Stromzähler

Fast alle Haushalte erhalten neue Messgeräte für Strom

Das Wichtigste in Kürze

  • In fast allen deutschen Haushalten müssen bis 2032 digitale Stromzähler installiert sein. Das legt das Messstellenbetriebsgesetz fest. Die heute stark verbreiteten Ferraris-Zähler müssen damit weichen.
  • Auf die meisten Verbraucher kommen höhere Kosten für den Betrieb des Zählers zu. Es können bis zu 100 Euro pro Jahr sein.
  • Verbraucherschützer kritisieren die Einbaupflicht wegen absehbarer Mehrkosten. Der Staat verweist darauf, dass die Energiewende mittelfristig einer modernen Infrastruktur bedürfe.
  • Auch viele Betreiber von Solarstromanlagen oder von Wärmepumpen erhalten neue Geräte. Diese erfassen die Energiemengen, die die Anlagen ins Stromnetz abgeben oder aus diesem beziehen und sollen die Anlagen zugleich dabei steuern können.

So gehen Sie vor

  • Wann ein neuer Stromzähler kommt, bestimmt der „grundzuständige Messstellenbetreiber“. Bislang nehmen die Netzbetreiber diese Funktion wahr.
  • Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber informiert Sie mindestens drei Monate vor dem geplanten Einbau des neuen Zählers. Abwenden können Sie die Installation nicht.
  • Passt Ihnen der Termin nicht, dann teilen Sie das dem Unternehmen mit und vereinbaren Sie einen anderen.
  • Sie können auch den Messstellenbetreiber wechseln und dadurch die Kosten – insbesondere für intelligente Messsysteme – drücken.
  • Bis intelligente Messsysteme am Mark verfügbar sind, können Sie sich auch noch einen einfachen digitalen Zähler einbauen lassen. Dieser hat bis zu acht Jahre Bestandsschutz.
  • Unabhängig davon lohnt es sich oft, zu einem anderen, günstigeren Stromanbieter zu wechseln.
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Jeder hat sofort ein Bild vor Augen, wenn das Wort „Stromzähler“ fällt: Ein schwarzes Gehäuse mit einer durchsichtigen Frontscheibe schirmt das Innere des Messgeräts ab. Fließt Strom, dreht sich langsam eine waagerecht montierte Aluminiumscheibe um die eigene Achse. Das Zählwerk klappert und schiebt andere Ziffern ins Sichtfenster. Mehr als 40 Millionen solcher elektromechanischen Stromzähler sind heute in deutschen Wohnungen installiert. Bis 2032 sollen nahezu alle dieser Ferraris-Zähler verschwinden.

Besiegelt ist das im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Seit Januar 2017 ist es in Kraft. Es schreibt vor, dass flächendeckend in Deutschland moderne Messgeräte für Strom installiert werden. Seit Jahresbeginn dürfen Unternehmen unter Verweis auf das Gesetz elektronische Stromzähler in Haushalten einbauen. Verbraucher können sich dagegen nicht wehren. Sie haben aber das Recht, den Messstellenbetreiber zu wechseln, also selbst ein Unternehmen zu wählen, das den Zähler einbaut und betreibt.

Was können die neuen Stromzähler?

Das Gesetz sieht zwei unterschiedliche Typen von Messgeräten für Stromverbraucher vor: moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme. Wer welchen bekommt, hängt davon ab, wie viel Strom ein Kunde verbraucht.

Der kostengünstigere Typ ist die moderne Messeinrichtung. Das ist ein digitaler Stromzähler, der Ihnen Ihren Stromverbrauch über die Zeit aufschlüsselt – für jeden Tag, für jede Woche, für jeden Monat oder ein ganzes Jahr. Bis zu zwei Jahre lassen sich die Daten rückwirkend abrufen. Sie können dann Ihren Verbrauch an unterschiedlichen Tagen über zwei Jahren hinweg miteinander vergleichen.

Leisten können diesen Dienst elektronische Geräte. Sobald sie den Stromverbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen und diese Daten auch übermitteln, handelt es sich um intelligente Stromzähler oder Smart Meter. Mit diesen können Sie Ihre Verbrauchsdaten aus der Ferne abrufen, beispielsweise über ein Internetportal oder eine App. Sollen Sie laut Gesetz eine moderne Messeinrichtung eingebaut bekommen, können Sie sich auch für einen intelligenten Zähler entscheiden. Dieser kostet in der Regel etwas mehr. Finanztip besitzt seit August 2017 einen intelligenten Zähler. Über unsere Erfahrungen mit dem Gerät berichten wir in unserem Blog.

In manchen Fällen reicht ein intelligenter Zähler aber nicht aus, um dem Messstellenbetriebsgesetz zu entsprechen – dann erhalten Sie ein sogenanntes intelligentes Messsystem. Zu diesem System gehört ein intelligenter Zähler, der zusätzlich in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Über dieses können verschiedene Personen auf die Zählerdaten zugreifen – Sie selbst, der Betreiber des Messsystems, der Netzbetreiber oder auch der Energieversorger. Die Schnittstelle zwischen Zähler und Kommunikationsnetz heißt Smart Meter Gateway (SMG). Beide Komponenten des intelligenten Messsystems, Zähler und Gateway, baut Ihnen Ihr Messstellenbetreiber ein.

Insgesamt sind in Deutschland rund 51 Millionen Stromzähler installiert – in Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Mindestens 6,5 Millionen dieser Zähler sollen einem intelligenten Messsystem Platz machen. An die Stelle der anderen sollen moderne Messeinrichtungen rücken. Diese müssen laut Gesetz heute noch nicht in ein Kommunikationsnetz eingebunden werden. Perspektivisch soll dies aber möglich sein.

Was bedeuten die neuen Zähler für Sie?

Die neuen Stromzähler gehen für die meisten Verbraucher mit höheren Kosten einher. Wie hoch die Entgelte sein dürfen, hat der Gesetzgeber festgelegt: Einfache Geräte dürfen 20 Euro im Jahr kosten, komplexere Zähler 100 Euro oder sogar mehr. Im Gegenzug sollen die digitalen Zähler Ihnen helfen, Sparpotenziale zu erschließen – durch das Erkennen von Stromfressern im Haushalt oder durch variable Tarife. Das sind Stromtarife, bei denen die Stromkosten innerhalb eines Tages variieren. Kein Stromversorger bietet solche derzeit an. Das könnte sich mit dem Einbau intelligenter Zähler ändern. Denn Geräte, die den Verbrauch für jede Viertelstunde eines Tages anzeigen können, sind die Voraussetzung für variable Tarife.

Viele Unternehmen der Energiebranche bereiten sich darauf vor, Verbrauchern neue Dienste anzubieten, sobald die intelligente Messtechnik im Haushalt vorhanden ist. Besitzen Sie einen Smart Meter, können Sie zudem Ihre Stromversorgung in ein Smart Home integrieren. Das Ablesen von Stromzählern einmal im Jahr wird bei intelligenten Geräten dagegen überflüssig – der Stromverbrauch lässt sich aus der Ferne abrufen.

Intelligente Messsysteme zur Fernsteuerung von Anlagen

Die Pflicht zum Zählertausch besteht auch bei Anlagen zur Stromerzeugung – aber nicht nur, um den Stromfluss ins Netz viertelstundengenau anzuzeigen. Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerke größer 7 Kilowatt Leistung bekommen intelligente Messsysteme, damit sie ein Netzbetreiber im Notfall regeln kann, wenn mehr Strom ins Netz fließt, als für dieses gut ist.

Erzeugungsanlagen größer 30 Kilowatt Leistung sind längst regelbar. Das neue Gesetz weitet die Vorschrift auf noch kleinere Anlagen aus. Und sorgt dafür, dass die bislang installierte Steuertechnik perspektivisch wohl ersetzt wird – wohl auf Kosten des Anlagenbetreibers. Da es bisher noch keine technischen Vorschriften des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die Steuerbox in einem intelligenten Messsystem gibt, bleibt die installierte Steuertechnik aber vorerst aktiv. Bei einigen Erzeugungsanlagen sind dagegen schon Zähler installiert, der viertelstundengenau den eingespeisten Strom anzeigen. Dies ist der Fall, wenn Sie Ihren Strom von einem Direktvermarkter verkaufen lassen. Künftig soll dieser dann über das intelligente Messsystem auf die Zählerdaten zugreifen.

Auch viele Stromzähler für Wärmepumpen und Stromspeicherheizungen sollen intelligenten Messsystemen Platz machen. Der Hintergedanke hier: Die Geräte beziehen viel Strom, aber ihr Strombezug lässt sich auch unterbrechen, ohne dass deswegen die Wohnung gleich auskühlt. Bislang unterbrechen Netzbetreiber die Stromversorgung der Anlagen zu bestimmten Zeiten, wenn Sie das gestatten. Dafür zahlen Sie dann geringere Netzentgelte. Über ein intelligentes Messsystem kann der Netzbetreiber dann die Anlagen in ihrem Verbrauch so steuern, wie es die Situation im Stromnetz gerade erfordert – wiederum ohne, dass Sie frieren müssen.

In dieses sogenannte Lastmanagement lassen sich auch andere große Verbrauchsgeräte aufnehmen wie beispielsweise Elektroautos oder Batteriespeicher. Was noch fehlt, ist eine gesetzliche Verordnung, in welcher Höhe Verbraucher finanziell profitieren, wenn sie die Steuerung ihrer Geräte erlauben und wie dies vertraglich geregelt werden kann (§ 14a EnWG).

Wer erhält einen einfachen digitalen Stromzähler?

Liegt Ihr Stromverbrauch maximal bei 6.000 Kilowattstunden im Jahr, erhalten Sie einen einfachen digitalen Stromzähler. Dafür darf Ihnen der Messstellenbetreiber bis zu 20 Euro im Jahr als Messstellenentgelt berechnen. Dieser Wert ist als Preisobergrenze im Gesetz definiert. Heute zahlen die meisten Haushalte zwischen 8 und 17 Euro im Jahr.

Darüber hinaus erhalten Sie auch solch einen einfachen digitalen Zähler, wenn Sie ein kleines Stromkraftwerk betreiben und zwar bis zu einer Leistung von 7 Kilowatt. Vor allem kleine Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen fallen unter diese Grenze.

Wann die Geräte in Wohnhäusern Einzug halten, entscheidet der „grundzuständige Messstellenbetreiber“ (gMSB). Das ist in der Regel der Netzbetreiber, an dessen Stromnetz Sie geschlossen sind. Um die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetriebs können sich andere Unternehmen bewerben, auch solche, die kein Stromnetz betreiben. Die Bundesnetzagentur entscheidet dann, wem die Aufgabe zufällt. Bis August 2018 gab es noch kein Verfahren, die Grundzuständigkeit zu übertragen.

Wie läuft der Austausch Ihres Zählers?

Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist verantwortlich für den Einbau moderner Stromzähler in seinem Gebiet. Wie er das organisiert, bleibt ihm überlassen. Bis spätestens Mitte 2020 hat er der Bundesnetzagentur nachzuweisen, dass 10 Prozent der Zähler in seinem Gebiet getauscht sind. Erfüllt ein Unternehmen das Ziel nicht, droht es, seine Grundzuständigkeit zu verlieren.

2017 hat der Rollout begonnen, wie das flächendeckende Ausbringen moderner Zähler heißt. Plant Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber, Ihren Stromzähler auszutauschen, muss er einen bestimmten Ablauf einhalten: Sie erhalten zunächst ein Schreiben, in dem sich der zuständige Messstellenbetreiber vorstellt. Mindestens drei Monate vor dem geplanten Einbau gibt es eine zweite Mitteilung. Dann klärt das Unternehmen, wann es den neuen Zähler einbauen will und klärt über die damit verbundenen Kosten auf.

Abwenden können Sie den Einbau nicht. Aber Sie können ein anderes Unternehmen wählen, Ihnen einen neuen Zähler einzubauen (§ 5 MsbG). Ein Grund für einen Wechsel des Messstellenbetreibers können günstigere Konditionen bei einem Wettbewerber sein. Oder Sie wünschen sich einen anderen Zähler als den, den Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber einbauen will – etwa einen intelligenten Zähler statt eines einfachen digitalen.

Ist der Tag des Zählertauschs gekommen, sollten Sie zu Hause sein und den Elektriker hereinlassen. Er baut den alten Zähler aus und setzt den neuen Zähler ein. Den alten Zähler nimmt der Elektriker auch mit. Wenn Sie am Tag des Zählertauschs nicht zu Hause sein sollten, dann teilen Sie das dem Messstellenbetreiber frühzeitig mit und vereinbaren Sie einen anderen Termin.

Wer erhält ein intelligentes Messsystem und was kostet es?

Ein intelligentes Messsystem erhalten Sie auf jeden Fall, wenn Sie zu einer von drei Gruppen von Verbrauchern gehören:

  • Sie beziehen mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr
  • Sie produzieren selbst Strom, speisen ihn ins Stromnetz ein und Ihre Anlage hat dabei mehr als 7 Kilowatt Leistung
  • Sie betreiben eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe, die der Netzbetreiber in ihrer Stromversorgung unterbrechen darf

Der Start der Einbaupflicht ist dabei unterschiedlich: Frühestens 2020 erhalten ein intelligentes Messsystem Betreiber von Erzeugungsanlagen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung und Verbraucher, die zwischen 6.000 und 10.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr aus dem Netz entnehmen. Bei allen anderen fällt der Startschuss, sobald mindestens drei Geräte am Markt verfügbar sind, vermutlich Anfang 2019.

Welche Kosten für die Geräte entstehen dürfen, ist ebenfalls definiert. Das Messstellenbetriebsgesetz gibt maximal zulässige Entgelte an. Diese beinhalten die Kosten des Geräts selbst, seinen Einbau, seine Wartung und seinen Betrieb. Diese Preisobergrenzen haben bis 2026 in ihrer aktuellen Höhe Bestand. Die folgende Tabelle zeigt die Kosten pro Jahr:

Pflichteinbau für intelligente Messsysteme
Nutzergruppe Preisobergrenze
Stromverbrauch von mehr als 6.000 bis 10.000 Kilowattstunden im Jahr100 Euro
Betreiber einer unterbrechbaren Verbrauchseinrichtung (Wärmepumpe/Stromspeicherheizung)100 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹ mit mehr als 7 bis 15 Kilowatt Leistung100 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹ mit mehr als 15 bis 30 Kilowatt Leistung130 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹ mit mehr als 30 bis 100 Kilowatt Leistung200 Euro

¹ Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden.

Quelle: § 31 Abs. 1 und Abs. 2 MsbG

Wann kommen intelligente Messsysteme?

Intelligente Messsysteme gibt es noch nicht am Markt. Ehe die Hersteller solche Geräte verkaufen dürfen, muss das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sie zertifiziert haben. Intelligente Zähler gibt es zwar längst, aber keine zum Messsystem gehörenden Smart Meter Gateways (SMG). Diese müssen Schutzprofilen entsprechen, die das BSI definiert hat. Diese Schutzprofile sollen insbesondere den Datenschutz und die Datensicherheit gewährleisten. Geräte, die den Anforderungen entsprechen, erhalten ein Zertifikat. Den Prüfprozess durchlaufen bislang neun Geräte unterschiedlicher Hersteller.

Sind drei Smart Meter Gateways von drei unterschiedlichen Herstellern zertifiziert, darf der verpflichtende Einbau intelligenter Messsysteme beginnen. Wann es so weit sein wird, teilt die Behörde nicht mit. Die Hersteller im Zertifizierungsprozess rechnen nicht mehr damit, dass ihr Gateway noch 2018 zugelassen wird. Sie erwarten, dass Anfang 2019 mindestens drei Geräte zertifiziert sind.

Bei Stromerzeugungsanlagen müssen bis 2024 intelligente Messsysteme installiert sein. Für Stromverbraucher sieht das Gesetz die Installation zwischen 2020 und 2028 vor. Die grundzuständigen Messstellenbetreiber müssen dabei bereits bis Mitte 2020 nachweisen, dass zehn Prozent der vorgesehenen Messstellen mit intelligenten Systemen ausgerüstet sind. Andernfalls beginnt ein Verfahren zur Übertragung der Grundzuständigkeit an ein anderes Unternehmen (§ 45 Abs. 2 MsbG).

Wie können Sie Kosten in die Zukunft schieben?

Verbraucher haben derzeit noch die Möglichkeit, den Einbau eines intelligenten Messsystems in die Zukunft zu schieben. Denn so lange es noch nicht mindestens drei Geräte am Markt gibt, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, können sie sich noch einen einfachen digitalen Stromzähler einbauen lassen. Dieser hat bis zu acht Jahre Bestandsschutz (§ 19 Abs. 5 MsbG). 

Durch ein solches Manöver lassen sich einerseits die Kosten für ein intelligentes Messsystem um ein paar Jahre aufschieben. Zudem erwartet die Energiebranche, dass im Zuge der Massenfertigung der Geräte die Produktionskosten fallen. Die Messstellenbetreiber könnten dann ihr Entgelt für den Messstellenbetrieb senken. Wie Sie den Messstellenbetreiber wechseln, um Kosten zu sparen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Intelligente Messsysteme für weitere Stromverbraucher möglich

Bei einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr müssen grundzuständige Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem einbauen. Sie können Ihnen ein solches Gerät aber ab 2020 auch vorschreiben, wenn Sie weniger Strom verbrauchen. Ob sie dies machen, entscheiden die Unternehmen.

Auch bei Betreibern von Stromerzeugungsanlagen mit mehr als 1 bis zu 7 Kilowatt Leistung können die Unternehmen optional ein intelligentes Messsystem statt einer modernen Messeinrichtung vorsehen. Dies betrifft aber nur Anlagen, die seit 2018 in Betrieb gegangen sind oder noch gehen.

Für den optionalen Einbau gelten andere Preisobergrenzen für die jährlichen Entgelte:

Optionaler Einbau von intelligenten Messsystemen
Nutzergruppe Preisobergrenze
Stromverbrauch von mehr als 4.000 bis 6.000 Kilowattstunden im Jahr 60 Euro
Stromverbrauch von mehr als 3.000 bis 4.000 Kilowattstunden im Jahr 40 Euro
Stromverbrauch von mehr als 2.000 bis 3.000 Kilowattstunden im Jahr 30 Euro
Stromverbrauch von bis zu 2.000 Kilowattstunden im Jahr 23 Euro
Betreiber einer EEG-Anlage/KWKG-Anlage¹ mit mehr als 1 bis 7 Kilowatt Leistung 60 Euro

¹ Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gefördert werden.

Quelle: § 31 Abs. 3 MsbG

Warum soll die intelligente Messtechnik kommen?

Keine Frage: Die Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes ist ein Mammutprojekt. Mehr als 40 Millionen Haushalte, Millionen Unternehmen und Betreiber von kleinen Stromerzeugungsanlagen bekommen bis 2032 neue Stromzähler eingebaut. Da stellt sich die Frage: Warum überhaupt?

Die Bundesregierung hält eine Vielzahl von kommunikationsfähigen Stromzählern für notwendig, um die Energiewende ab etwa 2030 weiter voranzutreiben. Experten sind sich relativ einig, dass es ab einem Anteil von mehr als 70 Prozent erneuerbarer Energie am Strommix intelligente Technik am Stromnetz braucht, um Stromerzeugung und Stromverbrauch sicher im Gleichgewicht zu halten.

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Welche Bedenken gibt es gegen die neuen Messgeräte?

Als die Politiker noch das Gesetz erarbeiteten, kritisierten die Verbraucherzentralen und Datenschützer bereits stark die jeweiligen Entwürfe. Sie sehen das Risiko für Hackerangriffe und Manipulation. Dem hält die Bundesregierung entgegen: Das Gesetz lege hohe Anforderungen an die Sicherheit der Systeme fest. Entsprechend hat das BSI Schutzprofile für das Smart Meter Gateway und die angeschlossenen Komponenten entwickelt. Dass die Messsysteme diese einhalten, prüft die Behörde. „Alles Theorie“, sagen Kritiker dennoch. Hacker könnten trotzdem eine Lücke finden.

Entwarnung nach Test über falsch messende Stromzähler

Eine wissenschaftliche Studie sorgte in den ersten Märztagen 2017 für Aufregung: Forscher der Universität Twente Enschede in den Niederlanden hatten im Labor elektronische Zähler getestet und für einige Geräte Abweichungen von mehr als 500 Prozent bei der Messung des Stromverbrauchs festgestellt. Sofort fragten sich Verbraucherschützer in Deutschland, inwieweit Stromnutzer hierzulande von ungenau messenden Zählern betroffen sind oder im Zuge der flächendeckenden Installation moderner Geräte betroffen sein werden. Am 13. März 2017 gab die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) Entwarnung: Die für den Rollout in Deutschland vorgesehenen Geräte unterliegen strengeren Kriterien bei der Zulassung.

Die in den Niederlanden getesteten Geräte stammen aus den Jahren 2004 bis 2014. Dass elektronische Stromzähler für Störungen anfällig sein können, ist lange bekannt. Bereits 2010 erließen die zuständigen Gremien strengere Vorschriften für Zähler. Geräte, die diese Regeln nicht berücksichtigen, sollten nicht mehr zugelassen worden sein.

Am 15. März 2017 ergänzte das Forum Netzbetrieb/Netztechnik (FNN) im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), dass für die für den Rollout entwickelten Geräte bislang keine Fehlmessungen bekannt seien. Das FNN hat für alle Hersteller einen Basiszähler definiert, wie er in modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen zu verwenden ist. Darüber hinaus hat das Gremium 2011 Methoden für einen Nachweis beschrieben, dass Zähler auch in kritischen Zuständen korrekt messen.

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Finanztip-Redaktion

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.