen Beträge für den Kindesunterhalt gestaffelt nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Alter der Kinder. Es gibt zehn Einkommens- und vier Altersstufen.

In diese Stufen ordnest Du Dich mit Deinem unterhaltsrelevanten Einkommen und Deine Kinder nach deren Alter ein. So kannst Du die monatlichen Unterhaltsbeträge ablesen.

Seit dem 1. Januar 2021 sind die Regelsätze für den Kindesunterhalt um rund 30 Euro gestiegen. Wie viel genau fällig wird, kannst Du in der aktuellen Düsseldorfer Tabelle 2021 ablesen. Auch der Unterhalt für volljährige Kinder hat sich geändert.

Beispiel: Dein unterhaltsrelevantes Einkommen beläuft sich auf 2.600 Euro. Damit bist Du in der dritten Einkommensstufe zwischen 2.301 Euro und 2.700 Euro. Dein Kind ist sieben Jahre alt, damit in der zweiten Altersstufe. Die Düsseldorfer Tabelle 2021 weist einen Unterhaltsanspruch in Höhe von 497 Euro im Monat aus.

Anzahl der Kinder

Die Unterhaltssätze in der Tabelle gehen von zwei unterhaltspflichtigen Kindern aus. Hast Du mehr als zwei Kinder oder nur ein Kind, so musst Du eventuell weniger oder mehr Unterhalt zahlen als Du in der Tabelle abliest. Du wirst dann entsprechend in eine niedrigere oder höhere Nettoeinkommensgruppe (Spalte 1) eingeordnet.

Spitzenverdiener müssen mehr zahlen

Verdienst Du nach Abzügen mehr als 5.501 Euro im Monat, ergibt sich der Unterhalt nicht direkt aus der Düsseldorfer Tabelle. Bisher wurde die Höhe nach den Umständen des Einzelfalls bestimmt – oft hat der Unterhaltspflichtige dann einfach den Höchstsatz gezahlt.

Nach der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs muss der Unterhaltspflichtige konkrete Auskunft geben, was er verdient, um dann die Höhe des Unterhalts in Fortschreibung der Tabelle berechnen zu können (BGH, Beschluss vom 16. September 2020, Az. XII ZB 499/19). Es mache einen Unterschied, ob der Unterhaltspflichtige 6.000 Euro oder 30.000 Euro im Monat zur Verfügung habe.

Hast Du bisher den Höchstbetrag nach der Düsseldorfer Tabelle bekommen, kannst Du künftig höheren Unterhalt einfordern. Wie viel Du mehr fordern kannst, ergibt sich aus der schematischen Fortschreibung der Tabelle – zumindest bis zu einem Nettoeinkommen von 11.000 Euro.

Ausgangspunkt ist die zehnte Einkommensstufe von mehr als 5.500 Euro und ein entsprechender Unterhalt von 160 Prozent des Mindestunterhalts – den findest Du in der ersten Einkommenszeile. Das Einkommen ist weiter in Schritten von 400 Euro fortzuschreiben mit einer jeweiligen Steigerung des Unterhalts von 8 Prozent. Bei einem Nettoeinkommen von 7.500 Euro sind dann monatlich 200 Prozent des Mindestunterhalts geschuldet. Statt des aktuellen Höchstbetrags für ein Kind von zwölf Jahren von 845 Euro, müsste der Unterhaltspflichtige bei einer schematischen Fortschreibung der Tabelle monatlich 1.056 Euro zahlen.

Bedarfskontrollbetrag und Prozentsatz

Mit steigendem Einkommen verbleibt dem Unterhaltspflichtigen selbst ein höherer Betrag. Das ist der sogenannte Bedarfskontrollbetrag, den Du in der Düsseldorfer Tabelle in der letzten Spalte findest.

Der Prozentsatz in der vorletzten Spalte drückt die Steigerung des Unterhalts der jeweiligen Einkommensgruppe gegenüber dem Mindestunterhalt aus. Aus der Multiplikation des Mindestunterhalts mit dem jeweiligen Prozentsatz ergibt sich die Höhe des Unterhaltsanspruchs. Den kannst Du als entsprechenden Eurobetrag in der Tabelle ablesen.

In den Unterhaltsbeträgen sind die Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sowie Studiengebühren nicht enthalten. Beide sind Beispiele für einen Mehrbedarf, den Du zusätzlich zahlen musst. Als Sonderbedarf gelten einmalige, unerwartete, hohe, notwendige Ausgaben, die der Unterhaltsverpflichtete im Einzelfall auch zahlen muss – zum Beispiel Kosten für den Kieferorthopäden oder Anschaffung eines eigenen Computers für den Distanzunterricht.

Wie wird das Kindergeld berücksichtigt?

Das Kindergeld für ein minderjähriges Kind steht den Eltern zu – und zwar beiden Elternteilen je zur Hälfte. Es wird jedoch in voller Höhe an den Elternteil ausbezahlt, bei dem das Kind wohnt. Deshalb darf der Elternteil, der den Kindesunterhalt zahlen muss, die Hälfte des Kindergelds vom Unterhalt abziehen. Aus der Düsseldorfer Tabelle ergibt sich also nicht der Zahlbetrag. Der ergibt sich erst nach Abzug der Hälfte des monatlichen Kindergelds.

Das Kindergeld beträgt seit Januar 2021 für das erste und zweite Kind 219 Euro im Monat (§ 66 Abs. 1 EStG, § 6 Abs. 1 BKGG). Die Hälfte davon – 109,50 Euro – ist zu verrechnen mit dem Kindesunterhalt. Ab dem dritten Kind beträgt das Kindergeld 225 Euro, es sind dann also 112,50 Euro abzuziehen. Ab dem vierten Kind gibt es 250 Euro Kindergeld, die Hälfte (125 Euro) wird mit dem Unterhalt verrechnet.

Beispiel 2021: Der Unterhaltszahler verfügt über ein unterhaltsrechtlich relevantes Nettoeinkommen von 3.400 Euro (Einkommensstufe 5) und hat ein achtjähriges Kind (K1) und ein zwölfjähriges Kind (K2). Der Unterhalt für K1 beläuft sich nach der Düsseldorfer Tabelle 2021 auf 542 Euro und für K2 auf 634 Euro. Bei beiden Kindern ist jeweils die Hälfte des Kindergelds abzuziehen, also jeweils 109,50 Euro. Der Unterhaltspflichtige zahlt daher 432,50 Euro für K1 und 524,50 Euro für K2, insgesamt macht das im Monat 957 Euro für beide Kinder.

Kindergeld-Anrechnung bei volljährigen Kindern

Bei volljährigen Kindern musst Du das Kindergeld in voller Höhe vom Tabellenbetrag der Düsseldorfer Tabelle abziehen. Eigentlich steigt zwar die Unterhaltspflicht ab Volljährigkeit. Dennoch verringert sich der Unterhalt, den die Eltern zahlen müssen. Grund ist, dass das Kindergeld auf den Bedarf angerechnet wird. Damit bekommt das volljährige Kind also tatsächlich mehr als ein minderjähriges Kind.

Der Unterhalt für ein volljähriges Kind wird anders berechnet als der Kindesunterhalt für ein minderjähriges Kind. Zwar gilt für beide die Düsseldorfer Tabelle. Ab Volljährigkeit zählt nicht nur das Einkommen eines Elternteils, sondern das Einkommen beider Elternteile. Näheres dazu findest Du in unserem Ratgeber Kindesunterhalt für volljährige Kinder.

Wichtig: Die Unterhaltsverpflichtung ist auch ein Fall für die Einkommensteuer, zum Beispiel als außergewöhnliche Belastung.

Wie sind die Zahlbeträge 2021?

Die folgende Tabelle zeigt, was Du nach Abzug des halben Kindergelds seit Januar 2021 tatsächlich für das erste und zweite Kind zahlen musst.

Zahlbeträge seit Januar 2021 für erstes und zweites Kind

Nettoeinkommen in €0-5 Jahre6-11 Jahre12-17 Jahreab 18 Jahre
bis 1.900283,50 €341,50 €418,50 €345 €
1.901 - 2.300303,50 €364,50 €445,50 €374 €
2.301 - 2.700323,50 €387,50 €471,50 €402 €
2.701 - 3.100342,50 €409,50 €498,50 €430 €
3.101 - 3.500362,50 €432,50 €524,50 €458 €
3.501 - 3.900394,50 €468,50 €566,50 €503 €
3.901 - 4.300425,50 €504,50 €609,50 €549 €
4.301 - 4.700456,50 €540,50 €651,50 €594 €
4.701 - 5.100488,50 €576,50 €693,50 €639 €
5.101 - 5.500519,50 €612,50 €735,50 €684 €

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2021)

In der nächsten Tabelle siehst Du, was Du nach Abzug des halben Kindergelds für das dritte Kind tatsächlich zahlen musst.

Zahlbeträge seit Januar 2021 für das dritte Kind

Nettoeinkommen in €0-5 Jahre6-11 Jahre12-17 Jahreab 18 Jahre
bis 1.900280,50 €338,50 €415,50 €339 €
1.901 - 2.300300,50 €361,50 €442,50 €368 €
2.301 - 2.700320,50 €384,50 €468,50 €396 €
2.701 - 3.100339,50 €406,50 €495,50 €424 €
3.101 - 3.500359,50 €429,50 €521,50 €452 €
3.501 - 3.900391,50 €465,50 €563,50 €497 €
3.901 - 4.300422,50 €501,50 €606,50 €543 €
4.301 - 4.700453,50 €537,50 €648,50 €588 €
4.701 - 5.100485,50 €573,50 €690,50 €633 €
5.101 - 5.500516,50 €609,50 €732,50 €678 €

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2021)

Die letzte Tabelle zeigt die Beträge, die Du nach Abzug des halben Kindergelds tatsächlich ab dem vierten Kind zahlen musst.

Zahlbeträge seit Januar 2021 ab dem vierten Kind

Nettoeinkommen in €0-5 Jahre6-11 Jahre12-17 Jahreab 18 Jahre
bis 1.900268 €326 €403 €314 €
1.901 - 2.300288 €349 €430 €343 €
2.301 - 2.700308 €372 €456 €371 €
2.701 - 3.100327 €394 €483 €399 €
3.101 - 3.500347 €417 €509 €427 €
3.501 - 3.900379 €453 €551 €472 €
3.901 - 4.300410 €489 €594 €518 €
4.301 - 4.700441 €525 €636 €563 €
4.701 - 5.100473 €561 €678 €608 €
5.101 - 5.500504 €597 €720 €653 €

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2021)

Wie kannst Du das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen berechnen?

Die größte Schwierigkeit besteht in der Praxis darin, das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen zu ermitteln. Es stimmt selten mit dem Nettoeinkommen auf der Gehalts- oder Lohnabrechnung überein. In der Düsseldorfer Tabelle selbst gibt es keinen Hinweis auf die Berechnung.

Berufsbedingte Aufwendungen, die Du von Deinen privaten Lebenshaltungskosten nach objektiven Merkmalen eindeutig abgrenzen kannst, darfst Du vom Einkommen abziehen. Dabei kannst Du auch eine Pauschale von 5 Prozent des Nettoeinkommens schätzen – mindestens 50 Euro, bei geringfügiger Teilzeitarbeit auch weniger, und höchstens 150 Euro monatlich.

Übersteigen Deine Ausgaben für den Beruf die Pauschale, musst Du insgesamt die Ausgaben nachweisen, um sie abziehen zu dürfen. Schulden darfst Du in der Regel vom Einkommen abziehen.

Unterhaltsrechner

Auf einigen Websites findest Du kostenlose Unterhaltsrechner, die alle auf der Düsseldorfer Tabelle basieren. Diese können aber nur einen ersten Anhaltspunkt liefern. Das Unterhaltsrecht ist komplex und lässt sich deshalb nur sehr bedingt durch einen Rechner abbilden. Meist entspricht das, was Du mit dem Unterhaltsrechner ausgerechnet hast, nicht dem, was Du tatsächlich zahlen musst.

Wann wird die Düsseldorfer Tabelle wieder aktualisiert?

Die Düsseldorfer Tabelle wird etwa alle zwei Jahre aktualisiert, die Zahlbeträge ändern sich zudem immer dann, wenn es mehr Kindergeld gibt. Die jüngste Anpassung erfolgt zum 1. Januar 2021.

Achtung: Es gibt regionale Abweichungen, da einzelne Oberlandesgerichte ihre eigenen Regelungen festlegen. Im Folgenden weiterführende Links:

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Wer muss Unterhalt zahlen?

Wie viel Unterhalt pro Kind gibt es mindestens?

Wie wird das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen berechnet?

Wie wird das Kindergeld berücksichtigt?