Lebensversicherung versteuern

So musst Du Deinen Vertrag versteuern

Sara Zinnecker 20. September 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Wie Du Deine private Kapitallebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung versteuern musst, hängt von bestimmten Kriterien ab. Wir unterscheiden vier Fälle:
  • Alter Vertrag: Du hast Deinen Vertrag vor 2005 begonnen und lässt Dir Guthaben auszahlen, kündigst oder verkaufst den Vertag. Der Ertrag ist in der Regel steuerfrei.
  • Neuer Vertrag und Auszahlung: Du hast Deinen Vertrag ab 2005 abgeschlossen und lässt Dir Guthaben zum Rentenbeginn auszahlen oder kündigst den Vertrag.
  • In dem Fall zahlst Du Einkommensteuer auf den halben oder Abgeltungssteuer auf den vollen Gewinn. Je nachdem, wie lange Dein Vertrag lief und wie alt Du bei Auszahlung oder Kündigung bist.
  • Neuer Vertrag und Verkauf: Dein Vertrag läuft seit dem Jahr 2005 oder später und Du verkaufst ihn an einen spezialisierten Ankäufer. Du zahlst Abgeltungssteuer auf den Gewinn.
  • Rentenzahlung: Du zahlst Einkommenssteuer auf einen geringen Anteil der lebenslangen, privaten Rente, den sogenannten Ertragsanteil. Das ist bei allen Verträgen gleich.
So gehst Du vor
  • Prüfe, wann Du Deinen Vertrag abgeschlossen hast. Entscheidend ist das Datum auf dem Versicherungsschein.
  • Alter Vertrag: Der Ertrag nach Auszahlung, Kündigung oder Verkauf ist in der Regel steuerfrei. Du musst nichts weiter tun.
  • Neuer Vertrag und Auszahlung: Die Versicherung muss Abgeltungssteuer auf den Ertrag direkt ans Finanzamt abführen. Gib eine Steu­er­er­klä­rung ab, um Dir zu viel bezahlte Steuer zurückzuholen und den Freibetrag bei Kapitalerträgen anrechnen zu lassen.
  • Neuer Vertrag und Verkauf: Die Versicherung führt Abgeltungssteuer auf den Ertrag direkt ans Finanzamt ab. Gib eine Steu­er­er­klä­rung ab, um den Freibetrag bei Kapitalerträgen anrechnen zu lassen.
  • Rentenzahlung: Trage die jährliche private Rente im Abschnitt zu den Leibrenten in der Anlage R der Steu­er­er­klä­rung ein.
  • Die Auszahlung einer Risikolebensversicherung unterliegt nicht der Einkommensteuer.

Mit einer privaten (fondsgebundenen) Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung sorgen Millionen Deutsche fürs Alter vor. Doch ist der Rentenbeginn erreicht, stellt sich die Frage, wie viel Steuern eigentlich auf das angesparte Kapital fällig werden. Die Frage der Besteuerung wird auch für alle wichtig, die ihre Versicherung frühzeitig kündigen oder den Vertrag an einen spezialisierten Ankäufer veräußern.

Ob und wie viel Steuern Du zahlen musst, hängt davon ab, wann Du den Vertrag abgeschlossen hast. Entscheidend ist das Datum auf Deinem Versicherungsschein. Wichtig ist auch, wie lange der Vertrag lief und wie alt Du bist, wenn Du das Geld abrufst. Kapitalauszahlungen werden grundsätzlich anders behandelt als Rentenzahlungen. Schaue also, welcher Fall auf Dich zutrifft.

Was wird versteuert?

Je nachdem, ob Du Dir Deine Kapitallebensversicherung oder private Ren­ten­ver­si­che­rung zum Beginn des Ruhestands auszahlen lässt oder den Vertrag vorher kündigst oder verkaufst, ergibt sich eine Ablaufleistung, ein Rückkaufswert oder eine Kaufsumme.

Versteuert wird nicht die jeweilige volle Summe – sondern nur Dein Ertrag, also der Unterschiedsbetrag zwischen der tatsächlich ausbezahlten Summe und Deinen eingezahlten Beiträgen.

Dieser Unterschiedsbetrag (Gewinn) aus Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungen zählt zu den Kapitaleinkünften. Folglich fällt von Grund her Abgeltungssteuer von 25 Prozent an. Dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Nur in manchen Fällen wird stattdessen der persönliche Einkommensteuersatz fällig. Lies dazu weiter unten mehr.

Erhältst Du dagegen – etwa als Ehepartner oder Angehöriger – eine Risikolebensversicherung ausbezahlt, ist die Summe steuerfrei. Möglicherweise fällt jedoch Erbschaftsteuer an, sofern die dort vorgesehenen Freibeträge überschritten sind.

Was steckt hinter Ablaufleistung und Co? 

Unter Ablaufleistung versteht man die Summe Deiner angesparten Beiträge abzüglich Kosten, die laufend gutgeschriebenen Überschüsse der Versicherung und den Schlussbonus. Der Rückkaufswert ist in der Regel die Summe Deiner eingezahlten Beiträge abzüglich Kosten und abzüglich eines Stornoabschlags.

Verkaufst Du Deinen Vertrag, liegt die Kaufsumme in der Regel einige Prozentpunkte über dem Rückkaufswert – denn der Käufer führt den Vertrag fort und kann noch Rendite gutmachen. Finanztip empfiehlt, sich mehrere Angebote von spezialisierten Ankäufern einzuholen. Eine Kündigung sollte dagegen nur die letzte Lösung sein.

Mehr dazu im Ratgeber Lebensversicherung kündigen

Zum Ratgeber 

 

Auszahlung: Läuft Dein Vertrag seit 2004 oder länger?

In diesem Fall bist Du fein heraus. Denn in aller Regel zahlst Du keinen Cent Steuern, wenn Deine Kapitallebensversicherung zum Rentenbeginn fällig wird. Die Ablaufleistung fließt eins zu eins auf Dein Konto.

Ebenso verhält es sich mit dem Rückkaufswert im Falle einer Kündigung oder dem Verkaufserlös, wenn Du Deinen Vertrag an einen spezialisierten Ankäufer veräußert hast. Du bekommst diesen ohne Abzug auf Deinem Konto gutgeschrieben.

Die genauen Bedingungen dafür, dass die Erträge einer Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung bei Rentenbeginn oder bei einer Kündigung steuerfrei sind, lauten:

  • Der Betrag der Ablaufleistung wird vollständig auf einmal ausbezahlt.
  • Die Versicherungsgesellschaft hat den Vertrag bis zum 31. Dezember 2004 ausgestellt.
  • Du hast den ersten Beitrag bis zum 31. März 2005 gezahlt.
  • Du musst mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben.
  • Mindestens 60 Prozent Deiner Beiträge müssen die Todesfallsumme ausmachen.

Der letzte Punkt, die ausreichend hohe Leistung an Hinterbliebene im Todesfall, sollte bei fast allen Verträgen erfüllt sein. Denn seinerzeit haben die Versicherer in der Regel die Verträge bereits so ausgestaltet, dass alle Voraussetzungen für eine steuerfreie Auszahlung gegeben waren.

Auszahlung: Hast Du den Vertrag 2005 oder später abgeschlossen?

Wenn Du Dir Erspartes aus einer solchen neuen Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung auszahlen lässt, musst Du – im Gegensatz zu älteren Verträgen – auf jeden Fall Steuern zahlen. Festgelegt ist das im Alterseinkünftegesetz. Es ordnet private Kapitallebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rungen der sogenannten dritten Schicht der Altersvorsorge zu. Auf Erträge dieser Kategorie fällt generell Abgeltungssteuer an.

Wann Du nur den halben Ertrag versteuern musst

In manchen Fällen jedoch musst Du nicht den gesamten Gewinn Deines Vertragsguthabens versteuern, sondern nur die Hälfte dessen. Dies passiert dann, wenn Dein Vertrag ausläuft oder Du ihn kündigst und die sogenannte 12/60 oder 12/62-Regel erfüllt ist (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EstG), also:

  • der Vertrag mindestens 12 Jahre gelaufen ist und
  • Du Dein Geld erst im Alter von 60 Jahren ausbezahlt bekommst, bei Verträgen ab 2012 im Alter von 62 Jahren.

Auf diesen halben Gewinn zahlst Du statt der Abgeltungssteuer Deinen persönlichen Einkommensteuersatz (§ 32d Abs. 2 S. 2 EstG).

Gib unbedingt eine Steu­er­er­klä­rung ab 

Für die Steu­er­er­klä­rung 2017 kannst Du erstmals die Vorzüge dieser sogenannten Halbeinkünfteregelung nutzen – zum ersten Mal haben im Jahr 2017 Verträge die 12 Jahre Laufzeit voll. Um in den Genuss zu kommen, musst Du Dich allerdings selbst darum kümmern.

Denn Deine Versicherung führt bei der Auszahlung erst einmal die Abgeltungssteuer auf den vollen Gewinn an das Finanzamt ab. Das bedeutet, Du bekommst erst einmal rund ein Viertel weniger Auszahlung auf Deinem Konto gutgeschrieben.

Um Dir Steuern zurückzuholen, musst Du eine Steu­er­er­klä­rung abgeben. Trage in Zeile 23 der Anlage KAP den vollen Gewinn aus der Auszahlung Deiner Lebensversicherung ein. Wie hoch der Auszahlungsgewinn ist, sollte Deine Versicherung Dir mitgeteilt haben. Füllst Du diese Zeile aus, weiß das Finanzamt automatisch, dass auf diese Kapitaleinkünfte ausnahmsweise Dein persönlicher Einkommenssteuersatz anzuwenden ist.

Nutze den Freibetrag optimal aus

Stelle nun sicher, dass Dein voller Freibetrag für Kapitaleinkünfte, 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten), auf Deinen halben Auszahlungsgewinn angerechnet wird. Dazu trage in Zeile 12 der Anlage KAP ein, wie viel Freibetrag Du für andere Kapitaleinkünfte bereits verbraucht hast und in Zeile 13 der Anlage KAP, wie viel Freibetrag Dir noch bleibt. Beantrage in Zeile 5 der Anlage KAP, dass das Finanzamt den „Steuereinbehalt“ überprüft.

In dem Fall rechnet das Finanzamt Dir den gesamten Freibetrag auf Deinen Gewinn aus der Auszahlung an. Den Rest musst Du dann in der Regel noch mit der Einkommenssteuer versteuern. Im Gegenzug werden Deine regulären Kapitaleinkünfte nun vom ersten Euro an mit Abgeltungssteuer belegt. Wenn der Einkommenssteuersatz jedoch höher ist als 25 Prozent, lohnt sich dieser „Tausch“.

Weitere Voraussetzungen bei Verträgen ab 2009

Hast Du Deinen Vertrag ab dem 1. April 2009 abgeschlossen und willst  nur den halben Auszahlungsgewinn Deiner Lebensversicherung besteuern, muss Dein Vertrag noch weitere Voraussetzungen erfüllen: Die Todesfallsumme muss bis zum Ende der Vertragslaufzeit mindestens 50 Prozent aller gezahlter Beiträge ausmachen (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 S. 6 EstG). Viele Verträge dürften bereits richtig konstruiert worden sein. Wenn Du jedoch nicht sicher bist, ob Dein Vertrag die Anforderungen erfüllt, frage bei Deiner Versicherung nach.

Was Du beim Verkauf beachten solltest

Verkaufst Du Deinen Vertrag an einen Ankäufer, zahlst Du immer Abgeltungssteuer auf den gesamten Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und einbezahlten Beiträgen. Der Verkaufserlös zählt ganz klassisch zu den Kapitaleinkünften. Die Abgeltungssteuer wird von Deiner Versicherung direkt an den Fiskus abgeführt.

Du kannst Dir über die Steu­er­er­klä­rung lediglich den Freibetrag für Kapitaleinkünfte, 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten), anrechnen lassen. Dazu trägst Du die entsprechenden Werte in die Zeilen 7 und 12 der Anlage KAP ein. Hast Du keine anderen Kapitalerträge, wie Zinsen oder Dividenden, wird Deine Bemessungsgrundlage um diesen Freibetrag gemindert.

Wenn Du das Geld aus der Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung unbedingt brauchst, empfiehlt Finanztip, sich mehrere Angebote von spezialisierten Ankäufern machen zu lassen. Du bekommst beim Verkauf im Vergleich zur Kündigung in der Regel etwas mehr Geld heraus.

Steuerlich bist Du beim Verkauf im Vergleich zur Kündigung nicht schlechter gestellt, sofern Du jünger als 60 beziehungsweise 62 bist. Dann müsstest Du auch im Falle einer Kündigung die Erträge voll versteuern.

Wie versteuerst Du Deine private Rente?

Beziehst Du eine lebenslange Rente aus einer entsprechenden privaten Versicherung, musst Du Dich nicht um das Datum kümmern, zu dem Du den Vertrag geschlossen hast: Die Steuer auf Renten funktioniert immer gleich.

Du musst nur auf einen geringen Anteil der Rente Einkommenssteuer bezahlen, auf den sogenannten Ertragsanteil. Dieser hängt davon ab, wie alt Du bist, wenn Du in Rente gehst. Trittst Du zum Beispiel im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand ein, musst Du 17 Prozent Deiner Rente versteuern.

Die Tabelle zu den Ertragsanteilen findest Du im Einkommenssteuergesetz. Die Renten aus privaten Vorsorgeverträgen, hochgerechnet aufs Jahr, trägst Du in der Anlage R im unteren Teil ein.

Hinweis: Wer im Alter freiwillig in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung Mitglied ist, muss auf Privatrenten 14 Prozent Abgaben zur gesetzlichen Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung bezahlen.

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

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Was bringt ein Wechsel des Versicherungsnehmers?

Bei einer nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Versicherung lässt sich gegebenenfalls durch den Wechsel des Versicherungsnehmers Einkommensteuer sparen. Beispiel: Eltern übertragen den Versicherungsvertrag auf Sohn oder Tochter oder ein Kind überträgt den Vertrag auf die Eltern.

Das kann sich zum Beispiel lohnen, wenn Eltern ihre Police auf den studierenden Sohn übertragen, der vorerst kein eigenes Einkommen hat und auch dann voraussichtlich eine geringere Steuerlast zu tragen hat, wenn er nach seinem Abschluss in den Beruf einsteigt. Solange der Sohn also kein oder ein deutlich geringeres Einkommen hat als seine Eltern, kann die Familie so insgesamt Steuern sparen.

Der Wechsel des Versicherungsnehmers bewirkt nicht, dass die Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren für Zwecke der Einkommensteuer neu beginnt. Das hat der Bundesfinanzhof in seinem Beschluss vom 23. April 2010 (Az. VIII B 48/08) bestätigt. Dort heißt es, dass „der mit Zustimmung des Versicherers erfolgende Eintritt des Steuerpflichtigen in einen von einem anderen abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrag gegen laufende Beitragszahlung nicht als Abschluss eines neuen Vertrags anzusehen ist“ (BFH-Urteil vom 9. Mai 1974 VI R 137/72, BFHE 112, 484, BStBl II 1974, 633).

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