Kfz-Schutzbrief

Pannenhilfe und Abschleppdienste aus dem Schutzbrief

Annika Krempel
& Co-Autor
Stand: 24. Oktober 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Pannenhilfe und Abschleppdienste gibt es in Deutschland und in Europa mit einem Kfz-Schutzbrief oder einer Mitgliedschaft in einem Automobilklub.
  • Die Leistungen ähneln sich, unterscheiden sich jedoch im Detail – und im Preis: Der Schutzbrief ist viel günstiger.
  • Einen Schutzbrief können Sie zusammen mit der Kfz-Versicherung abschließen.
So gehen Sie vor
  • Fahren Sie einen Neuwagen, reicht wahrscheinlich die Mobilitätsgarantie des Herstellers. Sie brauchen dann keinen Schutzbrief und keinen Autoklub.
  • Wenn Ihr Auto nicht mehr in der Garantiezeit ist oder Sie Leistungen über die Mobilitätsgarantie hinaus wünschen, fragen Sie bei Ihrer Kfz-Versicherung nach den Schutzbrief-Leistungen.
  • Bekommen Sie keinen Schutzbrief für Ihr Auto, zum Beispiel, weil es sehr alt ist, dann erhalten Sie Pannenhilfe durch eine Mitgliedschaft in einem Automobilklub.

Die „Silberne Flotte“ der Kfz-Versicherungen leistete 2017 fast 480.000-mal Hilfe: Abschleppen, Pannenhilfe oder Bergen von Autos, die von der Straße abgekommen waren. Die Pannenhelferautos der Versicherer sind das Gegenstück der „Gelben Engel“ des ADAC. Denn nicht nur Automobilklubs bieten Pannenservice an, sondern auch Autoversicherer über einen Schutzbrief. 

Was kosten Schutzbriefe?

Fast 27 Millionen Autofahrer besitzen einen Schutzbrief, abgeschlossen zusammen mit ihrer Kfz-Haftpflicht oder Kasko-Versicherung. Beim Vertragsabschluss bieten die meisten Kfz-Versicherungen den Schutzbrief automatisch mit an – für überschaubare Summen. In einer Finanztip-Studie fanden wir 2016 heraus, dass der Schutz durchschnittlich 13 Euro im Jahr kostet. Allerdings sind die Abweichungen nach oben und unten teilweise erheblich und hängen vom gewählten Tarif und vom Auto ab. 

Sie können auch bei einer fremden Versicherung mitunter einen Schutzbrief abschließen, falls sie zum Beispiel bessere Konditionen anbietet als Ihr eigener Anbieter. Versicherungen, die das anbieten, lassen sich den Schutz von „Fremdkunden“ allerdings teurer bezahlen als von den eigenen Kunden.

Welche Leistungen bietet ein Schutzbrief?

Der Wagen springt nicht an, auf der Autobahn qualmt plötzlich der Motor oder im Urlaub auf Korsika waren die Serpentinen zu viel für die Bremsen. Das alles sind Fälle für die „silberne Flotte“ oder andere Pannendienste der Versicherungen. Im Ausland übernehmen Partnerdienste die Arbeit. Die meisten Kfz-Schutzbriefe gelten in Europa sowie in Regionen, die zum Geltungsbereich der Europäischen Union zählen. Solche Gebiete sind zum Beispiel die Kanaren.

Der Schutz gilt für das versicherte Auto, unabhängig vom Fahrer. Die genauen Leistungen und Erstattungshöhen unterscheiden sich je nach Versicherung. Folgende Leistungen umfassen Schutzbriefe in der Regel: 

Pannendienst, Abschleppen, Bergen - Kann das Auto nach einer Panne direkt wieder fahrtüchtig gemacht werden, übernimmt der Pannendienst die Reparatur. Die Kosten dafür und für kleinere Ersatzteile zahlt die Versicherung. Meist ist die Erstattung begrenzt auf maximal 500 Euro. Sofern der Wagen nicht vor Ort repariert werden kann, wird er abgeschleppt. Auch diese Kosten sind im Schutzbrief versichert. Auch dafür gibt es einen Kostendeckel von 500 Euro. Häufig gibt es nur ein gemeinsames Budget für Pannendienst und Abschleppen. Kosten für eine Bergung werden in der Regel vollständig erstattet. 

Seit April 2018 müssen alle Neuwagen zwingend mit dem elektronischen Unfallmelder (E-Call) ausgestattet sein. Damit werden automatisch wichtige Informationen über den Unfall und das Fahrzeug an Rettungsdienste gemeldet. Darüber kann aber auch die Pannenhilfe organisiert werden.

Ereignete sich der Unfall weiter als 50 Kilometer von Ihrem Wohnort und kann das Auto nicht sofort repariert werden oder ist es gestohlen worden, erhalten Sie regelmäßig folgende Kosten erstattet: 

Weiter- und Rückfahrt - Fahrtkosten entweder zurück zum Wohnort oder zum eigentlichen Ziel der Fahrt werden erstattet. Für Entfernungen bis 1.200 Kilometer tragen Versicherungen die Kosten Ihrer Heimreise. Ob Sie erster Klasse mit der Bahn fahren dürfen oder sogar einen Flug bezahlt bekommen, hängt häufig von der Entfernung zum Heimatort oder den Kosten ab. Auch Taxigebühren werden erstattet. 

Übernachtung - Wenn Sie am Unfallort übernachten müssen, zahlt Ihr Versicherer die Hotelunterbringung. Meist werden bis zu drei Übernachtungen für 50 bis 100 Euro pro Person und Nacht erstattet. 

Mietwagen - Wollen Sie nicht am Unfallort übernachten und kommen weder mit der Bahn noch mit dem Flugzeug vom Unfallort weg, können Sie sich stattdessen häufig auch einen Mietwagen nehmen. Im Schutzbrief sind meist bis zu sieben Tage versichert. Die Erstattung beträgt 50 bis 70 Euro pro Tag. Bei Reisen im Ausland gelten oft höhere Grenzen. 

Im Ausland übernehmen Versicherungen außerdem die Kosten, falls Ersatzteile zur Reparatur nachgeschickt werden, wenn das Auto verschrottet oder verzollt werden muss oder der Wagen zurück an den Wohnort transportiert wird.

Keine echte Alternative zur Auslandskrankenversicherung

Durch einen Kfz-Schutzbrief sind außerdem oft Kosten versichert, die durch eine Erkrankung auf der Reise entstehen: Krankenrücktransport, Rückholung von Kindern oder Bestattungskosten im Ausland. Doch diese Leistungen sind meist begrenzt. So zahlen viele Versicherungen einen Krankenrücktransport nur, sofern dieser medizinisch notwendig ist – also nur in wenigen Ausnahmefällen. Wer ins Ausland fährt, sollte eine Auslandskrankenversicherung besitzen. Damit ist er in solchen Fällen besser abgesichert. 

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

  • Wer ins Ausland reist, bekommt schon für unter 10 Euro im Jahr den notwendigen Krankenversicherungsschutz.
  • Von uns empfohlene Tarife: DKV (Reise Med Tarif RD) für Einzelreisende und Familien, Debeka (Tarif AR) für Senioren und Reisen bis 70 Tage.

Zum Ratgeber

Welche Vorteile hat ein Automobilklub?

Ob ADAC, Bruderhilfe oder Verkehrsclub Deutschland – die meisten Automobilklubs sind teurer als ein Schutzbrief von der Kfz-Versicherung. Eine Jahresmitgliedschaft im Autoklub kostet zwischen 24 und 85 Euro pro Jahr. Dafür leisten die Klubs oft auch mehr, meist sind die Erstattungsgrenzen höher bei Pannendienst oder Abschleppservice. Auch bringt die Mitgliedschaft meist weitere Vorteile: etwa günstigere Reisen, kostenlose Straßenkarten, Rabatte bei Autovermietungen und Vereinsmagazine. 

Im Gegensatz zu den Kfz-Schutzbriefen der Versicherer gilt die Mitgliedschaft in einem Automobilklub meist nicht nur für einen einzigen Wagen, sondern erstreckt sich auf alle Fahrzeuge und Familienmitglieder.

Was ist besser: Schutzbrief oder Automobilklub?

Wenn Sie sich gerade einen Neuwagen angeschafft haben, brauchen Sie sich über Pannenhilfe vorerst keine Gedanken zu machen. Die Mobilitätsgarantie des Herstellers Ihres Autos sollte viele Fälle abdecken, in denen der Wagen liegenbleibt. Damit sind Pannenhilfe, Abschleppdienst und Mietwagen gesichert. Die Garantie läuft oft bis zu drei Jahre – in Ausnahmefällen sogar länger. Eine Auslandskrankenversicherung komplettiert den Schutz im Ausland. 

Wenn Sie keinen Neuwagen besitzen, sollten Sie abwägen. Grundsätzlich sind Pannenhilfe oder Abschleppen nicht so teuer, wenn Sie selbst ein Unternehmen damit beauftragen. So kostet Abschleppen laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) zwischen 135 und 300 Euro – je nach Auto und Zeitaufwand. 

Allerdings gibt es nicht überall mobiles Internet, die nächste Notrufsäule ist weit entfernt und im Ausland kann die Sprache eine Hürde sein. Dann sind Schutzbrief oder Automobilklub bequemere Lösungen. Mit einem Anruf lässt sich schnell Hilfe organisieren. 

Wenn Sie nicht mehr als ein Auto besitzen und keine der zusätzlichen Leistungen eines Automobilklubs benötigen, sind Sie mit dem Kfz-Schutzbrief im Normalfall gut bedient

Auch bei Reisen in Europa hilft Ihnen der Schutzbrief weiter, den Sie zusammen mit der Kfz-Versicherung abschließen. Achten Sie aber vor dem Abschluss auf die Versicherungsbedingungen sowohl der Autopolice als auch des Schutzbriefs.

Die Automobilklubs haben unterschiedliche Preismodelle. Die Basis-Variante ermöglicht Pannenhilfe oft nur in Deutschland, teurere Mitgliedschaften helfen meist in ganz Europa.

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  • Vergleichen Sie jeden Herbst, ob Ihre Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Verivox, Check24, Huk24

Zum Ratgeber 

Autor
Annika Krempel
& Co-Autor
Nina C. Zimmermann

Stand: 24. Oktober 2018


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