Pendlerpauschale

30 Cent pro Kilometer für den Weg zur Arbeit

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
24. August 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Finanzamt erkennt für die Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte pro Arbeitstag jeden Kilometer der einfachen Wegstrecke als Fahrtkosten an, und zwar pauschal mit 30 Cent. Fernpendler können ab 2021 etwas mehr absetzen.
  • Die Entfernungspauschale ist verkehrsmittelunabhängig, das heißt, sie gilt gleichermaßen für Fußgänger, Radler, Motorrad-, Bus- und Bahnfahrer sowie für Autofahrer. Ausgenommen sind Flüge.
So gehst Du vor
  • Wenn Du an mehreren Orten arbeitest, sollte Dein Arbeitgeber einen davon als Deine „erste Tätigkeitsstätte“ festlegen. Fahrten zu anderen Arbeitsorten kannst Du als Dienstreise abrechnen – das heißt, Du kannst Hin- und Rückfahrt statt nur die Entfernung ansetzen.
  • Wohnst Du weit weg vom Arbeitsplatz und fährst mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kann sich das Belege-Sammeln lohnen. Denn es gibt Ausnahmen vom 4.500-Euro-Höchstbetrag im Jahr.
  • Als Arbeitnehmer trägst Du Deine Angaben auf der zweiten Seite der Anlage N Deiner Steuererklärung ein.
  • Als Geringverdiener kannst Du von der neuen Mobilitätsprämie profitieren. Dies geht erstmals ab der Steu­er­er­klä­rung 2021.

Das tägliche Pendeln zur Arbeit kostet nicht nur Zeit und Nerven – es geht bei großen Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsplatz auch richtig ins Geld. Für viele Arbeitnehmer sind Fahrtkosten die größte Abzugsposition bei der Steuer. Diese darfst Du in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung absetzen, allerdings grundsätzlich nur pauschal. 

Welche Grundsätze gelten bei der Entfernungspauschale?

Für Deine Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kannst Du 0,30 Euro für jeden vollen Kilometer der Entfernung von der Steuer absetzen. Belege sind nicht erforderlich.

Ab 2021 gilt für Fernpendler ab dem 21. Entfernungskilometer eine höhere Entfernungspauschale:

  • von 2021 bis Ende 2023: 35 Cent und
  • ab 2024 bis 2026: 38 Cent.

Für die ersten 20 Kilometer können auch Fernpendler nur 30 Cent absetzen. Die erhöhte Entfernungspauschale gewährt der Fiskus, weil die Einführung eines CO2-Preises ab 2021 zu höheren Spritpreisen führt. Das belastet insbesondere Autofahrer, die längere Wegstrecken zur Arbeit haben.

Die verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale löste 2001 die Kilometerpauschale ab. Sie gehört zu den beschränkt abzugsfähigen Werbungskosten und ist unabhängig davon, wie Du zur Arbeit und wieder nach Hause gelangst. Deshalb gilt die erhöhte Entfernungspauschale für alle Fernpendler, also auch für Bahnfahrer.

Gesetzlich geregelt ist die Entfernungspauschale im Einkommensteuergesetz (§ 9 Abs. 1 bis 4 EStG). Details mit Beispielen hat die Finanzverwaltung zusammengestellt (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Dezember 2014, Gz. IV C 6 - S 2145/10/10005). Zur steuerlichen Absetzbarkeit von Reisekosten gibt es ein weiteres BMF-Schreiben vom 25. November 2020.

Wichtig sind folgende Aspekte:

Einfache Entfernungsstrecke

Natürlich fährst Du täglich zweimal die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, nämlich hin und zurück. Manche fahren über die Mittagspause oder als Schichtarbeiter mehrmals nach Hause. Den Fiskus interessiert dies aber alles nicht. Pauschal darfst Du für jeden Arbeitstag nur einmal die einfache Wegstrecke abrechnen.

Fährst Du an einem Arbeitstag nur hin und an einem anderen Tag zurück, so legst Du jeweils nur einen Weg zurück und darfst für den jeweiligen Arbeitstag nur die Hälfte der Entfernungspauschale ansetzen. Das betrifft beispielsweise Flugbegleiter (Bundesfinanzhof, Urteil vom 12. Februar 2020, Az. VI R 42/17).

Die volle Entfernungspauschale gewährt der Fiskus für jeden Arbeitstag, an dem Du tatsächlich zum Arbeitsplatz und auch wieder zurück gefahren bist.

Anzahl der Fahrten

Du darfst die Kilometerpauschale nur für die Tage ansetzen, an denen Du tatsächlich zur ersten Tätigkeitsstätte gefahren bist. Bei einer Fünf-Tage-Woche akzeptiert das Finanzamt in der Regel zirka 220 Fahrten im Jahr. Urlaubs- und Krankheitstage musst Du abziehen, ebenso die Tage mit Dienstreisen, die von zuhause starten.

Für die Tage im Homeoffice darfst Du keine Fahrtkosten geltend machen. Beachte dies, wenn Du in Deinen Steu­er­er­klä­rungen für die Jahre 2020 und 2021 für Deine Arbeitstage zuhause stattdessen die Homeoffice-Pauschale geltend machst.

Erste Tätigkeitsstätte

Ein Arbeitnehmer, der eine „erste Tätigkeitsstätte“ hat, kann seine Fahrtkosten dorthin ausschließlich mit der Pendlerpauschale abrechnen. 

Das Finanzamt geht von einer ersten Tätigkeitsstätte aus, wenn der Arbeitnehmer einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet ist. „Dauerhaft“ bedeutet: die Zuordnung gilt unbefristet, für die gesamte Dauer des Arbeitsverhältnisses oder für mehr als 48 Monate.

Ist dies nicht der Fall, prüft das Finanzamt im nächsten Schritt, ob der Mitarbeiter im Betrieb des Arbeitgebers arbeitstäglich, zwei volle Arbeitstage pro Woche oder mindestens ein Drittel seiner vereinbarten Arbeitszeit tätig werden soll. Dabei genügt es, wenn der Mitarbeiter dort in einem geringen Umfang seiner Arbeit nachkommt. Das trifft zum Beispiel bei einem Polizisten zu, der überwiegend im Einsatz- und Streifendienst arbeitet, aber in seiner Dienststelle zu Besprechungen erscheinen muss und dort Schreibarbeiten erledigt. Die Dienststelle stellt daher seine erste Tätigkeitsstätte dar (Bundesfinanzhof, Urteil vom 4. April 2019, Az. VI R 27/17). 

Analog haben auch Piloten oder Flugbegleiter, die arbeitsrechtlich einem Flughafen dauerhaft zugeordnet sind und dort einige Tätigkeiten erbringen müssen, eine erste Tätigkeitsstätte am Heimatflughafen (BFH, Urteil vom 11. April 2019, Az. VI R 40/16). Sie kann auch ein großräumiges, erschlossenes Gebiet wie ein Flughafengelände, Bahnhof oder Betriebsgelände sein (BFH, Urteil vom 11. April 2019, Az. VI R 12/17). 

Wenn jemand an mehreren Orten arbeitet, sollte der Arbeitgeber festlegen, welcher davon die erste Tätigkeitsstätte ist. Schreibt der Arbeitgeber im Arbeits­vertrag einen bestimmten Arbeitsort vor, dann gilt dieser steuerrechtlich als erste Tätigkeitsstätte.

Der Begriff „erste Tätigkeitsstätte“ ersetzt seit der Reisekostenreform 2014 die „regelmäßige Arbeitsstätte“. Früher kam es bei der Bestimmung des Arbeitsorts noch auf den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit an. Für Außendienstmitarbeiter war es leichter, ihre Fahrten zum Arbeitsplatz nach Dienstreisegrundsätzen abzurechnen, also jeden gefahrenen Kilometer mit 30 Cent für Hin- und Rückfahrt und nicht nur die einfache Strecke. 

Kürzeste Straßenverbindung

Für die Bestimmung der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung maßgebend, wobei das Finanzamt nur volle Entfernungskilometer berücksichtigt. 

Eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kannst Du aber angeben, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und Du sie regelmäßig gefahren bist. Verkehrsgünstiger ist eine Strecke, sofern Du Deinen Arbeitsort trotz gelegentlicher Verkehrsstörungen normalerweise schneller und pünktlicher erreichst.

Welches Verkehrsmittel Du tatsächlich genutzt hast, spielt keine Rolle. Das heißt, die kürzeste Straßenverbindung zählt, auch wenn eine (Teil-)Strecke länger sein sollte, die Du beispielsweise mit der Bahn zurückgelegt hast.

Höchstbetrag 4.500 Euro

Grundsätzlich ist die Entfernungspauschale auf einen Höchstbetrag von 4.500 Euro gedeckelt. Dies gilt jedoch nicht, wenn Du mit Deinem eigenen oder einem zur Nutzung überlassenen Pkw, also einem Dienstwagen, zur Arbeit gefahren bist.

Höhere Kosten musst Du jedoch nachweisen können. Weitere Ausnahmen sind tatsächlich höhere Kosten bei Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Familienheimfahrten bei einer doppelten Haushaltsführung. Auch diese musst Du belegen können. Hebe daher Deine Fahrscheine auf.

Mehrere Wohnungen

Wer nicht nur von einer Wohnung aus zur Arbeit fährt, kann Fahrten von der weiter entfernt liegenden Wohnung nur dann für die Entfernungspauschale zugrunde legen, wenn diese den Lebensmittelpunkt bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird.

Ein Reizthema war hierbei immer wieder beispielsweise das ehemalige Kinderzimmer bei den Eltern. Deshalb gilt seit 2014 als eine Bedingung, damit eine Wohnung als Ort des Lebensmittelpunkts gelten kann, dass Du Dich mit mindestens 10 Prozent der Lebenshaltungskosten für Miete, Lebensmittel und Ähnlichem beteiligst.

Doppelte Haushaltsführung

Auch die Kosten für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung können über die Entfernungspauschale berücksichtigt werden. Hier gibt es ab 2021 ebenfalls die erhöhte Entfernungspauschale für Fernpendler. Die Begrenzung auf den Höchstbetrag von 4.500 Euro gilt bei Familienheimfahrten übrigens nicht.

Sollte Dein Arbeitgeber Dir steuerfreie Leistungen für Deine Familienheimfahrten gezahlt haben, werden diese Zahlungen auf die für diese Fahrten anzusetzende Entfernungspauschale angerechnet.

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Was kannst Du absetzen und was nicht?

Weil Arbeitnehmer in der Praxis die unterschiedlichsten Möglichkeiten wählen, um zur Arbeit zu kommen, gibt es eine Reihe an Detailfragen bei der Frage, wie sie ihre Fahrtkosten steuerlich geltend machen können.

Das Verkehrsmittel spielt keine Rolle

Das Finanzamt berücksichtigt die Kilometerpauschale grundsätzlich unabhängig vom Verkehrsmittel. Wenn Du zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommst, dann steht sie Dir ebenfalls zu. In welcher Höhe Dir tatsächlich Aufwendungen entstanden sind, ist unerheblich.

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Entfernungspauschale kannst Du also auch ansetzen, wenn Du öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Falls Deine Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel den im Kalenderjahr insgesamt als Entfernungspauschale anzusetzenden Betrag übersteigen, kannst Du die tatsächlichen Kosten stattdessen ansetzen.

Seit 2012 überprüfen die Finanzämter nicht mehr tageweise, ob die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel die Pauschale übersteigen. Es wird nur noch jahresbezogen ermittelt, ob die Entfernungspauschale oder die Summe der Fahrtkosten höher ist (FG Münster, Urteil vom 1. April 2014, Az. 11 K 2574/12 E). Als pauschale Kosten sind maximal 4.500 Euro absetzbar.

Mischfall Park & Ride

Viele Arbeitnehmer nutzen für den Weg zur Arbeit verschiedene Verkehrsmittel, beispielsweise außer ihrem eigenen Auto auch Bus und Bahn. Auch in solchen Mischfällen musst Du erst einmal die Entfernung ermitteln, die für die kürzeste Straßenverbindung maßgebend ist. Danach gibst Du an, wie viele Kilometer Du mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt hast. Du kannst dabei auch einen höheren Betrag als 4.500 Euro ansetzen.

Folgendes Berechnungsbeispiel (bis 2020) zeigt die beiden Optionen Pauschale und tatsächliche Kosten: Die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz beträgt 112 Kilometer. Der Arbeitnehmer fährt an 220 Arbeitstagen im Jahr zunächst 12 Kilometer mit dem Auto zum Bahnhof und von dort mit dem Zug weiter zur Arbeit. Für die Bahncard 100, 2. Klasse, hat er 4.395 Euro selbst bezahlt.

Im ersten Schritt ermittelt er seine Kosten für die beiden Teilstrecken nach der Pendlerpauschale:
Autofahrt: 220 * 12 km * 0,30 Euro = 792 Euro
Zugfahrt: 220 * 100 km * 0,30 Euro = 6.600 Euro, aber maximal bis zum Höchstbetrag 4.500 Euro

Dann rechnet er beides zusammen:
Entfernungspauschale: 792 Euro + 4.500 Euro = 5.292 Euro

Weil dieser Betrag höher ist als die tatsächlichen Kosten für die Bahnfahrten (4.395 Euro), berücksichtigt das Finanzamt die Entfernungspauschale von 5.292 Euro.

Dienstwagen

Nutzt Du als Arbeitnehmer einen Dienstwagen, den Dein Arbeitgeber Dir zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt, dann musst Du den geldwerten Vorteil versteuern. Die meisten wenden hierfür die pauschale Ein-Prozent-Regelung an. Die dafür fällige Lohnsteuer und So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge führt der Arbeitgeber ab. In der Anlage N der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung kannst Du die Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz mit der Kilometerpauschale ansetzen.

Berechnungsbeispiel für 2021: Du fährst an 220 Arbeitstagen 112 Kilometer von der Wohnung zum Arbeitsplatz mit Deinem Dienstwagen oder Privatauto. Ab dem 21. Entfernungskilometer gilt die höhere Pendlerpauschale.

220 * 20 km * 0,30 Euro = 1.320 Euro
+ 220 * 92 km * 0,35 Euro = 7.084 Euro
= 8.404 Euro Entfernungspauschale

Fahrgemeinschaften

Jeder Teilnehmer einer Fahrgemeinschaft kann die Entfernungspauschale entsprechend der für ihn maßgeblichen Entfernungsstrecke ansetzen. Wer einen Umweg fahren muss, um Mitfahrer abzuholen, darf diese Strecke allerdings nicht in die Entfernungsermittlung einbeziehen. Der Höchstbetrag für die Entfernungspauschale von 4.500 Euro gilt auch bei einer wechselseitigen Fahrgemeinschaft, und zwar für die Mitfahrer der Fahrgemeinschaft an den Arbeitstagen, an denen sie ihr eigenes Fahrzeug nicht einsetzen.

Jobticket

Seit Anfang 2019 kann ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern steuer- und sozialversicherungsfrei Fahrkarten oder Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr gewähren. Begünstigt werden auch Leistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Personenfernverkehr. Die Steuerfreiheit gilt, wenn der Beschäftigte das Jobticket oder den Zuschuss zusätzlich zum ohnehin vereinbarten Gehalt bekommt. Der Arbeitnehmer darf das Jobticket nicht nur für die Pendelstrecken zur Arbeit, sondern auch privat nutzen.

Allerdings muss der Arbeitnehmer diese Vergünstigung in der Steu­er­er­klä­rung angeben. Das Finanzamt kürzt dementsprechend die Entfernungspauschale.

Beispiel: Der Arbeitgeber überlässt Dir ab Juli 2019 ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr im Wert von 600 Euro. Es ist gültig für den Zeitraum Juli 2019 bis Juni 2020. Das Ticket ist steuerfrei. Das Finanzamt kürzt aber Deine Entfernungspauschale im Jahr 2019 um 300 Euro für das erste halbe Jahr, in dem Deine Fahrberechtigung gilt. Die weiteren 300 Euro kürzt es im Jahr 2020 (siehe Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15. August 2019).

Seit 2020 gibt es eine weitere Alternative: Der Arbeitgeber kann seinem Mitarbeiter ein Jobticket überlassen und führt dafür pauschal 25 Prozent Lohnsteuer ab (zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Dann wird dieser Vorteil nicht bei der Entfernungspauschale des Mitarbeiters angerechnet.

Diese Option gilt auch in Fällen der Gehaltsumwandlung. Der Angestellte muss sich dann beim Jobticket finanziell beteiligen, profitiert aber genauso wie der Arbeitgeber von niedrigeren So­zial­ver­si­che­rungs­bei­träg­en.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Diese Tipps helfen Dir, Steuern zu sparen

Entfernungen bestimmen - Nutze kostenfreie Internet-Routenplaner wie Google Maps, um die kürzeste Entfernung zwischen Deinem Wohn- und Deinem Arbeitsort zu bestimmen. Die Finanzbeamten werden das voraussichtlich ebenfalls tun, sollten sie Deine Angaben überprüfen.

Antrag auf Lohnsteuerermäßigung - Um schon im Laufe des Jahres weniger Lohnsteuer zahlen zu müssen, kannst Du beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen. Dann werden Deine Werbungskosten – beispielsweise für Deine Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte – als Freibetrag schon jeden Monat beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Das ist möglich, wenn Deine Werbungskosten über 1.600 Euro liegen oder wenn Du mit anderen abzugsfähigen Beträgen, beispielsweise Sonderausgaben, den Grenzbetrag von 600 Euro überschreitest.

Fahrt zum Job als Dienstreise - Berufliche Fahrten, die Du zu einer Filiale oder einer weiteren Firmenniederlassung unternimmst, gelten als Dienstreisen. Du kannst diese mit 30 Cent für jeden Kilometer der Hin- und Rückfahrt als Reisekosten abrechnen. Dein Arbeitgeber kann diese mit der Kilometerpauschale von 30 Cent steuerfrei erstatten. Die erhöhten Kilometersätze ab dem 21. Entfernungskilometer gelten nur für die Entfernungspauschale, nicht für Reisekosten.

Bei einer Auswärtstätigkeit kannst Du zudem Verpflegungspauschalen geltend machen, wenn Du mehr als acht Stunden von der Wohnung abwesend bist. Falls Du die Reisekosten selbst tragen musst, mach diese und alle anderen Werbungskosten in der Anlage N Deiner Steu­er­er­klä­rung geltend.

Kundenbesuche und Botengänge - Reisekosten hast Du immer, wenn Du im Auftrag Deines Chefs Kunden besuchst, zu einer Messe oder zu einer Fortbildung fährst. Bist Du während der Arbeitszeit für Deinen Arbeitgeber mit dem eigenen Auto beispielsweise zur Post gefahren, kannst Du für diese Fahrt pauschal 0,30 Euro pro Kilometer ansetzen. Voraussetzung ist, dass Du nicht privat einen Umweg gefahren bist und Dein Arbeitgeber Dir die Kosten nicht erstattet hat. Grundsätzlich darfst Du für Dienstfahrten, die Dir nicht erstattet werden, 30 Cent pro gefahrenem Kilometer ansetzen.

Unfallkosten - Falls Du auf der Fahrt zur Arbeit oder auf dem Rückweg nach Hause einen Unfall hattest, kannst Du die Folgekosten als außergewöhnliche Aufwendungen neben der Entfernungspauschale von der Steuer absetzen. Das gilt für alle Aufwendungen, die Dein Arbeitgeber, Dein Unfallgegner oder Deine eigene Versicherung Dir nicht ersetzt hat. Sofern Du Deine Kfz-Kaskoversicherung in Anspruch genommen hast, ergeben sich die abziehbaren Werbungskosten meist aus den Reparaturkosten nach Abzug der Zahlungen Deines Versicherers. Das entspricht häufig der Selbstbeteiligung.

Aktuell ist die Finanzverwaltung bei Unfallkosten kulant. Passiert dieser auf dem Weg zur Arbeit, darfst Du die Reparaturkosten als außergewöhnliche Werbungskosten geltend machen. Das sieht der BFH anders. Allerdings erkennt er Krankheitskosten aufgrund eines Wegeunfalls als Werbungskosten an (BFH, Urteil vom 19. Dezember 2019, Az. VI R 8/18). 

Behinderte Menschen - Behinderte können für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte statt der Entfernungspauschale ihre tatsächlichen Kosten ansetzen. Das geht bei einem Grad der Behinderung von mindestens 70 oder 50 plus Merkzeichen G im Behindertenausweis. Nutzen sie ihr eigenes Fahrzeug oder einen Dienst-/Firmenwagen, können sie ihre Fahrtkosten ohne Einzelnachweis pauschal mit 0,30 Euro je gefahrenem Kilometer geltend machen, also doppelt so viel wie nicht-behinderte Arbeitnehmer.

Es können auch noch höhere Kosten abgerechnet werden, wenn diese nachgewiesen werden. Unfallkosten, die auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entstanden sind, können sie neben dem pauschalen Kilometersatz angeben. Nutzen sie unterschiedliche Verkehrsmittel, können sie ihr Wahlrecht (Entfernungspauschale oder tatsächliche Kosten) für sämtliche Teilstrecken allerdings nur einheitlich ausüben.

Mehr als ein Arbeitgeber - Hast Du mehrere Jobs bei verschiedenen Arbeitgebern, kannst Du die Entfernungspauschale für jeden Weg zur Arbeit ansetzen, wenn Du am Tag zwischenzeitlich in Deine Wohnung zurückgekehrt bist. Fährst Du von einer Arbeitsstätte gleich weiter zu Deinem anderen Arbeitgeber, ohne zuhause vorbeizuschauen, musst Du für die Entfernungsermittlung den Weg zur ersten Arbeitsstätte als Umwegstrecke zur nächsten Arbeitsstätte angeben. In diesem Fall gilt die Einschränkung, dass die für die Ermittlung der Entfernungspauschale anzusetzende Entfernung höchstens die Hälfte der Gesamtstrecke betragen darf.

Homeoffice-Pauschale versus Fahrtkosten - Arbeitest Du in einem steuerlich anerkannten Arbeitszimmer, kannst Du dafür Werbungskosten absetzen. Dafür benötigst Du aber einen separaten Raum, den Du mindestens zu 90 Prozent beruflich nutzt. Für die Jahre 2020 und 2021 gibt es eine zusätzliche Option für diejenigen, die die strengen Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer nicht erfüllen können, weil sie beispielsweise nur eine Arbeitsecke in ihrer Wohnung nutzen können: die Homeoffice-Pauschale.

Für jeden Arbeitstag, den Du ausschließlich am häuslichen Arbeitsplatz verbringst, darfst Du 5 Euro ansetzen. Das gilt für höchstens 120 Tage, so dass Du maximal 600 Euro im Jahr absetzen kannst. Dabei wird diese Pauschale wie andere Werbungskosten mit dem Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag verrechnet. Folglich bringt Dir die Homeoffice-Pauschale nur einen Steuervorteil, wenn Du mit allen Werbungskosten über 1.000 Euro kommst. Wenn Du an einem Arbeitstag zur ersten Tätigkeitsstätte fährst, darfst Du die Tagespauschale nicht ansetzen, kannst aber dafür die Entfernungspauschale geltend machen. Falls Du Deinen Arbeitsort öfter wechselst, solltest Du einen Kalender führen, indem Du einträgst, an welchen Tagen Du gependelt bist.

Kein eigener Aufwand bei Familienheimfahrten - Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil vom 18. April 2013 (Az. VI R 29/12) bestätigt, dass die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung aufwandsunabhängig in Anspruch genommen werden kann. Steuerfreie Reisekostenvergütungen und Freifahrten des Arbeitgebers reduzieren jedoch den absetzbaren Betrag.

Flugstrecken und Sammelbeförderung - Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken und Strecken mit steuerfreier Sammelbeförderung. Für Flugstrecken kannst Du Deine tatsächlichen Kosten ansetzen. Falls Dein Arbeitgeber eine steuerfreie Sammelbeförderung anbietet, darfst Du die so zurückgelegten Teilstrecken nicht in die Ermittlung der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte einbeziehen. Dagegen kannst Du Deine Kosten als Werbungskosten ansetzen, wenn Du zu einer Sammelbeförderung Deines Arbeitgebers etwas dazugezahlt hast.

Arbeitgeberleistungen - Steuerfreie Sachbezüge und pauschal besteuerten Arbeitgeberersatz für Deine Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte kannst Du nicht als Werbungskosten ansetzen.

Firmenwagen für Familienheimfahrten - Darfst Du für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung unentgeltlich einen Dienst- oder Firmenwagen Deines Arbeitgebers nutzen, ist ein Werbungskostenabzug ausgeschlossen (BFH, Urteil vom 28. Februar 2013, Az. VI R 33/11).

Fahrten als Unternehmer - Unternehmer können die Entfernungspauschale analog für ihre Wege zwischen Wohnung und Betrieb als Betriebsausgaben absetzen.

Was ist die Mobilitätsprämie für Geringverdiener?

Für Geringverdiener mit langem Arbeitsweg sind die wegen der CO2-Abgabe verteuerten Spritpreise besonders belastend. Die ab 2021 erhöhte Entfernungspauschale wirkt sich aber nur dann steuermindernd aus, wenn Du Steuern zahlen musst. Das ist aber erst dann der Fall, wenn Dein zu versteuerndes Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags liegt. Für 2021 sind das 9.744 Euro (2022: 9.984 Euro).

Liegt Dein Einkommen darunter, bringt Dir ein höherer Werbungskostenabzug nichts. Du würdest also leer ausgehen. Um dies zu verhindern, hat der Gesetzgeber als Pendant zum höheren Werbungskostenabzug eine neue Möglichkeit für Geringverdiener geschaffen: die Mobilitätsprämie (§§ 101 ff. EStG). Diese kannst Du statt der erhöhten Pendlerpauschale über eine Steu­er­er­klä­rung beantragen. Die Mobilitätsprämie setzt das Finanzamt in einem Steuerbescheid fest und zahlt sie Dir danach als Steuervergütung aus. Das geht erstmals mit der Steu­er­er­klä­rung 2021.

Voraussetzungen für die Mobilitätsprämie

Die Mobilitätsprämie soll die ab 2021 erhöhten Fahrtkosten auch für Geringverdiener abfedern. Damit Du von der Mobilitätsprämie profitieren kannst, musst Du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Dein zu versteuerndes Einkommen erreicht höchstens den Grundfreibetrag,
  • Dein einfacher Arbeitsweg muss mindestens 21 Kilometer lang sein und
  • die Mobilitätsprämie muss mindestens 10 Euro betragen. Geringere Beträge zahlt das Finanzamt nicht aus.

Genauso wie die erhöhte Entfernungspauschale ist die Mobilitätsprämie auf die Jahre 2021 bis 2026 befristet. Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass dadurch rund 250.000 Pendler entlastet werden können.

So wird die Mobilitätsprämie berechnet

Die Ermittlung der Mobilitätsprämie ist sehr kompliziert. Denn im Grunde muss berechnet werden, wie sich die erhöhte Pendlerpauschale auswirken würde, wenn Du Steuern zahlen müsstest. Die Mobilitätsprämie bestimmt sich nach der erhöhten Entfernungspauschale ab dem 21. Entfernungskilometer, soweit diese den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigt (Bemessungsgrundlage). Die Zulage beträgt 14 Prozent der Bemessungsgrundlage, weil dies dem Eingangssteuersatz bei der Einkommensteuer entspricht.

Folgendes Beispiel zeigt, wie die Mobilitätsprämie schrittweise berechnet wird:

Im Jahr 2021 fährt ein Pendler an 180 Arbeitstagen zum Arbeitsplatz. Die einfache Strecke beträgt 40 Kilometer. Er hat noch 100 Euro weitere Werbungskosten und kommt auf ein zu versteuerndes Einkommen von 9.400 Euro.

1.    Werbungskosten berechnen

Entfernungspauschale für die ersten 20 Kilometer:
180 Tage * 20 km * 0,30 Euro = 1.080 Euro

Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer:
180 Tage * 20 km * 0,35 Euro = 1.260 Euro (erhöhte Entfernungspauschale)

+ weitere 100 Euro = 2.440 Euro (gesamte Werbungskosten)

2.    Welcher Anteil entfällt auf die erhöhte Entfernungspauschale?

Jedem Arbeitnehmer steht eine Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 1.000 Euro zu. Nur die übersteigenden beruflichen Ausgaben dürfen bei der Berechnung der Mobilitätsprämie berücksichtigt werden.

2.440 Euro - 1.000 Euro = 1.440 Euro

Folglich wird der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag um 1.440 Euro überschritten. Davon entfallen aber nur 1.260 Euro auf die erhöhte Entfernungspauschale.

3.    Vom Grundfreibetrag das zu versteuernde Einkommen abziehen

Dann muss berechnet werden, inwiefern der Geringverdiener den Grundfreibetrag unterschreitet.

9.744 Euro - 9.400 Euro = 344 Euro

4.    Vergleich wegen Höchstbetragsbegrenzung

Im nächsten Schritt müssen zwei Beträge miteinander verglichen werden: Auf der einen Seite der Betrag, um den der Grundfreibetrag unterschritten wird (344 Euro), und auf der anderen Seite die erhöhte Entfernungspauschale, also 1.260 Euro. Der kleinere Betrag wird für die Berechnung der Mobilitätsprämie berücksichtigt, also: 344 Euro. Denn nur dieser hat keine steuerliche Entlastung gebracht. 

5.    Mobilitätsprämie berechnen

344 Euro * 14 Prozent = 48,16 Euro

Der Pendler beantragt in seiner Steu­er­er­klä­rung 2021 die Mobilitätsprämie. Dafür wird es ein eigenes Formular geben. Das Finanzamt setzt in einem Steuerbescheid 48,16 Euro als Zulage fest und zahlt sie aus.

Für die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens zieht das Finanzamt hier 1.180 Euro Werbungskosten ab (1.080 Euro Entfernungspauschale für die ersten 20 Kilometer + 100 Euro weitere Werbungskosten).

Abwandlung des Beispiels: Der Pendler kommt nach dem Werbungskostenabzug auf ein zu versteuerndes Einkommen von 8.000 Euro. Dann würde er den Grundfreibetrag um 1.744 Euro unterschreiten. Die erhöhte Entfernungspauschale liegt mit 1.260 Euro darunter. Deshalb wird dieser Betrag für die Berechnung herangezogen. Die Mobilitätsprämie beträgt dann 176,40 Euro (1.260 Euro * 14 Prozent).

Bei zusammen veranlagten Ehegatten gilt das gemeinsame zu versteuernde Einkommen und der doppelte Grundfreibetrag.

Wichtig: Für die Mobilitätsprämie musst Du selbst aktiv werden. Auch wenn Du ansonsten keine Steu­er­er­klä­rung abgeben musst, kannst Du die Zulage nur bekommen, wenn Du eine Steu­er­er­klä­rung bei Deinem zuständigen Finanzamt abgibst. Dafür hast Du vier Jahre Zeit. Deinen Anspruch auf die Mobilitätsprämie für das Jahr 2021 sicherst Du Dir, wenn Du Deine Steu­er­er­klä­rung 2021 bis zum 31. Dezember 2025 abgibst.

Tipp: Die Mobilitätsprämie kannst Du auch nutzen, wenn Du Dich an einer Fahrgemeinschaft beteiligst. Außerdem gilt sie für Familienheimfahrten bei einer doppelten Haushaltsführung.

83 Prozent der Fernpendler fahren mit dem Auto

Nach der aktuellsten Lohn- und Einkommensteuerstatistik (bezieht sich aufs Steuerjahr 2017) des Statistischen Bundesamts nutzen 88 Prozent der Berufpendler zumindest für Teile ihres Arbeitswegs ein Auto; sage und schreibe 18,4 Millionen. 7,5 Millionen zählen als Fernpendler, also mit einem einfachen Arbeitsweg von über 20 Kilometern. Von denen fahren durchschnittlich 83 Prozent mit dem Auto zur Arbeit.

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