Unfallschaden selbst bezahlen

Unfallschäden selbst bezahlen lohnt sich oft

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder einen Vollkaskoschaden bezahlt, steigt im Folgejahr in der Regel der Beitrag, weil Sie Schadenfreiheitsklassen verlieren und damit der Rabatt sinkt.
  • Es dauert Jahre, bis Sie wieder auf der alten Rabattstufe sind.
  • Als Faustregel gilt: Es ist günstiger, Haftpflichtschäden bis etwa 1.500 Euro und Vollkaskoschäden bis 1.300 Euro selbst zu bezahlen.

So gehen Sie vor

  • Fragen Sie im Schadensfall bei Ihrem Versicherer nach, ob es sich für Sie auszahlt, den Schaden selbst zu bezahlen. Die Versicherung muss Ihnen das ausrechnen.
  • Halten Sie am besten stets Rücklagen für Unfälle auf Ihrem Tagesgeldkonto bereit.
  • Sie können auch einen Rabattschutz in Ihrem Vertrag vereinbaren.
  • Es lohnt sich auch der Wechsel der Versicherung, selbst wenn Sie im Schadensfall zurückgestuft wurden.
  • Sparen Sie mit einer Kombination aus Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf Check24 oder Verivox. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24.
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Ohne Rückfahrkamera oder Abstandsmesser kann es beim Einparken auch mal knirschen. Und schon sind der eigene Kotflügel und der des Parkplatznachbarn verschrammt. Selbst kleine Kratzer zu beseitigen, kann schnell Hunderte Euro kosten. Gut, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden beim Nachbarn übernimmt und die Vollkaskoversicherung den Schaden an Ihrem eigenen Auto. 

Doch jedes Mal, wenn die Autoversicherung einen solchen Schaden reguliert, verlieren Sie einen Teil Ihres sogenannten Schadenfreiheitsrabatts.

Bis zu welcher Höhe sollten Sie den Schaden selbst bezahlen?

Wie viel Schadenfreiheitsrabatt genau Sie verlieren, lässt sich den Tabellen in den jeweiligen Versicherungsbedingungen entnehmen. So stuft beispielsweise die Huk-Coburg nach nur einem Schaden in der Haftpflichtversicherung einen Fahrer aus der höchsten Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) 35 auf 20 herab. Wer ehemals in der SF-Klasse 10 war, landet nach einen Haftpflichtschaden in der SF-Klasse 3. 

Dadurch steigt der Beitrag im folgenden Jahr, und zwar deutlich. Bis das alte Rabatt-Niveau wieder erreicht ist, müssen Sie erneut jahrelang unfallfrei unterwegs sein.

Finanztip hat im Oktober 2014 anhand der zehn häufigsten Automarken und der zehn größten Kfz-Versicherungen ausgerechnet, bis zu welcher Grenze es sich durchschnittlich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen. 

Kfz-Haftpflichtschaden - Falls Sie bei jemand anders einen Schaden verursachen, sollten Sie ihn bis zu einer Höhe von durchschnittlich etwa 1.500 Euro selbst bezahlen.

Kfz-Vollkaskoschaden - Einen Schaden am eigenen Auto selbst zu bezahlen, lohnt sich im Durchschnitt bis zu einer Höhe von rund 1.300 Euro.

Ob es sich in Ihrem individuellen Fall lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, muss Ihr Versicherer auf Nachfrage ausrechnen. Alternativ können Sie dazu den Rechner der Stiftung Warentest benutzen. Manche Versicherungen bieten einen guten Service und informieren die Kunden automatisch, wenn sich die Selbstzahlung lohnt. Andere hingegen schlagen die Selbstbezahlung nur pauschal bis zu einem Schaden von 1.000 Euro vor. In der Regel geht dabei der Versicherer in Vorleistung und reguliert den Schaden. Sie haben dann sechs Monate oder bis zum Jahresende Zeit, sich zu überlegen, den Schaden doch selbst zu bezahlen („zurückkaufen“). 

Dazu müssen Sie der Versicherung das Geld überweisen. Verschiedene Versicherer berichten, dass sich die Mehrzahl der Versicherten dagegen entscheidet. Wir raten jedoch ganz klar: Sofern es finanziell möglich ist, sollten Sie den Schaden zurückkaufen.
 

Beispielrechung Rückstufung bei der Huk24

Haftpflicht Vollkasko
aktuelle SF-Klasse¹9 9
Jahresbeitrag146 € 154 €
Selbstbeteiligung in der Vollkasko 500 €
Rückstufung bei Schaden auf SF-Klasse²3 5
Grenzwert für Selbstregulierung³837 € 1.099 €
Jahresbeitrag neu198 € 175 €

¹Schadenfreiheitsklasse
²Wird vom Versicherer vorgegeben
³Berechnung mit Rechner der Stiftung Warentest, wird sonst auch vom Versicherer berechnet.

Quelle: Versicherungsbedingungen der Huk24, Stiftung Warentest, Finanztip-Berechnung (Stand: 28. September 2018)

Der in der Tabelle angegebene Grenzwert entspricht dem Betrag, den Sie in den kommenden Jahren mehr an Beiträgen zahlen.

Gerade in dem Bereich zwischen SF-Klasse 3 und SF-Klasse 13 verändert sich der Beitragssatz am Beispiel der Huk24 in der Kfz-Haftpflicht verringert sich der Beitragssatz um 21 Prozentpunkte. Erst wenn Sie besser als SF-Klasse 13 eingestuft sind, verringern sich die Unterschiede im Beitragssatz so sehr, dass es weniger entscheidend ist, in welcher SF-Klasse Sie nun genau eingestuft sind.

Wie können Sie Ihre Schadenfreiheitsklasse retten?

Um zu vermeiden, dass die Versicherung Ihre Schadenfreiheitsklasse herabstuft und damit Ihr Versicherungsbeitrag teurer wird, gibt es folgende Tipps:

Zahlen Sie den Schaden gleich selbst

Sie sollten als Autobesitzer einen Betrag von etwa 3.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto vorhalten. Dieses Geld dürfte reichen, damit Sie nach einem Unfall die Schäden bezahlen zu können. Für den Schaden beim Unfallgegner sollten Sie gedanklich 1.500 Euro einplanen, für Schäden an Ihrem Auto 1.300 Euro. Haben Sie ein teureres Auto, planen Sie für Ihren Kaskoschaden etwas mehr ein, bei einem günstigen Auto ein bisschen weniger. Dieses Geldpolster sollten Sie zusätzlich zu Ihren normalen Rücklagen anlegen.

Die wenigsten Unfallgegner lassen sich darauf ein, sich den Schaden direkt von Ihnen bezahlen zu lassen. Viel üblicher ist, dass sich der Geschädigte an Ihre Versicherung wendet. Damit ist Ihre SF-Klasse aber noch nicht automatisch ruiniert. Mehr dazu im nächsten Tipp.

Kaufen Sie Ihren Schadenfreiheitsrabatt zurück

Wenn Sie einen Schaden von der Versicherung haben regulieren lassen und danach feststellen, dass günstiger gewesen wäre, sich selbst darum zu kümmern, können Sie bei manchen Versicherern einen Schaden zurückkaufen. Das bedeutet: Sie zahlen den erhaltenen Schadensausgleich an den Anbieter zurück, und er stuft Sie wieder in Ihre vorherige Schadenfreiheitsklasse ein. Diese Möglichkeit haben Sie je nach Anbieter bis zu sechs oder zwölf Monate, nachdem Sie den Schaden eingereicht haben.

Damit müssen Sie nicht nach jedem Schaden sofort entscheiden, ob Sie ihn selber zahlen wollen. Es wäre sehr ärgerlich, wenn Sie das Geld an die Versicherung gezahlt haben und in der folgenden Zeit noch zwei Unfälle bauen. Dann waren Ihre Bemühungen um Ihre SF-Klasse nämlich umsonst. Das Geld bekommen Sie aber nicht von der Versicherung zurück.

Wählen Sie die Option Rabattschutz im Vertrag

Sie können sich aber auch für einen sogenannten Rabattschutz entscheiden. Er sorgt dafür, dass Sie mindestens einen Schaden im Jahr „frei“ haben, also nicht hochgestuft werden. Allerdings binden Sie sich damit an Ihren Anbieter. Denn bei einem Wechsel der Kfz-Versicherung würden Sie so eingestuft, als hätten Sie keinen Rabattschutz gehabt. 

Dennoch empfehlen wir Ihnen diese Option. Gerade wenn Sie noch eine einstellige SF-Klasse haben, erhöht die Rückstufung eines Schadens den Beitragssatz merklich. So stuft beispielweise die Huk24 nach einem Schaden aus der SF-Klasse 9 in die SF-Klasse 2 zurück. Dann zahlen Sie ab Januar im Jahr 21 Prozentpunkte mehr.

Sind Sie aber bereits bei SF-Klasse 20 angekommen sind, trifft Sie eine Rückstufung nicht mehr so hart. Dann landen Sie nach der Rückstufung bei SF-Klasse 9 und zahlen 13 Prozentpunkte mehr.

So haben wir gerechnet

Wir haben im Oktober 2014 in 98 Musterfällen berechnet, bis zu welchem Betrag es sich lohnt, einen Schaden selbst zu zahlen – jeweils bei einem Haftpflicht- und bei einem Vollkaskoschaden. Die Berechnung beruht auf 

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherern, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der Bafin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der Schadenfreiheitsklassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV)
  • sowie folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1.1.1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko 150 Euro beziehungsweise nur Haftpflichtversicherung.
  • Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest, das die Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur Schadenfreiheitsklasse 35 berechnet.
  • Dabei kommt heraus: Genau 1.531 Euro im Haftpflichtschadensfall sowie 1.308 Euro im Vollkaskofall, was wir aufgrund der Modellannahmen als Faustregel auf 1.500 und 1.300 Euro gerundet haben.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Silke Kursawe
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.