Fernwärme

So kannst Du auch bei dieser teuren Heizart sparen

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
25. Februar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Für einen Haushalt ist Fernwärme sauber und bequem zu nutzen, aber gegenüber der Versorgung mit Gas, Heizöl oder Holz teuer.
  • Ab 2021 wird der CO2-Preis Fernwärme vermutlich noch teurer machen, wenn Dein Versorger in seinen Kraftwerken vor allem fossile Brennstoffe nutzt.
  • Im Markt herrschen noch Monopolstrukturen: Den Versorgern gehören auch die Wärmenetze. Wettbewerb zwischen den Anbietern existiert nicht.
  • Kartellbehörden befassen sich immer wieder mit dem Verdacht von überhöhten Preisen für Fernwärme.
So gehst Du vor
  • Bist Du Vertragspartner des Versorgers – als Hauseigentümer oder Mieter –, kannst Du den Vertrag von einer Verbraucherzentrale prüfen lassen.
  • Zudem empfiehlt sich eine Prüfung der Anschlussleistung ans Wärmenetz: Oft ist diese überdimensioniert. Durch eine Korrektur kannst Du mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.
  • Besteht kein Anschlusszwang ans Fernwärmenetz, kannst Du überlegen, Deinen Vertrag zu kündigen und Deine Versorgung selbst in die Hand zu nehmen – zu günstigeren Preisen.
  • Lebst Du zur Miete in einem Haus mit Fernwärmeanschluss, kannst Du Deinen Vermieter auffordern, die Anschlussleistung zu überprüfen. Nach erfolgter Korrektur sparen Mieter in der Regel 50 bis 100 Euro im Jahr.

Sich aus der Ferne mit Wärme versorgen zu lassen, ist bequem und sauber. Kein Schornsteinfeger muss die Heizung prüfen, Du musst keinen Brennstoff einkaufen und lagern, keinen Heizkessel anfeuern und pflegen. Obendrein musst Du Dir auch keine Gedanken machen, zu welcher Tageszeit Du heizt – das macht finanziell für Dich keinen Unterschied, im Gegensatz zu Nutzern von Nachtspeicherheizungen oder Wärmepumpen.

Was ist Fernwärme?

Fernwärme bedeutet, dass es in einem Wohnhaus keine eigene Heizanlage gibt. Stattdessen erzeugt ein mehr oder weniger weit entfernt liegendes Kraftwerk Wärme, die über Leitungen zu den Nutzern strömt. Zumeist fließt heißes Wasser von teilweise mehr als 100 Grad Celsius durch die Wärmenetze in Deutschland, in geringem Umfang auch heißer Dampf.

Fernwärme hat aber einen entscheidenden Nachteil: Sie ist teuer. Nur das Heizen mit Strom kostet Dich noch mehr. Dem Heizspiegel zufolge zahlten Mieter in einer 70-Quadratmeter-Wohnung im Jahr 2019 im Schnitt 890 Euro für ihre Fernwärmeheizung – rund 4 Prozent mehr als Mieter mit zentraler Ölheizung, rund 24 Prozent mehr als Mieter mit zentraler Gasheizung.

Wie ist der Markt für Fernwärme in Deutschland?

Fernwärme ist die drittbedeutendste Art, in Deutschland zu heizen – nach Gas und Öl. In mehr als 370.000 Wohnhäusern nutzen rund sechs Millionen Haushalte Fernwärme. Die meisten davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Baden-Württemberg und Bayern. Deutlich beliebter als in Altbauten ist die Wärmelieferung in Neubauten: Jedes vierte neu errichtete Wohnhaus wird mit Fernwärme beheizt.

Der Markt für Fernwärme ist nicht reguliert. Schätzungsweise 100 Versorger gibt es. Zumeist handelt es sich um Stadtwerke. Sie liefern dabei nicht nur Energie, sondern betreiben auch die Kraftwerke und die Wärmenetze – alle drei Funktionen vereint auf ein Unternehmen.

Denn im Gegensatz zum Strom- und Gasmarkt, in dem die Energie ebenfalls über Netze zum Verbraucher fließt, unterliegt der Fernwärmemarkt nicht den Entflechtungsregeln, die das Energiewirtschaftsrecht festlegt. Das bedeutet auch, dass jeder Fernwärmeversorger ein Monopol auf sein Wärmenetz besitzt. Er muss sein Netz keinem anderen Anbieter zugänglich machen, damit dieser in Wettbewerb zu ihm treten kann, wie das im Strom- und Gasmarkt möglich ist.

So kommt es, dass es im Fernwärmemarkt keinen Wettbewerb einzelner Anbieter untereinander gibt. Wenn Du Fernwärme beziehst, kannst Du nicht zwischen unterschiedlichen Versorgern wählen – egal, ob Du im eigenen Haus wohnst oder zur Miete. Es gibt nur ein Unternehmen, das Dich beliefern kann. Seine Preise musst Du hinnehmen. Welche Entgelte die Versorger verlangen, prüfen höchstens die Kartellbehörden.

Wie sind die Preise für Fernwärme?

Versorger rechnen Fernwärme nach zwei Preisen ab: Es gibt einen Grundpreis und einen Arbeitspreis. Der Grundpreis (oder auch Leistungspreis) hängt entscheidend von der Anschlussleistung des Wohnhauses ab – je höher die Leistung ist, desto mehr Wärme kann das Wärmenetz bereitstellen. Der Arbeitspreis bezieht sich auf die Wärme, die Du dem Netz tatsächlich entnommen hast. Manche Versorger berechnen zusätzlich noch einen Messpreis oder Verrechnungspreis, der unabhängig von Verbrauch und Anschlussleistung einmal im Jahr zu entrichten ist. 

Die Höhe des Arbeitspreises hängt entscheidend davon ab, wie wirtschaftlich der Versorger seine Kraftwerke betreibt. Aber: Es ist bislang unklar, zu welchen Kosten die Versorger Fernwärme produzieren und welche Marge in den Preisen steckt. Das Gleiche gilt für den Grundpreis: Wie die Versorger kalkulieren, legen sie nicht offen. Du musst den Grundpreis dabei auf jeden Fall zahlen, selbst wenn Du die Heizung kaum aufdrehst.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Kunden an einem Wärmenetz hängen, desto günstiger kann der Anbieter seinen Grundpreis gestalten. Der Grundpreis kann für Deinen Hausanschluss aber auch dann vergleichsweise hoch sein, wenn der Versorger mehr Leistung bereitstellt als benötigt wird.

Die unterschiedlichen Faktoren führen dazu, dass sich die Fernwärmepreise bundesweit stark unterscheiden. Im Schnitt lag der Preis 2016 bundesweit bei 10,5 Cent pro Kilowattstunde, heißt es im Heizspiegel. Bei optimal gewählter Anschlussleistung kostet eine Kilowattstunde zwischen 7 und 12 Cent, hat eine Preisabfrage von Finanztip im Oktober 2018 bei 16 Stadtwerken ergeben. Der Anteil des Grundpreises kann dabei zwischen rund 10 und 40 Prozent variieren. Ist die Anschlussleistung Deines Wohnhauses sogar noch größer als notwendig, kann auch die Hälfte Deiner Heizkosten auf dem fixen Jahrespreis beruhen. Du kannst dann weniger profitieren, wenn Du Energie einsparst.

Ob hohe Preise berechtigt sind, beschäftigt Verbraucherzentralen und Kartellbehörden immer wieder. Das Bundeskartellamt hat 2011 eine Sektoruntersuchung zur Fernwärme vorgenommen und anschließend bei sieben Versorgern überhöhte Preise festgestellt. Daraufhin leisteten diese Rückzahlungen an ihre Kunden.

Von Juli bis Dezember 2020 galt eine niedrigere Mehrwertsteuer für Fernwärme: Statt 19 sind 16 Prozent zu berechnen. Viele Versorger haben nicht die Abschlagszahlungen entsprechend angepasst, sondern werden die niedrigere Steuer auf der Abrechnung berücksichtigen. Liegt der Zeitpunkt der Ablesung im zweiten Halbjahr 2020, kann der niedrigere Steuersatz für den gesamten Abrechnungszeitraum gelten. Andernfalls sollte der Versorger die niedrigere Steuer für die Monate von Juli bis Dezember anteilig berechnen. Liegt Dein Wärmebezug auf dem Vorjahresniveau solltest Du in jedem Fall eine kleine Gutschrift erhalten.

Wie wehren sich Hauseigentümer gegen überhöhte Preise?

Gegen hohe Arbeitspreise kannst Du Dich kaum wehren. Erst wenn ein Kartellamt überhöhte Preise feststellt, profitierst Du davon. Beim Grundpreis kannst Du hingegen eines überprüfen lassen: die Anschlussleistung für Dein Haus. Denn häufig ist diese viel höher, als es zur Versorgung des Gebäudes sein müsste, wissen die Verbraucherzentralen aus ihrer Beratungstätigkeit. Der Preis hängt aber von der Höhe der Leistung ab.

Ob Deine Anschlussleistung überdimensioniert ist, kannst Du selbst mit einer Faustformel abschätzen: Nimm Deine letzte Abrechnung zur Hand und teile die verbrauchte Wärmemenge in Kilowattstunden durch die Anschlussleistung in Kilowatt. Du erhältst die Nutzungsdauer. Dieser Wert sollte 1.800 Stunden betragen – dann passt die Leistung optimal zu Deinem Wärmeverbrauch. Entnimmst Du dem Netz an weniger als 1.800 Stunden im Jahr Wärme, ist Deine Anschlussleistung vermutlich zu hoch gewählt. 

Endgültig kannst Du das im Rahmen eines Heiz-Checks bei einer Verbraucherzentrale klären lassen. Der Check kostet 40 Euro und beinhaltet auch die Prüfung Deines Fernwärmevertrags. Mitsamt der Berechnung Deiner Heizlast kannst Du anschließend Deinen Versorger auffordern, die Anschlussleistung zu reduzieren. Dieser ist aber nicht verpflichtet, das auch zu machen.

Alternativ kannst Du die Fernwärmeleistungskorrektur durch eine kostenlose Vorab-Prüfung der Firma Senercon einleiten. So erfährst Du, ob Du jedes Jahr zu viel für Fernwärme zahlst. In einem zweiten Schritt kann Dir Senercon ein ausführliches Gutachten und einen Antrag zur Leistungskorrektur für Deinen Anbieter erstellen. Das kostet 280 Euro (netto). Korrigiert der Versorger daraufhin die Anschlussleistung, sinken die Kosten für ein Einfamilienhaus um 200 bis 400 Euro pro Jahr.

Die Berechnung und die Korrektur der Leistung kannst Du auch vornehmen lassen, wenn Du ein Haus zur Miete bewohnst. Voraussetzung ist aber, dass der Fernwärmevertrag auf Dich läuft. Besteht bei Dir kein Anschlusszwang an das Fernwärmenetz an Deinem Wohnort, so kannst Du natürlich auch den Fernwärmevertrag kündigen. Da es keinen anderen Anbieter gibt, der Dich über das Fernwärmenetz versorgt, musst Du dann natürlich eine eigene Heizanlage in Deinem Haus installieren lassen.

Was tun, wenn der Versorger die Preise erhöht?

Obwohl die Preise für Fernwärme seit Jahren hoch sind, heben manche Versorger sie noch weiter an. Das dürfen sie aber nicht nach eigenem Belieben, auch wenn dies viele Unternehmen in der Vergangenheit so handhabten.

In den Versorgungsverträgen gibt es häufig sogenannte Preisgleitklauseln oder Preisänderungsklauseln. Sie bedeuten, dass der Versorger seine Preise verändern darf, wenn seine Kosten – beispielsweise beim Einkauf von Gas oder Biomasse – gestiegen oder auch gefallen sind. Passt der Versorger seine Preise entsprechend an, muss er Dir das mitteilen (§ 24 Abs. 4 AVBFernwärmeV). Du kannst Dich im Falle einer Erhöhung nicht wehren, sondern musst sie hinnehmen.

Ebenso verhält es sich, wenn der Versorger seine Preise stärker erhöht, als dies durch gestiegene Kosten gerechtfertigt wäre. Nutzt er beispielsweise andere Faktoren in seinen Formeln zur Berechnung der Preise, so dass die Kundenpreise ansteigen, kann eine Mitteilung per Brief zu dieser Vertragsänderung reichen - Kunden müssen die Vertragsänderung dann hinnehmen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hatte zwar 2019 geurteilt, ein neues Preisssystem dürfe erst gelten, wenn ihm die Kunden zustimmten (21. März 2019, Az. 6 U 191/17 und Az. 6 U 190/17).  Der Bundesgerichtshof hat die zwei Urteile aber aufgehoben (23. April 2020, Az. I ZR 85/19 und Az. I ZR 86/19). Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband gegen die Energieversorgung Offenbach (EVO) und die Energieversorgung Dietzenbach (EVD). Zur Unterstützung von betroffenen Fernwärmekunden hatte sich die Interessengemeinschaft EVO gegründet.

Was kannst Du als Mieter tun, um weniger zu zahlen?

Lebst Du in einem mit Fernwärme versorgten Haus zur Miete, hast Du in der Regel wenig Handhabe: Denn der Vertragspartner für den Fernwärmeversorger bist zumeist nicht Du, sondern Dein Vermieter. Aber Du kannst Deinen Vermieter für eine mögliche Korrektur der Anschlussleistung erwärmen.

Auch für Mehrfamilienhäuser bietet Senercon eine Vorab-Prüfung der Fernwärmeanschlussleistung umsonst an. Stellt sich heraus, dass die Leistung zu hoch gewählt ist, erstellt Senercon ein fachliches Gutachten und einen Antrag auf Änderung der Anschlussleistung an den Versorger. Passt dieser die Leistung an, verlangt Senercon die Hälfte der Kosteneinsparungen aus dem ersten Jahr.

Reagiert der Versorger nicht, geht Senercon leer aus - Du oder Dein Vermieter aber zahlen nichts. In den meisten Fällen folgen die Unternehmen der Aufforderung zur Leistungskorrektur, heißt es von Senercon. Damit einher gehen Einsparungen von im Schnitt 1.500 bis 2.500 Euro pro Jahr. Für die Mieter bedeutet das 50 bis 100 Euro geringere Heizkosten pro Jahr.

Darüber hinaus ist es ratsam, dass Du Deine jährliche Heizkostenabrechnung gründlich prüfst. Einerseits stellen Verbraucherzentralen immer wieder fest, dass viele Abrechnungen Fehler aufweisen. Andererseits erfährst Du durch eine Prüfung der Abrechnung, ob die Preise für Fernwärme gestiegen sind - sofern Dein Vermieter Dich darüber nicht schon informiert hat oder Du aus der Lokalzeitung von steigenden Preisen erfahren hast. Da Dein Vermieter der Vertragspartner ist, kann auch nur er einer unwirksamen Preiserhöhung widersprechen. Forder ihn auf, dies zu tun, wenn der Versorger seine Preise unabhängig von gestiegenen Kosten anheben will oder sie schon angehoben hat.

Wie kündigst Du einen Fernwärmevertrag?

Gehört Dir das Haus, das ans Fernwärmenetz angeschlossen ist, kannst Du den Versorgungsvertrag auch kündigen. Die erste Laufzeit des Vertrags darf maximal zehn Jahre betragen (§ 32 AVBFernwärmeV). Anschließend verlängert sich der Vertrag maximal um fünf Jahre. Prüf Deinen Vertrag, ob dort kürzere Fristen vereinbart sind oder ob eine ordentliche Kündigung sogar ausgeschlossen ist. Denn in manchen Kommunen besteht ein Anschlusszwang für Hauseigentümer an ein Fernwärmenetz. Kannst Du den Vertrag kündigen, so musst Du dies schriftlich tun.

Lebst Du in einem Ein- oder Zweifamilienhaus zur Miete, kannst Du auch Vertragspartner des Fernwärmeversorgers sein. Dann kannst Du den Vertrag mit einer Frist von zwei Monaten kündigen, wenn Du ausziehen willst (§ 32 Abs. 2 AVBFernwärmeV).

Warum gilt Fernwärme als umweltfreundlich?

Als Energieträger in den Fernwärme-Kraftwerken kommt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vorwiegend Gas zum Einsatz, gefolgt von Steinkohle und Braunkohle. Diese fossilen Kraftwerke dienen aber nicht einzig der Wärmeerzeugung – in erster Linie produzieren sie Strom. Die Wärme fällt dabei als Nebenprodukt mit an und wird aus dem Kraftwerk ausgekoppelt. Deshalb nennt sich das Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und gilt als umweltfreundlich. Schließlich nutzen KWK-Anlagen den eingesetzten Brennstoff effizienter aus. Daneben gibt es reine Heizkraftwerke, die nur zur Wärmegewinnung dienen.

Trotzdem nutzen die Versorger vor allem fossile Brennstoffe, um ihre Kraftwerke zu betreiben. Ab 2021 fällt damit der CO2-Preis auch für Fernwärme an, wenn der Versorger Gas oder Öl verbrennt. Diese Kosten legt er vermutlich auf seine Wärmepreise um.

Fernwärme lässt sich aber auch aus erneuerbaren Quellen bereitstellen, beispielsweise mit solarthermischen Anlagen oder Biomasse-Kraftwerken. Deren Anteil an der Fernwärmeversorgung ist zwar noch klein, aber er wächst: Rund 20 Prozent der erzeugten Fernwärme stammte 2019 aus erneuerbaren Energien.

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