Gaspreise

So teuer ist Gas jetzt und in Zukunft

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
05. Januar 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Beschaffungskosten für Erdgas steigen seit Ende 2020 und haben im November 2021 einen langjährigen Höchststand erreicht. Gas ist daher deutlich teurer geworden - für alle Verbraucher.
  • Die Gastarife unterscheiden sich 2022 aber stark im Preis: Tarife für Neukunden sind in der Regel deutlich teurer als jene von Bestandskunden. 
  • Stellt Dein Anbieter die Belieferung ein oder erhöht er die Preise sehr stark, kannst Du durch einen Wechsel des Gasanbieters einem Teil der Mehrkosten entgehen.
So gehst Du vor
  • Vergleiche Tarife am besten mit unserem Gasrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

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  • Als Hauskäufer und beim Modernisieren der Heizung solltest Du die Kosten der Energieträger im Blick haben. Auf Erdgas zahlst Du seit 2021 einen CO2-Preis, auf Holz und Strom zum Betrieb einer Wärmepumpe nicht.
  • Wohnst Du in einem Haus mit Gaszentralheizung, kannst Du den Lieferanten nicht selbst bestimmen. Prüfe dann aber Deine jährliche Heiz­kost­en­ab­rech­nung.

Erdgas ist beim Heizen der vorherrschende Brennstoff: Mehr als jeder zweite Haushalt in Deutschland wärmt damit seine vier Wände auf. Rund 85 Prozent seines Gasverbrauchs benötigt ein Haushalt für die Heizung. Nur etwa 14 Prozent werden für Warmwasser gebraucht und lediglich 1 Prozent zum Kochen.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Wie viel Dich Gas kostet, hängt davon ab, wie viel Du verbrauchst. Aber auch die Region, in der Du lebst, spielt eine Rolle, und ob Du selbst einen Vertrag mit einem Versorger schließen kannst oder dies Deinem Vermieter zufällt.

Wohnst Du zur Miete und versorgt Dich eine Gaszentralheizung mit Wärme, läuft der Gasliefervertrag auf Deinen Vermieter. Über die Heiz­kost­en­ab­rech­nung reicht er aber die Ausgaben an Dich weiter. Prüfe diese regelmäßig. Stellst Du fest, dass der Gaspreis auf der Abrechnung hoch ist, dann fordere Deinen Vermieter zum Gasanbieter-Wechsel auf.

Wohnst Du im Ein- oder Zweifamilienhaus oder verfügst Du über eine Gasetagenheizung, bist Du selbst Vertragspartner des Gasanbieters. Dann ist ebenfalls entscheidend, welche Art Vertrag Du schließt – ob Du grundversorgt bist oder einen Sondervertrag hast. Hast Du nicht bewusst Deinen aktuellen Tarif abgeschlossen, wirst Du automatischen vom Grundversorger beliefert. Wenn Du noch nie Deinen Gasanbieter gewechselt hast, lohnt es sich auf jeden Fall, die Preise verschiedener Unternehmen zu vergleichen. Denn die Tarife in der Grundversorgung sind in der Regel teurer als in einem Sondervertrag.

Schon wenn Du bei Deinem Grundversorger in einen Sondervertrag wechselst, lässt sich meist Geld sparen. Noch mehr ist oft drin, wenn Du zu einem anderen Anbieter gehst. Prüfe, wie groß Deine Ersparnis sein kann. Die Abfrage über unseren Finanztip-Gasrechner dauert nur eine Minute. Zudem ist er so eingestellt, dass Du nur ver­brau­cher­freund­liche Angebote siehst.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Gastarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Gasrechner basiert auf Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein ver­brau­cher­freund­liches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2021 www.check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2021). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du den Vertrag über Verivox oder Check24 abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, um den Vertrag zu widerrufen.

Das sind die Bestandteile des Gaspreises

Der Gaspreis setzt sich aus drei Kostenblöcken zusammen: für den Einkauf und die Lieferung des Brennstoffs, für den Transport über das Gasnetz und den Gaszähler sowie aus gesetzlich festgelegten Abgaben.

Beschaffung und Vertrieb - Rund 44 Prozent Deiner Ausgaben fürs Gas gehen an Deinen Gasanbieter. Den größten Teil wendet er auf, um Gas auf dem Großmarkt oder direkt bei einem Anbieter einzukaufen und teilweise zu speichern. In den Kosten für Beschaffung und Vertrieb steckt auch die Marge Deines Lieferanten, also der Teil, den er als Gewinn einstreicht. Etwa 1 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde berechnet ein Lieferant, um die eigenen Vertriebskosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften – es kann aber natürlich auch noch mehr sein.

Netzentgelt - Etwa ein Viertel der Gasrechnung gibt Dein Anbieter an den Gasnetzbetreiber weiter, damit er das Gas zu Dir transportiert und mit einem Zähler Deinen Verbrauch misst.

Wer Dein Netzbetreiber ist, hängt von Deinem Wohnort ab – Du kannst ihn nicht selbst bestimmen, denn er besitzt das Monopol über den Betrieb des regionalen Gasnetzes. Wie viel Gewinn der Netzbetreiber machen darf, legt die Regulierungsbehörde einheitlich für alle Netzbetreiber fest. Trotzdem können die Netzkosten stärker steigen – wenn der Netzbetreiber größere Investitionen tätigen musste und dies auf die Netzentgelte umlegt.

Darüber hinaus ist der Netzbetreiber meist auch der Betreiber Deines Gaszählers und verlangt dafür ein Entgelt für den Messstellenbetrieb. Da die Wartung, der Ausbau und der Betrieb des Gasnetzes je nach Gebiet unterschiedlich viel kosten, zahlst Du als Verbraucher je nach Region unterschiedlich viel für die Netznutzung.

Steuern und Abgaben - Das verbleibende Drittel des Gaspreises geht 2021 an den Staat. Einerseits werden 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Nettopreis aufgerechnet. Andererseits zahlst Du bei jeder verbrauchten Kilowattstunde 0,55 Cent Erdgassteuer, ähnlich wie bei Benzin oder Heizöl. Diese Energiesteuer dient analog zur Stromsteuer dazu, umweltschonendes Verhalten zu fördern. Seit 2021 zahlst Du zudem den CO2-Preis auf Erdgas. Er beträgt 2021 rund 0,455 Cent pro Kilowattstunde und erhöht sich bis 2026 jedes Jahr.

Kosten des CO2-Preises auf Erdgas

 netto
(ohne Mehrwertsteuer)
brutto
(mit Mehrwertsteuer)
20210,46 ct/kWh0,54 ct/kWh
20220,56 ct/kWh0,65 ct/kWh
20230,64 ct/kWh0,76 ct/kWh
20240,82 ct/kWh0,97 ct/kWh
20250,91 ct/kWh

1,1 ct/kWh

20261,00 bis 1,18 ct/kWh1,19 bis 1,41 ct/kWh

Quelle: eigene Berechnung nach EBeV (Stand: 21. Dezember 2020)
Alle Zahlen sind auf zwei Stellen nach dem Komma gerundet. 2022 erfolgt eine Überprüfung der Berechnungsgrundlage durch den Gesetzgeber. Die tatsächlichen Kosten ab 2023 können daher von den Angaben in der Tabelle abweichen. 2026 soll sich der Preis am Markt bestimmen, aber in einem festgelegten Korridor bewegen.

Darüber hinaus bekommen die Kommunen eine Konzessionsabgabe, damit der Netzbetreiber den Boden der Gemeinden für das Gasnetz nutzen darf. In allen Sonderverträgen beträgt die Konzessionsabgabe 0,03 Cent pro Kilowattstunde. Befindest Du Dich in der Grundversorgung, ist die Abgabe höher: 0,22 bis 0,93 Cent pro Kilowattstunde sind dann zu zahlen. Die Höhe richtet sich nach der Größe der Kommune, in der Du lebst und ob Du das Gas zum Heizen oder nur zum Kochen und für Warmwasser nutzt (§ 2 Abs. 2 Punkt 2 KAV).

Was zahlen Verbraucher für Erdgas?

Im Schnitt verbraucht laut aktuellem Heizspiegel ein Haushalt mit einer Gasheizung rund 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. Misst Deine Wohnung 90 Quadratmeter, brauchst Du rund 11.000 Kilowattstunden Gas im Jahr. Beim Grundversorger wurden dafür 2020 nach Angaben der Bundesnetzagentur im Durchschnitt etwa 64 Euro pro Monat fällig. Nach einem Anbieterwechsel kostete die gleiche Menge 55 Euro monatlich – 9 Euro weniger im Monat oder rund 110 Euro im Jahr.

Die Schere zwischen den Preisen in der Grundversorgung und jenen in Lieferverträgen mit anderen Anbietern geht weit auseinander und hat sich 2021 noch weiter geöffnet. Im Schnitt zahlen­­ grundversorgte Kunden mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden 7,75 Cent pro Kilowattstunde. In einem Sondervertrag kostet die Kilowattstunde Gas dagegen nur 6,22 Cent pro Kilowattstunde, geht aus der Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Über alle Verträge gemittelt betrug der Gaspreis im ersten Halbjahr 2021 rund 6,5 Cent pro Kilowattstunde - so viel wie zuletzt 2016.

Wie wird sich der Gaspreis weiter entwickeln?

Wie hoch die Gaspreise für Verbraucher sind, hängt vor allem von den Beschaffungskosten für Erdgas ab. Ist der Erdgaspreis niedrig, sinken auch die Preise für die Kunden; steigt er, erhöhen die Lieferanten die Konditionen.

Der Gaspreis für Großhändler erreichte Mitte 2020 einen langjährigen Tiefstand von rund 0,9 Cent pro Kilowattstunde. Seither haben die Beschaffungspreise wieder angezogen und liegen seit Herbst 2021 auf sehr hohem Niveau. Kurz vor Weihnachten erreichten die Preise einen neuen Höchststand: Wer kurzfristig Gas einkauft, zahlt mehr als 12 Cent pro Kilowattstunde; wer langfristig beschafft, zahlt ab 2023 noch mehr als 5 Cent pro Kilowattstunde - das ist immer noch das Dreifache dessen, was Erdgas viele Jahre gekostet hat. Aufgrund dieser hohen Beschaffungskosten werden sich die Preise für alle Verbraucher erhöhen oder wurden bereits erhöht.

Wie es mit dem Gaspreis weitergeht, liegt entscheidend an den Beschaffungskosten, den Netzentgelten und dem CO2-Preis auf Erdgas. Letzterer steigt die nächsten Jahre sukzessive. Sinken im Gegenzug nicht Netzentgelte oder die Beschaffung von Erdgas, wird Erdgas immer teurer werden.

Entwicklung bei Netzentgelten

Die Netzentgelte werden alle fünf Jahre nach den bestehenden Kosten für das regionale Gasnetz berechnet. In den vergangenen Jahren blieben die Entgelte in ihrer Höhe relativ stabil. Zum Jahreswechsel 2018 sanken sie sogar leicht – denn seit 2018 bestehen strengere Vorgaben für die Netzbetreiber, ihre Netzkosten zu senken.

Gegen diese Vorgaben der Bundesnetzagentur zogen viele Netzbetreiber vor Gericht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab ihnen Recht (Urteil vom 22. März 2018, u.a. Az. VI-3 Kart 143/16). Der Bundesgerichtshof urteilte am 9. Juli 2019 aber, dass die Bundesnetzagentur korrekt gerechnet hatte (Az. EnVR 52/18).

Je nachdem, welche Rolle dem Gas in der Energiewende noch zukommt, kann das Netz in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Wird die Modernisierung der Netze vorangetrieben und sie etwa zur Durchleitung von Wasserstoff ertüchtigt, bedeutet das steigende Netzentgelte für Verbraucher.

Entwicklung beim Gaseinkauf

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ermittelt regelmäßig, wie viel Erdgas an der deutschen Grenze kostet – also den durchschnittlichen Importpreis. Dieser steigt seit Mitte 2020 kontinuierlich. Am Terminmarkt der Energiebörse Powernext ist der Gaspreis bis Dezember 2021 auf einen langjährigen Höchststand geklettert. Die Kosten für die Gasbeschaffung sind niedriger, wenn Lieferanten langfristig beschaffen: Für Gasmengen, die im Dezember 2021 für 2023 gekauft werden, zahlen Lieferanten nur halb so viel. 

Andere Gase wie Biogas sind in den Erzeugungskosten deutlich teurer als Erdgas inklusive CO2-Preis. Synthetisch erzeugte Gase wie Wasserstoff sind noch nicht in größerem Maßstab verfügbar. Die Produktionskosten liegen in Deutschland 2021 bei mehr als 7 Cent pro Kilowattstunde und sollen nach Einschätzung von Wissenschaftlern bis 2030 auf unter 5 Cent pro Kilowattstunde fallen, wenn Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen den zur Produktion benötigen Strom liefern. In Südeuropa könnte – aufgrund von stärkerer Sonnenstrahlung – Wasserstoff auch für 3 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Das wäre dann aber immer noch teurer als der aktuelle Preis für Erdgas im langjährigen Mittel. Sollte Windstrom von der Küste genutzt werden, lägen die Erzeugungskosten für Wasserstoff bei mehr als 5 Cent pro Kilowattstunde. 

Für Dich bedeutet das: Mit günstigen Gaspreisen, wie sie bis 2020 über einen längeren Zeitraum bestanden, kannst Du in den nächsten Jahren nicht mehr rechnen. Selbst wenn die Beschaffungskosten für Erdgas wieder sinken – die Kosten für den CO2-Preis steigen auf jeden Fall, jene für die Netzentgelte vermutlich auch. Auch grünes Gas wird teurer sein, als es Erdgas in der Vergangenheit war: Der Energiekonzern Eon hat in der Studie „Energiewende im Wärmesektor“ für die Stadt Essen die Kosten für grünes Gas im Jahr 2050 prognostiziert: 10,8 Cent würde die Kilowattstunde demnach dann kosten. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 2020.

Alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen oder eine Biomasseheizung können schon heute im Betrieb günstiger sein. Auch mit Fernwärme kannst Du klimafreundlich heizen, wenn der Versorger einen Teil der Wärme aus erneuerbaren Energien gewinnt, aber in der Regel ist die Wärmelieferung teuer.

Mehr dazu im Ratgeber Gasanbieterwechsel

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