Gasanbieter-Vergleich

So machst Du alles richtig: Guten Gasvertrag finden und abschließen

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
11. Oktober 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Hast Du Dir den Gastarif für Deine Wohnung nicht selbst ausgesucht, dann steckst Du im teuren Grundtarif – und solltest dringend wechseln. Auch in einem alternativen Tarif kann sich ein Gaspreisvergleich lohnen.
  • Der Wechsel des Gasanbieters dauert nur wenige Minuten. Du gehst dabei kein Risiko ein, ohne Gas dazustehen.
So gehst Du vor
  • 2021 sind die Beschaffungskosten für Erdgas stark gestiegen. Erhöht Dein Lieferant den Preis, kannst Du sonderkündigen. Diese außerordentliche Kündigung musst Du stets selbst schreiben.
  • Vergleiche die Tarife am besten mit unserem Gasrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

Zum Gasrechner

  • Die Beschaffungskosten für Erdgas sinken 2022 allmählich wieder. Ob Dein Anbieter niedrigere Kosten weitergibt, wird sich zeigen. Vergleiche deshalb am besten jedes Jahr die Preise.

Eine Gasheizung hält jede zweite Wohnung in Deutschland warm, vor allem in Mehrfamilienhäusern in größeren Städten. Sofern Du im eigenen Haus lebst, kannst Du den Gasversorger selbst auswählen. Als Mieter darfst Du Deinen Gasanbieter nur selbst bestimmen, wenn Du eine Gastherme in der Wohnung hast. Solche Gasetagenheizungen finden sich in rund vier Millionen Wohnungen.

Warum den Gasanbieter wechseln?

Ziehst Du in eine Wohnung mit Gastherme, kannst Du in der Regel sofort heizen. In dem Moment, in dem Du erstmals Gas aus dem öffentlichen Gasnetz nutzt, schließt Du einen Vertrag mit dem örtlichen Versorger ab. Das ist praktisch. Jedoch sind die Preise für diese Ersatzversorgung hoch – im Schnitt zahlst Du rund 20 Prozent mehr als in alternativen Verträgen. Du solltest daher schnell in einen anderen Tarif wechseln. Erledigst Du das innerhalb von drei Monaten nach Einzug, musst Du keine Kündigungsfrist einhalten. Drei Monate nach der ersten Gasnutzung rutschst Du in die Grundversorgung. Die Kündigungsfrist beträgt dann zwei Wochen.

Auch wenn Dein letzter Wechsel bereits mehrere Jahre her ist, solltest Du Deinen Gastarif auf die Probe stellen. Ein Tarifvergleich empfiehlt sich einmal im Jahr. Denn der Wettbewerb um Kunden im Gasmarkt ist sehr rege. Die Preise ändern sich stetig – und ein Tarif, der bei Vertragsschluss mal günstig war, muss es heute nicht mehr sein. 

Nutze für einen Preisvergleich unseren Finanztip-Gasrechner. Innerhalb einer Minute liefert er Dir günstige und ver­brau­cher­freund­liche Tarife an Deinem Wohnort. Unser Rechner greift dazu als einziger Vergleichsrechner für Gastarife gleich auf zwei Datenbanken zu. Finanztip kooperiert dafür mit den Vergleichsportalen Verivox und Check24. Interessiert Dich ein bestimmter Tarif eines Anbieters, siehst Du über unseren Rechner damit auch, bei welchem der beiden Portale er günstiger ist oder ob er auf beiden Portalen denselben Preis hat. Darüber hinaus schließen wir Angebote zweifelhafter Anbieter aus unserem Rechner aus und sortieren die angezeigten Tarife nach unseren eigenen, ver­brau­cher­freund­lichen Kriterien.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Gastarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Gasrechner basiert auf Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein ver­brau­cher­freund­liches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2021 www.check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2021). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du den Vertrag über Verivox oder Check24 abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Findest Du über unseren Rechner einen geeigneten Gastarif, hast Du zwei Möglichkeiten, den Vertrag abzuschließen. Entweder Du klickst auf die angezeigten Links zu Verivox oder Check24, die dann den Vertragswechsel für Dich einleiten. Dafür erhalten die Portale eine Provision vom jeweiligen Anbieter. Und Finanztip erhält wiederum eine Provision vom jeweiligen Portal, über das der Vertragswechsel eingeleitet wird. Oder Du nimmst direkt Kontakt zum Anbieter auf und schließt mit ihm einen Vertrag ab. Dann erhalten weder die Vergleichsportale noch wir eine Provision.

Wir zeigen Dir in der Ergebnisliste auch Tarife, die nicht über die Portale abgeschlossen werden können. Entscheidest Du Dich für einen solchen, musst Du ohnehin direkt beim Anbieter Deinen Vertrag schließen. 

Tipp für Mieter in einem Haus mit Zentralheizung

Wohnst Du zur Miete in einem Haus mit zentraler Gasheizung, kannst Du den Gasanbieter nicht selbst bestimmen. Dafür ist der Vermieter verantwortlich. Der wiederum darf jedoch keinen Gasanbieter mit überhöhten Preisen auswählen und Dich und Deine Nachbarn das dann zahlen lassen. Das verlangt das Gebot der Wirtschaftlichkeit (§ 556 Abs. 3 BGB). Außerdem ist der Vermieter verpflichtet, den Verbrauch der einzelnen Mieter getrennt zu erfassen und die daraus resultierenden Kosten in Rechnung zu stellen (§ 4 und § 6 Heizkostenverordnung).

Wenn die Heiz­kost­en­ab­rech­nung kommt, solltest Du prüfen, wie teuer der Brennstoff für das ganze Haus war und die Kosten durch den Gasverbrauch teilen. Durchschnittliche Preise je nach Gasverbrauch haben wir für Dich in der Tabelle weiter unten zusammengestellt.

Entspricht der Preis pro Kilowattstunde auf Deiner Heiz­kost­en­ab­rech­nung etwa dem Grundtarif oder liegt er sogar darüber, handelt es sich um einen teuren Tarif. Um den Gasverbrauch des Hauses einschätzen zu können, kannst Du über Deine Postleitzahl Gastarife über unseren Rechner abrufen. Werden Dir deutlich niedrigere Preise angezeigt als auf Deiner Abrechnung stehen, wende Dich an Deine Hausverwaltung oder Deinen Vermieter, um den Wechsel des Gasanbieters einzufordern. Am besten schlägst Du gleich einen alternativen Tarif vor, der Dir ins Auge gefallen ist. Deine Forderung solltest Du mit dem Wirtschaftlichkeitsgebot begründen (§ 556 Abs. 3 BGB). Gehen Hausverwaltung oder Vermieter nicht auf Deine Forderung ein, erkläre per Brief, dass Du künftige Abschlagszahlungen für Gas nur noch unter dem Vorbehalt der Rück­for­de­rung leistest.

Wie haben sich die Gaspreise entwickelt?

Die durchschnittlichen Gaspreise waren nach Daten von Eurostat 2019 und 2020 auf dem niedrigsten Stand der vergangenen Jahre.

2021 ist das Preisniveau jedoch im gesamten Markt gestiegen. Die Beschaffungskosten für Erdgas befinden sich seit Frühling des Jahres auf einem mehrjährigen Höchststand. Zudem erhebt der Staat seit Neujahr 2021 eine CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe. Diese Kosten haben die Gasanbieter eingepreist und geben sie damit an die Endkunden weiter. 2021 beträgt die Steuer rund 0,54 Cent pro Kilowattstunde brutto; 2022 steigt sie auf 0,65 Cent pro Kilowattstunde.

Als Wohnungs- oder Hauseigentümer kannst Du Dich der CO2-Steuer nur entziehen, wenn Du auf einen klimafreundlicheren Brennstoff umsattelst. Für eine bestehende Heizung ist das Biogas – mindestens bis 2022 bleibt dieses von der CO2-Steuer verschont. Solltest Du noch einen Standardkessel (oder Konstanttemperatur-Kessel) betreiben, musst Du diesen nach 30 Betriebsjahren ohnehin stilllegen (§ 72 GEG). Wenn Du einen alten Kessel gegen einen modernen Brennwertkessel tauschst, der mit einer Solarwärmeanlage, einem Holzkessel oder einer Wärmepumpe verbunden ist, erhältst Du sogar staatliche Zuschüsse.

Als Mieter hast Du keinen Einfluss auf die Heizung. Daher hat die Bundesregierung bis Juni 2021 diskutiert, ob Vermieter die CO2-Kosten über die Heiz­kost­en­ab­rech­nung auf die Mieter umlegen dürfen. Wäre das erlaubt, hätten Vermieter wenig Anreiz, ein Wohnhaus klimafreundlicher zu beheizen. Allein: Die Unionsfraktion im Bundestag hat sich gegen eine Kostenbeteiligung der Vermieter gestellt.

Die CO2-Steuer hat aber eines im Gasmarkt nicht geändert: Es macht für Deinen Geldbeutel einen großen Unterschied, ob Du in der teuren Grundversorgung steckst oder in einem anderen Tarif. Wer 2020 einen neuen Gasvertrag schloss, konnte von gesunkenen Preisen profitieren. Dagegen erhöhten viele Grundversorger ihre Preise. Ergebnis: Heute zahlen grundversorgte Kunden fast 40 Prozent mehr als jene in alternativen Verträgen.

Wie viel kannst Du durch einen Vertragswechsel sparen?

Hat Dein Lieferant seine Preise mit Verweis auf hohe Beschaffungskosten und auf den CO2-Preis erhöht, solltest Du andere Angebote prüfen. Der Wettbewerb um Kunden ist quicklebendig – das Preisniveau für Gasverträge ist zwar im Herbst 2021 deutlich höher als die Jahre zuvor, aber viele Neukundentarife sind weiterhin günstiger als Bestandstarife. 

Bei einem Wechsel von einem Sondervertrag in einen anderen kannst Du bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden mit einer Ersparnis von mehr als 100 Euro rechnen. Steckst Du in der Grundversorgung, ist noch mehr drin.

2020 lagen die Preise zwischen Verträgen in der Grundversorgung und in Sondertarifen im Schnitt 1 Cent pro Kilowattstunde auseinander, wie Du in der folgenden Tabelle sehen kannst.

Durchschnittliche Gaspreise für Haushalte 2020 je nach Vertragsart

Verbrauch

pro Jahr

Grundtarif

anderer Tarif beim

Grundversorger

Tarif von

anderem Anbieter

 

weniger als
5.556 kWh

 

10,62 ct/kWh9,69 ct/kWh9,31 ct/kWh

 

5.556 bis
55.556 kWh

 

6,99 ct/kWh6,29 ct/kWh5,96 ct/kWh

Die Preise enthalten sowohl den Arbeitspreis pro Kilowattstunde als auch den Grundpreis pro Monat, die die Versorger zumeist erheben. Es handelt sich um Preise mit Stichtag 1. April 2020.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. Januar 2021)

Wie findest Du einen guten Gasanbieter?

Rund 600 Anbieter in Deutschland buhlen um die Verbraucher. Um ihre Angebote zu sichten, raten wir zu einem Gaspreisvergleich mit unserem Finanztip-Gasrechner. Er basiert auf den Daten von Verivox und Check24. Diese Vergleichsportale haben in unserem letzten Test am besten abgeschnitten.

Der Finanztip-Gasrechner ist so voreingestellt, dass Du nur ver­brau­cher­freund­liche Angebote siehst – sowohl für konventionelles Gas als auch für Ökogas. Interessieren Dich nur Öko-Tarife, kannst Du dies einstellen. Zu den Öko-Tarifen zählen wir solche für Biogas, das – zumindest zum Teil – aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen oder mit Hilfe von Ökostrom synthetisch erzeugt wird (sogenanntes Windgas). Darüber hinaus gehören auch Tarife für Klimagas zu den Ökogas-Tarifen. Bei diesen Tarifen gleichen die Anbieter die durch die Gasverbrennung verursachte Menge CO2 durch Klimaschutzprojekte aus, indem sie beispielsweise Wälder aufforsten.

Herkunftsnachweise und Biogas-Zertifikate

Nicht gelistet sind im Finanztip-Gasrechner Pakettarife und Tarife mit Vorkasse. Auch Tarife von Firmen, die uns durch kundenunfreundliches Geschäftsgebaren aufgefallen sind, zeigt der Rechner nicht an. Es handelt sich dabei um Unternehmen, gegen die eine Verbraucherzentrale Klage führt, die nachweislich gegen Energierecht verstoßen oder gegen die die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eingeleitet oder ein Bußgeld verhängt hat. Unternehmen, die Insolvenz angemeldet haben und deren Zukunft ungewiss ist, nehmen wir ebenfalls aus dem Rechner.

Unter allen anderen Tarifen tauchen in unserer Empfehlungsliste nur Angebote auf, die folgende Eigenschaften haben:

  1. Vertragslaufzeit höchstens ein Jahr,
  2. anschließende regelmäßige Verlängerung des Vertrags um höchstens einen Monat,
  3. Preisgarantie für mindestens ein Jahr sowie
  4. Kündigungsfrist maximal sechs Wochen.

Diese Bedingungen sind wichtig, damit Du zunächst für ein Jahr vor Preissteigerungen geschützt bist. Nach Ablauf des ersten Vertragsjahrs kannst Du den Vertrag einfach beenden – egal, ob Du den Service schlecht findest, Dir ein besseres Angebot begegnet ist oder weil Du vielleicht umziehen willst.

Gesetzlich erlaubt ist eine erste Vertragslaufzeit von bis zu 24 Monaten. Jede Verlängerung darf zwölf Monate betragen. Die gesetzliche Kündigungsfrist für Gaslieferverträge liegt bei höchstens drei Monaten. Diese Regeln ändern sich im März 2022: Die Erstlaufzeit eines Vertrags darf weiterhin 24 Monate betragen. Die Kündigungsfrist liegt aber bei maximal einem Monat. Zudem darfst Du nach Ablauf der Erstlaufzeit jederzeit den verlängerten Vertrag mit einer Frist von einem Monat kündigen (§ 309 Nr. 9 BGB ab März 2022).

Was ist von hohen Bonuszahlungen zu halten?

Um neue Kunden zu locken, werben viele Versorger mit hohen Bonuszahlungen. Einen dreistelligen Betrag kannst Du damit einstreichen, in manchen Fällen sogar mehr als 300 Euro – als Dankeschön, dass Du zu einem Anbieter wechselst. Das mag verlockend klingen, hat aber eine Schattenseite: Denn die Preise in diesen Tarifen sind meist gar nicht günstig. Vergisst Du, einen solchen Vertrag rechtzeitig zu kündigen, steckst Du ab dem zweiten Vertragsjahr automatisch in einem teuren Tarif. 

Aus diesen Gründen berücksichtigt der Finanztip-Gasrechner standardmäßig keine Bonuszahlungen – Du siehst nur die Kosten, die durch Grund- und Verbrauchspreis entstehen. Beinhaltet der Tarif noch einen Bonus, zeigt der Rechner den Betrag zwar an, berücksichtigt ihn aber nicht bei den Kosten.

Denn wir möchten, dass Du auf Anhieb siehst, welche Kosten Dir entstehen – nicht nur im ersten Vertragsjahr, sondern auch in den darauffolgenden. Deswegen nennt sich unsere Standardeinstellung „einmaliger“ Wechsel. Liegen die Kosten in einem Tarif im zweiten Vertragsjahr erheblich über denen im ersten Jahr, hast Du in beiden Jahren zusammen nicht unbedingt gespart. Entscheidest Du Dich 2021 für einen Tarif mit "einmaligem" Wechsel, solltest Du 2022 trotzdem erneut Preise vergleichen – es ist zu erwarten, dass die Gaspreise langsam wieder fallen. 

Es gibt auch Tarife ohne Bonuszahlung, die nach dem ersten Jahr deutlich teurer werden: die Anbieter heben dann die Preise stark an – um 15 Prozent oder noch mehr. Dabei handelt es sich um Tarife, deren Preise bei Vertragsabschluss so niedrig sind, dass der Anbieter entweder die entstehenden Kosten nicht decken kann oder kaum Gewinn erwirtschaftet. Was er im ersten Vertragsjahr einbüßt, holt er dann ab dem zweiten Jahr wieder rein. 

Wir prüfen die günstigsten Tarife in fünf ausgewählten Städten in Deutschland regelmäßig. Ist ein Tarif nach unserer Einschätzung nicht kostendeckend oder verdient der Anbieter dabei kaum, zeigen wir den Tarif bei unseren Empfehlungen für den standardmäßigen „einmaligen“ Wechsel nicht an.

Willst Du nicht kostendeckende Tarife oder solche mit hohen Boni sehen, musst Du die Ansicht wechseln: Klicke auf „jedes Jahr“. Dann siehst Du unsere Empfehlungen für Tarife, für die wir die Bonuszahlungen bei der Kostenrechnung berücksichtig haben. Dabei findest Du auch Tarife mit Preisen, an denen der Anbieter kaum verdient oder mit denen er sogar Minus macht.

Bei den Boni gibt es drei Arten: Sofortbonus, Direktbonus und Neukundenbonus. Wie der Name schon nahelegt, wird der Sofortbonus relativ schnell nach einem Vertragsschluss gezahlt, beispielsweise innerhalb von 60 Tagen oder drei Monaten nach Lieferstart. Den Direktbonus verrechnet der Versorger zumeist mit fälligen Abschlagszahlungen. So zahlst Du in den ersten Monaten einen geringeren Abschlag.

Die Zahlung des Neukundenbonus schieben die Anbieter dagegen meist bis zum Ende der Laufzeit auf. Prüfe in jedem Fall, ob der Bonus tatsächlich auf der Abrechnung auftaucht und ob Du ihn erhältst. Endet der Vertrag vor Ablauf der vereinbarten Frist – zum Beispiel, wenn Du kündigst –, dann verlierst Du Deinen Anspruch auf den Bonus. Darüber hinaus kann es passieren, dass Dir laut Vertragsbedingungen gar kein Neukundenbonus zusteht, auch wenn er im Angebot enthalten ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Du beim gleichen Versorger bereits Strom beziehst. Denn dann giltst Du nicht mehr als „Neukunde“. Prüfe daher vor einem Abschluss die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Unterscheidet der Versorger nicht zwischen Strom- und Gaskunden, zahlt der Versorger mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keinen Neukundenbonus, wenn er Dir bereits Strom liefert.

Wann ist ein Gastarif kostendeckend?

Es kommt vor, dass ein Versorger seine Preisbestandteile verdoppelt oder sogar verdreifacht. 2021 hat es Fälle gegeben, in denen Gaslieferanten ihren Kunden kurzfristig den Vertrag kündigten – mit Verweis auf gestiegene Beschaffungskosten für Erdgas. Eine starke Verteuerung oder die Kündigung des Vertrag deutet darauf hin, dass Dein Gaspreis bislang nicht kostendeckend war.

Wie wir in einer Untersuchung festgestellt haben, decken die günstigsten Gastarife im Markt nicht die Kosten, die den Versorgern entstehen. Häufig handelt es sich dabei um Tarife mit hohen Boni. Aber auch mit Tarifen ohne Bonus machen manche Anbieter Minus – zumindest so lange eine Preisgarantie besteht. Sobald diese abgelaufen ist, können die Anbieter die Preise erhöhen.

Eine solche Preiserhöhung muss Dir der Versorger vorab ankündigen und Dich auf Dein Son­der­kün­di­gungs­recht hinweisen. Nicht immer ist solchen Schreiben aber eindeutig zu entnehmen, dass es sich um eine Preiserhöhung handelt. Schau daher ganz genau hin und suche nach Wörtern wie „Preisanpassung“. Willst Du solchen Ärger vermeiden und länger bei einem Anbieter bleiben, dann gehe zu einem Versorger, der kostendeckend arbeitet.

Ob ein Tarif kostendeckend ist, hängt dabei vom Wohnort ab: Denn rund ein Viertel des Gaspreises bestimmt im Schnitt der Betreiber des Gasnetzes. Im Sommer 2020 sind die günstigsten Bonustarife nach unserer Einschätzung meist nicht kostendeckend. Die meisten Tarife ohne Bonuszahlung hingegen schon. Flattert Dir dennoch zum Ablauf der Preisgarantie eine saftige Preiserhöhung ins Haus, dann kannst Du Dein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen. Die Kündigung musst Du dabei selbst schreiben – ein neu gewählter Anbieter kann das nicht für Dich erledigen.

Wie funktioniert ein Gasanbieterwechsel?

Um einen günstigeren Vertrag abzuschließen, musst Du nicht den Versorger wechseln. Du kannst auch Deinen Anbieter nach besseren Konditionen fragen. Hast Du aber ein gutes Angebot von einem anderen Unternehmen gefunden, ist der Wechsel zum neuen Lieferanten in wenigen Minuten eingeleitet. 

Entweder gehst Du auf die Internetseite des Anbieters, machst dort eine Tarifabfrage und wählst den gewünschten als künftigen Versorgungstarif aus. Die Kündigung beim bisherigen Versorger erledigt gewöhnlich der gewählte Lieferant gleich mit. Wissen muss er dazu lediglich Deinen Namen und Deine Anschrift, Deinen bisherigen Gasverbrauch und die Nummer Deines Gaszählers. Und natürlich musst Du ihm auch mitteilen, ab welchem Tag er Dich versorgen soll. Schau in Deinem bestehenden Vertrag nach, wie lange er bei fristgerechter Kündigung noch läuft. So beugst Du Missverständnissen und Pannen vor. Sollte Dein aktueller Vertrag noch mehr als sechs Monate laufen, dann beauftrage noch keinen neuen Lieferanten – häufig lehnen die Anbieter den Vertragsschluss ab, wenn die Lieferung frühestens nach 180 Tagen beginnen kann.

Du kannst einen Tarif auch über Vergleichsportale wie Verivox und Check24 abschließen – beide Unternehmen sind als Makler tätig und vermitteln Gaslieferverträge. Auch hier sind Name, Anschrift, Gasverbrauch und Zählernummer sowie der gewünschte Lieferstart zu nennen. 

Besiegelt ist der Vertrag mit Deiner Willensbekundung noch nicht – der Vertrag ist erst geschlossen, wenn ihm auch der Versorger zustimmt. Zuerst muss dieser aber prüfen, ob er Dich überhaupt beliefern darf. Das sagt ihm der Netzbetreiber: Bei diesem meldet er Dich als neuen Kunden an und erfährt dabei, wer Dich momentan versorgt und wie lange dieser Vertrag noch läuft.

Hast Du den Vertrag bereits gekündigt, kann Dir der neue Anbieter sofort eine Vertragsbestätigung schicken. Andernfalls übernimmt er die Kündigung für Dich und sendet anschließend die Vertragsbestätigung. In dieser nennt der Versorger den Start der Gaslieferung. Das alles sollten Versorger in zwei bis drei Wochen erledigen können.

In einem Falle kann ein gewählter Lieferant jedoch nicht für Dich den bestehenden Vertrag kündigen: Wenn Du Dein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzt. Dieses steht Dir zu, wenn Du umziehst oder wenn der aktuelle Lieferant den Vertrag ändern will – also zum Beispiel eine Preiserhöhung ankündigt. Dann darfst du außerordentlich kündigen, also ohne die reguläre Kündigungsfrist einhalten zu müssen. Die Kündigung musst Du aber selbst schreiben.

Im Falle eines Umzugs musst Du die Kündigung mindestens sechs Wochen vor Umzug senden und dabei Deine neue Anschrift mitteilen (§ 41b Abs. 4 EnWG). Kann Dich Dein Lieferant nicht an der neuen Adresse zu bisherigen Konditionen beliefern, ist die Kündigung wirksam. Bei einer Preiserhöhung kündigst Du zu dem Tag, bevor die neuen Preise gelten. Mache das aber nicht auf den letzten Drücker, sondern mehrere Wochen vor der geplanten Preisänderung. Binnen einer Woche muss Dir das Unternehmen jede Kündigung bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG).

Was tun, wenn Dich der Gasanbieter ablehnt?

Es kann auch passieren, dass der Versorger keine Vertragsbestätigung sendet, sondern eine Ablehnung. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Kündigung beim bisherigen Versorger zu Deinem Wunschtermin nicht möglich ist. So lange es einen gültigen Liefervertrag gibt, darf Dich kein anderer Anbieter über das öffentliche Gasnetz versorgen. Das hat auch sein Gutes: So ist ausgeschlossen, dass Du plötzlich in zwei Verträgen steckst und doppelt zahlst. Hältst Du aber die Kündigungsfrist ein und der bisherige Versorger behauptet trotzdem, ein Wechsel sei zum Wunschtermin nicht möglich, dann fordere ihn zur Richtigstellung auf.

Möglich ist auch, dass der gewählte Versorger einen anderen Lieferstart vorschlägt – entweder, weil er Dich zum Wunschtermin noch nicht beliefern darf oder dies nicht schafft. Dann kannst Du innerhalb von 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten. Einen Vertragsschluss lehnt ein Lieferant in der Regel auch ab, wenn ein Verbraucher einen schlechten Schufa-Score hat.

Es sind aber auch noch andere Gründe denkbar, wenn ein Lieferant einen Kunden ablehnt. Vielleicht ist ihm der Kunde schon bekannt und er hatte bereits Probleme mit ihm. Aufgetreten sind auch Fälle, in denen Versorger es ablehnten, ehemalige Kunden im Rahmen von Bonustarifen zu versorgen, als diese zum Unternehmen zurückkehren wollten.

Grundsätzlich steht es Gasanbietern frei, einen Vertrag mit Dir zu schließen. Die Pflicht zur Gaslieferung obliegt einzig dem Grundversorger in Deiner Region. Aber Du kannst das Risiko verringern, dass Dich ein Gasanbieter ablehnt: Fordere nach Beendigung eines Liefervertrags den Versorger auf, Deine Daten nach der Datenschutz-Grundverordnung zu löschen. Nutze dazu gern unser Mus­ter­schrei­ben.

Mus­ter­schrei­ben Datenlöschung

Hier kannst Du unser Musterschreiben zur Löschung personenbezogener Daten herunterladen:

Zum Download

Eine Aufbewahrungsfrist von bis zu elf Jahren besteht für das Unternehmen lediglich für Rechnungen, falls die Steuerbehörden diese prüfen wollen. Der Versorger sollte dann aber den Zugriff auf diese Daten für andere Abteilungen als die Buchhaltung sperren. Der Kundenservice sollte demnach nicht erkennen können, dass Du schon einmal Kunde warst, wenn Du zu einem bestimmten Gasanbieter zurückkehren willst. Wenn Du den Anbieter um Datenlöschung bittest, bietet es sich zudem an zu erklären, dass Du zu Werbezwecken nicht angerufen oder angeschrieben werden willst. 

Wechseldienstleister einschalten

Möchtest Du Dich nicht selbst mit einem Vertragswechsel beschäftigen, aber zu günstigen Preisen Gas beziehen, kannst Du auch einen Wechseldienstleister einschalten. Firmen wie Switchup, Wechselpilot oder Cheapenergy24 vergleichen für ihre Kunden Tarifangebote, machen Vorschläge und übernehmen auch den Wechselprozess – jedes Jahr wieder, so lange Du Kunde bist. Für den Service behalten die Unternehmen entweder einen Teil der Ersparnis, die der Vertragswechsel mit sich bringt. Oder der Service ist kostenfrei, weil der Dienstleister vom gewählten Gasanbieter eine Provision kassiert.

Die Marktwächter Energie haben sich 2018 mit Wechseldienstleistern in einer Studie beschäftigt. Kritisch bewerten sie, dass für Kunden nicht transparent sei, welches Angebot der Dienstleister vorschlägt. Unklar sei häufig zudem, welche Pflichten dem Kunden weiterhin obliegen.

Besteht das Risiko, dass Dir der Gashahn zugedreht wird?

Ein Risiko, nach einem Gasanbieterwechsel ohne Gas dazustehen, besteht in der Regel nicht. Denn wenn andere Anbieter Dich nicht beliefern wollen oder können, übernimmt der Grundversorger den Dienst. Er springt auch ein, wenn beim Versorgerwechsel etwas schiefgeht. Das sollte zwar nicht passieren, ist aber dennoch möglich. Wenn Dein bisheriger Vertrag abläuft und kein anderer Lieferant nahtlos anschließt, kannst Du trotzdem weiter Gas beziehen. Du fällst dann in die Ersatzversorgung.

Das passiert auch, wenn ein Vertrag endet und Du keinen neuen eingegangen bist. Oder wenn Du in eine Wohnung einziehst, ohne einen Gasvertrag abgeschlossen zu haben. In diesen Fällen solltest Du schnell nach Angeboten suchen und einen Lieferanten beauftragen. Die Ersatzversorgung endet, sobald ein gewählter Anbieter startklar ist. Kündigen musst Du die Ersatzversorgung nicht.

Dieser Zustand hält aber nicht dauerhaft an. Hast Du nach drei Monaten keinen anderen Liefervertrag geschlossen, fällst Du in die Grundversorgung. Die Tarife sind dort die gleichen wie in der Ersatzversorgung. Wenn Du die Grundversorgung beenden willst, musst Du kündigen. Die Frist beträgt zwei Wochen.

Es gibt nur eine Möglichkeit, ohne Gas dazustehen: Wenn Du in eine Wohnung einziehst, in der dem Vormieter der Gaszugang gesperrt wurde. Das kann passieren, wenn jemand seine Gasrechnung über Monate hinweg nicht begleicht. Hat dem Netzbetreiber dann niemand mitgeteilt, dass der alte Mieter ausgezogen und Du eingezogen bist, hat er keinen Grund, die Sperrung aufzuheben. Er macht dies aber sofort, wenn er vom Mieterwechsel erfährt. Schließt Du vor Einzug einen Gasliefervertrag für die neue Wohnung, ist klar, dass es einen neuen Mieter gibt. Der Netzbetreiber hebt dann die Sperrung wieder auf, ehe Du davon betroffen bist.

Was passiert, nachdem Du den Vertrag geschlossen hast?

Wenn der neue Versorger den Vertrag bestätigt und den Lieferstart mitteilt, sagt er Dir auch, wie viel Du zahlen sollst. Da viele Versorger erst nach einem Jahr den tatsächlichen Verbrauch abrechnen, dürfen sie vorher Abschläge fordern. Den ersten Abschlag darf der Versorger frühestens am Tag des Lieferbeginns einfordern.

Die Höhe der Abschlagszahlung muss sich dabei an Deinem bisherigen Verbrauch orientieren (§ 41b Abs. 3 EnWG). Verlangt das Unternehmen deutlich mehr, dann fordere es zur Anpassung auf und weise ihm Deinen letzten Gasverbrauch nach. Dafür kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben nutzen. Beziehst Du zum ersten Mal Gas über das öffentliche Netz, ist die Abschlagszahlung am Verbrauch vergleichbarer Kunden auszurichten.

Wie Du bezahlst, bestimmst Du. Der Versorger muss Dir verschiedene Möglichkeiten zur Wahl stellen (§ 41 Abs. 2 EnWG). Wir empfehlen Dir, dem Anbieter ein Sepa-Lastschriftmandat zu erteilen. Dann kannst Du nicht in Zahlungsverzug geraten, denn der Versorger ist in der Pflicht, die Zahlungsbeträge pünktlich abzubuchen.

Dass Dich von einem Tag zum anderen ein anderer Versorger beliefert, bemerkst Du nicht. Die Qualität des Gases, das Du dem Netz entnimmst, verändert sich nicht.

Wann kommt die Rechnung und wann kannst Du kündigen?

Wann eine Abrechnung kommen muss, wie eine Preiserhöhung erfolgen darf und wie Du kündigen kannst, ist vertraglich und gesetzlich geregelt. Das solltest Du dabei wissen:

1. Abrechnung

Einmal im Jahr schicken die Versorger gewöhnlich eine Abrechnung. Dein Lieferant muss Dir dabei anbieten, die Rechnung eletronisch oder in Papierform zu übermitteln, ohne dafür etwas berechen zu dürfen (§ 40b Abs. 1 EnWG). Festgelegt ist darüber hinaus, dass die Abrechnung maximal zwölf Monate umfasst. Über den jeweiligen Zeitraum führt das Unternehmen auf, wie viel Gas Du verbraucht hast und welche Kosten dabei entstanden sind. Den Gaszähler müssen die Netzbetreiber einmal pro Jahr ablesen. Die Ablesung muss dabei nicht mit dem Ende des Abrechnungszeitraums zusammenfallen. Notfalls schätzt ein Versorger dann den letzten Zählerstand. Du kannst dem vorbeugen, indem Du selbst den Zähler zum Ende des Vertragsjahres abliest und dem Versorger übermittelst. Notiere den Zählerstand am besten auch für Deine eigenen Unterlagen.

Spätestens sechs Wochen nach Ablauf des Abrechnungszeitraums muss Dir die Rechnung vorliegen (§ 40c Abs. 2 EnWG). Hast Du weniger Gas verbraucht als im Vorjahreszeitraum, sollte der Versorger dies bei den kommenden Abschlagszahlungen berücksichtigen. Passt er die Abschlagshöhe nicht automatisch an, dann fordere ihn dazu auf. Nutze auch hier gern unser Mus­ter­schrei­ben. Darüber hinaus hat der Versorger Dir ein Guthaben aufgrund geringeren Verbrauchs oder gesunkener Kosten binnen zwei auszuzahlen oder komplett mit dem nächsten Abschlag zu verrechnen (§ 40c Abs. 3 EnWG). Hast Du den Vertrag gekündigt, muss Dir ebenfalls innerhalb von sechs Wochen die letzte Abrechnung des Versorgers zugehen und ein etwaiges Guthaben auf Deinem Konto innerhalb von 14 Tagen eingehen.

2. Aufbewahrung der Rechnung

Die Abrechnung muss Du vier Jahre lang aufheben. Es kann passieren, dass ein Versorger eine Abrechnung noch korrigiert und zum Beispiel einen höheren Gasverbrauch berechnet, als ursprünglich in der Abrechnung ausgewiesen. Bis zu drei volle Kalenderjahre nach Zustellung der ersten Version ist dies möglich. Hast Du beispielsweise im Mai 2018 eine Abrechnung erhalten, kann der Versorger diese bis Ende 2021 korrigieren. Das gilt auch, wenn Du inzwischen umgezogen bist. In einem solchen Fall ist es von Vorteil, wenn Du nicht nur die alte Abrechnung besitzt, sondern auch den Zählerstand jedes Jahr notiert hast.

3. Preiserhöhung und Sonderkündigung

Will der Versorger seine Preise erhöhen, muss er Dir das mitteilen – einfach und verständlich (§ 41 Abs. 5 EnWG). Schickt er dazu eine E-Mail, muss sich bereits aus der Betreffzeile ergeben, dass es um eine Preiserhöhung geht. Stecken die Details in einem längeren Text, sind sie hervorzuheben oder neue und alte Preise einander gegenüberzustellen (OLG Köln, Urteil vom 26. Juni 2020, Az. 6 U 303/19; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Außerdem muss Dich der Lieferant auf Dein Son­der­kün­di­gungs­recht hinweisen – bei jeder Preiserhöhung kannst Du den Vertrag zu dem Tag beenden, ab dem die neuen Preise gelten, ohne eine Kündigungsfrist einhalten zu müssen.

Einer Preiserhöhung vorbeugen lässt sich durch den Abschluss eines Tarifs mit Preisgarantie, wie wir es empfehlen. Eine eingeschränkte Preisgarantie berücksichtigt gewöhnlich nicht die staatlichen Steuern und Konzessionsabgaben auf den Gaspreis. Einige Versorger klammern auch die Netzentgelte aus. Die Steuern und Konzessionsabgaben sind dabei seit vielen Jahren stabil. Die Netzentgelte sind seit 2012 im Schnitt um rund 15 Prozent gestiegen.

4. Ordentliche Kündigung

Wann Du kündigen kannst, sollte im Liefervertrag geregelt sein. Maximal dürfen es drei Monate zum Ende der Laufzeit sein. Ab März 2022 verkürzt sich die Kündigungsfrist auf maximal einen Monat. In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist schon jetzt nur zwei Wochen (§ 20 Abs. 1 GasGVV).

Du musst dabei nicht selbst kündigen. Das kann auch ein neuer Anbieter für Dich erledigen. Wichtig ist aber, dass die Kündigungsfrist eingehalten wird. Andernfalls verlängert sich der geltende Vertrag automatisch – und ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist dann nicht sofort möglich.

Willst Du selbst kündigen, genügt die Textform. Das heißt, Du kannst eine E-Mail, einen Brief oder ein Fax senden (§ 309 Nr. 13 BGB). Einige Versorger bieten auch an, eine Kündigung über das eigene Service-Portal zu übermitteln. Wohin die Kündigung gehen soll, ist in der Regel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters festgelegt. Der Lieferant muss Dir den Erhalt Deiner Kündigung binnen einer Woche bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG). Wie Du schnell aus teuren Verträgen rauskommst, erfährst Du auch in unserem Ratgeber zum Thema Kündigung.

Es kommt vor, dass ein Versorger eine fristgerechte Kündigung nicht akzeptieren will. Er behauptet dann, der Vertrag hätte bereits bei Abschluss zu laufen begonnen – obwohl die Gaslieferung erst Wochen oder Monate später begann. Am besten schaust Du dann in den Liefervertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Dort muss festgelegt sein, wann der Vertrag anläuft. Entspricht Beginn oder Ende der Vertragslaufzeit dem Beginn oder Ende der Lieferzeit für Gas, dann widersprich Deinem Lieferanten und beharre auf die Kündigungsfrist zum Ende eines Lieferjahres. Ob bei Gasverträgen die Laufzeit tatsächlich von der Lieferzeit abweichen kann, ist umstritten.

5. Umzug

Im Falle eines Umzugs steht Dir ein Son­der­kün­di­gungs­recht zu (§ 41b Abs. 4 EnWG). Willst Du den Vertrag im Zuge des Umzugs beenden, dann schicke Deinem Versorger mindestens sechs Wochen vor Deinem Auszug die außerordentliche Kündigung. Gib dabei die neue Anschrift oder die Nummer des Gaszählers in der neuen Wohnung an. Macht Dir das Unternehmen binnen zwei Wochen kein Angebot zur Gaslieferung an der neuen Adresse zu den Preisen, die Du bisher zahlst, ist Deine Kündigung wirksam. Wird die neue Wohnung nicht mit Gas beheizt, kann er Dich ohnehin nicht weiter beliefern. Binnen einer Woche muss Dein Lieferant die Kündigung bestätigen. Nutze für die Sonderkündigung bei Umzug gern unseren Musterbrief:

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Was Du unter keinen Umständen machen solltest: einfach aus der Wohnung ausziehen und Dich um nichts weiter kümmern. Denn der Vertrag läuft dann weiter und Du stehst weiter in der Zahlungspflicht. Zieht nicht sofort ein anderer Mieter ein, fällt weder dem Netzbetreiber noch dem Versorger auf, dass Du dort nicht mehr wohnst. Auch wenn Du in der alten Wohnung kein Gas mehr verbrauchst – der Grundpreis fällt weiterhin an.

Wer hilft Dir bei Problemen?

Hält sich ein Versorger nicht an die gesetzlichen Regeln oder seinen eigenen Vertrag, so ist der erste Schritt, dass Du ihn darauf hinweist. Hilft das nicht, kannst Du dich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auf diese muss ein Lieferant auf jeder Abrechnung hinweisen, ebenso auf Schreiben zu Preiserhöhungen und bei Abschluss eines Liefervertrags.

Kannst du gegenüber der Schlichtungsstelle belegen, dass der Versorger auf Deine Beschwerde nicht reagiert hat, eröffnet sie in der Regel ein Schlichtungsverfahren. Darauf ist kein Versorger erpicht, denn die Schlichtungsstelle berechnet dem Unternehmen dafür eine Gebühr. Pro Fall stellt sie gewöhnlich einen niedrigen dreistelligen Betrag in Rechnung. Für Dich ist das Verfahren dagegen kostenfrei.

Hast Du den Stromliefervertrag über einen Makler abgeschlossen, kannst Du Dich auch an diesen wenden. Verivox und Check24 beispielsweise vermitteln in solchen Fällen zwischen dem Anbieter und dem Kunden.

Will Dich ein Unternehmen über das Telefon oder an der Haustür für einen Vertragswechsel werben, so benötigt es dazu Dein Einverständnis. Einen Vertriebler an der Haustür kannst Du direkt abweisen, wenn Du das Gespräch nicht führen willst. Beim Telefonanruf gilt: Das Einverständnis musst Du vor dem Anruf erteilt haben. Hast Du kein Einverständnis gegeben, handelt es sich um unerlaubte Telefonwerbung, einen sogenannten „Cold Call“. Diesen kannst Du der Bundesnetzagentur melden. Damit Dir keine Verträge untergejubelt werden, soll ein Vertrag erst wirksam werden, wenn Du Deine Absicht, ihn einzugehen, noch einmal schriftlich bestätigt hast. Diese Gesetztesänderung tritt voraussichtlich noch im Sommer 2021 in Kraft. Bis dahin kannst Du einen untergeschobenen Vertrag immer noch widerrufen. 

Bist Du Dir unsicher, ob das Verhalten Deines Anbieters korrekt ist, dann kann der Austausch mit anderen helfen. In unserer Community kannst Du mit weiteren Betroffenen diskutieren oder auch ein Thema anschneiden.

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