Stromzähler

Digitale Stromzähler für alle

Ines Rutschmann Stand: 24. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder bekommt einen digitalen Stromzähler. Diese sind teurer als die bisherigen – bis zu 90 Euro im Jahr. Wehren können Sie sich dagegen nicht.
  • Haushalte mit hohem Stromverbrauch und Betreiber von Solaranlagen oder Wärmepumpen müssen mit sogenannten intelligenten Messsystemen rechnen. Diese sind besonders teuer.
So gehen Sie vor
  • Wann Ihr neuer Stromzähler kommt, bestimmt in der Regel der Netzbetreiber.
  • Verweigern Sie den Einbau des Zählers, muss der Netzbetreiber diesen dennoch durchsetzen – notfalls per Gericht.
  • Sollen Sie ein teures, intelligentes Messsystem erhalten, prüfen Sie die Kosten bei anderen Messstellenbetreibern.

Jeder hat sofort ein Bild vor Augen, wenn das Wort „Stromzähler“ fällt: Ein schwarzes Gehäuse mit einer durchsichtigen Frontscheibe schirmt das Innere des Messgeräts ab. Fließt Strom, dreht sich langsam eine waagerecht montierte Aluminiumscheibe um die eigene Achse. Das Zählwerk klappert und schiebt andere Ziffern ins Sichtfenster. Rund 40 Millionen solcher elektromechanischen Stromzähler sind heute noch in deutschen Wohnungen installiert. Bis 2032 sollen nahezu alle dieser Ferraris-Zähler verschwinden. Besiegelt ist das im Messstellenbetriebsgesetz.

Was können die neuen Stromzähler?

Das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) ist seit Januar 2017 in Kraft. Es schreibt vor, dass flächendeckend in Deutschland moderne Messgeräte für Strom installiert werden. Seither dürfen Unternehmen unter Verweis auf das Gesetz nur noch elektronische Stromzähler in Haushalten einbauen. Verbraucher können sich dagegen nicht wehren. Sie haben aber das Recht, den Messstellenbetreiber zu wechseln, sich also selbst das Unternehmen auszusuchen, das den Zähler einbaut und betreibt.

Das Gesetz sieht zwei unterschiedliche Typen von Messgeräten für Stromverbraucher vor: moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme. Wer welchen bekommt, hängt davon ab, wie viel Strom ein Kunde verbraucht.

Der kostengünstigere Typ ist die moderne Messeinrichtung. Das ist ein digitaler Stromzähler, der Ihnen Ihren Stromverbrauch über die Zeit aufschlüsselt – für jeden Tag, für jede Woche, für jeden Monat oder ein ganzes Jahr. Bis zu zwei Jahre lassen sich die Daten rückwirkend abrufen. Sie können dann Ihren Verbrauch an unterschiedlichen Tagen über zwei Jahren hinweg miteinander vergleichen.

Leisten können diesen Dienst elektronische Geräte. Sobald sie den Stromverbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen und diese Daten auch übermitteln, handelt es sich um intelligente Stromzähler oder Smart Meter. Mit diesen können Sie Ihre Verbrauchsdaten aus der Ferne abrufen, beispielsweise über ein Internetportal oder eine App. Sollen Sie laut Gesetz eine moderne Messeinrichtung eingebaut bekommen, können Sie sich auch für einen intelligenten Zähler entscheiden. Dieser kostet in der Regel etwas mehr. Finanztip besitzt seit August 2017 einen intelligenten Zähler. Über unsere Erfahrungen mit dem Gerät berichten wir in unserem Blog.

In manchen Fällen reicht ein intelligenter Zähler aber nicht aus, um dem Messstellenbetriebsgesetz zu entsprechen – dann erhalten Sie ein sogenanntes intelligentes Messsystem. Zu diesem System gehört ein intelligenter Zähler, der in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Über dieses Netz können verschiedene Personen auf die Zählerdaten zugreifen – Sie selbst, der Betreiber des Messsystems, der Netzbetreiber oder auch der Energieversorger. Die Schnittstelle zwischen Zähler und Kommunikationsnetz heißt Smart Meter Gateway (SMG). Beide Komponenten des intelligenten Messsystems, Zähler und Gateway, baut Ihnen Ihr Messstellenbetreiber ein.

Insgesamt sind in Deutschland rund 51 Millionen Stromzähler installiert – in Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Mindestens 6 Millionen dieser Zähler sollen einem intelligenten Messsystem Platz machen. An die Stelle der anderen sollen moderne Messeinrichtungen rücken. Diese müssen laut Gesetz heute noch nicht in ein Kommunikationsnetz eingebunden werden. Perspektivisch soll dies aber möglich sein.

Was bedeuten die neuen Zähler für Sie?

Die neuen Stromzähler gehen für die meisten Verbraucher mit höheren Kosten einher. Wie hoch die Entgelte sein dürfen, hat der Gesetzgeber festgelegt: Einfache Geräte dürfen 20 Euro im Jahr kosten, komplexere Zähler 100 Euro oder sogar mehr. Die Netzbetreiber schöpfen diese Obergrenzen in der Regel voll aus. Erhalten Sie einen teuren Zähler, bedeutet das für Sie Mehrkosten von 80 bis 90 Euro pro Jahr.

Im Gegenzug sollen die digitalen Zähler Ihnen helfen, Sparpotenziale zu erschließen – durch das Erkennen von Stromfressern im Haushalt oder durch variable Tarife. Das sind Stromtarife, bei denen die Stromkosten innerhalb eines Tages variieren. Erste Stromversorger bieten solche Tarife seit 2019 an. Weitere Unternehmen könnten folgen, wenn mehr intelligente Zähler in Deutschland installiert sind. Denn Geräte, die den Verbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen können, sind die Voraussetzung für variable Tarife.

Viele Unternehmen der Energiebranche bereiten sich darauf vor, Verbrauchern neue Dienste anzubieten, sobald die intelligente Messtechnik im Haushalt vorhanden ist. Besitzen Sie einen Smart Meter, können Sie zudem Ihre Stromversorgung in ein Smart Home integrieren. Das Ablesen von Stromzählern einmal im Jahr wird bei intelligenten Geräten dagegen überflüssig – der Stromverbrauch lässt sich aus der Ferne abrufen.

Bietet Ihnen Ihr regionaler Stromlieferant oder ein anderes Unternehmen einen variablen Tarif an, dann schauen Sie sich das Angebot an und vergleichen Sie es mit Angeboten für fixe Tarife. Am besten nutzen Sie dazu unserem Stromrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.

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Intelligente Messsysteme zur Fernsteuerung von Anlagen

Die Pflicht zum Zählertausch besteht auch bei Anlagen zur Stromerzeugung – aber nicht nur, um den Stromfluss ins Netz viertelstundengenau anzuzeigen. Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerke größer 7 Kilowatt Leistung bekommen intelligente Messsysteme, damit sie ein Netzbetreiber im Notfall regeln kann, wenn mehr Strom ins Netz fließt, als für dieses gut ist.

Erzeugungsanlagen größer 30 Kilowatt Leistung sind längst regelbar. Das neue Gesetz weitet die Vorschrift auf noch kleinere Anlagen aus. Und sorgt dafür, dass die bislang installierte Steuertechnik wohl ersetzt wird. Bei einigen Erzeugungsanlagen sind schon Zähler installiert, die viertelstundengenau den eingespeisten Strom anzeigen. Dies ist der Fall, wenn Sie Ihren Strom von einem Direktvermarkter verkaufen lassen. Künftig soll dieser dann über das intelligente Messsystem auf die Zählerdaten zugreifen.

Auch viele Stromzähler für Wärmepumpen und Stromspeicherheizungen sollen intelligenten Messsystemen Platz machen. Voraussetzung: Die Heizungssysteme sind bereits steuerbar. Dann können die Netzbetreiber zu festgelegten Zeiten die Stromversorgung unterbrechen. Dafür zahlen Sie dann geringere Netzentgelte. Statt der bisherigen Steuervorrichtung (häufig ein Rundsteuerempfänger) soll der Netzbetreiber künftig über das intelligente Messsystem und die verbundene Steuerbox auf die Anlagen zugreifen. Er kann dann den Stromverbrauch der Anlagen so steuern, wie es die Situation im Stromnetz gerade erfordert – und ohne, dass Sie frieren müssen.

In dieses sogenannte Lastmanagement lassen sich auch andere große Verbrauchsgeräte aufnehmen wie beispielsweise Elektroautos oder Batteriespeicher. Was noch fehlt, ist eine gesetzliche Verordnung, in welcher Höhe Verbraucher finanziell profitieren, wenn sie die Steuerung ihrer Geräte erlauben und wie dies vertraglich geregelt werden kann (§ 14a EnWG).

Wer erhält einen einfachen digitalen Stromzähler?

Liegt Ihr Stromverbrauch maximal bei 6.000 Kilowattstunden im Jahr, erhalten Sie einen einfachen digitalen Stromzähler. Dafür darf Ihnen der Messstellenbetreiber bis zu 20 Euro im Jahr als Messstellenentgelt berechnen. Dieser Wert ist als Preisobergrenze im Gesetz definiert. Heute zahlen die meisten Haushalte zwischen 8 und 17 Euro im Jahr.

Darüber hinaus erhalten Sie auch solch einen einfachen digitalen Zähler, wenn Sie ein kleines Stromkraftwerk betreiben und zwar bis zu einer Leistung von 7 Kilowatt. Vor allem kleine Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen fallen unter diese Grenze.

Wann die Geräte in Wohnhäusern Einzug halten, entscheidet der „grundzuständige Messstellenbetreiber“ (gMSB). Das ist in der Regel der Netzbetreiber, an dessen Stromnetz Sie geschlossen sind. Um die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetriebs können sich andere Unternehmen bewerben, auch solche, die kein Stromnetz betreiben. Die Bundesnetzagentur entscheidet dann, wem die Aufgabe zufällt. Bis August 2018 gab es noch kein Verfahren, die Grundzuständigkeit zu übertragen.

Wie läuft der Austausch Ihres Zählers?

Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist verantwortlich für den Einbau moderner Stromzähler in seinem Gebiet. Wie er das organisiert, bleibt ihm überlassen. Bis spätestens Mitte 2020 hat er der Bundesnetzagentur nachzuweisen, dass 10 Prozent der Zähler in seinem Gebiet getauscht sind. Erfüllt ein Unternehmen das Ziel nicht, droht ihm, seine Grundzuständigkeit zu verlieren.

2017 hat der Rollout begonnen, wie das flächendeckende Ausbringen moderner Zähler heißt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur erhielten bis Ende 2018 rund 2,5 Millionen Haushalte und Gewerbebetriebe eine moderne Messeinrichtung.

Beabsichtigt Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber, Ihren Stromzähler auszutauschen, muss er einen bestimmten Ablauf einhalten (§ 37 MsbG): Mindestens drei Monate vor dem geplanten Einbau muss Sie das Unternehmen darüber schriftlich informieren. In dem Brief sollte das Unternehmen mitteilen, welche Zählerart es einbauen will, wann es das machen will und was Sie das kosten wird. Hinweisen muss Sie das Unternehmen zudem darauf, dass Sie einen anderen Messstellenbetreiber beauftragen können. Was ein neuer Zähler kostet, hat der grundzuständige Messstellenbetreiber auch in Preisblättern zu veröffentlichen. Gewöhnlich finden sich diese auf der Internetseite des Unternehmens. 

Weil der Messstellenbetreiber Westnetz die Drei-Monats-Frist nicht eingehalten hat, verurteilte ihn das Landgericht Dortmund zur Unterlassung (Urteil vom 22. Januar 2019, Az. 25 O 282/18). Das Urteil ist rechtskräftig. Das Unternehmen hatte argumentiert, dass der Zählertausch auch mit kürzerer Frist erfolgen kann – wenn der Kunde einverstanden sei. Dem widersprachen die Richter.

Abwenden können Sie den Einbau nicht. Aber Sie können ein anderes Unternehmen wählen, Ihnen einen neuen Zähler einzubauen (§ 5 MsbG). Ein Grund für einen Wechsel des Messstellenbetreibers können günstigere Konditionen bei einem Wettbewerber sein. Oder Sie wünschen sich einen anderen Zähler als den, den Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber einbauen will – etwa einen intelligenten Zähler statt eines einfachen digitalen. Rund eine halbe Million Verbrauch erhielten 2017 und 2018 einen intelligenten Zähler.

Ist der Tag des Zählertauschs gekommen, sollten Sie zu Hause sein und den Elektriker hereinlassen. Er baut den alten Zähler aus und setzt den neuen Zähler ein. Den alten Zähler nimmt der Elektriker auch mit. Wenn Sie am Tag des Zählertauschs nicht zu Hause sein sollten, dann teilen Sie das dem Messstellenbetreiber frühzeitig mit und vereinbaren Sie einen anderen Termin.

Gesetzlich haben Sie die Pflicht, den Zählertausch zu ermöglichen. Steht der Elektriker mehrmals bei Ihnen vor verschlossener Tür, kann sich der grundzuständige Messstellenbetreiber ans zuständige Amtsgericht wenden und Ihre Kooperation juristisch erzwingen lassen.

Wer erhält ein intelligentes Messsystem und was kostet es?

Ein intelligentes Messsystem erhalten Sie auf jeden Fall, wenn Sie zu einer von drei Gruppen von Verbrauchern gehören:

  1. Sie beziehen mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr.
  2. Sie produzieren selbst Strom, speisen ihn ins Stromnetz ein und Ihre Anlage hat dabei mehr als 7 Kilowatt Leistung.
  3. Sie betreiben eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe, die der Netzbetreiber in ihrer Stromversorgung unterbrechen darf.

Welche Kosten für intelligente Messsysteme entstehen dürfen, ist im Gesetz festgelegt.  Die jährlichen Entgelte beinhalten die Kosten des Geräts selbst, seinen Einbau, seine Wartung und seinen Betrieb. Diese Preisobergrenzen haben bis 2026 in ihrer aktuellen Höhe Bestand. Die folgende Tabelle zeigt die Kosten pro Jahr:

Pflichteinbau für intelligente Messsysteme

NutzergruppePreisobergrenze

Stromverbrauch

> 6.000 ≤ 10.000 kWh/Jahr

100 Euro

Betreiber einer unterbrechbaren

Verbrauchseinrichtung

(Wärmepumpe/Stromspeicherheizung)

100 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 7 ≤ 15 kW

100 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 15 ≤ 30 kW

130 Euro

Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹

> 30 ≤ 100 kW

200 Euro

¹ Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden
kW ist die Einheit Kilowatt und gibt die elektrische Leistung der jeweiligen Anlage an 
kWh ist die Einheit Kilowattstunde und gibt den Stromverbrauch an
Quelle: § 31 Abs. 1 und Abs. 2 MsbG (Stand: 2019)

Weitere Betreiber von Stromerzeugungsanlagen sollen ein intelligentes Messsystem eingebaut bekommen – aber nicht nach dem Messstellenbetriebsgesetz sondern nach dem aktuellen Entwurf für das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Demnach sollen auch Photovoltaikanlagen und andere Erzeugungsanlagen, die mehr als ein Kilowatt Leistung haben, ein intelligentes Messsystem erhalten. Bei Bestandsanlagen soll innerhalb von fünf Jahrennachgerüstet werden. Neue Anlagen sollen dagegen das Messsystem erhalten, wenn sie in Betrieb gehen. Die Preisobergrenzen gelten dabei nicht. Stattdessen soll ein „angemessenes Entgelt“ erhoben werden (§ 33 MsbG). Das kann bei einer Anlage mit weniger als 7 Kilowatt Leistung bei 100 Euro im Jahr oder mehr liegen. Geplant ist, dass das neue EEG im Januar 2021 in Kraft tritt.

Wann kommen intelligente Messsysteme?

Der Startschuss für den Pflichteinbau ist Anfang Februar 2020 gefallen - erst einmal für Haushalte mit einem Stromverbrauch mit mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr. Ist das bei Ihnen der Fall, kann jederzeit die Ankündigung zum Einbau des neuen Zählers im Briefkasten liegen.

Dagegen beginnt der Pflicht-Rollout bei Erneuerbaren-Energien-Anlagen und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen voraussichtlich erst im dritten Quartal 2020 – bis dahin sollen noch gesetzliche Änderungen erfolgen. Auch steuerbare Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen sind vom Pflichteinbau noch ausgenommen. So lange das der Fall ist, können Sie den Pflicht-Einbau bis zu acht Jahre aufschieben, indem Sie Ihren Messstellenbetreiber wechseln.

Bereits bis Mitte 2020 sollen die grundzuständigen Messstellenbetreiber nachweisen, dass zehn Prozent der vorgesehenen Messstellen mit intelligenten Systemen ausgerüstet sind. Andernfalls beginnt ein Verfahren zur Übertragung der Grundzuständigkeit an ein anderes Unternehmen (§ 45 Abs. 2 MsbG). Bei allen Stromerzeugungsanlagen größer 7 Kilowatt Leistung müssen intelligente Messsysteme bis 2024 installiert sein. Für Stromverbraucher sieht das Gesetz die Installation bis 2028 vor.

Da die grundzuständigen Messstellenbetreiber bis Anfang 2020 auf den Startschuss zum Pflicht-Rollout warten mussten, haben sie seit 2017 auch die einfacheren modernen Messeinrichtungen dort installiert, wo ein intelligentes Messsystem vorgeschrieben ist. Der Auslöser war dabei zumeist, dass die Eichfrist für den bisherigen Zähler ablief. Mehr als 200.000 Haushalte und Gewerbetriebe erhielten so einen günstigeren digitalen Zähler anstelle des teuren Messsystems. Eine moderne Messeinrichtung lässt sich dabei noch zum intelligenten Messsystem aufrüsten. Aber erst, wenn das geschehen ist, haben Sie auch das höhere Messentgelt zu zahlen.

Intelligente Messsysteme für weitere Stromverbraucher möglich

Bei einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr müssen grundzuständige Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem einbauen. Sie können Ihnen ein solches Gerät aber ab 2020 auch vorschreiben, wenn Sie weniger Strom verbrauchen. Ob sie dies machen, entscheiden die Unternehmen. Die Bundesnetzagentur hat diese dazu 2018 befragt: 70 Unternehmen (8,5 Prozent der grundzuständigen Messstellenbetreiber) planen, intelligente Messsysteme bei Verbrauchern mit bis zu 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zu installieren. Fast die Hälfte der Unternehmen war noch unentschlossen und 43,5 Prozent verneinten die Frage.

Auch bei Betreibern von Stromerzeugungsanlagen mit mehr als 1 bis zu 7 Kilowatt Leistung können die Unternehmen optional ein intelligentes Messsystem statt einer modernen Messeinrichtung vorsehen. Dies betrifft aber nur Anlagen, die seit 2018 in Betrieb gegangen sind oder noch gehen.

Für den optionalen Einbau gelten andere Preisobergrenzen für die jährlichen Entgelte:

Optionaler Einbau von intelligenten Messsystemen

Höhe StromverbrauchPreisobergrenze
> 4.000 ≤ 6.000 kWh/Jahr60 Euro
> 3.000 ≤ 4.000 kWh/Jahr40 Euro
> 2.000 ≤ 3.000 kWh/Jahr30 Euro
≤ 2.000 kWh/Jahr23 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/
KWKG-Anlage1 > 1 ≤ 7 kW2
60 Euro

1Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden.kWh ist die Einheit Kilowattstunde und gibt den Stromverbrauch an. 
2kW ist die Einheit Kilowatt und gibt die elektrische Leistung der jeweiligen Anlage an. 
Quelle: § 31 Abs. 3 MsbG (Stand: 2019)

Warum soll die intelligente Messtechnik kommen?

Keine Frage: Die Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes ist ein Mammutprojekt. Mehr als 40 Millionen Haushalte, Millionen Unternehmen und Betreiber von kleinen Stromerzeugungsanlagen bekommen bis 2032 neue Stromzähler eingebaut. Da stellt sich die Frage: Warum überhaupt?

Die Bundesregierung hält eine Vielzahl von kommunikationsfähigen Stromzählern für notwendig, um die Energiewende ab etwa 2030 weiter voranzutreiben. Experten sind sich relativ einig, dass es ab einem Anteil von mehr als 70 Prozent erneuerbarer Energie am Strommix intelligente Technik am Stromnetz braucht, um Stromerzeugung und Stromverbrauch sicher im Gleichgewicht zu halten.

Welche Bedenken gibt es gegen die neuen Messgeräte?

Als die Politiker noch das Gesetz erarbeiteten, kritisierten die Verbraucherzentralen und Datenschützer bereits stark die jeweiligen Entwürfe. Sie sehen das Risiko für Hackerangriffe und Manipulation. Dem hält die Bundesregierung entgegen: Das Gesetz lege hohe Anforderungen an die Sicherheit der Systeme fest. Entsprechend hat das BSI Schutzprofile für das Smart Meter Gateway und die angeschlossenen Komponenten entwickelt. Dass die Messsysteme diese einhalten, prüft die Behörde. „Alles Theorie“, sagen Kritiker dennoch. Hacker könnten trotzdem eine Lücke finden.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Den Stromanbieter zu wechseln, zahlt sich häufig aus.
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Autor
Ines Rutschmann

Stand: 24. September 2020


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