Lebensversicherung versteuern

So müssen Sie Ihren Vertrag versteuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie Sie Ihre private Kapitallebens- oder Rentenversicherung versteuern müssen, hängt von bestimmten Kriterien ab. Wir unterscheiden vier Fälle:
  • Alter Vertrag: Sie haben Ihren Vertrag vor 2005 begonnen und lassen sich Guthaben auszahlen, kündigen oder verkaufen den Vertag. Der Ertrag ist in der Regel steuerfrei.
  • Neuer Vertrag und Auszahlung: Sie haben Ihren Vertrag ab 2005 abgeschlossen und lassen sich Guthaben zum Rentenbeginn auszahlen oder kündigen den Vertrag.
  • In dem Fall zahlen Sie Einkommensteuer auf den halben oder Abgeltungssteuer auf den vollen Gewinn. Je nachdem, wie lange Ihr Vertrag lief und wie alt Sie bei Auszahlung oder Kündigung sind.
  • Neuer Vertrag und Verkauf: Ihr Vertrag läuft seit dem Jahr 2005 oder später und Sie verkaufen ihn an einen spezialisierten Ankäufer. Sie zahlen Abgeltungssteuer auf den Gewinn.
  • Rentenzahlung: Sie zahlen Einkommenssteuer auf einen geringen Anteil der lebenslangen, privaten Rente, den sogenannten Ertragsanteil. Das ist bei allen Verträgen gleich.

So gehen Sie vor

  • Prüfen Sie, wann Sie Ihren Vertrag abgeschlossen haben. Entscheidend ist das Datum auf dem Versicherungsschein.
  • Alter Vertrag: Der Ertrag nach Auszahlung, Kündigung oder Verkauf ist in der Regel steuerfrei. Sie müssen nichts weiter tun.
  • Neuer Vertrag und Auszahlung: Die Versicherung muss Abgeltungssteuer auf den Ertrag direkt ans Finanzamt abführen. Geben Sie eine Steuererklärung ab, um sich zu viel bezahlte Steuer zurückzuholen und den Freibetrag bei Kapitalerträgen anrechnen zu lassen.
  • Neuer Vertrag und Verkauf: Die Versicherung führt Abgeltungssteuer auf den Ertrag direkt ans Finanzamt ab. Geben Sie eine Steuererklärung ab, um den Freibetrag bei Kapitalerträgen anrechnen zu lassen.
  • Rentenzahlung: Tragen Sie die jährliche private Rente im Abschnitt zu den Leibrenten in der Anlage R der Steuererklärung ein.
  • Die Auszahlung einer Risikolebensversicherung unterliegt nicht der Einkommensteuer.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu wichtigen Steuerfragen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Mit einer privaten (fondsgebundenen) Lebens- oder Rentenversicherung sorgen Millionen Deutsche fürs Alter vor. Doch ist der Rentenbeginn erreicht, stellt sich die Frage, wie viel Steuern eigentlich auf das angesparte Kapital fällig werden. Die Frage der Besteuerung wird auch für alle wichtig, die ihre Versicherung frühzeitig kündigen oder den Vertrag an einen spezialisierten Ankäufer veräußern.

Ob und wie viel Steuern Sie zahlen müssen, hängt davon ab, wann Sie den Vertrag abgeschlossen haben. Entscheidend ist das Datum auf Ihrem Versicherungsschein. Wichtig ist auch, wie lange der Vertrag lief und wie alt Sie sind, wenn Sie das Geld abrufen. Kapitalauszahlungen werden grundsätzlich anders behandelt als Rentenzahlungen. Schauen Sie also, welcher Fall auf Sie zutrifft.

Was wird versteuert?

Je nachdem, ob Sie sich Ihre Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung zum Beginn des Ruhestands auszahlen lassen oder den Vertrag vorher kündigen oder verkaufen, ergibt sich eine Ablaufleistung, ein Rückkaufswert oder eine Kaufsumme.

Versteuert wird nicht die jeweilige volle Summe – sondern nur Ihr Ertrag, also der Unterschiedsbetrag zwischen der tatsächlich ausbezahlten Summe und Ihren eingezahlten Beiträgen.

Dieser Unterschiedsbetrag (Gewinn) aus Lebens- und Rentenversicherungen zählt zu den Kapitaleinkünften. Folglich fällt von Grund her Abgeltungssteuer von 25 Prozent an. Dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Nur in manchen Fällen wird stattdessen der persönliche Einkommensteuersatz fällig. Lesen Sie dazu weiter unten mehr.

Erhalten Sie dagegen – etwa als Ehepartner oder Angehöriger – eine Risikolebensversicherung ausbezahlt, ist die Summe steuerfrei. Möglicherweise fällt jedoch Erbschaftsteuer an, sofern die dort vorgesehenen Freibeträge überschritten sind.

Was steckt hinter Ablaufleistung und Co?

Unter Ablaufleistung versteht man die Summe Ihrer angesparten Beiträge abzüglich Kosten, die laufend gutgeschriebenen Überschüsse der Versicherung und den Schlussbonus. Der Rückkaufswert ist in der Regel die Summe Ihrer eingezahlten Beiträge abzüglich Kosten und abzüglich eines Stornoabschlags.

Verkaufen Sie Ihren Vertrag liegt die Kaufsumme in der Regel einige Prozentpunkte über dem Rückkaufswert – denn der Käufer führt den Vertrag fort und kann noch Rendite gutmachen. Finanztip empfiehlt, sich mehrere Angebote von spezialisierten Ankäufern einzuholen. Eine Kündigung sollte dagegen nur die letzte Lösung sein.

Mehr dazu im Ratgeber Lebensversicherung kündigen

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Altersvorsorge

Alternativen zur Kündigung einer LV

  • Behalten Sie alte Policen mit hohem Garantiezins.
  • Bei langfristigem Geldbedarf sollten Sie die Versicherung verkaufen.
  • Bei kurzfristigem Geldbedarf können Sie Ihre Police beleihen oder beitragsfrei stellen.

» Zum Ratgeber

Unsere Anbieter-Empfehlung aus dem Finanztip Ratgeber:

Auszahlung: Läuft Ihr Vertrag seit 2004 oder länger?

In diesem Fall sind Sie fein heraus. Denn in aller Regel zahlen Sie keinen Cent Steuern, wenn Ihre Kapitallebensversicherung zum Rentenbeginn fällig wird oder Sie bei Ihrer privaten Rentenversicherung entscheiden, sich die Erträge als monatliche Rente auszahlen zu lassen. Die Ablaufleistung fließt eins zu eins auf Ihr Konto.

Ebenso verhält es sich mit dem Rückkaufswert im Falle einer Kündigung oder dem Verkaufserlös, wenn Sie Ihren Vertrag an einen spezialisierten Ankäufer veräußert haben. Sie bekommen diesen ohne Abzug auf Ihrem Konto gutgeschrieben.

Die genauen Bedingungen dafür, dass die Erträge einer Lebens- oder Rentenversicherung bei Rentenbeginn oder bei einer Kündigung steuerfrei sind, lauten:

  • Der Betrag der Ablaufleistung wird vollständig auf einmal ausbezahlt.
  • Die Versicherungsgesellschaft hat den Vertrag bis zum 31. Dezember 2004 ausgestellt.
  • Sie haben den ersten Beitrag bis zum 31. März 2005 gezahlt.
  • Sie müssen mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben.
  • Mindestens 60 Prozent Ihrer Beiträge müssen die Todesfallsumme ausmachen.

Der letzte Punkt, die ausreichend hohe Leistung an Hinterbliebene im Todesfall, sollte bei fast allen Verträgen erfüllt sein. Denn seinerzeit haben die Versicherer in der Regel die Verträge bereits so ausgestaltet, dass alle Voraussetzungen für eine steuerfreie Auszahlung gegeben waren.

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Auszahlung: Haben Sie Ihren Vertrag 2005 oder später abgeschlossen?

Wenn Sie sich Erspartes aus einer solchen neuen Lebens- oder Rentenversicherung auszahlen lassen, müssen Sie – im Gegensatz zu älteren Verträgen – auf jeden Fall Steuern zahlen. Festgelegt ist das im Alterseinkünftegesetz. Es ordnet private Kapitallebens- oder Rentenversicherungen der sogenannten dritten Schicht der Altersvorsorge zu. Auf Erträge dieser Kategorie fällt generell Abgeltungssteuer an.

Wann Sie nur den halben Ertrag versteuern müssen

In manchen Fällen jedoch müssen Sie nicht den gesamten Gewinn Ihres Vertragsguthabens versteuern, sondern nur die Hälfte dessen. Dies passiert dann, wenn Ihr Vertrag ausläuft oder Sie ihn kündigen und die sogenannte 12/60 oder 12/62-Regel erfüllt ist (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EstG), also:

  • der Vertrag mindestens 12 Jahre gelaufen ist und
  • Sie Ihr Geld erst im Alter von 60 Jahren ausbezahlt bekommen, bei Verträgen ab 2012 im Alter von 62 Jahren.

Auf diesen halben Gewinn zahlen Sie statt der Abgeltungssteuer Ihren persönlichen Einkommensteuersatz (§ 32d Abs. 2 S. 2 EstG).

Geben Sie unbedingt eine Steuererklärung ab

Für die Steuererklärung 2017 können Sie erstmals die Vorzüge dieser sogenannten Halbeinkünfteregelung nutzen – zum ersten Mal haben im Jahr 2017 Verträge die 12 Jahre Laufzeit voll. Um in den Genuss zu kommen, müssen Sie sich allerdings selbst darum kümmern.

Denn Ihre Versicherung führt bei der Auszahlung erst einmal die Abgeltungssteuer auf den vollen Gewinn an das Finanzamt ab. Das bedeutet, Sie bekommen erst einmal rund ein Viertel weniger Auszahlung auf Ihrem Konto gutgeschrieben.

Um sich Steuern zurückzuholen, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Tragen Sie in Zeile 23 der Anlage KAP den vollen Gewinn aus der Auszahlung Ihrer Lebensversicherung ein. Wie hoch der Auszahlungsgewinn ist, sollte Ihre Versicherung Ihnen mitgeteilt haben. Füllen Sie diese Zeile aus, weiß das Finanzamt automatisch, dass auf diese Kapitaleinkünfte ausnahmsweise Ihr persönlicher Einkommenssteuersatz anzuwenden ist.

Nutzen Sie den Freibetrag optimal aus

Stellen Sie nun sicher, dass Ihr voller Freibetrag für Kapitaleinkünfte, 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten), auf Ihren halben Auszahlungsgewinn angerechnet wird. Dazu tragen Sie in Zeile 12 der Anlage KAP ein, wie viel Freibetrag Sie für andere Kapitaleinkünfte bereits verbraucht haben und in Zeile 13 der Anlage KAP, wie viel Freibetrag Ihnen noch bleibt. Beantragen Sie in Zeile 5 der Anlage KAP, dass das Finanzamt den „Steuereinbehalt“ überprüft.

In dem Fall rechnet das Finanzamt Ihnen den gesamten Freibetrag auf Ihren Gewinn aus der Auszahlung an. Den Rest müssen Sie dann in der Regel noch mit Einkommenssteuer versteuern. Im Gegenzug werden Ihre regulären Kapitaleinkünfte nun vom ersten Euro an mit Abgeltungssteuer belegt. Wenn der Einkommenssteuersatz jedoch höher ist als 25 Prozent, lohnt sich dieser „Tausch“.

Weitere Voraussetzungen bei Verträgen ab 2009

Haben Sie Ihren Vertrag ab dem 1. April 2009 abgeschlossen und wollen Sie nur den halben Auszahlungsgewinn Ihrer Lebensversicherung besteuern, muss Ihr Vertrag noch weitere Voraussetzungen erfüllen: Die Todesfallsumme muss bis zum Ende der Vertragslaufzeit mindestens 50 Prozent aller gezahlter Beiträge ausmachen (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 S. 6 EstG). Viele Verträge dürften bereits richtig konstruiert worden sein. Wenn Sie jedoch nicht sicher sind, ob Ihr Vertrag die Anforderungen erfüllt, fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach.

Was Sie beim Verkauf beachten sollten

Verkaufen Sie Ihren Vertrag an einen Ankäufer, zahlen Sie immer Abgeltungssteuer auf den gesamten Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und einbezahlten Beiträgen. Der Verkaufserlös zählt ganz klassisch zu den Kapitaleinkünften. Die Abgeltungssteuer wird von Ihrer Versicherung direkt an den Fiskus abgeführt.

Sie können sich über die Steuererklärung lediglich den Freibetrag für Kapitaleinkünfte, 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten), anrechnen lassen. Dazu tragen Sie die entsprechenden Werte in die Zeilen 7 und 12 der Anlage KAP ein. Haben Sie keine anderen Kapitalerträge, wie Zinsen oder Dividenden, wird Ihre Bemessungsgrundlage um diesen Freibetrag gemindert.

Wenn Sie das Geld aus der Lebens- oder Rentenversicherung unbedingt brauchen, empfiehlt Finanztip, sich mehrere Angebote von spezialisierten Ankäufern machen zu lassen. Sie bekommen beim Verkauf im Vergleich zur Kündigung in der Regel etwas mehr Geld heraus.

Steuerlich sind Sie beim Verkauf im Vergleich zur Kündigung nicht schlechter gestellt, sofern Sie jünger als 60 beziehungsweise 62 sind. Dann müssten Sie auch im Falle einer Kündigung die Erträge voll versteuern.

Wie versteuern Sie Ihre private Rente?

Beziehen Sie eine lebenslange Rente aus einer entsprechenden privaten Versicherung, müssen Sie sich nicht um das Datum kümmern, zu dem Sie den Vertrag geschlossen haben: Die Steuer auf Renten funktioniert immer gleich.

Sie müssen nur auf einen geringen Anteil der Rente Einkommenssteuer bezahlen, auf den sogenannten Ertragsanteil. Dieser hängt davon ab, wie alt Sie sind, wenn Sie in Rente gehen. Treten Sie zum Beispiel im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand ein, müssen Sie 17 Prozent Ihrer Rente versteuern.

Die Tabelle zu den Ertragsanteilen finden Sie im Einkommenssteuergesetz. Die Renten aus privaten Vorsorgeverträgen, hochgerechnet aufs Jahr, tragen Sie in der Anlage R im unteren Teil ein.

Hinweis: Wer im Alter freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied ist, muss auf Privatrenten 14 Prozent Abgaben zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen.

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

So können Sie fürs Alter vorsorgen

  • Zur Basisversorgung zählen die gesetzliche Rentenversicherung und Rürup-Verträge.
  • Gefördert sind Riester-Verträge oder betriebliche Altersvorsorge.
  • Die Lebensversicherung zählt zur ungeförderten Vorsorge.

» Zum Ratgeber

Was bringt ein Wechsel des Versicherungsnehmers?

Bei einer nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Versicherung lässt sich gegebenenfalls durch den Wechsel des Versicherungsnehmers Einkommensteuer sparen. Beispiel: Eltern übertragen den Versicherungsvertrag auf Sohn oder Tochter oder ein Kind überträgt den Vertrag auf die Eltern.

Das kann sich zum Beispiel lohnen, wenn Eltern ihre Police auf den studierenden Sohn übertragen, der vorerst kein eigenes Einkommen hat und auch dann voraussichtlich eine geringere Steuerlast zu tragen hat, wenn er nach seinem Abschluss in den Beruf einsteigt. Solange der Sohn also kein oder ein deutlich geringeres Einkommen hat als seine Eltern, kann die Familie so insgesamt Steuern sparen.

Der Wechsel des Versicherungsnehmers bewirkt nicht, dass die Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren für Zwecke der Einkommensteuer neu beginnt. Das hat der Bundesfinanzhof in seinem Beschluss vom 23. April 2010 (Az. VIII B 48/08) bestätigt. Dort heißt es, dass „der mit Zustimmung des Versicherers erfolgende Eintritt des Steuerpflichtigen in einen von einem anderen abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrag gegen laufende Beitragszahlung nicht als Abschluss eines neuen Vertrags anzusehen ist“ (BFH-Urteil vom 9. Mai 1974 VI R 137/72, BFHE 112, 484, BStBl II 1974, 633).

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München.