Solaranlage 2022

Mit Solarstrom Geld sparen oder verdienen

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
29. April 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Eigener Solarstrom macht Dich unabhängig – und ist günstiger als jeder Stromtarif. Für Elektrizität vom Stromanbieter zahlst Du das Doppelte bis Dreifache.
  • Mit einer Solaranlage auf dem Hausdach kannst Du etwa ein Drittel Deines Bedarfs decken. Mit einem Batteriespeicher verdoppelt sich dieser Anteil.
  • Mitte 2022 lohnt es sich voraussichtlich mehr, wenn Du eigenen Solarstrom komplett ins Stromnetz speist. Auf Eigenverbrauch kannst Du auch später umrüsten.
  • Du hast kein Dach? Auch ein Balkon reicht aus. Mit einer Mini-Anlage erzeugst Du schon ein Zehntel Deines Strombedarfs.
So gehst Du vor
  • Wohnst Du im Eigenheim, lohnt sich meist eine Solarstromanlage: Hole mehrere Angebote ein und prüfe, welche Förderprogramme für Dich infrage kommen.
  • Kontakt zu mehreren Installationsfirmen auf einen Schlag erhältst Du über Portale im Internet. Wir empfehlen selfmade-energy und photovoltaik-angebotsvergleich.
  • Mietest Du ein Haus, kannst Du das Dach für die Anlage pachten – oder Dein Vermieter baut die Anlage und verpachtet diese an Dich.
  • Vermietest Du Wohnungen in Deinem Haus, kannst Du eine Anlage auf dem Dach betreiben und den Mietern Solarstrom liefern.

Als Privatperson kannst Du selbst Strom erzeugen, damit Geld sparen und auch Geld verdienen – das geht ganz einfach mit Photovoltaik-Modulen. Diese wandeln die Energie des Sonnenlichts in elektrische Energie um. Das Charmante an Photovoltaik ist, dass jeder die Technologie nutzen kann – auf dem eigenen Hausdach, auf dem Balkon, im Gartenhäuschen oder beim Zelten. Eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen, kostet Dich etwa 10 bis 14 Cent.

Wie stark lohnt sich eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge?

Wie sehr sich eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge für Dich auszahlt, hängt von mehreren Faktoren ab. Am stärksten vom Preis, zu dem Du eine PV-Anlage kaufst. Aber auch die Höhe der Betriebskosten, der Ertrag der Anlage und ob Du den Strom komplett ins Stromnetz einspeist oder auch selbst nutzt, sind entscheidend. 

Bislang fährst Du besser, wenn Du den Strom einer neu installierten Anlage auch selbst nutzt. Denn dieser kostet Dich nur für etwa 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde – für den Strom aus dem Netz zahlst Du das Dreifache. Versorgst Du Dich selbst, kannst Du also locker 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde sparen. Den Teil Deiner Energie, den Du nicht selbst nutzt, speist Du ins Stromnetz und erhältst dafür rund 6 Cent pro Kilowattstunde – 20 Jahre lang. Das garantiert Dir das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). 6 Cent sind zwar weniger, als Dich die Erzeugung kostet. Aber durch die Ersparnis beim Eigenverbrauch geht die Rechnung für Dich trotzdem auf. Voraussetzung ist aber, dass Du die Anlage zu günstigen Preisen erworben hast. 2022 solltest Du nicht mehr als 1.600 Euro pro Kilowatt Leistung (netto) zahlen. Die günstigsten kleinen Anlagen bis 10 Kilowatt Leistung kosten 1.200 Euro pro Kilowatt Leistung (netto). 

Künftig dürfte es in vielen Fällen aber lukrativer sein, eigenen Solarstrom komplett ins Stromnetz zu speisen. Die Bundesregierung hat eine Änderung des EEG in die Wege geleitet. Demnach soll es neue Fördersätze für PV-Anlagen geben, deren Strom komplett ins Stromnetz wandert. Die Einspeisevergütung für neu in Betrieb genommene Anlagen soll diese Höhe haben:

  • für die ersten 10 Kilowatt Leistung 13,8 Cent/kWh
  • für die nächsten 90 Kilowatt Leistung 11,3 Cent/kWh
  • für die nächsten 200 Kilowatt Leistung 9,4 Cent/kWh

Die Vergütung ist so hoch bemessen, dass Du mit einer Anlage bei reiner Einspeisung Gewinn erwirtschaftest. Binnen zehn bis zwölf Jahren kann sich die Anlage durch den Stromerlös refinanziert haben. Wenn Du den höheren Fördersatz beanspruchen willst, musst Du dem Netzbetreiber bis Dezember eines Jahres mitteilen, dass Du im Folgejahr komplett einspeisen willst. 2022 reicht es, wenn Du dies nach Inkrafttreten der geplanten Fördersätze aber vor Inbetriebnahme der Anlage machst.

Das bedeutet auch: Du kannst jedes Jahr neu überlegen, ob Du die Anlage im Folgejahr auf Eigenverbrauch umrüsten willst. Das ist sinnvoll, wenn die Kosten für den Bezugsstrom aus dem Netz auf mehr als 45 Cent pro Kilowattstunde steigen. Oder, wenn sich Dein Stromverbrauch durch ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder einen Batteriespeicher auf mindestens 40 Prozent erhöht. So lange aber Dein Stromverbrauch durchschnittlich hoch ist, Du zu den üblichen Stoßzeiten am Morgen und Abend besonders viel benötigst und Deine Bezugskosten unter 45 Cent pro Kilowattstunde liegen, rechnet sich die Volleinspeisung stärker für Dich als der Eigenverbrauch.

Bislang verringert sich die Einspeisevergütung von Monat zu Monat. Im Gesetzentwurf für das neue EEG 2022 der Bundesregierung ist aber vorgesehen, diese Verringerung (auch Degression genannt) der Vergütung bis Februar 2024 auszusetzen. Ab dann soll sie alle sechs Monate wieder abnehmen. Voraussichtlich noch im Frühling wird sich der Bundestag mit dem Gesetzentwurf beschäftigen. Mitte 2022 dürften die neuen Regelungen in Kraft treten.

Bist Du längst Solarstromerzeuger und speist Du Deinen Strom bislang komplett ein, kann es sich dagegen für Dich lohnen, auf Eigenverbrauch umzurüsten – wenn Deine Anlage aus der EEG-Förderung fällt. Was Du dann zu beachten hast, erfährst Du im Ratgeber Einspeisevergütung.

Warum Solarstrom deutlich günstiger als Strom aus dem Netz ist 

Dass der gelieferte Strom im Vergleich zum selbst erzeugten etwa dreimal so teuer ist, liegt an Steuern, Umlagen, Abgaben und Entgelten. Diese musst Du über den Strompreis zahlen, wenn die Energie über das Netz der öffentlichen Versorgung fließt. Auf Deinen Eigenverbrauch fallen dagegen weder Abgaben noch Stromsteuer noch Netzentgelte noch vier von fünf Umlagen an; bei Anlagen bis maximal 30 Kilowatt Leistung auch keine EEG-Umlage, solange Du höchstens 30.000 Kilowattstunden selbst verbrauchst.

Ab Juli 2022 wird die EEG-Umlage vollständig aus dem Bundeshaushalt bezahlt. Lediglich Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch musst Du zahlen, wenn Du der Regelbesteuerung unterliegst. Von der Einkommensteuer kannst Du Dich seit 2021 befreien lassen, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie stark kannst Du Dich selbst mit Solarstrom versorgen?

Insgesamt sind in Deutschland rund 2 Millionen kleine Solarkraftwerke (PV-Anlagen) mit bis zu 20 Kilowatt Leistung auf Hausdächern installiert. Jeden Monat kommen im Schnitt 15.000 dazu. Die meisten dienen der Eigenversorgung ihrer Betreiber.

Eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge kann dabei niemals Deinen kompletten Bedarf decken. Schließlich scheint die Sonne nicht rund um die Uhr. Aber zu 30 Prozent kannst Du Dich mit eigenem Solarstrom versorgen, wenn die Anlage zu Deinem Strombedarf passt. Dabei ist es nicht notwendig, irgendwelche Gewohnheiten zu ändern. Deinen übrigen Strombedarf deckst Du weiter über das öffentliche Stromnetz. Günstiger ist es aber, die Anlage größer zu bauen, als für eine hohe Eigenverbrauchsquote notwendig wäre. Denn dann sind die Installationskosten pro Kilowatt Leistung geringer – die Anlage macht sich am Ende schneller für Dich bezahlt, trotz höherer Investitionskosten.

Die Solarstromanlage erzeugt vor allem in den Mittagsstunden mehr Strom, als Du gerade brauchst. Diesen Überschuss kannst Du ins öffentliche Stromnetz einspeisen und dafür die Einspeisevergütung nach EEG in Anspruch nehmen. Alternativ suchst Du Dir einen direkten Abnehmer für Deinen Strom und verkaufst an diesen. Den eingespeisten Strom zu verkaufen, ist wichtig, um die Solaranlage zu refinanzieren. Du musst dies aber nicht tun: Du kannst den Strom auch kostenlos einspeisen. Darüber musst Du dann aber den Netzbetreiber informieren.

Den Eigenverbrauch erhöhen

Du kannst Deinen Eigenverbrauch erhöhen. Ein sogenannter Energiemanager hilft Dir dabei. Das ist ein kleines Gerät, das den Stromverbrauch an die Erzeugung anpasst. Energiemanager werden heute standardmäßig von Installateuren angeboten.
Falls Du noch mehr eigenen Solarstrom nutzen möchtest, kannst Du in einen Batteriespeicher investieren. Mit diesem lässt sich der Eigenverbrauch verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. 60 bis 70 Prozent Deines Strombedarfs kannst Du dann gewöhnlich über Deine Solaranlage decken. Allerdings kosten Batteriespeicher noch mehrere Tausend Euro. Förderprogramme auf Landesebene und von Kommunen helfen, die Investitionskosten zu senken.

Mehr eigenen Strom kannst Du auch verbrauchen, wenn Du mit Strom heizt oder Auto fährst. Betreibst Du eine Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom, ist das wiederum deutlich günstiger, als Wärmestrom für rund 30 Cent pro Kilowattstunde zu kaufen. Das Gleiche gilt für Autostrom.

Günstige Angebote für Kleinanlagen 

Wenn Du keine Investition von mindestens 10.000 Euro stemmen möchtest, kann es schwierig werden, Angebote für kleine netzgekoppelte PV-Anlagen zu erhalten. Denn die Preise für PV-Anlagen von bis zu 6 Kilowatt Leistung sind vergleichsweise hoch – häufig verlangen Handwerksbetriebe 2.000 Euro pro Kilowatt Leistung. Überlege dann, ob auch eine Balkon-Solaranlage für Dich infrage kommt. Diese kannst Du auf der Terrasse aufstellen oder an die Fassade, auf das Dach oder an das Balkongeländer montieren – das sollte günstiger sein, als eine PV-Anlage auf dem Dach installieren zu lassen. 

Wie kommst Du zur passenden netzgekoppelten PV-Anlage?

Willst Du eine PV-Anlage kaufen, dann hole Dir mehrere Angebote von Fachfirmen ein und vergleiche diese. Mit einer Anfrage über ein Vermittlungsportal im Internet kommst Du einfach in Kontakt zu mehreren Firmen auf einmal. Wir empfehlen dabei selfmade-energy und photovoltaik-angebotsvergleich. Diese haben in unserem Test 2021 am besten abgeschnitten.

  • drei bis vier Angebote pro Anfrage
  • nach Hochladen von Fotos liegen Angebote binnen eines Tages vor
  • Nutzer entscheidet, welche Firma er kontaktiert
  • zwei bis fünf Firmen pro Anfrage vermittelt
  • Firmen innerhalb eines Tages vermittelt
  • bei Einverständnis kontaktieren Firmen mehrheitlich Nutzer und erstellen Angebote

Aufgrund hoher Nachfrage nach Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen kann es passieren, dass Dir die beiden Portale nicht sofort mehrere Installationsfirmen vermitteln können. Ist das der Fall, dann wende Dich an die Portale der Deutschen Auftragsagentur (DAA, solaranlagen-portal.com) oder von Interlead (hausfrage.de). 

Beide haben in unserem Test 2020/2021 nicht so gut wie die von uns empfohlenen Portale abgeschnitten. Die Vermittlung von Firmen funktioniert aber auch über diese Portale. Die DAA kann auf ein großes Netzwerk von kooperierenden Handwerksbetrieben zugreifen. Abstriche machten wir im Test vor allem beim Datenschutz. Interlead vermittelte unseren Testkunden zwar ebenfalls bis zu drei Handwerksbetriebe, aber die Testkunden erhielten am Ende weniger Angebote für eine PV-Anlage. Die vermittelten Firmen selbst anzusprechen, war zudem nicht möglich, da keine Kontaktdaten übermittelt wurden. 

Auf welche Details Du in den Angeboten und bei der Planung achten solltest, erläutern wir im Ratgeber PV-Anlage kaufen. Hast Du Dich für ein Angebot entschieden, dann informiere Dich auch, wie Du die PV-Anlage betreiben solltest.

PV-Anlage mieten oder gemeinsam betreiben?

Seit 2012 gibt es Angebote von Energieversorgern und anderen Firmen, die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen auf privaten Dächern errichten und die Anlagen dann an die Eigentümer vermieten. Durch das Mieten der Anlage wirst Du zu ihrem Betreiber. Du kannst den Strom selbst nutzen, Überschüsse ins Stromnetz einspeisen und die EEG-Vergütung beziehen.

Für die Installation und zumeist auch die Wartung der Anlage zahlst Du an den Vermieter eine monatliche Gebühr. Energieversorger vermieten Dir eine Anlage zudem häufig nur dann, wenn Du im Gegenzug den restlichen Strom von diesem Versorger beziehst.

Vorteilhaft ist an solchen Angeboten, dass Du Dich um kaum etwas kümmern musst. Die Finanzierung der Anlage, die Auswahl der Komponenten, die Terminabstimmung mit dem Elektroinstallateur, die Anmeldung beim Netzbetreiber, die Wartung der Anlage – der Anbieter regelt gewöhnlich alles. Aber das lässt er sich auch bezahlen. Die Miete der Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge kostet Dich allerdings auch jeden Monat eine Stange Geld. Bei unserer Untersuchung von Angebotsportalen für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen erhielten wir für unsere Testkunden auch sieben Angebote für eine PV-Anlage zur Miete. Es zeigte sich, dass die Kunden über 20 Jahre insgesamt das Zwei- bis Dreifache zahlen würden, als wenn sie selbst investierten und die Betriebskosten schulterten.

Wenn Du die Investitionssumme von mehreren Tausend Euro für ein System nicht selbst aufbringen kannst oder willst oder Dir die Zeit für die Planung fehlt, kann das Mieten einer PV-Anlage eine Option sein. Prüfe aber darauf, von welchen Annahmen der Anbieter bei seiner Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung ausgeht. Gewöhnlich sind Deine aktuellen Strom­kos­ten die Ausgangsbasis für den Anbieter: Er achtet in der Regel darauf, dass Deine Einsparung beim Strombezug aus dem Netz ein bisschen größer ist als Deine Miete an ihn. Gleichwohl muss er die Miete nicht an Deinen Strom­kos­ten ausrichten – es geht auch günstiger. Wichtig ist zudem, von welchen Strompreisen für gelieferten Strom er in den nächsten 20 Jahren ausgeht. Häufig unterstellen die Anbieter, dass der Strompreis kontinuierlich steigt. Das muss aber nicht eintreten. Schließlich nutzen Anbieter mitunter Bruttopreise für einen Kostenvergleich zwischen Kauf- und Mietanlagen. Das ist aber irreführend, da Du Dir beim Kauf der Anlage die Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis vom Finanzamt zurückerstatten lassen kannst. Die Investitionskosten sind dann niedriger, als es der Dienstleister für Mietanlagen darstellt. Wie Du selbst prüfen kannst, ob ein Angebot für eine PV-Anlage wirtschaftlich für Dich ist, erfährst Du im Ratgeber PV-Anlage kaufen.

Im Mietvertrag sollte zudem geregelt sein, wann Du diesen kündigen kannst, ob Du dann noch einmal Zahlungen an den Vertragspartner leisten sollst und wer für den Abbau der Anlage aufkommt. Nach spätestens 20 Jahren sollte es die Möglichkeit geben, dass die Anlage in Dein Eigentum übergeht.

Beachte zudem: Nicht jedes Dach wollen die Anbieter mit Modulen bestücken. Du bist ein begehrter Kunde, wenn Dein Dach geneigt ist, nach Süden zeigt und eine PV-Anlage dort einfach zu installieren ist. Ist Dein Dach dagegen flach oder nicht so einfach zugänglich oder sitzt ein kleiner Strommast darauf, lehnen die Firmen mitunter ab, Dir ein Angebot zu erstellen. So erging es zumindest drei unserer fünf Testkunden in unserer Untersuchung 2020/2021.

Das solltest Du als Wohnungseigentümer beachten

Wenn Du in Deiner Eigentumswohnung lebst, kannst Du natürlich mit den anderen Wohnungseigentümern im Haus auch eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach errichten. Du hast gegenüber Eigenheimbesitzern aber bislang einen Nachteil: Du musst die EEG-Umlage auf den Solarstrom zahlen. Denn rechtlich gilt als Eigenverbrauch, wenn Anlagenbetreiber und Stromnutzer dieselbe Person sind. Das ist nicht der Fall, wenn Du mit anderen Wohnungseigentümern die Anlage gemeinsam betreibst, aber jeder von Euch den Strom in der eigenen Wohnung nutzt. Den selbst erzeugten Solarstrom nutzt Du dann, als sei es Mieterstrom. Bis Juni 2022 beträgt die EEG-Umlage 3,72 Cent pro Kilowattstunde. Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung fällt sie ab Juli weg – und damit der Nachteil für Wohnungseigentümer mit gemeinsam betriebener PV-Anlage.

Um mehrere Familien zu versorgen, muss die Anlage eine höhere Leistung haben. Es gilt: Je größer eine Solaranlage ist, desto günstiger ist sie pro Kilowatt Leistung. Bei mehr als 10 Kilowatt Leistung liegen günstige Preise bei 900 bis 1.200 Euro pro Kilowatt Leistung (netto). Eine Kilowattstunde Solarstrom erzeugst Du mit Deinen Mitstreitern dann für 8 bis 11 Cent. Mit Mehrwertsteuer sind es 10 bis 13 Cent – das ist deutlich günstiger als der Strom aus dem Netz.

Bei der Installation von Anlagen auf Mehrfamilienhäusern helfen Unternehmen, die sich auf Mieterstrom spezialisiert haben, wie etwa Urbane Energie, Einhundert Energie, Pionierkraft oder Solarimo. Die Dienstleister bieten verschiedene Modelle an:

  • Du verpachtest Dein Dach an den Dienstleister. Er errichtet und betreibt eine PV-Anlage auf dem Dach und liefert den Mietern im Haus Solarstrom, wenn diese es wollen.
  • Du investierst in die PV-Anlage; der Dienstleister plant, errichtet und pachtet sie von Dir. Durch das Pachten wird der Dienstleister Anlagenbetreiber, kann den Solarstrom an Mieter liefern und Du erhältst eine vereinbarte Pachtzahlung.
  • Der Dienstleister plant und installiert die Anlage, aber Du bist Eigentümer und Betreiber. Den Strom verkaufst Du entweder direkt an die Mieter selbst oder an den Dienstleister, der ihn dann an die Mieter weiterverkauft.

In allen Varianten übernimmt der Dienstleister in der Regel auch die Überwachung und Wartung der Anlage und unterstützt Dich bei den administrativen und rechtlichen Pflichten, wenn Du die Anlage selbst betreibst und auch Solarstrom lieferst. Durch Steuerungsgeräte ist es zudem möglich, den erzeugten Solarstrom so zu nutzen, dass so wenig wie möglich ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Willst Du Deinen Nachbarn im Haus nebenan mit Deinem Solarstrom versorgen, ist es möglich, ein Stromkabel zu ihm zu legen. Damit vermeidest Du den Transport über das öffentliche Stromnetz. Dies hat zur Folge, dass keine Netzentgelte anfallen.

Wie nutzt Du PV in einem Haus, das Dir nicht gehört?

Wohnst Du in einem Haus, das Du mietest, kannst Du genauso Solarstrom vom Dach nutzen. Unterschiedliche Konzepte sind möglich.

Du wohnst in einem Einfamilienhaus zur Miete?

Dann kannst Du die Dachfläche von Deinem Vermieter pachten und selbst eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge installieren lassen und den Solarstrom direkt verbrauchen.

Oder Dein Vermieter errichtet die Anlage selbst und vermietet diese an Dich. Dann wirst Du zum Betreiber der Anlage.

In beiden Fällen fallen bei der Nutzung des Stroms keine Umlagen, Abgaben, Netzentgelte und Steuern an, wenn die Anlage nicht mehr als 30 Kilowatt Leistung hat und Du höchstens 30.000 Kilowattstunden Strom im Jahr selbst nutzt.

Du wohnst in einem Zweifamilienhaus zur Miete?

Dann kannst Du auch das Dach pachten und dort eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge betreiben. Einen Teil des Stroms kannst Du an die zweite Partei im Haus liefern. Neben den Erzeugungskosten musst Du auf den gelieferten Strom auch die EEG-Umlage berechnen. Eine andere Möglichkeit ist, Überschüsse ins Stromnetz einzuspeisen und dafür die Einspeisevergütung zu beziehen.

Oder Dein Nachbar oder der Hauseigentümer selbst betreibt eine PV-Anlage auf dem Dach und liefert Dir Strom. Dann wird Dir zwar die EEG-Umlage berechnet. Dennoch sollte der Preis für diesen Mieterstrom deutlich günstiger sein als für die Energie, die Du aus dem Netz beziehst.

Einen Mustervertrag, um ein fremdes Dach zur Installation einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge zu nutzen, bietet der Bundesverband Solarwirtschaft für rund 40 Euro an. Auch einen Leitfaden zur direkten Lieferung von Solarstrom an Nachbarn oder Mieter sowie einen Leitfaden zur Eigenversorgung aus einer gemieteten Anlage bietet der Verband. Auch diese musst Du kaufen. Die Leitfäden enthalten ebenfalls Musterverträge. Du kannst Dich auch an Dienstleister wenden, die Dir beim Anbieten von Mieterstrom helfen. Allerdings richtet sich deren Service eher an Eigentümer von Mehrfamilienhäusern.

Schließlich kannst Du auch als Mieter selbst eine kleine PV-Anlage betreiben – auf dem Balkon oder der Terrasse. Weitere Informationen findest Du in unserem Ratgeber Balkon-Solaranlage.

Möchtest Du auf dem Dach eines anderen Hauses eine PV-Anlage zur Volleinspeisung errichten, kann Du auch das Dach vom Eigentümer pachten. Speist Du den Strom komplett ins Netz ein, hast Du mit den Bewohnern im Haus nichts zu schaffen – sie nutzen Deinen Strom nicht. Auch in diesem Fall kannst Du den Mustervertrag des BSW Solar nutzen. 

Wie kannst Du in einer Mietwohnung Solarstrom nutzen?

PV-Anlagen befinden sich mehrheitlich in Kleinstädten und auf dem Land. Das liegt daran, dass es für einen Eigenheimbesitzer einfacher ist, eine Anlage zu installieren: Er besitzt ein Dach, er muss sich mit niemandem über den Verbrauch des erzeugten Stroms einigen – er kann allein entscheiden. Das ist in großen Mietshäusern anders.

Aber: In Großstädten ist der Strombedarf nicht nur hoch, sondern auch das Potenzial groß, Solarstrom zu erzeugen. Schließlich gibt es viele große Dächer auf Mietshäusern und andere Flächen, die sich eigenen, Solarmodule zu installieren: Terrassen, Balkone, Hausfassaden.

Mieterstrom vom Dach

Auf großen Wohnhäusern ist viel Platz für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen. Auch dort ist es möglich, dass der Betreiber den Bewohnern im Haus den Strom liefert. Bekannt geworden ist dieses Konzept als Mieterstrom. Dabei liefert Dir der Solaranlagenbetreiber nicht nur einen Teil der benötigten Energie, sondern deckt in der Regel Deinen ganzen Bedarf – mit selbst erzeugtem Solarstrom und mit Strom aus dem öffentlichen Netz.

Durch diese Mischkalkulation ist Mieterstrom stets teurer als direkt verbrauchter Solarstrom, aber häufig günstiger als der rein über das öffentliche Netz gelieferte Strom. Dass auf Deinem Mietshaus eine Mieterstromanlage entsteht, kannst Du allerdings beim Eigentümer nur anregen – ob etwas geschieht, hast Du nicht in der Hand. Erhältst Du aber ein Angebot für Mieterstrom, dann schaue es Dir an: In der Regel sind diese Angebote günstig.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, Solarstrom in einer Mietwohnung zu nutzen: über Kleinstanlagen, die Du auf dem Balkon aufstellst. Erlaubt es Dein Vermieter, kannst Du eine solche Anlage auch am Balkon oder der Außenwand montieren. Die Anlage verbindest Du über einen Stecker mit der Steckdose. Den erzeugten Solarstrom kannst Du dann überall in der Wohnung direkt nutzen.

Wie kannst Du Solarmodule ohne Netzanschluss nutzen?

Solarstrom kannst Du darüber hinaus auch erzeugen und verbrauchen, ohne die Module an ein Stromnetz zu koppeln. Ist Dein Gartenhäuschen nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen oder liebäugelst Du mit einem Hausboot, dann kannst Du eine Solaranlage als Inselsystem (auch Off-Grid-System genannt) installieren. Zu einem solchen Inselsystem gehört standardmäßig ein Batteriespeicher, damit Du den am Tag erzeugte Strom auch am Abend nutzen kannst.

Zeltest Du gern, kannst Du auch dafür ein kleines Solarkraftwerk anschaffen. Es gibt Solarkoffer mit ausklappbaren Solarmodulen oder faltbare Solarmodule. Diese haben bis zu 200 Watt Leistung. Anschlussbuchsen sind integriert, damit Du Dein Smartphone, den Laptop oder den Akku eines anderen Geräts laden kannst. Auch für den Elektrorasierer, die elektrische Zahnbürste oder den Rasenmäher reicht die Leistung. Lediglich Elektrogeräte, die mit Wärme arbeiten wie Fön oder Wasserkocher, funktionieren nicht mit einem Solarkoffer – sie brauchen eine höhere Leistung, als dieser bereitstellen kann.

Wo besteht eine Pflicht zum Bau von PV-Anlagen?

In mehreren Bundesländern und Kommunen besteht bereits die Pflicht, auf neu errichteten oder stärker modernisierten Gebäuden, Solarstrom- oder auch Solarwärmeanlagen zu errichten.

Hamburg hat als erstes Bundesland eine PV-Anlagenpflicht beschlossen. Wer ab 2023 ein neues Haus baut, muss eine Solarstromanlage auf dem Dach errichten und betreiben (§ 16 Abs. 2 HmbKliSchG). Die Photovoltaik-Pflicht gilt auch für Altbauten, wenn die äußerste Schicht des Daches (beispielsweise die Ziegel) ab 2025 komplett erneuert wird. Ausgenommen sind Eigentümer lediglich, wenn sie statt einer Solarstromanlage eine solarthermische Anlage errichten oder wenn es technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, eine PV-Anlage zu montieren.

In Baden-Württemberg sind Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen auf Nicht-Wohngebäuden wie Büro- oder Geschäftshäuser zu errichten, wenn der Bauantrag für das Gebäude ab 2022 gestellt wird. Das legt das Klimaschutzgesetz fest (§ 8a KSG BW). Alternativ können Bauherren eine solarthermische Anlage auf dem Gebäude errichten. Die Pflicht greift nicht, wenn die Gebäudefläche zu mehr als 5 Prozent Wohnzwecken dient.

Berlin hat im Juni 2021 eine Solarpflicht beschlossen. Ab 2023 soll jedes neue Gebäude mit mehr als 50 Quadratmeter Nutzfläche eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge installiert bekommen – sowohl Wohnhäuser, als auch Gewerbebauten oder öffentliche Gebäude. Die Solaranlage muss dabei mindestens 30 Prozent der Dachfläche einnehmen. Bei einem stärkeren Umbau des Dachs greift die neue Pflicht auch bei bestehenden Gebäuden. Ausgenommen können denkmalgeschützte Häuser bleiben.

Schleswig-Holstein hat im November 2021 das Energiewende- und Klimaschutzgesetz novelliert. Es besagt, dass auf Büro- oder Geschäftshäusern eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge zu errichten ist, wenn der Bauantrag der Häuser ab 2023 gestellt wird, oder wenn das Dach um mehr als 10 Prozent modernisiert wird.

Ab 2023 gibt es eine Solarpflicht in Rheinland-Pfalz und zwar für Gewerbebauten und Parkplatzflächen ab 50 Stellplätzen, für die der Bauantrag nach Neujahr 2023 eingeht. Das hat der Landtag in Mainz im September 2021 beschlossen.

In Niedersachsen gilt für neu errichtete Gebäude, für die der Bauantrag ab 2023 gestellt wird, eine PV-Pflicht – sowohl für Wohnhäuser als auch Gewerbebauten. Bei gewerblicher Nutzung greift die Pflicht aber nur, wenn das Dach mindestens 75 Quadratmeter groß ist. Dann ist mindestens die Hälfte der Fläche mit Solarmodulen zu belegen. Von der Pflicht ausgenommen sind Bauherren lediglich, wenn ihnen die Installation der Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge technisch oder wirtschaftlich nicht zuzumuten ist oder wenn es auf dem Dach eine solarthermische Anlage gibt. Beschlossen hat der Landtag in Hannover diese Regeln in der Niedersächsischen Bauordnung am 9. November 2021. 

In Bayern liegt ein Entwurf für eine Novelle des Klimaschutzgesetzes vor. Dieses sieht eine Pflicht zum Errichten von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen auf neuen Gebäuden für gewerbliche oder industrielle Nutzung vor, deren Bauantrag ab Juli 2022 gestellt wird. Für alle weiteren Nichtwohngebäude soll die Pflicht 2023 greifen.

Die Bremer Bürgerschaft hat 2020 beschlossen, eine PV-Pflicht einzuführen. Bislang fehlt aber eine gesetzliche Regelung, ab wann und wie diese Pflicht umzusetzen ist.

Die Bundesregierung möchte, dass alle geeigneten Dachflächen künftig für Solaranlagen genutzt werden. Für neue Gewerbebauten soll es eine Pflicht geben. Darüber hinaus schreiben einzelne Städte in Deutschland vor, Solarstromanlagen auf Dachflächen zu errichten, so etwa in Waiblingen und Tübingen.

Unser Podcast zum Thema

Wie umweltfreundlich sind Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen?

Immer wieder machen Falschinformationen zum ökologischen Nutzen von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen die Runde. Wenn Du Dich für eine PV-Anlage interessierst, solltest Du das Folgende über die Herstellung und das Recycling der Module wissen.

1. Welche Materialien in einem Modul stecken

Ein Solarmodul besteht aus einer Glasscheibe, unter der sich die in Folie eingebetteten Solarzellen befinden. Als Rückwand dient entweder eine Glasscheibe oder eine Folie. Die Elektronen fließen über dünne Silberdrähte von den Zellen ab. Die Zellen selbst sind über dünne Schienen miteinander verbunden, die in eine sogenannte Anschlussdose aus Aluminium oder Kunststoff auf der Rückseite münden. Von der Anschlussdose zweigen die Kabel des Moduls ab. Viele Module sind noch in einen Rahmen eingespannt, der in der Regel aus Aluminium besteht. 

Mehr als 90 Prozent der weltweit hergestellten Solarmodule nutzen Solarzellen aus Silizium. Das ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element auf der Erde – es ist in Quarz und Sand enthalten. Sogenannte Dünnschichtmodule enthalten hauchdünne Schichten aus Silizium, Cadmiumtellurid oder Kupfer-Indium-Diselenid (CIS). Diese Module haben meistens keinen Rahmen und besitzen eine Glasrückseite.

2. Herstellung und Energy-Payback-Time

Solarmodule werden überwiegend automatisiert hergestellt: In Produktionsanlagen in riesigen Hallen laufen im Rekordtempo Module vom Band. Die Mitarbeiter in den Fabriken sind vor allem damit beschäftigt, sie zu prüfen und zu verpacken. China stellt weltweit die meisten Module her – vor allem mit Maschinen aus Deutschland und der Schweiz. Weitere größere Herstellerländer sind Japan, Südkorea, Taiwan, Deutschland und die USA.

Die Produktion von Solarmodulen ist energieintensiv. Durch die Massenfertigung in großen Fabriken hat sich die sogenannte Energy-Payback-Time aber deutlich verringert, also die Zeit, die ein Solarmodul benötigt, um die für seine Fertigung aufgewendete Energie elektrisch zu erzeugen. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert die Payback-Time in einer Studie für in Südeuropa installierte Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen aus Silizium-Modulen mit weniger als zwei Jahren. Da die Sonnenstrahlung in Deutschland geringer ist, dauert es hierzulande etwas länger, bis der Energieverbrauch ausgeglichen ist. Deutlich mehr als zwei Jahre sollten es aber nicht sein. Kommen Dünnschichtmodule zum Einsatz, beträgt die Payback-Time weniger als ein Jahr.

3. Recycling

Willst Du Deine Anlage eines Tages wieder abbauen, brauchst Du Dir um die Entsorgung keine Gedanken zu machen: Photovoltaik-Module zählen zu den Elektrogeräten und fallen unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG). Das besagt, dass die Hersteller die Module kostenlos zurücknehmen und recyceln lassen müssen. Als Hersteller zählen dabei nicht nur die tatsächlichen Fabrikanten, sondern auch die Importeure.

Im Idealfall nimmt der Handwerker, der die Anlage abmontiert, die Module gleich mit. Du kannst die Module aber auch selbst zum nächstgelegenen öffentlichen Entsorgungshof bringen und sie dort abliefern – kostenlos.

Das ElektroG schreibt vor, dass mindestens 80 Prozent der in Modulen eingesetzten Materialien für die Wiederverwendung vorzubereiten sind (§ 22 Abs. 1 ElektroG). Tatsächlich schaffen die Recyclingfirmen mehr als 95 Prozent. Kristalline Siliziummodule werden immer feiner zerkleinert und die einzelnen Metalle, der Kunststoff und das Silizium voneinander getrennt. Für die Metalle und das Silizium gibt es Käufer aus der Industrie. Der Kunststoff kann noch in eine Müllverbrennungsanlage gehen.

Aus Dünnschichtmodulen lassen sich nahezu 100 Prozent der Materialien zurückgewinnen – der Anteil von Kunststoffen ist kleiner als bei kristallinen Modulen und fällt damit weniger ins Gewicht.

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