Unfallschaden selbst bezahlen

Unfallschäden selbst bezahlen lohnt sich oft

Kathrin Gotthold
Expertin für Versicherungen
22. Oktober 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder einen Vollkaskoschaden bezahlt, steigt im Folgejahr in der Regel der Beitrag, weil Du Schadenfreiheitsklassen verlierst und damit der Rabatt sinkt.
  • Es dauert Jahre, bis Du wieder auf der alten Rabattstufe bist.
  • Als Faustregel gilt: Es ist günstiger, Haftpflichtschäden bis etwa 1.500 Euro und Vollkaskoschäden bis 1.300 Euro selbst zu bezahlen.
So gehst Du vor
  • Frage im Schadensfall bei Deinem Versicherer nach, ob es sich für Dich auszahlt, den Schaden selbst zu bezahlen. Die Versicherung muss Dir das ausrechnen.
  • Halte am besten stets Rücklagen für Unfälle auf Deinem Tagesgeldkonto bereit.
  • Du kannst auch einen Rabattschutz in Deinem Vertrag vereinbaren.
  • Es lohnt sich auch der Wechsel der Versicherung, selbst wenn Du im Schadensfall zurückgestuft wurdest.
  • Finanztip-Empfehlung bei der Suche nach einer guten Autoversicherung: Am meisten kannst Du sparen, indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst. Berechne zunächst die günstigste Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Und lass Dir dann ein Angebot von der Huk24 machen.

Ohne Rückfahrkamera oder Abstandsmesser kann es beim Einparken auch mal knirschen. Und schon sind der eigene Kotflügel und der des Parkplatznachbarn verschrammt. Selbst kleine Kratzer zu beseitigen, kann schnell Hunderte Euro kosten. Gut, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden beim Nachbarn übernimmt und die Vollkaskoversicherung den Schaden an Ihrem eigenen Auto. 

Doch jedes Mal, wenn die Autoversicherung einen solchen Schaden reguliert, verlierst Du einen Teil Deines sogenannten Schadenfreiheitsrabatts.

Bis zu welcher Höhe solltest Du den Schaden selbst bezahlen?

Wie viel Schadenfreiheitsrabatt genau Du verlierst, lässt sich den Tabellen in den jeweiligen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen entnehmen. So stuft beispielsweise die Huk-Coburg nach nur einem Schaden in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung einen Fahrer aus der höchsten Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) 35 auf 20 herab. Wer ehemals in der SF-Klasse 10 war, landet nach einem Haftpflichtschaden in der SF-Klasse 3. 

Dadurch steigt der Beitrag im folgenden Jahr, und zwar deutlich. Bis das alte Rabatt-Niveau wieder erreicht ist, musst Du erneut jahrelang unfallfrei unterwegs sein.

Finanztip hat im Oktober 2014 anhand der zehn häufigsten Automarken und der zehn größten Kfz-Versicherungen ausgerechnet, bis zu welcher Grenze es sich durchschnittlich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen. 

Kfz-Haftpflichtschaden - Falls Du bei jemand anders einen Schaden verursachst, solltest Du ihn bis zu einer Höhe von durchschnittlich etwa 1.500 Euro selbst bezahlen.

Kfz-Vollkaskoschaden - Einen Schaden am eigenen Auto selbst zu bezahlen, lohnt sich im Durchschnitt bis zu einer Höhe von rund 1.300 Euro.

Ob es sich in Deinem individuellen Fall lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, muss Dein Versicherer auf Nachfrage ausrechnen. Alternativ kannst Du dazu den Rechner der Stiftung Warentest benutzen. Manche Versicherungen bieten einen guten Service und informieren die Kunden automatisch, wenn sich die Selbstzahlung lohnt. Andere hingegen schlagen die Selbstbezahlung nur pauschal bis zu einem Schaden von 1.000 Euro vor. In der Regel geht dabei der Versicherer in Vorleistung und reguliert den Schaden. Du hast dann sechs Monate oder bis zum Jahresende Zeit, Dir zu überlegen, den Schaden doch selbst zu bezahlen („zurückkaufen“). 

Dazu musst Du der Versicherung das Geld überweisen. Verschiedene Versicherer berichten, dass sich die Mehrzahl der Versicherten dagegen entscheidet. Wir raten jedoch ganz klar: Sofern es finanziell möglich ist, solltest Du den Schaden zurückkaufen.

Beispielrechung Rückstufung bei der Huk24

 HaftpflichtVollkasko
aktuelle SF-Klasse¹99
Jahresbeitrag146 €154 €
Selbstbeteiligung in der Vollkasko 500 €
Rückstufung bei Schaden auf SF-Klasse²35
Grenzwert für Selbstregulierung³837 €1.099 €
Jahresbeitrag neu198 €175 €

¹Schadenfreiheitsklasse
²Wird vom Versicherer vorgegeben
³Berechnung mit Rechner der Stiftung Warentest, wird sonst auch vom Versicherer berechnet.
Quelle: Ver­si­che­rungs­be­din­gungen der Huk24, Stiftung Warentest, Finanztip-Berechnung (Stand: 28. September 2018)

Der in der Tabelle angegebene Grenzwert entspricht dem Betrag, den Du in den kommenden Jahren mehr an Beiträgen zahlst.

Gerade in dem Bereich zwischen SF-Klasse 3 und SF-Klasse 13 verändert sich der Beitragssatz am Beispiel der Huk24 in der Kfz-Haftpflicht verringert sich der Beitragssatz um 21 Prozentpunkte. Erst wenn Du besser als SF-Klasse 13 eingestuft bist, verringern sich die Unterschiede im Beitragssatz so sehr, dass es weniger entscheidend ist, in welcher SF-Klasse Du nun genau eingestuft bist.

Wie kannst Du Deine Schadenfreiheitsklasse retten?

Um zu vermeiden, dass die Versicherung Deine Schadenfreiheitsklasse herabstuft und damit Dein Versicherungsbeitrag teurer wird, gibt es folgende Tipps.

Zahle den Schaden gleich selbst

Du solltest als Autobesitzer einen Betrag von etwa 3.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto vorhalten. Dieses Geld dürfte reichen, um nach einem Unfall Schäden bezahlen zu können. Für den Schaden beim Unfallgegner solltest Du gedanklich 1.500 Euro einplanen, für Schäden an Deinem Auto 1.300 Euro. Hast Du ein teureres Auto, plane für Deinen Kaskoschaden etwas mehr ein, bei einem günstigen Auto ein bisschen weniger. Dieses Geldpolster solltest Du zusätzlich zu Deinen normalen Rücklagen anlegen.

Die wenigsten Unfallgegner lassen sich darauf ein, sich den Schaden direkt von Dir bezahlen zu lassen. Viel üblicher ist, dass sich der Geschädigte an Deine Versicherung wendet. Damit ist Deine SF-Klasse aber noch nicht automatisch ruiniert. Mehr dazu im nächsten Tipp.

Kaufe Deinen Schadenfreiheitsrabatt zurück

Wenn Du einen Schaden von der Versicherung hast regulieren lassen und danach feststellst, dass günstiger gewesen wäre, sich selbst darum zu kümmern, kannst Du bei manchen Versicherern einen Schaden zurückkaufen. Das bedeutet: Du zahlst den erhaltenen Schadensausgleich an den Anbieter zurück, und er stuft Dich wieder in Deine vorherige Schadenfreiheitsklasse ein. Diese Möglichkeit hast Du je nach Anbieter bis zu sechs oder zwölf Monate, nachdem Du den Schaden eingereicht hast.

Damit musst Du nicht nach jedem Schaden sofort entscheiden, ob Du ihn selber zahlen willst. Es wäre sehr ärgerlich, wenn Du das Geld an die Versicherung gezahlt hast und in der folgenden Zeit noch zwei Unfälle baust. Dann waren Deine Bemühungen um Deine SF-Klasse nämlich umsonst. Das Geld bekommst Du aber nicht von der Versicherung zurück.

Wähle die Option Rabattschutz im Vertrag

Du kannst Dich aber auch für einen sogenannten Rabattschutz entscheiden. Er sorgt dafür, dass Du mindestens einen Schaden im Jahr „frei“ hast, also nicht hochgestuft wirst. Allerdings bindest Du Dich damit an Deinen Anbieter. Denn bei einem Wechsel der Kfz-Versicherung würdest Du so eingestuft, als hättest Du keinen Rabattschutz gehabt. 

Dennoch empfehlen wir Dir diese Option. Gerade wenn Du noch eine einstellige SF-Klasse hast, erhöht die Rückstufung eines Schadens den Beitragssatz merklich. So stuft beispielsweise die Huk24 nach einem Schaden aus der SF-Klasse 9 in die SF-Klasse 2 zurück. Dann zahlst Du  ab Januar im Jahr 21 Prozentpunkte mehr.

Bist Du aber bereits bei SF-Klasse 20 angekommen, trifft Dich eine Rückstufung nicht mehr so hart. Dann landest Du nach der Rückstufung bei SF-Klasse 9 und zahlst 13 Prozentpunkte mehr.

So haben wir gerechnet

Wir haben im Oktober 2014 in 98 Musterfällen berechnet, bis zu welchem Betrag es sich lohnt, einen Schaden selbst zu zahlen – jeweils bei einem Haftpflicht- und bei einem Vollkaskoschaden. Die Berechnung beruht auf 

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherern, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der Bafin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der Schadenfreiheitsklassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV)
  • sowie folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1.1.1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko 150 Euro beziehungsweise nur Haft­pflicht­ver­si­che­rung.

Außerdem haben wir Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest herangezogen, das die Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur Schadenfreiheitsklasse 35 berechnet. Dabei kommt heraus: genau 1.531 Euro im Haftpflichtschadensfall sowie 1.308 Euro im Vollkaskofall, was wir aufgrund der Modellannahmen als Faustregel auf 1.500 und 1.300 Euro gerundet haben.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

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