Dispokredit

Das kosten Dispo und Kontoüberziehung

Josefine Lietzau 09. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Banken können ihren Kunden einen sogenannten Dispokredit in ihrem Girokonto einräumen.
  • Verbraucher sollten den Dispokredit nur in Ausnahmefällen nutzen und dann nur kurzfristig. Denn die Sollzinsen sind erheblich höher als für andere Kredite.
  • Die Höhe des gewährten Dispokredits hängt von der Kreditwürdigkeit und den regelmäßigen Geldeingängen der Kunden ab.
  • Für gewährte Überziehungen über das Dispolimit hinaus werden Überziehungszinsen fällig, die bei einigen Banken höher sind als die Dispozinsen.
  • Wenn Kunden ihr Konto überziehen, darf die Bank keine zusätzlichen Bearbeitungsgebühren in Rechnung stellen. Auch Mindestpauschalen bei der geduldeten Überziehung sind unzulässig.

Banken gewähren ihren Kunden häufig einen Dispositionskredit, besser als Dispokredit bekannt. Die Verbraucher können dann mit dem Girokonto bis zu einer von der Bank vorgegebenen Höhe ins Minus rutschen. Die Höhe dieser Kreditlinie hängt von der Kreditwürdigkeit der Kunden und den regelmäßig auf dem Girokonto eingehenden Einzahlungen ab, insbesondere dem Gehalt.

Wann gewähren Banken einen Dispositionskredit?

Die Bank überprüft die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden über eine Auskunftei, bevor sie den Dispo gewähren, meist die Schufa. Falls die Bank den Dispositionskredits verwehrt, liegt das womöglich an fehlerhaften Einträgen in der Schufa-Datei. Es kann sich lohnen, diese Einträge zu kontrollieren und wenn nötig zu korrigieren.

Die Banken verlangen beim Dispokredit meist keine zusätzlichen Sicherheiten, weil sie sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Pfandrecht gegenüber dem Kunden einräumen. Das bedeutet, dass die Kreditinstitute bei Nichtzahlung auf andere bei der Bank unterhaltene Konten zugreifen können, zum Beispiel Tagesgeldkonten oder Wertpapierdepots.

Der Dispositionskredit wird zumeist ohne einen formellen Kreditantrag gewährt. Er ist flexibel und dazu gedacht, kurzfristigen Geldbedarf zu decken. Zudem können die Banken den Dispokredit jederzeit kürzen oder gar kündigen. Die Disposchulden müssen die Kunden dann abbezahlen.

Die große Flexibilität bezahlen die Kunden mit sehr hohen Zinssätzen. Noch teurer wird es bei einigen Banken, falls die Kunden ihr Konto über den Dispositionskredit hinaus überziehen. Falls die Bank dies duldet, werden zusätzlich Überziehungszinsen fällig. Ob diese Zinsen genauso hoch sind wie die Dispozinssätze oder aber deutlich höher, hängt von der jeweiligen Bank ab. Für den Überziehungskredit wird meist keine Obergrenze vereinbart. Kunden müssen im Einzelfall bei ihrer Bank nachfragen, ob und in welcher Höhe das Institut bereit ist, ihnen die zusätzliche Überziehung zu gestatten.

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Wie teuer ist der Dispokredit?

Banken verdienen ihr Geld unter anderem mit Zinsen auf Kredite. Deshalb haben einige Banken ein Interesse daran, ihren Kunden einen möglichst hohen Dispokredit zu gewähren – zum Beispiel bis zu drei Monatsgehälter. Mit den hohen Dispozinsen können die Banken Geld verdienen.

Laut Preisaushang aus dem April 2020 bezahlen Verbraucher beispielsweise bei der Berliner Sparkasse Dispozinsen in Höhe von 10,5 Prozent pro Jahr. Der Zeitschrift „Finanztest“ (Juli 2019) zufolge beträgt der Dispozins der Banken durchschnittlich 9,68 Prozent im Jahr. Damit sank zwar der Zinssatz 2019 im Vergleich zu 2018 etwas - da betrug er noch 9,72 Prozent. Der maßgebende Vergleichszinssatz, zu dem sich Banken Geld leihen können, der Drei-Monats-Euribor, lag zum gleichen Zeitpunkt jedoch unter null. Durch diese sehr hohen Zinssätze verdienen Banken Geld, auch wenn ihre Kunden den Kreditrahmen nur kurzfristig nutzen.

Finanztip listet die 13 Girokonten mit den niedrigsten Dispozinssätzen in einem Kontovergleich auf. Den niedrigsten hat die Skatbank im Programm.

Welche Gebühren sind rechtmäßig?

Einige Banken haben im Zusammenhang mit dem Dispo oder der geduldeten Überziehung versucht, den Kunden weitere Gebühren abzuknöpfen. Das ist nicht zulässig.

Keine Bearbeitungsgebühren für Kontoüberziehungen

Banken und Sparkassen dürfen keine Bearbeitungsgebühren berechnen, wenn Kunden ihr Konto überziehen. Eine entsprechende Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Kreditinstitute ist nicht gültig. So hat das Oberlandesgericht Hamm im Urteil vom 21. September 2009 (Az. 31 U 55/09) einer Sparkasse in Dortmund auf Klage der Verbraucherzentrale NRW untersagt, in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis folgenden Text aufzuführen: „Einlösung nicht gedeckter Schecks, Wechsel und Lastschriften auf Privatgirokonten: Kondition pro Überziehungsbearbeitung: 3 Euro.“ Die Sparkasse treffe zwar eine Kreditentscheidung, wenn der eingeräumte Verfügungsrahmen nicht ausreiche. Für eine solche Kreditentscheidung dürften jedoch keine zusätzlichen Gebühren berechnet werden, weil sie allein im Interesse des Geldinstituts erfolge, begründete das Gericht seine Entscheidung.

In die gleiche Richtung weist das Urteil des Landgerichts (LG) Frankfurt/Main vom 13. Mai 2009 (Az. 2-02 O 3/09). Das Landgericht erklärte die AGB der Commerzbank für unwirksam, da sie die Kunden unangemessen benachteiligten. Kunden sollten 5 Euro zahlen, wenn sie Geld von einem überzogenen Girokonto überwiesen. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat diese Entscheidung mit seinem Urteil vom 4. August 2010 (Az. 23 U157/09) bestätigt. Begründung: Kunden bezahlten bereits höhere Zinsen, wenn sie den Dispokredit überziehen. Das größere Risiko der Bank sei damit abgedeckt.

Keine überhöhte Pauschale beim Überziehungskredit

Falls Kunden ihren Dispo überziehen, dürfen Banken höhere Zinsen verlangen. Nicht erlaubt sind jedoch pauschale Mindestgebühren. Die könnten zum Beispiel beim kurzfristigen Überziehen mit geringen Summen wesentlich höher sein als der Überziehungszinssatz. Deshalb erklärte der Bundesgerichtshof solche Klauseln für unzulässig. (Urteile vom 25. Oktober 2016, Az. XI ZR 9/15, XI ZR 387/15).

Wie kommt man aus der Dispofalle?

Falls Verbraucher regelmäßig von ihrem Dispokredit Gebrauch machen und sie auch länger im Minus bleiben, sollten sie Auswege suchen. Fehlen die finanziellen Rücklagen, funktioniert dies zum Beispiel über einen Ratenkredit. Der Zinssatz bei diesen Krediten ist in der Regel wesentlich niedriger als der Dispozins. Außerdem zwingen die Raten dazu, die Schulden tatsächlich abzubauen.

Verbraucher sollten sich vor dem Umschulden jedoch überlegen, wie hoch die Kreditsumme sein muss und wie hoch die Raten sein können. Denn sonst zahlen sie aufgrund der überhöhten Kreditsumme zu viel Zinsen oder aber sie rutschen womöglich durch die Raten erneut in den Dispo. Was Verbraucher sonst beim Umschulden des Dispositionskredits beachten sollten, erklären wir in unserem Ratgeber.

Die passenden Ratenkredite zum Umschulden finden Sie über die von uns empfohlenen Vergleichsportale im Internet. 

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Autor
Josefine Lietzau

09. April 2020


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