Gaspreise

Auf welchen Teil vom Gaspreis Sie Einfluss nehmen können

Arne Düsterhöft
& Co-Autor
Stand: 29. November 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Gaspreis setzt sich aus den Kosten für Einkauf und Vertrieb des Brennstoffs, den Entgelten für den Transport sowie Steuern, Umlagen und Abgaben zusammen.
  • Durch einen Gasanbieter-Wechsel können Sie Ihre Gaskosten senken – indem Sie zu einem Lieferanten mit geringeren Ausgaben für Gaseinkauf und Vertrieb gehen.
  • Die Importpreise für Erdgas sind seit Januar 2019 stark gefallen. Seit Jahresbeginn 2019 haben aber viele Versorger ihre Verbraucherpreise erhöht.
So gehen Sie vor
  • Gastarife unterscheiden sich in der Regel um bis zu 2 Cent pro Kilowattstunde. Aufgrund der hohen Verbräuche beim Heizen lohnt sich ein Tarifwechsel häufig.
  • Bei der Suche nach einem passenden Tarif empfehlen wir Ihnen, mit unserem Finanztip-Gasrechner Preise zu vergleichen.

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  • Als Hauskäufer und beim Modernisieren der Heizungsanlage sollten Sie die Kosten der möglichen Energieträger im Blick haben. Auf Erdgas zahlen Sie ab 2021 einen CO2-Preis, auf Holz und Strom zum Betrieb einer Wärmepumpe nicht.
  • Wohnen Sie in einem Haus mit Gaszentralheizung, können Sie den Lieferanten nicht selbst bestimmen. Dann sollten Sie aber Ihre jährliche Heizkostenabrechnung prüfen.

Erdgas ist beim Heizen der vorherrschende Brennstoff: Mehr als jeder zweite Haushalt in Deutschland wärmt damit seine vier Wände auf. Rund 85 Prozent seines Gasverbrauchs benötigt ein Haushalt für die Heizung. Nur etwa 14 Prozent werden für Warmwasser gebraucht und lediglich 1 Prozent zum Kochen.

Aus welchen Bestandteilen setzt sich der Gaspreis zusammen?

Wie viel Sie Gas kostet, hängt davon ab, wie viel Sie verbrauchen. Aber auch die Region, in der Sie leben, spielt eine Rolle, und ob Sie selbst einen Vertrag mit einem Versorger schließen können oder dies Ihrem Vermieter zufällt.

Wohnen Sie zur Miete und versorgt Sie eine Gaszentralheizung mit Wärme, läuft der Gasliefervertrag auf Ihren Vermieter. Über die Heizkostenabrechnung reicht er aber die Ausgaben an Sie weiter. Prüfen Sie diese regelmäßig. Stellen Sie fest, dass der Gaspreis auf der Abrechnung hoch ist, dann fordern Sie Ihren Vermieter zum Gasanbieter-Wechsel auf.

Wohnen Sie im Ein- oder Zweifamilienhaus oder verfügen Sie über eine Gasetagenheizung, sind Sie selbst Vertragspartner des Gasanbieters. Dann ist ebenfalls entscheidend, welche Art Vertrag Sie schließen – ob Sie grundversorgt sind oder einen Sondervertrag haben. Haben Sie nicht bewusst Ihren aktuellen Tarif abgeschlossen, werden Sie automatischen vom Grundversorger beliefert. Wenn Sie noch nie Ihren Gasanbieter gewechselt haben, lohnt es sich auf jeden Fall, die Preise verschiedener Unternehmen zu vergleichen. Denn die Tarife in der Grundversorgung sind in der Regel teurer als in einem Sondervertrag.

Schon beim Wechsel Ihres Gasanbieters in einen Sondervertrag beim Grundversorger lässt sich daher fast immer Geld sparen. Noch mehr ist oft drin, wenn Sie zu einem anderen Anbieter gehen. Prüfen Sie, wie groß Ihre Ersparnis sein kann. Die Abfrage über unseren Finanztip-Gasrechner dauert nur eine Minute. Zudem ist er so eingestellt, dass Sie nur verbraucherfreundliche Angebote sehen.

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Der Finanztip-Gasrechner basiert auf Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Sie ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommen. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

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Schließen Sie über Verivox oder Check24 den Vertrag ab, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt aber in der Regel erst zustande, wenn Sie der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Das sind die Bestandteile des Gaspreises

Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus drei Bestandteilen zusammen: den Beschaffungs- und Vertriebskosten des Anbieters, den Netzentgelten des Netzbetreibers sowie Steuern und Abgaben an den Staat.

Beschaffung und Vertrieb - Rund die Hälfte Ihrer Gaskosten geht an Ihren Gasanbieter. Dieser kauft das Gas auf dem Großmarkt ein, lagert es in Gasspeichern und gibt es an die Haushalte weiter. In der Regel arbeitet Ihr Gasanbieter mit anderen Unternehmen für Lieferung und Speicherung zusammen. Diese rund 50 Prozent bestimmen die Gewinnspanne der einzelner Anbieter. Es ist dieser Bestandteil des Gaspreises, bei dem Sie durch einen Anbieterwechsel sparen können.

Netzentgelt - Etwa ein Viertel der Gasrechnung gibt Ihr Anbieter an den Gasnetzbetreiber weiter. Im Prinzip handelt es sich um eine Gebühr, damit das Gas über das öffentliche Netz zu Ihnen strömen kann. Über das Netzentgelt zahlen Sie für den Transport des Erdgases.

Je Einzugsgebiet gibt es jeweils nur einen einzigen Netzbetreiber. Da er somit ein Monopol im regionalen Gasnetz besitzt, bestimmen die Regulierungsbehörden der Länder das Netzentgelt alle fünf Jahre neu. Es beinhaltet auch Kosten für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung. Da die Wartung, der Ausbau und der Betrieb des Gasnetzes je nach Gebiet unterschiedlich viel kosten, zahlen Sie als Verbraucher je nach Region unterschiedlich viel für die Netznutzung.

Steuern, Umlagen und Abgaben - Das verbleibende Viertel des Gaspreises geht an den Staat. Einerseits werden 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Nettopreis aufgerechnet. Andererseits zahlen Sie bei jeder verbrauchten Kilowattstunde 0,55 Cent Erdgassteuer, ähnlich wie bei Kohle oder Heizöl. Diese Energiesteuer dient analog zur Stromsteuer dazu, umweltschonendes Verhalten zu fördern.

Darüber hinaus bekommen die Kommunen eine Konzessionsabgabe, damit der Netzbetreiber den Boden der Gemeinden für das Gasnetz nutzen darf. In allen Sonderverträgen beträgt die Konzessionsabgabe 0,03 Cent pro Kilowattstunde. Befinden Sie sich in der Grundversorgung, ist die Abgabe höher: 0,22 bis 0,93 Cent pro Kilowattstunde sind dann zu zahlen. Die Höhe richtet sich nach der Größe der Kommune, in der Sie leben und ob Sie das Gas zum Heizen oder nur zum Kochen und für Warmwasser nutzen (§ 2 Abs. 2 Punkt 2 KAV).

Seit Oktober 2018 gibt es eine Umlage, die Sie über den Gaspreis bezahlen: die Bilanzierungsumlage. Sie beträgt bis Ende September 2019 rund 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Zum 1. Oktober 2019 sinkt sie auf weniger als 0,03 Cent pro Kilowattstunde.

Die Bilanzierungsumlage deckt die Kosten, die bei der Umstellung von L-Gas auf das energiereichere H-Gas anfallen. Die beiden Verantwortlichen für die Marktgebiete in Deutschland, die Firmen Gaspool und Netconnect Germany, berechnen die Umlage.

Was zahlen Verbraucher für Erdgas?

Im Schnitt verbraucht laut aktuellem Heizspiegel ein Haushalt mit einer Gasheizung rund 143 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. Misst Ihre Wohnung 90 Quadratmeter, brauchen Sie rund 13.000 Kilowattstunden Gas im Jahr. Beim Grundversorger wurden dafür 2019 nach Angaben der Bundesnetzagentur im Durchschnitt etwa 79 Euro pro Monat fällig. Nach einem Anbieterwechsel kostete die gleiche Menge 67 Euro monatlich – 20 Euro weniger im Monat.

Die Schere zwischen den Preisen in der Grundversorgung und jenen in Lieferverträgen mit anderen Anbietern geht weit auseinander und hat sich 2019 noch weiter geöffnet. Im Schnitt zahlten­­ grundversorgte Kunden mit einem Verbrauch zwischen 5.556 und 55.556 Kilowattstunden 7,28 Cent pro Kilowattstunde. In einem Sondervertrag beim Grundversorger kostete die Kilowattstunde Gas dagegen 0,8 Cent weniger, bei einem anderen Versorger mehr als 1 Cent weniger.

Kostenverteilung nach Vertragsart

 GrundversorgerSondervertrag
Beschaffung, Vertrieb, Marge51,4 %48,6 %
Netzentgelt, Messstellenentgelt, Messung21,4 %26,2 %
Steuern, Abgaben27,2 %25,2 %

Die Zahlen entsprechen den durchschnittlichen Preisen bei einem Verbrauch zwischen 5.556 und 55.556 Kilowattstunden im Jahr für Tarife in der Grundversorgung und in Sonderverträgen von einem Anbieter, der nicht der Grundversorger ist.
Quelle: BNetzA (Stand: 27. November 2019)

Wie haben sich die Verbraucherpreise seit 2013 verändert?

Der Gaspreis ist für Großhändler von 2013 bis Frühling 2016 stetig gefallen. Im Mai 2016 erreichte der Importpreis für Erdgas einen Tiefpunkt – mit 1,3 Cent pro Kilowattstunde (netto). Die sinkenden Preise gaben die Energieunternehmen nur zögerlich an die Kunden weiter. Erst 2016 verringerte sich auch für Verbraucher der durchschnittliche Gaspreis pro Kilowattstunde.

2017 und 2018 zogen die Beschaffungspreise wieder an und erreichen im Januar 2019 ihren letzten Höchststand mit rund 2,14 Cent pro Kilowattstunde. Seither sind sie wieder gefallen. Im September 2019 lag der Importpreis für Erdgas bei rund 1,29 Cent pro Kilowattstunde (netto). Die meisten Gasversorger haben ihre Verbraucherpreise aber seit dem Jahreswechsel angehoben. Mancher Grundversorger erhöht sogar zum 1. Januar 2020 die Kosten in der Grundversorgung.

Der Preis für Erdgas orientiert sich seit 2010 immer weniger an den Kosten für Heizöl – die sogenannte Ölpreisbindung gibt es nicht mehr.

Wie wird sich der Gaspreis weiter entwickeln?

Wie es mit dem Gaspreis weitergeht, liegt einerseits an den einzelnen Anbietern und wie sich die Gaspreise am Großmarkt entwickeln. Werden neue Fördertechnologien wie das umstrittene Fracking wieder vorangetrieben, prognostiziert beispielsweise die Weltbank, dass Höchststände wie 2013 in den nächsten zehn Jahren nicht wieder auftreten.

Abgesehen von den Preisen auf dem Weltmarkt für Erdgas können sich aber andererseits auch Steuern, Abgaben oder die Netzentgelte in einer Region verändern. Sie beeinflussen ebenso, ob Sie mehr oder weniger für den Brennstoff ausgeben müssen.

Entwicklung bei Netzentgelten

Die Netzentgelte werden alle fünf Jahre nach den bestehenden Kosten für das regionale Gasnetz berechnet. Da es im Gasnetz keine großen Veränderungen gab, blieb dieser Bestandteil die vergangenen Jahre relativ stabil. Zum Jahreswechsel 2018 sanken die Entgelte leicht. Das liegt daran, dass seit 2018 strengere Vorgaben für die Netzbetreiber bestehen, ihre Netzkosten zu senken.

Gegen die Vorgaben der Bundesnetzagentur zogen viele Netzbetreiber vor Gericht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab ihnen Recht (Urteil vom 22. März 2018, u.a. Az. VI-3 Kart 143/16). Aber der Bundesgerichtshof urteilte am 9. Juli 2019, dass die Bundesnetzagentur korrekt gerechnet habe (Az. EnVR 52/18).

Je nachdem, welche Rolle dem Gas in der Energiewende noch zukommt, kann das Netz in den nächsten Jahren auch an Bedeutung gewinnen. Wird die Modernisierung der Netze vorangetrieben, kann das ebenfalls steigende Netzentgelte für Verbraucher bedeuten.

Entwicklung von Steuern und Einführung des CO2-Preises

Die Erdgassteuer ist seit 2003 unverändert. Die Mehrwertsteuer stieg zuletzt 2007 auf 19 Prozent. Ab 2021 wirkt ein zusätzliches, neues Gesetz: Brennstoffemissionshandelsgesetz heißt es. Es schreibt fest, dass ein CO2-Preis auf Erdgas erhoben wird.

Der CO2-Preis ist Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung – wenn Kohlendioxid bei der Verbrennung von Erdgas anfällt, kostet das ab 2021 etwas. Die Kosten steigen dabei von Jahr zu Jahr. 2021 kostet der Kohlendioxidausstoß rund 0,2 Cent pro Kilowattstunde; 2022 sind es rund 0,4 Cent pro Kilowattstunde und 2023 rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde (alles netto). Erdgas dürfte damit teurer werden.

Klimafreundliche Heizsysteme wie Wärmepumpen, solarthermische Anlagen oder Heizkessel auf Basis von Holz können dann im Betrieb günstiger sein. Auch mit Fernwärme können Sie klimafreundlich heizen, wenn der Versorger einen Teil der Wärme aus erneuerbaren Energien gewinnt, aber in der Regel ist die Wärmelieferung teuer.

Entwicklung bei Beschaffung und Vertrieb

Etwa die Hälfte des Gaspreises können die einzelnen Anbieter beeinflussen. Die Liefer-, Speicher- und Verwaltungskosten sowie die Gewinnspannen der einzelnen Anbieter gehören zum Betriebsgeheimnis.

Allerdings ermittelt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) regelmäßig, wie viel das Erdgas an der deutschen Grenze kostet – also den durchschnittlichen Importpreis. Dieser ist zwischen Mitte 2016 und Anfang 2019 mehr oder weniger stetig gestiegen und befindet sich seit Sommer 2019 wieder auf dem niedrigen Niveau wie 2016.

Anhand all dieser Faktoren lässt sich feststellen: Abzüglich der Einkaufskosten für das Gas bleiben den Unternehmen etwa 1 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde, um die eigenen Vertriebskosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften.

Mehr dazu im Ratgeber Gasanbieterwechsel

  • Vergleichen Sie Gastarife und wechseln Sie den Anbieter, wenn es sich lohnt.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: Finanztip-Gasrechner

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Autor
Arne Düsterhöft
& Co-Autor
Ines Rutschmann

Stand: 29. November 2019


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