Photovoltaik

Mit eigenem Solarstrom Geld sparen

Ines Rutschmann 15. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Eigener Solarstrom macht Dich unabhängig – und ist günstiger als jeder Stromtarif. Für Elektrizität vom Stromanbieter zahlst Du das Doppelte bis Dreifache.
  • Mit einer Solaranlage auf dem Hausdach kannst Du etwa ein Drittel Deines Bedarfs decken. Mit einem Batteriespeicher verdoppelt sich dieser Anteil.
  • Du hast kein Dach? Auch ein Balkon reicht aus. Mit einer Mini-Anlage erzeugst Du schon ein Zehntel Deines Strombedarfs.
So gehst Du vor
  • Wohnst Du im Eigenheim, lohnt sich eine Solarstromanlage fast immer: Hole mehrere Angebote ein und prüfe, welche Förderprogramme für Dich in Frage kommen.
  • Mietest Du ein Haus, kannst Du das Dach für die Anlage pachten – oder Dein Vermieter baut die Anlage und verpachtet diese an Dich.
  • Möchtest Du eine Mini-Anlage auf dem Balkon aufstellen, hast Du die Vorschriften Deines Netzbetreibers zu beachten.

Am günstigsten ist Strom, wenn Du ihn selbst erzeugst und verbrauchst – mit Photovoltaik-Modulen. Diese wandeln die Energie des Sonnenlichts in elektrische Energie um. Das Charmante an Photovoltaik ist, dass jeder die Technologie nutzen kann – auf dem eigenen Hausdach, auf dem Balkon, im Gartenhäuschen oder beim Zelten. Eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen, kostet Dich etwa 10 bis 14 Cent.

Warum lohnt es sich, Solarstrom selbst zu verbrauchen?

Die Kosten für Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) sind drastisch gesunken – seit 2006 um mehr als 75 Prozent. Günstige, kleine Dachanlagen kosten etwa 1.000 Euro bis 1.400 pro Kilowatt Leistung (netto). Bei diesen Kosten lässt sich in Deutschland Strom für etwa 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde erzeugen.

Was der selbst produzierte Solarstrom kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem vom Preis, zu dem Du eine PV-Anlage kaufst. Mindestens 20 Jahre sind die Systeme in der Regel in Betrieb. Nach zehn bis zwölf Jahren sollte die Anlage die Investitionskosten wieder eingespielt haben – weil Du durch den Eigenverbrauch Stromkosten sparst und weil Du nicht benötigte Energie ins Stromnetz einspeisen kannst und vergütet bekommst.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert Dir einen festen Preis für jede eingespeiste Kilowattstunde über 20 Jahre. Für eine im Oktober 2020 in Betrieb genommene Photovoltaikanlage erhältst Du 8,64 Cent pro Kilowattstunde. Die Einspeisevergütung verringert sich von Monat zu Monat. Voraussichtlich im April 2021 rutscht sie unter 8 Cent pro Kilowattstunde. Trotzdem erzielst Du für die Strommenge, die Du selbst nicht verbrauchen kannst, noch einen hübschen Erlös.

Stärker lohnt es sich aber, den Solarstrom selbst zu verbrauchen. Je nachdem, wie viel Dein Versorger für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet und wie viel Dich Dein eigener Solarstrom kostet, sparst Du 14 bis 20 Cent pro Kilowattstunde. Im Schnitt zahlt jeder Haushalt in Deutschland 31 Cent pro Kilowattstunde Strom. Dass der gelieferte Strom im Vergleich zum selbst erzeugten zwei- bis dreimal so teuer ist, liegt an Steuern, Umlagen, Abgaben und Entgelten. Diese musst Du über den Strompreis zahlen, wenn die Energie über das Netz der öffentlichen Versorgung fließt.

Auf Deinen Eigenverbrauch fallen dagegen weder Abgaben noch Stromsteuer noch Netzentgelte noch vier von fünf Umlagen an; bei Anlagen bis maximal 10 Kilowatt Leistung auch keine EEG-Umlage, solange sie höchstens 10.000 Kilowattstunden produzieren. Lediglich Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch musst Du zahlen, wenn Du der Regelbesteuerung unterliegst.

Da die Strompreise in Deutschland die höchsten in Europa sind, gibt es immer wieder Forderungen, die staatlichen Belastungen abzuschmelzen. Doch selbst wenn die fünf Umlagen auf den Strompreis wegfielen und Stromsteuer und Konzessionsabgabe auf ein Minimum gesenkt würden – Strom aus dem öffentlichen Netz kostete dann immer noch rund 17 Cent pro Kilowattstunde, wenn Netzentgelte, Börsenstrompreise und die Mehrwertsteuer unverändert bleiben. Mit eigenem Solarstrom versorgst Du Dich daher dauerhaft günstiger.

Bist Du längst Solarstromerzeuger, lohnt sich der Eigenverbrauch ebenfalls für Dich – wenn Deine Anlage aus der EEG-Förderung fällt. Was Du dann zu beachten hast, erfährst Du im Ratgeber Einspeisevergütung.

Solarstrom: Mindestens 25 Prozent selbst nutzen, Rest einspeisen

Insgesamt sind in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft rund eine Million kleiner Solarkraftwerke (PV-Anlagen) mit höchstens 10 Kilowatt Leistung auf Hausdächern installiert. Jeden Monat kommen seit März 2020 mehr als 10.000 dazu. Nahezu alle dienen der Eigenversorgung ihrer Betreiber.

Willst auch Du eine PV-Anlage kaufen, dann informiere Dich vorab in unserem Ratgeber darüber, wie Du die PV-Anlage betreiben solltest. 

Eine Photovoltaikanlage kann niemals Deinen kompletten Bedarf decken. Schließlich scheint die Sonne nicht rund um die Uhr. Aber zu durchschnittlich 25 Prozent kannst Du Dich mit eigenem Solarstrom versorgen. Dabei ist es nicht notwendig, irgendwelche Gewohnheiten zu ändern. Deinen übrigen Strombedarf deckst Du weiter über das öffentliche Stromnetz.

Die Solarstromanlage erzeugt vor allem in den Mittagsstunden mehr Strom, als Du gerade brauchst. Diesen Überschuss kannst Du ins öffentliche Stromnetz einspeisen und dafür entweder die Einspeisevergütung nach EEG in Anspruch nehmen. Oder Du suchst Dir einen direkten Abnehmer für Deinen Strom und verkaufst an diesen. Den eingespeisten Strom zu verkaufen, ist wichtig, um die Solaranlage zu refinanzieren. Du musst dies aber nicht tun: Du kannst den Strom auch kostenlos einspeisen. Darüber musst Du dann aber den Netzbetreiber informieren.

Den Eigenverbrauch erhöhen

Du kannst Deinen Eigenverbrauch noch erhöhen. Ein sogenannter Energiemanager hilft Dir dabei. Das ist ein kleines Gerät, das den Stromverbrauch an die Erzeugung anpasst. Energiemanager werden heute standardmäßig von Installateuren angeboten und erhöhen den Eigenverbrauch auf mindestens 30 Prozent.

Falls Du noch mehr eigenen Solarstrom nutzen möchtest, musst Du in einen Batteriespeicher investieren. Mit diesem lässt sich der Eigenverbrauch verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. 60 bis 70 Prozent Deines Strombedarfs kannst Du dann gewöhnlich über Deine Solaranlage decken.

Allerdings kosten Batteriespeicher noch mehrere Tausend Euro. Verschiedene Förderprogramme auf Landesebene und von Kommunen helfen, die Investitionskosten zu senken.

Als Immobilieneigentümer: Photovoltaikanlage kaufen oder mieten?

Seit 2012 gibt es Angebote von Energieversorgern und anderen Firmen, Photovoltaikanlagen auf privaten Dächern zu errichten und die Anlagen an die Eigentümer zu vermieten. Durch das Mieten der Anlage wirst Du zu ihrem Betreiber. Du kannst den Strom selbst nutzen, Überschüsse ins Stromnetz einspeisen und die EEG-Vergütung beziehen.

Für die Installation und zumeist auch die Wartung der Anlage zahlst Du an den Vermieter eine monatliche Gebühr. Energieversorger vermieten Dir eine Anlage zudem häufig nur dann, wenn Du im Gegenzug den restlichen Strom von diesem Versorger beziehst.

Vorteilhaft ist an solchen Angeboten, dass Du Dich um kaum etwas kümmern musst. Die Finanzierung der Anlage, die Auswahl der Komponenten, die Terminabstimmung mit dem Elektroinstallateur, die Anmeldung beim Netzbetreiber, die Wartung der Anlage – der Anbieter regelt gewöhnlich alles. Aber das lässt er sich auch bezahlen. Die Photovoltaikanlage kostet Dich so über die gesamte Betriebsdauer mehr, als wenn Du selbst investierst.

Wenn Du die Investitionssumme von mehreren Tausend Euro für ein System nicht selbst aufbringen kannst oder willst oder Dir die Zeit für die Planung fehlt, kann das Mieten einer PV-Anlage eine Möglichkeit sein. Achte dann aber darauf, dass Du mit den vorhergesagten Einnahmen aus dem Stromverkauf die Anlagenmiete bezahlen kannst. Verlangt der Anbieter mehr, rechnet sich das Angebot nicht.

Auch sollte im Mietvertrag geregelt sein, wann Du diesen kündigen kannst und wer für den Abbau der Anlage aufkommt. Nach spätestens 20 Jahren sollte es die Möglichkeit geben, dass die Anlage in Dein Eigentum übergeht.

Aufsehen erregte die Firma MEP im Jahr 2018: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mahnte sie ab. Das Unternehmen hatte bereits Mietzahlungen einkassiert, bevor Photovoltaikanlagen bei den Kunden errichtet waren. Darüber hinaus kritisierten die Verbraucherschützer die Wirtschaftlichkeitsberechnung. Die angenommene Eigenverbrauchsquote war üppig, die für die Zukunft angenommenen Strompreissteigerungen unrealistisch hoch. Im Februar 2020 hat das (inzwischen unter dem Namen Rex XSPI firmierende) Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Das solltest Du als Wohnungseigentümer beachten

Wenn Du in Deiner Eigentumswohnung lebst, kannst Du natürlich mit den anderen Wohnungseigentümern im Haus auch eine Photovoltaikanlage auf Eurem Dach errichten. Du hast gegenüber Eigenheimbesitzern aber einen Nachteil: Du musst EEG-Umlage auf den Solarstrom zahlen – in voller Höhe von aktuell rund 6,76 Cent pro Kilowattstunde (2021 sind es 6,5 Cent pro Kilowattstunde). Denn rechtlich gilt es nur als Eigenverbrauch, wenn Anlagenbetreiber und Stromnutzer dieselbe Person sind. Das ist nicht der Fall, wenn Du mit anderen Wohnungseigentümern die Anlage gemeinsam betreibst, aber jeder von Euch den Strom in der eigenen Wohnung nutzt. Den selbst erzeugten Solarstrom nutzt Du dann, als sei es Mieterstrom.

Trotz EEG-Umlage sollte sich die PV-Anlage aber für Dich und Deine Mitstreiter lohnen: Um mehrere Familien zu versorgen, muss die Anlage eine höhere Leistung haben. Je größer eine Solaranlage ist, desto günstiger ist sie je installiertem Kilowatt Leistung. Ihr solltet die Anlage daher zu einem günstigen Preis anschaffen und damit Solarstrom erzeugen können. Kostet die Kilowattstunde Solarstrom in der Erzeugung 10 Cent, zahlt Ihr mit EEG-Umlage rund 17 Cent. Mit Mehrwertsteuer kostet Euch der Solarstrom 20 Cent – das ist immer noch deutlich günstiger als der Strom aus dem Netz. Darüber hinaus wird die EEG-Umlage ab 2021 voraussichtlich sinken. Die staatliche Belastung sollte damit jedes Jahr weniger werden.

Bei der Installation von Anlagen auf Mehrfamilienhäusern und den erforderlichen Stromzählern helfen Unternehmen, die sich auf Mieterstrom spezialisiert haben, wie etwa Einhundert Energie oder Solarimo. Auch die Überwachung und Wartung der Anlage können sie übernehmen. 

Wie nutzt Du Photovoltaik im gemieteten Haus?

Wohnst Du in einem Haus, das Du mietest, kannst Du genauso Solarstrom vom Dach nutzen. Unterschiedliche Konzepte sind möglich.

Du wohnst in einem Einfamilienhaus zur Miete?

  • Dann kannst Du die Dachfläche von Deinem Vermieter pachten und selbst eine Photovoltaikanlage installieren lassen und den Solarstrom direkt verbrauchen.
  • Oder Dein Vermieter errichtet die Anlage selbst und vermietet diese an Dich. Dann wirst Du zum Betreiber der Anlage.

In beiden Fällen fallen bei der Nutzung des Stroms keine Umlagen, Abgaben, Netzentgelte und Steuern an, wenn die Anlage nicht mehr als 10 Kilowatt Leistung hat und höchstens 10.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt.

Du wohnst in einem Zweifamilienhaus zur Miete?

  • Dann kannst Du auch das Dach pachten und dort eine Photovoltaikanlage betreiben. Einen Teil des Stroms kannst Du an die zweite Partei im Haus liefern. Neben den Erzeugungskosten musst Du auf den gelieferten Strom auch die EEG-Umlage berechnen. Eine andere Möglichkeit ist, Überschüsse ins Stromnetz einzuspeisen und dafür die Einspeisevergütung zu beziehen.
  • Oder Dein Nachbar oder der Hauseigentümer selbst betreibt eine PV-Anlage auf dem Dach und liefert Dir Strom. Dann wird Dir zwar die EEG-Umlage berechnet. Dennoch sollte der Preis für diesen Mieterstrom deutlich günstiger sein als für die Energie, die Du aus dem Netz beziehst.

Einen Mustervertrag, um ein fremdes Dach zur Installation einer Photovoltaikanlage zu nutzen, bietet der Bundesverband Solarwirtschaft für rund 40 Euro an. Auch einen Leitfaden zur direkten Lieferung von Solarstrom an Nachbarn oder Mieter sowie einen Leitfaden zur Eigenversorgung aus einer gemieteten Anlage bietet der Verband. Auch diese musst Du kaufen. Die Leitfäden enthalten ebenfalls Musterverträge.

Wie kannst Du in einer Mietwohnung direkt Solarstrom nutzen?

PV-Anlagen befinden sich mehrheitlich in Kleinstädten und auf dem Land. Das liegt daran, dass es für einen Eigenheimbesitzer einfacher ist, eine Anlage zu installieren: Er besitzt ein Dach, er muss sich mit niemandem über den Verbrauch des erzeugten Stroms einigen – er kann allein entscheiden. Das ist in großen Mietshäusern anders.

Aber: In Großstädten ist der Strombedarf nicht nur hoch, sondern auch das Potenzial groß, Solarstrom zu erzeugen. Schließlich gibt es viele große Dächer auf Mietshäusern und andere Flächen, die sich eigenen, Solarmodule zu installieren: Terrassen, Balkone, Hausfassaden.

Mieterstrom vom Dach

Auf großen Wohnhäusern ist viel Platz für Photovoltaikanlagen. Auch dort ist es möglich, dass der Betreiber den Bewohnern im Haus den Strom liefert. Bekannt geworden ist dieses Konzept als Mieterstrom. Dabei liefert Dir der Solaranlagenbetreiber nicht nur einen Teil der benötigten Energie, sondern deckt in der Regel Deinen ganzen Bedarf – mit selbst erzeugtem Solarstrom und mit Strom aus dem öffentlichen Netz.

Durch diese Mischkalkulation ist Mieterstrom stets teurer als direkt verbrauchter Solarstrom, aber häufig günstiger als der rein über das öffentliche Netz gelieferte Strom. Dass auf Deinem Mietshaus eine Mieterstromanlage entsteht, kannst Du allerdings beim Eigentümer nur anregen – ob etwas geschieht, hast Du nicht in der Hand. Erhältst Du aber ein Angebot für Mieterstrom, dann schaue es Dir an: In der Regel sind diese Angebote günstig.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, Solarstrom in einer Mietwohnung zu nutzen: über Kleinstanlagen, die Du auf dem Balkon aufstellst.

Wie erzeugst Du Solarstrom auf Deinem Balkon?

Mit einer Kleinstanlage – auch Plug-in-Anlage, Balkon-Modul, steckerfertige Anlage oder Stecker-Solar-Anlage genannt – kannst Du auf dem Balkon Solarstrom erzeugen. Du bringst die Anlage am Balkongeländer an oder stellst sie auf den Balkon und schließt sie an eine Steckdose an – im Idealfall brauchst Du dazu keinen Elektriker. Prüfen solltest Du aber Deinen Mietvertrag, ob das Anbringen von Modulen am Balkon möglicherweise untersagt ist oder ob das Einverständnis Deines Vermieters erforderlich ist.

Sinn und Zweck der Systeme ist, dass Du einen Teil Deines Stroms selbst erzeugen kannst, dadurch weniger Strom aus dem Netz verbrauchst und somit Kosten sparst. Rund 400 Euro (brutto) kosten Systeme mit 275 Watt Leistung – 40 bis 70 Euro Stromkosten kannst Du damit im Jahr sparen. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren hat das Modul damit seine Kosten wieder eingespielt.

In Schleswig-Holstein und in Freiburg gibt es eine Förderung für Balkonmodule. In Freiburg beträgt sie 200 Euro. Das Land Schleswig-Holstein gibt beim Kauf eines Stecker-Solar-Moduls mit 200 bis 600 Watt Leistung ebenfalls 200 Euro oder bis zu 50 Prozent des Kaufpreises dazu – mit solch einem Zuschuss rechnet sich eine Kleinstanlage noch schneller.

Mit welcher Stromproduktion kannst Du rechnen?

Wie viel Du durch ein Balkonmodul sparst, variiert je nachdem, wie viel Strom das Solarmodul erzeugen kann. Das hängt maßgeblich von vier Faktoren ab:

  1. der Himmelsrichtung, in die das Solarmodul zeigt,
  2. dem Neigungswinkel des Solarmoduls gegenüber dem Boden,
  3. der Lage des Balkons im Gebäude sowie
  4. der Sonnenstrahlung am Wohnort.

Wissenschaftler der Hochschule Rosenheim und Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) haben für den Standort Rosenheim ermittelt, wie hoch die Stromerträge auf unterschiedlichen Balkonen sind. Ergebnis: Es wird mehr Strom produziert, wenn das Modul nicht vertikal an der Wand oder am Balkongeländer befestigt ist, sondern schräg auf einem Gestell liegt.

Befindet sich über dem Balkon ein weiterer, verschattet dieser die untere Balkonfläche. Wenn Du einen Südbalkon hast, solltest Du die Module nach Osten oder Westen hängen – dann liegen die Module nicht im Schatten und produzieren mehr Strom, obwohl sie nicht nach Süden zeigen.

Die durch die Simulation ermittelten Erträge stimmen mit den Erfahrungen aus der Praxis überein – vorausgesetzt, der Anlagenbetreiber lebt in der Wohnung mit Balkonmodul. Bist Du häufiger verreist, kannst Du weniger eigenen Solarstrom nutzen. Dann lohnt sich ein Balkonmodul weniger.

Stromertrag von Balkonmodulen je nach Ausrichtung und Neigung

Ausrichtung von Modul und Balkon

Neigungswinkel des Moduls
 90 Grad

70 Grad

Süden auf Süd-Balkon

780 Wh/Watt

980 Wh/Watt

Süden auf Ost-Balkon

476 Wh/Watt

nicht ermittelt

Osten auf Ost-Balkon

572 Wh/Watt

nicht ermittelt

Süden auf West-Balkon

536 Wh/Watt

nicht ermittelt

Westen auf West-Balkon

568 Wh/Watt

nicht ermittelt

Angaben in Wattstunden pro Jahr je Watt Leistung des Moduls
Quelle: Hochschule Rosenheim/DGS: „Erzeugungsprofile, Lastprofile und betriebswirtschaftliche Analyse kleiner PV-Systeme zur direkten Deckung des Eigenverbrauchs“ (Stand: März 2017)

Wie funktionieren steckerfertige Solarmodule?

Sogenannte Stecker-Solar-Systeme kannst Du direkt in die Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon stöpseln. Das darfst Du, wenn das Modul bis zu 600 Watt Leistung hat und wenn eine „spezielle Energiesteckvorrichtung“ vorhanden ist (VDE-Norm 0100-551-1). Was damit gemeint ist, definiert die Norm nicht genau.

Nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) solltest Du aber die folgenden Punkte einhalten, wenn in Deiner Wohnung haushaltsübliche Schutzkontaktsteckdosen (auch Schuko-Steckdose genannt) montiert sind:

  • Du darst die Stecker-Solar-Anlage nur an eine Wandsteckdose schließen, nicht an eine Mehrfach-Verteilersteckdose.
  • Die Steckdose, an die Du das Modul schließt, muss im Anschlusskasten über einen Sicherungsautomaten gesichert sein. Bei Schraubsicherungen muss ein Elektriker eine kleinere Sicherung eindrehen.
  • Damit Du Dir beim Einstöpseln keinen Stromschlag holst, muss die Stecker-Solar-Anlage dem Sicherheitsstandard der DGS entsprechen. Eine Übersicht geprüfter Systeme findest Du hier.

Willst Du mehr als 600 Watt oder mehr als ein Modul an die Steckdose schließen, benötigst Du eine Steckdose vom Typ Wieland. Der dreipolige Stecker ist auf jeden Fall berührungssicher. Bis zu 20 Module mit maximal 4,6 Kilowatt Leistung kannst Du an eine Wieland-Steckdose koppeln. Sie kostet etwa 40 Euro.

Einrechnen musst Du noch die Kosten für den Elektriker, der die Anlage aufbaut. An die Steckdose anschließen kannst Du das Solarmodul dann selbst. Gibt es auf Deinem Balkon noch keine Steckdose, empfiehlt die DGS, direkt eine Wieland-Dose einzubauen.

Sobald das Solarmodul Licht ausgesetzt ist, erzeugt es Strom. Dieser fließt in Dein Hausnetz und speist die Verbrauchsgeräte, die gerade Bedarf haben. Der konstante Strombedarf in einem Haushalt – die sogenannte Grundlast – liegt nach Messungen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in der Regel zwischen 80 und 120 Watt. Erzeugt das Modul mehr Strom, als Du gerade in der Wohnung benötigst, wandert der Strom ins öffentliche Stromnetz.

Als Faustregel gilt: Wenn Du ein Solarmodul hast, das rechnerisch ein Zehntel Deines Strombedarfs decken kann, kannst Du in der Regel etwa 10 Prozent des Solarstroms nicht selbst nutzen. Das trifft beispielsweise zu, wenn Dein Verbrauch bei 2.500 Kilowattstunden im Jahr liegt und Du ein 260-Watt-Modul auf Deinem Süd-Balkon um 70 Grad geneigt installiert hast. Hat das Modul weniger Leistung oder erzeugt weniger Strom pro Watt Leistung, speist Du weniger als 10 Prozent Deines Solarstroms ins Netz, möglicherweise auch nichts.

Was ist zu tun, wenn Du Strom ins Netz speist?

Rechnest Du damit, dass Du kleine Strommengen einspeisen wirst, musst Du Deinen Netzbetreiber informieren. Dein Stromzähler braucht dann eine Rücklaufsperre. Dein Messstellenbetreiber (meist ist das der Netzbetreiber) baut Dir einen solchen Zähler ein. Bei Anlagen mit weniger als 1.000 Watt Leistung sollte dies kostenfrei sein.

Digitale Stromzähler verfügen bereits standardmäßig über eine Rücklaufsperre. Einen eigenen Zähler für eingespeisten Strom oder einen Zweirichtungszähler zu setzen, ist bei Anlagen unter 800 Watt Leistung nicht vorgeschrieben.

Trotzdem gibt es Netzbetreiber, die genau das verlangen: einen Einspeisezähler für kleinste Strommengen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rät seinen Mitgliedsunternehmen zu diesem Verhalten, wenn nicht ausgeschlossen ist, dass ein Kunde Strom ins Netz einspeist. Das Messstellen-Entgelt, quasi die Miete für den Zähler, sollte 20 Euro im Jahr betragen. Für den Einbau des Zählers verlangen die Firmen aber dreistellige Beträge – dann kannst Du die Stecker-Solar-Anlage kaum rentabel betreiben.

Weitere Pflichten beim Betreiben von Stecker-Solar-Anlagen

Stecker-Solar-Anlagen verursachen den geringsten bürokratischen Aufwand unter allen Photovoltaik-Systemen, die ans Stromnetz angeschlossen werden. Wenn Du auf Deinem Dach eine mehr als 1 Kilowatt große PV-Anlage betreibst, musst Du deutlich mehr Pflichten erfüllen, als wenn Du ein Stecker-Solar-System nutzt. Die kleine Anlage musst Du lediglich im Marktstammdatenregister eintragen und bei ihrem Abbau auch wieder austragen.

Und Du solltest Deinen Netzbetreiber über die Anlage in Kenntnis setzen. In Bayern und Nordrhein-Westfalen bieten die Netzbetreiber Formulare zur Anmeldung. Wohnst Du in einem anderen Bundesland, dann schreibe Deinen Netzbetreiber an oder schicke ihm das Meldeformular des VDE für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz.

Darüber hinaus hast Du keine Pflichten; es sei denn, Du beziehst eine Einspeisevergütung für überschüssigen Strom, den Du ins Netz speist. Das lohnt sich kaum und macht den Anlagenbetrieb aufwendiger: Die eingespeiste Strommenge musst Du messen, dem Netzbetreiber melden und auch Einnahmen von ein paar Euro versteuern

Wie kannst Du Solarmodule ohne Netzanschluss nutzen?

Solarstrom kannst Du darüber hinaus auch erzeugen und verbrauchen, ohne die Module an ein Stromnetz zu koppeln. Ist Dein Gartenhäuschen nicht ans öffentliche Stromnetz geschlossen oder liebäugelst Du mit einem Hausboot, dann kannst Du eine Solaranlage als Inselsystem (auch Off-Grid-System genannt) installieren. Zu einem solchen Inselsystem gehört standardmäßig ein Batteriespeicher, damit Du den am Tag erzeugte Strom auch am Abend nutzen kannst.

Zeltest Du gern, kannst Du auch dafür ein kleines Solarkraftwerk anschaffen. Es gibt Solarkoffer mit ausklappbaren Solarmodulen oder faltbare Solarmodule. Diese haben bis zu 200 Watt Leistung. Anschlussbuchsen sind integriert, damit Du Dein Smartphone, den Laptop oder den Akku eines anderen Geräts laden kannst. Auch für den Elektrorasierer, die elektrische Zahnbürste oder den Rasenmäher reicht die Leistung. Lediglich Elektrogeräte, die mit Wärme arbeiten wie Fön oder Wasserkocher, funktionieren nicht mit einem Solarkoffer – sie brauchen eine höhere Leistung, als dieser bereitstellen kann.

Wo besteht eine Pflicht zur Installation von Solarstromanlagen?

Hamburg ist das erste Bundesland, das die Installation von Photovoltaikanlagen vorschreibt. Wer ab 2023 ein neues Haus baut, muss eine Solarstromanlage auf dem Dach errichten und betreiben (§ 16 Abs. 2 HmbKliSchG). Die Photovoltaik-Pflicht gilt auch für Altbauten, wenn die äußerste Schicht des Daches (beispielsweise die Ziegel) ab 2025 komplett erneuert wird. Ausgenommen sind Eigentümer lediglich, wenn sie statt einer Solarstromanlage eine solarthermische Anlage errichten oder wenn es technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, eine PV-Anlage zu montieren.

In Baden-Württemberg ist eine Photovoltaik-Pflicht auf Neubauten ab 2022 vorgesehen, sofern die Fläche zu mindestens 95 Prozent gewerblich genutzt wird – das neue Klimaschutzgesetz wird dazu voraussichtlich Mitte Oktober 2020 in Stuttgart verabschiedet.

Auch die Landesregierungen von Berlin, Bayern und Schleswig-Holstein überlegen, eine Photovoltaik-Pflicht einzuführen. Entsprechende Gesetzesentwürfe liegen aber noch nicht vor. Darüber hinaus schreiben einzelne Städte in Deutschland vor, Solarstromanlagen auf Dachflächen zu errichten, so etwa in Waiblingen und Tübingen.

Wie umweltfreundlich sind Photovoltaikanlagen?

Immer wieder machen Falschinformationen zum ökologischen Nutzen von Photovoltaikanlagen die Runde. Wenn Du Dich für eine PV-Anlage interessierst, solltest Du das Folgende über die Herstellung und das Recycling der Module wissen.

1. Welche Materialien in einem Modul stecken

Ein Solarmodul besteht aus einer Glasscheibe, unter der sich die in Folie eingebetteten Solarzellen befinden. Als Rückwand dient entweder eine Glasscheibe oder eine Folie. Die Elektronen fließen über dünne Silberdrähte von den Zellen ab. Die Zellen selbst sind über dünne Schienen miteinander verbunden, die in eine sogenannte Anschlussdose aus Aluminium oder Kunststoff auf der Rückseite münden. Von der Anschlussdose zweigen die Kabel des Moduls ab. Viele Module sind noch in einen Rahmen eingespannt, der in der Regel aus Aluminium besteht. 

Mehr als 90 Prozent der weltweit hergestellten Solarmodule nutzen Solarzellen aus Silizium. Das ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element auf der Erde – es ist in Quarz und Sand enthalten. Sogenannte Dünnschichtmodule enthalten hauchdünne Schichten aus Silizium, Cadmiumtellurid oder Kupfer-Indium-Diselenid (CIS). Diese Module haben meistens keinen Rahmen und besitzen eine Glasrückseite.

2. Herstellung und Energy-Payback-Time

Solarmodule werden überwiegend automatisiert hergestellt: In Produktionsanlagen in riesigen Hallen laufen im Rekordtempo Module vom Band. Die Mitarbeiter in den Fabriken sind vor allem damit beschäftigt, sie zu prüfen und zu verpacken. China stellt weltweit die meisten Module her – vor allem mit Maschinen aus Deutschland und der Schweiz. Weitere größere Herstellerländer sind Japan, Südkorea, Taiwan, Deutschland und die USA.

Die Produktion von Solarmodulen ist energieintensiv. Durch die Massenfertigung in großen Fabriken hat sich die sogenannte Energy-Payback-Time aber deutlich verringert, also die Zeit, die ein Solarmodul benötigt, um die für seine Fertigung aufgewendete Energie elektrisch zu erzeugen. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert die Payback-Time in einer Studie für in Südeuropa installierte Photovoltaikanlagen aus Silizium-Modulen mit weniger als zwei Jahren. Da die Sonnenstrahlung in Deutschland geringer ist, dauert es hierzulande etwas länger, bis der Energieverbrauch ausgeglichen ist. Deutlich mehr als zwei Jahre sollten es aber nicht sein. Kommen Dünnschichtmodule zum Einsatz, beträgt die Payback-Time weniger als ein Jahr.

3. Recycling

Willst Du Deine Anlage eines Tages wieder abbauen, brauchst Du Dir um die Entsorgung keine Gedanken zu machen: Photovoltaik-Module zählen zu den Elektrogeräten und fallen unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG). Das besagt, dass die Hersteller die Module kostenlos zurücknehmen und recyceln lassen müssen. Als Hersteller zählen dabei nicht nur die tatsächlichen Fabrikanten, sondern auch die Importeure.

Im Idealfall nimmt der Handwerker, der die Anlage abmontiert, die Module gleich mit. Du kannst die Module aber auch selbst zum nächstgelegenen öffentlichen Entsorgungshof bringen und sie dort abliefern – kostenlos.

Das ElektroG schreibt vor, dass mindestens 80 Prozent der in Modulen eingesetzten Materialien für die Wiederverwendung vorzubereiten sind (§ 22 Abs. 1 ElektroG). Tatsächlich schaffen die Recyclingfirmen mehr als 95 Prozent. Kristalline Siliziummodule werden immer feiner zerkleinert und die einzelnen Metalle, der Kunststoff und das Silizium voneinander getrennt. Für die Metalle und das Silizium gibt es Käufer aus der Industrie. Der Kunststoff kann noch in eine Müllverbrennungsanlage gehen.

Aus Dünnschichtmodulen lassen sich nahezu 100 Prozent der Materialien zurückgewinnen – der Anteil von Kunststoffen ist kleiner als bei kristallinen Modulen und fällt damit weniger ins Gewicht.

Autor
Ines Rutschmann

15. Oktober 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.