Stromzähler

Digitale Stromzähler für alle

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
18. August 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder bekommt einen digitalen Stromzähler. Diese sind teurer als die bisherigen – bis zu 90 Euro im Jahr. Wehren kannst Du Dich dagegen nicht.
  • Haushalte mit hohem Stromverbrauch und Betreiber von Solaranlagen oder Wärmepumpen müssen mit sogenannten intelligenten Messsystemen rechnen. Diese sind besonders teuer.
  • Den Pflichteinbau intelligenter Messsysteme hat das Oberverwaltungsgericht Münster am 4. März 2021 in rund 50 Netzgebieten vorerst gestoppt.
So gehst Du vor
  • Wann Dein neuer Stromzähler kommt, bestimmt in der Regel der Netzbetreiber.
  • Verweigerst Du den Einbau des Zählers, muss der Netzbetreiber diesen dennoch durchsetzen – notfalls per Gericht.
  • Solltest Du ein teures, intelligentes Messsystem erhalten, prüf die Kosten bei anderen Mess­stel­len­be­trei­bern. 

Jeder hat sofort ein Bild vor Augen, wenn das Wort „Stromzähler“ fällt: Ein schwarzes Gehäuse mit einer durchsichtigen Frontscheibe schirmt das Innere des Messgeräts ab. Fließt Strom, dreht sich langsam eine waagerecht montierte Aluminiumscheibe um die eigene Achse. Das Zählwerk klappert und schiebt andere Ziffern ins Sichtfenster. Rund 30 Millionen solcher elektromechanischen Stromzähler sind heute noch in deutschen Wohnungen installiert. Bis 2032 sollen nahezu alle dieser Ferraris-Zähler verschwinden. Besiegelt ist das im Messstellenbetriebsgesetz.

Was können die neuen Stromzähler?

Das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) ist seit Januar 2017 in Kraft. Es schreibt vor, dass flächendeckend in Deutschland moderne Messgeräte für Strom installiert werden. Seither dürfen Unternehmen unter Verweis auf das Gesetz nur noch elektronische Stromzähler in Haushalten einbauen. Verbraucher können sich dagegen nicht wehren. Sie haben aber das Recht, den Mess­stel­len­be­trei­ber zu wechseln, sich also selbst das Unternehmen auszusuchen, das den Zähler einbaut und betreibt.

Das Gesetz sieht zwei unterschiedliche Typen von Messgeräten für Stromverbraucher vor: moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme. Wer welchen bekommt, hängt davon ab, wie viel Strom ein Kunde verbraucht.

Der kostengünstigere Typ ist die moderne Messeinrichtung. Das ist ein digitaler Stromzähler, der Dir Deinen Stromverbrauch über die Zeit aufschlüsselt – für jeden Tag, für jede Woche, für jeden Monat oder ein ganzes Jahr. Bis zu zwei Jahre lassen sich die Daten rückwirkend abrufen. Du kannst dann Deinen Verbrauch an unterschiedlichen Tagen über zwei Jahren hinweg miteinander vergleichen.

Leisten können diesen Dienst elektronische Geräte. Sobald sie den Stromverbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen und diese Daten auch übermitteln, handelt es sich um intelligente Stromzähler oder Smart Meter. Mit diesen kannst Du Deine Verbrauchsdaten aus der Ferne abrufen, beispielsweise über ein Internetportal oder eine App. Sollst Du laut Gesetz eine moderne Messeinrichtung eingebaut bekommen, kannst Du Dich auch für einen intelligenten Zähler entscheiden. Dieser kostet in der Regel etwas mehr. Finanztip besitzt seit August 2017 einen intelligenten Zähler. Über unsere Erfahrungen mit dem Gerät berichten wir in unserem Blog.

In manchen Fällen reicht ein intelligenter Zähler aber nicht aus, um dem Messstellenbetriebsgesetz zu entsprechen – dann erhältst Du ein sogenanntes intelligentes Messsystem. Zu diesem System gehört ein intelligenter Zähler, der in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Über dieses Netz können verschiedene Personen auf die Zählerdaten zugreifen – Du selbst, der Betreiber des Messsystems, der Netzbetreiber oder auch der Energieversorger. Die Schnittstelle zwischen Zähler und Kommunikationsnetz heißt Smart Meter Gateway (SMG). Beide Komponenten des intelligenten Messsystems, Zähler und Gateway, baut Dir Dein Mess­stel­len­be­trei­ber ein.

Insgesamt sind in Deutschland rund 53 Millionen Stromzähler installiert – in Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Mindestens 6,4 Millionen dieser Zähler sollen einem intelligenten Messsystem Platz machen. An die Stelle der anderen sollen moderne Messeinrichtungen rücken. Diese müssen laut Gesetz heute noch nicht in ein Kommunikationsnetz eingebunden werden. Perspektivisch soll dies aber möglich sein.

Was bedeuten die neuen Zähler für Dich?

Die neuen Stromzähler gehen für die meisten Verbraucher mit höheren Kosten einher. Wie hoch die Entgelte sein dürfen, hat der Gesetzgeber festgelegt: Einfache Geräte dürfen 20 Euro im Jahr kosten, komplexere Zähler 100 Euro oder sogar mehr. Die Netzbetreiber schöpfen diese Obergrenzen in der Regel voll aus. Erhältst Du einen teuren Zähler, bedeutet das für Dich Mehrkosten von 80 bis 90 Euro pro Jahr.

Im Gegenzug sollen die digitalen Zähler Dir helfen, Sparpotenziale zu erschließen – durch das Erkennen von Stromfressern im Haushalt. Sparen kannst Du aber auch in variablen und dynamischen Tarifen. Diese haben keine fixen Preise, sondern die Preise können sich über den Tag verändern – entsprechend den Preisschwankungen an der Strombörse

Erste Stromversorger bieten solche Tarife seit 2019 an. Nun dürften eine Reihe neuer flexibler Tarife dazukommen: Seit Sommer 2021 schreibt das Energiewirtschaftsgesetz Unternehmen mit mehr als 200.000 Kunden vor, mindestens einen dynamischen Tarif im Portfolio zu haben. Ab 2022 sollen auch Unternehemen mit mehr als 100.000 Kunden einen solchen anbieten und ab 2025 alle Stromlieferanten mit mehr als 50.000 Kunden. Alle jeweils kleineren Stromlieferanten sollen nach Möglichkeit variable Tarife anbieten. 

Stromzähler, die den Verbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen können, sind die Voraussetzung für variable Tarife. Besitzt Du bereits einen Smart Meter, kannst Du zudem Deine Stromversorgung in ein Smart Home integrieren. Das Ablesen von Stromzählern einmal im Jahr wird bei intelligenten Geräten dagegen überflüssig – der Stromverbrauch lässt sich aus der Ferne abrufen.

Bietet Dir Dein regionaler Stromlieferant oder ein anderes Unternehmen einen variablen oder dynamischen Tarif an, dann schau Dir das Angebot an und vergleiche es mit Angeboten für fixe Tarife. Am besten nutzt Du dazu unseren Stromrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert. 

Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100% unabhängig.

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Intelligente Messsysteme zur Fernsteuerung von Anlagen

Die Pflicht zum Zählertausch besteht auch bei Anlagen zur Stromerzeugung – aber nicht nur, um den Stromfluss ins Netz viertelstundengenau anzuzeigen. Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerke größer 7 Kilowatt Leistung bekommen intelligente Messsysteme, damit sie ein Netzbetreiber im Notfall regeln kann, wenn mehr Strom ins Netz fließt, als für dieses gut ist.

Erzeugungsanlagen größer 30 Kilowatt Leistung sind längst regelbar. Das neue Gesetz weitet die Vorschrift auf noch kleinere Anlagen aus. Und sorgt dafür, dass die bislang installierte Steuertechnik wohl ersetzt wird. Bei einigen Erzeugungsanlagen sind schon Zähler installiert, die viertelstundengenau den eingespeisten Strom anzeigen. Dies ist der Fall, wenn Du Deinen Strom von einem Direktvermarkter verkaufen lässt. Künftig soll dieser dann über das intelligente Messsystem auf die Zählerdaten zugreifen.

Auch viele Stromzähler für WärmepumpenStromspeicherheizungen und Ladestationen für Elektroautos sollen intelligenten Messsystemen Platz machen. Voraussetzung: Die Systeme sind bereits steuerbar. Dann können die Netzbetreiber zu festgelegten Zeiten die Stromversorgung unterbrechen. Dafür zahlst Du dann geringere Netzentgelte. Statt der bisherigen Steuervorrichtung (häufig ein Rundsteuerempfänger) soll der Netzbetreiber künftig über das intelligente Messsystem und die verbundene Steuerbox auf die Anlagen zugreifen. Er kann dann den Stromverbrauch der Anlagen so steuern, wie es die Situation im Stromnetz gerade erfordert – und ohne, dass Du frieren musst.

In dieses sogenannte Lastmanagement lassen sich auch andere große Verbrauchsgeräte aufnehmen wie beispielsweise Elektroautos oder Batteriespeicher. Was noch fehlt, ist eine gesetzliche Verordnung, in welcher Höhe Verbraucher finanziell profitieren, wenn sie die Steuerung ihrer Geräte erlauben und wie dies vertraglich geregelt werden kann (§ 14a EnWG). Einen Gesetzentwurf nahm der Bundeswirtschaftsminister Ende 2020 wieder zurück.

Wer erhält einen einfachen digitalen Stromzähler?

Liegt Dein Stromverbrauch maximal bei 6.000 Kilowattstunden im Jahr, erhältst Du einen einfachen digitalen Stromzähler. Dafür darf Dir der Mess­stel­len­be­trei­ber bis zu 20 Euro im Jahr als Messstellenentgelt berechnen. Dieser Wert ist als Preisobergrenze im Gesetz definiert. Heute zahlen die meisten Haushalte zwischen 8 und 17 Euro im Jahr.

Darüber hinaus erhältst Du auch solch einen einfachen digitalen Zähler, wenn Du ein kleines Stromkraftwerk betreibst und zwar bis zu einer Leistung von 7 Kilowatt. Vor allem kleine Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen fallen unter diese Grenze.

Wann die Geräte in Wohnhäusern Einzug halten, entscheidet der „grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber“ (gMSB). Das ist in der Regel der Netzbetreiber, an dessen Stromnetz Du geschlossen bist. Um die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetriebs können sich andere Unternehmen bewerben, auch solche, die kein Stromnetz betreiben. Die Bundesnetzagentur entscheidet dann, wem die Aufgabe zufällt. Bis August 2018 gab es noch kein Verfahren, die Grundzuständigkeit zu übertragen.

Wie läuft der Austausch Deines Zählers?

Der grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber ist verantwortlich für den Einbau moderner Stromzähler in seinem Gebiet. Wie er das organisiert, bleibt ihm überlassen. 2017 hat der Rollout begonnen, wie das flächendeckende Ausbringen moderner Zähler heißt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur erhielten bis Ende 2019 rund 6 Millionen Haushalte und Gewerbebetriebe eine moderne Messeinrichtung.

Beabsichtigt Dein grundzuständiger Mess­stel­len­be­trei­ber, Deinen Stromzähler auszutauschen, muss er einen bestimmten Ablauf einhalten (§ 37 MsbG): Mindestens drei Monate vor dem geplanten Einbau muss Dich das Unternehmen darüber schriftlich informieren. In dem Brief sollte das Unternehmen mitteilen, welche Zählerart es einbauen will, wann es das machen will und was Dich das kosten wird. Hinweisen muss Dich das Unternehmen zudem darauf, dass Du einen anderen Mess­stel­len­be­trei­ber beauftragen kannst. Was ein neuer Zähler kostet, hat der grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber auch in Preisblättern zu veröffentlichen. Gewöhnlich finden sich diese auf der Internetseite des Unternehmens. 

Weil der Mess­stel­len­be­trei­ber Westnetz die Drei-Monats-Frist nicht eingehalten hat, verurteilte ihn das Landgericht Dortmund zur Unterlassung (Urteil vom 22. Januar 2019, Az. 25 O 282/18). Das Urteil ist rechtskräftig. Das Unternehmen hatte argumentiert, dass der Zählertausch auch mit kürzerer Frist erfolgen kann – wenn der Kunde einverstanden sei. Dem widersprachen die Richter.

Abwenden kannst Du den Einbau nicht. Aber Du kannst ein anderes Unternehmen wählen, Dir einen neuen Zähler einzubauen (§ 5 MsbG). Ein Grund für einen Wechsel des Mess­stel­len­be­trei­bers können günstigere Konditionen bei einem Wettbewerber sein. Oder Du wünschst Dir einen anderen Zähler als den, den Dein grundzuständiger Mess­stel­len­be­trei­ber einbauen will – etwa einen intelligenten Zähler statt eines einfachen digitalen. Rund 400.000 intelligente Zähler sind in Haushalten und Gewerbebetrieben installiert.

Ist der Tag des Zählertauschs gekommen, solltest Du zu Hause sein und den Elektriker hereinlassen. Er baut den alten Zähler aus und setzt den neuen Zähler ein. Den alten Zähler nimmt der Elektriker auch mit. Wenn Du am Tag des Zählertauschs nicht zu Hause sein solltest, dann teil das dem Mess­stel­len­be­trei­ber frühzeitig mit und vereinbar einen anderen Termin.

Gesetzlich hast Du die Pflicht, den Zählertausch zu ermöglichen. Steht der Elektriker mehrmals bei Dir vor verschlossener Tür, kann sich der grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber ans zuständige Amtsgericht wenden und Deine Kooperation juristisch erzwingen lassen.

Wer erhält ein intelligentes Messsystem und was kostet es?

Ein intelligentes Messsystem erhältst Du auf jeden Fall, wenn Du zu einer von drei Gruppen von Verbrauchern gehörst:

  1. Du beziehst mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr.
  2. Du produzierst selbst Strom, speist ihn ins Stromnetz ein und Deine Anlage hat dabei mehr als 7 Kilowatt Leistung.
  3. Du betreibst eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe, die der Netzbetreiber in Deiner Stromversorgung unterbrechen darf.

Welche Kosten für intelligente Messsysteme entstehen dürfen, ist im Gesetz festgelegt.  Die jährlichen Entgelte beinhalten die Kosten des Geräts selbst, seinen Einbau, seine Wartung und seinen Betrieb. Diese Preisobergrenzen haben bis 2026 in ihrer aktuellen Höhe Bestand. Die folgende Tabelle zeigt die Kosten pro Jahr:

Pflichteinbau für intelligente Messsysteme

NutzergruppePreisobergrenze

Stromverbrauch

> 6.000 ≤ 10.000 kWh/Jahr

100 Euro

Betreiber einer unterbrechbaren

Verbrauchseinrichtung

(Wärmepumpe/Stromspeicherheizung)

100 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 7 ≤ 15 kW

100 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 15 ≤ 30 kW

130 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 30 ≤ 100 kW

200 Euro

¹ Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden
kW ist die Einheit Kilowatt und gibt die elektrische Leistung der jeweiligen Anlage an 
kWh ist die Einheit Kilowattstunde und gibt den Stromverbrauch an
Quelle: § 31 Abs. 1 und Abs. 2 MsbG (Stand: 2019)

Wann kommen intelligente Messsysteme?

Der Startschuss für den Pflichteinbau ist im Februar 2020 gefallen – erst einmal für Haushalte mit einem Stromverbrauch mit mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr. Allerdings: Das Oberverwaltungsgericht in Münster stoppte diesen Pflichteinbau in rund 50 Netzgebieten im März 2021 wieder (Az. 21 B 1162/20). Die Richter halten die Markterklärung für voraussichtlich rechtswidrig, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Februar 2020 abgegeben hat, nach der dann der Pflichteinbau beginnen konnte. Geklagthaben rund 50 Stadtwerke, die den Pflichteinbau nicht mit Geräten vollziehen wollen, die auf Basis der bisher gemachten Vorgaben des BSI entwickelt wurden. Sie argumentieren, dass das BSI die technischen Anforderungen an die Messsysteme nicht gemäß den gesetzlichen Anforderungen definiert habe. Das Verwaltungsgericht Köln verhandelt in der Sache vermutlich noch im Frühling 2021 (Az. 9 K 3784/20).

Der Pflicht-Rollout bei Erneuerbaren-Energien-Anlagen und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen hatte noch nicht begonnen. Auch steuerbare WärmepumpenNachtspeicherheizungen und Wallboxen waren vom Pflichteinbau bislang noch nicht betroffen. So lange die Klage der Stadtwerke noch nicht entschieden ist, erhältst Du als Stromerzeuger oder Betreiber eines steuerbaren Verbrauchsgeräts nur ein intelligentes Messsystem, wenn Du es wünschst. Alternativ kannst Du den Pflicht-Einbau eines intelligenten Messsystems bis zu acht Jahre aufschieben, indem Du Deinen Mess­stel­len­be­trei­ber wechselst. Das geht so lange, bis eine rechtskonforme Markterklärung des BSI vorliegt und den Pflicht-Einbau einläutet. Rund 200.000 Erzeuger und Verbraucher haben diese Möglichkeit bis Ende 2019 genutzt. 

Da die grundzuständigen Mess­stel­len­be­trei­ber bis Anfang 2020 auf den Startschuss zum Pflicht-Rollout warten mussten, haben sie seit 2017 auch die einfacheren modernen Messeinrichtungen auch bei einem Stromverbrach von mehr als 6.000 Kilowattstunden eingebaut – obwohl dann ein intelligentes Messsystem vorgeschrieben ist. Der Auslöser war dabei zumeist, dass die Eichfrist für den bisherigen Zähler ablief. Rund 400.000 Haushalte und Gewerbetriebe erhielten so einen günstigeren digitalen Zähler anstelle des teuren Messsystems. Eine moderne Messeinrichtung lässt sich dabei noch zum intelligenten Messsystem aufrüsten. Aber erst, wenn das geschehen ist, hast Du auch das höhere Messentgelt zu zahlen.

Intelligente Messsysteme für weitere Stromverbraucher möglich

Bei einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr müssen grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber ein intelligentes Messsystem einbauen. Sie können Dir ein solches Gerät aber auch vorschreiben, wenn Du weniger Strom verbrauchst. Ob sie dies machen, entscheiden die Unternehmen. Auch bei Betreibern von Stromerzeugungsanlagen mit mehr als 1 bis zu 7 Kilowatt Leistung können die Unternehmen optional ein intelligentes Messsystem statt einer modernen Messeinrichtung vorsehen. Dies betrifft aber nur Anlagen, die seit 2018 in Betrieb gegangen sind oder noch gehen. Mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster darf aber seit 4. März 2021 kein intelligentes Messsystem mehr verpflichtend eingebaut werden.

Für den optionalen Einbau gelten andere Preisobergrenzen für die jährlichen Entgelte:

Optionaler Einbau von intelligenten Messsystemen

Höhe StromverbrauchPreisobergrenze
> 4.000 ≤ 6.000 kWh/Jahr60 Euro
> 3.000 ≤ 4.000 kWh/Jahr40 Euro
> 2.000 ≤ 3.000 kWh/Jahr30 Euro
≤ 2.000 kWh/Jahr23 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/
KWKG-Anlage1 > 1 ≤ 7 kW2
60 Euro

1Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden.kWh ist die Einheit Kilowattstunde und gibt den Stromverbrauch an. 
2kW ist die Einheit Kilowatt und gibt die elektrische Leistung der jeweiligen Anlage an. 
Quelle: § 31 Abs. 3 MsbG (Stand: 2019)

Warum soll die intelligente Messtechnik kommen?

Keine Frage: Die Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes ist ein Mammutprojekt. Mehr als 40 Millionen Haushalte, Millionen Unternehmen und Betreiber von kleinen Stromerzeugungsanlagen bekommen bis 2032 neue Stromzähler eingebaut. Da stellt sich die Frage: Warum überhaupt?

Die Bundesregierung hält eine Vielzahl von kommunikationsfähigen Stromzählern für notwendig, um die Energiewende ab etwa 2030 weiter voranzutreiben. Experten sind sich relativ einig, dass es ab einem Anteil von mehr als 70 Prozent erneuerbarer Energie am Strommix intelligente Technik am Stromnetz braucht, um Stromerzeugung und Stromverbrauch sicher im Gleichgewicht zu halten.

Welche Bedenken gibt es gegen die neuen Messgeräte?

Als die Politiker noch das Gesetz erarbeiteten, kritisierten die Verbraucherzentralen und Datenschützer bereits stark die jeweiligen Entwürfe. Sie sehen das Risiko für Hackerangriffe und Manipulation. Dem hält die Bundesregierung entgegen: Das Gesetz lege hohe Anforderungen an die Sicherheit der Systeme fest. Entsprechend hat das BSI Schutzprofile für das Smart Meter Gateway und die angeschlossenen Komponenten entwickelt. Dass die Messsysteme diese einhalten, prüft die Behörde. „Alles Theorie“, sagen Kritiker dennoch. Hacker könnten trotzdem eine Lücke finden.

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