Grundversorgung Strom & Gas

Wie Du zum günstigeren Grundversorger für Gas oder Strom wechselst

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Strom- und Gasverträge beim lokalen Grundversorger waren früher vergleichsweise teuer. In der Energiekrise ist die Grundversorgung für 2023 aber oft eine günstige Option.
  • In den meisten Fällen sind Grundversorger verpflichtet, Dich in die Grundversorgung Strom oder Gas aufzunehmen.
  • Es gibt aber Fallstricke: Einige Grundversorger schieben Neukunden zunächst in die teurere Ersatzversorgung – ohne gesetzliche Grundlage. Zudem erhöhen 2023 auch viele Grundversorger ihre Preise.

So gehst Du vor

  • Vergleiche mit dem Finanztip-Stromrechner oder -Gasrechner Tarife für Deinen Wohnort. Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Tarife direkt abschließen kannst. Alle Emp­feh­lungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

Zum Gasrechner 

Zum Stromrechner

  • Oft zeigen Dir unsere Rechner auch den Tarif Deines lokalen Grundversorgers an. Prüfe die Preise auf der Website des Grundversorger nach, bevor Du wechselst.
  • Wichtig: Teile dem Grundversorger schriftlich mit, dass Du in die Grundversorgung möchtest. Gegen eine ungerechtfertigte Zuteilung in die Ersatzversorgung kannst Du Dich wehren – mithilfe unseres Musterbriefs.
  • Hol Dir die neusten Infos zum Thema Strom und Gas mit unserem Newsletter jeden Freitag ins Postfach.

Es hat sich herumgesprochen: Lokale Grundversorger, oft sind es Stadtwerke, können seit Beginn der Energiekrise 2022 im Preiskampf der Strom- und Gasanbieter wieder mithalten. Wenn Dein bisheriger Anbieter die Preise stark erhöht, kann ein Wechsel in die Grundversorgung sinnvoll sein. Was es dabei zu beachten gibt, welche Fallstricke in der teureren Ersatzversorgung lauern und wie die vergleichsweise günstigen Preise einiger Grundversorger zustande kommen, erfährst Du in diesem Ratgeber.

Was ist die Grundversorgung?

Der Grundversorger für Gas und Strom in Deinem Wohnort ist der Anbieter, der dort die meisten Haushaltskunden beliefert. Oft sind das die lokalen Stadtwerke, in einigen Regionen Deutschlands sind aber auch größere Unternehmen wie zum Beispiel E.ON, Vattenfall oder EnBW Grundversorger. Deinen Grundversorger für Gas oder Strom herauszufinden ist meist ganz leicht: Suche mit einer Online-Suchmaschine nach den Suchbegriffen „Grundversorger“ und dem Namen Deiner Stadt. Es kann auch zwei Grundversorger geben, einen für Strom und einen für Gas.

Dein lokaler Grundversorger hat eine ganz klar definierte Aufgabe: Er ist verpflichtet, Dich im Rahmen eines Grundversorgungstarifs mit Strom oder Gas zu beliefern. Rund zwei Drittel der Haushaltskunden in Deutschland befinden sich in einem Vertrag mit dem örtlichen Grundversorger. Das heißt aber nicht, dass diese Kunden auch alle in der Grundversorgung sind. Die Unternehmen dürfen nämlich auch Sonderverträge anbieten – 2022 werden sehr viele Sonderverträge für Neukunden aber gar nicht mehr angeboten. Sie sollten günstiger als die Grundversorgung sein und haben eine längere Laufzeit. 2019 befanden sich die meisten Kunden in solch einem Vertrag, wie eine Auswertung der Bundesnetzagentur zeigt.

VertragsartStromkundenGaskunden
Grundversorgungsvertrag26 %17 %
Sondervertrag beim Grundversorger außerhalb der Grundversorgung40 %49 %
Vertrag mit anderem Lieferanten als Grundversorger34 %34 %

Vertragsstruktur von Haushaltskunden in Deutschland im Jahr 2019,
Quelle: Bundesnetzagentur, Verbraucher-Kennzahlen Monitoringbericht 2020

Ein Grundversorgungsvertrag hat keine feste Vertragslaufzeit. Solange Du nicht kündigst, bleibst Du in der Grundversorgung. In diesem Vertragsverhältnis gilt immer eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Möchte der Grundversorger seine Preise erhöhen, muss er Dich mindestens sechs Wochen vor der geplanten Preisanpassung darüber informieren.

Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten, in einen Grundversorgungsvertrag zu kommen. Entweder

  • Du kündigst Deinen bisherigen Vertrag und wechselst aktiv zum Grundversorger (mehr dazu liest Du weiter unten im Ratgeber), oder
  • Du ziehst in eine neue Wohnung, für die noch kein Strom- oder Gasvertrag besteht. Sobald Du zum Beispiel den Lichtschalter betätigst oder die Heizung aufdrehst, kommt automatisch ein Vertrag mit dem Grundversorger zustande. Möchtest Du doch lieber einen anderen Anbieter wählen, kann dieser sechs Wochen lang rückwirkend zum Einzugsdatum die Belieferung anmelden. Wichtig: Melde Dich in jedem Fall schriftlich mit dem Datum des Lieferbeginns beim Grundversorger an, wenn Du in die Grundversorgung wechseln möchtest (lies dazu den Abschnitt Dein Weg (zurück) zum Grundversorger). Oder
  • Du fällst automatisch in die Grundversorgung, nachdem eine Ersatzversorgung endet.

Was ist die Ersatzversorgung?

Die Ersatzversorgung ist neben der Grundversorgung und den Sondertarifen die dritte Versorgungsart, die Grundversorger anbieten. Die Ersatzversorgung ist die speziellste und auch die teuerste Option. Die Ersatzversorgung gewährleistet, dass Du weiterhin mit Energie versorgt wirst. Sie funktioniert wie eine Notversorgung.

Es gibt nur zwei Szenarien, in denen Du automatisch in die Ersatzversorgung rutschst:

  • Dein bisheriger Lieferant verliert das Recht, Dich zu beliefern, und Du stehst deshalb plötzlich ohne Anbieter da. Im Gesetz (§36 EnWG) steht wörtlich, dass der Grundversorger nicht verpflichtet ist, Dich zu den Grundversorgungs-Konditionen zu beliefern, wenn Dein Anschluss „aufgrund einer Kündigung des Netznutzungs- oder Bilanzkreisvertrages nicht mehr zugeordnet werden konnte“. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Dein bisheriger Anbieter insolvent geht.
  • Ein vereinbarter Lieferantenwechsel verzögert sich um wenige Tage. Entstehen Dir (durch die dadurch zustande kommende Ersatzversorgung) Mehrkosten, hast Du unter Umständen ein Recht auf Schadensersatz (§20a EnWG).

In beiden Fällen fällst Du automatisch in die Ersatzversorgung, wenn Du weiterhin Energie aus dem Netz beziehst. Der Grundversorger muss Dir den Beginn und das Ende der Ersatzversorgung schriftlich mitteilen. Dazu muss kein Vertrag geschlossen werden. Die Ersatzversorgung läuft maximal drei Monate lang. Du kannst Dir währenddessen jederzeit einen neuen Anbieter suchen, es gibt keine Kündigungsfrist. Schließt Du während der drei Monate keinen neuen Vertrag, kommt anschließend automatisch ein Grundversorgungsvertrag zustande, wenn Du weiterhin Strom oder Gas aus dem öffentlichen Netz beziehst. Vor Ablauf der drei Monate ist der Grundversorger allerdings nicht verpflichtet, einen Vertrag mit Dir einzugehen. In der Ersatzversorgung darf er höhere Preise verlangen, wie Du im folgenden Abschnitt erfährst.

Du kannst dem Grundversorger aber auch mitteilen, dass Du explizit in die Ersatzversorgung willst und nicht der Grundversorgung zugeteilt werden möchtest. Das ist sinnvoll, wenn Du zeitnah einen Vertrag mit einem neuen Versorger abschließen und verhindern möchtest, dass ein Vertrag mit dem Grundversorger zustande kommt, in dem eine zweiwöchige Kündigungsfrist gilt.

Beachte: Vermieter von Mehrparteienhäusern haben im Gegensatz zu Haushaltskunden kein Anrecht auf die Grundversorgung, sondern werden der Ersatzversorgung zugeordnet. Für Mieter kann das höhere Preise bedeuten.

Welche Preise dürfen Grundversorger verlangen?

Seit Sommer 2022 dürfen die Preise in der Ersatzversorgung höher sein als in der Grundversorgung. Dieser Unterschied hat aus gesetzlicher Sicht hauptsächlich einen Grund: Es kann vorkommen, dass ein Grundversorger plötzlich sehr viele neue Kunden mit Energie beliefern muss, mit denen er nicht geplant hatte. Das passiert zum Beispiel, wenn ein anderer Anbieter unerwartet die Versorgung einstellt. Zuletzt gab es mehrere solcher Fälle im Herbst 2021.

Durch höhere Preise in der Ersatzversorgung können die Anbieter gleichzeitig ihre Bestandskunden in der Grundversorgung vor Preissprüngen schützen. Der Grundversorger muss aber darlegen, wie es zu den erhöhten Preisen in der Ersatzversorgung kommt – also, dass die spontane Strom- oder Gasbeschaffung tatsächlich deutlich teurer für ihn ist. Die Preise in der Ersatzversorgung darf ein Grundversorger jederzeit zum 1. und 15. eines Monats erhöhen. Es genügt, wenn er das auf seiner Internetseite bekannt macht.

Du solltest deshalb so schnell wie möglich schnell einen neuen Vertrag schließen, wenn Du Dich gerade in der Ersatzversorgung befindest. Dies kann auch ein Grundversorgungsvertrag sein, wenn die Preise beim regionalen Stadtwerk günstiger sind als bei einem anderen Anbieter. Mehr dazu liest du weiter unten im Ratgeber.

Die Regeln im Grundversorgungstarif

Im Grundtarif des lokalen Grundversorgers müssen Preisanpassungen mit mindestens sechs Wochen Vorlauf angekündigt werden. Du hast dann ein Son­der­kün­di­gungs­recht.

Viele Grundversorger verlangen unterschiedliche Preise, die von Deinem individuellen Verbrauch abhängig sind. Das kann sowohl den monatlichen Grundpreis als auch den Arbeitspreis pro Kilowattstunde betreffen. Möglich ist etwa, dass in einem Tarif bis zu einer bestimmten Abnahmemenge an Gas oder Strom ein niedrigerer Arbeitspreis berechnet wird und dafür die Grundgebühr höher ist. Solltest Du in die höhere Verbrauchskategorie fallen, zahlst Du stattdessen mehr für die verbrauchte Kilowattstunde, aber einen etwas niedrigeren Grundpreis. Auch die umgekehrte Logik ist möglich: Niedriger Verbrauch bedeutet einen höheren Arbeitspreis bei niedrigerem Grundpreis, hoher Verbrauch einen niedrigeren Arbeitspreis bei höherem Grundpreis. Manche Stadtwerke bieten außerdem extra Tarife für „Kleinverbraucher“ mit besonders niedrigem Energiebedarf.

Warum ist die Grundversorgung momentan so günstig?

Die Preise in der Grundversorgung waren in der Vergangenheit oft teuer. 2022 ist das in vielen Regionen nicht mehr so – einige Grundversorger bieten vergleichsweise günstige Gas- und Stromtarife, während alle anderen Anbieter ihre Preise stark erhöhen. Warum ist das so?

In erster Linie hat es mit dem Einkaufsverhalten der Anbieter zu tun. Die Aufgabe der Grundversorger ist es, für die Energieversorgung auch dann zu garantieren, wenn andere Anbieter aufgeben oder ausfallen. Sie können Haushaltskunden nicht einfach ablehnen oder Verträge abstoßen. Weil sie sich außerdem auf einen großen Kundenstamm verlassen können, lassen sich viele Grundversorger nicht auf einen Preiskampf ein und kaufen stattdessen sehr langfristig große Mengen an Gas oder Strom für die Zukunft ein. Dadurch sicherten sich viele Stadtwerke gute Konditionen, die auch 2022 noch greifen, während die Einkaufspreise an der Strom- und Erdgasbörse extrem in die Höhe schossen.

Ganz anders sieht es bei anderen Strom- und Gasanbietern aus, die bis zur Energiekrise 2022 mit deutlich günstigeren Konditionen lockten. Weil die Einkaufspreise für Gas und vor allem für Strom schon immer stark schwankten, versuchten sie, möglichst günstige Zeit­punkte für den Einkauf abzupassen. Auf dem Strommarkt sind Preise möglich, die bei knapp über null Euro oder sogar im negativen Bereich liegen – zum Beispiel am Wochenende, wenn durch Sonne und Wind viel Strom produziert wird, die Industrie aber stillsteht und der Strombedarf in Deutschland einbricht.

Die Einkaufsstrategie vieler anderer Anbieter war also tendenziell deutlich kurzfristiger angelegt. Da sie in der Energiekrise aber plötzlich deutlich teurer Strom und Gas beschaffen müssen, erhöhen sie ihre Preise um ein Vielfaches oder kündigen die Verträge mit ihren Kunden. Die Preise für Neukundenverträge sind derzeit bei diesen Anbietern oft sehr hoch, während Du bei einigen Grundversorgern noch von den günstigen Einkaufspreisen aus vergangenen Zeiten profitieren kannst.

Doch auch günstige Grundversorger werden ihre Preise noch deutlich erhöhen müssen. Zum 1. Januar 2023 stehen laut Check24 bei Gas-Grundversorgern gut 400 und bei Strom-Grundversorgern rund 600 Preiserhöhungen an.

Dennoch kann es sinnvoll sein, in die Grundversorgung zu wechseln. Wenn Du eine drastische Preiserhöhung bei Deinem bisherigen Anbieter bekommen hast, solltest Du über die Option Grundversorgung nachdenken. Parallel plant die Bundesregierung außerdem eine Strom- und Gaspreisbremse, die in der Zukunft anstehende Preiserhöhungen abfedern sollte.

So wechselst Du (zurück) zum Grundversorger

Durch die stark steigenden Strom- und Gaspreise infolge des Ukraine-Kriegs gibt es seit 2022 viele Menschen, die die Preissteigerungen ihres bisherigen Anbieters nicht mitmachen wollen, ihren Vertrag kündigen und zum günstigen Grundversorger wechseln. Manche Grundversorger lassen sich den Wechsel aber teuer bezahlen, indem sie neue Kunden zunächst in die Ersatzversorgung schicken und dort sehr hohe Preise verlangen. Für dieses Vorgehen gibt es keine gesetzliche Grundlage. Wie Du Dich dagegen wehren kannst, liest Du im nächsten Kapitel.

Vergleiche mit dem Finanztip-Stromrechner und -Gasrechner

Bevor Du einen bestehenden Vertrag kündigst, solltest Du überprüfen, ob sich ein Wechsel Deines Strom- oder Gasanbieters lohnt. Für einen Tarifvergleich stehen Dir der Finanztip-Stromrechner und der Finanztip-Gasrechner zur Verfügung. Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Tarife direkt abschließen kannst. In den meisten Fällen zeigt Dir unser Rechner auch das Angebot Deines lokalen Grundversorgers in den Ergebnissen an, verwende dafür in der Suche die Einstellung „keine oder kurze Preisgarantie“.

Du kennst Deinen Grundversorger nicht oder findest ihn in der Ergebnisliste nicht? Deinen Grundversorger für Strom oder Gas herauszufinden ist ganz leicht. Suche mit einer Online-Suchmaschine nach den Suchbegriffen „Grundversorger“ und dem Namen Deiner Stadt. Auch der regionale Netzbetreiber kann Dir sagen, welches Stadtwerk oder andere Unternehmen die Grundversorgung übernimmt.

Wenn Du den Wechsel zum Grundversorger in Betracht ziehst, solltest Du ohnehin auf dessen Website oder per Telefon nachprüfen, ob die Preise in der Grundversorgung mit den Preisen aus den Finanztip-Rechnern übereinstimmen. Möglich ist auch, dass der Grundversorger bereits eine Preiserhöhung für den Folgemonat bekanntgegeben hat, diese in unserem Vergleichsrechner aber noch nicht auftaucht. Achtung: Einige Grundversorger verstecken die Grundtarife auf ihrer Website und zeigen sie etwa nicht in den Ergebnislisten an, wenn Du dort nach Strom- oder Gastarifen suchst.

Hast Du von Deinem bisherigen Anbieter eine Preiserhöhung bekommen, ist diese nicht immer in Stein gemeißelt. Manche Anbieter bieten Dir auf Nachfrage doch noch einen günstigeren Vertrag mit Preisgarantie an, wenn Du mit einer Kündigung drohst. Frage dazu telefonisch bei Deinem Anbieter nach – teilweise sind vergünstigte Tarife auch hinter einem Kündigungsbutton auf dessen Website versteckt.

Unterscheiden sich die Preise Deines bisherigen Versorgers von denen in der Grundversorgung nur wenig, solltest Du abwägen, ob sich ein Wechsel tatsächlich lohnt. Denn weitere Preiserhöhungen bei Grundversorgern sind möglich – in einem Sondertarif mit einer Preisbindung wärst Du dagegen abgesichert.

Melde Dich aktiv für die Grundversorgung an

Hast Du Dich für den Wechsel zum Grundversorger entschieden, kündige Deinen bisherigen Vertrag schriftlich. Den neuen Grundversorgungsvertrag kannst Du nicht über unsere Vergleichspartner Check24 und Verivox abschließen, sondern nur direkt beim Anbieter. Wichtig: Melde Dich unbedingt rechtzeitig beim Grundversorger an – am besten schriftlich, damit Du einen Nachweis hast. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens gibt es eine Mitteilungspflicht, Deinem Grundversorger schriftlich Bescheid zu geben, dass Du ab einem bestimmten Datum Energie von ihm beziehen und damit in die Grundversorgung wechseln wirst. Das ist gesetzlich in der Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) und analog dazu in der GasGVV geregelt

„Kommt der Grundversorgungsvertrag dadurch zustande, dass Elektrizität aus dem Elektrizitätsversorgungsnetz der allgemeinen Versorgung entnommen wird, über das der Grundversorger die Grundversorgung durchführt, so ist der Kunde verpflichtet, dem Grundversorger die Entnahme von Elektrizität unverzüglich in Textform mitzuteilen. Die Mitteilungspflicht gilt auch, wenn die Belieferung des Kunden durch ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen endet und der Kunde kein anschließendes Lieferverhältnis mit einem anderen Elektrizitätsversorgungsunternehmen begründet hat.“

Quelle: §2 StromGVV 

Zweitens beugst Du damit einem eventuellen Streit vor. Meldest Du Dich nicht für die Grundversorgung an, interpretieren das einige Stadtwerke als „vertragslosen Zustand“ und weisen Dich der teureren Ersatzversorgung zu – obwohl das rechtlich fragwürdig ist. Denn die Bundesnetzagentur beschreibt auf ihrer Website, in welchen Fällen Du automatisch in die Grundversorgung fallen müsstest. Nämlich:

  • Einzug in eine neue Wohnung
  • Kündigung des bisherigen Vertrags durch den Kunden
  • Kündigung des bisherigen Vertrags durch den Lieferanten

Der Grundversorger ist seinerseits verpflichtet, Dir den Vertragsabschluss umgehend zu bestätigen bzw. Dich über einen automatisch zustande gekommenen Vertrag zu informieren.

Mehr zum Wechsel Deines Strom- oder Gasanbieters liest Du in unseren weiterführenden Ratgebern.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Den Stromanbieter zu wechseln, zahlt sich häufig aus.
  • Wie Du vorgehen solltest, erfährst Du in unserem Ratgeber.

Zum Ratgeber

Mehr dazu im Ratgeber Gasanbieterwechsel

  • Vergleiche Tarife am besten mit unserem Gasrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Emp­feh­lungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig. Zum Gasrechner

Zum Ratgeber

So wehrst Du Dich gegen die Ersatzversorgung

Manche Grundversorger wollen in der angespannten Versorgungslage nur ungern Neukunden mit Energie beliefern. Finanztip hat von vielen Fällen erfahren, in denen neue Kunden sich plötzlich in der teureren Ersatzversorgung wiederfanden. Teilweise „drohen“ Stadtwerke sogar mit diesem teuren Tarif, interpretieren die gesetzlichen Vorgaben nach eigener Auslegung oder „begrüßen“ Neukunden ganz unerwartet in der Ersatzversorgung, obwohl zuvor die Grundversorgung vereinbart war.

Nur in den oben genannten Fällen gibt es eine gesetzliche Grundlage, um in der Ersatzversorgung zu landen. Achte sicherheitshalber darauf, Dich direkt beim Versorger rechtzeitig für die Grundversorgung anzumelden.

Solltest Du dennoch in der Ersatzversorgung gelandet sein, oder der Grundversorger kündigt Dir an, dass Du in die Ersatzversorgung fallen wirst, kannst Du Dich wehren. In einem ersten Schritt solltest Du auf Deinen Grundversorger zugehen und ihn darum bitten, Dich (rückwirkend) in seinen Grundversorgungsvertrag aufzunehmen. Nett fragen kostet schließlich nichts.

Stößt Du auf Widerstand, weise den Grundversorger auf seine Pflicht hin, Dich im Rahmen der Grundversorgung zu beliefern. Die gesetzlichen Grundlagen dafür sind die §36 und §38 EnWG. Zudem kannst Du mit den Fallbeispielen der Bundesnetzagentur argumentieren. „Ersatzversorgten“ darf der Versorger drei Monate lang die Grundversorgung verweigern. Entscheidend ist aber, ob Du zuvor überhaupt der Ersatzversorgung zugeordnet hättest werden dürfen.

Sind Dir durch eine ungerechtfertigte Ersatzversorgung Mehrkosten entstanden, weil die Preise in der Ersatzversorgung deutlich höher als in der Grundversorgung waren, kannst Du die Kosten zurückfordern. Nutze dafür gerne unseren Musterbrief, den wir Dir hier für Dein Schreiben an den Grundversorger zur Verfügung stellen.

Musterbrief Erstattung Ersatzversorgung

Hier kannst Du unseren Musterbrief für die Rück­for­de­rung der Ersatzversorgungs-Kosten herunterladen:

Zum Download

Schlussendlich kannst Du auch darauf hinweisen, dass Du eine Verbraucherschutz-Organisation Deinen Fall prüfen lassen wirst. Hilft alles nichts, bleibt Dir tatsächlich nur dieser Ausweg: Wende Dich an eine Verbraucherzentrale und bitte dort um Einschätzung Deines Falls. Auch die Schlichtungsstelle Energie kann eine hilfreiche Anlaufstelle sein.

Wenn Du trotzdem in die Ersatzversorgung musst

Landest Du rechtmäßig in der Ersatzversorgung, weil zum Beispiel Dein bisheriger Lieferant insolvent geht, musst Du bis zu drei Monate dort bleiben, bevor Du in die Grundversorgung wechseln kannst. Allerdings hast Du in der Ersatzversorgung auch einen Vorteil: Du kannst täglich einen neuen Vertrag abschließen und die Ersatzversorgung verlassen.

Der Bundesnetzagentur rät, zu Beginn und Ende der Ersatzversorgung die Zählerstände abzulesen und an den Grundversorger zu übermitteln. So zahlst Du in der oft teuren Notversorgung nur das, was Du tatsächlich verbrauchst. Andernfalls darf der Grundversorger Deinen Verbrauch nämlich schätzen.

Ein weiterer Tipp kommt vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: Solltest Du den Verdacht haben, Dein bisheriger Energielieferant könnte bald insolvent gehen, frage bei der Bundesnetzagentur gezielt nach. Denn Lieferanten müssen die Bundesnetzagentur drei Monate vor einem drohenden Lieferstopp informieren. Womöglich liegt also bereits solch eine Meldung vor. Dann kannst Du frühzeitig reagieren und durch einen Anbieterwechsel die Ersatzversorgung vermeiden.

Kosten der Ersatzversorgung abschätzen

Wenn Du drei Monate in der Ersatzversorgung verbleiben musst, aber eigentlich in die Grundversorgung wechseln möchtest, schätze Deine Kosten in der Ersatzversorgung ab. Der Stromverbrauch bleibt über das Jahr verteilt in der Regel recht konstant, solange Du keinen Strom für Wärmepumpe, E-Auto oder zum Heizen nutzt. Multipliziere daher Deinen monatlichen Stromverbrauch mit dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde in der Ersatzversorgung. Musst Du drei Monate dort verbleiben, kannst Du so die Ersatzversorgung mit Deiner bisherigen Abschlagszahlung vergleichen.

Beim Gas ist es etwas komplizierter – denn ein Großteil des Gasverbrauchs fällt während der winterlichen Heizperiode an. Hier kommt es entscheidend darauf an, welche Monate Du in der Ersatzversorgung verbringen musst. Der Interessenverband Mieterschutz e.V. stellt auf seiner Seite eine Gradtagszahlentabelle zur Verfügung. Dort kannst auf der Basis von insgesamt 1000 Anteilen für ein Jahr grob abschätzen, wie viel der jährlichen Heizkosten in einzelnen Monaten anfallen:

Januar170 Anteile
Februar150 Anteile
März130 Anteile
April80 Anteile
Mai40 Anteile
Juni, Juli und August zusammen40 Anteile
September30 Anteile
Oktober80 Anteile
November120 Anteile
Dezember160 Anteile

Quelle: Interessenverband Mieterschutz e.V.

Ein Beispiel: Die Monate November, Dezember und Januar summieren sich auf 450 von insgesamt 1000 Anteilen. Der Verbrauch in diesen drei Monaten entspricht also ungefähr 45 Prozent Deines Jahresverbrauchs. Liegt dieser bei 12.000 kWh und der Arbeitspreis in der Ersatzversorgung bei 30 Cent pro Kilowattstunde, dann geht die Rechnung so: 0,45 x 12.000 = 5.400. Multipliziert mit 0,30 Euro ergibt das einen Arbeitspreis von 1.620 Euro für drei Monate Ersatzversorgung.

Kennst Du diese Kosten, kannst Du abschätzen, ob sich der Verbleib in der Ersatzversorgung für Dich lohnt – oder ob ein rascher Anbieterwechsel die bessere Wahl ist.

Wie Du beim Grundversorger kündigst

Bist Du im Grundtarif Deines Grundversorgers, beträgt die reguläre Kündigungsfrist zwei Wochen. Es ist ratsam, regelmäßig zu prüfen, ob es günstigere Tarife für Dich gibt. Möchte der Grundversorger seine Preise erhöhen, muss er Dich mindestens sechs Wochen vor der geplanten Preisanpassung darüber informieren. Aufgrund einer Preiserhöhung kannst Du auch außerordentlich kündigen. Dann musst Du die Kündigung selbst schicken. Hältst Du die Kündigungsfrist von zwei Wochen ein, darf auch ein neu gewählter Lieferant für Dich den Vertrag kündigen.

Weitere Informationen zur Kündigung von Energieverträgen findest Du in den Ratgebern Gasanbieter-Wechseln und Stromanbieter-Wechseln.

Autor
Benjamin Weigl

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